Der Untergang der Deutschen Juden: Eine Volkswirtschaftliche Studie

v. Bleichröder, Beit auf Speyer, Friedländer-Fould, von Weinberg -- um

Chapter 212,748 wordsPublic domain

nur einige zu nennen -- sind convertiert. Aus den Kreisen der Wissenschaft wären viele Hunderte aufzuzählen, die nur noch der Rasse nach als Juden betrachtet werden können. Von vielen bekannten Forscher-Familien[29] und vielen Häusern der Haute-Finance ist es kaum mehr bekannt, daß ihr Aufstieg durch einen Juden eingeleitet wurde. In einer Arbeit (Archiv f. Rassen und Ges. Biol. 1911) zur Geschichte der Familie Samson habe ich Beispiele für den Uebergang der geadelten deutschen Judenschaft in die christliche Gesellschaft angeführt. Für die nobilitierten deutschen Juden bedeutete die Aufnahme in eine der Kreise der alten Geschlechter den letzten möglichen Aufstieg, den Höhepunkt ihres ehrgeizigen Strebens. ($Blau$ hat vor dem Krieg nachgewiesen, daß in Berlin unter den Austretenden allein 12 Personen, die mehr als 1000 Mk. Steuern zahlten, sich befanden, also damals Millionäre waren.) Bei der Sucht eine Rolle zu spielen, geachtet zu werden, ist die Taufe so lange eine Notwendigkeit, als die jüdische Gemeinschaft nicht nur fremdartig, sondern als $minderwertig$ den Deutschen und ihnen selbst erscheint.

Ueber die numerische Bedeutung belehren einige Berechnungen von $Hoffmann$, $Samter$ u. a. Danach gab es

1822-1840 Uebertritte in Preußen 2200 1841-1880 7000 1880-1912 6513

Für Dresden liegen genaue Erfassungen vor. Dort waren (1886-1911) 277 Austritte und 30 Eintritte.

In $Hamburg$ (nach Weigert) in $Wien$

Taufen Austritte Eintritte

1885-1890 281 1880 110 53 1890-1895 370 1890 302 60 1895-1900 381 1901/05 3104 500 1900-1905 404 1906/10 3073 766 1905-1910 363

in $Berlin$

Austritte

1873-1880 51 1881-1888 105 1889-1896 509 1897-1904 996 1905-1913 1324 1913-1919 1055

Für das Jahr 1903 hatte das Büro für Statistik d. J. eine Enquête für ganz Deutschland veranstaltet. Es wurden 20 Eintritte und 259 Austritte gemeldet, davon etwa 120 zum Protestantismus, während die „Mitteilungen” der evangelischen Landeskirche von 500 Uebertritten sprachen. Da viele Juden an Orten, wo man es sozusagen nicht wahrnimmt, aus dem Judentum verschwinden, kann letztere Ziffer richtig sein. Samter hat auch in Berlin höhere Taufziffern als Blau (Zeitschr. f. Statistik d. J. III. Jahrg. S. 149). Sie sind durchweg um das 2-3 fache so hoch als die Austrittsziffern, welche die jüdische Gemeinde gibt. Samter zitiert hierfür das städt. Jahrbuch der Stadt Berlin und das Allg. Kirchenblatt f. d. ev. Deutschland. Zusammen mit den Uebertritten zum Katholizismus und den Anschluß an die dissidentische Bewegung ist der Abfall vom Judentum (die Taufe etc. der Kinder jüdischer Ehen einbezogen) etwa um die Jahrhundertwende auf mindestens 1000 pro Jahr für Deutschland zu veranschlagen.

Die jüdischen Gemeindestatistiken ermitteln fast nur Täuflinge über 20 Jahre, 17-20 jährige betrafen nur wenige, kleine Kinder allein wurden ohne die Taufe der Eltern nie gemeldet, so daß die der Kinder allein statistisch nicht festgehalten wurde. $Artur Kahn$ hat in dem Blatt der Großloge für Deutschland geschrieben, daß s. Z. ca. 15% aller jüdischen Kinder am evangelischen Religionsunterricht teilnahmen. In einzelnen Lehranstalten steigt der Prozentsatz bis über 30%. Natürlich ist die Erteilung des Religionsunterrichts nicht nur eine rein platonische Ehrenbezeugung vor dem Christentum. Die Konsequenzen aus dieser Vorliebe für die Heilswahrheit des Evangelismus ziehen die Eltern bei passender Gelegenheit, sonst hätte diese Uebung keinen Zweck. Ebenso bedeutsam ist die Tatsache, daß in dem Jahr 1897 von 11668 jüdischen Kindern 1245 ohne Religionsunterricht waren.

Die Absentierung vom jüdischen Unterricht bedeutet eine starke Abneigung gegen die jüdische Religion, die leicht zur vollständigen Aufgabe jeglicher Beziehungen zur Religionsgemeinschaft führt. Blau hat in Gross-Berlin (Zeitschr. f. Stat. d. J. Bd. 11 S. 12) von 36671 Kindern rein jüdischer Ehen 416 in nicht jüdischem Glauben ermittelt, darunter nur 24 konfessionslos und 3 als katholisch, 389 evangelisch. Diese Auszählung gibt einen gewissen Ueberblick über die Kindertaufe. $Dora Weigert$ hat in einer eingehenden und trefflichen Arbeit für Hamburg nachgewiesen, daß von 100 ehelich geborenen jüdischen Kindern vom Jahre 1880-1910 1,6-3,6% getauft wurden, bei den unehelichen schwankt der Prozentsatz zwischen 10-18%, wir können also mit einer Taufe von Kindern rechnen, die für ganz Deutschland zwischen 1 und 2% aller geborenen liegt.

Nicht uninteressant ist es, der Berufstätigkeit der Täuflinge nachzuspüren. 1911 waren in Berlin unter den 148 Männern 45 Akademiker, also fast ein Drittel, was natürlich der Beteiligung dieser Berufe an der Bevölkerung nicht entspricht.

$Gotthold Weil$ hat in der „Jüdischen Rundschau” einige der Motive bloßgelegt. „Die Sorge der Eltern um ihre Kinder, die Furcht, daß diesen später einmal durch die Zugehörigkeit zum Judentum viele Schwierigkeiten im öffentlichen Leben erwachsen könnten, bestimmte die meisten nur nach dem Erfolg strebenden Eltern durch einen rechtzeitigen Austritt aus dem Judentum ihren Kindern wenigstens die äußeren Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die sie trotz großen Fleißes und starker Kämpfe für sich nicht zu beseitigen vermochten.”

G. $Wolf$ bemerkte in seiner Abhandlung „Die Judentaufen in Oesterreich” (Wien 1863) „Aller Sorge und Qual des unsäglichen Jammers und Elends konnte man sich mit einem Schlage entledigen. Das Taufwasser wäscht jede Schmach und jeden Makel weg; er, der noch gestern gramgebeugt einherging, kann heute stolz das Haupt emporgehoben einhergehen, noch mehr, er wird mit Amt und Würden ausgezeichnet.”

Neuerdings ist zum Austritt der Reichen und der Akademiker noch eine Abfallbewegung der Proletarier gekommen. Eine genaue Untersuchung der Wiener und Berliner Statistik hat diese auf den ersten Augenblick befremdende Erscheinung sichergestellt.

Die Taufe der Wohlhabenden ist der Ausdruck ihres Strebens über das Erreichte noch emporzukommen. Auf das Butterbrot der Konversion bekommt man, wie Nordau einmal sagte, alles gestrichen, sie ist das Entreebillet zur besten Gesellschaft, sie ist noch heute die conditio sine qua non, für akademische Lehrstätten, kurz für Amt und Würde und Auszeichnung. Ueber das Weihbecken geht der aussichtsvolle und bequeme Weg zu den Quellen der Macht und dem sprudelnden Born der Wissenschaft. In Ländern, wo die politische Gleichberechtigung und Gleichstellung der Juden restlos auch im Unterbewußtsein des Volkes sich durchgesetzt hat, ist die Taufe eine unbekannte Erscheinung. Im Lande D'Israelis und Ricardos ist sie heute überflüssig geworden, in Vergessenheit geraten, ebenso wie im Reich der Luzatti und Ottolenghi. Solange die Juden den Deutschen minderwertig erscheinen, wird die Taufe anhalten, und viele, die nicht die Kraft oder das Lustvermögen aufbringen, das Los der Mißachteten zu teilen, aus ihrer Mitte entführen. Die Juden, die dem Judentum den Wert absprachen, sind Produkte dieser Konstellation. $Rathenau$, $Samuel Lublinski$, $Benedictus Levita$, $Weininger$, $Fromer$, $Trebitzsch$ und andere handelten und schrieben unter dem Einfluß der politischen Lage.

Bleichröder meinte zu Bismarck (Zukunft 17. Jahrg. No. 32): Etwas sujet mixte muss auch der beste deutsche Jude bleiben, wie es schon in den Worten deutscher Jude liegt. Und es gibt nur drei Auswege aus dieser Doppelmischung: „Rückkehr nach Jerusalem oder wie es die meisten meiner Glaubensgenossen jetzt so halten, völlig Eins werden und Untergehen in dem germanischen Volkskörper.” Ein Königsberger Jude verstieg sich sogar zur Forderung der Zwangsmischehen, deren Kinder zu taufen seien (Grätz II 5. 263).

„Der moderne Jude ist in das Kulturleben der Wirtsvölker eingetreten (Fromer), nimmt an ihren Freuden und Leiden Anteil, und beansprucht gesellschaftliche und politische Gleichstellung. Er ist auf die Leiden nicht gefasst, hat keinen Trost, keine Linderung für diese Leiden und ist gegen die Auflösung, die er nicht will, durch nichts geschützt.”

$Marcuse$ findet in seiner Apologetik der Mischehe (Sexualprobleme (1912)): „Die Auflösung ein Schicksal, das zugleich aufs innigste zu wünschen und wie jede auf ihren Gesetzen sich vollziehende Entwicklung unabwendbar. So kann die Mischehe nur, was zum Sterben reif ist, einem schnelleren und schöneren Tod zuführen und der jüdische Deutsche darf, wenn er klar erkennt, was ist und was werden muss, mit Friedrich $Biach$ die Bezeichnung der Mischehe als eines Selbstmordes getrost anerkennen, aber als eines freien und freudigen Selbstmordes: Denn ich will nicht mehr das Selbst sein, das ich war, ich will dem herrlichen Volke angehören, in dessen Mitte ich geboren; stirb zur rechten Zeit: also lehrte Zarathustra, allzu lange haben wir gezaudert.”

Der deutsche Jude entlehnt einen Teil seiner Methodologie antisemitischer Lektüre. Chamberlain haben die meisten Juden gelesen. Der scharfe, kritische Geist erkennt am besten die Schwäche seines Volkes. Wie bei einem geschlagenen Heer, wenn die Kommando-Gewalt der Offiziere versagt, die Soldaten zu entweichen suchen, so drückt sich die Masse der Juden, die sich nur an ihren eigenen Interessen orientieren, denen das jüdische Joch zu schwer wird. Aus der Not wird eine Tugend. Die Aufgabe des eigenen Ichs zu einem kategorischen Imperativ -- der Abschied vom Judentum zur befreienden Tat.

Letzten Endes ist dieser Vorgang nichts anderes als ein Versuch aus dem sich entwurzelnden Judentum mit einem kühnen Sprung ins andere Lager zu springen.

Kompliziert wird aber die Judenfrage durch neue Einflüsse. Die jüdische Gemeinschaft des XIX. Jahrhunderts galt allgemein als religiöse Korporation. Die vom Sozialismus erfassten Kreise des Proletariats und ihres Umkreises haben aus politischen und kulturellen Erwägungen heraus den Kampf gegen den Katholizismus als den Bundesgenossen des Centrums und gegen die evangelische Kirche als die Beschützerin der bestehenden Rechtsordnung und der konservativen Richtung angenommen. Die Feindschaft ging somit gegen die Religionen als die Horte der Reaktion, als Fundamente des Autoritätsglaubens, des Konservativismus, dem der Fortschritt, die materielle und rein ökonomische Auffassung der Lebensprobleme entgegenstanden. Aus diesem $politischen$ Gegensatz resultiert die Verneinung der Existenzberechtigung der Konfessionen, die erbitterte Feindschaft der radikalen Parteien gegen die Kirchen und die Geistlichkeit. Die Abwehrstellung gegen die Religionen entspringt einer politischen Einstellung, die durch kulturelle Interessen gefördert wird. Auch im universellen Gedanken der Profeten stecken Ansätze, die zum Bund der allmenschlichen ethischen Gemeinschaft führen zum Ueber-Konfessionalismus, zu Formen der allgemeinen humanen Ethik, die in seiner vollen Tiefe Spinoza geahnt hat.

Der Jude mit seinem scharfsinnigen Geist und seiner ethisch prononcierten Ueberlegung hat am frühesten sich allen Bewegungen angeschlossen, die das geistige Ghetto, das die Völker umgab, durchbrechen sollten. Deshalb waren lange Zeit die Konfessionslosen meist jüdischer Rasse.

Ist die Taufe in gewissem Sinne eine Folge des Antisemitismus und ist die Taufe vor allem das Mittel des utilitaristisch denkenden Menschen, so ist der Austritt der Freidenker, Atheisten, Ueberkonfessionellen u. s. w. gerade das Stigma idealistisch gesinnter Personen, die in dem Abstreifen einer engherzigen Religionsgemeinschaft eine kulturelle Tat begangen zu haben glauben.

Solange das Judentum als rein religiöse Organisation fungiert, werden sich welche von ihm absondern, die keine religiösen Interessen oder nicht die jüdischen besitzen. Dabei wird die Erleichterung des Austritts ihre Zahl um das Heer derer vermehren, die aus den simpelsten finanziellen Erwägungen (die aber heute für jeden Haushalt von weittragendster Bedeutung sind) heraus den Augenblick begrüßen, einer der vielen Belastungen zu entgehen, mit denen man in Deutschland zur Stunde recht gesegnet ist.

Das Bekenntnis zum Judentum ist eine freiwillige Willensäußerung. Sie appelliert an die Ueberzeugung, an das Gefühl des einzelnen, aber es steht ihr kein Machtmittel zur Verfügung, ihre Mitglieder festzuhalten. Vorerst hat sie keine Möglichkeit, ihre Anhänger von ökonomischen, kulturellen, politischen und anderen Interessengebieten unabhängig zu machen. Wohl können sich einzelne persönlich in vielem freimachen, die Mehrzahl, die in Deutschland lebt, wird wohl ihren Anteil an den Lebensformen der Umwelt nehmen. Solange die Judengemeinschaft bestehen bleibt, dauert dann der Anreiz an, der Zwitterstellung zwischen Deutschen und Juden zu entsagen. Mögen in jüdischem Lager die Philosophen und Literaten, die Theologen und Politiker die Unterschiede in der Rassenpsyche und der letzten Mentalität der beiden Volksteile bestreiten, die Konkruluz des Deutschtums und des Judentums beweisen, das Unternehmen wird immer ein akademisches bleiben, so lange die tatsächlichen Kontraste, die Randspannungsgefühle der beiden Gemeinschaften nicht einen gewissen Ausgleich gefunden haben. Ob dieser letzten Endes bei den Menschen überhaupt und gerade den Deutschen möglich ist, ist nicht a priori abzusehen. Im Orient haben Jahrhunderte lang fremde Rassen nebeneinander gelebt, das alte römische Reich war vielerorts das Sammelbecken der verschiedensten Völker, in Indien sollen verschiedene Nationen friedlich nebeneinander hausen.

Vorerst hat die deutsche Judenheit in den letzten hundert Jahren ihren Zusammenhang mit dem nationalen Judentum gelöst und die religiösen Absonderungsgesetze und Sitten gelockert. An die feste Vorstellung von der Auserwähltheit des jüdischen Volkes, das in jedem Anhänger das unbedingteste Vertrauen an die Zukunft der eigenen Nation, die Hoffnung auf den Messias so fest verankerte, daß kein Zweifel möglich war, trat eine rationalistische ethische Vorstellung von Gott und der Welt, losgelöst von alter Form und ureigenstem Inhalt.

Der Nivellierung, Assimilierung und Entjudaisierung ist gerade dadurch, daß nunmehr das Judentum die festen nationalen und religiösen Umrisse verloren hat, die Arbeit der Auflösung leicht gemacht. Dass die deutschen Juden die Rückkehr zum nationalen und religiösen Judentum antreten werden, ist unwahrscheinlich. Wie wenig das neologe religiöse Judentum die Erhaltung bewerkstelligen konnte, belegt die Geschichte des ganzen XIX. Jahrhunderts. Ob dem $nationalen$ Judentum, also einer Komponente des jüdischen Komplexes, die Kraft des ursprünglichen nationalen und religiösen Judentums inne wohnt, ist fraglich.

Nicht der Sieg über die neologen und religiös interessierten Juden, nicht die Erreichung neuer Gesetze wird ihre letzte Bedeutung belegen, sondern die Fähigkeit des Nationalismus, alle Juden zu erfassen und das Judentum zu binden, insbesondere das Sexualleben so zu regeln, dass Eros sie nicht außerhalb der Gemeinschaft hinausführt, ein Unterfangen, dem man nur mit größtem Skeptizismus gegenüber treten kann ...

Selig die, denen diese Gedankengänge überflüssig und zu schwarz erscheinen!

KAPITEL XI.

$DIE MISCHEHE$.

_Religion und Inzucht waren die beiden eisernen Reifen, die das jüdische Volk fest umschlossen und als eine einzige feste Masse durch die Jahrtausende erhalten haben. Und wenn sie sich lockern? Was wird dann die Wirkung sein?_

_Werner Sombart._

„Das genealogische Moment hat die Nationen nicht geschaffen, sondern sie fixiert. Die Vererbung ist ein Zeichen und das Resultat der Nationalität, aber nicht ihre Ursache. Nicht der Beginn, sondern die weitere Existenz wird durch die Vererbung erklärt” ($Bluntschli$: Die nationale Staatenbildung, gesammelte Schriften). Mit anderen Worten: Nachdem eine gewisse Menschengruppe, die aus den verschiedensten Rassenbestandteilen zusammengewürfelt sein kann, untereinander in engere Verbindung getreten ist, wird nach D. $Pasmanik$ durch Wechselheiraten und Vererbung ein bestimmter Menschentypus fixiert und konserviert. Der ursprünglichen wahllosen Vermischung der Juden in der Zeit ihrer Volkswerdung suchten einzelne weitsehende jüdische Politiker entgegen zu treten. Die Vorkehrungen gegen die Mischehe und die sie verwerfende Stellen deuten darauf hin. (Abraham und Isaak -- Jacobs Brautfahrt, Deut. 23, 4, 8, 9, die Eheverbote mit den Amalikitern, Moabitern, Edomitern und Egyptern. Es sei an Ex. 34, 15, 16, und Deut. 7, 3, 4, erinnert).

Unter Esra und Nehemia wurde der Kampf um die Reinerhaltung der jüdischen Art bewußt durchgeführt. Auch im Talmud befinden sich viele dahin zielende Auslassungen. Maimonides und insbesondere der Schulchan Aruch, der diese Entwicklungen abschliesst, kommt zu einer absoluten Verwerfung der Mischehe. Praktisch hat (nach dem Schrifttum) Esra am konsequentesten gehandelt, indem er die damals in Palästina existierenden 113 Mischehen verwarf und ihre Auflösung durchsetzte. So alt die Geschichte der Juden ist, so oft wiederholen sich aber Ansätze und Ausbreitung der Mischehe. Moses heiratete die Tochter eines midianitischen Götzenpriesters, die allerdings rassenmässig einem nicht sehr fernestehenden Stamme angehörte. Die Sexualbeziehungen von Simson und David, des Sohnes der Moabiterin Ruth, Salomons, des Nachkommens einer hittitischen Mutter, Ahabs u. a. darf man als bekannt voraussetzen. Ich verweise hierbei insbesondere auf die Arbeit von Dr. $Fritz Kahn$, „Die Juden -- als Rasse und Kulturvolk,” Welt-Verlag 1920, und Dr. Tänzers „Die Mischehe,” Berlin 1913.”

Eine Rolle in der jüdischen Religion und in den Festen dieses Volkes spielen die Vorgänge am persischen Hofe zur Zeit der Königin Esther, und man kann es den Kabbalisten nicht verdenken, daß sie deren Andenken verwarfen. Unter den Hasmonäern in der Zeit des Hellenismus tritt die Mischehe recht stark auf. Im Mittelalter gibt es sogar in Deutschland (900-1100) erotische Wechselbeziehungen mit der christlichen Umgebung.

In der Geschichte der Rassenforschung ist die Frage nach der Vermischung der Juden des häufigen aufgeworfen worden. Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, schwankt das Urteil über die Beimischung fremden Blutes.

Historisch wichtig ist, daß im XVI., XVII. und XVIII. Jahrhundert Mischehen im gesamten Judentum der Welt zu den Ausnahmeerscheinungen gehörten. Diese sexuelle Abgeschlossenheit, wird durch die Mischehe durchbrochen in der Zeit der Emanzipation und in hoc signo. Napoleon wollte jeden dritten Juden zwingen, einen christlichen Gemahl zu nehmen, sein Staatsrat wies allerdings eine solche Maßnahme zurück. Sogar Bismarck war für die Zucht des arischen Hengstes mit der semitischen Stute, wie auch E. v. Hartmann und andere die providenzielle Beimischung des jüdischen Blutstropfens als einen Segen für den deutschen Michel hielten. Sogar im jüdischen Lager wurde für die Mischehe Propaganda gemacht.

Natürlich fanden sich auch Gegner. So protestierte H. St. Chamberlain gegen die Idee einer Infizierung der Indoeuropäer mit jüdischem Blut. „Ginge das ein paar Jahrhunderte fort, es gäbe dann in Europa nur noch ein einziges rassereines Volk, das der Juden; alles übrige wäre eine Herde pseudo-hebräischer Mestizen und zwar ein unzweifelhaft physisch, geistig und moralisch degeneriertes Volk.”

Die Kenntnis und Benutzung des Hebräischen als Kultursprache, des jüdisch-deutschen als Umgangsdialekt, die absolute Befangenheit im jüdischen Glauben verbanden sich als psychische Voraussetzungen für die Inzucht. Das Einheiraten in die Gruppe derselben Menschen, hatte zur Erhaltung eines körperlich von anderen unterschiedlichen Typus geführt, der zwar nicht reinrassig in dem Sinne ist, als ob nur eine und dieselbe Form von Menschen am Eingang der jüdischen Nation bestanden hätte.

Aber die stetige Verschwägerung der Juden führte zu einer körperlichen Verwandtschaft, die sich im Aussehen allein schon anzeigt. $Fishberg$ hat ganz recht, wenn er von der Mischehe das völlige Aufgehen des Judentums erwartet, weil die Kinder von Mischpaaren nicht mehr Träger der jüdischen Rasse sein können und religiös zumeist aus dem Judentum ausscheiden.

Die Mischehe ist dementsprechend eine weitere Form der Auflösung der jüdischen Gemeinschaft. Die Wege zur Mischehe sind verschiedentliche. $Sie liegen letzten Endes nicht wie die Taufbewegung auf politischem Gebiet, sondern auf sozialem.$ Ist die Geburtseinschränkung ein vornehmlich durch ökonomische Ursachen bedingter Vorgang, so führen gesellschaftliche Momente zur Vermischung. Man kann ihre einzelnen Vorausbedingungen einbeziehen in das Gebiet der:

1. Liebe,

2. Gewöhnung,

3. Rasseprobleme,

4. gesellschaftlichen Angleichung.

1. Die Wege der Liebe sind oft wunderbar. Aber erst die Neuzeit, welche die Schranken zwischen den einzelnen Klassen und Kasten wegräumt, hat im Erwerbsleben, im gesellschaftlichen Umgang auf Schritt und Tritt den jüdischen und nichtjüdischen Mensch einander näher gebracht. Ob die psychischen Differenzen durch die erotischen Beziehungen, die zwei so verschiedene Charaktere aneinander knüpfen, auf die Dauer überbrückt werden, diese Ueberlegung versagt, wo starke Erotik alle übrigen Denkvorgänge zurückdrängt. Das Ideal der altjüdischen Ehe war die Heirat durch den Segen der Eltern und nach deren Willen und Bestimmung. Das Idol der heutigen und kommenden Bindungen ist die völlige Abkehr von allen Konventionshindernissen.

2. Die Gewöhnung als Voraussetzung zur Mischehe besteht in der Fortsetzung des Verhältnisses in der Legalisierung des Zusammenlebens. Der Student, der Handlungsgehilfe, der sich in seinem Drang einen Kameraden sucht, nimmt ihn häufiger aus dem christlichen Volke, da sich die Jüdinnen weniger leicht hingeben. Mit der Zeit, durch äußere Umstände, Schwangerschaft, Geburt eines Kindes, Infizierung und so weiter findet die ursprünglich nur auf kurze Zeit gedachte Verbindung ihren Dauerzustand in der Ehe.

3. Um gesellschaftlich emporzukommen, verheiraten sich reiche Jüdinnen mit verarmten Adligen oder wohlhabende Juden mit Nichtjüdinnen aus vornehmen Hause. Die Jüdin, die in ihrem Kreise keinen Mann findet, insbesondere die arme, ist froh, wenn sie einem Nichtjuden gefällt. Denn der innerste Beruf des Weibes ist ihr Streben nach der Hingabe. Und die Vereinsamung um Volkes willen mag ein gutes nationales Ziel sein. Rein menschlich betrachtet ist dieser Idealismus obsolet. Vielfach kann sich auch das heterogene Geschlechts- und Schönheitsempfinden ausleben erst in den Beziehungen zur Umwelt. Der dunkle Jude, auf den das blonde schlichte Gretchen, die große schlanke Frauengestalt der Deutschen wirkt: Les extrêmes se touchent. Die Juden fangen bereits an, bei der Wahl des Ehegatten das Schönheitsideal des sie umgebenden Volkes anzuerkennen, die jüdische Art und den jüdischen Typus zu meiden und den sogenannten arischen zu bevorzugen. In jüdischen Heiratsannoncen wird oft die blonde Haarfarbe hervorgehoben und sogar die geschmackvolle Bemerkung „nicht jüdisch aussehend” ist nicht allzu selten (Ruppin).

Umgekehrt erotisiert die schwarze Jüdin, mit ihrem Reiz, ihrer Eigenart, und ihrer geistigen Aufgewecktheit den Nichtjuden; selbst ausgeprägte antisemitische Ueberlegungen treten oft zurück, wo schöne Judenmädchen mit Feinden ihres Volkes in Berührung kommen.

Und schließlich wäre es sonderlich, wenn in einer Zeit, in der die sexuellen Beziehungen so stark gelockert sind, in der eine vollkommene Vermischung der Rassen, eine bunte Liebeslust die Menschheit ergriffen hat, nicht auch nahe Beziehungen zwischen den Individuen der germanisch-deutschen und der deutsch-semitischen Gemeinschaft entstünden.

Die von Napoleon I. berufene jüdische Nationalversammlung -- als das Sanhedrion bekannt -- hat erstmalig der Schließung einer Mischehe zugestimmt. Allerdings in der stark gewundenen Form, diese stehe in Uebereinstimmung mit dem bürgerlichen Gesetz, und dürfe, wenn auch gegen den jüdischen Ritus vorgenommen, nicht den Vorwurf für den rabbinischen Bann abgeben. Die Versammlung der jüdischen Theologen in Braunschweig (1844) und die Synoden von Leipzig und Augsburg sanktionierten die Mischehe, wenngleich mit dem Vorbehalt der jüdischen Erziehung der Kinder. Die in den 70er Jahren eingeführte Zivilehe bot vollends jedem die Möglichkeit der freiesten Eheschließung. Daß sich dabei die Eheschließenden nicht an die Wünsche der Rabbiner kehrten und die Kinder in Mischehen zum größten Teil im anderen Glauben erzogen, ist selbstverständlich. Insbesonders ist es einer Jüdin nicht leicht, von ihrem christlichen Ehemanne zu verlangen, daß er die Kinder in ihrer Religionsgemeinschaft aufwachsen lasse, der er selbst fernsteht und die in Deutschland als etwas minderwertiges erscheint. Die Mischehe ist ein Bund zwischen zwei Partnern, von denen der jüdische einer in der Oeffentlichkeit wenig beliebten Gemeinschaft angehört[30].

Die Freiheit der sexuellen Betätigung, die heute der Mann genießt, erobert sich immer mehr und mehr das in der Großstadt selbständige, von der Aufsicht der Familie losgelöste Mädchen. Durch die Erschwerung der Eheschließung kann sie sich nicht mehr darauf verlassen durch die Mitgift oder die Macht der Eltern an den Mann gebracht zu werden, so wünscht sie sich selbst zu versorgen und ihren Anteil am Leben und Genießen zu erhaschen. Dieser Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen. Ich möchte fast glauben, daß er erst richtig einsetzt. J. D. Meyer hat die Frankfurter Mischehen untersucht (Zeitschr. f. St. d. J.) und eine auffallend hohe Verehelichungsziffer armer Jüdinnen mit Christen gefunden, während die jüdischen Männer besonders des Mittelstandes sich christliche Partnerinnen wählten.

Die Mischehe ist aus dem Stadium herausgetreten, in dem sie eine Seltenheit war. Heute wo sie etwas alltägliches ist, findet sie keine Verurteilung und so werden die Widerstände von allen Seiten geringer und mit dem Sinken der Hemmungen wird sie nur selbstverständlicher.

Es gehört auch hier eine gesunde Naivität dazu, das plötzliche Aussetzen eines überall wirkenden Vorganges zu erhoffen, das Versiegen einer soziologischen Erscheinung zu erwarten. Die aus so vielen Ursachen bedingte Mischehe ist letzten Endes dadurch kurz erklärt, daß unter 100 Nichtjuden ein Jude lebt, der nach Ableugnung des nationalen Bandes nur noch mit einigen Vorstellungen über Gott und die Welt Beziehungen besonderer Art zu anderen Juden unterhält, wobei aber auch hier krasse Differenzen zwischen den Glaubensvorstellungen des konservativen und liberalen Juden auftreten. Objektiv ist der Unterschied in der Religionsauffassung zwischen gesetzestreuen und neologen Juden stärker als zwischen neologen Juden und ebensolchen Evangelischen. (Der unbewußt empfundene jüdische Nationalismus wird bewußt durch diese neologe offizielle Judenheit geleugnet und bekämpft). Ohne nationalistische Einstellung ist also die Mischehe bei diesem Standpunkt nicht zu verwerfen. --

$Mischehen in Preußen$

1875-1879: 1195 1895-1899: 2318 1880-1884: 1228 1900-1904: 2452 1885-1889: 1466 1905-1909: 3435 1890-1894: 1566 1910-1914: 4279 ------ ------ 1875-1894: 5455 12384

in % der rein jüd. Ehen waren Mischehen

1876-1880: 9,6 1896-1900: 17,5 1886-1890: 12,8 1906-1910: 26,5

Mischehen in Deutschland

in % d. jüd. Ehen

1900-1902: 1952 17,0 1912-1913: 2232 30,25

in Berlin (im Durchschnitt)

jüdische Mischehen

1875-1880 284 146 1881-1890 469 183 1891-1900 574 181 1901-1910 608 252 1911-1914 502 291

Es wurden Mischehen -- $stehende$ -- 1910 in Preußen ermittelt: 3643 mit 1675 Kindern davon 782 jüdische, also auf fast 5 Mischehen ein jüdisches Kind.

Stehende Mischehen in $Berlin$.

Vater Mutter Zahl der Ehen Kinder davon jüdische

ev. jüd. 641 763 164 kath. jüd. 81 88 30 sonst. jüd. 105 154 56 Jude ev. 1124 1199 340 Jude kath. 117 119 37 Jude sonst. 79 95 64 ---- ---- ---- 2147 2418 691

Von 1875-1914 wurden in Preußen 18000 Mischehen geschlossen, wobei die Mischehen nicht ermittelt sind, die zwischen getauften Juden und Nichtjuden eingegangen wurden. Insgesamt müssen es mehr denn 20000 gewesen sein. Gegenüber den jährlichen rein jüdischen Ehen in Preußen von durchschnittlich 2500 bis 2700 handelt es sich um recht respektable Ziffern. Die Großstadt liefert ein besonders reichliches Kontingent. Hamburg, Berlin, Frankfurt und München bezeugen es. Einen Ueberblick über die Mischehen im Reich ergibt die Tabelle, nach der auf 100 jüdische Ehen (1901) 17 Mischehen trafen, die sich bis (1909) auf 25,4 vermehrten. In letzter Zeit scheint die Mischehe 1/8 bis 1/7 der Heiratenden ergriffen zu haben. Die Vermischung kann aber noch zunehmen. Die Verhältnisse in Dänemark ergaben in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts auf 100 jüdische Ehen 96 Mischehen und für Schweden (1901-1908) 135 gemischte auf 154 reine Ehen, so daß selbst in Ländern, in denen eine russische Einwanderung vorherrschte, bei der starken Assimilierungstendenz der Einheimischen eine rasche Vermischung eintrat. Erhebungen aus Italien, Frankreich, Ungarn, Holland, der Schweiz und Australien unterrichten uns über den internationalen Charakter dieser Erscheinung.

Ich habe mich in der ersten Auflage des „Untergangs” mit den Verhältnissen in anderen Ländern eingehend befaßt. $Wilhelm Müller$ spricht vom amerikanischen Judentum im 19. Jahrhundert (Nr. 34 der Zukunft):

„Von den Reformierten sagt der französische Schriftsteller Henry Barky, dass es die wahren Vertreter des Judentums in Amerika seien. Ihre Religion ist Deismus und ihr Ritus ein Ausdruck des Gefühlslebens, der die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet. Diese Hauptaufgabe erblickt er jedoch in tatkräftiger Verwirklichung sittlicher Ideen. Mit dieser Auffassung nähern sich die Juden den liberalen christlichen Kirchen. Mr. Copp meinte, die religiöse Entwicklung der Juden habe sie dem liberalen Christentum zugeführt. Damit geht Hand in Hand die Abschaffung des Sabbaths, den Rabbiner Dr. Isidor Singer einen alt semitischen Aberglauben nennt.”

Wie das Deutschtum im Amerikanertum aufgegangen ist, so sieht schon jetzt eine Anzahl bekannter Juden die jüdische Zukunft in demselben Licht. Zangwill bezeichnet in seinem Drama: „Der Schmelztiegel”:

..... ein Aufgehen der Juden im Amerikanertum durch Zwischenheirat als das voraussichtliche Los seines Stammes.

Damit fände wie so mancher wegmüde Wanderer auch Israel im großen gastlichen Land der Freiheit Ruhe und Frieden.

In Sombarts „Judentaufen” verbreitet sich $Zangwill$ über die Bedeutung der Zwischenheiraten.

„Hätte uns der Christ stets christlich angefasst, kein einziger Jude lebte heute in Europa. Ganz abgesehen von den Ereignissen im Ausland, ist in Deutschland die Mischehe kein Produkt des Zufalls, sie ist eine heute weitverbreitete Erscheinung, die bei einigen Wechselverbindungen zwischen Volksteilen, die sich immer mehr ausgleichen, auftreten muss. Die jüdische Gesamtheit bietet wohl noch Differenziertheiten. Diese Eigenart kann von einzelnen Individuen übersehen oder mit in den Kauf genommen werden. Der Jude ist an und für sich keine besondere Erscheinung mehr. Sein Geld, seinen Beruf, seine Anschauungen besitzen auch Christen.”

$Zollschan$ hat in einigen markanten Sätzen zusammengefasst, was zu sagen ist: „Völkerstämme, die untereinander wohnen, vermischen sich stets, wenn die Ehe nicht durch das Gesetz oder die Religion verboten ist. Die Juden wohnen vermischt mit den anderen Völkern. Das Zivilgesetz gestattet heute die Mischehe. Die sexuellen und materiellen Interessen sind mächtiger als jede konfessionelle Schranke, namentlich wenn an diese selbst nur mehr eine blosse Erinnerung besteht. Die statistisch konstatierten Erfahrungen stimmen mit diesem Syllogismus überein.”

Professor $Dr. Eduard Steiner$, der Kenner des amerikanischen Judentums, befand: „Es ist zweifellos, dass das jüdische Volk in Amerika ernsterer Krisis entgegengeht als einst im babylonischen Exil. Das amerikanische Judentum geht einer Katastrophe entgegen. Der Auflösungsprozess wird nur durch den Zuzug von Juden aus Russland und Polen verzögert. Der Durchschnittsjude hat sich so weit amerikanisiert, dass er bereits vollständig seine Herkunft und Abstammung vergessen hat. Amerikanisierung und Assimilation sind nur zwei Seiten derselben Medaille, sind ein einheitlicher Prozess.”

$Ruppin$ hat in klassischer Prägnanz die Inzucht der Juden gedeutet: „Ob die Juden von ihrem Eintritt in die Geschichte an eine einheitliche Rasse gebildet und diesen einheitlichen Charakter stets bewahrt haben, steht völlig dahin. Als sicher aber kann gelten, dass die Bekenner der mosaischen Religion gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts nach vielen Jahrhunderten strengster Inzucht innerhalb eines relativ kleinen und räumlich beschränkten Kreises eine durch anthropologische Merkmale von ihrer christlichen Umgebung scharf unterschiedene Gemeinschaft bilden. Im XIX. Jahrhundert sind manche Angehörige dieser Rasse von der jüdischen Religion zur christlichen übergetreten, andere haben einen christlichen Ehegatten geheiratet und ihre Kinder dem Christentum zugewendet, sodass sich jetzt Angehörige der jüdischen Rasse auch unter den Anhängern der christlichen Religion befinden. Dem gegenüber sind die Fälle, in denen Christen (d. h. anthropologisch gesprochen Germanen, Slaven u. a.) durch Uebertritt zum Judentum oder auf dem Wege der geschlechtlichen Vermischung mit Juden zu Bekennern der mosaischen Religion geworden sind, so selten, dass man sie ohne erheblichen Fehler ganz vernachlässigen und auch heute noch $alle Anhänger der mosaischen$ Religion als Anhänger der jüdischen Rasse bezeichnen kann.”

$Die Inzucht gewährleistet das einzige objektiv jüdische Kennzeichen, erhält die körperliche Eigenart des Juden, während das Bekenntnis der jüdischen Religion oder zur Nationalität nur ein subjectives Merkmal, die momentane geistige Willensrichtung, die Empfindung der Zugehörigkeit darstellt.$

Die jüdische Inzucht ist die letzte Komponente, die die Eigenart erhält. Daher sehen die Vorkämpfer der rein religiösen Gemeinschaft die Mischehe, selbst wenn der Partner die jüdische Religion annimmt, durchaus nicht gern. Die Aufhebung der Inzucht bedingt einen Verlust der Eigenart und heißt sich selbst aufgeben.

Für die Umwelt hat die Mischehe keine große Bedeutung. Es hat sich herausgestellt, das die Kinderzahl in jüdisch-christlichen Ehen das Zweikindersystem schon längst verlassen hat und zum Einkind übergegangen ist. (Ueber die Statistik u. dgl. siehe die verschiedenen Arbeiten M. Marcuses u. a. in den Sexualproblemen, 1911, und die 1. Auflage dieses Buches).

Die Entwicklung der Fruchtbarkeit in der Mischehe deutet darauf hin, daß auch hier rationalistische Einflüsse die Geburtenzahlen herabdrücken und wir es mit den allgemeinen Erscheinungen zu tun haben, denen wir allgemein bei der Erörterung des Geburtenproblems näher kamen. Die Anschauungen der Anthropologen, welche diese geringe Fruchtbarkeit auf die Rassenverschiedenheiten zurückführen, wie Lapouge, erscheint mir nicht mehr stichhaltig. Wohl aber mag ein seelischer Reiz oder vielmehr eine psychische Hemmung vorliegen, welche die Ehegatten den Nachwuchs noch weniger erwünscht sein läßt als bei rein jüdischen Ehen. Wegen der Verschiedenheit der Religion bringt die Geburt eines Kindes die unangenehme Frage und die Entscheidung mit sich, in welchem Glauben man es aufziehen soll. Die beste Lösung aller bevorstehenden Differenzen ist und bleibt die Geburtenverhinderung. Umsomehr, als insbesonders beim jüdischen Partner der Wille, den Namen und die Familie zu erhalten, von geringer Bedeutung ist. Vor allem aber sind die Ehegatten überaus moderne Menschen, die in ihrem Liebesleben der Allgemeinheit und der Umwelt keine Konzessionen zu machen wünschen und ihren Bund als die einfache Beziehung zwischen zwei Menschen ohne Berücksichtigung der Interessen der Verwandtschaft, der Rassen oder des Volkes, aufgefaßt wissen wollen. Da die Mischehe gerade in den assimiliertesten Kreisen stattfindet, ist die Unterfrüchtigkeit der Ausdruck der Gebär-un-Freudigkeit (sit venia verbo!) dieser Schichten.

Ich habe in meiner Untersuchung der Entwicklung der Berliner Juden den geringeren Anteil der ausländischen Juden an den Mischehen nachgewiesen. Während im Jahre 1909 der Anteil der Ausländer an jüdischen Eheschließungen 16,4% betrug, waren sie unter den Mischehen mit 10,8 vertreten. Ohne diese Einwanderung wäre der Mischehekoëffizient noch größer.

Bei der Mischehe wird ein hoher Prozent (12 vom 100 nach Dr. A. $Kahn$) wieder aufgelöst. Die Individualitäten, die in diesen Ehen praevalieren -- im Gegensatz zu den Partnern der Konvenienzehe -- scheinen rascher davon zurückzutreten, wenn sie ihren Zweck der Ehe d. i. ihr persönliches Glück nicht finden.

$Sombart$ schrieb in der „Zukunft der Juden”: „Die Kinder, die den Mischehen entspringen, so wunderbar schön und so hochbegabt sie oft genug sind, scheinen doch des seelischen Gleichgewichts zu entbehren, das rassenreine Blutmischung gewährleistet. Wir finden unter ihnen gar zu häufig intellektuelle oder moralisch disäquilibrierte Menschen, die entweder sittlich verkommen oder mit Selbstmord oder in geistiger Umnachtung endigen. (Obwohl sich darüber zuverlässige Aussagen, die auf mehr als der persönlichen Erfahrung beruhen, beim heutigen Stand unseres Wissens Schlüsse nicht machen lassen).”

Derartige Werturteile entbehren vorerst der eingehenden Beweisführung. Einige bekannte Größen, wie $Ludwig Gurlitt$, $Heyse$, $v. Hofmannsthal$, v. Bayer$, $Nobel$, $Dernburg$ entstammen jüdischen Mischehen. Da die Zahl der in Mischehen Geborenen bis zum Jahre 1890 insgesamt nur 12-15000 betrug, so kann man auch nicht verlangen, daß bis jetzt unheimlich viele Genies aus der Mischehe hervorkamen. $Kohler$ meinte zwar in dem Sammelheft über die Judentaufe:

„Nicht reine, sondern Mischrassen haben von jeher die Welt beherrscht und eine der Hauptmischrassen, die Engländer, wären niemals das geworden, was sie sind, wenn nicht das keltische, sächsische und normannische Element in ihnen in so glücklicher Weise vereinigt worden wäre. Eines möchte ich noch bemerken. Eigenschaften, die den Juden zukommen, finden sich auch in der deutschen Nation und zwar in sehr bedeutender Weise vertreten. Auch hier gibt es abstraktdenkende Kinder, auch gibt es Finanzgenies und Menschen von gewaltiger Kombinationsgabe und Suggestivkraft, Allein wir Deutschen sind nun durch den dreissigjährigen Krieg so verödet worden, dass wir im praktischen Leben mit unseren eigenen Talenten allein nicht vollständig das leisten würden, was notwendig ist, damit wir anderen Völkern den Widerpart halten. Das ist der Hauptgrund, der uns die Assimilierung des Judentums wünschenswert macht.”

Der anonyme Verfasser der Broschüre „Der Untergang Israels” wendet sich sehr energisch gegen die Mischehe. „Individuelle Heiraten zwischen Juden und Christen haben physiologisch genommen wenig Zweck. In moralisch, ethisch, historischer Hinsicht halte ich solche Heiraten für direkt verderblich. Verderblich für die Reinheit des Stammes, verderblich für die weitere Durchführung der jüdischen Gesetzgebung, verderblich mit einem Wort für den Geist des Judentums, der aller Stagnation abhold als Fortschrittsfaktor der Weltgeschichte.”

Die Mischehe führt aus dem Judentum heraus. Alle Ziffern ergeben, daß 20% bis höchstens 25% der Kinder im jüdischen Glauben erzogen werden. Bei der an und für sich geringen Fruchtbarkeit der Mischehen bedeutet diese Zahl fast nichts mehr. Beobachtet wird, daß getaufte Juden gern ebensolche heiraten. Diese Erscheinung weist darauf hin, wie unbewusstes Rassegefühl und historische Nachwirkung noch stark im Spiel sind und sich wieder geltend machen (also eine Parallel resp. Contreaktion). Das alles nimmt nicht der Mischehe ihre Aussicht, ihre eigentliche Bedeutung und die Wirkung, die mit Nietzsche in sich sterben läßt und zur Vernichtung auffordert, was reif zum Sterben ist: Geburten zu verhüten, um künftigen Generationen das niederdrückende Gefühl des Elends zu ersparen und somit noch schneller fallen zu lassen, was reif zum Sterben ist; und das, was fällt, nicht zu halten, sondern sogar noch zu stoßen, damit es noch schneller falle ...

KAPITEL XII.

$WIRTSCHAFTSPROBLEME$.

_Heute gibt es keinen ernsten Beobachter des jüdischen Lebens, der nicht die Abnormität einsähe, die den ökonomischen Grundlagen der jüdischen Existenz anhaftet. Dies ist die historische Krankheit des jüdischen Wirtschaftslebens. Und alle die, die das jüdische Volk an die verdünnte Golusluft ketten wollen, es mit Golusgesängen und Golushoffnungen einlullen -- wollen diese Krankheitsverewiger._

_Ber Borochow._

In der ersten Auflage dieses Buches habe ich die bekannte Berufsstatistik der deutschen Juden ausführlich wiedergegeben, wovon ich nur das Wichtigste wiederhole. Von der gesamten preußischen Bevölkerung waren 1907 29% in der Landwirtschaft tätig, gegenüber 1% bei den Juden. Im Handel und Gewerbe waren es 55% aller Juden und 13% der Christen. Im öffentlichen Dienst, in den freien Berufen und als Selbständige ohne Beruf finden wir Juden in steigender Zahl (20,8% gegenüber 13,8%). Zwischen den Jahren 1895 und 1907 waren folgende Veränderungen der berufstätigen Juden: In den freien Berufen plus 15000, Industrie plus 13000, Handel 6000, Landwirtschaft plus 700, Dienende minus 1000. Mit anderen Worten: $Der Jude drängt vor allem zu den freien Berufen, d. h. zur Kopfarbeit.$

Die geringe Zunahme der preußischen Juden in der Landwirtschaft ist cum grano salis zu verstehen. Von 2355 hier tätigen Juden waren 1406 Frauen, zwischen den letzten zwei Zählungen wurden 162 jüdische Männer weniger und 867 Jüdinnen mehr vorgefunden. Anscheinend wurde früher die Arbeit der Jüdin in der Landwirtschaft statistisch schlecht erfaßt, während heute die Frauen der Juden auf dem Lande, soweit sie im Stall und auf dem Feld helfen, als landwirtschaftlich erwerbstätig gezählt werden. Die Zahl von 949 Männern gegenüber 1406 Frauen gibt zu denken. In der Hauptsache interessiert uns die Zahl der erwerbstätigen männlichen Landwirte, von denen die selbständigen in der Zeit zwischen den letzten Berufszählungen um 30% abgenommen hatten.

Die Landwirtschaft hat bei den deutschen Juden keinen goldenen Boden. Der 12. Jahresbericht des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden verkündet resigniert: „Die meisten der landwirtschaftlich ausgebildeten Eleven haben den Wanderstab ergriffen und sind größtenteils nach Amerika ausgewandert, während einige in Ungarn und neuerdings auch in Palästina Beschäftigung gefunden haben”. Nach diesem Jahresbericht verteilen sich die in der Landwirtschaft hauptsächlich beschäftigten 3727 Juden (wohl in ganz Deutschland gezählt) in

1. 930 Eigentümer und Miteigentümer,

2. 126 Beamte, Aufseher, Büropersonal,

3. 155 Knechte, Arbeiter,

4. 2887 hauptberuflich mittätige Familienangehörige,

5. 179 Gärtner und Tierzüchter.

Unter den 930 Eigentümern verstehen sich auch die Großgrundbesitzer und Gutsherren, die sich ein Rittergut anschafften. Die Zahl der wirklichen jüdischen Landwirte ist recht klein geworden und schrumpft immer mehr zusammen. In Bayern gab es

1882 2005 Landwirte = 9,7% aller erwerbstätigen Juden, 1895 893 = 3,9%, 1905 723 = 2,9%.

Ja, es gibt in Deutschland eine Judenheit, die so gut wie gar keine landwirtschaftliche Bevölkerung unter sich hat, nämlich die sächsische, die insgesamt sieben agrarisch berufstätige ermittelte. Einige Landwirte mehr zählte Württemberg.

Nach Segall (7. Jahrgang d. Zeitschr. f. St. d. J.) war die Beteiligung der Juden in der Landwirtschaft in Deutschland:

selbst. Angest. Mithelf. Arbeiter Insgesamt Fam.-Angeh.

männliche { 1895 1616 76 1679 3371 { 1907 1011 70 2096 569 3746

weibliche { 1895 419 3 786 1108 { 1907 324 14 1688 149 2175

Von 5772 in der Landwirtschaft (1907) nach Segall gezählten Juden (nach der Addition wären es 5921!) üben 514 ihren Beruf in den Großstädten über 100000 Einwohner aus, das sind 8,8% aller landwirtschaftlich tätigen Juden. Segall interpretiert diese Erscheinung:

„Dies dürfte vielleicht damit zusammenhängen, dass die Juden in der jüngsten Zeit auf dem Weg über den Kapitalismus zur Landwirtschaft gelangen; der Kapitalismus aber hat seinen Sitz in den Grossstädten.”

Vielleicht meint Segall mit diesem Kapitalismus der Großstädte die reichen Grossgrundbesitzer, die in den Städten wohnen. Es handelt sich allerdings um diese, und um Gärtnereibesitzer und Angestellte, Besitzer von Molkereien und Milchwirtschaften. Der ausgesprochene enorme Rückgang der männlichen Angestellten und Arbeiter in der Landwirtschaft zeugt nicht davon, dass die Juden über den Kapitalismus auf dem Anmarsch zur Landwirtschaft sind. Wenn auch vereinzelte die Landwirtschaft in den Großstädten betreiben, so verschwinden sie und berühmten Rittergutsbesitzer gegenüber den kleinen Landjuden, die ihre Wirtschaft aufgaben.

Der Friedensschluss von Versailles nimmt den deutschen Juden zwei wertvolle Gebiete, nämlich Elsass-Lothringen und die Ostmark. In beiden fanden sich noch Reste jüdischer Landbevölkerung. --

Alle Untersuchungen ergeben das Einströmen der Juden in die freien Berufe und in die Industrie. 1905 waren unter den preussischen Studenten 7% reichsinländischer Juden (Blau) bei 1% ihres Volksanteiles. Wenn auch viele Akademiker in eine wirtschaftliche Notlage kommen, so entstehen dadurch nicht echte Proletarier mit den Gewohnheiten dieser Klasse, sondern Zwittermenschen, die mit ihren Ansprüchen in der Welt der oberen Zehntausend sich befinden, mit ihren Einnahmen womöglich unter den Arbeitern rangieren. Diese Klasse von Enterbten stellte das höchste Prozent von Ledigen und neigt zur Taufe, weil sie von ihr Wunder erwartet oder führt zu einer Mischehe, weil die jüdischen Gesellschaftskreise den wirtschaftlich unsicheren Kantonisten ihre Töchter nicht anvertrauen.

Die Verpflanzung der Juden in die Handels- und Industriecentren bringt die Juden einander näher und reißt sie auch wieder wirtschaftlich auseinander. Eigenart, Ueberlieferung und ökonomische Voraussetzungen lassen sie gewisse Berufe bevorzugen. Antisemitische Beschränkungen, die ihnen vielfach andere Berufsgelegenheiten nehmen, tun ein übriges und so ist es ein Selbstverständliches, daß sich in der deutschen Judenheit wieder gewisse Domänen und Typen (des jüdischen Konfektionärs, des Agenten, des Anwaltes und des Arztes) herausbilden. Die jüdische Note und Eigenart läßt sich auch in anderen Berufen nachweisen (Warenhäuser, Pelzhandel, Tabakgeschäft, selbst in der Presse). Eines der jüdischen Merkmale ist der Zug des Individualismus, die Sucht sich selbständig zu machen, sowie der Drang, eine materiell möglichst günstige Lage zu erreichen. Nach der statistischen Aufnahme in Berlin im Jahre 1871 (citiert bei Nossig, Materialien z. Stat. d. jüd. Stammes, Wien 1887) ergaben sich schon

unter Adeligen Juden evang. Kath. 100 Arbeitgebern 90,2 71,9 38,1 36,9 100 Arbeitnehmern 9,8 28,1 61,3 63,1

Die bayrische Statistik kommt zu denselben Ergebnissen. In dem industriellen Sachsen dagegen fand sich ein geringerer Anteil selbständiger Juden. Trotzdem waren sie unter den Selbständigen immer noch dreimal so stark wie die Katholiken vertreten. In Preußen waren von hundert Erwerbstätigen in der Industrie 5,6 Juden. Unter den Selbständigen waren es jedoch 11,4%. Sombart hat berechnet, daß sie zu 13% die Direktorstellen der Industriegesellschaften besetzen und als 24% der Aufsichtsräte erscheinen. Dieser Aufstieg hat neuerdings scheinbar einen Stillstand erfahren. Entweder sind die Juden gesättigt oder genügsamer geworden. An dem Einströmen in den Beamtenberufen, (1895 gab es im Eisenbahn- und Trambahnbetrieb nur 117 Juden unter 231688 Angestellten) können wir diese Erscheinungen nicht genügend feststellen, da äussere Widerstände ihr Aufgehen in diesen Beruf verhindern. Die antisemitischen Einschränkungen verursachen daher die wiederkehrende Zusammendrängung in einzelnen Berufen und begünstigen die Auswirkung ihrer Eigenart.

Am stärksten aber wird die soziale Eigenart umgewälzt und erschüttert durch das Auftreten der $erwerbstätigen$ jüdischen Frau.

Ursprünglich war ihre Arbeit auf Haus und Hof beschränkt. 1882 fanden sich 16% aller jüdischen weiblichen Personen berufstätig, 13 Jahre später 22%, gegenüber 26,4% der Christinnen, 1907 bereits 24%. Die Zahl der erwerbstätigen jüdischen Frauen, d. h. der Mädchen und Ehegattinnen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Da wir in der Statistik nach Sundberg mit 50% der Bevölkerung im reifen Alter rechnen, waren 1907 bereits die Hälfte aller Jüdinnen im erwerbstätigen Alter berufstätig. Die Unterhaltkosten der Familien werden immer kostspieliger, die Aussichten für die Ehe geringer, so daß bei allem Wohlstand der Juden jede Familie, die nicht unter ihr Niveau sinken will, einen gewissen Kampf mit den Verhältnissen aufzunehmen hat. Viele jüdische Mädchen erlernen heute auch einen Beruf, damit sie nicht mehr beim Staubabwischen der väterlichen Wohnung auf den Freiersmann zu warten brauchen ...

„Die Zeit,” schliesst Henriette Fürth eine Untersuchung über Erwerbstätigkeit und Berufswahl der jüdischen Frau „in der das Biederweib der Bibel als Königin und Herrin am heimischen Herd waltete, ist auf ewig dahin. Das Paradies, das besonders wir Juden in dieser Form besassen, ist und bleibt uns ewig verloren.” Henriette Fürth verspricht sich dafür Ersatz in neuen Lebensformen.

Die Berufstätigkeit der Frau bedingt eine vollkommene Umwälzung der Denkungsweise der Jüdinnen. Auf keinen Fall wird das vorher berufstätige Mädchen, das in der Großstadt eine glänzende Ausbildung genossen hat, im Kreise aufgeweckter Kameradinnen verkehrte und durch die Anschauung des großstädtischen Lebens gegangen ist, eine ungehemmte Fruchtbarkeit entfalten. Sie, die die Unannehmlichkeiten gehäufter Schwangerschaften vom pekuniären Standpunkt wie vom persönlichen übersieht, weiß sich immer mehr in die Zeit zu schicken. Die Spätehe mit allen ihren Folgen und Voraussetzungen ist kinderarm. Aber auch die Frühehen, die heute geschlossen werden, bescheiden sich.

Es ist eine allgemein beobachtete Erscheinung, daß die Geburteneinschränkung gerade bei den wohlhabenden Kreisen einsetzt und später erst die Aufklärung zu den niederen Schichten der Bevölkerung dringt. Es ist übrigens falsch, von den wohlhabenden Leuten eine größere Geburtenfreudigkeit erwarten zu wollen. Da sie entsprechend größere Bedürfnisse haben, mehr Luxus und Aufwand treiben und ihre Kinder am liebsten noch wohlhabender werden lassen möchten, so besteht bei ihnen die fortwährende Angst, durch zu reichen Kindersegen zu verarmen. Wer erst einmal in die Kreise des Kapitalismus geriet, den erfaßt der auri sacra fames und läßt ihn nicht mehr los. Für die Juden war die Erfassung des Geldes als Machtfaktor und Lebensidol geboten.

Im Zeitalter des Rationalismus wurde ihr Losungswort „Business as usual”. Die deutsche Judenheit wurde der Vorposten der neuen Zeit, das Amerikanertum im alten Europa. Dies und vieles andere erklärt die folgenden Statistiken.

Ueber den Volkswohlstand der Berliner Juden (ohne die westlichen Vororte) brachte ich eingehendes Material in meiner Preisarbeit. Ich wiederhole hier einige der Ziffern:

Es betrug das Steuersoll der Stadt Berlin in Mark

==================================================================== 1895 | | | | pro Kopf versteuerten bei den | in % | 1904/05 | in % | 1895 | 1905/06 ------------------+-------+----------+-------+---------+------------ Evang. 11456605 | 61,3 | 19005042 | 61,2 | 138,7 | 132,9 Kath. 776970 | 4,2 | 1589473 | 5,0 | 110,6 | 111,9 Juden 5924431 | 31,7 | 8554329 | 30,3 | 317,2 | 357,4 ------------------+-------+----------+-------+---------+------------ 18676532 | 100,0 | 31568882 | 100,0 | 166,9 | 165,8

Eine bei Nossig zitierte Breslauer Statistik des Jahres 1874 läßt sich in drei Steuerstufen zusammenfassen. Danach gab es unter 100 Breslauern

Arme mittlere reiche Juden 36 48,8 15,2 Christen 85,2 12,9 1,9

Nach Sombart war der prozentuale Anteil der Juden

an d. am in Einwohnerzahl Steuerbetrag

Aachen 1,16 7,79 Barmen 0,37 1,75 Beuthen 4,04 26,9 Bielefeld 1,2 7,2 Bochum 0,9 5,3 Bonn 1,5 3,8 Brandenburg 0,5 2,3 Bromberg 2,8 13,7 Crefeld 1,7 6,6 Düsseldorf 1,1 3,6

Nach Sombart war der prozentuale Anteil der Juden

an d. am in Einwohnerzahl Steuerbetrag

Duisburg 0,5 2,1 Elberfeld 1,1 3,8 Essen 1,0 4,7 Frankfurt a. O. 1,2 6,9 Gelsenkirchen 0,8 3,0 Gleiwitz 3,2 23,9 Kiel 0,3 0,8 Coblenz 1,2 0,4 Königshütte 1,5 14,5 Magdeburg 0,8 2,7 Mülheim Rhein 0,5 2,2 Mülheim Ruhr 0,8 2,7 München-Gladb. 1,3 6,9 Münster 0,6 2,6 Oberhausen 0,6 1,6 Osnabrück 0,8 2,7 Posen 4,2 24,0 Wiesbaden 2,6 8,2

Eine ähnliche Entwicklung zunehmenden Wohlstands (Kapitalvermögen und Einkommen) finden wir bei den Berliner und Badischen Juden (siehe erste Auflage und meine Preisschrift).

Auch die Frankfurter Juden liefern einen wertvollen Beitrag zur Beurteilung dieser Frage. Im Jahre 1902 waren

Steuerpflichtige in % mit einem Steuerbetrag v. Mk. in %

Evang. 24870 61,0 3020000 = 49,0 Kath. 10030 24,5 595000 = 9,7 Juden 5950 14,5 2541000 = 41,3 ----- ----- ------- ------ Insges. 40850 100,0 6157000 100,0

in % aller Zensiten waren vertreten

Evang. kath. Jud.

9500-12000 Mk. Einkommen 1,8 0,8 5,2 über 12000 4,9 1,9 16,5

Allerdings hatten die Frankfurter Juden schon vor Hunderten von Jahren einen gewaltigen Reichtum. Sie versteuerten anno

1556 1630 1700 1800

50-100 fl. 4 7 33 } 150-950 28 98 27 } 314 1000-5000 44 198 265 } 5000-10000 9 22 20 60 10000-15000 5 3 2 26 darüber 12 18 85 ---- ---- ---- ---- Steuerzahler 90 340 365 485 Seelenzahl 550 2400 2400 3000

Trotzdem hatten die Frankfurter Juden wie die reichen Spaniolen in Amsterdam und die wohlhabenden Berliner Juden von 1737 eine große Kinderzahl. Von den 120 jüdischen Familien, die es 1737 in Berlin gab, hatten nur 10 weniger als 1000 Taler im Vermögen, alle übrigen 2-30000 Taler und mehr. Von 166 spanischen Juden in Amsterdam, die sich zwischen 1590 und 1650 dort aufhielten, konnte noch von 84 nach 250-300 Jahren die Deszendenz nachgewiesen werden. $Kohlbrugge$ fiel die ziemlich starke Vermehrung und der Erhaltungstrieb dieser durchschnittlich stets reichen Juden auf, aber neuerdings ist die Zahl der Spaniolen in Holland zusammengeschmolzen. Es gab 1910 in Holland

männl. weibl. deutsche Juden 47746 52039 spanische Juden 3079 3545

Ebenso hat $Dietz$ eine recht große Kinderzahl bei den früheren reichen Frankfurter Juden beobachtet. Der Reichtum an sich bietet also nicht die letzte Ursache zu der Destruktion der Familie, sondern der $Kapitalismus + Rationalismus$.

Die Juden als die Träger des Kapitalismus sind am meisten von den Launen des Kapitals abhängig und von den Schäden der Geldwirtschaft getroffen. Die religiösen Teile des jüdischen Volkes kämpfen um die Suprematie des Geistes über die mächtigen wirtschaftlichen Einflüsse.

Und das ist eines der vielen tragischen Momente: es fiel noch keinem der jüdischen Experten ein, wie viel wir auch über die psychische Infektion, über Feminismus, gehobene Lebenshaltung, Individualismus, Freidenkertum reden -- dass jenseits der Einflüsse von Kultur und Wohlstand, Zivilisation und Sitte, Erotik und Ehe, eine Kraft aus dem Dunkeln emporsteigt, die das Sexualleben von der Wurzel her verpestet, ihm den Hauch der Ursprünglichkeit nimmt und die Freude am einfachen Leben zerstört.[31]

Diese Infektion besitzt ihre organische Grundlage in dem Wirken des Kapitalismus, jenes werbenden Geldes, das ohne Sinn und Verstand des Besitzers ihm dauerndes äusseres Glück verspricht.

KAPITEL XIII.

$DAS ENTARTUNGSPROBLEM$.

„_Meinet Ihr, die Welt wird es euch danken, wenn Ihr ein Volk von grossen Leistungen und seltenen hohen Kräften, wenn Ihr euer ruhmreiches Volk in den Tod hinzugeben bereit seid ...?!_”

_Dr. Max Joseph._

Degeneration oder Entartung eines Volkes ist ein täglich gebrauchtes Wort. Die Degeneration, an der einst die alte Welt und heute indianische Völkerstämme, die Neger Australiens und manche Rassen in Afrika zugrunde gehen, bedeutet nicht die echte Degeneration. Geschenke Europas: Alkohol und Syphilis, die Ansteckung mit der Tuberkulose sind äußere Einwirkungen. Die echte Degeneration eines Volkes verlangt eine $biologische Entartung$ seiner Individuen in allergrößtem Umfang. Erst wenn die Qualität des Nachwuchses infolge sozialer und hygienischer Mißstände immer mehr abnimmt, können wir von einer Entartung reden, obwohl wir uns damit einer unsicheren Definition und eines unwissenschaftlichen Schlagwortes bedienen.

Einzelne Rassenforscher haben versucht, Aeußerungen der Psyche gereizter oder auch krankhafter Individuen als Kennzeichen der Entartung anzusehen. $Gobineau$ findet alle Kennzeichen der Degeneration an dem Beispiel von Frankreich: unverhohlene Freude am Läppischen, an der Karrikatur, grausame Jagd auf wehrlose Tiere, abergläubischer Kult von Amuletten, Talismen und Fetische in alljährlich wechselnder Modeform, die Tatsache von Polygamie, rückhaltige Unterwerfung unter die Tyrannei sexueller Sinnlichkeit. Als exakte Wissenschaft kann uns diese Methodik nicht ansprechen, da sie die Zahl der objektiv minderwertigen und krankhaften Subjekte nicht feststellt und einzelne feine psychische Vorgänge zum Maßstabe der Dinge erhebt.

Wir sollten eigentlich von degenerativen Vorgängen sprechen, sobald ein Volk oder eine Rasse statistisch gesprochen, in zunehmender Zahl biologisch minderwertige Elemente aufweist, wenn die Masse der Geisteskranken, sei es durch Vererbung oder durch beträchtliche Kulturschädigungen zunimmt. Für all das wären entsprechende Statistiken notwendig, über die wir nicht verfügen.

Es liegen für die Verbreitung der Geisteskrankheiten unter den Juden Angaben nur bis zum Beginn dieses Jahrhunderts vor. Ich habe sie in der ersten Auflage dieses Buches ausführlich reproduziert. Danach bildeten die Juden in den Jahren 1892-1900 3,5% aller eingelieferten Geisteskranken und somit 300% mehr, als ihrer Verteilung unter der stehenden Bevölkerung entsprach. Die jüdischen Paralyse- (Gehirnerweichung) Kranken waren 1/4 bis 1/8 aller Fälle und beim jüdischen Mann zehnmal so häufig wie bei der jüdischen Frau. Die Paralyse ist eine Folgeerscheinung der Syphilis, die also verheerend zu wirken beginnt. Von den Paralytikern betraf 1/3 Individuen aus belasteten Familien, während Epileptiker zur Hälfte prädisponiert waren. Das letztere Verhältnis wurde auch bei den Idioten festgestellt; die Säufer stammten zu 86% aus normalen Familien. $Dr. Max Sichel$ hat in der Zeitschr. f. Sexualwissenschaft die Paralyse einer sexologischen Beleuchtung unterzogen, im Verlauf deren er die in erschreckendem Maße überhandnehmende Gehirnerweichung feststellt. Sichel hat allein in Frankfurt 127 Fälle beobachtet. „Die Gehirnerweichung ist bei den Juden eine Krankheit jüngeren Datums.” Das starke Anschwellen, auf das u. a. auch $Zollschan$ und A. $Guttmann$ hingewiesen haben, läßt sich immer mehr verfolgen. Es ist die Begleiterscheinung der syphilischen Verseuchung der Westjuden.

Allein an Gehirnerweichung, also nur einem Folgezustand der sexuellen Verseuchung, wurden 1892-1900 740 jüdische Paralytiker in preußischen Irrenanstalten eingeliefert (bei einer Gesamtbevölkerung von 400000 Menschen). Ein beachtenswertes Factum!

Tacitus hat schon von den Juden behauptet, daß sie ein projectissime ad libidinem gens seien. Die Lockerung der nationalen religiösen Vorstellungen, verbunden mit der starken Einwirkung der Eigenart ihrer sozialen Stellung, verstärkt durch das großstädtische Milieu, läßt die Zahl der sexuellen Erkrankungen von Jahr zu Jahr steigen und alle Formen pathologischer Erscheinungen, die hiermit in Zusammenhang stehen, immer mehr in Erscheinung treten.

Der a. o. zitierte anonyme Physiologe meinte, der Jude von heute neige zur Unmäßigkeit. Er sei ein Schlemmer und Prasser geworden und tue des Guten zu viel, das heutige Geschlecht befinde sich im Zustand konstitutioneller Entartung. $Hoppe$ bemerkte das Anwachsen des Alkoholbrauchs bei den Juden; die Zahl der wegen delirium tremens in preußischen Irrenanstalten eingelieferten Juden hat sich von 1878 zu 1900 verdoppelt.

Die Zahl der Blinden und Taubstummen ist hier nur wenig verwertbar.

1895 fand man bei den Christen und bei den Juden

blind 6,5 10,5 und taubstumm 1,8 1,0 geisteskrank 25,3 29,2

$Fishberg$ folgerte: „So lautet das Ergebnis, daß der größeren Taubstummenrate keine ethnischen Faktoren zu Grunde liegen, sondern lediglich die Tatsache, daß mehr jüdische als nicht jüdische Kinder die früher akuten Kinderkrankheiten überstehen und zwar unter Verlust des Hör- und Sprachvermögens, und daß ihnen die Juden als Städtebewohner mehr als die Masse der Landbewohner ausgesetzt sind.”

$Ruppin$ versuchte eine Berechnung der Militärtauglichkeit der Juden aufzustellen, wobei die Juden ungünstiger abschnitten. Auf der anderen Seite erschien unter den Einwirkungen der guten Ernährung, der modernen Erziehung und der bekannten Sorge der jüdischen Eltern für die Gesundheit der Kinder eine hermetische Erstarkung der jüngeren Generation.

Vor Jahrzehnten glaubte ein Autor ($Dürckheim$) als ein Gesetz annehmen zu dürfen, daß die Juden nicht zum Selbstmord neigen. Nach v. $Mayr$ kamen Suizide vor in Preußen

bei den Kath. Prot. Juden 1849-55 50 160 46 1900-07 101 252 294

und in seinem Werke „Statistik und Gesellschaftslehre” schreibt dieser bekannte Soziologe: „gewaltige Veränderungen zeigt die Selbstmordlichkeit der Israeliten, ein schöner Nachweis dafür, daß hier von natürlicher Gesetzlichkeit nicht die Rede ist, sondern von $sozialen Gesetzmäßigkeiten$”. Dabei befällt der Selbstmord gerade Individuen mit labilem Nervensystem. Wenn die Ziffer der Selbstmordkandidaten bei den Juden auch an und für sich nicht so groß ist, daß sie die Bevölkerungsmasse erschüttert, so läßt doch der Widerschein dieses grellen Schlaglichtes den Ernst der Situation mitbeleuchten. $Näcke$ kommt mit seiner Definition der Wahrheit am nächsten.

„Die Entartung ist im strengsten Sinne nur ein Krankheitszustand, aber noch nicht Krankheit an sich.” Das Keimplasma ist von einer ungeheuren Widerstandsfähigkeit und Beständigkeit und strebt mit einer bewundernswerten Zähigkeit einer harmonischen Entwicklung nach immanenten Gesetzen der eigenen Organisation zu. In der primitivsten Organisation liegt auch bereits das Streben und die Fähigkeit zur Regeneration, was ebenfalls vollständig ausser Acht gelassen wird, wenn man die Notwendigkeit der schärfsten Auslese predigt. Gewiss gibt es Störungen in der Organisation, Schädigungen des Keimplasmas, die nicht beseitigt werden können, unheilbar sind; aber die Erfahrung zeigt, dass sehr bedeutende Minderwertigkeit der Keimstoffe durch günstige äussere Umstände oder durch Vermischung mit gesünderem Keimplasma ausgeglichen werden kann (z. B. Erlöschen hereditärer Geistesstörung in einzelnen Stämmen).

Die Häufung pathologischer Individuen,[32] die Anzeichen gereizter Psyche, kurz die Menge psychischer und physischer Minderwertigkeit ist kein echter biologischer Prozess, sondern die Folge einer unzureichenden Sozialhygiene.

Die Dekadenz der deutschen Juden ist keine echte, geboren aus der Entartung der Rasse, sondern propagiert aus ungesunder beruflicher Verteilung, Lebensweise und Wohnart. $Fishberg$ urteilt hierzu: „Es sollte aber nicht übersehen werden, dass die Juden seit Jahrhunderten bis auf die Neuzeit in allen Teilen der Welt unter fast identischen sozialen und ökonomischen Verhältnissen gelebt und ungefähr denselben Berufen obgelegen haben, während sie überall denselben Beleidigungen, Zurücksetzungen, Verfolgungen ausgesetzt waren. So hat denn die nämliche Umgebung ein und dieselben pathologischen Resultate hervorgebracht. Die Juden sind somit ein Beispiel zur Illustrierung des Milieus auf die Pathologie.”

Aber im Effekt ändert es nicht die Tatsache. Die Tatsache: Eine steigende Unsumme von physischem und geistigem Defizit.

KAPITEL XIV.

$UEBERSICHT$.

_Du siehst das Unkraut nicht, wenn es wächst, aber Du wirst es schon sehen, wenn es gewachsen ist._

_Hebbel._

Der Untergang eines Volkes ist zumeist kein momentaner, zeitlich absolut kurz begrenzter Vorgang, ist nicht einmal ein absoluter Prozess. Der Untergang der römischen Kulturwelt, der griechischen Völker, der spanischen Weltgeltung vollzog sich in Zeitläuften, die Jahrhunderte umfassten. Der Untergang eines Volkes erfolgt dort am eindeutigsten, wo eine Gemeinschaft durch Aussterben zum Verschwinden gelangt. Man kann dies Ende bei einer Bevölkerung von 600000 Seelen nicht in einer Generation erwarten. Aber alle Bedingungen, Voraussetzungen und Prozesse, welche die Auflösung zum System machen, sind für die Juden Deutschlands vorhanden. Die Juden haben sich in einem Netz verfangen, das mit allen Maschen, mit allen Zusammenhängen an diese Entwicklung verknüpft ist. Die Judenheit ist die großstädtische, kapitalistische, rationalistische Bevölkerungsschicht in der höchsten Potenz geworden. Ihre geistigen, ökonomischen, sozialen und biologischen Verhältnisse und Eigenarten drängen darauf hin, den eisernen Reifen, der das jüdische Volk fest umschlossen hielt, zu sprengen, Religion und Inzucht, die Basis ihrer Existenz zu lockern und alle die Erscheinungen, welche am Rande und im Kern die Zersetzung bedeuten, verstärken zu lassen. Gewiss tritt auf die Ebbe wieder die Flut ein, und es mag Reaktionen geben, welche die Verhältnisse einige Augenblicke aufzuhalten versuchen. Darüber muß man sich aber klar sein, daß den am Werke wirkenden Triebkräften nichts von ungefähr angeflogen ist, dass es sich nicht nur um ein momentanes Gespinst handelt, welches heute die Gemüter ergriffen hat und morgen durch andere Vorstellungen abgelöst werden kann, sondern daß die Einwirkungen und Komponenten, die von Jahr zu Jahr an Macht wachsen und noch zunehmen, ein Konglomerat von Wirtschaftsproblemen, geistigen Vorstellungen, von politischer Konstellation und von Weltbildern bilden, welche in ihren Ursachen kaum in der jüdischen Gemeinschaft allein bekämpft werden können.

Es ist ganz gleichgültig, ob ein Statistiker in sträflichem Optimismus irgend eine kleine Zahl in diesem Buch anders auffaßt, ob ihm irgend eine der Erklärungen nicht zusagt. Es dreht sich hier um die große Frage, ob die Juden an der Spitze der Bevölkerung, welche zur Geburteneinschränkung übergeht, steht, resp. stehen muß, ob die jüdische Bevölkerung zur sexuellen Vermischung sich drängt, ob irgend welche Unterlagen vorhanden sind, die eine Aenderung des Sexualproblems in nächster Zeit erwarten läßt.

Es ist ferner die Frage vorzulegen, ob bei der Näherung der jüdischen und nicht jüdischen Massen eine chinesische Mauer zwischen den Individuen auf sexuellem Gebiet aufgeschlossen werden kann, die auf anderen Gebieten immer mehr niedergerissen wird, ob auf deutsch ein körperliches Ghetto eingerichtet wird, während die geistigen Unterschiede immer mehr zurücktreten. Ja, ob es überhaupt möglich wäre, unter den heutigen Verhältnissen das sexuelle Leben der Menschen in der Weise einzuzwängen, daß sie Ziel und Zweck, bedachte und unbedachte Regungen, Gefühle, und Triebe völlig beherrschen und ihr Ausleben nur in ihrer Eigenart suchen und finden. Mit der Erschütterung der Macht des nationalen und religiösen Gedankens fällt jede Möglichkeit hinweg, die Mitglieder der Gemeinschaft festzuhalten und ihnen bestimmende Vorschriften zu machen. Der moderne Lebenskünstler ist der Pflichten enthoben und keine Schranke hindert ihn, sich im Leben so zu bewegen, wie es ihm der Augenblick eingibt und das Gesetz des Staates erlaubt. Gerade die letzten Jahre vor dem Krieg bewiesen deutlich, daß die Juden ein untergehendes Volk sind, das durch die Preisgabe der religiösen und nationalen Momente die Emanzipation und die Aufnahme in den deutschen Staatsbürgerverband teuer erkaufte.

Allerdings kann die östliche Einwanderung den Vorgang verwischen und eine Entwicklung vortäuschen, die nicht da ist. Es ist zwar zu überlegen, ob diese Zuwanderung beständig bleibt. Es deuten manche Arbeiten (u. a. von $Weißenberg$) darauf hin, daß auch die Ostjuden langsam aber sicher zu einer Geburteneinschränkung übergehen, und daß sie vielleicht bald keinen Geburtenüberschuß und keine Auswanderung aufzuweisen haben werden. Andererseits ist es nicht sicher, ob die deutschen Grenzen noch lange ihnen geöffnet sind, oder ob nicht andere Länder den Strom der Auswanderer mehr anziehen werden. So ist es leicht möglich, daß die Juden des Ostens nach Rußland und Sibirien, nach Canada, den Vereinigten Staaten, Südamerika oder Afrika insbes. Palästina wandern werden. Das besiegte Deutschland bietet vielleicht bald keine Chancen mehr für einen Zuzug, vielleicht bekommt es sogar eine Abwanderung der eigenen Bevölkerung und auch seiner Juden, wodurch der Abbröckelungsprozeß noch beschleunigt würde. Aber selbst bei einer Immigration in Permanenz gibt sich die Zersetzung innerhalb der deutschen Juden nicht weniger als bedeutsam und die Entwicklung der deutschen Judenheit bleibt erschüttert.[33]

KAPITEL XV.

$SCHLUSS$.

_Nicht Jeremias Klagereden, sondern Esras Taten haben das Judentum erhalten._

_Tänzer._

$Nietzsche$ drückte sich einst drastisch aus: „Wenn die Statistik nichts anderes könne als zu beweisen, dass es Gesetze in der Geschichte gäbe, dann hole die Masse und die Statistik der Teufel.” Mit ihm will ich nicht rechten. Aber mit denen, die überall eine Moral angeklebt haben möchten oder gar mit denen, die immer von einer $glücklichen$ Zukunft träumen.

Von jedem Arzt, der am Krankenlager die Diagnose stellt, verlangt man eine Therapie. Vom Tode gezeichnete Kranke wollen noch Genesungstropfen. Die Natur hat deshalb die Euphorie vorgesehen, die den Absterbenden in eine gehobene Stimmung versetzt, ihnen ein Traumbild von Gesundheit und Genesung vorgaukelt.

So lange das Gesetz von Ursache und Wirkung unerbittliche Wahrheit bleibt, hofft nur der Einfältige auf Zufälliges. Zufälligkeit ist das, was wir nicht zu erklären verstehen. Aber der Weg von der Fülle der Fruchtbarkeit zur Kinderarmut, von der Inzucht zur Vermischung, von dem märtyrerfreudigen Sich-hingeben an die Gemeinschaft zum feigen Verleugnen und willenlosesten Fahrenlassen sind Symptome und Stigmata eines großen Prozesses, dessen Stationen wir überblickten, deren Triebkräfte, Hebel und Gewalten wir befunden haben. Die Emanzipation hat die Schleusen geöffnet und den Strom der neuen Ideale in das Ghetto hineingelassen; das moderne Wirtschaftsleben, das Zeitalter des werbenden Kapitals, der Fabriken und der Technik haben ökonomische Umwälzungen bedingt. Sollen weitere Veränderungen, neue Wirtschaftsprobleme, politische Einflüsse, geistige Vorstellungen und soziale Umwallungen ein Nichts bedeuten?

Gewiß! Wenn sich aber auch von Grund auf das Bild der deutschen Judenheit ändert. $Nehmt der ökonomischen Schwere den ganzen Druck$ ($und nicht ein Gramm weniger$) $und kümmert euch$ ($nicht wie impotente Moralisten$) $um den starken Trieb der Menschen.$

Gebt aber auch der Masse, die sich national und religiös entkleidet hat, keine neuen Surrogate, harmlosen Ersatz, Kinkerlitzchen und Firlefanz. Bringt ihr hebräische Sprache und Kultur, eigene Sitte und Gesetz und $zwingt den letzten, dessen kollektives Interesse erlöschen könnte, mit fester Hand, daß er sich nicht entwinden kann, in ein marschfähiges Ganze.$ Genug der frommen Ermahnungen und des tatenlosen Hoffens. Das Uebel (sit venia verbo) ist viel zu fest mit der ganzen Kultur verankert, als daß man es mit Reden oder Schriften ändern könnte.

Der Appell an den Idealismus in Ehren: Hat nicht das offizielle Judentum auch im vorigen Jahrhundert für die altjüdischen Ideale gekämpft? Gab es nicht ein Heer von Vorständen, Rabbinern, Lehrern, Schriftstellern, die für die Erhaltung und Erneuerung tagtäglich warben? Hat nicht die Pogromgefahr Tausende aufgeschreckt, die ihr Sein längst vergessen hatten? Hat aber das Leben nicht stärker gewirkt und selbst die Orthodoxie von der Frühehe verjagt? Gut, weckt mit Posaunen die Hunderttausende aus der Apathie und Lethargie, erfüllt sie mit neuem religiösen und nationalen Willen. Vor allem $schafft ein gesundes Volkstum$, $Möglichkeiten normalen Liebeslebens$, $ökonomische Grundlagen$, kurz reformiert an Haupt und Gliedern, werdet Juden wie die der früheren Zeiten, modelt eine neue Welt in die opponierende Umwelt, macht ein neues Volk mit neuen oder alten Gesetzen -- wo ihr könnt!

Esten, Irländer, und Litauer sind zu neuem nationalen Bewußtsein erweckt worden. Ihnen kam die Einheit und die Kraft des eigenen Grund und Bodens zustatten, Sprache, Sitte und Kultur, politische und wirtschaftliche Interessen, Einflüsse und Beengungen. Andere untergehende Völker fanden nicht mehr den Weg zum Leben. So die Indianer, die aus ihren alten Lebensbedingungen verdrängt, ihrer früheren Kultur entwurzelt, der modernen Civilisation kein Paroli bieten können. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Analogie ihres Schicksals mit dem der Westjuden darzulegen, aber eines gehört festgehalten. Die Indianer haben keine Kulturwerte geschaffen, der Welt keine Bibel, keine Sabbathruhe, kein Recht des Fremden und keinen Menschlichkeitsgedanken gegeben.

„Ein Volk, das von Moses bis zu den Propheten, bis Hillel und Jesus von Nazareth, von Spinoza bis Mendelssohn und Heinrich Heine bis Karl Marx und Lombroso, mit soviel Wirklichkeit und Glanz dem menschlichen Geist und der Civilisation diente, hat seine letzten Worte noch nicht gesprochen,” glaubte bereits 1911 A. Valensis in den „Dokumente des Fortschrittes” profezeihen zu können. Und weiter heisst es dort: „Auf dem Boden seiner Väter physisch neugeboren und der Verwirklichung eines alten durch die soziale Gerechtigkeit verjüngten Ideals nachstrebend, wird es der Menschheit ohne Zweifel eines Tages um so schönere und eigenartigere Früchte bieten, als sie auf den gesegneten Feldern der Freiheit gereift werden.”

Heine meinte, Gott verläßt überhaupt kein Volk, und wenn ein Volk aus Ermüdung oder Faulheit einschläft, so bestelle er ihm seine Wecker, die verborgen in irgend einer Abgeschiedenheit ihre aufrüttelnde Stunde erwarten.

Und wirklich, in den Jahren, in denen die Zersetzung das europäische Judentum erfaßte, entstand eine nationale Bewegung, welche die Juden von den Einwirkungen der europäischen Einflüsse befreien, die normale soziale Struktur und die jüdische Kultur im Lande der Väter erneuern und dort die sichernde Erhaltung der jüdischen Art bewerkstelligen will.

Und ein gesundes jüdisches Volk wird werden, allerdings abseits von den Trümmern dieser Judenheit und diese Judenheit verachtend;

Diese Pseudojudenheit mit ihrer unjüdischen Politik, mit dem Bruderkrieg aller gegen alle: der Unzahl der religiösen Richtungen, der Nationalen, der Fremdgebürtigen. --

Diese absterbende Judenheit mit unverbesserlichem, fast verbrecherischem Optimismus jener wie im Morphiumrausch Delirirenden oder der im praktischen Pessimismus und im Zynismus Frohlockenden, die rasch das sinkende Schiff verlassen. --

Diese demoralisierte Judenheit, deren Mitläufer im Indifferentismus nur den Sinn auf das eigene Wohl, den Beruf und die Genüsse des Lebens gerichtet haben.

Wie im Jahrmarktstrubel treiben unverständige Millionäre, schwerfälliger Mittelstand, flatterhafte Juden in Ghettofurcht, Angst vor Pogromen, das ganze Unglück einer anormalen Geschichte und eines unnatürlichen Lebens.

Und so bleibt das unglückliche Häuflein der deutschen Juden, schaffenslustig und wissensdurstig, von Erfolgen gesegnet und von Neid und Mißgunst verfolgt. Und ihrem Tun und Leben scheint die alte verklärende Sonne, unbekümmert um die Frage: Ob ihre Gemeinschaft erfolgreich dieses Jahrtausend durchsegeln wird zum sicheren Port, oder ob es wie ein Wrack auf hohem Meer nach vielen glücklichen und schweren Fahrten, von allen Wellen und Winden getrieben, zuletzt ziel- und zwecklos umher gepeitscht, sich mühselig über Wasser hält bis die Fluten über dem lecken Schiff zusammenschlagen.[34].....

Anmerkungen:

[1] Deut. XXXII, 47. „Es ist kein leeres Wort für Euch, sondern es ist Euer Leben ...” und Deut. XXX., 19: „Siehe ich nehme heute den Himmel und Erde zu Zeugen, daß ich vor dich gestellt Leben und Tod, Segen und Fluch. So wähle denn das Leben, auf daß du lebst, du und deine Nachkommenschaft!”

[2] Eine übersichtliche, kurze und systematische Zusammenstellung der praktischen Gebote des Talmud wurde unter diesem Namen von Joseph Karo im 16. Jahrhundert zusammengefaßt. „An diesen Codex hat sich die orthodoxe Judenschaft in den letzten Jahrhunderten gehalten.” (Nossig a. O.).

[3] Trotzdem oder vielleicht eben deshalb, war es mir nicht möglich, die Segallschen Einzelheiten, soweit sie statistisch irreführend waren, in der Zeitschrift für Statistik einer Entgegnung zu unterziehen. Der Vorsitzende des Verbandes, Geheimrat Dr. Maretzki, hatte mir zwar die Aufnahme des Artikels zugesichert, die Redaktion verweigerte aber seine Aufnahme.

[4] Vor allem erwiesen sich hier durchaus entgegenkommend: Das Hamburger Israel. Fam.-Blatt, die Frankfurter Jüd. Presse und die Jüd. Rundschau, sowie das Schweizer Israel. Wochenblatt.

[5] Levit. XXVI: „Und wo Ihr mir entgegenwandelt -- sollt Ihr untergehen unter der Umwelt und deren Geist wird Euch aufsaugen. Und der Rest wird verdorren, infolge seiner Sünden und infolge der Sünden ihrer Väter ...”

[6] Azulai, der große italienische Talmudgelehrte hat in seinem Schem ha Ketolim vor 100 Jahren die These aufgestellt, daß es das Los der Juden sei, in der Diaspora in einem Lande zu blühen und in einem anderen zu sterben, nur im Wechsel ruhe sozusagen das Gleichmaß.

[7] Für Hessen findet sich die Zahl im Staatsarchiv zu Marburg. Im Jahre 1689 wurden 2566 Juden gezählt. Eine Feststellung für Deutschland ist m. E. noch nicht getroffen.

[8] Die gesetzestreuen Kreise zählen nach Schätzungen, die (u. a. geben die Anmeldungen zum Bezug von rituellen Lebensmitteln einen Anhaltspunkt) etwa 1/5 der deutschen Juden, wobei man als gesetzestreu alle die bezeichnen kann, die den Sabbath heiligen und die Speisegesetze beobachten. Wer die als gesetzestreu anerkennen wollte, die die Sexualvorschriften befolgen, würde in Deutschland wenige finden, die sich an das Gesetz halten. Denn so peinlich stellenweise die Sabbathheiligung durchgeführt wird, so lax stehen dieselben Kreise den sexuellen Forderungen gegenüber. Die Zahl der orthodoxen Juden nimmt übrigens beständig trotz des östlichen Zuzuges ab. Ein Blick in die Verschiebung des Wohnaufenthaltes bezeugt diese Tatsache insofern, als die dörfischen und kleinstädtischen Juden zum kleinsten Teil neolog, die Großstädte in der Hauptsache freisinnig sind. Darüber kann uns nicht hinwegtäuschen, daß die Orthodoxie der Städte neuerdings besser organisiert ist und das sie infolge des starken Zuzuges an Zahl gewonnen hat. Wir können annehmen, daß 1870 noch die Hälfte der deutschen Juden als gesetzestreu anzusprechen war, während die im letzten Krieg ermittelten Zahlen von 25% rituell lebenden Juden noch Teile bergen, die nur zu Hause die jüdische Küche beachten, im übrigen aber nicht mehr als Anhänger der Orthodoxie anzusprechen sind.

[9] Noch im Jahre 1462 erließ Markgraf Albrecht von Brandenburg die Erklärung: „... denn so ein yeder Romische Konig oder Kayser gekrönet wird, mag er den Juden allenthalben im Rich alle jr güt nemen, dazu jr leben und sie töten bis auf ein anzal, der lutzel (klein) sein soll, zu einer Gedechtnis zu enthalten ...” zitiert nach der Schrift von Dr. $Ludwig Davidsohn$ „Beiträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Berliner Juden vor der Emanzipation” (Verlag L. Lamm Berlin 1920).

[10] 1832: 874, 1849: 1022, 1867: 2103.

[11] Wenn Segall trotz allem die Einwanderung als eine vorübergehende Erscheinung abtut, die das Bild der Entwicklung der deutschen Juden nicht aufs wesentlichste mitbestimmt, dann gehört diese Annahme zu den willkürlich getroffenen Konstruktionen, die zur Verdunkelung des Tatbestandes dienen sollen.

Segall schrieb diese Behauptung im Jahre 1911 in seiner Abfertigung meiner Arbeit, als ihn jede großstädtische Synagogengemeinde an der Hand der Steuern, der Eheschließungen, der Todesfälle belehren hätte können, (was er übrigens von jedem Kinde in der Grenadierstraße auch so erfahren haben würde). Wissenschaftlich hätte er sich an Hand der Zählkarten der Stadt Berlin der Tatsachen überführen können. Leichtfertig, wie Segall mit seinen wissenschaftlichen Behauptungen auftritt, fiel es ihm garnicht ein, irgendwelche Unterlagen für seine Thesen zu suchen.

[12] 1840: sogar 70%.

[13] 1840: sogar 58%.

[14] Nach Heinrich Löwe waren 1817 2/3 der preußischen Juden polnischer Abkunft, woraus die Bedeutung der Ostmark für die preußischen Juden klar hervorgeht.

[15] In der Februarnummer 1920 der Neuen jüdischen Monatshefte habe ich in einem Aufsatz „Die Nemesis des deutschen Antisemitismus” weiteres Material zur Ostmarkenpolitik niedergelegt.

[16] Rückgang erst seit 1905.

[17]

1885: 65611 = 4,45 % 1895: 94391 = 4,48 % 1900: 130487 = 4,3 % 1910: 142289 = 4,05 %

[18] Die Zunahme von Groß Berlin war

1880/90 = 19000 1891/00 = 26000 1901/10 = 35000

[19] Eine ähnliche Umschichtung nimmt in jeder gemischten Bevölkerung der geistig regsamere Teil vor. In Amerika und im Orient werden die schwerfälligeren und stumpferen Nationalitäten länger in den schlechter entlohnten Arbeitsformen festgehalten, während die agileren und sensibleren das großstädtische, kommerzielle und akademische Element stellen, (z. B. im Orient: Griechen, Juden, Armenier, Türken, in Amerika: Juden, Deutsche, Engländer, Iren, Italiener, Polen, Neger). Selbst in Deutschland zeigen sich ähnliche Differenzierungen zwischen der katholischen und evangelischen Bevölkerung, diese dringt in katholische Gegenden ein und besetzt die lohnenderen Berufsarten. Der ewige Jammer darüber, daß die Katholiken in Deutschland so wenig an der Spitze der Nation stehen, hatte neben der sicher unberechtigten Zurücksetzung auch seine Ursache in der tatsächlich geringeren Zahl von Akademikern, Großindustriellen und Großkaufleuten, wobei den Katholiken, die in den alten Kulturgebieten Deutschlands am Rhein und in Süddeutschland wohnen, alle Wirtschaftsvorteile und alle geistigen Vorbedingungen gegeben waren.

[20] Von mir ergänzt.

[21] Ueber die Zahl der Austritte siehe in dem betr. Kapitel.

[22] Die schönfärbenden Statistiker belieben diese Ziffer zu unterschätzen.

[23] Ohne die Kriegsverluste bei gedachter günstiger Friedenssterblichkeit.

[24] Darunter 129 Militärpersonen.

[25] Nur die über 14jährigen. Die Taufe der Kinder ist damit nicht erfaßt.

[26] Die Bevölkerungsabnahme der Juden Wiens war somit vor dem Weltkrieg jährlich über 500, da die Austrittsziffer nur die amtlich registrierten ausscheidenden über 14 Jahre alten Personen erfaßt.

[27] Es handelt sich um Berlin allein, Groß Berlin würde noch beweiskräftigere Zahlen liefern. Für den Westen liegt kein Material vor.

[28] Der eine Sohn war der Bassist Lindeck, der andere, allerdings nicht getauft aber wohl Dissident, der bekannte Münchener Hofkapellmeister und Wagnerdirigent.

[29] Emin Pascha, der als Jude geboren, später getauft wurde, trat zum Mohammedanismus über und wurde schließlich wieder Christ. Familien in denen die Kinder z. T. katholisch z. T. evangelisch getauft waren, sind keine Seltenheit.

[30] Von den in Preußen ermittelten Mischehen befindlichen 3643 Kinder waren 792 im jüd. Glauben erzogen. Also 22%, eine Ziffer, die fast in allen Auszählungen wiederkehrt, wonach jedes 4.-5. Kind aus Mischehen in der mosaischen Religion erzogen wird.

[31] Das XIX. Jahrhundert erfüllte der Kampf um die politischen Rechte des Individuums und die nationale Selbstständigkeit der Völker. Dem neuen Zeitabschnitt scheinen grosse soziale Auseinandersetzungen vorbehalten zu sein. Ob es gelingt, das einzelne Individuum vom Druck der Wirtschaftsverhältnisse frei zu machen, kann nur die Zukunft lehren. Vorerst hängen die Juden wie keine zweite Klasse von allen Vibrationen des Wirtschaftsmarktes ab und reagieren wie ein feines Metall auf alle Stösse des ökonomischen Lebens.

Im Mittelalter waren die Juden die Träger des Geldhandels, in der neuen Zeit sind sie die Träger des Kapitalismus, Begriffe, die man nicht ohne weiteres gleichsetzen darf. Es wäre lohnend auf alle diese Probleme einzugehen.

[32] Hierher gehören auch die sich mehrenden Fälle anormalen Sexualempfindens oder minderer Potenz.

[33] Denn es bleibt eine Tatsache, daß die Ostjuden sehr rasch die Sitten und Gewohnheiten der Westjuden annehmen, weil sie in denselben Kulturkreis unter denselben Voraussetzungen und Bedingungen eintreten.

[34] Jenseits der deutschen Grenze vollzieht sich in umgekehrtem Maßstab der Neuaufbau eines jüdischen Palästina und löst so das Wort des Profeten $Jesaias$ ein: „Und wenn auch nur ein zehntel bliebe: -- wie eine Eiche oder eine Terebinthe, wenn sie das Laub abgeworfen doch den Schein behält: so wird auch der heilige Stamm Bestand haben, und Amos beschließt diese Profetie in dem letzten seiner Bücher:

Alle Sünder in meinem Volk sollen durchs Schwert sterben, die da sagen: Es wird das Unglück nicht so nahe sein, noch uns begegnen. Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Lücken verzäunen, und was abgebrochen ist wieder aufrichten und will sie bauen wie sie vorzeiten gewesen ist.

Denn ich will das Verhängnis meines Volkes Israel wenden, daß sie sollen die wüsten Städte bauen und bewohnen, Wein, zu pflanzen und Wein davon trinken, Gärten machen und Früchte daraus essen.

Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, daß sie nicht mehr aus ihrem Lande ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott.”

Und in dem Sinne kann das Wort des Propheten Jeremias gelten:

„$Es bleibt Hoffnung für Deine Zukunft$!”

+------------------------------------------------------------------+ | Anmerkungen zur Transkription | | | | Der Schmutztitel wurde entfernt, das Inhaltsverzeichnis vom Ende | | des Buchs an den Anfang verschoben. | | | | Interpunktion wurde ohne gesonderte Erwähnung korrigiert. Die | | Zahlen in den letzten beiden Spalten der ersten Tabelle auf | | Seite 92 stimmen nicht mit den Summen der vorderen Spalten | | überein. Die Werte wurden so belassen. Auf Seite 103 gab es | | einen Fußnotenanker "*" ohne Fußnote. Dieser bezog sich | | anscheinend auf die Fußnote auf der vorhergehenden Seite und | | wurde an beiden Stellen so belassen. Die Summen in der zweiten | | Tabelle dieser Seite sind im Originaltext fett markiert, es ist | | keine Markierung in diesem Text vorhanden. Auf Seite 145 sind in | | der Tabelle zum Steueraufkommen die Werte korrigiert worden bei | | Katholiken von 5950 auf 595000 und bei Evang. von 4,9 % auf | | 49,0 %. | | | | Im Text wurden weiterhin folgende Änderungen vorgenommen: | | | | S. 7 Anführungszeichen entfernt. | | S. 8 "Noa" in "Noah" geändert. | | S. 9 "festumrissenem" in "festumrissenen" geändert. | | S. 14 "Neomalthusionismus" in "Neomalthusianismus" geändert. | | S. 15 "R. Elasar, b. Asarja" in "R. Elasar b. Asarja" geändert. | | S. 16 "Famile" in "Familie" geändert. | | S. 17 "Work" in "Werk" geändert. | | S. 18 "vorteihafteste" in "vorteilhafteste" geändert. | | S. 18 "Andrée" in "Andree" geändert. | | S. 26 Anführungszeichen entfernt. | | S. 42 "Sabbatheiligung" in "Sabbathheiligung" geändert. | | S. 44 Anführungszeichen ergänzt (Fußnote). | | S. 52 ")" eingefügt. | | S. 53 "11,9%" in "11,9 0/00" geändert. | | S. 53 "13,6%" in "13,6 0/00" geändert. | | S. 56 Anführungszeichen ergänzt. | | S. 72 "deuschen" in "deutschen" geändert. | | S. 77 "enstammen" in "entstammen" geändert. | | S. 78 "löken" in "löcken" geändert. | | S. 85 "blutsverwandschaftlichen" in "blutsverwandtschaftlichen" | | geändert. | | S. 90 "jahrlang" in "jahrelang" geändert. | | S. 96 "treibt" in "treiben" geändert. | | S. 97 "Neumaltusianismus" in "Neomalthusianismus" geändert. | | S. 102 Anführungszeichen ergänzt. | | S. 105 "wiederspiegelt" in "widerspiegelt" geändert. | | S. 105 "fundamenter" in "fundamentaler" geändert. | | S. 108 "bei der allgemein" in "bei der allgemeinen" geändert. | | S. 108 ")" ergänzt. | | S. 108 "Kinder" und "Erwachsene" in der Tabelle vertauscht. | | S. 116 ")" ergänzt. | | S. 120 ")" ergänzt. | | S. 123 "einem Komponenten" in "einer Komponente" geändert. | | S. 125 "übeu" in "über" geändert. | | S. 129 "Sanhedrion -- bekannt" in "Sanhedrion bekannt --" | | geändert. | | S. 133 "Durchschnittssjude" in "Durchschnittsjude" geändert. | | S. 134 "bei den Erörterung" in "bei der Erörterung" geändert. | | S. 136 "Hoffmannsthal" in "Hofmannsthal" geändert. | | S. 137 "stossen" in "stoßen" geändert. | | S. 148 Anführungszeichen ergänzt. | | S. 149 "alljhrlich" in "alljährlich" geändert. | | S. 149 "Vorgnge" in "Vorgänge" geändert. | | S. 149 "betrchtliche" in "beträchtliche" geändert. | | S. 149 "Kulturschdigungen" in "Kulturschädigungen" geändert. | | S. 149 "wren" in "wären" geändert. | | S. 150 "ethischen" in "ethnischen" geändert. | | S. 151 Anführungszeichen ergänzt. | | S. 151 "Wiederschein" in "Widerschein" geändert. | | S. 158 Anführungszeichen ergänzt. | | S. 160 "ungekehrtem" in "umgekehrtem" geändert (Fußnote 34). | | | | Folgende Inkonsistenzen wurden belassen, da beide Schreibweisen | | üblich waren: | | | | 50jährigen -- 50-jährigen | | ausser -- außer | | äussere -- äußere | | Descendenz -- Deszendenz | | dreissig -- dreißig | | Elementes -- Elements | | Friedenschluß -- Friedensschluss | | Geburtenüberschuß-Berechnungen -- Geburtenüberschußberechnung | | gefasst -- gefaßt | | gross -- groß | | Groß-Berlin -- Gross-Berlin | | Preussen -- Preußen | | proportional -- proportionell | | schliesst -- schließt | | selbständig -- selbstständig | | Zufluss -- Zufluß | | | | Anmerkungen zu nicht vorgenommenen Korrekturen: | | | | S. 61 Verstädtichung wurde nicht geändert. | | S. 122 Konkruluz ist vermutlich ein Setzfehler. Es könnte | | Kongruenz gemeint sein, wurde aber unverändert belassen. | | S. 130 Die Summe der angegebenen Mischehen Preußens besträgt | | 12484 statt der angegebenen 12384, das wurde unverändert | | belassen. | | S. 149 Die idiomatische Schreibweise "Karrikatur" wurde nicht | | geändert. | | "Profezeiungen" / "profezeihen" (in Zitataten) wurde nicht | | geändert. "garnicht" wurde nicht geändert. | +------------------------------------------------------------------+