Der Weibsteufel: Drama in fünf Akten
Part 2
Und er ist seitdem nit wiederkommen?
Weib
Wenn er nit gern kommt, soll ers bleiben lassen. Ich hab ihn nit grufen. ^Wendet sich wieder zum Spiegel und ordnet ihr Haar.^
Mann
Jetzt wird er schon wieder Tag und Nacht auf der Grenzwach hocken. ^Aufgebracht, vor der Truhe^ Nit einmal den Truhendeckl hat er noch gezahlt. Kerl, der.
Weib ^vor dem Spiegel^
Hol mir den Steckkamm. In der Schlafkammer liegt er; auf dem kleinen Tisch.
Mann ^seufzend^
Ja, ja, Weib; wir zwei und das Haus am Marktplatz kommen auch sobald nit zusammen. ^Geht durch die Nebentür ab, die er hinter sich halb offen läßt.^
Weib
^vor dem Spiegel beschäftigt, zuversichtlich froh^
Ja, mein lieber Jäger; geschlagene vier Tag ists jetzt schon her; und du bist seitdem nit wiederkommen. ^Befriedigt^ Aber gestern in der schlafenden Nacht hats dich doch zum Haus herzogen, wie die Muggen zum Licht. Hab dich ganz deutlich gsehen hinter dem alten Holunderbaum; und wie ein verliebter Kater zu meinem Schlafkammerfenster hinaufgschaut. ^Frohlockend^ Jägerle. Ich mein, ich mein -- du hängst schon mit einem Bratzl; auf der Leimrutn.
Mann
^kommt aus der Nebentür und reicht ihr den Kamm, den sich das Weib vor dem Spiegel sorgsam ins Haar steckt^
Was ich noch sagen will; hab dir heut in der Früh nit gleich Angst machen wollen: In der Nacht bin ich aufgwacht und hab lang nimmer einschlafen können; steh ich auf und schau zum Fenster hinaus; weißt, wen i da gsehn hab?
Weib
^hat den Kamm aufgesteckt; wendet sich hastig zum Mann^
Wen?
Mann
Den Jäger. Und wie er meinen Kopf am Fenster sieht -- auf und davon wie ein Gspenst.
Weib
Laß dich nit auslachen. Das hast geträumt.
Mann
So wach bin ich gwesen, wie jetzt. Und hab ihn im Mondschein gut ausgnommen.
Weib ^winkt ab^
Aber geh. Da hast etwa wieder einmal von deine kalten Füß her ein bissel Fieber ghabt. ^Dann^ Was sollt denn der Jäger bei stockgschlagner Nacht an unserm Haus herum zu tun haben.
Mann ^verwundert^
Da fragst noch? ^Dann^ Spionieren. Damit er uns endlich fassen kann. Er will sich doch an uns zwei ein Sterndl verdienen.
Weib
^steht ganz verdutzt mit offenem Munde da; vor sich hin^
Auf das hab ich gar nit denkt. ^Dann^ Mann. Am End hast doch recht. ^Nachdenklich vor sich hin^ Und er ist nur _deswegen_ ums Haus herumgschlichen.
Mann
^sieht das Weib verwundert an^
Ja, wegen was denn sonst? Was hast denn du gmeint?
Weib ^etwas unwirsch^
Ich? Was soll ich denn gmeint haben? Nix hab ich gmeint. ^Dann erbost^ Wart nur, Kerl: Dir wird man schon noch das Sterndl geben. ^Auf den Mann zu^ Mann. Den fang i dir noch; an der Angel muß er hängen, wie ein dummer Karpf. Dir wird man schon geben, den Weiberfang. ^Ballt die Faust^ Am liebsten möcht ich ihn soweit bringen, daß er gar kein Jäger mehr sein könnt und ganz weg müßt aus dem Dienst. Dann hätt er sein Sterndl. ^Tritt erregt ans Fenster.^
Mann
Das wär freilich das allerbeste: Wenn die Katz aus dem Haus wär, dann hätten die Mäus Kirchtag. ^Seufzend^ Aber was nutzt das alls; er geht uns nimmer zu. Der hat den Braten schon grochen.
Weib ^plötzlich vom Fenster her^
Du. Dort geht er ja; mit Stiefel und Sporn.
Mann
^ist ans Fenster geeilt; sieht nach der Richtung^
Ja; im vollen Dienst auf dem Weg zur Grenzmark. Er schaut nit rechts und nit links. ^Wendet sich enttäuscht vom Fenster ab.^
Weib
^das nach dem Jäger spähend am Fenster steht; plötzlich sich nach dem Manne wendend^
Jetz bleibt er stehn; ^zieht den Mann ans Fenster und zeigt, hinter ihm stehend, nach der Richtung^ siehst ihn? Dort, wo der Weg zu unserm Haus abbiegt. ^Zieht ihn plötzlich vom Fenster ab^ Geh zurück; er schaut her. ^Nachdem sie einen Augenblick in gedeckter Stellung ausgespäht hat, enttäuscht^ Er geht schon wieder weiter. ^Tritt vom Fenster zurück.^
Mann
^der spähend am Fenster geblieben ist, plötzlich^
Halt. Er macht wieder Kehrtum. ^Zum Weib, das wieder ans Fenster eilt^ Dort steht er wieder am Wegbug. Siehst ihn?
Weib ^scharf zusehend^
Jetz reißts ihn. ^Dann in froher Erregung ihre Finger in den Arm des Mannes krallend^ Er biegt ein. Direkt auf unser Haus zu. ^Vom Fenster zurück. Streicht sich die Frisur zurecht; wirft einen Blick in den Spiegel.^
Mann
^am Fenster, das Näherkommen des Jägers verfolgend; mit grimmiger Lust^
Jetzt Karpf, beiß an. ^Auf das Weib deutend^ Da ist der Anbiß.
Weib ^am Fenster^
Jägerle, komm. ^Wie man einen Vogel lockt^ Ziwui, ziwui. Komm nur, mein Gimperl; du hängst bald im Netz. ^Unwirsch zum Mann^ Jetz geh. Laß mich allein. Oder fang dir ihn selber.
Mann
I geh schon. ^Auf dem Weg zur Eingangtüre.^
Weib ^dirigiert ihn zur Nebentür^
Da geh; und dann hinten aus; sonst begegnest ihm.
Mann
^an der Nebentür sich noch einmal umwendend^
Weib; schön bist.
Weib ^kalt, ungeduldig^
Ist schon gut. Geh nur. ^Schließt hinter dem Manne die Nebentür. Nimmt ihr Strickzeug zur Hand und setzt sich.^
Jäger
^kommt durch die Eingangtür, bleibt einen Augenblick unsicher in der offenen Tür stehen; dann sich strammend^
Ein guten Tag.
Weib
^stellt sich erschrocken, fährt vom Sitz auf^
Gott steh mir bei, ein Mannsbild. ^Stellt sich, als erkenne sie ihn nicht^ Wer sein denn Sie? ^Faßt ihn näher ins Auge; dann spottend^ Hab einmal so einem jungen Grasteufel sein Rockärmel ausgflickt; der hat Ihnen ähnlich gschaut. ^Dann^ Oder sind Sies am End selber? Na hören Sie: Leben Sie noch? ^Setzt sich und strickt.^
Jäger ^ist näher getreten^
Warum lauft denn Ihr Mann immer davon, wenn ich komm? Grad hab ich ihn wieder da hinten hinauspfitschen sehen.
Weib
Oh, der ist nit eifersüchtig. ^Dann trocken^ Womit kann man dienen, Herr Jäger?
Jäger
^ganz in dem Anblick des Weibes versunken, überhört die Frage; vor sich hin^
Heut ist sie noch viel schöner.
Weib ^strickend^
Jetz weiß ich noch immer nit, was Sie da wollen.
Jäger
^fährt wie aus dem Traum; greift sich an den Kopf^
Ah ja so. Ja. Na, was werd ich denn wollen. Den Truhendeckl zahlen.
Weib
Oh, wegen dem Truhendeckl lassen Sie sich nur kein graus Haar wachsen; wir zwei kommen schon noch zum Abrechnen, Herr Jäger. ^Dann ihm neben sich Platz machend^ Nehmen Sie ein bissel Platz; tun Sie uns nit den Schlaf austragen.
Jäger ^bleibt stehen^
Hab keine Zeit; bin im Dienst. ^Dann^ Hab neulich schon vom Kommandant meinen Rüffel kriegt, den ersten. Weil i mich bei Ihnen verhockt hab.
Weib ^strickt^
Uje. Dann werd ich jetzt bei Ihnen wohl ganz ausgspielt haben: Das vergißt einem ein richtiger Grenzjäger nie mehr, wenn ihm auf so dumme Weis vielleicht ein wichtiger Fang auskommt. ^Dann lachend^ Wenn Sie erst einmal eine richtige Liebschaft hättn -- wie schauets etwa da erst aus mit dem Dienst? ^Sieht ihn an.^
Jäger ^fährt auf^
Meinen Sie denn, ich bin ein Weiberlapp?
Weib
Sagen Sie einmal, Herr Jäger: so ein Rüffel -- das muß nit gar fein sein, was?
Jäger
Ich glaubs: Dastehn müssen mit einem brennroten Kopf und man darf sich nit mucksen.
Weib
^legt die Strickerei in den Schoß; blinzelt mit halbgeschlossenen Augen den Jäger an^
Na, so haben Sies halt mir zulieb glitten -- was?
Jäger ^beinahe erschrocken^
Ihnen zulieb? Was reden Sie da; und außerdem sein Sie ja ein verheirates Weib.
Weib
^ungehalten, nimmt die Strickerei wieder auf^
Na, jetzt kanzeln Sie mich etwa noch ab, ja? Es geht einem wohl öfter der Schnabl durch; das hab ich nit gwußt, daß Sie jedes Wort gleich auf die Goldwag legen. ^Sieht den Jäger fest an; gedehnt, in beinahe drohendem Ton^ Sie brächten es ja gar bald heraus, als wenn ich verliebt wär in Sie.
Jäger
^hält den Blick nicht aus, polternd^
Euch Weibern soll der Teufel was zulieb tun.
Weib
Oh. Es wird über Sie schon auch einmal kommen; auf so einen jungen Kraftkerl gehn ja die Weibsleut los, wie die Fliegn auf den Zucker. ^Sieht ihn an^ Aber dann Gnadgott; ich mein, bei Ihnen gehts grob her. ^In wohligem Erschauern^ Hu. Mich beutelts.
Jäger
Dann ists ja nur _mein_ Sach; deswegen brauchts ja _Sie_ nit zu beuteln. ^Dann^ Überhaupt; was steh ich da. Ich hab mein Dienst. ^Will ab.^
Weib ^sitzt und strickt^
Wissen Sie, daß Sie mir da neulich blaue Fleck aufdruckt haben?
Jäger ^kommt näher^
Ich? Wo?
Weib
^legt die Strickerei in den Schoß; streift sich den Ärmel weit über den Ellbogen hinauf und weist ihren schönen runden Arm vor^
Da, wenn Sies nit glauben. Heut noch sieht man Ihre Fingermal. Und wie das brennt.
Jäger ^ist herzugekommen und besieht mit begehrlichen Augen den Arm^
Meiner Seel, ja; es ist wahr.
Weib
Und wie i mich nachts beim Schlafengehn wenden und drehn muß vor meinem Mann, daß er nur die Tapper am Arm nit sieht; sonst gäbs Feuer am Dach.
Jäger
^mit verächtlicher Handbewegung^
Awas, der. ^Dann^ Eine Haut habn Sie, grad wie Sammet. ^Beginnt ihren Arm mit schüchterner täppischer Zärtlichkeit zu streicheln^ Das laßt sich fein angreifen.
Weib ^läßt ihn kokett lächelnd gewähren^
Ah, da schau her; jetz hab ich immer gmeint, der Jäger kann nur so grob zutappen. ^Ganz verwundert^ Und jetz kann der fein streicheln auch. ^Mit halbgeschlossenen Augen^ Ah, das tut wohl gegen das Brennen.
Jäger ^vor Erregung stotternd^
Ich kann schon ein bissel blasen auch, wenns brennt.
^Nähert seinen Mund ihrem Arm und bläst auf die Stelle; drückt dann seine Lippe flüchtig scheu auf die Stelle^
Weib ^zieht ungehalten ihren Arm zurück^
Sie. Was glauben denn Sie. Mudeln Sie wen andern ab; ich bin ein verheirats Weib. ^Streift sich den Ärmel herunter; drohend^ Gleich ruf ich mein Mann.
Jäger ^mit rotem Kopf; spottend^
Da fürcht i mich aber, wenn der Herkules kommt. ^Lacht^ Ist er eifersüchtig, der Schneider?
Weib
^hat wieder das Strickzeug zur Hand genommen^
Sonst schon; aber auf Sie nit. Das weiß er schon, daß ich von Ihnen nichts haben will.
Jäger ^erbost^
Will ich vielleicht von Ihnen was? Sie wärn die Letzte, von der ich was möcht.
Weib ^ruhig^
Wenn der Traubstock zu hoch ist, dann sagt der Fuchs: I mag keine Trauben.
Jäger ^in zornigem Spott^
So hat die Fuchsin neulich auch gsagt: »Wir haben keine Kinder, weil wir keine haben wollen.« Und in der Truhe schon brav fleißig das Häubl und die Fatsche vorgrichtet; daß nur alles gleich da ist, wenn etwas kommt. ^Schlägt eine Lache auf^ Aber es ist halt nix kommen.
Weib
^zu innerst getroffen gegen den Jäger auf^
Sie, Kerl; Sie ganz brutaler. ^Kann das Weinen kaum unterdrücken; stellt sich abseits mit dem Kopf an die Wand.^
Jäger
So. Jetzt haben Sie auch eins am Schädl. Ihnen kommt man schon auch noch aufs Nackte. Sie werden noch lang nit einen Grenzjäger foppen. ^Da er einen unterdrückten Schluchzer hört, geht er auf das Weib zu^ Jetzt hab ich Ihnen weh getan. Aber Sie haben zuerst angfangen. Sonst hätt ich das gwiß nit gsagt.
Weib
^hebt den Kopf und trocknet sich die Augen; dann sich gegen den Jäger wendend^
Und wenns schon so ist mit dem Häubl und der Fatschn? Bin ich dran schuld? Muß _ich_ mich da schamen? ^Reckt sich vor dem Jäger in ihrer ganzen wüchsigen Kraft und Jugend^ Ist mein Leib so krepierlich? ^Weist ihre Brust^ Oder hab ich da vorn eine Bretterwand, daß etwa ein Kind nix zum Lutschen hätt?
Jäger
^hat das Weib mit den Augen verschlungen; dann^
Ihr Mann soll sich schamen; das ist ja kein Mann; ^verächtlich^ nur so ein Schneider.
Weib
Ach was; lassen Sie mir meinen Mann in Ruh, Sie junger Grasbeißer. ^Lobt auffällig ihren Mann, in der Absicht, den Jäger aufzustacheln^ Und grad, weil er so schwach ist und Hilf braucht -- ja, Herr Jäger, mit Verlaub; grad darum hab ihn gern; und nur ihn mag ich; und sonst gar niemand; und er ist, wie mein Kind: Wenn er krank ist, tu ich ihn pflegen; und wenn ihm in der Nacht die Decke vom Bett rutscht, dann deck ich ihn wieder zu, damit er sich nit verkühlt.
Jäger
^aufgestachelt; kann sich nicht mehr halten^
Meintwegen setzen Sie ihn auch noch aufs Topferl. ^In aufwallendem Zorn^ Was kümmert denn mich das Klappermanndl; das zaunmarterdürre? ^Schlägt mit der Faust auf den Tisch.^
Weib ^stellt sich harmlos^
Herr Jäger; warum haben denn Sie so eine Wut auf mein Mann? Er hat Ihnen doch gar nix getan. ^Dann^ Und schlagen Sie mir den Tisch da auch noch zu Brocken, ja? So einen, wie Sie sollt man gar nit frei umlaufen lassen; ^sieht ihn an; mit grausamer Lust^ an die Kette sollt man Sie legen, wie einen Tanzbär; ja, und Ihnen die Händ mit wollenen Fetzen einbinden, daß Sie kein Unglück anrichten. Das sollt man.
Jäger ^stiert sie an^
Ich mein, da wären Sie schon ein gfährlicheres Tier. ^Hat den Kopf auf die Hände gestützt und starrt vor sich hin.^
Weib ^ganz unschuldig^
Herr Jäger; was ist denn jetz mit Ihnen?
Jäger
^hebt den Kopf; sieht das Weib mit traurig-hilflosem Ausdruck an^
Ich weiß nit, was mit mir ist; ich möcht grad am liebsten flennen, wenn ichs zuweg brächt.
Weib ^harmlos^
Und was ist mit dem Dienst? Sie verhocken sich schon wieder bei mir da.
Jäger ^zerrissen, weinerlich-hilflos^
Ich weiß nit, was mit dem Dienst ist; ^verzweifelt^ ich weiß nit, was mit mir ist; mich ist etwas angflogen. ^Schlägt mit dem Kopf auf die Tischplatte.^
Weib
^für sich, heimlich frohlockend^
Hängen tust, du Gimpl; mit beiden Bratzeln auf der Leimrutn; _das_ ist mit dir. ^Umschleicht ihn argwöhnisch lauernd^ Oder treibt er noch immer sein Schindluderspiel? ^Dann^ Aber wart; dir setz ich Spitz und Knopf schon noch besser zusamm. ^Auf den Jäger zu; rüttelt ihn derb. Mit schneidendem Hohn^ Jäger. Wenn Sie jetz dann der Wachkommandant fragt, wie weit Sie mich haben -- was können Sie ihm da sagen? Friß ich Ihnen schon bald aus der Hand? ^Da sie der Jäger verwundert über ihre Kenntnis anstarrt^ Ja, Herr Jäger; wenn man auch einsam da heroben haust -- deswegen hört man schon doch, was die Wachglocken im Tal drunten läuten.
Jäger
^ist aufgestanden und hält wie beschämt den Arm vor das Gesicht. Schickt sich zum Gehen an^
Überhaupt; ich hab da nix verlorn.
Weib
Aber suchen tun Sie was. Sie suchen da immer ein Sterndl und finden keins. ^Dann^ Aber warten Sie: Ich hilf Ihnen aus der Not. ^Dann^ Leihen Sie mir nur auf einen Augenblick Ihr Transchiermesser da. ^Zieht ihm den Säbel aus der Scheide. Da der Jäger unwillkürlich nach seinem Säbel greifen will^ Nur keine Sorg: Ich stich Sie nit ab. ^Schwingt den Säbel vor dem Jäger^ Das ist die Wünschelrutn; mit der suchen wir jetzt ein Sterndl für den Jäger; aber nit vom Himmel herunter; aus dem Boden heraus, wo die Erdäpfl wachsen. ^Beginnt an verschiedenen Stellen des Stubenbodens mit der Säbelspitze zu tippen^ Da ist nichts. ^An einer anderen^ ^Stelle^ Da ist auch nichts. ^Ist zum losen Dielenstück gekommen; tippt mit der Säbelspitze hin; dann^ Halt; aber da. Herr Jäger; da zuckt die Wünschelrutn. ^Stemmt die Säbelspitze in den Bodenspalt und hebelt das Dielenstück aus dem Falz; dann^ Da greifen Sie hinein; da drunten muß für Sie ein Sterndl liegen. ^Wirft den Säbel auf den Tisch und steht zuwartend.^
Jäger
^hat sich niedergebückt; fährt in die Dielenöffnung und zieht ein Stück Seidenstoff und eine Rolle Spitzen hervor; mit funkelnden Augen die Stücke aufrollend und besehend^
Ah. Spitzen; Seide -- Konterband. ^Legt die Beweisstücke auf den Tisch; greift hastig nach dem Säbel und klopft gierig an verschiedenen Stellen den Stubenboden ab, ob es noch irgendwo einen hohlen Klang gäbe.^
Weib
Und wenn Sie das ganze Haus auf den Kopf stellen -- mehr finden Sie nit. Sie können mirs glauben.
Jäger
^wirft den Säbel in die Scheide; froh^
Viel oder wenig -- jetzt hat man euch; schwarz auf weiß. Ihr Hauptfüchs. ^Schickt sich an, die ausgebreiteten Spitzen und Seidenstoffe zu rollen und zu falten.^
Weib ^abseits stehend^
Jetz können Sie mich dann ausfoppen und spotten, wenn Sie mit Ihren Kameraden im Wachzimmer auf der Pritsche liegen; und noch vor dem Einschlafen schlechte Späß machen über die dummen Gäns, die Weiber. ^Als könnte sie das Weinen nur mühsam verhalten^ Ist weiter eine Kunst, das: Da kommt ein junger, baumstarker Jäger daher und wirft sein Netz; wie soll da ein schwaches Weib lang Widerpart halten. Der hat ja schon gwonnen, bevor er noch den Mund auftut.
Jäger
^starrt das Weib mit großen, beinahe furchtsamen Augen an; fährt sich verwirrt an den Kopf^
Sie spult mich auf, wie einen Zwirnknäuel; und wieder ab und wieder auf; ^höhnt sie^ schwachs Weib, ja. Du wirfst ein Dutzend Reiter um mit Roß und Wagen. ^Schreiend, als wollte er sich gewaltsam aus der drohenden Umklammerung befreien^ Du Teufelshex. Ich zeig dich an. Vor einem Weib steht noch mein Ehr nit zruck; vor zwei so Teufelsaugen. ^Bemüht sich, mit plumpen, ungeübten Händen Seidenstoff und Spitzen zusammenzurollen.^
Weib
Ehr muß beim Mann vorangehn; sonst wären Sie kein richtiger Jäger. ^Da sie sieht, wie er sich mit seinen ungefügen Händen um Seidenstoff und Spitzen müht^ Geben Sie her; ich legs Ihnen schön zusamm und wickl es Ihnen ein. ^Während sie Spitzen und Seidenstoff kunstgerecht faltet^ Freilich -- Weiber denken da anders; sonst hätt ich auch mein und mein Manns Ehr besser bedacht und Ihnen nichts gsagt; ich hätt ja nit müssen. ^Schlägt die Augen nieder; wie verschämt^ Aber da hilft nichts; ein Weib kann ihr Lieb und Gunst nit verstecken; da ist der Mantel gleich überall zu kurz; Sie sollen avancieren und Ihr Sterndl kriegen. ^Hat Spitzen und Seide flach gefaltet; wickelt die Sachen in Papier^ Nur sagen Sie meinem Mann nichts, daß ichs verraten hab; sonst der brächt mich um. Sagen Sie nur, Sie haben es selber gfunden; das ist auch fürs Sterndl besser. ^Hat das Paket in Papier gewickelt^ So; das können Sie jetz ganz kommod unter dem Rock tragen; Seide und Spitzen machen keinen Bauschen. ^Öffnet ihm rasch ein paar Rockknöpfe und steckt ihm das flache Paket resolut dahinter^ So. ^Bewundernd^ Mein Gott, ist das ein Brustkorb; wie ein Roß. Ja, da hat einmal eine was.
Jäger
^der von einem heftigen inneren Kampf durchrüttelt, dasteht, zuckt bei der Berührung heftig zusammen^
Herrgott, Weib; rühr mich nit an. Wo du an mir ankommst, da brenn ich. ^Schließt seinen Rock.^
Weib
^stellt sich tief gekränkt^
Das können Sie jetz leicht sagen: Rühr mich nit an. Aber gelt; früher haben Sie auch ganz fleißig meine Arm abgriffen; ^weinerlich^ aber jetzt haben Sie mich ja soweit, als Sie mich brauchen; weiter brauchen Sie mich nimmer. ^Dem Weinen nahe^ Augen haltet das Wasser zrück; flennen könnt ihr noch gnug, wenn der Jäger dahin ist. ^Beginnt zu flennen.^
Jäger
^steht unschlüssig; macht einen Schritt auf sie zu und macht mit den Händen eine täppische, schwerfällige Bewegung, als wollte er ihr die Hände vom Gesicht lösen; dann sich mit einem Ruck härtend^
Awas. Rotz und flenn zu; anzeigt wirst doch.
Weib
^trocknet sich die Augen; gegen den Jäger^
Wenn Sie es nit täten -- da wären Sie wohl ein trauriger Tropf. ^Dann^ So; jetz gehn Sie nur, Herr Jäger. Ich wünsch Ihnen viel Glück und ein schöns Avancieren; gehn Sie, machen Sie ein End; damit s endlich aus ist mit uns zwei. Denn sehen, mein lieber Jäger, wirst mich dann nie mehr, wenn ich meine bürgerliche Ehr nimmer hab; da möcht ich mich lieber in ein Mausloch verkriechen. Aber immer noch besser, mein Bürgerehr ist hin, als mein Weibsehr. Denn vor dir könnt ich mich als braves Ehweib sowieso nicht mehr halten.
Jäger
^knirschend, im Kampf mit sich^
Falsche Katz; du biegst mich nit um: Ich zeig dich an und ohne Pardon.
Weib ^heftig^
Und wenn Sie es nit täten -- ich speiet Sie an. Sie sollen und müssen Ihr Sterndl kriegen. Wenn Sie dann ein jung verheirater Wachtmeister sein, und nach dem Dienst daheim ihre lange Pfeife rauchen; und es rutscht schon ein junges Jägerle auf Ihrem Knie herum und greift mit seinen Handerln nach Ihrem Blusenkragen um die weißen Sterndln -- Herr Jäger, ich wünsch Ihnen nichts Schlechtes; aber dann denken Sie dran, durch was für ein Luderspiel mit einem Weib Sie zum ersten Stern kommen sein; ^näher an ihn heran^ da könnt schon sein, daß Gott Sie straft -- an Ihrem Kind; daß ihm die Hand abfault, wenns nach dem Sterndl greift.
Jäger ^erschaudernd^
Weib; hat dich die Höll ausgspien?
Weib ^stampft mit dem Fuße^
Was stehn Sie noch da? Marsch fort. Ich will anzeigt sein.
Jäger
^steht durchschauert; dann innerlich zerrissen; verzweifelt^
Höllteufel; bin noch immer ein ehrlicher Jäger gwesen. ^Eingangtüre ab.^
Weib ^befriedigt^
So; jetzt zeigs an, wenn du kannst. ^Sieht ihm hinter dem Fenster stehend nach.^
Mann
^stürzt aus der Nebentüre, die ein kleines, rundes mit Glas versehenes Guckfensterchen trägt; froh in die Hände klatschend^
Weib; den hast aber gut aufgepulvert; der brennt ja schon.
Weib ^fährt herum^
Hast du mich jetzt erschreckt. ^Ungehalten^ Kommst du aus dem Uhrkasten heraus? Oder gar wie die neunundneunzig Schneider aus dem Schlüsselloch? ^Mustert ihn geringschätzig^ Dünn gnug wärst dazu.
Mann
^deutet nach der Nebentüre^
Hab ein kleines bissel durch das Guckfenster glauscht. ^Weib zieht die Stirn kraus^ Den hast schon fest an der Halfter. ^Reibt sich vergnügt die Hände^ Und wie er zappelt und umschlagt. ^Klopft ihr auf die Schulter^ Weib, das hast gut gmacht.
Weib
^setzt sich und nimmt die Strickerei wieder auf^
Hm; das ist weiter eine Kunst: Die Mannsbilder sein ja so dumm; man könnt damit Türen einrennen.
Mann ^hebt den Finger^
Halt. Bin auch ein Mannsbild.
Weib ^strickt^
Aber Manndl; i mein doch nur den andern; den Kraftlackl da; du zählst doch nit mit. ^Da sie der Mann liebkosend streicheln will, abwehrend^ Geh laß das; reg dich nit auf; es könnt dir nit gut tun: Könntst auf Ja und Na wieder deinen Herzklopfer kriegen. ^Legt das Strickzeug beiseite, dann ernst^ Du, Mann. Was i dir noch sagen will: ^deutet mit dem Kopf nach der Nebentür^ Das Herumspionieren leid ich nit. Merk dirs. ^Murrend^ Das schauet ja bald aus, als -- trauetst du mir nit.
Mann
^sieht sie ganz verdutzt an^
Was nit trauen? ^Stutzig^ Wie kommst jetzt auf das?
Weib
^zuckt die Achsel, strickt^
Nit spionieren sollst. Mehr sag ich nit.
Mann
^sieht das Weib an. Dann etwas kühl^
Jetzt haben wir ihn soweit, wie wir ihn brauchen: Zeigt ers an, dann macht das kleine Paketl nit viel Straf aus; und zeigt ers _nit_ an, dann zeigen _wir_ ihn beim Kommando an; dann ist er gliefert. ^Dann resolut abschneidend^ Wir lassen es jetzt gut sein -- das ganze Spiel.
Weib
Halt. Nur nix überstürzen. ^Legt das Strickzeug weg und steht auf. Sieht den Mann mit beinahe drohenden Augen an^ Das werd dann schon _ich_ sagen, wenns gut ist; verstanden.
Mann
Aber Weib; mach nit solche Augen. Man möcht sich bald fürchten.
Weib
^lenkt wieder ein; kraut ihm wie einem Knaben lachend den Kopf^
Aber Manndl; wer wird sich denn fürchten. Sei froh; jetzt hast doch endlich ein richtiges Weib: Bis jetzt bin i nur so ein leerer Teigbatzen gwesen; aber jetzt ist im Teig Hefel drin. ^Reckt sich mächtig^ Mir scheint, jetzt geh ich erst auf.
Dritter Akt.
Mann
^sitzt am Tisch, der zum Teil mit hoch aufgetürmten Rollen von Gold- und Silberstücken bedeckt ist. Zählt und macht sich mit dem Bleistift auf einem Blatt Papier Notizen.^
Weib
^sitzt, die Hände im Schoß, in der Nähe des Fensters. Späht immer wieder, als ob sie jemand erwarte, heimlich durch die Scheiben. Nur um etwas zu sagen, gleichgültig^
Wieviel fehlt jetz noch zum Haus am Marktplatz?
Mann
^mit Zählen und Rechnen beschäftigt, vor sich hin^
Neuntausend und da tausend wär zehntausend; ^nimmt einen vollen Lederbeutel und entleert seinen Inhalt auf den Tisch^ jetz käm noch das dazu. ^Nachdem er flüchtig den Inhalt übersehen; froh^ Vielleicht langts schon. ^Zählt. Im Zählen innehaltend; zurücksprechend^ Was meinst, hat ers angezeigt, der Jäger?
Weib
Was kümmerts mich. Wir werdens wohl noch früh gnug erfahren, wenn die Hausdurchsuchung kommt.
Mann