Der Weibsteufel: Drama in fünf Akten
Part 3
Im Haus finden sie nix. Und mein Geld können Sie mir nit nehmen. ^Zählt emsig für sich und setzt die Münzen in Rollen auf^ Die Schmuggler sein wieder gut an der Arbeit; sie sagen, der Jäger geh um, als hätt er einen Kugelschuß im Leib.
Weib
So?
Mann
Ja. ^Zählt; befriedigt^ Das Gschäft kommt wieder in Saft; ich merks an meinem Zuwachs. ^Zählt hastig weiter; dann freudezitternd^ Weib; jetzt halt mir die Daumen -- ich mein, es langt. ^Zählt mit großer freudiger Hast und steigernder Spannung fort; plötzlich mit einem Freudenschrei aufspringend; auf das Weib zu^ Weib; es langt. Morgen, wenn du willst, kann ichs kaufen. ^Lacht vor Freude aus vollem Hals^ Was sagst dazu?
Weib ^gleichgültig^
Na ja; dann ists ja gut.
Mann ^verdutzt^
Ist das dein ganze Freud?
Weib
Na ja, ich kann doch jetz wegen dem Haus am Marktplatz nit gleich aufhupfen, daß ich den Kittl verlier.
Mann
^sieht sie argwöhnisch an^
Weib, du gfallst mir nit; was ist mit dir?
Weib ^mürrisch^
Mir gfallt auch viel ganz und gar nit, und muß es erleiden. ^Plötzlich heftig gegen den Mann ausbrechend^ Es ist nit recht, einen Menschen so hineinzuhetzn; und _du_ hast mich dazu angstellt; ja, du.
Mann
Hat nit er dich fangen wollen?
Weib
Ja; das ist wahr.
Mann
Und hättest nit ebenso gut _du_ können Feuer fangen anstatt ihm?
Weib
Ja, Mann; da hast recht. Hätt auch sein können. Schau, auf das hätt ich jetz ganz vergessen.
Mann
Und er hätt dich dann brav ausglacht. Na also; jetz ist _er_ im Schnappsack drin; jetz lach du _ihn_ brav aus. ^Befriedigt^ Es hat schon den Rechten erwischt; er ist der Anstifter gwesen.
Weib
Ausgeheckt hats unten der Wachkommandant; und der Jäger hat avancieren wollen; und du hast dir wollen das Geld verdienen für das Haus am Marktplatz; ^heftig^ und mich habt ihr alle als Köder ausgsteckt; so springt ihr mit unsereinem um; schamt euch -- alle miteinander; in Boden hinein. ^Beginnt zu schluchzen.^
Mann
^auf sie zu; rüttelt sie^
Du bist heut ganz auseinander. Und in der Nacht hast ein paarmal aufgschrien, ganz wild; bin nur so aus dem Schlaf gfahren.
Weib
^trocknet sich die Augen^
Da hast etwa auf dem Tennendach die Märzenkater ghört; die machen jetzt in der Nacht immer großen Rebell: es ist Frühjahr und Brunftzeit.
Mann
Und die ganze Nacht bist türaus und türein, und im Bett hin und her, ganz heiß im Dampf.
Weib
Bin ja noch jung; sollt ich schon kalt sein? ^Dann grob^ Überhaupt; muß ich jetzt schon bald über jeden Schnaufer, den ich tu, Rechenschaft legen? Ausschaun tuts bald so.
Mann
^der unterdessen das Geld vom Tische in die Lade der Kommode versperrt, kopfschüttelnd^
Weib; in dir ist eine Unruh, ganz eine gwaltige.
Weib
^hat sich inzwischen wieder zu ihrer Strickarbeit gesetzt; trocken^
So. Ich sitz aber ganz ruhig da und strick; und denk über die Maikäfer nach. ^Späht durch das Fenster; zuckt zusammen; für sich^ Dort kommt er um den Wegbug; und den Kopf laßt er hängen. ^Dann laut, in der Absicht, den Mann baldigst aus der Stube zu bringen; schmeichelnd^ Mann; ich hätt Appetit auf an Fisch; geh, Manndl, sei nett: Fang mir für heut abend einen Fisch aus dem Mühlbach.
Mann
^hat eben den Schlüssel von der Kommode abgezogen^
Dann muß ich aber gleich gehn; sonst beißt keiner mehr; die Sonn geht schon abwärts.
Weib
Ja freilich mußt gleich gehn.
Mann
Wenn der Jäger kommen sollt, dann jag ihn aus mit Spott und Lachen. Was das Haus am Marktplatz kostet, haben wir. Wir brauchen ihn nimmer.
Weib
Wenn er kommen sollt, dann werd ich schon machen.
Mann
^im Abgehen des Weibes Wange befühlend^
Deine Wang ist brennheiß. ^Eingangtüre ab.^
Weib
Dein Hand ist eiskalt; drum kommt dir meine Wange brennheiß vor. ^Dann^ Aber spioniert wird heut nit. ^Geht durch die Nebentür, die sie hinter sich offen läßt, ab. Man hört das kräftige Zuschieben eines starken Riegels. Kommt wieder durch die Nebentüre; befriedigt^ So. Da ist ein Riegel gschoben. ^Reckt sich^ Jetz lassen wirs grad treiben, wies treibt.
Jäger
^ist im Rahmen der Eingangtüre aufgetaucht; bleibt an den Pfosten gelehnt stehen.^
Weib
Na also; haben Sie das Sternl gleich mitgebracht? Ist gut; ich nähs Ihnen gleich auf. ^Holt das Nähzeug^ Ich freu mich schon; das wird Ihnen passen. ^Dann^ Aber warum hat man uns noch nit das Haus durchsucht? ^Fädelt eine Nadel ein^ Was schätzen Sie: Wieviel Straf werdn wir kriegen? ^Tröstet sich^ Na, man wirds ja noch früh gnug erfahrn. ^Dann^ So, jetz nur her mit dem Sternl, Herr Jäger; eingfädelt ist schon.
Jäger ^dumpf^
Ah was. I bin kein Jäger mehr.
Weib
Was sagen Sie da?
Jäger ^ist vorgekommen^
Mein Ehr ist hin.
Weib
Haben Sies am End gar nit angezeigt?
Jäger
Ihr Weiberteufl. So wie man an euch nur anstreift, habt ihr ein; und habt ihr erst den kleinen Finger, dann habt ihr schon die ganze Hand; und den ganzen Kerl mit Haut und Haar.
Weib ^brutal^
So. Jetz gings auf mich aus. Ists noch nit gnug, wenn ich Ihnen die Spitzen hinter das Wams hineinschopp? Hätt ich Sie noch sollen hinunterführen an der Hand, auf die Wach, wie einen Schulbub? ^Dann^ Marsch; da ist die Tür. Tun Sie Ihr Pflicht. Ich laß mir da vorwinseln; das könnt mir passen.
Jäger ^schüttelt den Kopf^
Ich bin schon eingezwickt: Heut beim Rapport der Kommandant mich gfragt: »Jäger. Nichts Neus von dem Fuchsbau da oben?« -- Gott mein Zeug, ich wollt sagen: Ja. Und gsagt hab ich: Na. Es hat mir das Wort im Maul verrissen. I kann nimmer, wie ich will; ich ghör nimmer mir selber. ^Reißt das Paket unter dem Rock hervor und schleudert es auf den Tisch^ Da. Hab gmeint, es brennt mir ein Loch durch. ^Wirft sich auf einen Stuhl^ Ich scham mich -- zum Inbodenversinken.
Weib
^reißt das Paket an sich; wiegt es vor dem Jäger höhnend in der Hand^
Wenn ich jetz morgen in der Früh auf die Wachstubn geh; und laß mir den Kommandanten rufen --
Jäger
Dann sag ich: Ein Weib hat mich gfangen; ein durchgeteufeltes, eingeteufeltes über und über.
Weib ^frohlockend^
Jägerle; jetzt hab i dich. ^Hat das Paket geöffnet; entrollt die Spitzen vor dem Jäger^ Sein noch ganz warm die Spitzen, von dem langen Liegen unter der Blusn; ^weist dem Jäger das Spitzengewebe vor^ schau, Jäger; wie feine Mauszähn schauen sie aus; und die haben dein Ehr zerfressen. ^Schiebt ihm die entrollten Spitzen zu. Dann in streng befehlendem Ton^ Da. Leg mir sie um den Hals; ich schaff dirs. Wirds auf der Stell, oder ich geh schnurstracks zur Grenzwach.
Jäger
^nimmt wie willenlos die Spitzen in die Hand und legt sie ihr um den Hals^
Da; ich tu alls; ich bin nimmer ich; nur mehr so ein Tanzbär mit dem Ring durch die Nasen.
Weib ^frohlockend^
Haha; der Jäger, der stolze. Jägerle; wirst du noch einmal Weiber fangen? ^Ordnet sich die Spitzen am Hals und läßt die beiden langen freien Enden beiderseits vorne herunterbaumeln; kokett die Enden über der Brust glatt streifend, spottend vor dem Jäger^ Steht sie mir gut -- dein Ehr um den Hals? Sie würgt mich nit und druckt mich nit. Haha.
Jäger ^stiert das Weib stumpf an^
Ja, wenn ihr einen habt, dann habt ihr ihn ganz.
Weib ^heftig^
Gelt, jetz winselst um dein Ehr; aber das hätt deiner Ehr keinen Schaden getan: Mit einem Weib Schindluder treiben, für ein Sternl an deinem Blusenkragen. ^In hellem Zorn^ Du Mannswolf. ^Nimmt das Papier vom Tisch, in das die Spitzen gewickelt waren; ballt es zusammen^ Da, das Papier: Ich wirf dirs unter den Tisch hin, wie einem Hund. ^Wirft das Papier unter den Tisch; befehlend^ Hebs auf vom Boden; auf der Stell bring das Apportl.
Jäger
^bebend vor Scham und Zorn^
Weib; ich möcht dich schlagen. ^Drohend auf sie zu^ Soll i dich nit an die Wand hinaufdrucken, daß man nichts mehr sieht von dir, als ein rotes Mal?
Weib ^flüchtet gegen die Eingangtüre.^
Jäger
Nur kein Sorg. Ich rühr Sie nicht an. Sie sein mir viel zu schlecht.
Weib ^heftig, in echtem Ton^
Das laß ich nit auf mir sitzen. Wer hat denn angfangen? Bin ich zu Ihnen kommen, oder Sie zu mir?
Jäger
^hat sich gesetzt. Brütet vor sich hin^
Ja; der Teufel muß einen reiten; dann kommt man weit bei der Nacht: Hab mir denkt, ein Sternl wär schon gut da her; und dann auch mehr Löhnung dazu; muß ja jeden Monat meiner Mutter was schicken; sie kann nichts mehr verdienen; und wenn man dann ein paar Sterndln hat, sich vielleicht auch ein bissel Familie schaffen; man hat ja sonst auch nix. ^Verzweifelt^ Aber ich hab sie nit kennt, die Weiber; sonst wär ich schon ausgwichen auf drei Büchsenschuß weit.
Weib ^auf ihn zu^
Ich laß mich jetzt da von Ihnen nit für die Schlechte halten; ich hab die Mannsbilder auch nit kennt; Gott mein Zeug: Nie wär ich auf so was kommen; aber mein Mann; ja, schauen Sie mich nur an; der hat alles ausgetiftelt und gsagt, ich soll Sie fangen.
Jäger ^knirschend vor sich hin^
Der Elendshirsch; die Schneiderfigur.
Weib ^beistimmend^
Ja; sonst ist er um und um zu nichts nutz; aber solche Spitzbübereien auszuhecken -- ah, da ist er gut. ^Legt dem Jäger die Hand auf den Arm^ Ja, Jäger; es ist so.
Jäger
^zieht seinen Arm von ihrer Hand ab^
Weib, tu dein Hand weg; die macht mir zu warm. ^Sieht das Weib an^ Sonst vergiß i mich und tapp nach dir.
Weib
^versucht einen strengen Ton anzuschlagen^
Jäger; i bin ein verheirates Weib. Vergessen Sie das nit.
Jäger
I weiß schon, daß Sie beschneidert sein. ^Haßerfüllt^ Wo man sich reckt oder einen Finger rührt -- überall stoßt man an den Schneider an. ^Schlägt mit der Faust auf den Tisch.^
Weib
^besieht die Stelle des Tisches. Trocken^
Und wieder vier Gruben im Tisch. ^Sieht ihn bewundernd von der Seite an^ Ja, sagen Sie, Mensch: Sie sein ja ganz von Eisen. ^Setzt sich neben ihn; nimmt ihm sanft die Hand vom Kopf^ Was denken Sie denn jetz? ^Streicht ihm über die Stirn.^
Jäger
^sucht sich seiner Leidenschaft zu erwehren^
Nur nit so nah bei. ^Rückt von ihr etwas ab.^
Weib
^rückt ihm nach; ihre Wangen glühen^
Was stoßen Sie denn allweil mit Ihrem Knie an mir an?
Jäger ^schreiend^
Ich? Sie rucken ja immer nach. ^Springt auf; faßt sie an den Schultern und rüttelt sie heftig. Heiser.^ Sag, Weib; was willst du mit mir?
Weib
^ohne den geringsten Versuch, sich von ihm frei zu machen^
Gar nichts. Ruh geben sollst. ^Jäger läßt sie los; sie reibt sich die Schultern^ Grobian, jetzt hat er mir völlig die Achseln auskegelt.
Jäger ^trocken^
Hätten Sie halt gschrien; dann hätt ich früher ausglassen.
Weib
Ah, zum Schreien bringen Sie mich nit; da können Sie schon noch besser drucken. ^Vor ihm, ganz sachlich^ Wetten wir um an Sechser, daß ich nit schrei?
Jäger
^aufgestachelt, legt die Arme um sie und preßt sie zusammen^
Soll ich noch fester? Schreist bald?
Weib
^kann kaum atmen; gepreßt kichernd^
Noch lang nit; grad extra nit; och du mein Jäger.
Jäger
^als besänne er sich; läßt sie los und schiebt sie unmutig von sich^
Geh weg. Du bist ja doch nit mein. Laß dich von deinem ^haßerfüllt^ Schneidermanndl drucken um an Sechser.
Weib ^lebhaft einstimmend^
Ja; das wird er wohl sein; _so_ ein Kripperlspiel. ^Jäger ergreift ihre Hand und will sie wie liebkosend streicheln; sie entzieht ihm die Hand heftig^ Laß mich; ich bin nit dein; ich hab an Mann. ^Verzweifelt^ Ich hab ihn einmal und ich muß mit ihm leben; und da hilft einmal nichts. ^Hat sich abgewendet und schluchzt.^
Jäger ^nicht ohne Schadenfreude^
Ah; hats dich jetzt? ^Höhnend^ Gelt, mich hast fangen wollen; und jetzt bist selber drin. Haha.
Weib
Wer ist drin? Jäger, so weit haben Sie mich noch lang nit, daß ich etwa wegen Ihnen eine Dummheit mach. Bilden Sie sich nur das nit ein. ^Sich selbst zuredend^ Mein Gott, wenn er halt einmal nit besser geraten ist -- denk i mir halt, er ist wie mein Kind und pfleg ihn weiter.
Jäger
Bis es Ihnen verleidet. Das Kind.
Weib
Oh na. Erst voriges Jahr hab ich ein krankes Hundl aufzogen; den ganzen Tag müssen mit dem Fetzen hinter ihm in der Stube her sein und aufwischen; und Medizin eingeben und futtern. Und hab alls gemacht mit Geduld. Hat mir gar nit verleidet. ^Immer sich selbst zusprechend, ohne es innerlich selbst zu glauben^ Na also; werd ichs mit mein Mann, mit dem ich jetzt sieben Jahr leb, auch noch weiter ermachen. ^Gegen den Jäger^ Ah na. Noch weiß ich schon, was Brauch ist. Gehn Sie. Und kommen Sie nimmer. Da wachsen für Sie keine Birnen.
Jäger ^zerrissen^
Der Teufel hat mich hergführt.
Weib
Na, so soll er Sie auch wieder wegführen. Da ist die Tür.
Jäger ^macht sich zum Gehen fertig.^
Weib ^horcht gegen den Flur^
Halt. Jetz hör ich ihn grad beim Haus hereinschlurfen; jetz können Sie nit zugleich bei der Tür aus, wenn er hereinkommt; das fallt zu viel auf; ^rückt ihm einen Stuhl an den Tisch^ Setzen Sie sich noch ein bissel, damits nit so ausschaut. Aber ja nix anmerken lassen.
Jäger ^setzt sich^
Wenn ichs nur kann. ^Trommelt mit den Fingern auf den Tisch.^
Weib
^ist zum Wandschrank geeilt, entnimmt ihm eine halbvolle Flasche Rotwein nebst Trinkglas und stellt beides vor dem Jäger auf den Tisch^
Tun Sie grad, als ob Sie ganz gemütlich ein Glasl Wein trinken täten. ^Richtet sich zurecht.^
Jäger
Ich brauch ja nit nur so zu _tun_; ich kann ja _wirklich_ ein trinken. ^Schenkt sich ein Glas voll und leert es mit einem Zug.^
Mann
^tritt währenddem, einen Fisch in der Hand, in die Stube. Sieht den Jäger trinken. Spottend^ Zum Wohlsein, Herr Jäger; schmeckt der Wein?
Jäger
^nimmt keinerlei Notiz von dem Mann; setzt das leere Glas heftig auf den Tisch; steckt beide Hände in die Hosentaschen und sitzt vor sich hinstarrend, breitspurig da^
Mann ^auf das Weib zu, leise^
Der trinkt meinen Wein und redt nix.
Weib
Er trinkt noch aus und kommt nie mehr.
Mann ^befriedigt^
Gut so. ^Weist den Fisch vor. Laut^ Da schau, einen Fisch hab i dir gfangen.
Weib ^besieht den Fisch flüchtig^
Mhm. Ist noch dazu ein großer. ^Nimmt einen Zinnteller von der Wand und wirft den Fisch hinein.^
Mann
Ja. ^Mit einem Blick nach dem Jäger^ Je größer, desto lieber beißen sie. ^Tritt zum Jäger vor^ Nu, Herr Jäger; jetz werden Sie dann etwa doch wieder einmal müssen auf die Grenzwach gehn. Man hört, die Schmuggler sollen es arg treiben.
Jäger
^tut, als wäre der Mann nicht da; zum Weib^
Haben Sie da einen Kanarivogl? Ich hör alleweil was piepsen.
Mann ^gibt es zurück^
Na; aber wir tun uns einen Gimpel ein; die werden viel zahmer und fressen bald aus der Hand; gelt, Weib.
Weib ^trocken^
Ich mein, wir haben schon einen.
Mann
Gut geben; bravo. ^Lacht aus vollem Hals.^
Jäger ^dem Weib zunickend^
Gut geben; bravo. ^Lacht ebenfalls^
Mann
^geht auf das Weib zu, die den Zinnteller auf dem Schoß, im Hintergrund sitzt und mit dem Abschuppen des Fisches beschäftigt ist^
Sag, ist der übergschnappt?
Weib ^gleichmütig^
Mir nix bekannt. ^Dann^ Es geht schon auf Abend; Herr Jäger, gute Nacht.
Mann ^höhnisch^
Gute Nacht, Herr Jäger. ^Dann zum Weib^ Meine Filzbatschen mußt mir bringen und frische Strümpf; sonst krieg ich wieder mein Huster; hab nasse Füß.
Weib
Wie kommst zu nasse Füß?
Jäger
^der sich bereits zum Gehen erhoben hat, kann sich nicht mehr halten; höhnend^
Der Fisch hat ihn in Bach verrissen; ^lacht^ ja, so ein Fischschwanzl hat eine Kraft.
Mann ^erbost gegen den Jäger^
Wer spottet mich da?
Jäger
^kann seinen Haß kaum mehr bändigen; vor sich hin^
Laß dich einfatschen; Schneider.
Weib ^energisch^
Herr Jäger, gute Nacht.
Mann ^in steigender Wut^
Wer ist ein Schneider?
Weib
Mann, sei still und frag nit lang.
Jäger ^äußerlich ruhig^
Jetz piepst schon wieder was.
Mann
^kommt nach Art schwächlicher Menschen in rasch ansteigende Wut^
Wer piepst?
Jäger ^ruhig^
Der Schneider.
Mann
Wer ist ein Schneider?
Jäger
Immer, der fragt.
Mann ^in höchster Wut^
Wer ist ein Schneider? ^Zieht ein Stehmesser aus der Hintertasche.^
Weib
^beinahe stolz auf ihren Mann^
Herr Jäger, geben Sie acht. Sie könnten sich doch ein bissl irren in meinem Mann. ^Dann zum Mann^ Mann. Bist du nit bei Trost? Steck dein Messer ein.
Jäger ^zum Weib^
Aber lassen Sie dem Schneider die Freud. ^Stellt sich ruhig vor den Mann hin.^ Da; Schneiderle, stich. Du bringst mirs ja gar nit durch die Rippen ein. ^Da der Mann in seiner Schwäche zitternd unschlüssig mit dem Messer dasteht, zum Weib.^ Halten Sie ihn; sonst fallt er um. ^Es sieht einen Augenblick aus, als wollte er sich in ausbrechendem Haß auf ihn stürzen. Bezwingt sich^ Ich muß grad laufen, sonst zerdruck ich ihn noch mit mein Augendeckl; ^in der offenen Eingangtüre sich noch einmal umwendend, haßerfüllt^ den Schneider. ^Ab.^
Weib
^enttäuscht zum Mann, der am ganzen Leib zitternd dasteht^
Jetz steck nur deinen Feitel ein und setz dich; du bist ja weiß wie ein Leintuch. ^Geleitet ihn zu einem Sitz.^ Er ist schon weg. Brauchst dich nimmer zu fürchten.
Mann ^fährt herum^
Wer fürcht sich? ^Sitzt^ Sag, Weib: Warum hat denn der so eine Wut auf mich?
Weib
Hättst ihn gfragt; ich steck nit in seiner Haut drin. ^Dann^ Also was willst? Ah ja, richtig: Die Filzbatschen und frische Strümpf. ^Zieht die Filzschuhe unter einer Bank hervor und stellt sie etwas unwirsch zu seinen Füßen hin. Geht zur Kommode und entnimmt der untersten Schublade ein Paar Strümpfe.^
Mann
^noch immer außer Atem; keuchend^
So ein Lümmel.
Weib
Laß den Lümmel Lümmel sein und denk nimmer dran. ^Ist mit den Strümpfen zum Mann hingetreten und richtet sie ihm gebrauchsfertig.^ Aber Kraft hat er; wie er jetzt so dagstanden ist und hat seine Brust hergreckt, gradaus auf dein offnes Messer hin -- ja, vor dem Jäger müssen wir noch alle kuschen.
Mann ^etwas gereizt^
Ja, ja; jetz hör nur einmal auf. Wir reden nimmer davon.
Weib
^hat sich vor ihn hingekniet, um ihm beim Anziehen der Strümpfe behilflich zu sein^
Zieh dir die Strümpf aus; hilf auch ein bissel mit; soll denn alls ich machen?
Mann
^streift sich die Strümpfe herunter^
Einreiben mußt mich dann auch noch mit Ameisgeist; ich spür wieder ein Rheumatismus im Arm.
Weib ^trocken registrierend^
So. Nasse Füß und Rheumatismus steht heut im Kalender. Kopfweh und Bauchweh hast gestern ghabt.
Mann
Das Herz klopft mir noch bis zum Hals herauf.
Weib ^hilft ihm in die Strümpfe^
Aber sonst bist gsund. ^Dann^ Ja, mit solche Kraftlackel soll man halt nichts anfangen; da ist man allemal hinten dran. ^Hat ihm in Strümpfe und Filzschuhe geholfen; erhebt sich vom Boden; nimmt von der Wandstelle eine Flasche; vor dem Mann^ Da wär der Ameisgeist; ^unwirsch^ streck dir den Ärmel auf; oder soll alles ich machen? Das wär wirklich bald so, daß man dich noch fatschen müßt.
Mann
Hast du heut ein Grant. ^Streckt sich den Hemdärmel auf.^
Weib ^besieht den Arm^
Mein Gott, ist das ein Arm. Um kein Kreuzer Fleisch dran.
Mann
Siehst ihn denn heut zum erstenmal? ^Schreiend^ Ich hab ja nichts Bessers mitkriegt von meiner Mutter.
Weib ^trocken^
Deswegen mußt aber jetzt nit mit mir so schreien. Ich bin nit dein Mutter. ^Reibend. Mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt. Vor sich hin^ Ich mein, wenn der Jäger einmal Kinder kriegt -- das gibt lauter junge Bären ab.
Mann ^erbost^
Jetzt hör mir bald auf mit dem Jäger. Wir reden nimmer davon. ^Pause. Plötzlich sich besinnend^ Richtig. Jetzt hätt ich bald die Hauptsach vergessen. Also, was ist? Hat ers anzeigt?
Weib
Wer?
Mann
Wer. Der Jäger.
Weib ^energisch^
Jetzt wird nimmer gredt davon.
Mann ^erbost aufspringend^
Ob ers anzeigt hat.
Weib ^unwirsch^
Was anzeigt.
Mann
Das Paketl mein ich; mit den Spitzen.
Weib ^grob^
Ah was, Paketl. Leg dich ins Bett und schlaf dein Schrecken aus; ist gscheiter.
Mann ^ganz perplex^
Wie redst denn du auf einmal mit deinem Mann?
Weib ^achselzuckend^
Ich red halt, wie ich red. Überhaupt, wo ist denn ein Mann? ^Hohnlachend^ Das wär mir ein Mann: Im Frühjahr voll Katarrh, im Sommer Kopfweh; im Winter die Wärmflaschn im Bett; und wenn er am besten ist, ist er umundum nix nutz. ^Heftig ausbrechend^ Und das soll mein Leben sein? ^Wirft das Flanelltuch, mit dem sie die Einreibung vorgenommen, von sich^ Laß dich von der Katz einreiben. Mir graust. Ja, grausen, grausen tut mir vor dir; du Saugflaschenmanndl.
Mann
^steht wie erstarrt; dann^
Ah. Jetz geht mir ein Licht auf. ^Erschütternd aufschreiend^ Mein Haus brennt.
Weib ^brutal^
Wer hats denn angezunden?
Vierter Akt.
Weib
^sitzt am Morgen zusammengekauert in einem Winkel der Stube und brütet vor sich hin.^
Mann
^kommt zum Gehen gerüstet aus der Nebentür. Innerlich tief erregt. Bezwingt sich^
Weißt du nit, wo du bei Nacht hinghörst?
Weib
Mir muffelts zuviel in der Schlafkammer.
Mann
^hält sich gewaltsam ruhig^
Weib, ich sag dir nur das: Was _mir_ ghört, das halt ich mir. ^Kommt ihr mit der Hand zu nahe.^
Weib
^fährt wie angeekelt zurück^
Rühr mich nit an. Deine Hand ist kalt, wie eine Totenhand.
Mann
^kann sich nicht mehr halten. Schreiend^
Dem Jäger seine -- ist die wärmer? ^Sich selbst zur Ruhe mahnend^ Nur kaltes Blut.
Weib ^vor sich hin^
Sorg dich nit. Das wird eh nit warm.
Mann
^hält sich mühsam ruhig^
Ich geh jetz ein neues Türschloß bstellen. Das alte taugt nichts.
Weib
Du hast die ganze Suppe selber eingebrockt -- jetz löffel sie auch aus. Gib mir soviel Geld, daß ich nit Not leiden muß. Dann geh ich heut noch von dir weg.
Mann
^keuchend vor verhaltener Wut^
Zum Jäger.
Weib
Gleich wohin. Denk dir grad, ich bin gstorben. Ein schöns Begräbnis spendierst mir doch; und dann das Totenmahl und ein schönen Grabstein. Gib mir, was das alls kostet, also lebendiger, dann hab ich was davon.
Mann
Und der Jäger auch.
Weib ^verzweifelt ausbrechend^
Ich kann mit dir nimmer leben. ^Kniet vor dem Manne^ Laß mich aus. Du erhebst mich ja doch nimmer.
Mann ^kochend vor Wut^
Ah; mein Weib mir davon; das Lachen dann und Spotten bei meinen Brüdern. Wenn du mir so kommst -- da hast. ^Schlägt sie auf die Wange; im Abgehen^ Mein Sach halt i mir noch. ^Eingangtüre ab.^
Weib
^erhebt sich vom Boden^
Mannl; du sperrst ein Weib nit ein. ^Man hört plötzlich ein mächtiges, dumpfes Pochen an der Haustür. Das Weib horcht auf; da es neuerdings pocht, froh^ Ja. Das ist seine Faust. ^Eilt ab, um die Haustür zu öffnen. Kommt gleich wieder in die Stube zurück; hinter ihr, vernachlässigt in der Kleidung, mit wirrem Haar, wie übernächtig, der Jäger^ Grad hab i auf dich denkt. Und jetz bist da. Als wenn i dich herzaubern könnt. ^Dann^ Wie kommst du jetz her?
Jäger
^wirft die Mütze auf den Tisch; wischt sich mit dem Ärmel über die Stirn; achselzuckend^
Bin halt da. Er ist ja weg.
Weib
Ja. Grad ist er fort. Bist ihm begegnet?
Jäger
Na. Hab mich versteckt ghabt und gwartet, bis er geht.
Weib
Ich kanns nimmer aushalten neben ihm in der Kammer. Bin heut die halbe Nacht da in der Stube herumgsessen.
Jäger
Hab schon dein Schatten gsehen; ^deutet mit dem Kopf nach dem Fenster^ hinter dem Vorhang.
Weib ^verwundert^
Schleichst denn du Tag und Nacht da um? Machst du kein Dienst mehr?
Jäger
^dumpf, resigniert; zuckt die Achsel^
Ich will auf die Grenzwach gehn, und auf einmal bin ich da. Ich lieg im Wachzimmer auf der Pritschn, und auf einmal bin ich da. ^Wischt sich über die Stirn^ Kenn mich selber nimmer; bin von oben bis unten aufgrissen.
Weib
I muß auch immer an dich denken. Kann nimmer schlafen und essen. Immer nur an dich und dein Kraft; ^angeekelt^ neben dem Fliegenmanndl da.
Jäger ^winkt haßerfüllt ab^
Red mir nit von ihm.
Weib
Siehst Jäger; mir graust so vor ihm; ich kann dir nit sagen, wie. Wie vor einer halbtoten Fliegn, die im Kaffee herumschwimmt.
Jäger
^hat das Weib aufmerksam angesehen; deutet auf ihre Wange^
Was hast denn da? Bist ganz brennrot.
Weib
^zuckt zusammen. Dann kurz^
Bin früher beim Fenster glehnt und hab die eine Hand da ^auf die Wange deutend^ aufgstützt. Davon wirds wohl sein.
Jäger
Wo ist er denn jetz hingangen?
Weib
Er?
Jäger
Ja.
Weib