Part 2
„Lieber Landsmann,“ sagte er, „ich muß unserer Reisegefährtin mit dem Gepäck behilflich sein. Wollen Sie mir wohl dies Telegramm hier aufgeben?“
Ich war froh, dem hochherzigen Mann einen kleinen Dienst erweisen zu können und sprang schnell zum Telegraphenbureau. Die Depesche lautete:
Winter Brothers, Sheffield!
„Hat Miß Maud Clifton, Sheffield, Park Road, eigenes Vermögen? Und wieviel? Drahtantwort. Lehmann in Firma Obermeier, Berlin, zur Zeit Sevilla, Hotel Cadiz.“
Nachdem ich das Telegramm aufgegeben hatte, suchte ich mein Handgepäck zusammen und lief zum Hotelwagen, der bis zum letzten Platz besetzt war.
„Sie müssen in ein anderes Hotel!“ rief mir Herr Lehmann aus dem Fenster zu, „in diesem ist alles besetzt.“ --
„Die Depesche ist besorgt, sie hat acht Pesetas vierzig gekostet!“ sagte ich.
„Schon gut,“ meinte Herr Lehmann. „Wenn nur die Antwort befriedigend ist!“ Er beugte sich hinaus und sagte vertraulich: -- „Hübsch ist sie ja, die Miß, wenn sie nun auch noch Geld hat, können wir bald Verlobung feiern!“
„O!“ beteuerte ich. „Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Glück! -- Sie edler Mensch, Sie! Sie Gentleman! -- Ihr neuer Zylinderhut!“
„Reden Sie doch nicht!“ sagte Herr Lehmann, „meinen Sie denn ich würde =auf ein so schwaches Risiko hin meinen eigenen= Zylinderhut hergeben?! -- Nicht mal die Telegrammkosten!“
Der Kutscher knallte. Der Hotelwagen knatterte über das Pflaster hin.
Eine schreckliche Ahnung stieg in mir auf. -- Ich öffnete meine schöne lederne Hutschachtel -- -- sie war leer!
O dieser Gentleman -- -- dieser scheußliche Gentleman!
Wenn er aber Hochzeit macht -- -- ich werde ihm telegraphisch meine Rechnung schicken! --“
[2] Aus „=Mit meinen Augen= -- -- --“ Fahrten durch die lateinische Welt von Hans Heinz Ewers. 3. Aufl. Verlag Konrad W. Mecklenburg. Berlin.
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Ein frecher Trick
Mayer und Kohn fahren zusammen mit der Bahn. Kohn hat keine Fahrkarte. Wie sie zur Endstation kommen, sagt Kohn zu Mayer: „Borg' mir e Moment deine Fahrkarte.“ Mayer gibt Kohn seine Karte. Kohn schreibt rückwärts seinen Namen darauf und gibt die Karte wieder dem Mayer zurück. Beide steigen aus. Mayer gibt beim Ausgang seine Karte ab und hinter ihm kommt Kohn. „Bitte, die Fahrkarte,“ sagt der Beamte. „Hab' ich Ihnen ja gerade gegeben.“ „Das ist nicht wahr,“ sagt der Beamte. „Wieso nicht wahr?“ sagt Kohn, „sehen Sie, bitte, nach, ich hab' mein' Nam' auf die Karten d'raufgeschrieben, ich heiße Kohn.“ Der Beamte schaut nach, findet richtig die Karte und sagt zu Kohn: „Gut, Sie können gehen.“ Kohn: „Wie haißt, Sie können geh'n, das Beschwerdebuch will ich haben!“
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Abfuhr
Veitel Troddeles sitzt im Coupé neben einem Offizier und raucht eine hundsgemeine Stinkadores. Der Offizier murmelt indigniert etwas von „schreckliche Jesellschaft“ und bietet ihm seufzend eine von seinen teuren Zigarren an.
Veitel Troddeles akzeptiert diese dankend, steckt sie aber nicht an, sondern ein, und schmaucht seinen Stänker weiter. Der Offizier ruft wütend:
„Aber Mann Gottes, nun rauchen Se doch um Gottes willen die =andere= Zigarre!“
„Ach nein,“ sagt Veiteles, „die rauch' ich mal, wenn ich bin in ä =feinere Gesellschaft=!“
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Schlechter Trost
Ein Brautpaar fährt mit der Eisenbahn und erhält auf seine Bitte vom Kondukteur in dem wenig besetzten Zug ein separates Coupé eingeräumt. Während der Fahrt erlaubt sich das Paar allerlei Zärtlichkeiten, als plötzlich ein Mann unter der Bank hervorkriecht. Erschreckt ruft der Bräutigam: „Was tun Sie hier -- haben Sie uns beobachtet?“ -- „Oh nein, seien Sie unbesorgt, ich habe nichts gesehen; ich bin ein ‚=blinder Passagier=’.“
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Beste Lösung
Zwei Damen sitzen im Eisenbahncoupé, die eine macht das Waggonfenster auf, da sagt die andere: Das Fenster muß zubleiben, ich bin leidend, wenn ich einen Zug bekomme, kann ich momentan tot sein. Die andere sagt wieder: Ich halt's nicht aus beim geschlossenen Fenster, ich muß Luft haben, sonst trifft mich der Schlag. Es entsteht ein großer Streit, der Kondukteur kommt und sagt folgendes: „Also machen wir zuerst das Fenster auf, dann sterben Sie, dann machen wir's zu, dann trifft Ihnen der Schlag -- dann haben wir Ruhe!“
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Ein Idiot
A: „Mir ist so schlecht, ich kann es gar nicht beschreiben.“
B: „Ja, von was denn?“
A: „Wissen Sie, ich bin von Pest nach Wien gefahren und immer im Coupé verkehrt gesessen.“
B: „Wieso verkehrt?“
A: „Na, gegen den Zug.“
B: „Da hätte ich doch mein _vis-à-vis_ ersucht, es soll mit mir den Platz wechseln!“
A: „Ja, das hätte ich ja auch getan. Aber es ist niemand _vis-à-vis_ gesessen.“
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Aller Anfang ist schwer
Ort der Handlung: Ein Eisenbahnzug „drüben“. In einer Ecke am Fenster ein junger, eben eingewanderter Fremdling -- in der anderen gleichfalls am Fenster ein alter würdiger Yankee _pur sang_. Dieser, eifrig mit Tabakkauen beschäftigt, spuckt von Zeit zu Zeit mit großer Vehemenz und noch größerer Zielsicherheit nicht etwa aus seinem Fenster, sondern zum jenseitigen hinaus, dicht an des „_foreigner_“ Nase vorbei. Der Neuling, mit des Landes Sitten nicht vertraut, beschließt, dem Mitinsassen eine Lektion zu erteilen, und indem er sich den Anschein gibt, als beabsichtige er durch das neben dem Amerikaner befindliche Fenster zu spucken, trifft er den würdigen Herrn mitten ins Gesicht. Der jedoch schüttelt milde tadelnd sein Haupt und sagt gelassen: „=Sie sind noch ein Anfänger, mein Herr!=“
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Kaltblütig
Ein Eisenbahnzusammenstoß hat einige Waggons zertrümmert. Dabei sind dem Diener eines Lord beide Beine abgequetscht worden. Als man das dem Lord, der selbst unbeschädigt geblieben ist, mitteilt, sagt er:
„Well, bringen Sie mir das Bein, wo sind drin meine Kofferschlüssel!“
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Die Tomatensauce
In einem Coupé machten sich bei dem von einem opulenten Diner heimkehrenden Herrn Großkotz aus Klein-Pankow die Folgen der zu starken Nahrungsaufnahme in explosiver Weise bemerkbar und das Ungewitter entladet sich unglücklicherweise gerade auf den Anzug eines ihm _vis-à-vis_ sitzenden Herrn, der ebenfalls angesäuselt, eingeschlafen ist. Der Attentäter will sich durch einen Trick aus der Affäre ziehen, weckt den Herrn und sagt: „Na, guter Mann, ist Euch jetzt wieder besser?“
Der Herr sieht sich verdutzt um und sagt endlich: „Dunnerkeil, ich -- habe -- aber -- doch seit Monaten keine Tomaten mehr gegessen!“
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Auf einen groben Klotz
Szene: Ueberfüllter Wagen der Ringbahn in Bremen. Eine Dame steigt ein und muß stehen; ein Arbeiter erhebt sich und nun entspinnt sich folgendes Gespräch:
Arbeiter: „Madame, nehmen S' minen Platz, ick kann ehder stahn.“
Dame (hochmütig): „Danke, ich setze mich auf keinen warmen Platz.“
Arbeiter: „Denn kann'k dett nicht helpen, Madamm, een Isbüdel kann'k mer nich in de Boxen hangen.“
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Vorschläge, den Raubanfällen auf der Eisenbahn abzuhelfen
Wenn einer eine Reise tut, so kann er -- totgeschlagen werden. Leider Gottes ist das eine Binsenwahrheit für deutsche Verhältnisse geworden.
Da ist es denn überaus erfreulich, zu erfahren, daß die Bahnverwaltung auf alle möglichen Mittel sinnt, um den Prozentsatz der Morde in den D- und Schnellzügen auf das normale Maß zu reduzieren.
Der Vorschlag, alle Reisenden vor Antritt der Fahrt der Untersuchung durch das Bertillonsche Meß-System zu unterwerfen, um berüchtigte Raubmörder von vornherein zu fassen, hat manches Mißliche, da er eine unerhörte Belästigung des Publikums darstellt.
Auch die Versuche, den einzelnen Zügen Berliner Kriminal-Schutzleute mitzugeben, sind total mißglückt, da die braven Beamten von dem Raubgesindel in der frechsten Weise bestohlen und ausgeplündert wurden.
Aussichtsvoller wäre schon der Plan die so hochintelligenten =Polizeihunde= der Eisenbahnbehörde zur Verfügung zu stellen. Aengstliche Reisende, die größere Geldsummen mit sich führen, könnten dann eine „=Fahrkarte mit Hund=“ lösen, müßten aber, da die Bahnverwaltung diese Vierfüßler, selbst wenn sie als „=königliche Staatsbeamte=“ fungieren, nur in gesonderten Abteilen transportieren läßt, im -- =Polizeihunde-Coupé=, Platz nehmen, ein Umstand, der der Durchführung genannter Idee einige Hindernisse bereitet. Immerhin dürfte selbst der =besonders furchtsam= veranlagte Reisende einzig und allein im =Polizeihunde-Coupé= ein unbedingtes Gefühl der Sicherheit auf den deutschen Staatsbahnen erhalten.
Gegen das Verbot, =unter keinen Umständen= nur =zwei= Passagiere in einem Abteil fahren zu lassen, protestieren wieder energisch die Hochzeitsreisenden, die sich sogar scharf gegen die Beleuchtung der Tunnelpassagen ausgesprochen haben. --
Ernsthafter ist schon die Idee zu betrachten, die Passagiere vor Antritt der Fahrt sorgfältig nach dem =Zweck ihrer Reise zu befragen=. =Hier= wäre für intelligente Bahnbeamte ein weites Gebiet der Tätigkeit.
Wenn z. B. ein gewisser Klamotten-Ede erklärt, er wolle =nach Norderney=, um zur Stärkung seiner Gesundheit einige Dutzend Fußbäder zu nehmen, so wäre dies durchaus auffällig, und weitere Recherchen würden vielleicht die Unrichtigkeit seiner Angaben bestätigen.
Auch die Aussage der berüchtigten „Troddel-Bertha“, sie fahre nach Bernau, um Untersuchungen über die Säuglingssterblichkeit in Kellerwohnungen anzuregen, könnte allzu berechtigten Zweifeln begegnen.
Ebensogut wäre Mißtrauen am Platze, wenn ein Berliner Geldschrankknacker den Nachtzug Berlin-Köln angeblich =dazu= benutzt, um der Frühmesse im Dom beizuwohnen oder vielleicht Kölnisches Wasser für seine „Braut“ zu kaufen!
=Hier= nun muß die Bahnschutz-Kontrolle einsetzen. Sobald sich daher ein derartig =verdächtiges= Individuum einem Passagier gegenübersetzt, wird dieser =sofort davon verständigt=. Dann wird die =Hosenschnalle des Gefährdeten= durch eine Zuckerschnur mit der =Notleine= verbunden, die rechte Hand des =Verdächtigen= anderseits mit der =Bremsvorrichtung=, so daß jedes Zerren daran den Zug auf der Stelle zum Stehen bringt.
Da weiterhin „Raubmörder“ gewöhnlich das Opfer während der =Lektüre= überfallen, so werden dem Gefährdeten durch den Zugführer sämtliche eventuell in seinem Besitz befindlichen =Zeitungen= und =Broschüren= abgenommen.
Bevor ein Tunnel passiert wird, tritt der diensttuende Schaffner in das Coupee hinein und versorgt den gefährdeten Passagier mit Beschwerdebuch, schwedischen Streichhölzern und einer kurzen gedruckten Anweisung zum Jiu-Jitsu.
Diese Vorbereitungen werden den Raubmörder derartig beunruhigen, daß er sich meistens auf der nächsten Station in unauffälliger Weise -- drückt!
=Sehr= zu empfehlen ist ängstlichen Passagieren auch der von der Bahnbehörde gelieferte =künstliche Oberkopf=, in dem sich ein elektrisches Läutewerk befindet. Es erregt erfahrungsgemäß regelmäßig bei dem „Opfer“ große Heiterkeit, wenn der „Verdächtige“ mit seinem Hammer wie verrückt darauf losschlägt und das gesamte Schaffnerpersonal alarmiert, während der Passagier -- =in aller Ruhe seine Zeitung liest=! --
Max Brinkmann.
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Im Speisewagen
„Ich hab' vier Passionen, wissen Sie: Pferde, Hunde, Damen und Weiber.“
„Und in was reisen Sie?“
„In =Barchent.=“
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=Zimmerkellner= (zum Passagier): „Also hier ist Ihr Zimmer!“
=Passagier=: „Ist das Zimmer auch rein?“
=Zimmerkellner=: „Selbstredend!“
=Passagier=: „Sind =im Bett= Flöhe?“
=Zimmerkellner=: „Wo sollen sie =denn= sein?“
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Der gute Ruf
Auf dem Weg nach Rügen kamen wir in Berlin an, dort gedachten wir, eine Nacht zu bleiben.
Ich wollte unser Gepäck beheben, da zeigte es sich, daß meine Frau den Aufgabeschein verloren hatte. Wir hielten uns nicht weiter auf und fuhren ohne Gepäck ins Hotel.
„Nee,“ sagte der Portier, „Paare ohne Jepäck dürfen wa nich uffnehmen.“
Ich schlug Lärm und verlangte nach dem Wirt.
Er kam, ließ sich den Fall vortragen und zuckte die Achseln.
„Ick muß den juten Ruf von meenem Etablissemang wahren“ sprach er. „So spät am Abend könn wa keen Zimmer jeben -- an Paare, die wo nich wenichstens ennen Hutkarton mithaben.“
Roda Roda.
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Reiseerlebnis
Rentier Striese aus Leipzig kommt von einer Reise zurück und erzählt an seinem Stammtisch:
„Wissen Se, da is mer in Götschenbrode ä närrsches Ding bassiert. Also, wie ich nachts eene Weile im Hodelbette liege, beißt mich uff eemal e Floh. Nu, ich schnell Licht gemacht und das Luderchen gefangen. Aber das arme Dierchen zu deeden hatt 'ch doch nich ibersch Herz bring genn un so sperrt 'ch den Floh in meine Daschenuhr untersch Uhrglas. -- Was soll 'eh Ihnen sagen, als 'ch am nächsten Morchen nachsehe, hat sich das freche Vieh =uff'n Sekundenzeiger gesetzt un läßt sich Karussel fahren=!“
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Leben, und leben lassen
Zwei Geschäftsreisende haben eine kleine Bierreise gemacht und kommen bezecht in ihr Hotel zurück. Im Dusel öffnen sie statt der Tür zu ihrem Schlafzimmer die Tür zum Nebenzimmer, wo =eine Dame= logiert. Erschreckt springt diese aus dem Bett und ruft, da sie die beiden für Raubmörder hält: „Ach Gott, lassen Sie =mich doch leben!=“ -- „Karle,“ sagt darauf der eine, „warum sollen wir sie =nicht leben lassen=?“ -- =Beide: Sie lebe hoch! Sie lebe hoch! Dreimal hoch!=
In einem Hotel, wo ein Reisender wohnt, steigt neben sein Zimmer ein junges Ehepaar, welches sich auf der Hochzeitsreise befindet, ab. Der Reisende wird fortwährend aus seinem Schlafe gestört, weil die junge Frau immer zu ihrem Manne sagt: „Ach, Felix, du bist so süß. Dich soll man vergolden!“ Endlich wird dem Reisenden die Sache zu dumm, er klopft heftig an die Tür, das Ehepaar erschrickt und fragt: „Wer ist's?“ Drauf sagt der Reisende: „Der Vergolder, damit amal a Ruh' is!“
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Ein „Messeresser“
bildet oft das stille Vergnügen seiner Tischnachbarn. Von einem solchen Original, und zwar einem solchen aus Wildwest, wird folgende Leistung erzählt. Seine Geschäfte führten ihn wieder einmal unter die Menschen, und er stieg in einem Gasthofe ab. Als er zum Essen ging, sprach er tapfer zu, aber er aß sein ganzes Mahl mit dem Messer und merkte erst zum Schluß der Tafel, daß er keine Gabel hatte. So sagte er denn zu seinem Geschäftsfreunde: „Denken Sie sich, der Kellner hat mir gar keine Gabel gegeben.“ „Das schadet ja auch nichts,“ erwiderte der Freund, „Sie brauchen sie ja doch nicht.“ „Die brauch' ich nicht?“ kam es von den Lippen des Mannes aus Wildwest. „Womit soll ich denn sonst zum Teufel den Kopf kratzen?“
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Wenn's geht
Ein Engländer hat in einem kleinen Ort in der Nähe des Rheins ein paar Tage gewohnt und läßt sich bei seiner Abreise die Rechnung bringen. Hier findet er alles der Ordnung gemäß. Als letzter Posten war aufgeführt: „Wenn's geht ... 3,50 M.“ Erstaunt fragte er den Gasthalter: „Uas ist das: „Wenn's geht“?“ „No,“ sagt der Gasthalter, „wenn's net geht, do streiche mer's widder dorch!“
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Merkwürdig
Der Pikkolo eines Hotels will der Köchin einen Schabernack spielen und streut ihr vorm Schlafengehen Juckpulver ins Bett.
„Komisch,“ sagt er am nächsten Morgen zu seinem Kollegen, dem er von seinem Streich erzählte, „komisch, die Köchin kratzt sich ja gar nicht und das Merkwürdigste, guck bloß mal =den Oberkellner, der kratzt sich ja fortwährend=!“
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Im Hotel
„Bedaure, wir sind vollständig besetzt! ... Wir haben nur mehr ein Zimmer mit zwei Betten frei!“
„Das genügt uns ja aber auch!“
„Pardon! ... Ich dachte, die Herrschaften seien verheiratet!“
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Auf Reisen
„Wirklich, Schatz -- wir steigen im Hotel Greif ab? Das ist gescheit. In dem Hotel =hab ich mich auch voriges Jahr einmal verlobt=.“
Ein sehr nervöser Hotelgast wendet sich an den Portier des Hotels mit der Bitte, dieser möge doch die Bewohner der angrenzenden Zimmer um möglichste Ruhe beim Schlafengehen ersuchen, da ihn das geringste Geräusch foltere. -- Einer seiner Zimmernachbarn kommt nachts nach Hause, denkt nicht an den nervösen Herrn, und während er sich auskleidet, wirft er geräuschvoll seinen einen Stiefel in die Ecke. Da fällt ihm das Ersuchen des Portiers ein, und er beendet das Auskleiden möglichst geräuschlos. Nach drei Stunden weckt ihn sein nervöser Nachbar aus dem Schlaf: „Ja, um Gottes willen, Mensch, wann werden Sie endlich den anderen Stiefel in die Ecke werfen, ich warte schon drei Stunden darauf?“
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Diensteifrig
Ein Kellner steht, rückwärts sich kratzend, bei einem Gast, der soeben eine Auswahl unter den Speisen trifft; der Gast beobachtet den Kellner und fragt ihn: „Haben Sie Hämorrhoiden?“ „Werde gleich in der Küche nachfragen!“ antwortet derselbe und eilt geschäftig weg.
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Die geheime Zeichensprache der Geschäftsreisenden
Auch die =Geschäftsreisenden= -- dieses Faktum dürfte manchem noch unbekannt sein! -- haben eine Art der geheimen Verständigung durch Zeichen, die, ähnlich der Zeichensprache der „=Stromer von der Landstraße=“, den einzelnen quartiersuchenden Individuen eine klare und präzise Auskunft über die Güte und charakteristische Besonderheit des gekennzeichneten Hotels gibt. Die Hieroglyphen werden meistens unterhalb der Nachtklingel des Gasthauses mit Bleistift auf den Mauerkalk gekratzt.
Hier folgen die wesentlichen Bestandteile der Sprache:
=Kleiner Strich in Hufeisenform=: Es wird Fleisch, das hinreichend verdächtig erscheint, von der Peitsche eines Droschkenkutschers mürbe geschlagen zu sein, zu Beefsteaks und Klopsen verarbeitet.
=Großer Strich in derselben Form, mit Apfel in der Mitte=: Der Wirt ist ein absolutes Pferd.
=Ein lateinisches K, über dem die bekannte Zeichnung des nützlichsten Haustieres prangt=: Der Kaffee ist unter der Sau!
=Der dreifach geschriebene Buchstabe W=: Achtung! Wanzen!
=Ein kleines v vor der gleichen Buchstabenreihe=: Achtung, =viel= Wanzen!
=Eine Wiege und ein Hundeschwanz:= Die Betten sind hundsmiserabel!
=Ein bekanntes und sehr zweckmäßiges Inventarstück des Schlafzimmers:= Bitte =nie= Bouillon bestellen! Eventuell vor dem Genuß durch ein Sieb filtrieren! --
=Ein Stiefelknecht mit Ohren:= Vorsicht! Der Hausdiener und die Zimmermädchen lauschen an den Türen!
Nicht zu machen! Weibliche Bedienung gegen Liebenswürdigkeit sehr unempfänglich!
=Ein Besen:= Weibliche Bedienung reagiert auf Zärtlichkeiten =sehr= unangenehm!
=Rasierpinsel zum Einseifen:= Aufpassen beim Begleichen der Zeche! Zahlkellner ist ein gewitztes Luder! Doppelte Buchführung! --
Max Brinkmann.
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Vorschlag
Das Stubenmädchen eines bekannten Leipziger Hotels, das wegen seiner guten Verpflegung von Reisenden viel besucht wird, kommt zum Rechtsanwalt, um eine Alimentenklage anhängig zu machen. Auf die Frage, gegen wen die Klage gerichtet werden soll, tiefes Schweigen und schließlich das Bekenntnis, daß sie ihre Gunst mehreren zugewendet habe und den Vater nicht angeben könne. Darauf aufmerksam gemacht, daß unter diesen Umständen die Klage unmöglich sei, erfolgt die schüchterne Frage, „Herr Notar, könnte man sie denn nicht gegen den ‚Verband reisender Kaufleute’ richten?“
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Verständigung
An den Türen des Speisesaals eines Alpenhotels prangt: „_On parle français._“ „_English spoken._“ „_Si parla italiano._“
Mendel Auerhahn der Jüngere, sehr gebildet, aber noch nicht ganz fertig, tritt ein, nimmt Platz und ruft, den Kellner: „_Give me a menu card!_“
Der Kellner bleibt lächelnd stehen.
„_Donnez-moi la carte de menu!_“
Der Kellner bleibt lächelnd stehen.
„_Prego di darmi la carta di menu!_“
Der Kellner sagt leise: „Wissen Se was. Ich werd' Ihnen bringen Gansbiegel mit Ritscherl.“
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Unerhörte Neugierde
Ein Reisender kam in ein Hotel und wollte seinen Namen in das Fremdenbuch eintragen, als er einen Floh in dem Buch herumkriechen sah. Die Feder wegwerfen, sein Gepäck nehmen und fortgehen, war bei ihm das Werk eines Augenblicks, wobei er ausrief: „Ich habe in bezug auf Ungeziefer schon einiges mitgemacht, daß aber dieses Vieh schon gleich im Fremdenbuch nachsieht, in welchem Zimmer man untergebracht ist, das ist mir zu stark!“
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Reiselatein
Zwei Reisende, beide in feuerfesten Geldschränken machend, sitzen abends zusammen im Hotel. Nach kurzer Zeit entbrennt natürlich ein lebhafter Disput über die Prävalenz der vertretenen Firmen.
„Ich sage Ihnen,“ renommierte der Eine, „wir haben neulich in einen unserer Schränke einen lebendigen Hahn gesetzt, ihn dann 24 Stunden ununterbrochen der stärksten Glühhitze ausgesetzt, nachher wieder abgekühlt und geöffnet. Wir sehen nach dem Hahn und denken Sie -- das Tier lebte noch!“
„Das ist noch gar nichts. Wir haben genau denselben Versuch gemacht, aber als wir den Schrank öffneten, da war der Hahn -- =erfroren=!“
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Fatale Vergeßlichkeit
=Erster Hotelkellner=: „Nein, was bei uns für =vergeßliche Leute= verkehren. Hat da neulich eine junge Dame ihre ganzen Schmucksachen liegen lassen!“
=Zweiter Hotelkellner=: „Das ist noch gar nichts! Bei uns steigt da neulich ein Hochzeitspärchen ab und nimmt ein Zimmer. Am nächsten Morgen muß die junge Frau mal aus dem Zimmer. Aber als sie wieder zurück will, hat sie die Zimmernummer vergessen. Sie stürzt auf mich zu und fragt mich, welches Zimmer sie habe. „Ganz einfach,“ sage ich, „da sagen Sie mir nur =Ihren werten Namen=, ich gehe runter und sehe im Fremdenbuch nach, welche Nummer Sie haben!“ Was soll ich dir sagen, =den Namen von ihrem Manne hatte sie sogar vergessen=. Nee, so was von Vergeßlichkeit!“ --
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Aus der Cholerazeit
=Hotelier=: „Mein Herr, ich muß Sie im Interesse meines Hotels und beziehungsweise meiner sonstigen Gäste dringend ersuchen, sich untersuchen zu lassen, denn Sie waren in dieser Nacht achtmal am Abort!“
=Handlungsreisender=: „Ganz richtig! Aber beruhigen Sie sich nur, mein Lieber! Es war eben =siebenmal besetzt=!“
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Ueberlistet
Ein Hotelgast, welcher sich nicht den ganzen Tag mit seinem Schirm abschleppen will, läßt denselben im Lesezimmer stehen, nachdem er folgende Karte daran befestigt: „Dieser Schirm gehört dem Champion-Preisboxer Knuffer. Bin in zehn Minuten zurück.“ -- Als er abends zurückkommt, ist der Schirm fort, an seiner Stelle aber findet Knuffer folgende Karte: „Diese Karte gehört dem Champion-Schnelläufer Eilemann. Kann nicht sagen, ob ich je zurückkomme.“
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Hotelordnung im amerikanischen Osten
Im „Oklahoma-Hotel“ ist folgende Hausordnung im Fremdenzimmer vorgeschrieben: „Gentlemen, welche mit ihren Stiefeln zu Bette gehen, bezahlen einen Extrazuschlag. -- Drei Schläge an der Tür bedeuten, daß ein Mord im Hause geschehen ist und daß Sie aufstehen müssen. -- Das Abschießen einer Pistole ist kein genügendes Alarmzeichen. -- Es ist verboten, die Tapeten abzureißen, um damit die Pfeife anzuzünden. -- Die Ratten werden Sie nicht fressen, wenn sie Ihnen auch einmal übers Gesicht fahren. -- Im Falle es durch die Decke zu stark hineinregnen sollte, finden Sie unter Ihrem Bett einen Regenschirm.“
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Die Berufskrankheit
In Venedig lernten wir ein nettes Ehepaar aus Deutschland kennen -- aber die Frau war vom Reisen keineswegs entzückt. Sie wollte bald wieder heimkehren.
„Es is so peinlich,“ sagte sie, „mit meinem Mann. Er war doch ehemals _maitre d'hôtel_ -- un wenn nu jemand an't Jlas kloppt, springt er unwillkürlich uff un rennt hin.“
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Hoteladel
„O, bei uns steigt lauter hocharistokratisches Publikum ab. Das dort ist der Graf Plein -- hier Baron Königshaus, und der Alte in der Ecke, das ist der Herr von Nr. 59.“
Roda Roda
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In Metz war's, in einem ausschließlich von Geschäftsreisenden frequentierten Hotel, wo einer dieser ruhelosen Jünger Merkurs an der Tafelrunde die Zusammensetzung seines Artikels -- Wichse -- erklärte. Nachdem er die einzelnen Substanzen, als Elfenbeinschwarz, Schwefelsäure, Oel usw., aufgezählt hat, fragt ein Berliner: „Nu sagen Sie mal, Kolleje, was jibt denn da nu'n Jlanz?“ -- „De Berschte!“ platzt ein Herr raus.
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In einem ehrbaren Gasthof des bayerischen Hochlandes findet sich in den Fremdenzimmern folgender Anschlag: