Der Weibsteufel: Drama in fünf Akten

Part 4

Chapter 44,049 wordsPublic domain

Zum Schlosser. Ein neues Türschloß will er machen lassen, das man von innen nimmer aufbringt. Und die Fenster sein sowieso vergittert.

Jäger

Will er dich einsperren?

Weib

Er probierts einmal. ^Dann^ Wenn du morgen kommen wärst, hätt ich dir gar nimmer die Tür aufmachen können.

Jäger ^aufbrausend^

Teufel. Meinst, ich möcht das? ^Verächtlich^ Warten, bis die Katz aus dem Haus ist; dann einkriechen, wie ein Einbrecher. Das wär mir viel zu minder. Frisch ganz oder gar nit. Halb und halb ist nit mein Art.

Weib

Bitt dich, Jäger: Verlaß mich nur nit.

Jäger

^nagt an seiner Lippe. Plötzlich^

Gehn wir miteinander durch.

Weib

Da dran hab i auch schon denkt. Aber was tun wir dann? Ich hab kein Kreuzer; alls ghört ihm; und du hast auch nix. Und von der Lieb können wir nit abbeißen. Da schaust du mir nit darnach aus. ^Dann^ Soll ich dann vielleicht in Dienst gehn, als Kuchelmädl? Dank dafür. Und ich mein, da wär i dir auch bald zuwider.

Jäger ^seufzend^

Es ist ja bei mir auch nur so gredt; wie man halt redt ohne Kopf. Ich hupfet nit weit; sie können mich jede Stund wieder holen. Und meine Reputation und die Mutter, und alls. A was, ich hab ja kein Kopf mehr. ^Sitzt brütend da und stützt den Kopf in die Hand.^

Weib ^nahe an ihn heran^

Jäger; was tun wir?

Jäger ^äfft sie^

Was tun wir; was tun wir; ^verzweifelt gegen das Weib ausbrechend^ Nit einfangen hättst mich sollen.

Weib ^auffahrend^

Hab _ich_ mir wollen ein Sternl verdienen oder du? ^Höhnt ihn^ Hast jetzt dein Sterndl? Hängst jetzt?

Jäger

Hängst du vielleicht nit?

Weib ^dumpf aufstöhnend^

Ja. Wir sein jetz beide drin. ^Wirft sich ihm an den Hals^ Sag nur, mein Jäger: Was fangen wir an.

Jäger

Überall wo man hinschaut -- alls ist verrammelt. ^Preßt das Weib an sich.^

Weib ^macht sich unwirsch los^

Laß mich. Ich ghör ja doch nicht dir. ^Dann, unter den halbgeschlossenen Lidern nach dem Jäger sehend^ Ja, wenn ich kein Mann hätt -- dann wärs leicht.

Jäger ^beinahe rauh abschneidend^

Jetzt hast aber ein. ^Plötzlich unsicher; zögernd^ Ich wüßt ein Mittel.

Weib

^lauernd, mit aufblitzenden Augen^

Sags.

Jäger

^zieht seine doppelläufige Dienstpistole hervor und legt sie hart auf den Tisch^

Da sein zwei gute Schuß drin. Einer dir und einer mir. Dann ist ein Ruh. Wir lebens ja doch nit aus.

Weib

^enttäuscht über den Vorschlag; schiebt die Pistole weg^

Steck ein. ^Dünn, trocken^ Weißt, Jäger; ich bin keine Sterberin. Ich tu recht gern leben; ja, ich möcht völlig sagen, jetz noch viel lieber als früher. ^Dann^ Wenn schon gstorben sein muß -- ^näher an den Jäger heran^ warum denn grad ich und du, zwei gsunde Leut? ^Spielt mit der Pistole und sieht den Jäger lauernd an^ Sein nit gnug andere da, die näher dran wärn?

Jäger

^stutzt. Sieht das Weib an^

Was willst damit sagen? ^Steckt die Pistole ein.^

Weib ^trocken^

Nichts. ^Dann harmlos^ Was hast denn du gmeint, was ich sagen will?

Jäger

Ich? Nix. Aber du hast mich jetz so angschaut.

Weib

Ich schau nit anders, als wie sonst.

Jäger ^winkt ab^

Reden wir von was anderm.

Weib

Hast recht. ^Sieht wie von ungefähr gegen das Fenster. Dann^ Jetz regnets.

Jäger ^sieht zum Fenster^

Ja. Es schüttet.

Weib

Und mein Mann hat kein Schirm mit.

Jäger

Den weichts heut ordentlich ein.

Weib

Er hat sich schon einmal auf die Weis eine Lungenentzündung gholt.

Jäger

So? Hm. Da wärs das zweitemal gfährlich.

Weib

Ja. Er hat ohnedem so einen stillen Atem.

Jäger

Wie das?

Weib

Neulich in der Nacht da hab ich ihn auf einmal nimmer schnaufen hören.

Jäger

Oha.

Weib

Na ja. Gschnauft hat er schon. Sonst läbet er ja nimmer. Ich hab halt seinen Atem nit ghört.

Jäger

Ja. Ich versteh schon.

Weib

Und da hab ich mir so ausdenkt, wies dann etwa wär: ^Sieht den Jäger unter den halbgeschlossenen Lidern an^ Da brauchtest nimmer heimlich einschleichen, wie ein Dieb bei der Nacht; könntest gradaus bei der Haustür eingehn mit dein schweren Mannstritt. Und dann wär im Haus auch alls gsund und stark; da gäbs kein Grausen mehr.

Jäger

Na ja; gsund sein wir, Gott sei Dank.

Weib

Weißt, was ich mir noch denkt hab?

Jäger

Na. Das weiß ich nit.

Weib

^näher an ihn heran; ziert sich^

Na; das sag ich nit. ^Dann^ Hab mir denkt, da möchts nit lang dauern, und es rutschet auf deinem Knie so ein junges Kraftbübl um. Wie ein jungs Bärl. ^Lacht.^

Jäger ^heftig auffahrend^

Hör einmal auf. Ist alls in die Luft gredt. Er lebt ja.

Weib ^seufzend^

Och, du mein Gott, ja. Da hast wohl recht.

Jäger

^nachdenklich, vor sich hin^

Na ja; aber wenn er immerfort so herumkrankt, könnt er leicht heut oder morgen einmal -- awas, reden wir von was anderm.

Weib

Bin gestern nachmittag beim Doktor gwesen.

Jäger ^zerstreut^

So? Bist krank?

Weib

Ich nit. ^Dann^ Hab ihn nur gfragt, was er eigentlich meint zu meinem Mann, und er soll mir die Wahrheit sagen; weil der alle Tag eine andere Krankheit hat.

Jäger

So. Und was hat er gsagt?

Weib

Er hat gsagt, die ewigen Krankensessel werden alle steinalt; weil sie sich immerfort halten müssen und dürfen kein Unfug treiben; und so wird das Gehäus nit viel abgwetzt.

Jäger

So. Na ja, dann wirds schon so sein.

Weib ^trocken^

Ja, er hat mich recht aufgetröstet und beim Gehn noch gsagt: »Da können Sie ganz ruhig sein. Der wird achzig Jahr alt, wenn ihm nit grad ein Zieglstein auf den Kopf fallt, oder sonst etwas passiert.«

Jäger ^lacht etwas gezwungen^

Na, mit die Ziegelstein schauts da schlecht aus; in der Gegend sein die Häuser noch alle mit Holzschindeln gedeckt.

Weib

Na eben. Müßt ihm höchstens ^sieht den Jäger an; stockend^ sonst etwas passieren.

Jäger

Was sollt ihm denn passieren?

Weib ^sieht ihn an^

Was du nur heut immer so fragst?

Jäger

^mißt sie mit mißtrauischen Blicken^

Mir kommt vor, deine Reden haben heut alle noch eine Nebentür.

Weib ^zuckt die Achsel. Kalt^

Du findest heut überall ein Haar in der Suppe.

Jäger ^sieht das Weib an^

Weib; sag, was ist das: Wenn ich von dir weg bin, verlangts mich nach dir; und wenn ich bei dir bin, dann fürcht i mich.

Weib ^erstaunt^

Fürchten? Vor was?

Jäger

Ich weiß nit. Du hast so eine Gwalt.

Weib

O Jäger. Wenn du nur wüßtest, wies mich zu dir hinreißt. Siehst, ich hab schon bald gar keinen Funken Scham mehr ein. ^Hängt sich an ihn.^ Mein Jäger.

Jäger

^macht sich heftig von ihr los^

Du bist nit mein. In der Nacht mudelt dich ja doch wieder der andre ab.

Weib

Bist auch so eifersüchtig? Mir gehts grad so. Wenn ich nur von weitem dran denk, dich könnt einmal eine andere habn, da treibts mir das ganze Blut zum Kopf.

Jäger ^haßerfüllt^

Der Schneider. ^Fährt unwillkürlich mit der Hand an den Säbelgriff.^

Weib

^das die Bewegung wohl bemerkt hat^

Na, was denn?

Jäger ^beherrscht sich^

Nix.

Weib ^plötzlich unmutig^

Ah was. Schneider hin, Schneider her. Das hat alls kein Griff. Soll ich deswegen vielleicht auf dem Heustock schlafen? Ich bin einmal sein Weib und er ist mein Mann. Und es ist sein guts Recht. Und er hat mich ja insoweit auch immer gut ghalten.

Jäger ^aufgestachelt^

Weib, hör auf jetzt; mir ist grad bald, als müßt ich ihn erschlagen.

Weib

^rasch auf das Wort einschnappend. Mit aufblitzenden Augen, ganz nahe vor ihm^

Jäger. Erschlag ihn.

Jäger

^starrt das Weib an. Dann tonlos, ruhig^

So. Jetz ists draußen. Das Wörtl hat schon die ganze Zeit her heimlich in der Stube herumgeistert. Jetz hats auf einmal Fleisch angsetzt. ^In Furcht, mit aufgerissenen Augen vor sich hin^ Jetzt stehts da auf zwei Füß.

Weib ^fährt gegen ihn auf^

Hab ichs zuerst gsagt? Du hasts zuerst gsagt.

Jäger ^heftig auffahrend^

A was; ich, du -- du, i. ^Dann ruhig^ Niemand hats gsagt. Es ist von selber reif vom Baum gfallen. ^Dann trocken^ Siehst, Weib; es ist nicht, daß i mich besser mach, als ich bin. Aber wenn jetz meine Mutter da wär; sie müßt es dir selber ins Gsicht sagen, daß ich immer bin ordentlich gwesen, von meiner jüngsten Bubenzeit an. ^Gepreßt^ Und jetz halten wir auf einmal bei _dem_. ^Erschütternd ausbrechend^ Ja sag mir nur, Weib: Wo kommen denn wir zwei noch hin?

Weib

^wischt sich über die Stirn. Nachdenklich^

Mir hat auch nie ein Mensch was Übels nachsagen können. Da kannst überall fragen. ^Fast traurig, resigniert vor sich hin^ Aber jetz bin ich ganz eine andere. Und die kenn ich selber bei Haut und Haar noch nit. ^Plötzlich ausbrechend^ Wer hat mich denn herausgekitzelt, wie die Grille aus dem Loch? Mein Mann und du. Ja ihr zwei. Und der Wachkommandant drunten hats ausgheckt. ^Läßt sich im Hintergrund der Stube auf einem Sitz nieder.^

Jäger

^am Tisch sitzend; reuevoll vor sich hin^

Solang haben wir mit dem Feur gezündelt; das frißt uns noch alle auf.

Mann

^kommt, einen Regenschirm in der Hand, in die Stube. Sieht den Jäger. Innerlich sehr erregt; zwingt sich aber gewaltsam zur Ruhe; heiser^

Ein grauer Tag ist heut, Herr Jäger; was?

Weib ^sitzt abseits^

Ja. Katzgrau.

Mann ^barsch^

Dich hat niemand gfragt. ^Stellt den Schirm in die Ecke.^

Weib

Hab gmeint, du hast keinen Schirm mitgnommen; jetz hast doch ein.

Mann

Hab mir einen ausgliehen. ^Verbissen^ Sei ganz ruhig, Weib. Ich gib schon acht auf mich; daß mir ja nichts gschieht, und daß ich mir das Leben erhalt. ^Zum Jäger, der aufgestanden ist und sich davon machen will.^ Bleiben Sie Herr Jäger. Sie sein mir ganz recht da. Wir haben zu reden. ^Das Weib mit einem Blick streifend^ Die Leut im Dorf reden auch schon.

Weib ^zuckt die Achsel^

Die Leut reden viel, wenn der Tag lang ist. ^Dann^ Das Türschloß hast bstellt?

Mann

Ja. Es ist bstellt.

Weib

Bei deinem Bruder vielleicht gar? Und hast ihm auch gsagt, du brauchsts, um dein Weib einzusperrn?

Mann

^bezwingt sich; vor sich hin^

Nur kaltes Blut. ^Setzt sich zum Jäger an den Tisch^ Jäger; wir zwei reden es jetz aus. Von Mann zu Mann; aber ganz kalt; wie man redt von einem Geschäft. Ganz kühl bei Kopf.

Jäger ^trocken^

Um so besser, wenns kalt hergeht.

Mann

^zum Jäger, und auch das Weib mit einem Blick einbeziehend^

Niemand hats vermeint: Da ist mit einmal etwas da gstanden, wie aus dem Boden heraus; auf das niemand denkt hat; und jetz hats uns auf einmal alle. ^Zeigt sein Stechmesser vor^ Aber so schwach ich bin -- dasmal stoß ich zu, Herr Jäger. ^Legt das Messer hart auf den Tisch.^ Ja. ^Heftig^ Mein Weib ist mein Sach; und mein Sach laß ich mir nit nehmen. ^Sich selbst zur Ruhe mahnend^ Nur kühl bei Kopf. ^Dann ruhig zum Jäger^ Aber was hab ich dann davon, wenn ich Ihnen das Messer hineinrenn? Mich beutelts eiskalt durcheinander, wenn ich nur dran denk. ^Starrt mit entsetzten Augen vor sich hin.^ Dann hab ich einen Menschen umgebracht. Ja. Dann hab ich keine gute Stund mehr mein Lebtag. ^Dann sachlich, ruhig^ Oder Sie mich, Herr Jäger. Sagen wir, Sie geben _mir_ einen Drucker; Sie haben ja die Kraft. Nur ganz ein klein Drucker, und ich bin schon weg. Wissen Sie, mich hats gleich. ^Bitter^ Ich hab von daheim nit viel mitkriegt. ^Dann^ Aber deswegen haben Sie vom Weib dann doch nichts; ganz kühl gredt. Nix haben Sie. ^Stärker^ Das Zuchthaus haben Sie. ^Hat sich erhoben.^ Oder gar -- um einen Kopf zuviel. ^Blitzt den Jäger mit den Augen an.^ Ja. Ganz kühl gredt, Herr Jäger.

Jäger

^von Furcht und Angst gepackt, schreiend gegen den Mann^

Verfluchter Mensch. Was redst da zusamm. So was. Das wär ja bald, als spüret man schon das kalte Eisen am Hals.

Mann ^ruhig^

Na eben. Das mein i ja auch. ^Dann^ Und da weiß ich ein Mittel, daß alls wieder ins Gleis kommt.

Jäger

^horcht ebenso wie das Weib auf^

Sags.

Mann

Sie müssen aus der Gegend; und das heut oder morgen.

Jäger

Das steht nit bei mir. Hab zu tun, was der Kommandant mir schafft.

Mann

Es geht schon. Nur schlau muß man sein.

Jäger

Ich wüßt nit, wie.

Mann

^behält den Jäger fest im Auge^

Bin heut auch auf der Grenzwach gwesen. ^Jäger starrt den Mann an^ Hab mich zum Kommandanten führn lassen. Hab den Kommandanten gfragt, ob Sie nit von uns da ein Paketl Konterband, Spitzen und Seide, abgliefert haben. ^Jäger hält die Augen, ohne mit der Wimper zu zucken auf den Mann gerichtet.^

Weib

^vom Sitz auf; heftig gegen den Mann^

Was? Du hasts anzeigt?

Mann

^ohne seine Augen vom Jäger zu lassen^

Kusch, Weib; wenn Männer reden. ^Dann fortfahrend, zum Jäger^ Da hat der Kommandant große Augen gemacht und gsagt: »Da ist kein Paketl und keine Anzeig einglaufen.« Und er wird Sie auf der Stell zum Rapport nehmen, sagt er. ^Bohrt seine Augen in die Augen des Jägers^ Wenn er Sie jetzt dann zum Rapport nimmt, was werden Sie dann sagen, Herr Jäger?

Jäger ^voll Scham^

Jetz bin ich dann offen angnagelt. Vor allen Kameraden; als einer, der sein Ehr verweibert hat. ^Wendet sich gegen die Wand.^

Weib ^zum Mann, trocken^

Wer hat ihm denn ein Paketl geben? Hast du ihm eins geben?

Jäger ^sich gegen das Weib wendend^

Weib, streng dich nit an. Ich steig dir nimmer weiter in die Lug hinein. ^Zum Manne^ Ich werd haarklein alls sagen, wies wahr ist; und ich hab von der da ein Paketl kriegt; und wie alls kommen ist. Dann sollen sie mit mir machen, was sie wollen. Versetzt werd ich auf der Stell; das ist schon das wenigste.

Mann ^zum Jäger; befriedigt^

So hab ich mirs denkt.

Weib ^springt auf^

Jäger. Das wirst nit tun.

Jäger ^gegen das Weib^

Ja, Weib: Jetz tu ich so. Und ists auch gallenbitter; ich tus. Ich tus.

Weib ^kalt^

Ich habs schon ghört. Brauchst es nit sechsmal zu sagen. ^Setzt sich.^

Jäger

Ah na. Ganz mit Haut und Haar hat mich der Teufel noch nit auf der Mühl.

Mann ^zum Jäger^

Also dann wär ja insoweit alls gut, Herr Jäger. Aber sehen Sie: Auf so einen balzenden Hahn ist ein schlechter Verlaß. Wenn Sie bei der Tür draußen sein, fallts Ihnen am End wieder anders ein; und Sie sagen dann auf der Wach, sie hätten nichts kriegt und nichts gsehen. Das vergeßne Weib da hat Ihnen ja gleich schon auf das hin ein Brückerl gebaut. Drum ists besser, ich setz gleich über das eine Schrift auf, und Sie unterschreiben; dann steht die Sach fest. Ists gut so?

Jäger ^entschieden^

Ja. Es ist gut. Nur fort aus dem Fuchsloch; je eher, je lieber.

Mann

Also ich schreibs gleich. ^Geht auf die Nebentüre zu.^

Jäger

Nur schreiben. Nur schreiben. Und wenn i da auch einen Fetzen Ehr und eine blutige Pfote zurücklaß -- nur heraus aus dem Fangeisen. ^Setzt sich an den Tisch und stützt den Kopf in die Hände.^

Mann

^schon bei der Nebentüre, wendet sich noch einmal um; gegen das Weib^

Weib. Mit dir werd ich dann schon fertig. Dir leg ich den Zaum schon enger an. ^Nebentüre ab.^

Weib

^sieht dem Manne nach. Ruhig, in kaltem Haß^

Manndl. Du sperrst ein Weib noch lang nit ein; in deine Totengruft. ^Steht auf und setzt sich zum Jäger an den Tisch. Mit dem Kopfe nach der Nebentür deutend^ Was der Maulmacher da vom Zuchthaus redt; oder gar um einen Kopf zuviel; zum Lachen.

Jäger

Schon gut. Mir wars nit zum Lachen, wie er davon gredt hat. ^Erschauernd^ Hab schon das kalte Eisen gspürt. Weib. Das kühlt ab. Ich bin nüchtern.

Weib

Da weiß ich als Mädl daheim einen Fall im Nachbardorf: Da hat einer ein Weib ghabt. Und einen jungen Knecht; stark, wie du; wie Milch und Blut. Und jung.

Jäger

^mit sich selbst beschäftigt; stiert vor sich hin^

Was kümmerts mich.

Weib

Der Mann war auch so ein dürrer Baum; so, wie der meine. ^Dann^ Und da hat man den Mann einmal gfunden; tot; mit seinem eignen Messer im Leib. ^Jäger beginnt mit halbem Ohr hinzuhorchen^ Es ist beinah so ein Messer gwesen, wie das da; ^spielt mit dem Messer des Mannes, das auf dem Tische liegt^ grad mit so einem Hirschhorngriff.

Jäger

Und was weiter?

Weib

Nichts weiter. Die Leut haben gsagt: Der hat sich selber erstochen; es hat ihn das Leben nimmer gfreut. Dann haben sie ihn begraben, und aus. Kein Mensch hat weiter nach dem Dürrling gfragt. ^Dann^ Und der junge Knecht und das Weib haben ein halbes Jahr drauf geheirat. Und jedes Jahr zu Allerseelen haben sie vor dem Dürrling seinem Grab gebetet und die Kinder mitgnommen; jedes Jahr um eins mehr; so daß es bald um das Grab herum nur so gewurlt hat. So lebendig hats der zu seinen schönsten Lebzeiten nie ghabt.

Jäger ^hat sich erhoben^

Weib; mich schüttelts vor dir.

Weib

^hat sich ebenfalls erhoben^

Ich weiß nur, daß mich graust.

Jäger

Werd nüchtern.

Weib

Wenn er aus mir hätt eine Mutter gmacht, wies Recht und Brauch ist, dann könnt man ihn leichter ertragen und wär alls ein Teil besser. ^Haßerfüllt^ Aber so hat mich der ^haßerfüllt^ Unnutz betrogen -- um alls. ^Plötzlich auf den Jäger zu. Hängt sich leidenschaftlich an ihn^ Jäger; so wie mich vor ihm graust, so verlangts mich nach dir. ^Klammert sich an ihn.^

Jäger ^sucht sich von ihr loszumachen^

Weg. Ich hab mit mir selber zu tun, daß mich der Wind nit verreißt. ^Da sich das Weib an ihn klammert^ Weg, sag ich. Komm zu Verstand und werd nüchtern.

Weib

^das nicht von ihm lassen will^

Jäger. Ich möcht ein Kind von dir haben.

Jäger

^schüttelt sie mit Gewalt von sich ab, daß sie taumelt^

Geh weg. Du brünstige Hündin.

Mann

^steckt den Kopf durch die Nebentür^

So, Herr Jäger. Bitt unterschreiben.

Jäger

^durch die Nebentür ab, die er hinter sich schließt.^

Weib ^vor sich hin^

Werd nüchtern. ^Tritt ans Fenster; preßt einen Augenblick den Kopf an die Scheiben. Dann^ Ihr Mannderln. Geht euch jetz der Grausen an? Zuerst habt ihr mich aufgehackt bis auf den Grund; und jetz möchts ihr mich wieder zudrehn, wie einen Wasserhahn. Aber mich fangts ihr nimmer ein. Jetz habt ihr mich aufgezwirbelt; ^mit einem gewaltigen Ruck^ und jetz bin ich da. ^Da sie die Männer aus dem Nebengemach kommen hört, setzt sie eine gleichmütige, ruhige Miene auf.^

^Jäger und hinter ihm der Mann kommen aus der Nebentür.^

Mann

^faltet im Gehen die Schrift zusammen und steckt sie befriedigt in die Tasche^

So. Wir Männer sind handeleins; ^mit einem geringschätzigen Blick nach dem Weib^ und Weibersach renkt sich von selber ein.

Weib

^trägt eine ergebene Miene zur Schau^

Mann; du kannst schon recht haben. Ich hab mir jetzt auch alls überlegt; und ich mein schon, wenn man es beim Licht betrachtet -- du triffst immer das Rechte.

Mann

Zeit wärs; daß es wieder hell wird in dem Weiberhirn.

Weib

Naja. Wir Weiber sein ja nur halbe Leut. ^Dann^ Ich weiß überhaupt nit, was ich eigentlich will. Mir geht ja bei dir nix ab. Aber die dummen Weiberleut kriegen halt oft so einen Rabbl, wenns ihnen zu gut geht. Ein Pferd sticht auch der Haber, wenns zu lang leer im Stall steht. Aber ich spür schon, es renkt sich wieder ein.

Mann

Was ich immer sag: Weiber sein wie Kinder. Heut so und morgen so. Da darf man nur nit nachgeben.

Weib

Es wird schon so sein, wie du sagst. Du kennst sie ja vom Grund aus, die Weiber.

Jäger

^macht sich gehfertig. Mit den Zähnen knirschend^

Ich machs jetzt mit dem Kommandanten richtig. Werd bald mein Order haben. Dann fort mit Schaden. ^Verabschiedet sich flüchtig^ Adje allseits. Auf Nimmerwiedersehn. ^Will ab.^

Weib ^verstellt ihm die Türe^

Halt, Jäger. Grad wie vom nächstbesten Küchentrampel brauchen Sie jetz deswegen nit von mir zu gehn. Zu dem ists doch ein bissel zu tief gangen.

Mann ^barsch^

Was soll er denn noch?

Weib ^zum Mann^

Man laßt ja einen See auch langsam ausrinnen, und nit auf einmal; damit er kein Unheil anstiftet. ^Zum Jäger^ Morgen, bevor Sie marschieren, müssen Sie noch kommen auf einen Abschiedstrunk. Noch einmal mit dem Glas anstoßen alle drei; daß alles ruhig ausklingt und still ins Wasser fallt. Ich mein, das ist nit zuviel verlangt.

Jäger ^fest^

Ich schlief nimmer ein in den Fuchsbau.

Weib

^sieht dem Jäger fest ins Gesicht, als wollte sie ihn mit den Augen bannen^

Jäger. Auf zwei Minuten. Es ist ja das letztemal. Wir sehn uns dann nie mehr.

Jäger ^statt einer Antwort^

Adje hab ich gsagt. Jetzt ein Strich unter alls, und wieder frisch angfangen ganz von vorn. ^Ab.^

Mann

^schließt hinter dem Jäger erleichtert aufatmend die Türe. Dann^

Weib; und wir löschen auch alls aus, was gwesen.

Weib

Auch den Schlag ins Gsicht? Alls auslöschen?

Mann

Hab ich da nit recht ghabt? Wenn du mir so kommst.

Weib ^in blutigem Hohn^

Ja. Tausendmal recht. Ich sehs ein. Aber nit einmal -- zweimal hättest schlagen sollen. Na. Dreimal. Also sagen wir, ich habs noch zweimal auf das nächstemal gut.

Mann

Ich hoff, es wird nie mehr dazu kommen. ^Reicht ihr die Hand.^

Weib

^mit verhaltener Wut; sich recht demütig stellend^

Wir wolln es hoffen. Und ich werd gwiß mein Möglichstes tun.

Fünfter Akt.

^Es ist Abend. Die Hängelampe brennt über dem weißgedeckten Tisch.^

Weib

^stellt eine große Flasche Rotwein mit drei Gläsern auf und rückt drei Stühle zurecht^

Jäger, du kommst noch. Dich ziehts da her, wie den Bär zum Honigschlecken. ^Dann^ Zum Schuttwegräumen bist mir noch gut; weiter brauch i dich nimmer: Wenn ich das Haus am Marktplatz hab und drin sitz als junge Wittib -- da fang ich mir so junge Kraftkerl her, grad nach Lust. Ich weiß jetz schon, wie mans macht. ^Übersieht noch einmal den Tisch. Hält die Flasche Rotwein vor das Licht^ Der Wein ist rot, wie frisches Blut. Na, ist recht.

Mann ^kommt durch die Eingangtüre.^

Weib

Mann, bist da?

Mann

Ja; wie du siehst.

Weib

Hab schon um dich Sorg ghabt, wies gefinstert hat, und du warst noch nit da.

Mann ^froh^

Weib; das hör ich gern bei der Tür herein. Ich seh, du bist ausgnüchtert.

Weib

Oh, es ist alls längst wieder gut.

Mann

^hat sich gesetzt und entledigt sich der Schuhe; vor sich hin^

Man kennt sie ja, die Weiber.

Weib

^hat ihm die Hausschuhe besorgt und stellt sie zu seinen Füßen hin^

Da wären die Hausschuh. ^Da der Mann laut aufatmet^ Bist müd?

Mann

Ja; da herauf machts einen schnaufen. ^Schlüpft in die Hausschuhe.^

Weib

Solang man schnauft, lebt man.

Mann ^lachend^

Das stimmt. ^Bemerkt den gedeckten Tisch^ Was hast da vorgrichtet?

Weib ^trocken^

Den Abschiedstrunk, wenn der Jäger kommt.

Mann ^ärgerlich^

Hat er nit selber gsagt, er kommt nit?

Weib ^achselzuckend^

Naja, für den Fall. Man weiß bei so einem Mannsbild ja nie, wies ihm grad in Kopf kommt.

Mann

Er hat sich schon schuldig geben; ich hab nachgfragt.

Weib

So. Kommst von unten?

Mann

Ja.

Weib ^lauernd^

Und was ist mit dem Haus am Marktplatz? Heut früh hast gsagt, du kaufst es.

Mann ^selig, tief Atem holend^

Es ist schon mein.

Weib ^mit aufblitzenden Augen^

Du hasts erstanden? Ah.

Mann ^erhebt sich; frohlockend^

Mein ists. Mein. Ah, das war ein Müh und Plag viel Jahr lang. Siehst Weib; jetz hab ichs doch ermacht.

Weib

Na ja, schlau muß man sein.

Mann ^reckt sich vor dem Bildnis der Mutter^

Mutter. Als Elendmannderl hast mich in die Welt gsetzt. Aber ich habs doch ermacht. ^Froh lachend^ Haha; meine Brüder mit ihren breiten Achseln; ja, Schlosser; Schmied; und Binder -- euch wirds vor Neid schnaufen und blasen machen: Ich, das Flaschenmanndl -- das schönste Haus und das schönste Weib. ^Faßt das Weib um die Taille.^

Weib

^fährt bei der Berührung mit einem Schrei des Abscheus zurück.^

Mann ^verdutzt^

Was hast?

Weib ^faßt sich^

Ein Fischbein ist von meinem Mieder los; das hat mich jetzt in die Seite gstochen. ^Dann forschend^ Na, und hast den Kaufbrief?

Mann

^greift in die innere Tasche und reicht ihr ein gefaltetes Blatt Papier^

Da ist er.

Weib

^besieht den Schein; dann sehr kühl^

Hm ja; da steht ^enttäuscht^ dein Namen. Auf dich ists gschrieben. ^Plötzlich unwirsch den Schein hinwerfend^ Will nix mehr hören von der Hüttn da unten; da hab ich schwer draufzahlen müssen. ^Da sie der Mann anstarrt, heftig^ Wegen dem Haus hast du dein Weib dem Grenzjäger als Köder hingschmissen.

Mann ^heftig^

Fang nit mit alten Sachen an. Das haben wir ausglöscht.

Weib

^funkelt ihn mit den Augen an^