Der Weltverkehr Telegraphie und Post, Eisenbahnen und Schiffahrt, in ihrer Entwickelung dargestellt
Part 15
Am besten erhellt der Fortschritt in dieser Beziehung durch einen Vergleich der Jetztzeit mit früheren Jahrhunderten. „Ältere Postregulative,“ fährt derselbe Autor fort, „strotzen von den scharfsinnigsten Kautelen, mit denen die Auflieferung, die Beförderung und die Bestellung von Wertsendungen umgeben zu werden pflegte. In der Regel wurde gefordert, daß der angegebene Wertbetrag nach vorheriger Aufzählung und Feststellung im Beisein des Annahmebeamten oder wohl gar des Postamtsvorstehers vom Absender verpackt werde; seinem Siegel wurde dann das des Postamts als besondere Sicherheitswache beigedruckt. Bei der Ankunft ging es nicht minder umständlich zu. Der Adressat mußte zur Post kommen; in seinem Beisein wurde der Brief geöffnet, der Inhalt vorgezählt und dann förmliche Quittung geleistet.“ So war in früheren Zeiten die Versendung von Geldbeträgen mit großen Schwierigkeiten und nach Umständen auch mit Verlusten verknüpft. Jetzt können an jedem Postorte Deutschlands, ohne Hilfe eines Banquiers, ohne Wechsel, ohne ausländisches Geld, Beträge durch die Post nach den verschiedensten Ländern sicher und gegen eine verhältnismäßig geringe Gebühr überwiesen werden. Wie sehr hierdurch der internationale Verkehr erleichtert worden, liegt auf der Hand.
1. +Postanweisungen+[78]. Unter den Geldgeschäften der Post ist der +Postanweisungsverkehr+ von hervorragender Wichtigkeit. Obwohl erst zu Anfang der sechziger Jahre in den Geschäftskreis der Post aufgenommen, hat sich dies Verfahren, wonach die Post nicht die Beförderung, sondern einfach die Auszahlung von Geldbeträgen übernimmt, ungemein rasch über die ganze Welt verbreitet. Heutzutage sind in Deutschland Postanweisungen bereits zulässig nach fast sämtlichen Ländern Europas, nach den Vereinigten Staaten, sowie nach den meisten außereuropäischen Kolonieen. Die großartige +Entwicklung+ des Postanweisungsverkehrs beleuchten folgende Zahlenangaben:
Der +interne Gesamtverkehr+ bezüglich der +Postanweisungen+ betrug nach der Berner Statistik für 1884
+-----------+------------ | | Gesamtwert Länder. | Stückzahl.| in | | Mill. Frcs. ---------------------------------------+-----------+------------ in Deutschland | 57186050 | 4282 „ England | 29345985 | 779 „ Frankreich | 18043559 | 550 „ Österreich | 11145475 | 833 „ den Vereinigten Staaten von Amerika | 7835694 | 633 „ Ungarn | 6756424 | 477 „ Italien (1883)[79] | 4108419 | 534 „ Britisch Indien | 3034894 | 183 „ der Schweiz | 2016884 | 228 „ Belgien | 1534008 | 109 „ den Niederlanden | 1468531 | 49
Obenan steht demnach in dieser Beziehung weitaus +Deutschland+. Selbst im Vergleich zu +Österreich+, das bezüglich des internen Postanweisungsverkehrs an +zweiter+ Stelle steht, betrugen die in +Deutschland+ auf diese Weise vermittelten Summen rund das 5fache. Noch 1882 hatte der interne Postanweisungsverkehr Deutschlands höhere Summen aufzuweisen, als derjenige +der sämtlichen übrigen Staaten der Erde zusammengenommen+. -- Was die +Zahl+ der im innern Verkehre Deutschlands zur Aufgabe gelangenden Postanweisungen betrifft, so beläuft sich dieselbe, verglichen mit jener der größten ausländischen Staaten, nach der Berner Statistik für 1884:
auf rund das Doppelte gegenüber Großbritannien, auf mehr als das Dreifache „ Frankreich, „ „ „ Fünffache „ Österreich, „ „ „ Siebenfache „ den Ver. Staaten von Amerika, „ „ „ Achtfache „ Ungarn, „ „ „ Dreizehnfache „ Italien.
1881 betrug der +tägliche+ Gesamtumsatz an Ein- und Auszahlungen bei den Reichspostanstalten rund 14½ Mill. Mark. Der +durchschnittliche+ Betrag einer Postanweisung +innerhalb+ des deutschen Reichspostgebietes erreichte 1880 die Summe von 57 M. 37 Pf., während derselbe aus dem deutschen Reichspostgebiet +nach dem Auslande+ sich auf 58 M. 48 Pf. und in der Richtung aus dem Ausland +nach dem deutschen Reichspostgebiet+ auf 47 M. 14 Pf. stellte. Der großartigste Postanweisungsverkehr bezüglich der +fremden Länder+ besteht seitens des Deutschen Reichs mit Österreich-Ungarn.
Der gesamte +internationale+ Postanweisungsverkehr ergab für das Jahr 1884 eine Summe von rund 7⅖ Mill. Stück Anweisungen im Gesamtbeträge von 390 Mill. Mark.
Einschließlich der in obiger Tabelle nicht genannten Länder bezifferte sich während des Jahres 1884 der +Gesamtanweisungsverkehr+ im +Gesamtbereiche+ des +Weltpostvereins+ auf 150 Millionen Stück mit einem Werte von 8845 Millionen Frcs.
2. +Postnoten+ (~postal orders~) und +Postkreditbriefe+ (~titoli postali di credito~). Die +englische+ Postverwaltung giebt seit 1880 sogenannte +Postnoten+ aus, d. h. auf feste Beträge lautende Postanweisungen, die gegen eine geringe Gebühr bei allen inländischen Postanstalten eingelöst werden und mithin ein Mittelding zwischen Papiergeld und Postanweisung darstellen. Die Einrichtung besteht gegenwärtig in England, Britisch Indien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und in den australischen Kolonieen. -- Die +Postkreditbriefe+ sind eine Einrichtung der +italienischen+ Post; durch sie wird die Möglichkeit gewährt, bei jeder Postanstalt des Königreichs beliebige Beträge innerhalb der eingezahlten Summe abzuheben. Solche Kreditbriefe werden von den Provinzial-Postdirektionen in den größeren Städten, wie in Rom, Florenz, Genua etc., bis zur Höhe von 10000 Lire, von den übrigen Provinzial-Postdirektionen bis zu 3000 Lire ausgestellt.
3. +Postnachnahmen.+ Das Postnachnahmewesen besteht darin, daß die Post die Verpflichtung übernimmt, gewisse Sendungen den Adressaten nur gegen Zahlung des vom Absender bezeichneten und demselben zu erstattenden Geldbetrags auszuhändigen. Auch dieses Verfahren wird vom Publikum gerne benutzt. Obenan steht +Deutschland+, das in der Berner Statistik für 1884 mit einer Jahressumme von 8354500 Stück Nachnahmesendungen im Betrage von über 78 Mill. Frcs. vertreten ist. Das Postnachnahme-Verfahren besteht übrigens nur in wenigen Ländern, gleichwohl ergab sich für 1884 im ganzen ein +internationaler+ Jahresumsatz von 12½ Mill. Frcs.
4. +Postaufträge.+ Durch das Postauftragsverfahren ist es möglich, durch die Post die Einziehung von Schuldbeträgen bis zur Höhe von 600 M. bewirken zu lassen. Den umfangreichsten Verkehr hat auch in diesem Geschäftszweige +Deutschland+ aufzuweisen mit einem Gesamtbeträge von gegenwärtig jährlich 519 Mill. Frcs. Dann folgen Belgien mit 390 Mill. und Frankreich mit 140 Mill. Auch das Postauftragsverfahren hat noch nicht in sehr vielen Ländern Eingang gefunden[80].
5. +Postsparkassen+[81]. Mißstände in der Verwaltung der in England bestehenden Privatsparkassen veranlagen 1860 den Banquier +Sykes+ aus Huddersfield, dem englischen Ministerium die Errichtung von +Postsparkassen+ vorzuschlagen. Dieser Vorschlag fand lebhaften Anklang, und 1861 bereits wurden dort die ~Post Office Saving Banks~ begründet.
Auf dem europäischen Kontinente folgte dem Beispiele Englands zuerst +Belgien+, und zwar am 1. Januar 1870. 1875 gelangten die Postsparkassen zur Einführung in +Italien+, 1880 in den +Niederlanden+, 1882 in +Frankreich+, 1883 in +Österreich+, am 1. Januar 1884 in +Schweden+, und Ende des Jahres 1884 ist auch in +Deutschland+ ein diesbezüglicher Gesetzentwurf seitens der Reichsregierung dem Reichstage vorgelegt worden. Leider wurde derselbe seitens des Reichstags abgelehnt. Bei der Reform des +dänischen+ Sparkassenwesens im Jahre 1879 scheiterte die Einführung der Postsparkassen nur an dem Bedenken, daß den mäßig besoldeten Postbeamten daraus eine größere Last erwachsen könnte. In +Ungarn+ wird gleichfalls die Einführung derselben beabsichtigt und ebenso in der +Schweiz+.
+Außerhalb Europas+ richtete zuerst +Canada+ (1882: 51463 Conti mit 9473661 Dollars Gesamtguthaben) Postsparkassen nach englischem Muster ein; dann folgten die +Straits-Settlements+ (Straßenansiedlungen an der Straße von Malacca) und andere englische Kolonieen (Victoria 1879: 49233 Einleger mit 950101 Pfd. St.). 1875 führte auch +Japan+ das Postsparkassen-Institut ein, beiläufig mit dem Erfolge, daß am Ende des Rechnungsjahres 1881/82 die Zahl der Einnahmestellen 1164, die Zahl der Einleger 221000 und die Summe der Einlagen nahezu 4 Mill. M. betrug. Endlich hat auch die +britisch-indische+ Regierung, zunächst in der Provinz Bengalen und im Nordwesten Indiens, einen diesbezüglichen Versuch gemacht. Dem nordamerikanischen Repräsentantenhause ist bereits vor längerer Zeit eine Bill vorgelegt worden, welche die Einrichtung der Postsparbanken auch für die Vereinigten Staaten empfiehlt.
Die Organisation des Postsparkassenwesens ist übrigens noch nicht abgeschlossen. Schon besteht zwischen Frankreich und Belgien ein Vertrag, kraft dessen das Guthaben der Einleger ohne Kosten von einem Lande aufs andere übertragen werden kann, desgleichen zwischen Belgien und den Niederlanden. Ähnliche Übereinkommen will Frankreich auch mit England, Italien und Österreich abschließen, und diesen Kartellen gedenken auch die Niederlande beizutreten. So ist bereits der Anfang gemacht zu einer +internationalen Organisation der Postsparkassen+, welche im Weltpostverein leicht weitere Ausbildung wird erfahren können.
Die wahrhaft großartige Entwicklung dieses Instituts, dem so hohe wirtschaftliche und moralische Bedeutung zukommt, veranschaulichen folgende Zahlen:
~a.~ +England+. -----+---------+---------------------+-----------------------+--------- | | Einlagen. | Rückzahlungen |Verblei- Jahr.| Zahl der+---------+-----------+-------------+---------+bende |Einleger.|Zahl der |Betrag in |Zahl d. Rück-|Betrag in|Einlagen. | |Einlagen.|Pfd. St. |zahlungen. | Pfd. St.|Betrag in | | |[82] | | |Pfd. St. -----+---------+---------+-----------+-------------+---------+--------- 1861 | 24826 | 46643 | 167530 | 1702 | 6759| 160771 1862 | 178495 | 592573 | 1947139 | 95592 | 431618| 1515521 1863 | 319669 | 842848 | 2649918 | 197431 | 1026207| 1623711 1870 | 1183153 | 2135993 | 5995121 | 787172 | 4758187| 1236934 1875 | 1777103 | 3132533 | 8783852 | 1112637 | 7325561| 1458291 1880 | 2184972 | 3754689 | 10301152 | 1465331 | 9346834| 954318 1882 | 2858976 | 6151469 | 13712859 | 1935129 | 10869533| 2843326 1884 | -- | 6458707 | 14510411 | 2198792 | 12530563| 1979848
Ende 1884: Bestand der Sparkassenguthaben 44773773 Pfd. St., d. i. rund 895½ Mill. M.
Die Benützung der Postsparkassen ist demnach in England eine sehr rege. Nach ihrem großen Umsatz und insbesondere nach den beträchtlichen Rückzahlungen, welche sie zu machen hatten, erscheinen sie als das, was sie sein sollen: die Aufbewahrungsstellen augenblicklich nicht zu verausgabender Beträge, die den eintretenden notwendigen Bedürfnissen zufolge später doch zurückgezogen werden müssen und als Ersparnisse nicht verbleiben können.
Um noch kleinere Ersparnisse als die des Einlageminimums von +einem+ Schilling (l M.) möglich zu machen, sind unter freier Mitwirkung von gemeinnützigen Kreisen die sog. Pennybanken gegründet worden, welche dem Sparer eine Karte zum Aufkleben von zwölf Stück Pennymarken unentgeltlich verabfolgen und ihm Marken verkaufen.
Im Jahre 1880 wurden vom Generalpostmeister +Fawcett+ auch diese Sparkarten eingeführt. Wer sparen will, erhält von den Postämtern eine Karte mit einer Pennymarke gegen Zahlung eines Pennys. Wer zwölf solcher Marken auf seine Karte geklebt hat, trägt dieselbe auf das nächste Postamt, wo man sie ihm als eine auf seinen Namen lautende Einlage im Betrage von 1 Schilling (12 Pence) abnimmt. Auch diese Einrichtung hat sich trefflich bewährt.
In +socialpolitischer+ Hinsicht leisten die englischen Postsparkassen auch dadurch gute Dienste, daß sie jeder gesetzlich registrierten Unterstützungs-, Wohlthätigkeits- und Versorgungs-Gesellschaft gestatten, ihre Gelder und Überschüsse auf Verzinsung anzulegen. Hiermit genießen diese Gesellschaften ebenfalls die große Sicherheit der Anlage ihrer Gelder und pünktliche, gleichmäßige Verzinsung. Es sind dies besonders schätzenswerte Vorteile für diese Art von Gesellschaften, deren ganzes Wesen zur größtmöglichen Sicherheit der Anlage des Kapitals und eines zuverlässigen Eingangs der Zinsen nötigt.
So hat +Gladstone+ sicher recht, wenn er sagt: ~The Post Office Saving Banks are the greatest and most important work, ever undertaken by the Government for the benefit of the nation~ (Die Postsparkassen sind die bedeutendste und wichtigste Einrichtung, die jemals von der Regierung zur Wohlfahrt der Nation getroffen worden).
Da auch die Gesetzgebungen anderer Länder, insoweit diese Postsparkassen eingeführt haben, die Bestimmungen der +englischen+ in ihren wesentlichen Grundzügen annahmen, so ist es wohl gerechtfertigt, diese der Hauptsache nach vorzuführen.
Die ~Post Office Saving Bank~ ist eine Abteilung der Postverwaltung; sie führt Rechnung und Verwaltung über die durch die Postämter gesammelten Einlagen; auf ihre Anordnung erfolgt die Rückzahlung; bezüglich der Einlagen und Rückzahlung ist eine zweckentsprechende Kontrolle geschaffen; für die Einlagen existiert ein Minimum (1 Schilling = 1 M.) und ein Maximum (200 Pfd. St. = 4000 M.); wird das Maximum überschritten, so hört die Verzinsung (2½%) auf, und es erfolgt die Umwandlung in Staatspapiere ~ex officio~, wenn der Einleger binnen einer festgesetzten Frist die Einlage nicht vermindert. Die Einlage, die Kündigung und die Rückzahlung kann bei jedem Postamte geschehen. Das Einlagebüchlein lautet auf den Einleger in Person; Beschlagnahme desselben wird von der Post nicht zugelassen. Für die Rückzahlung des Kapitals samt Interessen haftet der Staat ohne Vorbehalt; ihm gehört auch der Zinsenüberschuß. Die Zinsen werden am Ende jedes Kalenderjahres in die bestehenden Büchelchen eingetragen und zum Kapitale geschlagen. Für die Korrespondenz mit den Einlegern besteht Portofreiheit. Das Postsparkassenamt unterliegt der Kontrolle des Staatsrechnungshofes und hat monatlich einen Geschäftsausweis zu veröffentlichen. Der jährliche Rechnungsabschluß wird dem Parlamente mit einem Rechenschaftsberichte vorgelegt.
~b.~ +Belgien+. ------+---------------------- | Guthaben der Einleger Jahr. | am Ende des Jahres | in Franken. ------+---------------------- 1870 | 712891 1875 | 7342602 1881 | 36731951 1882 | 44643838 1883 | 52506000 1884 | 64701281
~c.~ +Italien+. ------+----------------------+---------------------- | Zahl der am Ende | Guthaben der Einleger | des Jahres im Umlauf | am Ende des Jahr. | befindlichen | Jahres in Lire. | Einlagebücher. | ------+----------------------+---------------------- 1876 | 57354 | 2443404 1878 | 157651 | 11385164 1880 | 339845 | 46252860 1882 | 592018 | 84951236 1883 | 895988 | 112128423
~d.~ +Niederlande+. ------+----------------------+--------------------------- Jahr. | Zahl der umlaufenden | Gesamtbetrag des Guthabens | Sparbücher. | der Sparer in Gulden. ------+----------------------+--------------------------- 1881 | 22831 | 858623 1882 | 46242 | 2018976 1883 | 67922 | 3217605 1884 | 90798 | 4650718
~e.~ +Frankreich+. -----+---------+-------------------+-------------------+------------ Jahr.|Zahl der | Summe der Ein- | Summe der Rück- |Verbleibende |Einlagen.| zahlungen in | zahlungen in | Einlagen | | Franken. | Franken. | in Franken. -----+---------+-------------------+-------------------+------------ 1882 | 473155 | 64634381 | 17810940 | 46823441 1883 | 697433 | 73041637 | 45044435 | 27997202 1884 | 917131 | 94113816 | 58953250 | 35160566
~f.~ +Österreich+. -----+---------+-------------------+-------------------+------------ Jahr.|Zahl der | Summe der Ein- | Summe der Rück- |Verbleibende |Einlagen.| zahlungen in | zahlungen in | Einlagen | | Gulden. | Gulden. | in Gulden. -----+---------+-------------------+-------------------+------------ 1883 | | | | u. 84| 3311333 | 64763350 | 50067249 | 14696101 1885 | 2428159 | 278154862 | 261350405 | 16804457
Trotz aller Schwierigkeiten der Ein- und Durchführung macht die Einrichtung der Postsparkassen sichtliche Fortschritte und scheint sich langsam in allen civilisierten Ländern einbürgern zu wollen.
Nachstehend noch einige +vergleichsstatistische+ Angaben über die bestehenden +europäischen+ Postsparkassen:
+--------+--------+--------+-------+-------+--------- Der |England.|Belgien.|Italien.|Nieder-| Frank-| Öster- Postsparkassen | | | | lande.| reich.| reich. -----------------+--------+--------+--------+-------+-------+--------- Betriebseröffnung| 1861 | 1870 | 1876 | 1881 | 1882 | 1883 Zinsfuß | 2½% | 3% | 3½% | 2⅔% | 3% | 3% Veranlagung | 3% | 3,7% | 5% | 4% | 4% | 5,4% Minimalsatz in M.| 1 | 0,80 | 0,80 | 0,42 | 0,80| 0,45 Maximalsatz in M.| 4000 | 4000 | 1600 | -- | 1600 | 1700 | | | | | | Summe d. Einlagen| 274 | 18,5 | 14,3 | 3,7 | 52 |c. 13,5 i. J. 1882 in M.| Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | | | | | | Gesamtsparsumme | 780 | 35,7 | 53,5 | 3,5 | 37,2| c. 9,5 Ende 1882 in M. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | Mill. | | | | | | (1883)
6. Der +Geldbriefverkehr.+ Trotz der Einwirkung der bankmäßigen Zahlungsvermittlung durch die Postanweisungen u. s. w. nimmt der +Barversendungs+- und namentlich der +Geldbriefverkehr+, soweit diese Versendungsarten für den innern Verkehr der einzelnen Länder überhaupt zulässig sind, noch immer eine beachtenswerte Stellung ein. Nach der Berner Statistik für 1884 betrug der +interne Geldbriefverkehr+ im gleichen Jahre:
in Rußland[83] rund 12 Milliarden Mark. „ Deutschland „ 10½ „ „ „ Österreich „ 8 „ „ „ Ungarn „ 2½ „ „
in Frankreich rund 1¼ Milliarden Mark. „ Schweden „ 568½ Millionen „ „ Rumänien „ 321½ „ „ „ Dänemark „ 317 „ „ „ Belgien „ 276 „ „ „ Norwegen „ 259½ „ „ „ den Niederlanden „ 160 „ „
Die Gesamtsumme der durch die +deutsche Reichspost+ vermittelten (deklarierten) Geldsendungen belief sich 1884 auf 18166 Millionen M.[84]
+Der gesamte Umfang des Geldverkehrs der Post betrug im Jahre 1884 in den Ländern des Weltpostvereins, für welche die Berner Statistik Angaben enthält,+
rund 150 Mill. Postanweisungen im Betrage von 7076 Mill. M. „ 20 „ Postaufträge „ „ „ 931½ „ „ „ 12½ „ Nachnahmesendungen „ „ „ 97 „ „ „ 40½ „ Briefe mit Wertangabe „ „ „ 32079 „ „ „ 26½ „ Pakete mit Wertangabe „ „ „ 8956 „ „
+Der Gesamtbetrag dieser (rund) 250 Millionen Wertsendungen belief sich somit für das Jahr 1884 auf die riesige Summe von nahezu 50 Milliarden (49139 Millionen) Mark.+
III. Postpaketverkehr[85].
Die Annahme und Beförderung von Paketen seitens der Postanstalten hat sich in Deutschland viel später herausgebildet als diejenige von Briefen; erstere erfolgt erst seit etwa 180 bis 200 Jahren. Der Nutzen dieser Einrichtung wurde indes schon sehr frühzeitig erkannt, wie aus folgendem interessanten Zeugnisse erhellt. Von einem Reisenden aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts, dem Ratsherrn Uffenbach in Frankfurt am Main (1683 bis 1734), der zugleich ein großer Bücherfreund war und deshalb viele Verbindungen mit Gelehrten u. s. w. unterhielt, erwähnt nämlich der Herausgeber seines hinterlassenen Reisewerkes ganz bezeichnend: „Er erfreuete sich über die Glückseligkeit unserer Zeit, da man Briefe und Pakete bequem und schnell an Orte, wenn sie auch weit von uns entfernt sind, vermittelst der öffentlichen Posten und Fahrwägen übersenden kann. Wie gar anders war es im 15. und noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts beschaffen! Die Klagen berühmter Leute, die hin und wieder in ihren Briefen vorkommen, bezeugen es zur Genüge.“
Und doch, wie umständlich war ehemals dieser Paketverkehr, wie bedeutend das Porto! Der Staats- und Kabinetsrat Klüber sagt in seinem Werke „Das Postwesen, wie es war, ist und sein könnte“ (Erlangen 1811) hierüber folgendes: „Für ein Paket, das mit dem Postwagen von Berlin nach Frankfurt am Main gesendet wird, muß jetzt +neunfach+ verschiedenes Porto gezahlt werden: königl. preußisches, königl. sächsisches, kaiserl. französisches (zu Erfurt), sachsen-weimarisches, sachsen-gothaisches, sachsen-weimarisches (zu Eisenach), königl. westfälisches, großherzogl. hessisches (Taxissches) und frankfurtisches (Taxissches). Die Adresse ist gewöhnlich so sehr mit Postzeichen und Ziffern beschmiert, daß oft beim Nachrechnen und Entziffern nicht auf das Klare zu kommen ist. Läuft das Paket bis Basel, so ist das zu zahlende Porto +zwölffach+ verschieden.“ Da jede Postverwaltung für ihre Beförderungsstrecke ein bestimmtes Porto beanspruchte, so belief sich das Gesamtporto für ein 5 kg oder 10 Pfund schweres Paket gewiß oft auf mehrere Thaler.
Solche Zustände bestanden in Deutschland im wesentlichen bis 1850. Erst die dritte Konferenz des deutsch-österreichischen Postvereins führte 1857 die organische Umgestaltung des Vereinsfahrpostwesens herbei. Nach dem Vereinsfahrposttaxsystem vom 1. Juli 1858 wurden nunmehr auch bezüglich des Vereinsfahrpostverkehrs, wie das schon früher bezüglich des Vereinsbriefpostverkehrs geschah, sämtliche deutschen Postbezirke als ein +ungeteiltes Postgebiet+ angesehen. Das Porto ward, ohne Rücksicht auf die Territorialgrenzen und auf die Leitung, lediglich nach Maßgabe der direkten Entfernung (geraden Linie) in +einer+ Summe und nicht mehr für jedes einzelne deutsche Postgebiet besonders, sondern für den gesamten Verein als gemeinschaftliche Einnahme berechnet. Die erzielte gemeinschaftliche Portoeinnahme für die Vereinsfahrpostsendungen wurde unter die Vereinspostverwaltungen nach gewissen Prozentsätzen verteilt, wobei als Grundsatz galt, daß der Anteil sich nach der wirklichen Leistung zu richten habe.
Hiermit war ein höchst wichtiger Schritt bezüglich der Fahrpostsendungen gemacht worden.