Part 6
„Warum behalten Sie diesen Schlingel von Kontoristen?“ -- „Der Kerl mahnt großartig.“
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Der Kaufmann
Eine Fabel von Karl Ettlinger.
Es war einmal ein Kaufmann, der war in jungen Jahren nach England ausgewandert und hatte dort lange Zeit gelebt und es zu großem Ansehen gebracht. Als er nun, von Heimweh ergriffen, wieder nach seinem Vaterland zurückkehrte, da wunderte er sich baß über vielerlei. War er in England in einer Gesellschaft von Aristokraten, hohen Militärs, Künstlern oder Politikern gewesen, so hatte man ihm stets die höchste Achtung gezollt, man hatte auf seinen erfahrenen Rat gehört, und seinen praktischen Sinn bewundert. Anders erging es ihm zu Hause. Redete er, so hörte man ihm wohl aus Höflichkeit zu, aber man ging über seinen Rat hinweg und lächelte arrogant: „Koofmich!“ Denn diesen geistvollen Namen hatten seine Landsleute für den Kaufmannsstand geprägt.
Unser Kaufmann war ein intelligenter Kopf, und so ging er den Ursachen dieser eigentümlichen Geringschätzung nach. Er konnte sie aber nicht entdecken, sondern vermochte nur festzustellen, daß diese Geringschätzung sich nahezu auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zeigte. Im Parlament fand er zwar Landräte, Journalisten, Pfarrer, Handwerker, Agrarier, aber kein Dutzend Kaufleute. In der Diplomatie und den Staatsstellungen traf er fast ausschließlich Juristen an, Angehörige einer bestimmten Kaste, zumeist feudale Protektionskinder. Das war sonderbar. Doppelt sonderbar für einen Mann, der von England her das Gegenteil gewöhnt war. Also machte er sich auf den Weg zum Ministerium, denn er hoffte, dort des Rätsels Lösung zu erfahren. Nachdem er zehn Stunden gewartet hatte, ließ ihn der Finanzminister vor.
„Exzellenz,“ begann er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben: wie kommt es, daß =der= Stand, der die meisten Steuern zahlt, der fast allein die Zölle aufbringt, vom Staate in jeder Beziehung so stiefmütterlich behandelt wird?“
Der Finanzminister sah den Klagesteller mißtrauisch an. Sowas war ihm noch nicht vorgekommen. Dann lehnte er sich zurück und sagte: „Warum man diesen Stand so schlecht behandelt? Sehr einfach: =weil es der Kaufmannsstand ist!=“
Das Wort „Kaufmann“ sprach er mit einer Betonung aus, wie etwa ein Kind „Lebertran“ sagt.
„Uebrigens,“ fuhr der Finanzminister fort, „nebenan wohnt der Kultusminister, vielleicht weiß der näheres!“
Also ging unser Kaufmann zum Kultusminister.
„Exzellenz,“ sagte er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben: wie kommt es, daß =der= Stand, der am meisten deutsche Kultur, deutsche Sprache und deutsche Sitten über den Erdball trägt, vom Staate in jeder Beziehung so stiefmütterlich behandelt wird?“
Der Kultusminister sah den Fragesteller mißtrauisch an. Dann sagte er: „=Sehr einfach, Verehrtester! Weil es der Kaufmannsstand ist!=“
... Weil es der Kaufmannsstand ist! Dieselbe Antwort erhielt er, als er beim Handelsminister frug, warum der Staat Börsengesetze mache, ohne die Börse zu befragen; als er beim Justizminister frug, warum der jüngste Assessor mehr Macht und Ansehen genieße, als der kenntnisreichste Prokurist? Zuletzt ging er zu einem Hofmarschall.
„Exzellenz,“ sagte er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben: Wenn unser Vaterland heute so groß und geachtet dasteht, so verdankt es das =mit in erster Linie= seinem Handel und seiner Industrie. Wie kommt es nun, daß wir unter allen unseren Ministern und Diplomaten nur =einen= Kaufmann haben? Daß der Kaufmann als _quantité négligeable_ behandelt wird? Daß das vielseitige Wissen, die praktische Erfahrung unserer Kaufmannschaft fast gar nicht dem Staate nutzbar gemacht wird?“
Der Hofmarschall runzelte die Stirne. So ein frecher Koofmich! Aber der Hofmarschall bezwang seinen Zorn und sagte: „Sehr interessant, was Sie da sagen! Ich werde Ihnen die Antwort schriftlich geben!“ und notierte sich die Adresse.
Seit dieser Unterredung sind viele Jahre verflossen. Unser Kaufmann ist alt und grau geworden, aber eine Antwort auf seine Frage hat er noch nicht erhalten. Und das ist begreiflich. =Denn warum der deutsche Kaufmann in seinem Vaterlande so wenig gilt, das weiß kein Mensch!= --
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Der Nassauer
Ein schlauer Konzertunternehmer beabsichtigt, einen „Star“, die berühmte Sängerin Trillerini, in der Hauptstadt singen zu lassen. Um das Publikum vorher recht neugierig zu machen, rückt er in der gelesensten Zeitung eine Woche lang bloß die Worte ein: „Sie kommt!“ Am achten Tage hatte er vor, die Neugierde des Publikums zu befriedigen und zu sagen, wer komme ... Wer beschreibt aber sein Erstaunen, als er am siebenten Tage in derselben Zeitung liest:
Sie ist da! die anerkannt beste Fett-Glanzwichse, die Schachtel zu 15 Pfennige.
Zacharias Schlaucherl, Schnipferstr. 23.
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Ein umsichtiger Geschäftsmann
Dame (die vom Chef bis zur Tür des Geschäftes hinausbegleitet wird): „O, das war gar nicht nötig, ich hätte auch so hinausgefunden; danke für gütige Begleitung.“ -- Chef: „Keine Ursache, meine Dame, das ist bei uns Geschäftsusus, -- es wird nämlich in letzter Zeit -- so schrecklich viel gestohlen!“
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Die Krawatte
Nathan Bauchgedärm kauft bei einem seiner Lieferanten einen großen Posten Ware und es glückt ihm, dem Lieferanten dafür 280 M. in bar zu zahlen und ihm noch einen Wechsel über 20 M. anzudrehen.
Als er geht, sagt er: „Hab' ich bei Ihnen gekauft für dreihundert Mark Ware, da könnten Se mer doch auch ä Presentchen machen?“
Der Lieferant gibt ihm eine schwarze Krawatte.
„Haißt ä Präsentche,“ ruft Bauchgedärm, „ä Krawatte! Keine 25 Pfennige is se wert, und for dreihundert Mark hab' ich gekauft!“
„Na, schön,“ sagt der Lieferant, „weil Se sind ä anständiger Kunde von mir, will ich Ihnen ä anständiges Geschenk geben; hier haben Sie Ihren Wechsel zurück!“
Nathan nimmt den Wechsel, dreht ihn hin und her, kratzt sich am Kopfe und sagt dann:
„=Geben Se mir doch lieber die Krawatte!=“
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Schneller Verdienst
„Heut' hab' ich in einer Sekunde zehn Mark verdient.“
„Wieso?“
„Ae Kunde hat wollen kaufen bei mir ä Winterrock und fragt, was er kostet. Schon hab' ich wollen sagen zehn Mark -- in der letzten Sekunde hab' ich gesagt zwanzig.“
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Ende gut, alles gut
Dem Herrn Elkan wird am Tage des Versöhnungsfestes ein Kognak offeriert. Er lehnt höflich ab mit den Worten: „Erstens trinke ich nie Kognak, zweitens darf ich am Versöhnungstage überhaupt nichts genießen, drittens habe ich eben einen Kognak getrunken, und viertens -- na, geben Sie schon her!“
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Verlockend
=Agent= (einer Unfallversicherungs-Gesellschaft zu einem Reisenden): „Sehen Sie, mein Lieber, gesetzt den Fall, Sie brechen ein Bein, so bekommen Sie 10000 Mark; brechen Sie nach vier Wochen einen Arm, so bekommen Sie 25000 Mark; brechen Sie aber gar das Genick, so bekommen Sie 50000 Mark -- und sind dann der glücklichste Mensch der Welt!“
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=Erster Kaufmann=: „Na, Sie haben's weit gebracht, nach einem Jahr melden Sie schon Konkurs an?“ -- =Zweiter Kaufmann= (stolz): „Nicht wahr? Und mit gar nichts habe ich angefangen.“
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Ein Schreckschuß
„Onkel, wenn Du mir die tausend Gulden verweigerst, dann spring' ich ins Wasser.“ -- „Werst De kriegen 'n Schnupfen!“ -- „Oder schieße mir eine Kugel vor den Kopf.“ -- „Werd se prallen ab an Deiner Stirn.“ -- „Dann kaufe ich mir einen Strick.“ -- „Werd nichts tun ein Strick dem andern.“ -- „Ich laß mich taufen!“ -- „Werden wir uns freuen, daß mer sind Dich los!“ -- „Gebe ich meine Studien auf und eröffne Dir gegenüber ein Konkurrenzgeschäft!“ -- „Hier hast De's Geld!“
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Das Ehrenwort
„Itzigsohn, was kostet jetzt der Hafer?“ -- „160 Mark!“ -- „Hör' mal, Itzigsohn, ich werde dir 158 Mark geben.“ -- „Gott soll mich strafen! 158 Mark! Ich geb' Ihnen mein Ehrenwort, daß der Schröter schon hat geboten 159,50 Mark.“ -- „Itzigsohn, wenn du mir gibst dein Ehrenwort, daß das gelogen ist, werde ich dir 159,50 Mark geben.“ -- „Is in Ordnung.“
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Leichte Karriere
Wenn einer weiß, was er will, und nur das will, was er kann, und kann was er will, und weiß, daß er kann was er will, der wird ein ganzer Mann.
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Ein Sophist
Moses Treppengeländer merkt auf einer Geschäftstour, daß er seine Pantoffel zu Hause gelassen hat, er setzt sich also abends ins Schreibzimmer des Hotels und schreibt an seine Frau:
Liebes Rebeckchen! -- Ich möcht Dir bitten, sende mir =Deine= Pantoffel! Ich brauche allerdings nicht =Deine= Pantoffel, sondern =meine= Pantoffel, aber wenn ich Dir schreibe, =meine= Pantoffel, wirst Du ja lesen =meine= Pantoffel und verstehen =Deine= Pantoffel und mir schicken =Deine= Pantoffel. Darum schreibe ich =Deine= Pantoffel, damit Du liest =Deine= Pantoffel und verstehst =meine= Pantoffel und mir wirklich =meine= Pantoffel schickst.
Dein Moses.
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Recht hat er
Onkel: „Jetzt habe ich dir das teure Buch „Der kleine Kaufmann“ geschenkt, und du hast noch keinen Blick hineingeworfen.“ -- Moritzche: „Ach, Onkel, was ist denn heutzutage ein kleiner Kaufmann!“
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Eigentümlicher Handel
Geschäftsmann (vor dem Laden zu einem Kunden): „Sie lassen sich ja gar nicht mehr bei mir sehen, wollen Sie denn gar nicht mehr bei mir kaufen?“ -- Kunde: „Nee, wenn Sie immer sagen, Sie hätten Schaden dabei -- das kann ich doch nicht verlangen.“ -- Geschäftsmann: „Nun ja, aber wenn Sie recht viel kaufen, habe ich doch immer etwas Nutzen!“
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Der Sozius
Ein nettes Geschichtchen erzählt man sich in der Berliner Konfektionsbranche: Die beiden Chefs eines noch nicht lange bestehenden Hauses hatten einen Reisenden, mit dem sie sehr zufrieden waren. Im ersten Jahre hatte das Geschäft rein netto 16000 Mark gebracht, so daß auf jeden der Inhaber 8000 Mark kamen, der Reisende aber hatte 12000 Mark verdient. Da er wußte, daß ihn die Firma nötiger brauche als er die Firma, verlangte er als Sozius aufgenommen zu werden. Nach einigem Hin und Her setzte er seine Forderung durch. Dem neuen Chef wurde außer anderen Ehrenrechten auch die Benutzung der den Chefs vorbehaltenen Toilette eingeräumt und der dazu gehörige Schlüssel mit einer gewissen Feierlichkeit überreicht. Ein Jahr verging, der neue Mitbesitzer hatte stramm gearbeitet, und der Reingewinn hatte sich auf 30000 Mark gehoben. Auf jeden der Chefs kamen 10000 Mark. Als der frühere Reisende dies Ergebnis erfuhr, ging er still an sein Pult und brachte den Schlüssel seinen Kompagnons zurück. „Zweitausend Mark dafür sind mir zu teuer,“ sagte er, und aus dem Associé wurde wieder ein Angestellter.
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_Semper idem_
Herr Bankier Cohnreich (zu seiner Frau, welche auf den Stuhl steigt, um auf dem Schrank etwas zu suchen): „Berta, verlier' nicht de =Bilanze=!“
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Glücklicher Ausweg
Moses kommt zum Rechtsanwalt.
„Herr Rechtsanwalt, was soll ich machen, jedesmal wenn ich nach Haus komme, sitzt mein Buchhalter mit meiner Frau zusammen auf'm Sofa und da knutschen sie sich ab.“
„Schmeißen Sie doch Ihren Buchhalter 'raus!“
„Das kann ich nicht, er ist im Geschäft unentbehrlich.“
„Dann lassen Sie sich von Ihrer Frau scheiden!“
„Ich habe meine Frau so lieb -- das tu' ich nicht.“
„Dann kann ich Ihnen nicht helfen.“ -- --
Nach einiger Zeit treffen sich Moses und der Rechtsanwalt auf der Straße.
„Na, haben Sie sich nun von Ihrer Frau scheiden lassen oder haben Sie Ihren Buchhalter 'rausgeschmissen?“
„Nee -- ich habe 's =Sofa verkauft=!“
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Liebesbrief im Geschäftsdeutsch
Liebste Emma!
Im Besitze deiner werthen Zeilen Von dem fünfundzwanzigsten _currentis_ Beehr' ich mich ergebenst mitzutheilen Daß mein Herz in heißer Lieb entbrennt is. Dich hab ich ergebenst auserkoren Als die höchste Sehnsucht meiner Triebe Und so bitt' ich Euer Wohlgeboren Höflichst um gefäll'ge Gegenliebe. Welche Qual mir Deine werthen Blicke schufen! Ach und dennoch kann ich nicht bereuen. Deine Reize brauchen nämlich unberufen Wirklich keine Konkurrenz zu scheuen! In Betreff der heiligsten Gefühle, Welche ganz ergebenst in mir brennen, Da bedaure ich, o blonde Kühle, Leider keine Rücksicht mehr zu kennen. Nein, ich kann mich nicht mehr länger fügen Oben detaillierten Schicksalsschlägen Und so sehe ich denn mit Vergnügen Ihrer werthen Rückantwort entgegen.
Karl Ettlinger (Aus „Streifzüge eines Kreuzvergnügten.“)
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Ein schlagender Beweis
Herr Isidor Nelkenkopf hat eine Geschäftsführerstelle für sein Seidenhaus ausgeschrieben und läßt sich die einzelnen Bewerber in seine Privatwohnung kommen, denn seine Frau hat -- wie in allen Sachen -- auch im Geschäft ein wichtiges Wort mitzusprechen. Drei Herren hatten sich bereits vorgestellt, doch keiner entsprach den gestellten Forderungen. Plötzlich geht die Tür auf und der vierte Bewerber tritt ein: Herr Isaak Fingerstock. Sobald dieser seine Prinzipalin _in spe_ erblickte, schrak er sichtlich zusammen und brachte kein Wort hervor. Herr Nelkenkopf bemerkte dies und frug erstaunt:
„Nuu -- was is das? Kennen Se ihr?“
„Ja“ -- stotterte Fingerstock, „ich -- ich -- --“
„Nuu und woher kennen Se ihr?“ unterbrach ihn der Prinzipal.
„Ich -- ich war mal mit ihr verlobt,“ -- sagte Fingerstock zaudernd.
„=Verlobt!= -- mit ihr!“ schrie Nelkenkopf, „und =trotz ihres Geldes= haben Sie ihr nischt geheirat. Das beweist mir, daß Sie unbedingt ä kluger Kopf sein missen. Sie passen mir in mein Geschäft. Morgen können Se de Stellung antreten!“
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Herr Aaron Tapetenmuster, Chef der Firma Tapetenmuster & Cie., kommt eines Tages zu ungewohnter Stunde heim und findet zu seinem Entsetzen seinen ersten Reisenden mit seiner jungen schönen Frau in einer äußerst kompromittierenden Situation.
„Sie Lump, Sie elendiger,“ fährt er auf den Ehestörer los, „Sie Spitzbub, Sie Hallunk, Sie Bube, Sie ehrloser; wenn ich jetzt einen Revolver bei mir hätt', meiner Seel' und Gott -- =ich hauet' Ihnen zwei Ohrfeigen herunter=!“
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Verschiedene Auffassung
=Isaak=: „Aaron, Gott was de hast vor ä reizende Braut mit vornehmem Sinn vor =höhere Interessen=!“
=Aaron=: „Gott, was kann mer nützen der =Sinn vor höhere Interessen=, zahlt ja heutzutage niemand mehr als =höchstens= 3-3½ =Perzent=!“
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Streng geschäftlich
=Braut= (deren Verlöbnis vom Bräutigam rückgängig gemacht wurde): Und somit gebe ich Ihnen auch die Briefe zurück, die Sie an mich gerichtet haben.
=Kaufmann=: Brauch' ich gar nicht; =sie sind alle kopiert=.
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Börsenbericht eines verliebten Bankbeamten
Junge Dame stark begehrt Taille knapp Stiefelchen hoher Absatz Werbung stetig Ueberredungskunst lebhaft Bedenken matt Widerstand schwach Treue kaum behauptet Umarmung fest Küsse stark angeboten Gegenliebe sehr behauptet Glück still Verliebtheit steigend Vernunft fallend Herzschlag unruhig Eifersucht hoch Kassenstand niedrig Geschenke teuer Koketterie unverändert Ende flau Abschied ruhig
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Depeschenwechsel
Hirsch jun. (in Berlin telegraphiert an seinen Vater in Landsberg): „Erwarte deine Einwilligung zur Heirat. 50 000.“ -- Hirsch sen. (antwortet): „Mark oder Taler?“ -- Hirsch jun.: „Taler.“ -- Hirsch sen.: „Meinen Segen!“
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Zeitgemäß
A: „Haben Sie nicht damals in das Geschäft Ihres Prinzipals eingeheiratet?“ -- B: „Ja, aber ich habe, Gott sei Dank, schon wieder herausgeheiratet!“
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Ein Gemütsmensch
Der Münchener Vertreter einer Lebensversicherungs-Gesellschaft erhielt kürzlich aus einem Provinzstädtchen folgenden vielsagenden Schreibebrief: „Hochgeehrter Herr! Mit tiefer Betrübnis im Herzen ergreife ich die Feder, um einige Zeilen an Sie zu richten. Meine liebe Frau Anna Maria, geborene Lindner, welche, wie Ihre Liste ausweisen wird, bei Ihrer ehrenwerten Gesellschaft für 3000 Mark versichert war, ist plötzlich gestorben und hat mich in Verzweiflung zurückgelassen. Der schmerzliche Schlag traf mich heute morgen 6 Uhr. Trachten Sie doch gütigst, daß ich die versicherte Summe recht bald erhalte. Die Police-Nummer ist 21 762. Ich kann im Ernst und in voller Wahrheit sagen, sie war eine treue Gattin und auch eine zärtlich liebende Mutter. -- Ich habe, damit alles schneller geht, gleich das bezirksärztliche Zeugnis beigelegt. Sie war nur ganz kurze Zeit leidend; sie hat aber doch recht viel gelitten, und für mich war der Schmerz um so größer. Ich denke, Sie werden etwas zu meinem Troste beitragen und das Geld recht bald schicken, besonders wenn ich Ihnen die Zusicherung gebe, daß ich auch meine zweite Frau seinerzeit bei Ihnen versichern lassen will, und zwar um das Doppelte, also 6000 Mark. Mein Schmerz ist groß, jedoch die Hoffnung auf Ihre freundliche Güte und Gefälligkeit hält meinen gesunkenen Mut noch aufrecht. Der recht baldigen Einsendung des obigen Betrages sieht mit Hochachtung entgegen N. N. mit Kindern.“
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Abwechslung
„Nachdem dem Herrn Kommerzienrat Mayer sein Kassierer mit dessen Frau durchgegangen ist, hat er sich eine Kassierin genommen!“ -- „Nun, und jetzt?“ -- „Ist er mit der Kassierin verduftet!“
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Ein Mißverständnis
Kaufmann Schulze hatte schon lange ein Auge auf die Tochter des Zigarrenhändlers Deckblatt geworfen; nur über die finanzielle Seite der Frage war er sich noch nicht klar. -- Da nahm er eines Tages seinen Mut zusammen und frug den Vater der Schönen gleich kurzweg in seinem Laden, ob er ihm wohl seine Tochter zur Frau geben würde. „Warum nicht?“ entgegnet Deckblatt freundlich. „Sie sind ein tüchtiger junger Mann!“ -- „Und,“ fragt Schulze erfreut, „wieviel Mille würden Sie ihr wohl mitgeben?“ -- „Zwanzig,“ entgegnet jener. Schulze erklärt sich damit einverstanden, und nach vierzehn Tagen führte der glückliche Freier die Zigarrenhändlerstochter zum Altar. -- (Zwei Tage nach der Hochzeit.) „Nun, lieber Papa, darf ich Dich um die Mitgift bitten?“ -- „Jawohl, mein lieber Schwiegersohn! Sag' mir nur, welche Sorte Du willst: Regalia, Colorado, Divinos oder Perfectos?“ -- „Waas? =Zigarren?!=... Und ich =Unglücklicher= bin noch dazu =Nichtraucher=!!“
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Nobel
Agent: „Sie haben sich auf Ihrer Tour wirklich mit der Tochter eines Kunden verlobt, weil Sie keine andere Möglichkeit sahen, den Ansturm der Konkurrenz abzuschlagen? Was hat denn Ihr Prinzipal zu einer solchen Aufopferung gesagt?“ -- Geschäftsreisender: „Gar nichts, er hat mir bloß für meinen Verlobungstag die Spesen gestrichen, weil mich da Essen und Trinken nichts gekostet hätte.“
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Der praktische Freier
=Kommerzienrat=: „Nu, main Lieber, Se sollen also haben main Rebbekche, doch de Mitgift werd' ich deponieren bei der Bank!“
=Freiender Handelsmann=: „Was meine Se su main Vorschlag, Herr Kommerzienrat? Ich mein', Sie sollten mer geben de Mitgift und das Rebbekche deponieren bei der Bank!“
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Immer im Geschäft
Buchhändler (dem neuen Schwiegersohn die Tochter übergebend): Hier übergebe ich Ihnen das Beste, was ich habe, lieber Schwiegersohn. (Gerührt.) =Soll ich sie Ihnen etwas in Papier einschlagen?=
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Leider nicht
Ein Großhändler in Budapest besitzt einen Kontoristen, der ein Muster seines Standes wäre, wenn er minder an unheilbarer Bummelei litte. Vieles ließ ihm sein Chef hingehen; als er ihn aber eines Tages, da der Gute schon um vier Uhr fortgegangen war, um einen schwerkranken Bruder zu pflegen, mit einem hübschen Mädchen spazieren gehend fand, da war auch seine Geduld erschöpft und er kündigte ihm ernste Maßregeln für den Wiederholungsfall an. Einige Tage war alles in Ordnung; dann nahte sich der Kontorist dem Gestrengen wieder mit dem bekannten Armensündergesicht. Der aber ließ ihn gar nicht zu Wort kommen. „Herr!“ schrie er ihn an, „kommen Sie morgen pünktlich, oder ...“ Der folgende Tag kam; es ward elf Uhr, der Chef saß in seinem Kontor und blätterte mit finsterer Miene in einem ganz eigentümlichen Geschäftsbuche; dort wurden nämlich alle Ausreden gebucht, die der Unverbesserliche bereits ersonnen, und es gab dort so viel gestorbene Neffen, erkrankte Nichten, angelangte Tanten, daß der Buchhalter eine ganz unglaublich große Familie besitzen mußte. Endlich trat der Sünder ein, so drollig zerknirscht, daß sein Brotgeber fast seinen Zorn schwinden fühlte. „Nun! wer ist gestern gestorben?“ rief er ihm zu. „Gestorben? Niemand, ich habe bloß heute geheiratet,“ erwiderte der Ankömmling zerknirscht. -- „Herr, das ist doch zu arg, das ist eine infame Ausrede!“ -- „Entschuldigen Sie,“ erwiderte tief seufzend der Buchhalter, „aber, leider Gottes, es ist =diesmal leider= keine Ausrede.“
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Der Kaufmann par excellence
A: „Sie sind mit Zwillingen beschenkt worden. Sind es denn Jungen oder Mädchen?“ -- B: „Gemischt! Von jeder Sorte ein zwölftel Dutzend!“
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Im Dusel
Ich kenne Herrn v. Mollnow von meinem Aufenthalt in Pommern her -- nun freute ich mich ungemein, ihm in Berlin zu begegnen.
„Ick bleibe nich lang,“ erzählte er mir, „ick fahre heute schon wieder nach meener Klitsche. Jestan abend, wissen Se, is mir nämlich hier in Balin ene sehr, ene unanjenehme Jeschichte passiert.
Ick wohne doch imma int Christliche Hospiz -- nich? Un wie ick nu bei Dressel soupiert habe, jehe ick in die Winzerstuben, un dort mache ick ne sehr ene interessante Bekanntschaft mit 'ner russischen Jräfin. Een Wort jibt det andre -- sie erzählt, sie wohne nich jut un will janz jern diese Nacht ooch int Christliche Hospiz.“
„Ah -- und da hat man Sie wohl nicht eingelassen?“
„Rin ließ man uns schon -- ick sagte, die Dame wäre meene Frau. Aber wie ick mit der Jräfin in meene Stube komme, wissen Se, da waren wa nich alleene. Ick hatte nämlich, wissen Se, in meenem Tran total vajessen, det ick meene richtije Frau mit nach Balin jenommen hatte.“
Roda Roda
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Verlockend
Geschäftsreisender (zur unverheirateten Ladenbesitzerin, der er etwas verkaufen will): „Noch eins: mein Chef ist ledig, ich bin ledig, der Buchhalter ist ledig ... und wir heiraten nur in der Kundschaft!“
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Immer Geschäftsmann
Freier (um die Hand der Tochter eines Geldverleihers anhaltend): „... Und nach alledem bitte ich Sie, geben Sie mir Ihre Tochter zur Frau.“ -- „Auf wie lange, junger Mann?“
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Ein Heiratsvermittler besucht einen jungen Bankbeamten, um ihm eine Partie anzutragen.
„Herr Rosenfeld,“ redet er ihm zu, „ich weiß für Sie eine Frau, die hat 50 000 Mark Mitgift ... dann eine mit 75 000 ...“
„Geben Sie sich doch keine Mühe,“ unterbricht ihn Rosenfeld, „ich habe Ihnen doch gesagt, ich heirate nur aus Liebe ...“
„... und dann,“ fährt der Schadchen unbeirrt fort, „dann habe ich eine, die kriegt 100 000 Mark Mitgift ...“
Rosenfeld schweigt.
„Nu,“ ruft der Schadchen, „=lieben Sie sie noch nicht ...=“
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Schmus
Die Tochter des Abraham Wassergeplätscher bekommt Besuch ihres Verehrers. Der Alte empfängt den jungen Mann und sagt: „Gehen Se 'erein und setzen Se sich bei meiner Tochter auf 'n _dos-à-dos_!“
Als er nach einer Weile ins Zimmer tritt, überrascht er das Pärchen bei einer Umarmung.
„Nu,“ schreit er los, „ich habe Ihnen gesagt, Se sollten sich setzen =_dos-à-dos_=, aber nix -- =Nos-_à_-Nos!“
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In der Hitze des Gefechtes
Der Fabrikbesitzer Veilchenbaum kommt unerwartet von einer Geschäftsreise nach Hause und überrascht dort seine Frau im zärtlichsten Tête-à-Tête mit seinem Prokuristen Morgenstern. Wütend stürzt er auf den Räuber seiner Ehre und es entspinnt sich ein heftiges Handgemenge. Der bedeutend stärkere Prokurist hat bald seinen Chef auf den Boden unter sich gebracht und haut wie verrückt auf ihn los. Plötzlich tönt durch das Getümmel der heisere Schrei: „=Herr Morgenstern, de Prokura is erloschen!=“
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Beim Heiratsvermittler
„Ehe ich Ihnen eine gute Partie namhaft mache, muß ich Sie um zwanzig Kronen Vorschuß bitten --“ -- „Na, glauben Sie, ich dächte ans Heiraten, wenn ich noch zwanzig Kronen hätte!“
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Aus dem Kassabuch des Herrn Poussierstein