Der Tor: Roman

Part 28

Chapter 282,601 wordsPublic domain

Einmal ging er hinein in einen Wald. Es war Sommer. Die Sonne glühte in den grünen Wipfeln. Da ging er dahin und sang. Plötzlich wurde es totenstill im Walde, die Hitze wurde unerträglich und langsam fiel Blatt um Blatt, mit einem singenden, seufzenden Laut. Die Blätter fielen dichter und dichter, sie schrumpften zusammen, knisterten, wie versengt von der großen Hitze, fielen, fielen, regneten auf ihn herab, die Äste starrten kahl und immer mehr Blätter regneten und drohten ihn zu ersticken --

-- Da erwachte er mit einem Schrei und fuhr auf. Sein Mund war voller Blut.

Tagelang lag er nun geschwächt und atmete nur leise.

Eisenhut kam ans Bett. »Worüber staunst du doch nur?« fragte er. »Du staunst immer!«

Grau lag und staunte.

Dann kamen die Tage, da Grau schwer atmete und Mütterchen ihm immerfort die Stirne trocknen mußte.

Das war der Glutwind! Er trug ihn dahin und viele, viele trug er dahin. Es ging durch die kahlen Äste eines endlosen, verdorrten Waldes. Die Seelen jammerten. Wir kleinen schäbigen Seelen, Erbarmen! jammerten sie. Es fegte, Tag und Nacht, immerzu und endlich hoch über den Wipfeln des verdorrten Waldes, in balsamischer Luft. Tief unten jammerten die Seelen. Wir sind zu schwer, Erbarmen. Aber er flog und sauste und viele sausten mit ihm. Es wurde glühend heiß -- er erwachte.

Sein Kopf war ganz klar. Er war durstig und seine Lippen brannten. Aber es war Nacht und er wollte Mütterchen nicht wecken. Er kühlte die Hände am Fenster und kühlte dann die Lippen.

Sofort versank er wieder. Er wanderte. Eine Felsenecke, wieder, wieder, eine endlose, schreckliche Wanderung. Ein Tor, eine Schlucht, ein furchtbarer Weg. Er kam in einen großen Felsenhof und hier waren viele Millionen Seelen und warteten. Wir sind die armen Seelen! beteten sie. Er wanderte und wanderte durch das Heer von Seelen hindurch und kam auf eine Heide. Hier ließ es sich gut ausschreiten.

Aber plötzlich warf ihn eine Stimme zu Boden.

»Mit Versprechungen hast du die Menschen getröstet und von Hoffnungen hast du gelebt!« sprach die Stimme, die furchtbar klang.

»Ich wollte beginnen! Vergib mir armen kleinen Seele!«

»Wie das Schwirren von Pfeilen und ein Schall von Hörnern hätte deine Rede sein sollen, deine Zunge war Stroh! Ich habe Antrieb und Neigung in dich gelegt, ich habe über deine Seele Ahnungen geschleudert wie Hagelschauer über das Feld, ich habe gefunkelt in dir wie der Mond am schwarzen Himmel funkelt, ich stand am Wege als kleine Blume, aber du hast mich nicht gesehen! Ich kam zu dir und fand dich schlafend, ich habe meinen Gedanken auf dich geworfen wie einen Felsblock, aber du bist nicht aufgewacht. Auf deiner Zunge saß ich als süßes Lied, warum hast du nicht gesungen? Zehnmal in deinem Leben ging mein großer Verkünder an dir vorüber, du sahst ihn an, aber du hast ihn nicht erkannt?«

»Ich habe dich als Feuer entsandt und du bist als Asche wiedergekommen!«

»Sprich, elende Seele, wo sind deine Früchte, wenn ich dich schüttele? Sprich, sprich, elende Seele?«

Er begann zu stammeln, verwirrt zu reden. Er stotterte Entschuldigungen. Er suchte in seinem Kopfe, nichts fiel ihm ein. Nichts, nichts. »Erbarmen, Erbarmen!« schrie er und krümmte sich.

»Sprich, sprich!« sagte die furchtbare Stimme.

Da fiel ihm ein, daß er einst für ein krankes Kind ein Bilderbuch gemacht hatte, geschrieben, gemalt, Tag und Nacht hatte er gearbeitet.

Aber die furchtbare Stimme sprach: »Sprich, elende Seele!«

Grau stöhnte. Drei Tage und drei Nächte sprach diese Stimme und drei Tage und drei Nächte flehte, bat Grau.

Eisenhut trat ans Bett und fragte, ob er wach sei. Grau sah ihn mit Augen an, die nichts sahen.

»Erkennst du mich?« fragte Eisenhut und lächelte, als ob er ihn lächelnd eher erkennen sollte.

Aber Grau sprach von einem Gefängnis und einem Gefangenen mit schrecklicher Sehnsucht nach seinem einzigen Kinde.

Eisenhut trocknete ihm die Stirne und kühlte sie mit Eis.

Nun war es ihm plötzlich leichter. Diese furchtbare Stimme war nicht mehr zu hören, und er ging in der Heide, wo es sich gut ausschreiten ließ. Er war fröhlich. Über die Heide kamen zwei Gestalten, sie kamen näher und er erkannte Susanna.

Er lief ihr entgegen und stürzte in die Knie: »Verzeihe, verzeihe, Susanna!« rief er. »Verzeihe das Zuviel -- ich habe dich ja geliebt -- aber verzeihe das Zuviel!«

Susanna hob ihn auf. »Es ist alles gut,« sagte sie leise und lächelte.

Da fiel sein Blick auf die andere Gestalt. Auch sie war eine Frau. Er erstaunte und richtete sich auf. Mit dieser Frau war er einst über die Heide im Sternschnuppenregen gegangen, nun war sie da.

»Bist du wieder du?« sagte sie und sah ihn an.

Bei ihrem Blicke aber erhellte sich sein Inneres, es war ihm, als ob er sein ganzes Leben verstände. »Ach so!« rief er aus und eilte ihr entgegen und weinte vor Glück.

In dieser Nacht starb Grau. Er starb als der Tag nahte und Eisenhut, der während der Wache eingeschlafen war, wurde durch das klagende Geheul eines Hundes geweckt. Er blickte auf Grau, und Grau sah so schön und friedevoll aus, daß Eisenhut sofort zu schluchzen begann. Er sah, daß er tot war.

Er fürchtete sich und ging hinaus, um den Hund zu vertreiben. Er warf Steine nach ihm, aber dieser gelbe, zottige Hund kümmerte sich nicht um Steine, er lief ihnen entgegen und heulte und winselte und gebärdete sich ganz unsinnig.

Als Mütterchen erfuhr, daß Grau gestorben war, sagte sie erschrocken: »Aber die Schuhe, wo hat er denn Susannas Schuhe?«

»Schwätzen Sie keinen solchen Unsinn!« sagte Eisenhut ärgerlich. »Er wird die Schuhe wohl in seinem Koffer haben!«

Sechzehntes Kapitel

Es regnete, als man Grau begrub. Viele Leute waren gekommen, auch Fremde, die man noch nie gesehen hatte. Eine Menge Kränze und Blumen bedeckten Graus Sarg und noch Tage, ja Wochen nach seinem Tode trafen Kränze ein. Ein Gärtner hatte einen wunderbaren Kranz mitgebracht, man hatte noch nie zuvor solch einen Kranz in der Stadt gesehen. Auch Adele war gekommen.

Der Dekan von Weinberg hielt die Rede. Es war ein schöner Mann mit blondem Vollbart, der sich selbst stets einen echten Germanen nannte. Er prüfte, ob das Brett fest sei, das man wegen des Schmutzes gelegt hatte, und der Kirchner mußte die ganze Zeit einen Regenschirm über ihn halten.

Dicht am Grabe standen zwei fremde Offiziere, die Helme in der Hand. Sie hatten rötliches Haar und helle Augen und jeder sah, daß sie Graus Brüder waren.

Der Dekan sprach, er sprach von dem jugendlichen Eifer Graus, seiner großen Nächstenliebe, den himmlischen Herrschern und vielem anderen. Je mehr er sprach, desto spöttischer lächelte Eisenhut, schließlich räusperte er sich unverschämt und endlich hustete er. Der Dekan mit dem blonden Vollbart warf ihm zornige Blicke zu.

Der Dekan hatte geendigt, da trat Eisenhut ans Grab. Er hob die Hand, zum Zeichen, daß er sprechen wolle. Dann sprach er.

»Hochverehrte Anwesende --« so sprach Eisenhut -- »dieser Mensch, den wir heute begraben -- er ist --«

Er konnte nicht fortfahren. Eisenhut war kein Redner. Die Leute sahen ihn erstaunt an und unterdrückten ein Lächeln.

Adele ging hinaus zu Mütterchen. Mütterchen saß allein in der Stube, die Hände im Schoß.

»Welche Freude!« sagte sie. »Wenn Susanna wüßte, daß Sie mich besuchen!«

Adele setzte sich in den Sessel.

Sie sagte: »Wer hätte denn denken können, daß er krank war und daß es so schnell mit ihm zu Ende gehen könnte.«

Mütterchen seufzte. »Sie war immer ein schwächliches Kind.«

Nach einer Weile sagte Adele: »Hat er viel leiden müssen?«

Mütterchen antwortete lange nicht. Dann sagte sie: »Nein, sie hat einen sanften Tod gehabt. Sie wußte gar nicht, daß sie sterben sollte.« Darauf nickte sie mit dem Kopfe und sagte mit leiser singender Stimme: »Susanna? Susanna?«

Adele schauerte zusammen; sie ging.

Auf der Brücke stand Eisenhut und wartete. Er zog den Hut, verbeugte sich und nahm einen Brief aus der Tasche.

»Ich habe einen Brief an Sie abzugeben, gnädige Frau,« sagte er, »außerdem hätte ich es ja nicht gewagt Sie anzusprechen.«

Adele lächelte und gab ihm die Hand. »Sie sind es, Herr Eisenhut! Ich freue mich Sie zu sehen. Es war schön von Ihnen, daß Sie heute eine Rede -- --«

Eisenhut sah sie überrascht an. Sie hatte sich sehr verändert, bleich sah sie aus und gleichsam um viele Jahre älter, auch ihre Stimme klang ganz anders. Sie begann laut zu sprechen, aber ihre Stimme sank rasch zu einem Flüstern herab, so daß man die letzten Worte nicht mehr verstehen konnte.

Sie nahm den Brief an sich.

»Er ist ja offen?« sagte sie.

»Ja,« entgegnete Eisenhut, »so hat er ihn mir gegeben.«

»Ah! Er tat es absichtlich. Aber sehen Sie doch, in dem Brief ist ja noch ein Brief? An meinen Bruder, ein solch dicker Brief! Was mag er doch mit meinem Bruder zu tun haben? Auch Maria Sinding erzählte mir, daß er sie einmal vor ihm warnte. Aber -- nun gehen Sie mit mir und erzählen Sie mir von ihm. Sie sind ja um ihn gewesen, Sie waren ja sein Freund!«

Eisenhut erzählte was er wußte.

»Er hat auch einigemal Ihren Namen genannt, gnädige Frau.«

Adele lächelte und errötete flüchtig. »Wie hat er mich genannt?« fragte sie.

»Er nannte Ihren Vornamen, gnädige Frau.«

Adele schwieg lange. Dann sagte sie: »Wer hätte denn denken können, daß es so kommen könnte!«

»Der Arzt sagt, Grau hätte die Krankheit von Susanna bekommen,« sagte Eisenhut.

Sie standen am Gitter des Parkes und Adele gab Eisenhut die Hand. »Vielleicht sehen wir uns einmal irgendwo,« sagte sie, »da Sie nun doch auf Reisen gehen. Vielen Dank noch. Vergessen Sie, daß ich Sie einst kränkte, ich denke jetzt ganz anders. Ich hoffe, es wird Ihnen gut ergehen, ein wenig besser vielleicht als mir. Leben Sie wohl!« Sie hielt inne, dann fügte sie leise hinzu: »Er war ein solch guter Mensch!«

Sie lächelte und reichte Eisenhut die Hand zum Kusse und Eisenhut küßte ehrfürchtig ihre weiße Hand. Dann ging sie langsam hinein in den Park und es dauerte lange Zeit, bis sie an die Stufen kam, die sie langsam emporstieg.

Eisenhut reiste am andern Tage mit seinen Lederkoffern nach dem Süden ab. --

Das aber ist der Brief, den Grau an Adele geschrieben hatte:

»Hüte Deine Seele, meine Freundin, sie ist das Einzige, was Du besitzt, unerforscht ist das Leben, unerforschter der Tod. Es gibt kein Ende. Wieder und wieder werden wir einander begegnen in den Reichen.«

Ende

Werke von Bernhard Kellermann

Yester und Li

(Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane.) Geb. 1 Mark, in Leinen 1,25 Mark.

Die Geschichte einer Sehnsucht ist es, die der Verfasser erzählt -- einer zarten, zitternden, tastenden Sehnsucht. Einer so verzehrenden, wahnwitzigen, ungeheuerlichen Liebessehnsucht, wie sie nur ein Dichter, ein Auserwählter unter den Menschen zu einem auserwählten, seltenen, wundervollen Weibe empfinden kann. -- Henri Ginstermann heißt er. Und sie heißt Bianka Schuhmacher. Ganz einfache, alltägliche Namen. Aber was für Menschen! Von einer, trotz ihres Temperaments, seltenen seelischen Keuschheit. Voll Rasse und fein gestimmter innerer Kultur. Ihre Seelen sind -- ein triviales Bild zu gebrauchen -- wie äußerst verfeinerte phonographische Platten. Jeder Hauch, jeder kleinste Eindruck bleibt in ihnen haften, läßt ihre Saiten schwingen in wunderbar zarten und rauschenden Melodien. Und zwischen diesen beiden Menschen schwebt eine innige, keusche, unausgesprochene Liebe. Beide wissen: sie ist hoffnungslos, diese Liebe. Und doch trägt sie jeder im Herzen, sorgsam, wie ein anvertrautes Gut, ein Heiligtum, einen köstlichen Schatz. In stummer Duldung klammert er sich an sein jämmerliches Leben, das ihn, den um unbesonnener Jugendstreiche willen Verstoßenen, Verfemten, so oft grausam geneckt. Seiner heiligen Sehnsucht zuliebe tut er es. Sein ganzes Sein und Wesen strömt in dies eine große Gefühl zusammen. Seine Liebe ist ihm das Leben. Alle seine intellektuellen und moralischen Kräfte werden davon aufgesogen, restlos, unwiederbringlich. Er treibt einen Kultus mit dieser Frau. Wendet seine ganze ärmliche Habe an, um ihre Gipsbüste mit kostbaren Blumen zu schmücken. Besingt sie in überschwänglichen, himmelhochjauchzenden Hymnen. Kleidet die Geschichte seiner Liebe in eine innige Erzählung von zartem Duft und feiner exotischer Farbigkeit! Yester und Li heißen darin die Liebenden. (Man erkennt Kellermann, den Freund japanischer Kultur.) Henri verfällt in Krankheit, in Tobsucht, ist dem Wahnsinn nahe. Er verschmäht die Liebe anderer Frauen. Alles um ihretwillen. Und macht doch allem ein Ende durch einen leisen, müden Verzicht. Wunderbar greifend ist dieser Schluß. Bianka hat ihm -- fast wortlos -- ihre Erwiderung seiner Liebe gestanden. Aber sie sehen die Unmöglichkeit ihrer Verbindung ein. Nach einem letzten Abschiedskuß reist sie ab. Und die »Geschichte einer Sehnsucht« schließt mit dem schlicht-schönen Bild, daß Ginstermann Rosen auf die Schienen streut, über die der Zug die Geliebte entführt.

(Königsberger Allgemeine Zeitung)

Ingeborg

Roman. 18. Auflage. Geh. 4 Mark, geb. 5 Mark.

Frauen und Jünglinge, leset dies neue Buch -- Ingeborg --, diesen zweiten Roman von Bernhard Kellermann. Die Liebe lebt darin und die Romantik. Und der Wald lebt darin und alle Jahreszeiten. Wahrhaftig, ein närrisches Buch, aber weise und klug bei aller Narretei, denn die unerforschlichen, unabänderlichen Lebensgesetze sprechen daraus. Jung ist es, ganz jung-jung, und das Blut macht es unruhig, es fiebert von Liebe. In einigen Märznächten, als der Föhn vor den Fenstern stürmte, habe ich es gelesen; mein Herz kam völlig aus dem Takt, und ich glaube nicht, daß der Föhn allein daran schuld war . . . Mit einer kindlich zarten und zugleich unerhört verfeinerten Gabe wird hier von den heiligsten und besten Dingen gesprochen. Ich will mich mit diesem Buche nicht allein freuen. Jedem möchte ich es in die Hände drücken, der überhaupt noch einen Roman lesen kann.

(Die Zeit, Wien)

Ganz trunken von Schönheit und Schmerz ist das Buch. Es schlägt Töne an, die man schwer vergißt . . . Selten ist etwas Glühenderes und Sanfteres geschrieben worden als die Schilderung dieser Liebe.

(Der Tag, Berlin)

Maßlos schön muß ich dieses Buch nennen. Ich habe vier Wochen daran genossen, so schön und schwer ist es an blühenden Wundern und quellenden Tränen. So schwer ist es an tiefem Leben, daß man Stufe um Stufe mitschreiten und Tropfen um Tropfen mitkosten muß, so voll ist es von Liebe und Blut aus einem großen, großen Herzen.

(Münchener Zeitung)

Das Meer

Roman. Zehnte Auflage. Geh. 4 Mark, geb. 5 Mark.

Ein kulturmüder Mann lebt einen Sommer hindurch auf einer bretonischen Fischerinsel. Er versinkt ganz in dem triftigen, urwüchsigen Dasein dieser einsamen Welt. Trinkt, flucht, liebt und haßt wie die Bewohner der Insel, die gleich abgeschlossen ist von den Moralbegriffen wie dem Rechtsempfinden der Welt da draußen. Alle Leidenschaften pulsen in jagendem Tempo, alle Gedanken schleichen in kriechender Beharrlichkeit. Liebe und Haß, Freundschaft, Verrat -- es ist eine Urzeit, in der sich der Trieb in sich verwickelt, noch ungeteilt in das Zweigeschlechtliche, das Gute und Böse. Es ist die Epoche, in der sich langsam das erste Land aus der furchtbaren Unendlichkeit des Meeres hebt. Man soll vorsichtig sein -- aber doch, hier darf man es aussprechen: Es ist ein Meister, der dies Buch geschrieben hat. Manchem wird die wilde Schönheit unverständlich bleiben, manchem wird auch die feinste Sprachkunst nicht darüber hinwegsetzen, daß es immer wieder nur das Meer ist -- und nur das Meer, von dem er lesen muß. Wer sich aber in dies Werk ernstlich vertieft, dem wird es seine Mannigfaltigkeit wohl erschließen. Und er wird meine Freude darüber teilen, daß auch einem Deutschen der Entdeckerflug in die unbekannten Reiche der Natur gelungen ist, der bisher Männern wie Kipling oder Loti vorbehalten schien. Nur daß Kellermanns Empfindung, wärmer, seine Anschauungskraft stärker, seine Sehnsucht tiefer ist.

(B. Z. am Mittag, Berlin)

Man braucht nach »Ingeborg« niemandem zu sagen, welcher Meister der Dichtkunst dieses Buch geschrieben hat. Nur wird man hervorheben dürfen, daß in den Tiefen dieses Werkes unterhalb seines großen künstlerischen Ernstes ein kostbares Lebenselement geschäftig ist und manchen wirbelnden Strahl zur Oberfläche schickt: der Humor, der leibhaftige Humor!

(Anhaltischer Staatsanzeiger, Dessau)

Druck von Wilhelm Hecker in Gräfenhainichen.

Anmerkungen zur Transkription

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