Der Unterkiefer des Homo Heidelbergensis: Aus den Sanden von Mauer bei Heidelberg

Part 2

Chapter 22,790 wordsPublic domain

=Clausilia pumila Ziegl.= lebt gern an denselben Orten wie Helix bidens. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich CLESSIN zufolge nach Osten bis Siebenbürgen, nach Süden bis Kroatien, nach Norden bis Livland und Schweden; in Deutschland findet sie ihre Westgrenze, die noch nicht genau angegeben werden kann. Sie findet sich noch in Mecklenburg und Holstein, ebenso in Thüringen und geht bis zum Main bei Koburg und Ochsenfurt. Südlich des Mains ist in Deutschland noch kein Fund bekannt geworden, wie sie denn jetzt im Neckargebiete sicher fehlt.

=Valvata naticina Menke= lebt in schlammigen Stellen ruhigen Wassers der größeren Flüsse. Ihre Verbreitung ist eine östliche: Donau bei Budapest, Südrußland, Moskau, Livland, Ostpreußen, Landsberg a. d. Warthe. Im Neckargebiet fehlt sie jetzt sicher.

=Sphaerium rivicola Leach. sp.= ? lebt im Neckar, etwa von Marbach an; sie steckt im Sande zwischen den Steinen der Steindämme. Dem Oberlauf der Flüsse, die rasch fallen und viel Geröll führen, fehlt sie, wie die meisten großen und kleinen Bivalven. Sie ist über den größten Teil Europas verbreitet.

=Sphaerium solidum Normand.= hat nach CLESSIN in Deutschland fast dasselbe Verbreitungsgebiet wie Sph. rivicola; ist D. GEYER aus dem Neckar noch nicht bekannt, dürfte aber auch hier aufzufinden sein.

=Pisidium supinum A. Schm.= wurde von D. GEYER selbst im Neckar bei Besigheim gesammelt, scheint aber selten zu sein. Nach O. BOETTGER im Main zwischen Frankfurt und Mainz häufig. Da sie schwer aufzufinden ist, so ist ihr Verbreitungsgebiet nur ungenügend bekannt.

Die von ANDREAE a. a. O. mitgeteilte Liste der in den Mauerer Sanden festgestellten Säugetiere ist namentlich durch W. v. REICHENAU[64 u. 65], Beiträge zur näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von Mauer und Mosbach, erweitert und berichtigt worden, auf welche wichtige Arbeit bei den Bemerkungen zu den einzelnen Species Bezug genommen werden soll. Hinzufügen konnte ich selbst noch Sus scrofa var. cfr priscus Marcel de Serres, Cervus (Alces) latifrons Johns. und Felis cfr catus. Zwei von ANDREAE angeführte Arten: Elephas primigenius Blumenb. und Bos primigenius Boj. mußten ausgeschieden werden, da deren Reste wahrscheinlich aus der die Mauerer Sande überlagernden Lößstufe stammen.

Da in letzter Zeit ausschließlich die im Profil der Sandgrube am Grafenrain mit 1-10 bezeichneten Sandschichten abgebaut wurden, so stammen die von mir selbst jüngst gesammelten Tierreste sämtlich aus diesem Horizonte, =in welchem, und zwar in Schicht 4 0,87 m über der Sohle, der menschliche Unterkiefer gefunden wurde=. Daß aber auch die oberen über der Lettenbank lagernden Sandschichten 12-23, die früher ausgebeutet wurden, ergiebig an Säugetierresten waren, kann ich aus eigner Erfahrung bestätigen. Auch A. SAUER[70] bekräftigt dies in bezug auf Elephas antiquus, der, einer Bemerkung in den Erläuterungen zu Blatt Neckargemünd S. 67 zufolge, »in der Sandschicht b wie d, also nicht bloß im Liegenden, sondern auch im Hangenden der Lehmbank c (vgl. das untenstehende Profil[IV.]) aufgefunden wurde«.

[IV.] Anfang des Jahres 1898 bot die Sandgrube im Grafenrain nach SAUER folgendes Profil dar:

{0,5 m jüngerer Löß; Lößstufe {2 m Lößlehm; {3,5 m Löß und Lößlehm, in Wechsellagerung nach unten} älterer {zu deutlich geschichtet und sandig werdend } Löß, bzw. } Sandlöß.

Durch eine scharfe, nach NW einfallende Erosionsfläche getrennt, welche z. T. noch durch Anhäufung großer Gerölle von Buntsandstein markiert ist, folgen darunter:

{a. 0-2,5 m wohlgeschichteter, feiner, lichtgrauer { Sand; {b. 5 m licht-rötlichbrauner, scharfer Sand; Altdiluviale {c. 2,5 m sandiger, fester Lehm; Neckaraufschüttungen {d. 4-6 m gelb bis rotbrauner, scharfer Sand mit (Mauerer Sande) { Kieslagen, in den oberen Teilen mit { zwei etwa 0,5-1 dm starken Streifen { eines zähen, blauen Tones.

Ich lasse nun eine mit Erläuterungen versehene Aufzählung der in den Sanden von Mauer festgestellten Säugetiere folgen, wobei die in der Sammlung des Heidelberger geologisch-paläontologischen Instituts vorhandenen Fossilien besonders berücksichtigt sind. Um etwas Vollständiges zu bieten, wäre eine gründliche Bearbeitung des gesamten, in den verschiedenen Sammlungen vorhandenen Materials erforderlich -- eine Aufgabe, der sich erfreulicherweise in letzter Zeit einige Spezialforscher zugewendet haben.

=Felis leo fossilis = Felis spelaea Goldfuß?= Von einer großen Katze aus den Mauerer Sanden befinden sich im geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg ein isolierter P 4 (Reißzahn) des Oberkiefers und das Bruchstück eines linken Unterkiefers mit M 1 (Reißzahn), von dem die vordere Zacke fehlt; von P 4 und P 3 ist außerdem die Krone abgebrochen, und von C steckt nur noch ein Teil der Wurzel in der Alveole[V.]. Nach W. v. REICHENAU[65], der diese Objekte bestimmt, in seinen Beiträgen zur näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von Mauer und Mosbach S. 303/4 beschrieben und auf Taf. IX, Fig. 1 und Taf. X, Fig. 1 abgebildet hat, rühren sie von einem Individuum her, das, wie der stark abgenutzte P 4 sup. zeigt, in einem vorgeschrittenen Alter stand. Besagter Zahn weist relativ kleine Dimensionen auf: Seine Länge -- Vorderrand des Innentuberkels mitgemessen -- beträgt nämlich nur 36 mm, während sie sich sonst bei Felis spelaea zwischen 39-43 bewegt.

=Felis cfr catus=. Hiervon liegt ein 3. oder 4. Rückenwirbel vor, den ich jüngst in dem unteren Horizonte der Mauerer Sande angetroffen habe. Derselbe stimmt gut überein mit dem im Heidelberger zoologischen Institut befindlichen Skelet einer recenten Wildkatze aus der Umgegend von Heidelberg, nur sind die Dimensionen bei dem Wirbel von Mauer beträchtlich größer. Herr H. G. STEHLIN hatte die Freundlichkeit, unabhängig von mir eine Bestimmung des letzteren vorzunehmen, die mit der meinigen übereinstimmt. Er schreibt: »Sollte Felis catus ferus auch in den Mosbacher Sanden festgestellt sein, so würde ich den Wirbel auf diese Species beziehen; anderenfalls wäre er am passendsten als Felis cfr catus zu rubrizieren.« In der Revision der Mosbacher Säugetierfauna von H. SCHRÖDER[80] ist Felis catus ferus nicht aufgeführt.

=Canis Neschersensis (Croizet) de Blainville=. W. v. REICHENAU beschreibt in seinen Beiträgen S. 195-201 und Taf. X, Fig. 2-4 drei Unterkieferhälften aus den Mosbacher Sanden sowie zwei P 4 des Oberkiefers, einer ebendaher, der andere von Mauer -- letzterer im Museum Hildesheim --, die er dem C. Neschersensis zuteilt, der, in Größe zwischen Wolf und Schakal stehend, fast genau mit dem lebenden Pyrenäenwolf (C. Lycaon Erxl.) übereinstimmt.

[V.] Jüngst wurde noch ein Schädelfragment aufgefunden, dessen Zusammensetzung noch nicht beendet ist.

=Ursus arvernensis Croizet=. Von einem verhältnismäßig kleinen Bären wurden mehrfach Reste von Unterkiefern sowie auch einzelne Zähne in den Sanden von Mauer und Mosbach aufgefunden, die von W. v. REICHENAU bestimmt, in den bereits erwähnten Beiträgen beschrieben und z. T. auch abgebildet sind. Die mannigfachen Abweichungen, die Ursus arvernensis von den von RISTORI zu dem gleichen Formenkreise gestellten Ursus ruscinensis Depéret und Ursus etruscus Cuvier zeigt, sind in der v. REICHENAUSCHEN Schrift durch Maße belegt. Unter anderem geht daraus hervor, daß der Kiefer des Ursus arvernensis beträchtlich kleiner, bzw. kürzer ist, als die von RISTORI veröffentlichten italienischen.

Die Reste des Ursus arvernensis von Mauer sind leider in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Es befinden sich: 1) Im K. Naturalienkabinett in Stuttgart: eine linke Unterkieferhälfte mit der Zahnreihe, abgebildet bei v. REICHENAU Taf. VIII, Fig. 4. 2) Im Römermuseum zu Hildesheim: Bruchstück eines rechten Unterkiefers mit abgebrochenem Caninus, den Alveolen von P 1-3, mit P 4 und M 1 (v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 3); ferner isoliert: ein oberer Caninus und zwei untere (v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 11-13), sowie die Krone eines solchen. 3) Im geologisch-paläontologischen Institut der Universität Heidelberg: Ein oberer dritter Incisivus (v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 15), sowie die Krone eines an der Wurzel abgebrochenen Caninus, den ich jüngst noch in der Schicht des menschlichen Unterkiefers zu sammeln Gelegenheit fand.

=Ursus Deningeri v. Reichenau=. Dieser neue Formenkreis von großen Bären ist von W. v. REICHENAU an Resten aus den altdiluvialen Sanden von Mauer und Mosbach erkannt, die bisher dem Ursus spelaeus Rosenmüller zugesprochen wurden. Allein der Ursus Deningeri weist im Vergleich mit den Höhlenbären beträchtliche Differenzen auf. So besitzt z. B. sein vierter unterer Prämolar »an der Innenseite des kräftigen Protoconids zwei bis drei Sekundärhöcker, die durch eine Furche vom Protoconid getrennt sind«, was ihn vom Höhlenbären auf den ersten Blick unterscheiden läßt. Ursus Deningeri hat Verwandtschaftsbeziehungen zu dem ihm voraufgegangenen Ursus etruscus Cuvier, an den er sich bezüglich der Formen- und Größenverhältnisse, namentlich auch hinsichtlich der starken Variation des Schädels und Kiefers anschließt. Insbesondere zwingt, wie v. REICHENAU bemerkt, die Vergleichung des Unterkiefergebisses von Ursus etruscus und Deningeri geradezu zu der Annahme, daß letzterer aus ersterem hervorgegangen ist. Ursus Deningeri erreichte eine beträchtliche Größe, die derjenigen des Höhlenbären nicht nachsteht, wie der im Mainzer Museum aus dem Mosbacher Sande stammende Schädel erkennen läßt, dessen Schädelbasis vom Vorderrande des Foramen magnum bis zum Vorderrande der Alveole des mittleren Schneidezahnes 457 mm mißt. Das Profil des Ursus Deningeri-Schädels ähnelt am meisten dem recenten Ursus beringianus; nur sind die Nasalia des Ursus Deningeri mehr gewölbt und die Prämaxillaria mehr gestreckt. Die Schädelbasis des Ursus beringianus mißt übrigens nur 363 mm.

In einem Nachtrage zu seinen Beiträgen führt W. v. REICHENAU aus, daß in den ihm aus der Sammlung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft zugegangenen oberen Molaren von Mosbach sich Ursus Deningeri so sehr dem echten Höhlenbären nähert, daß ihm in ersterem eine Ahnenform der Spelaearctos spelaeus-Gruppe vorzuliegen scheine. »Aus der Etruscus-Arvernensis-Reihe würde sich zunächst die noch mehr polymorphe Deningeri-Reihe entwickelt haben, aus welcher dann diejenigen Höhlenbären hervorgingen, denen die drei vorderen Prämolaren des Unterkiefers fehlen.«

Von Ursus Deningeri aus den Sanden von Mauer befinden sich: 1) Im geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg: Ein Oberkieferfragment mit Gaumenplatte und Gebiß (M 2, M 1, P 4 gut erhalten, C z. T. abgebrochen, Incisivi fehlend); ferner die Kronen eines Caninus des linken Unterkiefers und eines M 2 des rechten Oberkiefers. 2) Im Römermuseum Hildesheim: ein Caninus. -- Die beiden letztgenannten Objekte sind abgebildet bei W. v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 5 u. 10.

=Sus scrofa var. cfr priscus Marcel de Serres=. Hiervon befinden sich im geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg zwei noch in den Alveolen steckende Molaren (M 3-M 2 inf. dext.), die nach einer Bestimmung des Hr. W. v. REICHENAU als Sus priscus Serres bezeichnet sind. Auch Hr. H. G. STEHLIN, der so freundlich war, sein Urteil über diese Zähne abzugeben, ist der Meinung, »daß sie ihren beträchtlichen Dimensionen nach ganz wohl zu Sus scrofa priscus Serres gehören können, obwohl sie in der relativen Breite ihren Äquivalenten an der Typusmandibel von Lunel-Vieil etwas nachzustehen scheinen. Die Frage, inwiefern Sus scrofa priscus für älteres Quartär charakteristisch ist, bedarf noch sehr der genaueren Prüfung. Tatsache scheint zu sein, daß S. scrofa des älteren Quartärs meist bedeutendere Körpergröße erreichte, als dasjenige der späteren Zeiten. Allein ich kenne neolithische Suszähne vom Rinnehügel am Burtnecksee, welche in Größe und Struktur auffallend mit der von HARLÉ im Altquartär von Montsaunés entdeckten übereinstimmen. Auch wird man gut tun, nicht zu übersehen, daß unter den vorderhand als S. scrofa priscus zusammengefaßten Materialien gewiß Differenzen bestehen, welche vielleicht noch einmal zur Unterscheidung =mehrerer= Varietäten führen könnten. Beim gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse ist das Tier von Mauer am passendsten als Sus scrofa var. cfr pricus Marcel de Serres zu rubrizieren.« -- Auch in den Mosbacher Sanden sind mehrfach einzelne Zähne von Sus scrofa aufgefunden. NEHRING, ein ausgezeichneter Kenner der Quartärfaunen Mitteleuropas, gibt an, daß er selbst bei seinen Ausgrabungen in dem Diluvium von Thiede (unweit Braunschweig), Westeregeln (zwischen Magdeburg und Halberstadt), Oberfranken, am Rhein usw. niemals den geringsten Rest von Sus gefunden habe, nur aus präglacialen und aus altdiluvialen Ablagerungen seien ihm solche bekannt geworden. Es ist dies verständlich, wenn man in Betracht zieht, daß die Wildschweine durch anhaltenden Frost ganz besonders leiden; sie können in dem festgefrorenen Boden nicht wühlen und sind somit in der Aufsuchung ihrer Nahrung sehr behindert. Weiteres hierüber findet sich bei O. SCHOETENSACK[79], Beiträge zur Kenntnis der neolithischen Fauna Mitteleuropas 1904 S. 13.

=Cervus (Alces) latifrons Johns=. Zu den häufigsten Resten gehören nach H. SCHRÖDER in den Mosbacher Sanden Skeletteile, Gebisse und Geweihe dieses riesenhaften Elches, dessen Schaufeln an einer sehr langen und kräftigen Stange sitzen. Auch mir fielen die überaus starken Molaren eines Cerviden in den Sanden von Mauer auf, die M. SCHLOSSER zu bestimmen die Freundlichkeit hatte. Einzelne Zähne dieses Elches sind schon in den alten Beständen der Heidelberger Sammlung vorhanden. Es gelang mir, solche aber auch in mehreren Exemplaren in der Fundschicht des menschlichen Unterkiefers festzustellen. -- So häufig wie in Mosbach scheint Cervus (Alces) latifrons in Mauer nicht gewesen zu sein. Von zwei zusammengehörigen Prämolaren des rechten Unterkiefers (Nr. 18 d. Heidelb. Sammlg.) mißt P 3 mesiodistal 24,7 mm und P 4 29 mm; der linguobuccale Durchmesser steigt bei ersterem bis zu 17,2 mm, bei letzterem bis zu 20,5 mm an; die Schmelzleisten sind ungemein kräftig ausgebildet.

=Cervus elaphus L. var.= Reste des Edelhirsches sind häufig in den Mauerer Sanden. Außer Skeletteilen der Extremitäten finden sich besonders oft isolierte Zähne sowie mehr oder weniger fragmentarische Unterkieferhälften. Eine solche (rechte) mit vollständig erhaltener Zahnreihe schließt sich in bezug auf die Länge dieser genau einem uns vorliegenden recenten Cervus elaphus aus der Schweiz an: Die Gesamtlänge von 3 P + 3 M beträgt bei beiden 118 mm; dagegen beträgt die Länge vom Angulus bis zum Incisivrand bei dem Mauerer Exemplar etwa 320 mm, bei unserem recenten aber nur 285 mm. RÜTIMEYER[67], Fauna der Pfahlbauten S. 59, gibt für den Unterkiefer des recenten Edelhirsches 300 mm und für den großen Pfahlbauhirsch sogar 345 mm an. -- Von einem mitten durchgebrochenen, sonst aber -- auch an beiden Gelenkflächen -- vollkommen erhaltenen Metatarsus gebe ich nachstehend die Maße, verglichen mit den von RÜTIMEYER mitgeteilten:

Mauer Pfahlbauhirsch Recent

Metatarsus, volle Länge 320 370 260 » obere Gelenkfläche quer 38,8 38 30 » untere » » 45 45 34

Von Geweihen, die leider nur in Bruchstücken vorliegen, scheinen sich hauptsächlich die kräftigsten erhalten zu haben. Diese gleichen z. T. den von POHLIG[62] in seiner Abhandlung »Die Cerviden des thüringischen Diluvial-Travertines« als Cervus (elaphus) Antiqui abgebildeten von Taubach; doch ist der Umfang der Stange unmittelbar über der Rose bei zwei von Mauer vorliegenden Exemplaren beträchtlicher (20 und 24 cm!). Ich möchte mir daher in der Bestimmung der Geweihreste des Edelhirsches von Mauer dieselbe Vorsicht auferlegen, wie sie H. SCHRÖDER »in Ansehung der ganz außerordentlichen Variabilität der Geweihe und der noch größeren Meinungsverschiedenheiten der Autoren über die Beziehungen und gegenseitige Abgrenzung der Varietäten, namentlich fossiler Hirsche« in seiner Revision der Mosbacher Säugetierfauna für geboten hält.

=Cervus capreolus L.= Reste vom Reh sind in den Mauerer Sanden nicht häufig. In der Heidelberger Sammlung befinden sich ein oberes und ein unteres Ende von zwei verschiedenen Geweihstangen, die von ausgewachsenen Tieren herrühren; ferner das Unterkieferfragment eines jugendlichen. Abweichungen von dem recenten Reh vermag ich nicht daran zu erkennen.

=Bison= sp. nov. ind. Ebenso wie in dem Mosbacher Sande ist ein Bison auch in Mauer häufig. Leider sind die seit Jahrzehnten hier aufgefundenen Reste in alle Himmelsrichtungen zerstreut, so daß ein Studium derselben sehr erschwert ist. Nach den Messungen, die ich an den in dem geologisch-paläontologischen Institut der Universität Heidelberg befindlichen zwei Schädelfragmenten, drei isolierten Hornzapfen und einem Unterkiefer vornehmen konnte, weicht der Bison von Mauer beträchtlich von dem in dem europäischen Diluvium weit verbreiteten Bison priscus Boj. ab. Er schließt sich, soweit sich dies nach den wenigen vorliegenden Resten beurteilen läßt, mehr an den recenten Bison europaeus Ow. an. Da eine erschöpfende Bearbeitung dieser Frage nicht in dem Rahmen dieser Abhandlung liegt, so beschränke ich mich darauf, den von mir genommenen Maßen einige von L. RÜTIMEYER[67], Die Fauna der Pfahlbauten S. 74 und H. v. MEYER[52], Nova Acta Acad. Leopold., 1835, S. 138 angeführte Vergleichszahlen beizufügen:

Masse des Unterkiefers[VI.] in Millimetern

Spaltenüberschriften:

A: Mauer B: Bojanus } C: Nordmann Paläontologie Südrußlands } nach Rütimeyer D: Robenhausen Pfahlbau }

A B C D

Höhe hinter M 3 68,2 65 68 -- Höhe vor P 1 42 38 -- -- Länge der Backenzahnreihe etwa 153 164 147 145 M 3 Länge 42,8 45 42 42 Breite 19,6 -- -- 17,5 M 2 Länge 27,9 31 27 27 Breite 19,4 -- -- 17,5 M 1 Länge 23,9 31 22 23 P 1-3 Länge etwa 56 56 57 50

[VI.] An demselben sind die bereits stark abgekauten Backzähne bis auf P 1 erhalten; Ast und Symphyse fehlen.

+---------------------+----------------------+ | Bison von Mauer | Bison europaeus | +---------------------+----------------------+ |Schädelfragment 1 | | | |Schädelfragment 2[VII.] | | | |Isolierter Hornzapfen 201 | | | | |Isolierter Hornzapfen 202 | | | | | |Isolierter Hornzapfen 211 | | | | | | +----------------------+ | | | | | |Berlin | | | | | | | |Paris | | | | | | | | |Petersburg | | | | | | | | | |Schönbrunn| ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+------+ Breite der Stirn | | | | | | | | | | | zwischen d. über d. | | | | | | | | | | | Einbiegungen | | | | | | | | | | | Augenhöhlen nach einer| | | | | | | | | | | geraden Linie | 264| 275| --| --| --|258|220|270|231| | ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ | Breite der Stirn | | | | | | | | | | | zwischen der Basis der | | | | | | | | | | | Hornzapfen | 260| -- | --| --| --|234|230|280|230| | ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ | Umfang der | | | | | | | | | | | Hornzapfenbasis | -- | -- | --| --|330|290| --| --| --| | ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ | Länge der geraden Linie | | | | | | | | | | | v. untern Teile der | | | | | | | | | | | Hornzapfenbasis bis | | | | | | | | | | | zur Spitze des Zapfens| -- | -- |300|295|230|285| --| --|230| | ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ | Dieselbe Länge nach der | | | | | | | | | | | Krümmung des Zapfens | -- | -- |330|330|290|498| --| --|320| | | | | | |[a]| | | | | | | | | | |385| | | | | | | | | | |[b]| | | | | | ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ | Längendurchmesser des | | | | | | | | | | | Hinterhauptsloches |44,5|43,5| --| --| --| 38| --| --| 30| | ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ | Entfernung vom | | | | | | | | | | | Hinterhauptskamme bis | | | | | | | | | | | zum oberen Rande des | | | | | | | | | | | Hinterhauptsloches | 102| 101| --| --| --|100| --| --|110| | ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ | Größte Breite des | | | | | | | | | | | Hinterhauptes nach | | | | | | | | | | | einer geraden | | | | | | | | | | | Grundlinie | 260| 260| --| --| --|246|200|265|240| | ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ | Entferng. v. ein. | | | | | | | | | | | Hornzapfenbasis zur | | | | | | | | | | | anderen am hintern | | | | | | | | | | | Teil des Schädels nach| | | | | | | | | | | ein. geraden Linie | 273| 300| --| --| --|302| --| --| --| | ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+------+ [a] vordere Curvatur [b] hintere Curvatur