Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt
Part 5
I. +Linien zwischen Europa und Nordamerika+, zugleich für den Verkehr mit +Mittelamerika+ und +Westindien+.
1. Drei Linien von der Insel +Valentia+ an der Südwestküste von Irland nach Hearts Content auf Neufundland: ~a.~ 1873er Kabel, 3475 km; ~b.~ 1874er Kabel, 3403 km; ~c.~ 1880er Kabel, 3000 km.
2. Eine Linie von der +Ballinskelligbai+ (bei Valentia) nach +Tor Bai+ auf Neuschottland.
3. Zwei Linien von +Waterville+ (nächst der Ballinskelligbai) nach +Dover Bai+.
4. Zwei Linien von +Sennen Cove+ an der Westspitze der englischen Halbinsel Cornwall nach +Dover Bai+.
5. Zwei Linien von +Brest+ (Frankreich) nach +St. Pierre-Miquelon+ (südlich von Neufundland).
II. +Linien zwischen Europa und Südamerika.+
Die Doppel-Linie +Lissabon+-Madeira-St. Vincent-+Pernambuco+; jedes Kabel hat eine Gesamtlänge von je 7260 km. Von Pernambuco wurden ferner Kabel entlang der Küste nördlich bis +Pará+, südlich nach +Bahia+, +Rio de Janeiro+, +Montevideo+ und +Buenos-Aires+ gelegt.
Zwischen Europa und Amerika bestehen somit gegenwärtig nicht weniger als 12 submarine Leitungen; 10 derselben verbinden Europa und Nordamerika.
III. +Linien zur Verbindung von Europa und Afrika+, sowie von +Europa+ und +Asien+, beziehungsweise +Australien+.
1. +Marseille+-+Algier+ (3 Linien) und +Marseille+-+Bona+ (2 Linien).
2. +Falmouth+-+Gibraltar+-+Malta+-+Alexandrien+.
3. +Modica+ (Sicilien)-+Malta+-+Alexandrien+.
4. +Otranto+ (Unteritalien)-+Zante+-+Alexandrien+ mit verschiedenen Abzweigungen.
5. +Cadiz+-+Teneriffa+-+St. Louis+-+Dakar+ (franz. Senegambien)-+Bathurst+-Bulama-+Konakry+.
6. (Alexandrien-)+Suez+-+Aden+-+Bombay+ (2 Linien).
7. +Suez+-+Aden+-+Zanzibar+-+Mozambique+-+Delagoabai+-+Port Natal+(-+Kapstadt+). Dieses Kabel ist 7289 km lang.
8. (Bombay-)+Madras+-+Penang+-+Singapore+.
9. +Singapore+-+Batavia+.
10. +Singapore+-+Banjoewangie+ (Java)-+Port Darwin+ (Nordaustralien).
11. +Singapore+-+Saigon+-+Hongkong+ (China)-+Shanghai+-+Nagasaki+ (Japan)-+Wladiwostock+ (im russischen Amurgebiet am Japanischen Meer).
12. +Saigon+-+Hué+-+Haiphong+-+Hongkong+-+Amoy+-+Shanghai+.
13. +Melbourne+-+Low Head+ (Tasmanien) und +Sydney+-+Nelson+ (Neu-Seeland).
14. Für den internationalen Verkehr ist noch von Wichtigkeit die Kabelleitung durch den persischen Golf: +Fao+ (an der Mündung des Schat-el-Arab)-+Buschehr+-+Karratschi+.
IV. +Zwischen Nord- und Südamerika.+
Galveston-Tampico-Vera Cruz-[Coatzacoalcos (Mejico)-Salina Cruz (am Stillen Ocean)]-la Libertad-San Juan del Sur-Panamá-Buenaventura-Sta. Elena (im Staat Ecuador)-Payta (Peru)-Chorillos bei Lima. Die Leitung wurde erst 1882 fertiggestellt, und erst seitdem ist zwischen Nord- und Südamerika ein direkter telegraphischer Verkehr möglich; bis dahin war das nur über Europa der Fall mittels der Leitung Lissabon-Pernambuco. Ein Telegramm von Nordamerika nach Südamerika mußte also +zweimal+ den Atlantischen Ocean durchkreuzen. Und welche Kosten waren hiermit verknüpft! Für das Taxwort eines Telegrammes von Panama nach Callao (Peru) waren z. B. nicht weniger als 13 Dollars oder 52 Mark zu entrichten. Von Lima zieht dann eine Kabelleitung südwärts nach Valparaiso, das selber wieder durch die transandinische Linie mit der Ostküste Südamerikas in Verbindung steht.
V. +Projektierte unterseeische Linien.+
An unterseeischen Linien sind in Aussicht genommen:
1. Die Fortsetzung des Kabels an der Westküste von Afrika und zwar von +Konakry+ über St. Thomas (im Gabunlande), Loanda, Benguela, Mossamedes nach +Kapstadt+.
2. Ein Kabel von +Brest+ nach +Guadeloupe+, einer der Kleinen Antillen.
3. Verbindungen von +Waterville+, +Brest+, +Vigo+ und +Lissabon+ über die +Azoren+- und +Bermuda+-Inseln mit +Halifax+, +New-York+, +Havana+ und +Kingston+ (auf Jamaica).
4. Ein Kabel von +Fortaleza+ (in Brasilien) nach +New-York+.
~C.~ Weltlinien.
Von besonderer Wichtigkeit ist die +Kombination+ der einzelnen submarinen Kabel mit Überlandlinien zur Herstellung sogen. +Weltlinien+, durch welche mehrere Erdteile miteinander in direkten Verkehr gesetzt werden.
Die +längste+ durchgehende Linie dieser Art reicht von San Francisco an der Westküste Nordamerikas einerseits und von Valparaiso an der Westküste Südamerikas andererseits bis Wladiwostock am Japanischen Meer und Nikolajewesk am Ochotskischen Meer. Sie wird durch folgende vier Hauptstrecken gebildet: die nordamerikanische, beziehungsweise südamerikanische Landroute, die atlantischen Kabel, die Linie von England bis Petersburg und die russisch-sibirische Strecke. (Siehe Karte.)
Eine +zweite+ durchgehende Linie zieht sich durch Europa in südöstlicher Richtung nach dem Süden Asiens und weiterhin nach Australien[23]. Sie nimmt ihren Weg von Konstantinopel über Bagdad und Basra, zieht hierauf über Bombay nach Madras, um von dort per Kabel Singapur zu erreichen. Von Singapur führt dann eine Doppelleitung über Java nach Port Darwin in Australien, wo sich der Überlandtelegraph anschließt. -- Mit dieser Weltlinie vereinigen sich in Bombay die zwei von Suez über Aden kommenden Kabel und in Buschir am Persischen Meerbusen die von Europa über Tiflis, Teheran und Ispahan laufende Leitung. Ferner zweigt von Singapur ein Kabel ab über Hongkong, Shanghai, Nagasaki (Japan) nach Wladiwostock zum Anschluß an die sibirische Linie.
Zur Vollendung des telegraphischen Weltnetzes fehlt nur noch die Verbindung zwischen Amerika und Asien. Ist diese Verbindung hergestellt, dann ist der elektrische Gürtel um die Erde geschlossen.
Viertes Kapitel.
Leitungsstörungen[24].
Die Beeinträchtigungen, welche die Telegraphenanlagen zu erleiden haben, sind mannigfacher Art. Was zunächst die +oberirdischen Leitungen+ betrifft, so sind dieselben zahlreichen schädlichen Einwirkungen durch die +elementaren Naturkräfte+ ausgesetzt. Als besonders nachteilig erweisen sich z. B. die aus dem Wechsel der Witterung hervorgehenden +atmosphärischen Einflüsse+. Die Niederschläge, wie Regen, Nebel und Tau, stören nämlich die Isolation der Leitungen, und dadurch wird der galvanische Strom so geschwächt, daß er oft nicht im stande ist, die Apparate auf weitere Strecken hin in Thätigkeit zu setzen. Scheidet sich im Winter der Wassergehalt der Atmosphäre in gefrorenem Zustande aus, so hängt er sich als Rauhfrost oder Schnee an die Drähte und überzieht dieselben mit dicken Krusten von beträchtlicher Schwere. Es sind in dieser Beziehung Fälle beobachtet worden, in welchen die Eiskruste einen Durchmesser von 15-20 cm erreichte und jeden einzelnen Draht innerhalb der gewöhnlichen Stangenintervalle mit einem Mehrgewicht von 1000-1500 kg belastete. Daß eine solche Vermehrung des eigenen Gewichtes, zumal bei starken Luftströmungen, vielfach Draht- und Stangenbrüche im Gefolge hat, bedarf keiner Ausführung. -- Durch +Eisgang und Hochwasser+ werden nicht selten Stangen, die aus örtlichen Gründen im Überschwemmungsgebiet der Flüsse haben aufgestellt werden müssen, unterspült und demnächst fortgerissen. -- Ferner fegt der +Sturmwind+, der die Stangen niederlegt und ihre Drähte zu schwer entwirrbaren Knäueln verwickelt, breite Breschen in die oberirdischen Leitungen. So hat der orkanartige Sturm, der in den Tagen vom 9. bis 12. März 1876 das mittlere Europa, an letzterem Tage namentlich Mitteldeutschland heimsuchte, ⅖ der sämtlichen Telegraphenleitungen des Deutschen Reichs, nämlich 52390 km Leitung mit einem Anlagewert von ca. 9 Millionen Mark, auf mehrere Tage außer Betrieb gesetzt. Tagelang gab es in Mittel- und Süddeutschland, einem großen Teil von England, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und bis nach Rußland hinein keinen telegraphischen Verkehr. Der Sturm am 4. November 1878 richtete in den österreichisch-ungarischen Telegraphenleitungen derartige Verheerungen an, daß Wien vier Tage lang von jeder elektrischen Verbindung abgeschnitten war. -- Der schädliche Einfluß der +Gewitter+ auf die Telegraphenlinien äußert sich in doppelter Weise. Trifft ein Blitzschlag die Linie unmittelbar, so werden zumeist die Tragstangen zersplittert und umgeworfen, die Isolatoren zertrümmert, die Leitungsdrähte beschädigt; außerdem wirken die in der Nähe der Leitungen sich vollziehenden Entladungen auf die Betriebsfähigkeit insofern, als sie in den Leitungen elektrische Strömungen hervorrufen, welche die Wirkung der Telegraphenströme zeitweise stören oder aufheben. -- Noch nachhaltiger als die Gewitterstörungen sind die Einwirkungen der in der Regel mit Nordlichterscheinungen verknüpften sogen. +magnetischen Gewitter+, die in den Telegraphenleitungen oft stundenlang andauernde Gegenströmungen von erheblicher Stärke hervorrufen.
Ein nicht unerheblicher Teil der an den oberirdischen Leitungen vorkommenden Beschädigungen ist auf die gewöhnliche +Abnutzung+ der verwendeten Materialien zurückzuführen. Es gilt dies namentlich von den hölzernen Stangen, die zwar mit antiseptischen Stoffen (Kupfervitriol, Quecksilbersublimat) getränkt sind, deren endliche Zerstörung dadurch indes nur aufgehalten, nicht aber vollständig abgewendet werden kann, und ferner von den Eisendrähten, die nach dem unausbleiblichen Schwinden des Zinküberzuges dem Roste mehr und mehr erliegen und schließlich reißen. -- An stark mit Leitungen belasteten Gestängen treten +Berührungen der Leitungsdrähte unter sich ein+; sie werden durch Stürme, durch Lockerung oder Brechen der Bindedrähte hervorgerufen und veranlassen dadurch Stromüberleitungen von einem Draht auf den andern und somit gleichfalls Betriebsstörungen. Auch Berührungen der Leitungen mit Baumzweigen u. dgl. können Überleitungen von einer Leitung zur andern, wie Ableitungen zur Erde zur Folge haben. Desgleichen sind Verunreinigungen der Isolatoren geeignet, unter Umständen Anlaß zu Stromableitungen zu geben.
Auch seitens mancher +Tiere+ erfahren die oberirdischen Leitungen Beschädigungen. So hacken die Spechte in die Telegraphenstangen Löcher, welche nicht selten die ganze Stange durchdringen. Betriebsstörungen entstehen ferner durch das Anfliegen größerer Vögel gegen die Leitungen. Ein Drahtbruch oder eine Verschlingung mehrerer Leitungsdrähte kann hiervon die Folge sein. Man hat dergleichen Störungen durch gegenfliegende Schwäne, Störche, Trappen, wilde Enten und andere Vögel beobachtet. Namentlich aber sind es die Gänse, welche in Gegenden mit starker Gänsezucht zu einer wahren Plage für die Telegraphenleitungen werden können. Gar manche Stangen werden auch von Bären und Wölfen umgelegt, da sich diese Tiere, durch den Ton der durch die Luft in Schwingung versetzten Drähte getäuscht, in der Nähe eines Bienenstockes zu befinden glauben und nach dem Honig fahnden. In Japan sind es die Spinnen, welche die Depeschen verderben. Während der Nacht nämlich weben und spinnen diese fleißigen Arbeiter ihre Netze zwischen den in der Luft schwebenden Drähten und den sie stützenden Stangen. Zu gewissen Jahreszeiten fällt nun reichlicher Tau, und dann werden diese Spinngewebe in nassem Zustande zu guten Elektricitätsleitern, welche oft große Abweichungen und Stromverluste hervorbringen, so daß manchmal des Morgens von einem Punkte der Linie bis zum andern die größte Konfusion herrscht. Erst nach Sonnenaufgang, wenn die Gewebe wieder trocknen, oder nachdem man dieselben zerstört hat, tritt wieder Ordnung ein.
Neben den vorerwähnten Einflüssen kommen bei der Instandhaltung der oberirdischen Leitungen auch solche Beschädigungen in Betracht, welche durch +Erd+- und +Gesteinsrutschungen+, +Felsstürze+, +Feuersbrünste+, +Eisenbahnunfälle+ etc. entstehen.
Endlich giebt es noch solche Störungen, welche in +der Böswilligkeit oder dem Unverstande der Menschen+ ihren Grund haben. Wiederholt ist z. B. die Wahrnehmung gemacht worden, daß jugendliche Arbeiter oder Schulknaben sich vorzugsweise die Isolatoren zum Ziel ihrer Steinwürfe wählen und dieselben hierbei häufig zertrümmern. Oft auch werden die Leitungen durch Auflegen von Gegenständen zum Nachteil des Betriebes miteinander verbunden. Namentlich giebt das Spiel mit Papierdrachen zu Störungen Veranlassung. Beschädigungen treten ferner ein beim Fällen von Bäumen, bei Vornahme von Sprengungen, bei Ausführung von Häuserbauten, infolge Umfahrens von Stangen durch Fuhrwerke u. dgl. Auch darunter, daß ab und zu die Drähte zum Wäschetrocknen geeignet befunden werden, hat der telegraphische Verkehr zu leiden. Vor nicht langer Zeit hat sogar ein Schornsteinfeger die über die Dächer geführten Stadt-Fernsprechleitungen behufs bequemerer Ausübung seines Handwerks zusammengebunden und dadurch den Betrieb auf diesen Leitungen für längere Zeit unmöglich gemacht. Die Wilden Australiens erhalten zwar dadurch Respekt vor dem Telegraphen, daß man die eisernen Träger der Leitung in gewissen Abständen mit einer Vorrichtung versieht, vermöge deren jede Berührung mit einem kräftigen elektrischen Schlage vergolten wird; solche +Torpedostangen+ vermögen aber nur die Träger der Leitung zu schützen, sie sind indes machtlos gegen Beschädigungen des Drahtes und der die Zerstörungswut besonders herausfordernden Isolatoren. Die schwarzen Eingeborenen haben denn auch die Isolatoren und den Draht zur Bewehrung ihrer Speere und für Angelhaken recht geeignet befunden. Die Tscherkessen wieder wählen diese friedlichen Geräte mit besonderer Vorliebe zum Zielpunkt für Schießübungen.
Sehr interessante Mitteilungen werden über die fast ganz im Bereich der Tropen befindlichen +brasilianischen Staatstelegraphen+ gemacht. Von den Schwierigkeiten, die sich der Erhaltung solcher Linien entgegenstellen, hat man in Europa fast keine Vorstellung. In der tropischen Dampfatmosphäre faulen die hölzernen Gestänge und rosten die Drähte, oder es zerspalten infolge von sechs- bis achtmonatlicher Dürre die Stangen. Die plötzliche Abkühlung der Luft bei Sonnenuntergang verursacht wiederum häufiges Reißen der Leitungsdrähte und Zerspringen der Porzellan-Isolatoren. Trotz aller Anstrengungen der Linienaufseher überwuchert auch die tropische Vegetation die Leitungen. Ferner stellt die Tierwelt gegen die Telegraphen ein ganzes Heer erklärter und unversöhnlicher Feinde; Marder, die Sippe der Stinktiere, die Biscachas und die Gürteltiere unterminieren die Pfosten, so daß diese umfallen, wenn nicht rechtzeitig Hilfe geschafft wird; desgleichen sind die zahlreichen Affenarten stets bereit, Verwirrung und Verschlingungen an den Leitungsdrähten zu verursachen. Die Belästigungen der Linien durch die Vögel sind wieder doppelter Art. Gewisse Vögel bauen mit ganz besonderer Vorliebe ihre Wohnungen auf die Spitzen der Telegraphenstangen und umhüllen dieselben in wunderbarer Geschwindigkeit mit feuchter, dem Erdboden entnommener Thonerde, oder mit Nestern, die aus Stöcken, Gras und Federn zusammengebaut sind. Sehr oft werden hierbei nicht nur die Stangenspitzen, sondern auch die Isolatoren und Drähte mit eingehüllt, wodurch letztere, wenigstens bei feuchter Witterung, in gegenseitige Beziehung gebracht werden. Außerdem wirken Vögel störend dadurch ein, daß ganze Schwärme gleich nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang umherziehen. Sie fliegen hierbei oft, da die Leitungsdrähte der Dämmerung wegen kaum sichtbar sind, gegen dieselben an, geraten dabei zwischen die Drähte, die dann verwickelt oder gar gebrochen werden, wobei allerdings auch die Angreifer sehr oft zu Schaden kommen. Auch die in Brasilien in so großen Massen auftretenden Insekten sind gefürchtete Feinde der Telegraphenlinien. Die gefährlichsten Zerstörungen der brasilianischen Leitungen werden jedoch durch die tropischen Gewitter verursacht.
Die +unterirdischen Telegraphenlinien+ sind im großen und ganzen weniger Gefahren ausgesetzt als die oberirdischen Leitungen. Immerhin bleiben auch sie von Anfechtungen nicht ganz befreit. Beispielsweise sind Verletzungen von solchen vorgekommen durch Aufgraben des Erdbodens in deren unmittelbarer Nähe. Durch die dabei angewendeten Hacken u. s. w. wurden, trotz der vorhandenen eisernen Schutzdrähte, die inneren isolierenden Guttapercha-Hüllen mehrfach verletzt oder gar die Kupferlitzen zerstört. Auch durch den Gebrauch von Feuer zum Schmelzen des Bleies behufs Dichtung von Gas- und Wasserleitungsröhren, die in der Nähe von Kabeln lagen, gelangten Guttapercha und Kupferdrähte so weit zur Erwärmung, daß die Drähte aus der isolierenden Hülle heraustraten und miteinander oder mit den Schutzdrähten in Berührung kamen. In einem Falle wurde eine unterirdische Linie unabsichtlich durch Eintreiben eines mit einer Eisenspitze versehenen Pfahls verletzt, welchen ein Seiltänzer behufs Befestigung des von ihm zu seinen Schaustellungen nötigen Gerüstes benutzen wollte. In einem andern Falle führte ein mit dem Ausroden von Baumwurzeln beauftragter Arbeiter dadurch eine vollständige Unterbrechung einer unterirdischen Linie herbei, daß er das in der Erde liegende Kabel für eine Wurzel hielt und durchhieb. Glücklicherweise gehören derartige Beschädigungen unterirdischer Leitungen zu den Seltenheiten, und es darf daraus der Beweis entnommen werden, daß die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen sich als wirksamer Schutz gegen die Mehrzahl aller absichtlichen und unabsichtlichen Angriffe bewähren.
Nicht ganz so ausreichender Schutz hat den durch +Flüsse und Seen+ geführten Kabeln verliehen werden können. Letztere werden hin und wieder durch schleppende Schiffsanker aus ihrer Lage gehoben und zerrissen. In Flüssen mit starkem Gefälle leiden die Kabel wohl auch durch die fortwährend auf die äußere Schutzhülle zerstörend einwirkenden Flußgeschiebe oder durch das immerwährende Scheuern auf steinigem Untergrunde. In Fällen der letztern Art werden die Schutzdrähte vollständig durchgeschliffen und die Kabelseele der Zerstörung preisgegeben.
Was die +submarinen Kabelleitungen+ betrifft, so werden jene der nördlichen Breiten häufig von +Eisbergen+ oder +Eisstücken+ beschädigt. Solche treiben oft mehrere hundert Fuß tief im Wasser, kommen an seichteren Stellen mit dem Kabel in Berührung und zerstören es auf diese Weise. Eine andere Ursache des Bruches bilden die am Meeresboden befindlichen scharfen +Felsen+, gegen deren Kanten das Kabel reibt, bis die äußere Umhüllung und Lage auf Lage des Schutzmaterials durchgescheuert sind. Erdkontakt der inneren leitenden Drähte ist die Folge davon, und das Kabel vermag telegraphische Zeichen nicht länger zu übermitteln. -- Andere natürliche Ursachen der Zerstörung sind +Erdbeben+, +unterseeische Strömungen+ und die +höhere Temperatur des Wassers in den Tropengegenden+.
In zahlreichen Fällen sind die Kabel durch +Fische+ zerstört worden. Bemerkenswerte Beispiele bieten das Kabel zwischen Brasilien und Portugal, sowie die Küstenkabel, welche am östlichen Rande Südamerikas entlang geführt sind. Auf diesen Linien wird das Kabel fast chronisch vom Sägefisch angegriffen. Knochenstücke von der Säge dieses Tieres sind wiederholt so tief eingebettet im Kabel gefunden worden, daß dadurch selbst die Leitungsdrähte verletzt waren. Ein noch sonderbarerer Vorfall ereignete sich mit dem Kabel im persischen Golf, welches plötzlich leitungsunfähig wurde. Bei näherer Prüfung ergab sich, daß ein großer Walfisch in die Linie sich verwickelt hatte. Das Tier war mit Parasiten bedeckt und hatte wahrscheinlich versucht, am Kabel den lästigen Anhang abzureiben. Ein Schlag seines mächtigen Schwanzes zerbrach jedenfalls die Linie, und dann verwickelte es sich beim Umherrollen derartig in das Kabel, daß es durch Erwürgung einen Selbstmord beging. -- Zu den schlimmsten Feinden unterseeischer Kabel zählen noch einige Tiere niederer Ordnung. So durchdringen die ~Teredo navalis~ und ihre Stammverwandte, die ~Xylophaga~, welche Huxley zuerst im Jahre 1860 an einem Kabel der Levante entdeckte, die Hanfumhüllung und die Guttapercha, wo die Zwischenräume zwischen den äußern Umhüllungsdrähten ihnen nur irgend einen Zutritt gestatten. Auch die ~Teredo norvegica~, ein ziemlich langer Wurm, hat an ihrem vordern Teile zwei Schalen, womit sie das härteste Holz zerschneiden kann. Ebenso bahnt sich die ~Limnoria lignorum~, eine kleine Krustacee, ungefähr von der Gestalt einer Ameise, einen Weg bis ins Innere der Kabel. Im Persischen Golf, im Indischen Ocean und auch an der irischen Küste sind die Kabel durch die Verwüstungen dieses Tierchens ernstlich beschädigt worden. -- Im Mittelmeer hat auch der +Blitz+ schon Kabelleitungen zerstört.
Sehr verderblich wird den Kabelleitungen zuweilen auch das +Ankern der Schiffe+, sowie die +Seefischerei+. So wurden in der verhängnisvollen Nacht des 2. Januar 1856 durch ein Segelschiff, das Anker geworfen hatte, die Kabel von Dover nach Ostende und von Dover nach Calais, damals die beiden einzigen Leitungen zwischen England und dem Kontinent, zerstört, und an den Küsten Algiers wieder sind nicht selten Korallenfischer durch ihre Geräte Urheber von Kabelbrüchen.
Endlich fehlt es sogar nicht an +absichtlichen Angriffen+ des Schiffsvolks auf die Kabel, indem letztere, von dem Schiffsgerät erfaßt und an die Oberfläche gebracht, nicht sorgfältig und vorsichtig losgemacht und wieder versenkt, sondern einfach, um das Gerät schnell wieder klar zu machen, durchhauen werden.
Eine häufig auftretende Folge von Leitungsstörungen sind -- und deshalb sei ihrer an dieser Stelle gedacht -- +Verstümmlungen+ oder +Entstellungen von Telegrammen+[25]. So telegraphierte eine Londoner Firma ihrem Agenten: „Sendet Schienen zehn (engl. ~ten~) Fußlängen.“ Die Buchstaben t und ~e~ werden nun im Morse-Alphabet durch einen Strich, beziehungsweise einen Punkt dargestellt; bei der Übermittlung des Telegramms erzeugte jedoch der empfangende Apparat statt des Striches einen Punkt; dadurch wurde aber aus dem Worte „~ten~“ „in“, und die Depesche lautete jetzt also: „Sendet Schienen in Fußlängen.“ In ähnlicher Weise wurde ein Telegramm verstümmelt, in welchem der Aufgeber bat, ihn am Bahnhofe mit einem Mietwagen (englisch ~hack~) zu erwarten. Der Buchstabe ~h~ wird nun durch vier Punkte dargestellt; statt dieser gab aber der Apparat nur drei (~s~), und das Wort ~hack~ wurde in ~sack~ (Sack) umgewandelt. Die Folge war, daß der Aufgeber des Telegramms bei seiner Ankunft nicht den verlangten Wagen, sondern einen Sack vorfand. Besonders oft verwechselt der Telegraph die Buchstaben ~x~ und ~y~. Immer wieder haben daher vielgeplagte Eisenbahnbeamte nach einem verlorenen „~black boy~“ (Negerjunge) suchen müssen, weil der Telegraph in seiner Schwäche aus ~x~ ein ~y~ machte und statt „~black box~“ (schwarzer Koffer) die Worte ~black boy~ wiedergab.
Mitunter begegnet es dem Telegraphen, den Botschaften, welche über seine Drähte eilen, vom Original ganz abweichende Worte zu unterschieben. So war Herr So-und-So, welcher telegraphisch Eis bestellte, wütend über die Neckerei des Telegraphen, der „Eis“ in „Thee“ veränderte, so daß von diesem sogleich eine große Kiste an ihn abging. In derselben Weise wurde ein Telegramm mitleidslos entstellt, worin ein Reisender um Nachsendung seiner in einem Coupé zurückgelassenen Perücke (~wig~) bat. Als das Telegramm seinen Bestimmungsort erreichte, war aus „~wig~“ „~wife~“ (Weib) geworden. Sofort wurden die eingehendsten Nachforschungen nach der vermißten Dame angestellt, doch ohne Erfolg, bis der Irrtum aufgeklärt und der verlorene Gegenstand seinem Eigentümer wieder zugestellt wurde. Gelegentlich der von dem Papstgegner Murphy in Bury (Lancashire) gehaltenen Vorträge erlitt derselbe durch den Pöbel Mißhandlungen; hierbei wurden einem Telegramm zufolge sieben der Excedenten „~boiled~“ (gekocht) statt „~bailed~“ (verhaftet) und gegen Bürgschaft freigelassen.