Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt
Part 43
„Wenn der Orkan durch die Straßen heult und die Gebäude in ihren Grundfesten erschüttert, wenn die Wolken, am düstern Himmel dahinjagend, Regen und Schlossen herniederpeitschen, dann fühlt sich der Landbewohner behaglich und glücklich im warmen Zimmer und empfindet wohlthuend den Gegensatz zwischen dem Sturm draußen und dem Frieden des Hauses. Möge er dann nicht vergessen, wie der Orkan die Meereswogen zu gigantischer Höhe türmt, Schiffe entmastet und sie steuerlos der Küste zutreibt, über deren Riffe sich die Brandung donnernd wälzt und ihren Gischt himmelan sprüht! Möge er sich dann erinnern, für wie viele seiner Mitmenschen sich in solchem Sturme ein nasses Grab öffnet! Möge er aus dem Brausen des Windes stets die Mahnung heraushören: Gedenket eurer Brüder zur See!“[211]
Achtes Kapitel.
Die bedeutendsten Dampfschiffahrts-Gesellschaften der Erde.
Der Erfolg der ersten oceanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, welche durch +Stephan Cunard+ 1840 gegründet und von der englischen Regierung subventioniert wurde, regte allenthalben die Idee an, Dampferlinien ins Leben zu rufen. Zunächst freilich stellten sich der Entwicklung der überseeischen Dampfschiffahrt noch mancherlei Hindernisse und Schwierigkeiten entgegen, trotzdem aber bildeten sich in verhältnismäßig kurzer Zeit zahlreiche Dampfschiffahrts-Gesellschaften, die für einen regelmäßigen Verkehr zwischen den Haupthandelshäfen der Welt sorgten. In Europa sind die bedeutendsten derselben, nach Ländern geordnet, folgende:
I. Deutsches Reich.
In Deutschland stehen unter den Dampfschiffahrts-Gesellschaften obenan der +Norddeutsche Lloyd+ und die +Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Aktien-Gesellschaft+. Beide Gesellschaften unterhalten vorzugsweise den Verkehr mit +Amerika+.
Der +Norddeutsche Lloyd+[212] wurde am 20. Februar 1857 durch den vielverdienten Konsul H. H. +Meier+ in Bremen gegründet und gelangte allmählich zu solcher Blüte, daß er nun +das erste und bedeutendste See-Institut Deutschlands+ ist[213]. Die Gesellschaft, welche anfänglich nur über vier Schiffe verfügte, besaß Ende 1885 eine Flotte von 40 Seedampfern mit rund 100000 t (genau 103466 t). Die +gesamte+ Flotte des Norddeutschen Lloyd hatte im gleichen Jahr (ohne die Schleppkähne) einen Brutto-Raumgehalt von 106838 t und einschließlich der Schleppkähne mit 11501 Registertonnen 118339 t. Der Anschaffungswert der Schiffe betrug im ganzen 69½ Mill. M.
=Größe und Preis der acht Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd.= ----------+---------------+------------ Name des | Brutto- | Totalpreis Dampfers. | Tonnengehalt. | in Mark. ----------+---------------+------------ Elbe | 4510 | 3150000 Werra | 4815 | 3600000 Fulda | 4814 | 3830000 Eider | 4719 | 3770000 Ems | 4728 | 3710000 Aller | 5380 | -- Trave | -- | -- Saale | -- | --
An Bequemlichkeit der Passagierräume, an Sauberkeit und Reinlichkeit, an Behaglichkeit und luxuriöser Ausstattung der Salons, an Vorzüglichkeit und Reichhaltigkeit des Tisches stehen die +Lloyddampfer+, wie uns bereits früher die Betrachtung der „Ems“ dargethan, unerreicht da. Jedem Schiffe ist auch ein +Arzt+ beigegeben.
Ebenso vereinigen die Dampfer alle Fortschritte im Bau der Schiffsmaschinen und Motoren.
Gegen Unglücksfälle ist jede denkbare Fürsorge zur Rettung getroffen. Jeder Dampfer ist mit 8-10 Rettungsbooten versehen; letztere führen Wasservorrat, Kompaß und Ruder. Die Mannschaft ist in der Bedienung der Boote besonders eingeübt, und die zu jedem Boote gehörenden Leute sind im voraus bestimmt. Unter dem Kopfende der Matratze findet jeder Passagier einen Rettungsgürtel aus Kork. Zur Sicherung gegen Feuersgefahr bestehen strenge Verordnungen, die auch unnachsichtig durchgeführt werden. In der That sind denn auch in der Zeit von 1858-1881 im oceanischen Verkehr, obwohl in diesem Zeitraum 1761 oceanische Rundreisen gemacht und in diesem Verkehr 967582 Passagiere befördert wurden, nur vier Strandungen vorgekommen, und nur eine derselben war von Menschenverlust begleitet.
An Bord eines jeden Schiffes befindet sich auch eine Reserveschraube (das Gewicht einer solchen schwankt zwischen 11000-16000 Pfd.), sowie überhaupt für alle beweglichen Teile der Maschinen Reservestücke.
Die Zuverlässigkeit der Bemannung wird verbürgt durch die menschenfreundliche Fürsorge, welche die Gesellschaft selbst für ihre Bediensteten bekundet. Im ganzen befinden sich auf der Flotte des Lloyd 3600 Seeleute, in seinen Werkstätten und Bureaus etwa 2000 Arbeiter und Beamte.
Für die Beliebtheit des Lloyd und für das allgemeine Vertrauen zu seinen zuverlässigen und schnellen Fahrten spricht wohl am meisten der Umstand, daß, obwohl er an den höchsten Fahrpreisen hält, dennoch während der Saison seine Schiffe in der Regel 2-3 Monate im voraus bis auf den letzten Platz besetzt sind.
Der gesamte +Passagier+- und +Güterverkehr+ auf den +transatlantischen+ Linien stellte sich in den Jahren 1884 und 1885 folgendermaßen:
An +Personen+ wurden befördert:
+--------------------------+------------------------- | 1885 | 1884 Fahrten. +------------+-------------+------------+------------ | ausgehend. | einkommend. | ausgehend. | einkommend. ------------------+------------+-------------+------------+------------ New-Yorker Fahrt | 77394 | 30780 | 74130 | 26634 Baltimore-Fahrt. | 7473 | 2009 | 30322 | 2867 Galveston-Fahrt | 582 | 38 | 915 | 29 Südamerikanische | 5252 | 1086 | 3088 | 1014 Fahrt | | | | --+------------+-------------+------------+------------ | 90701 | 33913 | 108455 | 30544 --+------------+-------------+------------+------------ | 124614 | 138999
An +Gütern+ wurden befördert:
+------------+------------ nach | 1885 1884 ------------------------+------------+------------ New-York | 114486 cbm | 99480 cbm Baltimore | 9094 „ | 14530 „ Galveston | 307 „ | 169 „ südamerikanischen Häfen | 74073 „ | 82892 „ --+------------+------------ | 197960 cbm | 197071 cbm
Die Zahl der +Reisen+ betrug im Jahre 1885 nach New-York 105 (1884: 95), nach Baltimore nur 19 (1884: 44).
Der +Kohlenverbrauch+ der Dampfer des Lloyd belief sich 1881 auf 164000 t à 1000 kg[214].
Wie groß der Verbrauch an +Nahrungsmitteln+ auf den Lloyddampfern im Jahre 1881 gewesen, erhellt aus folgenden Angaben. Es wurden konsumiert:
Fleisch 1840000 Pfund, Fische, frische 37500 „ Geflügel 31600 Stück, Kartoffeln 34500 Ctnr., Käse 30900 Pfund, Melis-Zucker 105300 „ Milch, kondensierte 70600 Büchsen, Roggenbrot 418500 „ Schnittäpfel 36300 Pfund, Sauerkohl 201500 „ Schinken 3350 Stück, Thee 7850 Pfund, Wurst 12200 „ Wild 250 Stück, Weizenzwieback und Cakes 216100 Pfund, u. s. w.
Der Verbrauch an +Getränken+ betrug u. a.:
Champagner 1/1 Flaschen 4500, „ ½ „ 3000, Medoc 1/1 „ 60000, St. Julien 1/1 „ 42000, Geisenheimer 1/1 „ 6600, Cognac 1/1 „ 5000, Rum 1/1 „ 5000, Genever 1/1 Flaschen 11000, Culmbacher Bier ½ „ 44000, Lagerbier 1/1 „ 530000, Bayerisch-Bier, Schoppen 250000, Selterswasser 1/1 Flaschen 40000, Apollinaris 1/1 „ 15000[215].
Neuestens ist dem Norddeutschen Lloyd der subventionierte +Postdampferdienst+ des Deutschen Reichs zur Vermittlung des Verkehrs mit +Ostasien+ (mit Anschlußlinie nach Korea und Japan) und mit +Australien+ (mit Anschlußlinie nach den Samoa-Inseln) unter Errichtung einer Zweiglinie von Triest über Brindisi nach Alexandrien seitens der deutschen Regierung übertragen worden. Für diese Linien wurden sechs neue Dampfer eingestellt, von denen drei für die ostasiatische und die australische Hauptlinie und drei für die ostasiatische und australische Anschlußlinie bestimmt sind. Sämtliche Schiffe wurden bei der Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft „Vulkan“ in Bredow bei Stettin gebaut. Die für die Hauptlinien bestimmten Dampfer „Preußen“, „Sachsen“ und „Bayern“ haben eine Tragfähigkeit von 3600 t, sowie eine Geschwindigkeit von 14 Knoten. Die Dampfer der Anschlußlinien, „Stettin“, „Lübeck“ und „Danzig“, besitzen eine Tragfähigkeit von 1550 t und eine Geschwindigkeit von 12½ Knoten. Sämtliche sechs Dampfer sind außerdem mit allen für die Fahrt in den Tropen erforderlichen und empfehlenswerten Einrichtungen versehen, sowie mit dem größten Komfort für die Passagiere ausgestattet, so daß sie in ihrer Konstruktion und Einrichtung den auf denselben Linien laufenden Postdampfern anderer Nationen nicht nur nicht nachstehen, sondern dieselben übertreffen. Auch die älteren Dampfer, welche in die neuen Linien eingestellt wurden, sind durch Dampfsteuerung, elektrische Beleuchtung, Eismaschinen neuester Konstruktion, vorzügliche Ventilation u. s. w. aufs sorgfältigste für die Tropenfahrt eingerichtet.
Einschließlich dieser sechs neuen Dampfer sowie der drei neuen Schnelldampfer für die transatlantische Route („Aller“, „Trave“, „Saale“), erreicht der Brutto-Raumgehalt der Dampfer der Gesellschaft rund 150000 t, so daß der +Norddeutsche Lloyd, abgesehen von der englischen Peninsular and Oriental Steam Navigation Company und der französischen Gesellschaft Messageries Maritimes unter allen Dampfergesellschaften der Erde die erste Stelle einnimmt.+
Die +Hamburg-Amerik. Paketfahrt-Aktiengesellschaft+[216] verdankt ebenso wie der Bremer Lloyd ihre Entstehung der Energie einiger Kaufleute.
Die Herren +Adolf Godeffroy+, +Ernst Merck+ und +F. Laeisz+ waren es, welche, von der Einsicht durchdrungen, daß die in Hamburg vorhandenen Verkehrsmittel zur Verbindung mit den Vereinigten Staaten von Amerika dem rasch wachsenden Personen- und Warenverkehr dahin nicht mehr genügten, am 7. Mai 1847 die Hamburg-Amerikanische-Paketfahrt-Aktiengesellschaft ins Leben riefen.
Bescheiden anfangend, eröffneten sie mit drei Segelschiffen eine regelmäßige monatliche Paketschiffahrt nach New-York. Bald aber erwies sich die Segelschiffahrt allein als unzureichend, und so reifte im Jahre 1854 der Entschluß, die Fahrt auch mit Dampfschiffen zu betreiben. Am 1. Juni 1856 erfolgte die Eröffnung der ersten deutschen transatlantischen Dampfschiffsverbindung. 1885 besaß die Gesellschaft bereits 23 Schiffe mit einem Brutto-Raumgehalt von 61213 t. Der Gesamt+wert+ der Schiffe betrug 1885 16,19 Mill. M. Der größte Dampfer der Gesellschaft ist die „Hammonia“ mit 4247 Brutto-Tonnen[217]. 1885 wurden von den Schiffen der Gesellschaft auf der Route Hamburg-New-York 77 und auf der westindisch-mejikanischen Route 46 Doppelreisen ausgeführt[218].
Andere bedeutende Dampfschiffahrts-Gesellschaften Deutschlands sind:
Die +Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrts-Gesellschaft+; ihre Dampfer laufen über Lissabon nach Bahia oder Pernambuco und Rio de Janeiro, sowie nach Montevideo und Buenos Aires.
Der +Kosmos+ in Hamburg; er befährt den fast 11000 Seemeilen langen Seepostkurs Hamburg-Callao.
Die +Deutsche Dampfschiffsreederei+ in Hamburg; ihre Hauptroute ist Hamburg-Suez-Hongkong-Yokohama.
Die +Australia-Sloman-Linie+ (Aktiengesellschaft); sie verkehrt nach Australien via Suez.
Die Dampfschiffsreederei +Hansa+; sie unterhält eine Verbindung mit Canada.
Die +Afrikanische Dampfschiffs-Aktiengesellschaft+ (Woermann-Linie); ihre Dampfer gehen nach Westafrika.
=Die größeren deutschen Dampfschiffahrt-Gesellschaften nach Zahl und Tonnengehalt der Schiffe[219].=
+--------+------------- Dampfschiffahrts-Gesellschaften. |Zahl der| Brutto- |Schiffe.|Tonnengehalt. -----------------------------------------------+--------+------------- Norddeutscher Lloyd | 57 | 106838 Hamburg-Amerikan. Paketfahrt-Aktiengesellschaft| 23 | 61213 Hamburg-Südamerik. Dampfschiffahrts-Gesellsch. | 16 | 32070 Kosmos | 12 | 19300 Deutsche Dampfschiffsreederei | 11 | 17289 Australia-Sloman-Linie | 6 | 10825 Hansa | 4 | 6031 Afrikanische Dampfschiffs-Aktiengesellschaft | 5 | 5469
II. England.
Die bedeutendste der englischen Gesellschaften und +aller Dampfschiffahrts-Gesellschaften überhaupt+ ist die +Peninsular and Oriental Steam Navigation Company+, gewöhnlich nur kurz mit ~P. a. O. St. N. C.~ bezeichnet[220]. Ihre Dampfer besorgen die Verbindung mit den Mittelmeergebieten, besonders aber durch den Kanal von Suez mit Süd- und Ostasien und Australien. Die Anfänge dieses Unternehmens reichen bis ins Jahr 1837 zurück. Damals wurde die englisch-indische Post, welche bis dahin den langwierigen, 13600 Seemeilen messenden Weg um das Kap der guten Hoffnung genommen hatte, nach der Landenge von Suez instradiert und der direkte Segelschiffskurs von Falmouth nach Gibraltar und weiter nach Alexandria ins Leben gerufen. In Suez übernahmen dann die Dampfer der ostindischen Kompagnie die Post und beförderten dieselbe nach Bombay. Da aber die Segelschiffe von Falmouth nach Gibraltar und weiter nach Alexandria eine sehr bedeutende Fahrdauer beanspruchten, ersetzte man sie durch Dampfschiffe, und so entstand 1840 die ~P. a. O. St. N. C.~ Ihren Namen erhielt sie davon, daß sie in ihrem Dienste die Iberische +Halbinsel+ (Halbinsel ~lat. peninsula~) berührte und die +orientalische+ Post besorgte.
Dieses Unternehmen hat im Laufe der Jahre einen wahrhaft großartigen, in der gesamten modernen Schiffahrt unerhörten Aufschwung genommen. Die Gesellschaft besaß Ende 1885 52 Dampfer mit einem Brutto-Raumgehalt von 177381 t. Was die Größe der Schiffe betrifft, so haben nur zwei Dampfer über 5000 Brutto-Tonnen; dagegen haben 13 Schiffe mehr als 4000, 18 zwischen 3000-4000 und 19 zwischen 1835 und 2984 Brutto-Tonnen.
Die +Ausgaben für den Schiffahrtsbetrieb+, also für Kohlen, Fracht, Schiffs- und Maschinenmaterialien, Hafen- und Leuchtfeuer-Abgaben, Lootsengelder, Schlepplohn und verschiedene Schiffsunkosten, Gagen und Heuer an Kapitäne, Offiziere und Mannschaften, Provisionen für die Schiffsbesatzungen und Passagiere betrugen 1885: 1215085 Pfd. St. (= 24⅓ Mill. M.). Der bedeutendste Posten unter diesen Ausgaben entfällt auf Kohlen- und Kohlentransport (300000-400000 Pfd. St., also 6-8 Mill. M.).
Aus den +Einnahmen+ sind vor allem die Passage- und Frachtgelder hervorzuheben; die Passagiergelder betrugen 1885: 808188 Pfd. St. (= 16163760 M.); die Frachtgelder im gleichen Jahre: 1109592 Pfd. St. (= 22191840 M.). Hierzu kommen noch Postsubsidien (1885) mit 465944 Pfd. St.
An +Dividende+ und +Superdividende+ wurden den Aktionären 1885 7% bezahlt (1884: 6%).
Der +Wert+ der Schiffe belief sich 1885 auf 2517603 Pfd. St. (= 50352060 M.). Die Kohlenvorräte hatten einen Wert von 62669 Pfd. St. (= 1253380 M.); die Docks, der Grund- und Gebäudebesitz aller Art 269798 Pfd. St. (= 5395960 M.).
Das ~Handbook of Information~, das die Peninsular and Oriental Steam Navigation Company jeden Monat ausgiebt, enthält eine Menge für den Versender und Passagier wissenswerter Details. Es sei beispielsweise nur auf die Rundreisebillets zu ermäßigten Preisen für Touren nach Indien, Australien und um die Erde verwiesen.
Nach +Asien+ und +Australien+ verkehren von englischen Dampfschiffahrts-Gesellschaften außerdem noch die +British India Steam Navigation Company+ und die +Orient Steam Navigation Company+.
Englische Gesellschaften, welche die Verbindung mit +Afrika+ unterhalten, sind: Die +Castle Mail Packets Company+ (Colonial Mail Line), die +Union Steamship Company+, die +British and African Steam Navigation Company+ und die +African Steamship Company+.
Die bedeutendsten der nach +Nordamerika+ verkehrenden englischen Linien sind: Die +Cunard+-, +Guion+-, +Anchor+-, +Dominion+-, +White Star+-, +National+- und +Inman+-Linie.
Mit +Central+- und +Südamerika+ vermitteln die Verbindung die Dampfer der +Royal Mail Steam Packet Company+ und der +Pacific Steam Navigation Company+.
=Die größeren englischen Dampfschiffahrt-Gesellschaften nach Zahl und Tonnengehalt der Schiffe[221].=
+----------+-------------- Dampfschiffahrts-Gesellschaften. | Zahl der | Brutto- | Schiffe. | Tonnengehalt. ---------------------------------------------+----------+-------------- Peninsular and Oriental Steam Navigation | | Company | 52 | 177381 British India Steam Navigation Company | 69 | 133096 Henderson Bros. (Anchor Line) | 39 | 113825 Wilson T. Sons & Company | 67 | 95474 Cunard Steamship Company | 29 | 90775 Pacific Steam Navigation Company | 38 | 86328 Allan J. & A. | 26 | 80764 Leith, Hull and Hamburg Steam Packet Company | 49 | 79357 Liverpool, Brazil and River Plate Steam | | Navigation Company | 39 | 71917 Cayzer Irvine & Company | 25 | 68236 Royal Mail Packet Company | 24 | 60288 National Steamship Company | 13 | 57837 Ocean Steamship Company | 33 | 57835 Oceanic Steam Navigation Company (White | | Star Line) | 14 | 55115 Union Steamship Company. | 17 | 47981 British and African Steam Navigation Company | 24 | 32912 Orient Steam Navigation Company. | 6 | 26379 African Steamship Company | 12 | 19831
III. Frankreich.
Die zwei hervorragendsten französischen Dampfschiffahrts-Gesellschaften sind die +Compagnie générale transatlantique+ und die +Messageries Maritimes+.
Die +Compagnie générale transatlantique+ besorgt den Verkehr mit Amerika und teilweise auch im Mittelmeer. Ihre Dampfer, 65 an der Zahl, laufen aus von St. Nazaire an der Mündung der Loire und von Havre. Der Brutto-Raumgehalt derselben beträgt, abgesehen von den drei Dampfern „Gascogne“, „La Bourgogne“ und „La Champagne“, für welche das ~Universal Register for 1886~ Angaben nicht enthält, 118597 t. Einschließlich dieser, von welchen jeder nach den in dem Jahresbericht der Gesellschaft vom 28. April 1884 enthaltenen Angaben einen Brutto-Raumgehalt von 6800 t, eine Länge von 150 m, eine Breite von 15,70 m und eine Tiefe von 11,70 m hat, beziehungsweise erhält, beziffert sich der Brutto-Raumgehalt der Flotte auf 138997 t (rund 140000 t).
Die Kurse der +Messageries Maritimes+ umfassen das ganze Mittelmeer, dann Süd- und Ostasien und Australien mit Neu-Caledonien. Hierzu kommt noch eine Linie nach Südamerika (Buenos-Aires). Der Ausgangshafen der Dampfer ist Marseille. Die Zahl derselben beträgt 58, deren Brutto-Raumgehalt 151151 t[222].
IV. Die Niederlande.
Die wichtigste Gesellschaft der Niederlande ist die +Stoomvaart Maatschappij Nederland+, deren neun Dampfer einen Brutto-Raumgehalt von 26206 t haben[223]. Sie unterhält die Verbindung mit den Kolonieen im Indischen Archipel.
V. Österreich-Ungarn.
Das größte österreichische See-Institut ist der +Österreichisch-Ungarische Lloyd+[224]. Die Gründung desselben ging aus der Initiative der Triester Versicherungsgesellschaften hervor, die nach dem Vorbilde der gleichnamigen Institutionen in London und Triest sich die Aufgabe stellten, einen Organismus zu schaffen, der den Kaufleuten und Versicherern die genauesten Nachrichten über Handel und Schiffahrt der Hauptplätze Europas und der Levante vermitteln sollte. Bald jedoch trat zu dieser ursprünglichen Aufgabe eine zweite, nämlich die Errichtung von regelmäßigen Dampferlinien zwischen den österreichischen Häfen einerseits und den Ionischen Inseln, Griechenland, dem Archipel, Konstantinopel, Smyrna und Syrien andererseits; am 2. August 1836 erfolgte die Konstituierung des Unternehmens mit einem Gründungskapital von 1 Mill. Gulden. Das Unternehmen machte gleich anfangs mächtige Fortschritte, und schon nach Ablauf des ersten Decenniums seiner Thätigkeit war das Kapital desselben auf 3,15 Mill. Gulden, die Zahl der Dampfschiffe von 7 auf 20, die durchlaufene Meilenzahl von 43652 auf 334495, die Zahl der Reisenden von 7967 auf 104091, der Betrag der beförderten Gelder von 4,13 auf 33,418 Mill. Gulden und das Gewicht der beförderten Güter von 5383 auf 133769 Metercentner herangewachsen. Seitdem hat der Österreichisch-Ungarische Lloyd sich in großartiger Weise entwickelt. Am Ende des Jahres 1885 schloß die Gesellschaft ab mit einem Kapitalfond von 19½ Mill. Gulden und einer Flotte von 84 Dampfern (mit einem derzeitigen Werte von über 16 Mill. Gulden). Die durchlaufene Meilenzahl ist auf 1752519, die Zahl der Reisenden auf 380129, das Gewicht der expedierten Waren auf über 6 Mill. Metercentner und der Betrag der beförderten Gelder auf 108½ Mill. Gulden gestiegen. -- Der Brutto-Raumgehalt der Flotte betrug Ende 1885 119787 t, die Zahl der 1885 gemachten Reisen 1687. -- Den regsten Verkehr unterhält die Gesellschaft mit der Levante, doch besteht auch eine Linie nach Ostasien.
VI. Italien.
Das großartigste Schiffahrtsunternehmen Italiens ist die +Allgemeine italienische Dampfschiffahrts-Gesellschaft+ (+Navigazione generale italiana+). Dieselbe ist hervorgegangen aus der vor kurzem erfolgten Verschmelzung der bisher selbständigen Gesellschaften +R. Rubattino & Compagnia+ und +Florio & Compagnia+. -- +Raffaele Rubattino+ († 1881) eröffnete 1850 mit äußerst bescheidenen Mitteln die von ihm geleitete Reederei-Gesellschaft. Die Staatsregierung gewährte aber der Gesellschaft alsbald bedeutende Subventionen und setzte dieselbe dadurch in den Stand, ihre Flotte zu vergrößern und der Handelsmarine Italiens die heutige achtunggebietende Stellung zu erringen. Rubattino machte es sich zunächst zur Aufgabe, der italienischen Flagge im +Mittelmeere+ Geltung zu verschaffen, dann aber auch außerhalb desselben; er schuf infolge der erheblichen Chancen, welche die Eröffnung der Gotthardbahn der Wiederbelebung des Handels von Genua bot, die Dampferlinien +Genua-Bombay+ und +Genua-Singapore+. Hand in Hand damit ging die Erwerbung der Bai +Assab+ im Roten Meere, wodurch der Grund zu der daselbst bestehenden italienischen Kolonie gelegt wurde.
Dem Namen +Rubattino+ steht der Name des Reeders +Vincenzo Florio+ würdig zur Seite. Florios Gesellschaft verlegte den Schauplatz ihrer Thätigkeit mehr in die +östliche+ Hälfte des Mittelmeeres und trat hier mit dem Österreichisch-Ungarischen Lloyd in Wettbewerb.
Die Allgemeine italienische Dampfschiffahrts-Gesellschaft verfügt jetzt über eine Flotte von 102 Dampfern mit 145609 Brutto-Tonnen[225]. Der Wert derselben stellt sich auf mehr als 63 Mill. Lire[226].