Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt

Part 4

Chapter 42,956 wordsPublic domain

Bei allen diesen mit mehr oder weniger Glück durchgeführten Verbindungen wurden reiche Erfahrungen gesammelt und die Technik der elektrischen Telegraphie sehr verbessert. Was war nun natürlicher als der Gedanke, die Alte und die Neue Welt durch ein Kabel miteinander zu verknüpfen? Der Amerikaner +Cyrus Field+ faßte denn bereits 1854 den Plan, zwischen Amerika und Europa eine telegraphische Verbindung zur Ausführung zu bringen. Am 6. August 1857 begann auch schon die Legung des Kabels von der Insel Valentia aus im Südwesten von Irland; aber das Tau riß am 11. August, 274 englische Meilen von der Küste. Das teure Lehrgeld schreckte jedoch weder Engländer noch Amerikaner zurück, und von nun an schien ihnen das Glück auch hold zu sein. Am 5. August 1858 tauschten Amerika und Europa die erste telegraphische Botschaft aus. Der Präsident der Vereinigten Staaten und die Königin Victoria von England hatten sich in unterseeischen Depeschen zur Vollendung des großen Werkes beglückwünscht; die parlamentarischen Körperschaften, die Presse, die Litteratur und die Dichtkunst hatten gewetteifert, das Kabel als eine Bürgschaft des Friedens und einen Hebel für die Annäherung der Völker zu feiern.

~With clasped hands the continents Feel throbbings of each other’s heart,~

sang ein amerikanischer Poet; mit gleicher Begeisterung erwiderte der elsässische Pfarrer Adolf Stöber:

Nein, kein Ocean mehr trennet die Alte Welt Von der Neuen, ein Band schlingt um beide sich; Eines Hauses Genossen Sind die Völker Von Pol zu Pol[12].

Die Leistungsfähigkeit des Kabels ließ indes bald nach, es traten Störungen ein, und am 1. September 1858 versagte es gänzlich den Dienst.

Während der drei Wochen, die das Kabel in Thätigkeit gewesen, hatten im ganzen 400 Telegramme mit zusammen 4359 Wörtern Beförderung erhalten. 4359 Wörter für 8 Millionen Mark -- soviel hatte das Unternehmen gekostet -- jedes Wort also über 1800 Mark! Gewiß die höchste Depeschengebühr, die je vorgekommen ist![13]

Der Physiker +Babinet+, der das ganze Unternehmen der Kabellegung für wahnsinnig erklärt hatte, schien recht zu haben. Das Werk ruhte nun jahrelang, und der Plan des amerikanisch-sibirischen Telegraphen trat an seine Stelle, bis 1865 durch Cyrus Field, den Hauptförderer der atlantischen Kabellegung, ein neuer Versuch unternommen wurde. Man hatte das Kabel weit sorgfältiger, nach ganz neuen Principien gearbeitet und zu dessen Abwicklung das berühmte Riesenschiff „Great Eastern“ gemietet. In Bezug auf Festigkeit und Isoliertüchtigkeit ließ der neue Draht, der das Gewicht von 82000 Centnern repräsentierte, nichts zu wünschen übrig, und am 23. Juli 1865 begann dessen Legung von Valentia aus. Schon war man 1000 Meilen von Valentia mit dem Kabel nach Westen vorgedrungen, da riß es abermals und war trotz vieler Mühe nicht mehr zu finden. Errungen wurde der große Sieg endlich 1866; abermals lief der „Great Eastern“ am 13. Juli von Valentia aus, glücklich versenkte er seine Last in den Ocean, und am 27. Juli war Trinity Bay auf Neufundland erreicht und damit die dauernde Verbindung hergestellt. Den umfassendsten Gebrauch von der neuen Kabelleitung machte sofort der New-Yorker Herald. Denn schon den nächsten Tag nach dieser denkwürdigen Errungenschaft des menschlichen Geistes ließ sich die genannte Zeitung auf diesem neuen Wege die vollständige Rede zugehen, die König Wilhelm von Preußen nach der Rückkehr von Sadowa vor seinem Landtage hielt. Das Telegramm kostete 36000 Francs[14].

Gleich nach Vollendung der Kabellegung wurde auch das 1865 verlorene Kabel wieder aufgefunden, und Europa und Amerika hatten nun eine doppelte telegraphische Verbindung. Seitdem arbeiteten beide Kabel, trotz mehrfacher Unterbrechungen, lange zur vollsten Zufriedenheit, und die Gesellschaft konnte, obgleich die Unternehmungen von 1857 und 1858 350000, die von 1865 und 1866 je 600000 Pfd. St. gekostet hatten und die anfängliche Beförderungsgebühr von 20 Pfd. für 20 Wörter wiederholt herabgesetzt worden war, für das Jahr 1869 über 24% Dividende zahlen.

Neue Unternehmungen in großem Stile folgten nun rasch nacheinander und wurden nach mancherlei Wechselfällen auch glücklich durchgeführt.

2. +Fabrikation unterseeischer Kabel+. Es ist klar, daß je nach dem Zwecke, für den ein Telegraphenseil bestimmt ist, die Zusammensetzung desselben sehr verschieden sein wird. Ob ein oder mehrere voneinander isolierte Leitungsdrähte den innern Kern bilden sollen, ob das Kabel in bedeutende Tiefen versenkt werden muß, oder ob es für seichte Gewässer bestimmt ist, ob dasselbe der Gefahr von besonderen Beschädigungen ausgesetzt ist oder nicht, all das ist auf die Zusammensetzung des Kabels von wesentlichem Einfluß.

Als +Leiter+ wird für Kabel durchweg +Kupfer+ verwendet. Dasselbe besitzt eine große Leitungsfähigkeit, so daß die Drähte dünn genommen werden können. Infolge davon ist weit weniger Guttapercha, deren Preis sehr hoch ist, als bei Eisendraht erforderlich. Außerdem verträgt der Kupferdraht eine geringe Dehnung ohne Nachteil. Zu größerer Sicherheit gegen einen vollständigen Bruch des Leiters nimmt man gewöhnlich nicht einen einfachen Draht, sondern man vereinigt mehrere (4-7) dünnere Drähte zu einer einzigen metallischen +Litze+, bei welcher der leitende Zusammenhang noch erhalten bleiben kann, wenn selbst einer der Drähte oder mehrere reißen.

Als +isolierende Hülle+ dient +Guttapercha+. Da aber bei einem so vielen Unfällen ausgesetzten und nach geschehener Legung nicht mehr erreichbaren unterseeischen Kabel die Isolation des Leitungsdrahtes möglichst vollkommen sein muß, so begnügt man sich nicht mehr mit einer doppelten Umpressung des Kupferdrahtes mittels der Guttapercha, sondern man überzieht ihn mindestens dreimal und bringt außerdem zwischen je zwei aufeinanderfolgenden Guttapercha-Schichten noch besondere flüssige Isolationsmittel an, damit dieselben nicht bloß in die einzelnen Poren der Guttapercha dringen, sondern auch durch ihre Klebrigkeit die Schichten von Guttapercha fest miteinander vereinigen. Ja auch zwischen den Draht und die erste Lage Guttapercha giebt man vielfach behufs Ausschließung der Luft und zur Verhütung der Blasenbildung durch dieselbe eine isolierende Mischung (z. B. Chatterton-Masse).

Die mit dem Isolationsmateriale umpreßten metallischen Adern werden schließlich zur Sicherung gegen äußere Beschädigungen mit einer Hanfumwicklung und einer Hülle starker Eisendrähte oder auch statt dieser letzteren nach dem Vorschlage von +Siemens+ mit einem Überzuge von dünnen kupfernen Bändern versehen.

Die +Hauptfabrikanten+ solcher Kabel sind in England: +Newall & Co+.; +Henley+, +India Rubber+, +Gutta Percha and Telegraph Works Company+, +Siemens Brothers+, +Submarine Telegraph Company+, +Telegraph-Construction and Maintenance Company+; in Deutschland: +Felten & Guilleaume+ zu Köln, +Siemens & Halske+ in Berlin; in Frankreich: +Rattier & Co+., ferner +Menier+ in Paris.

Die Fabrik von +Felten & Guilleaume+ zu Köln geht bei der Fabrikation der Guttapercha-Drähte und Kabel mit ganz besonderer Vorsicht zu Werke, weshalb denn auch ihre Kabel über den ganzen Kontinent verbreitet sind.

In den folgenden zwei Figuren (9 u. 10) sind Ansichten und Querschnitte zweier Tiefseekabel dargestellt.

Das französisch-atlantische Kabel vom Jahre 1869 mit einer Länge von 4785 km (von Brest in Frankreich bis St. Pierre südlich von Neufundland) erforderte zu seinem siebendrähtigen Leiter 533 t Kupferdraht. Ferner wurden zu demselben verbraucht 549 t Guttapercha, 500 t Jute, 4727 t Eisendraht und 1286 t Manila-Hanfstränge. Das Kabel kostete 584496 Pfd. St.; die Gesamtkosten beliefen sich auf 920000 Pfd. St. = 18⅖ Mill. M.

3. +Legung unterseeischer Kabel+[15]. Die Legung eines Unterseekabels ist immer eine höchst schwierige Aufgabe; dem Scharfsinn und der Energie der Seeleute, Ingenieure und Telegraphentechniker werden hierbei nicht geringe Aufgaben gestellt.

Nach der gewöhnlichen Art des Einlegens submariner Leitungen wird das Kabel auf ein Schiff gebracht. Schon diese Operation und die genaue Einlegung des letztern in konzentrische Ringe macht wegen der enormen Last und der Steifheit des Kabels große Schwierigkeiten. Dann ist bereits vor der Versenkung der mit dem Tau einzuschlagende Weg genau festzustellen und zu diesem Behufe Tiefe, Beschaffenheit und Gestalt des Meeresbodens durch Sondierungen möglichst genau zu erforschen. Die Landungspunkte namentlich sollen möglichst frei von Brandung und Klippen sein, auch keinen guten Ankergrund bieten, damit das Tau nicht durch Schiffsanker verletzt werde. Ist das alles geschehen und das Küstenkabel auf dem Lande befestigt, so fährt das Schiff die projektierte und genau sondierte Linie entlang, wobei man das Tau nach und nach ins Wasser hinabläßt, in welchem es durch sein eigenes Gewicht niedersinkt und so auf dem Grunde sich festlegt. Dabei ist es besonders notwendig, die Schnelligkeit, mit welcher das Kabel vom Schiffe ins Wasser sinkt, zu regulieren. Denn dieselbe würde sonst sehr bald außerordentlich groß und weit größer als die des Schiffes werden; infolgedessen würde aber das Tau in verschlungenen Ringen statt in einer nahezu Geraden sich niederlegen, überdies würde es durch die Reibung in hohem Grade leiden und sich selbst und das Schiff beschädigen. Von der Zweckmäßigkeit der hierzu verwendeten Maschinen und der guten Führung des ablaufenden Taues ist das Gelingen des ganzen Werkes wesentlich mitbedingt. Endlich müssen während des Versenkens fortlaufende Messungen des Isolations- und Leitungszustandes des Taues angestellt werden, damit man beim Auftreten eines Fehlers diesen sofort merkt und beseitigen, beziehungsweise das versenkte Taustück wieder emporheben kann. Zu diesem Zwecke bleibt das Schiff, welches das Tau versenkt, durch dieses hindurch beständig mit einer Station am Lande in telegraphischer Verbindung.

Ein Dampfschiff ist für die Legung einem Segelschiff vorzuziehen, weil es von Wind und Wellen weniger abhängt; doch muß es genügende Größe, Stabilität und Tragfähigkeit haben. Bei mehreren derartigen großen Unternehmungen hat sich das Riesenschiff Great Eastern von über 3000 t Netto-Gehalt vortrefflich bewährt. Noch geeigneter sind die besonders für die Zwecke der Kabellegung und -ausbesserung gebauten großen Dampfer der Kabelgesellschaften, beziehungsweise Kabelfabrikanten. Gegenwärtig sind 29 solcher Dampfer mit Legung neuer Strecken und Reparaturen der alten unausgesetzt beschäftigt.

Diesen Schiffen liegt, namentlich wenn es sich um Versenkung größerer oder um das Auffischen und Zusammenspleißen gebrochener Kabel handelt, eine Arbeit ob, die das Schiff, die Mannschaft und die Ladung den bedenklichsten Wechselfällen aussetzt. Abgesehen von den Launen der Witterung und des Meeres, denen die Kabelschiffe durch ihre Belastung und die zur Versenkung der Kabel erforderlichen Vorrichtungen in erhöhtem Maße ausgesetzt sind, werden die Bewegungen dieser Schiffe durch ihre Arbeiten in einer Weise gehemmt, die es ihnen außerordentlich erschwert, anderen Schiffen auszubiegen. Die Gefahr eines Zusammenstoßes mit anderen Fahrzeugen ist um so größer, als die Arbeiten der Kabeldampfer regelmäßig auf den belebtesten Hochstraßen des Oceans auszuführen sind und ihrer Natur nach nicht unterbrochen werden dürfen. In nicht seltenen Fällen hat zur Rettung des Schiffes das Kabel an unpassenden Stellen gelegt oder gar abgeschnitten und dem gänzlichen Verlust ausgesetzt werden müssen. Vor ca. 10 Jahren ging der Dampfer +Gomos+ bei Legung des Kabels von St. Vincent nach Pernambuco infolge eines Zusammenstoßes zu Grunde. Aus gleicher Ursache wurde der Telegraphendampfer +Robert Lowe+ in den Gewässern von Neufundland schwer beschädigt.

4. +Kabelschutz+. Bei dem großen Anlagekapital und bei der Wichtigkeit der telegraphischen Verbindungen ist es begreiflich, daß man schon sehr frühe daran dachte, wenigstens die +Kabellinien+ unter den Schutz der Mächte zu stellen. Die ersten derartigen Bestrebungen gingen bereits 1869 von den Vereinigten Staaten von Amerika aus, aber erst auf der internationalen Konferenz zu Paris vom 27. Oktober 1883 kam eine diesbezügliche Vereinbarung zu stande. Die Übereinkunft, welche von 32 Staaten abgeschlossen wurde, bezweckt den internationalen Schutz der Kabel wenigstens in +Friedenszeiten+. Das von +Cyrus Field+ angestrebte Ideal, die unterseeischen Telegraphen-Verbindungen vollständig zu +neutralisieren+, ist durch den Vertrag +nicht+ erreicht worden.

5. +Statistik der unterseeischen Telegraphenverbindungen.+ Die Zahl sämtlicher submariner Kabel beträgt 731. Hiervon gehören 546 Kabel den +Staatsverwaltungen+, 185 sind Eigentum von +Privatgesellschaften+. An letzteren gab es 1883 23, von denen 17 ihren Sitz in London hatten. Die ausgedehntesten +submarinen+ Leitungen (fast 17000 Seemeilen) besitzt die +Eastern Telegraph Company+. Die Länge sämtlicher Privatkabel übertrifft jene der Staatsverwaltungen fast um das +Zwölffache+.

Die Ausdehnung der sämtlichen unterseeischen Telegraphenverbindungen für das Jahr 1883 erhellt aus folgender, dem ~+Journal télégraphique+~ entnommenen Zusammenstellung.

~A.~ +Staatsverwaltungen.+

|---------------------------------+-------+------------------------- | | Zahl | Länge (in Seemeilen) | Länder. | der |------------+------------ | | Kabel.| der Kabel. | der Drähte. |---------------------------------+-------+------------+------------ |Deutsches Reich | 32 | 436,19 | 1042,24 |Österreich | 29 | 97,49 | 103,94 |Dänemark | 32 | 111,68 | 410,18 |Spanien | 3 | 129,10 | 129,10 |Frankreich | 41 | 2329,273 | 2345,273 |Großbritannien und Irland | 92 | 576,194 | 1528,163 |Griechenland | 13 | 104,60 | 104,60 |Italien | 15 | 250,29 | 262 |Norwegen | 224 | 245,76 | 245,76 |Niederlande | 14 | 40,70 | 61,81 |Europäisches und kaukasisches | | | | Rußland | 5 | 201,80 | 209,84 |Schweden | 7 | 58,60 | 58,60 |Türkei | 12 | 330,66 | 333,66 |Britisch-Indien | 7 | 1743,35 | 1743,35 |Japan | 11 | 55,498 | 103,368 |Russisch-Asien | 1 | 70,017 | 70,017 |Süd-Australien | 2 | 43,50 | 43,50 |Neu-Caledonien | 1 | 1 | 1 |Niederländisch-Indien | 1 | 54,91 | 54,91 |Neu-Seeland | 3 | 196,315 | 284,94 |Britisches Amerika | 1 | 200 | 200 | --+-------+------------+------------ | | 546 | 7276,927 | 9336,281

~B.~ +Privatgesellschaften.+

+------+----------------------- | Zahl | Länge (in Seemeilen) Namen der Gesellschaften. | der |-----------+----------- |Kabel.|der Kabel. |der Drähte. ---------------------------------------+------+-----------+----------- 1. Submarine Telegraph Company | 10| 803,69 | 3728,64 2. Vereinigte deutsche Telegraphen- | | | Gesellschaft | 2| 1119 | 1794 3. Hamburg-Helgoländer Telegr.- | | | Gesellschaft | 1| 32 | 32 4. Direct Spanish Telegraph Company | 2| 699,13 | 699,13 5. Mediterranean Extension Telegr. | | | Company | 3| 198 | 198 6. Black Sea Telegraph Company | 1| 350 | 350 7. Indo-European Telegraph Company | 1| 8 | 24 8. Great Northern Telegraph Company | 17| 5916 | 6142 9. Eastern Telegraph Company | 49| 16814,85 |16859,85 10. Eastern and South African | | | Telegraph Company | 4| 3858 | 3858 11. Eastern Extension Australasia and | | | China Telegraph Company | 15| 11265 |11265 12. Anglo-American Telegraph Company | 15| 10437,56 |11035,70 13. Directed United States Cable | | | Company | 2| 2983 | 2983 14. Compagnie française du Télégraphe | | | de Paris à New-York | 4| 3409,34 | 3409,34 15. Western Union Telegraph Company[16]| 4| 5537 | 5537 16. Brazilian Submarine Telegraph | | | Company | 4| 4296 | 4296 17. Cuba Submarine Telegraph Company. | 3| 940 | 940 18. West-India and Panama Telegr. | | | Company | 20| 4119 | 4119 19. Western and Brazilian Telegraph | | | Company | 9| 3801 | 3801 20. River Plate Telegraph Company | 1| 32 | 64 21. Mexican Telegraph Company | 2| 709 | 709 22. Central and South American | | | Telegraph Company | 9| 3178,11 | 3178,11 23. West Coast of America Telegr. | | | Company[17] | 7| 1698,72 | 1698,72 --+------+-----------+----------- | 185| 82214,40 |86721,49

+Zusammenfassung.+

+----------+--------------------------- | Zahl der | Länge (in Seemeilen) | Kabel. | der Kabel. | der Drähte. ------------------------+----------+------------+-------------- Staatstelegraphen | 546 | 7276,927 | 9336,281 Privat-Gesellschaften | 185 | 82214,40 | 86721,49 --+----------+------------+-------------- Im ganzen | 731 | 89491,327 | 96057,771

Nach der +neuesten+ Statistik können die Kabel der +Privatgesellschaften+ auf 180000 km Länge mit 200000 km Leitung veranschlagt werden, während die in +Staatsverwaltung+ befindlichen Kabel nur 15000 km Länge und etwa 18000 km Leitung besitzen. Die +Länge sämtlicher Kabel der Erde beträgt somit+ 195000 km mit 218000 km Drähten[18]. Bedenkt man, daß es vor wenigen Decennien noch für unmöglich galt, Kabel durchs Meer zu legen, so ist dieses Resultat wahrlich im höchsten Grade bewundernswert.

6. +Kosten der Kabel.+ Der Wert der sämtlichen Kabel beläuft sich auf über 600 Millionen Mark. Durchschnittlich betragen die Kosten der atlantischen Kabel pro englische Meile (= 1,6 km) 550 Pfd. St. = 11000 M.; andere submarine Leitungen wurden dagegen schon um 200 Pfd. St. pro englische Meile erstellt. Beträchtlich wohlfeiler kommen die oberirdischen Leitungen zu stehen: im Durchschnitt pro englische Meile auf 80 Pfd. St. = 1600 M., die unterirdischen dagegen kosteten in Deutschland für die gleiche Entfernung 450 Pfd. St. = 9000 M.[19]

7. +Tarifentwicklung für Kabeltelegramme.+ Die nachstehende Tabelle veranschaulicht in übersichtlicher Weise, wie der Preis für +transatlantische+ Telegramme seit der Inbetriebnahme der ersten überseeischen Kabel und infolge des fortwährenden Hinzutretens von neuen Verbindungen fast stetig sich ermäßigte, bis er schließlich zu dem jetzigen verhältnismäßig billigen Satze herabsank, welcher auch den weniger Bemittelten gestatten dürfte, in Fällen großer Dringlichkeit von den überseeischen Verbindungen Gebrauch zu machen.

Für ein Telegramm bis zu 20 Worten Inhalt wurden bezahlt:

bis zum Jahre 1867 M. 400,-- vom 1. November 1867 ab „ 200,-- „ 1. Dezember 1867 ab für ein Telegramm bis zu 10 Worten „ 100,-- „ 1. September 1868 „ „ „ „ „ 67,40 „ 1. Juni 1869 „ „ „ „ „ 40,-- „ 10. August 1869 „ „ „ „ „ 30,-- „ 12. Dezember 1870 „ „ „ „ „ 60,-- „ 1. Juli 1871 „ „ „ „ „ 40,--

Vom 1. Mai 1872 ab wurde die Worttaxe eingeführt, und zwar

wurde zunächst berechnet für jedes Wort M. 4,-- vom 1. Mai 1875 ab „ 2,-- und vom 24. Dezember 1884 ab „ 1,60

Die zuletzt genannte Ermäßigung war eine Folge der Verlegung der +Bennett-Mackay+-Kabel, die von Waterville in der Nähe der Insel Valentia ihren Ausgang nehmen. Die Eigentümer dieser Kabel, welche die +Commercial Cable Company+ bilden, setzten bei der Inbetriebnahme derselben den angeführten Satz von 1,60 Mark für ein Wort fest, und die augenblickliche Folge davon war, daß auch alle übrigen Eigentümer von transatlantischen Kabeln sofort den gleichen Satz in Anwendung bringen ließen[20]. Seitdem ist sogar noch eine weitere Verwohlfeilung des telegraphischen Verkehrs zwischen Europa und Amerika eingetreten. Um nämlich die +Commercial Cable Company+ zu veranlassen, dem Bunde der übrigen Kabelgesellschaften beizutreten, haben die letzteren am 5. Mai 1886 die Wortgebühr für die Beförderung von Telegrammen zwischen London und New-York sowie den wichtigsten Handelsstädten Nordamerikas für ihre sämtlichen Linien auf den Satz von M. 0,50 herabgesetzt. Besondere Konzessionen wurden gleichzeitig den Zeitungen gemacht, indem für Preßtelegramme mittels besonderen Abkommens eine Ermäßigung der Gebühr auf sogar 0,25 M. für das Wort vereinbart werden kann. Die Beförderungsgebühren werden indes auf +diesem+ Satze nicht allzulange beharren[21].

Drittes Kapitel.

Übersicht über die wichtigsten Telegraphenlinien der Erde.

~A.~ Die großen Kontinentallinien.

Die bedeutendsten diesbezüglichen Linien sind:

1. +Der europäisch-indische Überlandtelegraph.+ Derselbe läuft bis zum persischen Hafen +Buschir+ in +doppelter+ Linie, einerseits über Konstantinopel, Bagdad und Basra (nur die kurze Strecke +Fao-Buschir+ ist Kabelleitung), andererseits von Rußland her über Tiflis, Teheran und Ispahan. Von Buschir taucht die Leitung in den persischen Meerbusen, landet dann bei Jask in Südpersien und wieder bei Gwadur und Karratschi und zieht dann über Land nach Bombay, Madras, Calcutta und Mulmein, letzteres in Hinterindien.

2. +Der sibirische Überlandtelegraph.+ Er zieht von St. Petersburg über Kasan, Perm, Tjumen, Omsk, Tomsk, Krasnojarsk, Irkutsk, Kiachta, Nertschinsk nach Nikolajewsk am Ochotskischen und Wladiwostock am Japanischen Meer.

3. +Der australische Überlandtelegraph.+ Er führt von Port Darwin in Nordaustralien nach Melbourne in Südaustralien. Außerdem läuft hier ein Telegraph von Melbourne an der Ostküste entlang über Sydney nach dem Golf von Carpentaria; desgleichen eine Leitung an der Südküste nach Westen bis Perth, Geralton und Roeburne.

4. +Der transkontinentale Telegraph Nordamerikas.+ Er verbindet den Osten (New-York) mit dem Westen der Vereinigten Staaten (San Francisco).

5. +Die transandinische Linie Südamerikas.+ Sie verknüpft Argentinien und Uruguay mit Chile, indem sie die Pampas durchzieht und die Anden übersteigt.

~B.~ Die wichtigsten unterseeischen Verbindungen[22].

Sie zerfallen in folgende Hauptgruppen: