Der Weibsteufel: Drama in fünf Akten

Part 5

Chapter 53,156 wordsPublic domain

Ausglöscht? Das ganze Weib mit Haut und Haar und Fleisch und Blut? ^Dann mit künstlicher Ruhe^ Du mußt mirs nit übelnehmen: Dort und da züngelts noch auf. Jetzt ists schon wieder gut. ^Dann sanft, schmeichelnd^ Du, Mann.

Mann

Ja. Was ist?

Weib

Du hast früher immer gsagt, das Haus am Marktplatz wirst _mir_ zuschreiben.

Mann

Ich halts auch.

Weib

Ja freilich. Wie die Männer schon sein mit dem Worthalten. Geh, geh. Euch kennt man schon.

Mann ^entschlossen^

Hol mir Papier und Schreibzeug. ^Setzt sich an den Tisch.^

Weib

^stellt sich beinahe beleidigt^

Aber, was dir nit einfallt. Du wirst doch noch ein Spaß verstehn. ^Hat sich aber trotzdem gleich erhoben und geht durch die Nebentüre ab.^

Mann ^vor sich hin^

Weiber. Zuerst wollen sie etwas haben, dann wieder nit; ja ja, grad wie die Kinder.

Weib

^kommt mit Papier und Schreibzeug aus der Nebentür^

Und grad heut, wo du so müd bist. Laß es doch gut sein. ^Stellt das Schreibzeug auf den Tisch und schiebt es ihm bequem zu^ So. Aber mach mir aufs weiße Tischtuch kein Tintenfleck. ^Setzt sich abseits.^

Mann

^beginnt zu schreiben. Läßt ein Weilchen die Feder über das Papier kratzen. Hält dann inne und legt die Feder weg. Wischt sich über die Stirn^

Es ist doch was Spaßiges ums Testamentmachen. ^Zum Weib^ Jetz ist mir ein eiskalter Grusler über den Rücken glaufen.

Weib

Was du nit sagst. ^Erhebt sich und tritt an den Tisch. Sieht über die Schulter des Mannes auf das Blatt und liest^ »Für den Fall meines Todes vermache ich meinem ^stellt sich gerührt^ lieben Eheweib ...« ^dann^ na, so was; ich glaubs, daß es einen da gruselt. Das ist ja grad, als wenn einem der Klapperhans schon hinten über die Achsel hereinschauet. ^Nimmt das Blatt an sich^ Weg mit dem Wisch. Ich laß dich nit weiterschreiben. Zu was sollst dich da lang martern?

Mann

Hast recht; bin heut auch zu müd. Leg das Blatt in Kasten. Ich schreibs morgen fertig.

Weib

^hält das Blatt in der Hand; unwirsch^

Na also. Wenn ich schon immerfort sag: Laß es gut sein. ^Dann mit dem Blatt in der Hand zögernd, als käme ihr ein Bedenken^ Ja, aber sag Mann; du bist doch sonst so ein gscheiter Mensch; ist denn das schlau?

Mann

Was?

Weib

Ich mein halt so: Für den Fall meines Todes, oder wies da heißt -- so was schreibt niemand gern; jetz hättst es eigentlich schon überstanden; und da sollst dich dann morgen wieder auf und neu in den Tod hinein denken? -- Na. Ich laß mir meinen Mann nit doppelt und dreifach martern. ^Legt ihm das Papier wieder vor^ Da; schreibs zu End. Man laßt sich einen Zahn auch auf einmal reißen; und nit portionenweis.

Mann

Du hast recht. Und was du da sagst, das zeigt auch von Gemüt. ^Beginnt wieder zu schreiben.^

Weib

Na eben. ^Setzt sich abseits.^

^Man hört jetzt und auch in der Folge durch das geschlossene Fenster dann und wann sehr gedämpft die Klänge einer Ziehharmonika; keine eigentliche Melodie; es erweckt den Anschein, als ob jemand Akkorde üben würde^

Mann

Aha. Unser alter Knecht spielt wieder auf seiner Harmonika. Da kriegen wir ein anders Wetter.

Weib

Das kann schon sein.

Mann ^schreibt^

^hält im Schreiben inne; wendet sich nach dem Weibe um^

Was hat das Haus für eine Nummer? ^Ungeduldig^ Marktplatz Nummero?

Weib

^hält sich die Ohren zu, als täte ihr der ganze Vorgang wehe^

Bitt dich, Mann, frag mich nix; ich werd dir nit bei der Arbeit noch den Handlanger machen. ^Dann^ Nummero sieben hats, fallt mir grad ein. ^Während der Mann schreibt^ Oder meinst, für ein Weib ist das gar so eine Freud, wenn der Mann da beim Tisch sitzt und schreibt: Für den Fall meines Todes. ^Ist aufgestanden und tritt ans Fenster^ Och Gott, ja; man steht sich schon was aus. ^Sieht durch die Scheiben.^

Mann ^schreibend; froh vor sich hin^

Sie ist wieder gut, wie früher. Das Weib ist wieder im rechten Gleis. ^Hat zu Ende geschrieben; gibt Streusand auf das Papier; dann sich umwendend^ Weib; ich bin fertig. ^Reicht dem Weib, das vom Fenster auf den Tisch zugekommen ist, das Papier^ Lies durch. Obs dir so recht ist.

Weib

^macht, als wäre sie innerlich ergriffen, mit der einen Hand eine abwehrende Bewegung^

Gott bewahr; ich werd das noch lesen. ^Langt mit der andern Hand nach dem Papier und überfliegt rasch dessen Inhalt; dann^ Das Datum hast vergessen; ^dann, noch einen Fehler entdeckend, hastig^ och du mein Gott, und dein Vornamen auch. ^Legt ihm das Blatt wieder auf den Tisch.^

Mann

^bessert das Fehlende aus; dann^

So.

Weib

^das beim Tisch stehen geblieben ist und zugesehen hat, nimmt rasch das Papier weg^

Jetzt aber gleich fort mit dem Wisch; in Kasten hinein, und nimmer heraus. ^Gibt das Papier in den Stehkasten, den sie versperrt.^

Mann

^überläuft plötzlich wie von ungefähr ein kalter Schauer^

Weib; es übergruselt mich schon wieder eiskalt. ^Wischt sich über die Stirn^ Und eine Hitz steigt mir auf; und eine Angst. ^Erhebt sich taumelnd vom Tisch.^

Weib

Was hast denn?

Mann

So eine Angst hab ich.

Weib ^unwirsch^

Vor was denn?

Mann

Ich weiß nit vor was. Ich hab nur so eine Angst.

Weib

Das dumme Testament. Hab i dir nit alleweil gsagt: Laß es. Aber na; wenn sich ein Mannsbild einmal was in Kopf setzt, das muß durch. Och Gott ja. ^Ist ans Fenster getreten und sieht durch die Scheiben.^

Jäger

^zur Reise gerüstet, gespornt und gestiefelt, mit dem gerollten Mantel über Brust und Schulter, tritt beinahe lautlos zur Türe herein.^

Mann

^starrt angstvoll nach dem Dunkel der offenen Türe, in der sich die Gestalt des Jägers beinahe gespenstisch abhebt; als sähe er ein Gespenst. Aufschreiend^

Ah.

Weib ^wendet sich vom Fenster^

Na, was denn? ^Sieht den Jäger. Triumphierend^ Der Jäger. ^Dann vor dem Jäger^ Na also, Herr Jäger. Sein Sie doch noch einmal eingschloffen in den -- Fuchsbau.

Jäger

^wischt sich wie benommen über die Stirn^

Weiß selber nit; bin schon auf der Straß dahin marschiert. Und auf einmal bin ich da.

Weib ^sieht ihn an^

Ich habs gwußt, daß Sie kommen. Soweit kenn ich jetz schon alles, was Hosen tragt.

Mann

^starrt den Jäger furchtsam an^

Weiß nit, wie Sie mir jetzt im Halbschatten da vorkommen: Viel größer und wilder.

Jäger ^kurz^

Ei was.

Weib

^mustert den Jäger von oben bis unten^

Na ja; weil er so aufgezäumt ist; mit dem gerollten Mantl über, und gestiefelt und gspornt. ^Dann^ Jäger; legen Sie ab.

Jäger

Abglegt wird nit.

Weib

Aber niedergsessen. ^Rückt ihm beim Tisch einen Stuhl zurecht.^

Jäger ^setzt sich^

Auf zwei Minuten.

Weib

Na, sagen wir drei. Soviel werden Sie schon noch zugeben. ^Zum Mann^ Mann setz dich. Ist dir jetz besser?

Jäger ^hastig zum Weib^

Wo fehlts ihm?

Mann ^setzt sich. Rasch gegen den Jäger^

Nur keine Sorg, Herr Jäger. Ich werd hundert Jahr alt.

Weib ^zum Jäger^

Wir müssen noch einmal anstoßen zum Abschied. So jung kommen wir nimmer zusamm. ^Beginnt die Gläser der Reihe nach vollzuschenken.^

Jäger

^mit Beziehung auf die eben wieder auf einen Augenblick hörbar werdenden Klänge der Ziehharmonika^

Tafelmusik haben Sie auch bstellt?

Weib

Das ist nur unser alter Knecht; so ein halber Zigeuner. Der probiert oft so am Abend. Aber oft spielt er auch ganz wilde Stückeln.

Jäger

So, so.

Mann

Also ist alles in Richtigkeit, Herr Jäger?

Jäger ^fest^

Hab schon mein Order. ^Klopft auf die Brusttasche^ Zum Rapport in die Stadt.

Weib

^hat die Gläser vollgeschenkt. Setzt sich zwischen Mann und Jäger^

Und was meinen Sie; was gschieht jetz dann mit Ihnen?

Jäger

Weiß nit, was mit mir gschieht und wie sie es nehmen. ^Bitter^ Aber mein Ehr hat einen Sprung kriegt, das weiß ich. ^Schmerzlich vor sich hin^ Es ist mir nur wegen meiner Mutter: Sie ist immer stolz gwesen auf meine gute Führung. ^Mit Inbrunst^ Aber ich will wieder ehrlich werden von Grund auf.

Weib

^erhebt sich mit dem vollen Glas^

Wir sollen lebn. Zuerst der Mann, der alles wieder eingerenkt hat. ^Stößt mit ihm an^ Du bist doch der Schlaueste von uns allen. ^Dann zum Jäger gewendet^ Jäger. Wir zwei können jetz einander ganz -- nüchtern ins Aug schauen; was? ^Sehen sich, das Glas in der Hand, an^ Halt. Ganz da hinten drin sieh ich noch ein Feuerl brennen. Das löschen wir aus. Zum Wohl, Herr Jäger. ^Stoßen an^ Wir schwemmen es hinunter. ^Trinken.^

Jäger

^trinkt das Glas leer. Während ihm das Weib wieder nachschenkt, vor sich hin^

Ja. Haar und Blut hab ich da glassen; ^gegen das Weib^ aber ganz mich zu schanden rupfen warst doch nit imstand; du Weiberteufel.

Weib ^fährt auf^

Wer hat den Teufel aus dem Ei gebrütet? ^Heftig gegen Mann und Jäger^ Du und du; ja, ihr zwei. Ah, wenn ihr mir _so_ kommt.

Mann

^beängstigt vor dem heftigen Ausbruch des Weibes^

Weib, brenn nit wieder auf. Wir lassen es gut sein.

Weib ^scheinbar besänftigt^

Na also gut. Dann ists ja gut, wenns gut ist. ^Dann^ Aber das müßt ihr doch selber sagen, ihr zwei Mannderln: Es ist nit gut, mit einem Weib Katz und Maus zu spielen. ^Wie schadenfroh^ Was, Jägerle, he?

Jäger

Die Weiber haben Schießpulver ein. Ich geh keiner mehr zu.

Weib ^spöttisch^

Aber heut sein Sie doch wieder kommen.

Jäger

^wischt sich wie benommen über die Stirn und sieht das Weib beinahe hilflos an^

Weiß nit wie. Bin halt da.

Mann ^sieht auf die Uhr^

Weib. Lang tun wir da nit um. Gsundheit trunken haben wir. Ich bin müd.

Weib

Ah was. Du bist alleweil müd. ^Nickt dem Jäger zu.^ Ja, Jäger. Sie müssen heut noch mit Sack und Pack die Nacht durch marschieren; ^schmeichelt sich an den Mann heran^ und wir zwei schlafen fein warm im Federbett. Gelt, Mannderl? ^Legt den Arm von hinten her um des Mannes Nacken und Schulter. Mit der andern Hand ergreift sie das Glas und blinzelt unter den halbgeschlossenen Lidern den Jäger an^ Gsundheit, Herr Jäger. Was sein muß, muß sein. ^Nippt von dem Wein.^

Jäger

^aufgestachelt, packt sein Glas und stürzt es, ohne mit dem Weib anzustoßen, rasch wortlos auf einen Zug hinunter. Stößt das leere Glas heftig auf den Tisch auf.^

Mann ^zuckt zusammen^

Oha. Für Sie wär am besten ein Glas aus Schmiedeisen.

Weib ^gegen den Mann^

Laß ihn. Der Jäger hat Kraft. Und die muß irgend wo aus.

Jäger ^hat sich erhoben^

Ich geh.

Weib ^hält ihn zurück^

Jetz sein Sie erst niedergsessen. Ist der Stuhl noch gar nit warm. Und heut ists ja das letztemal; dann sehn wir uns nie mehr. ^Schenkt ihm das Glas voll.^

Mann

^den die Situation nicht geheuer dünkt^

Weib, halt ihn nit auf. Es ist Zeit. Und der Jäger muß jetzt gehn.

Jäger

^streift den Mann mit einem haßerfüllten Blick^

Brauch keinen Mahner. Weiß selber, wenns Zeit ist. ^Setzt sich wieder.^

Weib ^befriedigt^

So ists. Wir sein nit auf dem Wasser. Und zünden Sie sich ein Zigarettl an. Dann wirds erst gemütlich. Ich riech den Rauch so gern.

Jäger

^greift um eine Zigarette zwischen die Rockknöpfe; dabei den Mann mit den Augen streifend^

Wenn nur niemandem übel wird vom Rauch.

Mann

^hat sein Glas leer getrunken; gegen den Jäger^

Geht das auf mich?

Jäger ^brennt sich die Zigarette an.^

Weib ^den Mann scheltend^

Sag nur, Mann; was ist heut mit dir? Bist wie eine Stechfliege. Möchst du mit Gwalt Unfrieden haben?

Mann ^verdutzt^

Wer. Ich?

Weib

Dann gib einmal Ruh und reiz den Jäger nit auf. ^Heftig^ So ein blutschwaches Manndl, wie du. Du mußt kuschen vor dem Jäger. Du weißt es noch vom letztenmal her.

Jäger ^gegen das Weib^

Ruhig von dem. Das ist begraben.

Mann ^fährt gegen das Weib auf^

Reißt dich schon wieder der Teufel?

Weib ^fährt sich über die Stirn^

Männer verzeiht mir. Aber ein Weib vergißt nicht so schnell. Es brandelt halt noch auf der Kohlstatt. ^Dann^ Aber jetzt ists schon wieder gut. Wir fahren mit dem Löschhörndl drüber und sagen: Es war nichts. Mann. ^Stößt mit dem Manne an^ Sollst leben; ^sieht ihn an^ wenn der Tod nichts dagegen hat.

Mann

^setzt das Glas vom Mund ab; starrt erschrocken das Weib an^

Weib; laß solche Späß.

Weib

Na, was denn? Kein Mensch ist vor dem Sterben sicher. Es kann jede Stund mich oder dich oder den Jäger haben. ^Dann das Glas schwingend^ Drum sein wir froh, daß wir noch leben und jung sein; was, Jäger? ^Stößt mit dem Jäger an^ Die jungen Jahr muß man nutzen. ^Mißt den Mann mit feindseligen Blicken^ Man hat ja sonst auch nichts. ^Trinkt und setzt sich.^

Mann ^erbost gegen das Weib^

Sonst auch nichts. Hab ich dir nit grad jetzt das Haus am Marktplatz verschrieben? ^Äfft das Weib^ Sonst auch nichts.

Weib

^klopft dem Jäger lachend auf die Schulter^

Herr Jäger; zu dem Haus haben Sie auch etwas beigsteuert; Sie haben mit mir in der Stubn da brav karessiert, und derweil hat mein Mann mit seinen Helfern die Schmuggelfracht aus dem Keller weggschafft. ^Lacht aus vollem Halse^ Mann, das hast fein gmacht. ^Klopft dem Manne auf die Schulter.^

Jäger

^hat wieder sein Glas leer getrunken. Fährt auf^

Mein Ehr habt ihr mir angfressen in dem Fuchsloch da; und zu der Spitzbüberei noch den Spott dazu? Weib, bring mich nimmer weiter auf; ich hab jetzt Wein im Leib.

Weib

Jetz werden Sie nur nit mit _mir_ sackgrob. ^Heftig^ Wer hat mich denn anglernt zu der Spitzbuberei? ^Gegen den Mann^ Du hast mich anglernt. Ja, du.

Mann ^heftig gegen das Weib auf^

Das ist begraben.

Jäger

^in wildem Haß gegen den Mann aufspringend^

Begraben, ja. Und mein Ehr auch begraben. ^Es sieht einen Augenblick aus, als wollte er in seinem Grimm dem Manne zu Leibe gehen.^

Weib ^stellt sich schützend dazwischen^

Halt. Kein Streit. ^Dann^ Was nur die Männer haben: Aus jedem Wörtl drehn sie gleich einen Hackenstiel und schlagen damit los.

Jäger ^bezwingt sich mühsam^

Ich muß grad gehn. ^Will ab.^

Weib ^hält ihn zurück^

Aber nit in Unfrieden. Wir stoßen noch einmal an. ^Schenkt dem Jäger das Glas voll. Reicht es ihm und hebt ihr Glas. Stellt sich ganz nahe vor ihm hin und sieht ihn an^ Jäger. Es ist das letztemal; bald sein Sie weit und nie mehr sehn wir uns. ^Stoßt an^ In drei Tagen haben Sie mich längst schon vergessen.

Jäger

Weib. Ich hab von dir meinen Hacker. Der sitzt. Und vergessen kann i dich nie mehr. ^Sieht sie mit trunkenen Augen an^ Ein Weib -- ja, das bist schon. Voll Raß und voll Teufel. ^Stößt mit ihr an, daß die Gläser laut erklingen und leert sein Glas.^

Weib

^nippt vom Weine und beginnt, da eben wieder einige Takte der Musik vor dem Fenster hörbar werden, mit dem Glase in der Hand sich tänzelnd im Takte zu wiegen^

Hopstrallala; hopstrallala.

Mann

^auf das Weib zu; nimmt ihr das Glas aus der Hand und setzt es heftig auf den Tisch auf^

So. Aus und fertig. Es ist Nacht und Schlafenszeit. Du weißt, wo du hinghörst.

Weib ^brutal^

Ich schlaf mir noch gnug, wenn ich kalt bin. ^Eilt ans Fenster, öffnet es und ruft hinaus^ Knecht, vorwärts. Spiel auf, was ins Blut geht. Grad extra. ^Es ertönt nunmehr durch das offene Fenster eine Tanzweise, die immer stärker und wilder wird. Weib beginnt zu tanzen.^ Hopstrallala. Hopstrallala. ^Hält mit ihren Augen den Jäger im Bann.^

Jäger

^der sich zum Gehen gerüstet hat und schon bei der Tür steht, sieht dem tanzenden Weibe mit trunkenen Blicken zu^

Weiter, Weib; weiter; nur immer drauflos. ^Weib beginnt zu tanzen.^

Mann ^heftig^

Herr Jäger; gute Nacht.

Jäger

Da piepst was. ^Sieht mit trunkenen Augen dem Weibe zu^ Weiter; nur weiter.

Weib

^innehaltend, heftig gegen den Mann^

Wo er nur von weitem was spürt, das nach Leben riecht -- gleich möcht ers verbietn. ^Brutal^ Weil du keinen Atem hast, drum soll ich nit tanzen. Haha. Manndl. Du sperrst ein Weib noch lang nit ein. ^Im vollen Tanz^ Da schau, wie ich tanz. Und grad extra. Hopstrallala. Hopstrallala. ^Hält während des Tanzes mit ihren Augen den Jäger im Bann.^

Jäger

^der das tanzende Weib mit trunkenen Blicken verfolgt und mit den Füßen nun selbst den Takt zu stampfen beginnt, kann sich nicht mehr halten. Entflammt^

Weib; du hast sieben Teufel im Leib. ^Wirft den gerollten Mantel ab; packt das Weib und schwingt sich mit ihr in wildem Tanz^ Weiter; nur weiter; nur immer drauflos.

Mann

^ist ans offene Fenster geeilt. Ruft heftig hinaus^

Hör auf mit dem Gedudl. ^Die Musik reißt plötzlich mitten im Takte ab. Mann wirft das Fenster zu. Auf die Tanzenden los^ Kein Schritt mehr.

Jäger

^der in seinem Taumel das Verstummen der Musik gar nicht gewahr wird^

Da piepst was. ^Während der Mann, der dem Ellbogen des Jägers zu nahe gekommen ist, von der Tanzbewegung fortgeschleudert wird, daß er taumelt, mit dem Weibe ohne Musik forttanzend^ Weiter; nur weiter; und immer drauflos.

Weib

^beginnt sich plötzlich heftig gegen den Jäger zu wehren^

Lassen Sie mich aus. Hören Sie denn nit? Wenn mein Mann nimmer will.

Jäger

^hält das Weib noch immer gewaltsam fest und zerrt sie im Tanze fort^

Weiter; nur weiter; nur immer drauflos.

Weib ^zornig^

Das will i doch sehen. ^Macht sich mit einem gewaltigen Ruck aus den Armen des Jägers los. Zornfunkelnd^ Sie sein nit mein Mann. Vorwärts, Mann, wir gehn jetzt ins Bett.

Jäger

Was, Bett. ^Hat sich vor das Weib gestellt.^ Schneiderle; die rührst du nimmer an.

Mann

Wer ist ein Schneider? ^Zieht sein Messer.^

Weib

Soll jetzt noch mit Gewalt ein Streit herauswachsen? Mann; steck dein Messer ein. ^Zum Jäger^ Sie, Jäger; da ist die Tür. Ich und mein Mann wollen jetzt schlafen gehn.

Jäger ^aufgepeitscht^

Was schlafen. Der Schneider rührt dich nimmer an. ^Faßt das Weib.^

Mann

^mit dem gezückten Messer; totenblaß, schlotternd, unschlüssig^

Jäger; und wenns mich noch so beutelt ...

Weib

^von dem Jäger gehalten^

Jäger; dasmal sticht er.

Jäger

Der sticht nit. ^Reißt seinen Säbel aus der Scheide^ Schneider. Da hast. ^Ersticht den Mann.^

Mann

^ist unter dem Bildnis der Mutter zu Boden gesunken. Die brechenden Augen auf sein Weib gerichtet^

Weib; jetz kenn i dich erst ganz.

Weib

Du kennst sie ja von Grund aus, die Weiber.

Mann ^stirbt.^

Weib

Jäger. Du hast ihn umbracht. Du ganz allein.

Jäger

^den Säbel in der Faust, stiert dumpf auf den Toten. Der Säbel entfällt ihm^

Jetz bin ich avanciert. ^Bricht nieder.^

Weib ^triumphierend^

Hast jetz dein Sterndl? ^Mächtig^ Ihr Mannsteufel. Euch ist man noch über.

Ende.

Druck von C. Grumbach in Leipzig.

Anmerkungen zur Transkription

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet. Regieanweisungen wurden mit ^Zirkumflex^ markiert.

Die mundartliche Schreibweise und Grammatik des Originals wurden beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):

[S. 45]: ... als sie mich brauchen; weiter brauchen Sie mich nimmer. ... ... als Sie mich brauchen; weiter brauchen Sie mich nimmer. ...

[S. 46]: ... die Hand abfault, wenns nach dem Sternl greift. ... ... die Hand abfault, wenns nach dem Sterndl greift. ...

[S. 71]: ... Totenmal und ein schönen Grabstein. Gib mir, was ... ... Totenmahl und ein schönen Grabstein. Gib mir, was ...