Part 1
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DER TOLLE KOFFER
Eine ff. prima Musterkollektion der besten Witze, Schnurren und Anekdoten von Reisenden und Kaufleuten
Offeriert von
FELIX SCHLOEMP
Vater von „Die meschuggene Ente“, „Die Über-Ente“, „Der perverse Maikäfer“ und „Der gekitzelte Aeskulap“
Mit einem Leitgedicht von Frank Wedekind
Aengstliche Frage
Zehn Uhr vormittag. Der Zug nach Nürnberg geht um zehn Uhr eins.
Frau Schneider, die sich verspätet hat, stürzt an die Kasse.
„Herr Kassier, haben Sie noch ein Billett zweiter Klasse nach Ingolstadt?“
*
Per „Zuschlag“billett
Ein Schnorrer wird im Coupé ohne Billett angetroffen und auf der nächsten Station rausgeworfen, nachdem man ihn tüchtig verprügelt hat. Es gelingt ihm aber, bei der Abfahrt wieder in ein anderes Coupé zu schlüpfen, doch wird er wieder vom Schaffner erwischt und nachdem man ihm sein Fell tüchtig gegerbt hat, an die Luft gesetzt. Jedoch abermals glückt es ihm, aufzuspringen und bis zur nächsten Station mitzufahren. Hier nimmt ihn aber der Bahnhofsinspektor in Empfang, und während er wieder tüchtig verhauen wird, fragt ihn der Inspektor: „Ja, Mensch, was soll denn das eigentlich heißen?! Wohin wollen Sie denn eigentlich fahren?“
„Herr Inspektorleben,“ antwortet er, „=wenn's mei Körperche aushält, bis Krakau=!“
*
Der poetische Zugführer
Der Führer eines Güterzuges rapportierte in seinem Fahrbericht:
„Eingeladen in den Wagen acht 2070 Kilo schwere Eisenfracht.“
Zugverspätung meldet er:
„Versäumt ab München vor dem Sperrsignal Wegen hoher Tonnen- und Achsenzahl.“
Ein schadhaftes Packwagendach besingt er:
„Voll Flecken sind Papier und der Fahrbericht, Weil das Wagendach nicht wasserdicht.“
Eine Fahrkontrolle meldet er mit folgenden Worten:
„Es fuhr im Zuge zur Kontrolle mit: Ein Direktionsassessor namens Schmitt.“
Von einem Leichentransport sagt er:
„Es fährt der Zug zum Aschenreiche Von Reichenhall nach Gotha eine Leiche.“
Beschädigung eines Coupés meldet er in dem Vierzeiler:
„Offiziere von Talent und Wissen, Glieder dieser Welt Nobleß -- Zerschnitten zweier Rücken Kissen, Verübten Roheit mit Exzeß!“
Die Dichtkunst sollte dem Zugführer nicht gut bekommen. Die Direktion München verbot ihm, in Fahrberichten poetische Ergüsse zu liefern, und nahm ihn vorläufig in 1 Mark Ordnungsstrafe. -- Armer Poet!
*
Die Sekundärbahn
Ein biederer Landmann, dem man es ansieht, daß er sich einen heftigen Schnupfen zugezogen hat, will mit der Kleinbahn fahren. Jedoch der Schaffner, ein umsichtiger Beamter, verweigert ihm die Mitfahrt:
„Dös därf i nit dulde, daß Sie mit Ihra Schnuppen sich 'nei'setze!“
Natürlich will der Bauer auch den Grund wissen, weswegen er mit seinem Schnupfen nicht mitfahren darf.
„'s isch halt wegen der =Sicherheit=,“ erklärt wichtig der Beamte -- „neulich hat jemand so stark =geniest=, daß' =Zügle entgleischt is=!“
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Schlagfertig
Als der Zug gerade abfahren wollte, kommt in hellem Schweiße ein Bäuerlein angelaufen, springt schnell in ein Abteil und läßt sich völlig erschöpft auf eine Bank nieder, mit den Worten: „So, nu lat den Zug to'n Düwel fahren!“ Fortwährend fluchend wischt er sich die zahlreichen Schweißtropfen von der Stirn. Ein ihm gegenüber sitzender geistlicher Herr hat die Worte mit Mißfallen angehört. „Mein Lieber,“ redet er das Bäuerlein salbungsvoll an, „wenn wir zum Teufel fahren, so führt uns der Weg aber zur Hölle.“ -- „Dat is mir ganz egal,“ erwidert der Angeredete, „=ick hewwe jo'n Retourbillett=!“
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Falsche Adresse
Auf dem Bahnhof steht ein Zug zur Abfahrt bereit. Auf einmal stürzt ein Herr auf den Perron, läuft den ganzen Zug entlang und ruft immer: „Lehmann! Lehmann!“
Herr Cohn macht das Fenster auf und will sehen, was los ist. Wie er den Kopf raussteckt, haut ihm der Fremde eine kräftige Ohrfeige runter.
Herr Cohn schnappt Luft und ruft den Schaffner: „Herr Schaffnerleben, hier hat einer Lehmann gerufen, ich mache das Fenster auf und da gibt mir der Kerl eine Ohrfeige!“
„Ja,“ fragt der Schaffner, „heißen Sie denn Lehmann?“
„Keine Ahnung, Cohn!“
„Na, dann geht Sie die Sache ja auch garnix an!“
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Empfindlich
Wir lösten zwei Perronkarten und wollten auf den Bahnsteig hinaus -- Herr v. Kossow und ich. Am Schranken verlangte der Portier die Karten.
Da wurde Herr v. Kossow aber wild.
„Jestatten Sie, Kammerherr v. Kossow, Leutnant der Reserve. Vermuten Sie versuchten Betrug?“
Roda Roda
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Bahnhofs-Metaphysik
„Was ist schwerer, der Körper oder der Geist?“
„Der Körper natürlich!“
„Falsch, der Geist. Denn der Körper wird im Coupé befördert, aber den Geist muß man ‚aufgeben’!“
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Beim Abschied
Von einem Bankier verabschieden sich auf dem Bahnhof Verwandte und Bekannte. Kurz vor Abfahrt des Zuges reicht ihm seine Schwägerin noch eine Tafel Schokolade mit den Worten: „Damit du nicht verhungerst!“ -- Darauf sagt sein Vetter, ihm ein Fläschchen mit Kognak übergebend: „Hier, damit du nicht verdurstest!“ -- Seine vierjährige Nichte, die aufmerksam zugehört hat, soll ihm nun noch ein Veilchensträußchen reichen. Sie tut dies auch, ans Coupéfenster emporgehoben, mit den Worten: „Hier lieber Onkel, damit du nicht verduftest!“
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Treffend
„Schaffner, ich möchte ein Coupé haben, in dem nicht geraucht und nicht gesprochen wird, und in dem die Passagiere nicht immer raus- und reinlaufen!“ -- „Na dann bleibt nur's Hundecoupé!“
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Knigge auf dem Kutscherbock
Fahrgast (am Ende der Tour): „Hier, Kutscher, haben Sie drei Mark.“ -- Kutscher: „Wat, drei Mark jeben Sie mir vor die lange Tour? Sie denken woll, ick habe den Schimmel jestohlen, Sie oller Nassauer, Sie!“ -- Fahrgast: „Wenn Sie so mit mir reden, sollen Sie auch nur die Taxe bekommen; die macht zwei Mark fünfzig, geben Sie mir sofort fünfzig Pfennig retour!“ -- Kutscher: „Na, die fufzig Pfennje Trinkgeld könnten Se mer doch wenigstens lassen, -- =wo ick mir schon davor bedankt habe=!“
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Verwechselt
Professor Hühnersteiß will seine Gattin, die einige Zeit bei ihren Verwandten zu Besuch war, von der Bahn abholen. Um ihr eine Freude zu bereiten, kauft er auf dem Wege zum Bahnhof eine Torte, die er in einem runden Karton verpackt unter den Arm nimmt. Auf dem Bahnhof muß er jedoch erst noch einem menschlichen Bedürfnis nachkommen und suchte die betreffende dunkle Oertlichkeit auf. Plötzlich hörte er den Zug einlaufen, nimmt im Dunkeln sein rundes Präsent, eilt hastig auf den Bahnsteig und überreicht seiner erstaunten Gattin -- =den Klosettdeckel=.
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Die Abonnementskarte
Horace Vernet, der berühmte französische Schlachtenmaler wohnte in Versailles, mußte von dort aus sich jeden Tag nach Paris begeben und hatte deshalb ein Abonnement für die Strecke genommen. Da er nach einigen Wochen sich zu der Annahme berechtigt glaubte, daß die Eisenbahnbeamten ihn kennen mußten, wollte er sich's ersparen, ihnen täglich seine Abonnementskarte zu zeigen. Aber der am Eingang des Bahnsteiges in Versailles aufgestellte Beamte, ein grämlicher alter Unteroffizier, bestand unweigerlich darauf, daß die Karte stets vorgezeigt wurde. Auf alle Vorhaltungen des Künstlers erwiderte er barsch: „Das Reglement schreibt das vor!“ Schließlich wurde Vernet die Sache zu bunt und er fand folgenden Ausweg: Er ließ sich seine Abonnementskarte am oberen Hinterteile des Beinkleides festnähen und jedesmal, wenn der alte Beamte sie zu sehen verlangte, hob er die Schöße seines Rockes empor und rief mit einer bezeichnenden Geste laut aus: „Da ist sie!“
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Aus Oesterreich
Eisenbahnbilleteur: „Belieben's a Billetten?“ -- Fremder: „Freilich und zwar ein bißchen schnell, von Bodenbach bis Wien, zweiter Klasse!“ -- Billeteur: „Belieben's mit der Kassen durchgebrannt zu sein?“
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Abgeführt
=Erster Reisender= (neugierig): „Nun, Herr Kollege, wir haben uns nun schon so oft getroffen, in welchem Artikel, mit Erlaubnis, machen Sie denn eigentlich?“
=Zweiter Reisender= (spöttisch lächelnd): „Ich spreche darüber zwar nicht gerne, doch sollen Sie es wissen! -- Ich, ich mache für die Firma Bohrer & Co. =in Knopflöchern=!“
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Mißverstanden
Ein Amerikaner sieht auf einem Bahnhof den Stationsvorsteher vor dem Thermometer stehen. Er tritt an ihn heran und fragt gemütlich: „Na, wieviel Fahrenheit?“ -- Aergerlich dreht sich der Beamte um und erwidert: „Zählen Sie sie doch!“
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Ein höflicher Beamter
Schaffner: „Also Miß -- schnell einsteigen, 's keine Sekunde Zeit mehr übrig.“ -- Miß: „Ach -- meiner Schwester muß ich noch einen Abschiedskuß geben!“ -- Schaffner (eilig): „Nur hinein -- hinein! -- das will ich schon selbst besorgen!“
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Mißglückte Operation
In der Ecke des Bahnwirtshauses hockt der Gamsbart-Toni und stöhnt vor Zahnweh, daß die Fenster klirren. Alle möglichen Mittel hatte er schon vergeblich probiert, aber selbst des Baders Künste waren an der tiefsitzenden Wurzel gescheitert.
Kommt der Dalsten-Nazi herein, ein pfiffiger Kopf, der meint: „Ich wüßt dir schon ein Mittel -- aber Kurasch braucht's. Ich hab' da in den „Fliegenden Blättern“ gelesen, wie einmal einer seinen Zahn hinten am Zug an den Puffer an'bunden hat -- der Zug is in's Fahren 'kommen und im Nu war der Zahn heraus!“
Der Toni stutzte einen Augenblick. Da fing der Schmerz von neuem zu bohren an. Er sprang auf -- just pfiff die Lokomotive draußen zum Abfahren -- ein Strick war im Nu um den kranken Zahn gewunden und in der nächsten Minute hatte er ihn fest an den Puffer des letzten Wagens geknüpft.
Ein Schnauben, ein Brausen ... Anfangs lief Toni ein Stückchen mit; da rollten die Räder schneller, der Atem ging ihm aus -- plötzlich ein Krach und Schlag: Toni lag auf der Erde und neben ihm der -- =Puffer=.
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Gut gegeben
Eisenbahnbeamter (zum Passagier in der ersten Klasse mit einem Billett zweiter Klasse): „Sie haben ja nur ein Billett zweiter Klasse, Sie müssen die Differenz nachzahlen.“ -- Passagier: „Die zweite Klasse war aber doch besetzt.“ -- Beamter: „Ja, aber es war doch eine Menge Platz in der dritten Klasse.“ -- Passagier: „Sehr richtig. Zahlen Sie mir die Differenz heraus, dann steige ich um.“
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Der Affenkasten
Tritt da am Droschkenstand beim Kurhaus ein eleganter Herr auf ein Gefährt zu, das durch seine Neuheit angenehm in die Augen fiel: „Aeh, Kutscher, machen Sie mal den Affenkasten auf!“ Der Kutscher kommt dienstfertig der Aufforderung nach, öffnet den Wagenschlag und bemerkt in verbindlichem Tone: „Bitte, wollen der Herr Affe einsteigen!“
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Der überflüssige Koffer
„Kaufen Sie sich den Koffer da.“ -- „Was brauch ich ä Koffer?“ -- „Nu, für Ihre Kleider.“ -- „Für meine Kleider? Nu, soll ich nackt herumlaufen?“
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Ein Sophist
Schaffner: „Hier dürfen Sie nicht bleiben, mein Herr, dies Coupé ist für Nichtraucher!“
Reisender: „Ich bin doch Nichtraucher.“
Schaffner: „Sie rauchen doch aber!“
Reisender: „Ja, =aber nur ganz ausnahmsweise=!“
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Auch ein Trost
Herr (zum Kellner, am Bahnhof): „Jetzt habe ich, da ich solange aufs Essen warten mußte, den Zug versäumt!“ -- Kellner: „Nun können Sie es wenigstens in Ruhe essen!“
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Der galante Schaffner
Dame: „Kommt denn der andere Zug noch nicht bald, damit ich weiter fahren kann?“ -- Schaffner (der Sekundärbahn): „Das ist sehr unbestimmt, verehrtes Fräulein. So nette regelmäßige Züge, wie Sie sie besitzen, haben wir bei unserer Sekundärbahn natürlich nicht!“
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Verdächtig
=Herr= (im Eisenbahnzuge): „Wie ist dies Unglück geschehen?“
=Schaffner=: „Jemand hat die Notleine gezogen und den Zug zum Halten gebracht, und da ist der Schnellzug in uns hineingefahren. Es wird fünf Stunden dauern, bis die Strecke soweit geräumt ist, daß wir weiterfahren können.“
=Herr=: „Fünf Stunden! Himmel! Ich wollte mich =heute verheiraten=!“
=Schaffner= (ein verheirateter Mann, streng): „Hören Sie mal, sind =Sie etwa derjenige=, der den =Zug zum Halten= gebracht hat?“
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Eine gemütliche Koffer-Reklamation
Eine fränkische Güterexpedition hat, nach der „Amberger Volksztg.“, dieser Tage folgenden Brief erhalten: „Liwe Giteräxbetütion! Warum schickst Du mir so lange meinen Kufer nicht. Ich habe Dir doch nikz gedan, das Du mir meinen Kufer nicht schickst. Sei so gud und schick mir doch meinen Kufer. Es grüßt Dich bestens Dein M. Sch.“
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Gute Auskunft
Fremder: „Hält der Zug hier so lange, daß man ein Schnitzel verzehren kann?“ -- Geschäftsreisender: „O, gewiß!“ -- Fremder: „Sie kennen wohl den Fahrplan genau?“ -- Geschäftsreisender: „Nee -- aber die Schnitzel!“
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Gefühlvoll
Auf dem Bahnhof in M. ist ein Assistent beschäftigt, der stets die Wagentüren eigenhändig zuschlägt. -- Mein Freund Meier, mit dem zusammen ich neulich dort durchfuhr, schien das zu wissen, denn wie der Assistent an unsere Tür kommt, hat Meier den Riemen der Fensterscheibe zwischen die Türspalte geklemmt. Der Assistent ergreift die Klinke, holt aus und schlägt die Tür zu, wobei er „Vorsicht“ ruft. Aber: bumm ... fftt prallt die Tür zurück. Da steckt er seinen Kopf in den Wagen und schreit wütend: „=Die Finger weg!=“
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Vorsorglich
„Fatal! Wenn ich jetzt meine Reisetasche bei mir hätte, da könnte ich gleich abfahren!“
„Hatten Sie denn vor, zu verreisen?“
„Natürlich, aber ich dachte, den Zug versäumst du doch, da läßt du die schwere Reisetasche lieber einstweilen zu Hause!“
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Das Huhn[1]
In der Bahnhofshalle, Nicht für es gebaut, Läuft ein Huhn hin und her ... Wo, wo ist der Stationsvorsteh'r? -- Wird dem Huhn Man nichts tun? Hoffen wir es -- Sagen wir es laut: Daß ihm unsere Sympathie gehört, Selbst an dieser Stätte, wo es -- „stört“.
[1] Aus Christian Morgenstern Galgenlieder V. Auflage bei Bruno Cassierer.
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Mißverständnis
Vor Abfahrt eines Zuges kommt Nathanael Tapetenmuster auf den Bahnhof gestürzt und fragt den Stationsvorsteher, wo er einem tiefgefühlten Bedürfnis entsprechen kann, und nachdem dieser ihm den Weg gesagt hat, zieht er sich zu geheimer Sitzung zurück. Der Zug ist nunmehr zur Abfahrt fertig und der Stationsvorsteher gibt das Zeichen zur Abfahrt, indem er mit Stentorstimme: „Fertig!“ ruft.
Da tönt Nathanaels Stimme aus dem bekannten Oertchen: „=Nein -- noch nicht!=“
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Der Rauch
Durchlaucht sitzen im Eisenbahncoupé und versuchen nach Möglichkeit die Reize der Landschaft zu genießen, durch welche der Zug dahinsaust. Aber gerade auf der schönen Aussichtsseite verhüllt der dichte Rauch der Lokomotive das Gebirgsbild. Ungeduldig wendet sich Durchlaucht zu seinem Begleiter: „Kindermann, lassen Sie dem Maschinenführer sagen, er möge -- äh -- möge den Rauch auf die andere Seite auslassen! Hier verdeckt er ja die schönste Gegend!“ Kindermann erhebt sich verlegen und will die Sache mit der Windrichtung begründen; aber Durchlaucht wehrt entschieden ab. Kindermann geht in den Durchgang hinaus und bespricht die Sache scheinbar mit dem Schaffner -- natürlich ohne Erfolg. Durchlaucht wartet in übelster Laune auf die Rückkehr seines Begleiters. Kindermann versichert, es werde das Möglichste geschehen. Aber nach wie vor verdeckt der Rauch die Landschaft auf der linken Seite. Durchlaucht wird immer erregter. Da beschreibt die Bahn eine Kurve -- der Wind treibt den Rauch auf die andere Seite. Und Durchlaucht spricht mißmutig: „Na also -- warum geht es jetzt? Daß die Leute so schwerfällig sein können!“
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Abgeführt
Eine Dame ruft voll verhaltenem Aerger, weil in ihrem Coupé geraucht wird:
„Schaffner, darf hier geraucht werden?“
„Ja, stecken Sie sich nur eine an!“
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Gemiedlich
Rentier Bliemchendopp aus Dresden sitzt im Coupé, als ein Reisender einsteigt und über ihm ins Gepäcknetz seinen ziemlich gewichtigen Koffer stellt. Als der Zug eine Kurve macht, fällt der Koffer auf Bliemchendopps Kopf. Der Reisende entschuldigt sich vielmals und stellt den Koffer wieder hinauf. Ein zweites und drittes Mal fällt der Koffer auf Bliemchendopp herab und jedesmal überbietet sich der Reisende an höflichen Entschuldigungen. Als jedoch der Koffer das vierte Mal auf Bliemchendopp herunterpurzelt und der Reisende wieder seine Entschuldigungsphrasen loslassen will, sagt Bliemchendopp mit einer abwehrenden Handbewegung: „Jetzt brauchen Sie sich nich mehr zu endschuldchen, jetzt bin ich Se nämlich schon =dran gewöhnd=!“
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Sein Geschäft
A: (zu seinem Coupé-Genossen während seiner Geschäftsreise): „Und wie geht denn in Ihrer Branche das Geschäft -- auch so miserabel, wie in der meinigen?“ B: „O vorzüglich! Das Rohmaterial oberfaul, im Kundenkreise nichts als Jammer, gewaltsame Eingriffe jeden Tag zu Dutzenden ...“ -- A: „Und das nennen Sie vorzüglich?“ -- B: „Gewiß -- Sie müssen nämlich wissen, ich bin -- Zahnarzt!“
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Wenn man dick ist
=Herr= (der soeben in einen Wagen der Berliner Ringbahn eingestiegen ist, zu einer sehr dicken Dame): „Warum weinen Sie denn, meine Gnädige?“
=Dame=: „Ach, lieber Herr, sehen Sie, durch diese Station bin ich nun schon dreimal gefahren -- ich soll hier aussteigen, und ich kann nicht!“
=Herr=: „Warum denn nicht?“
=Dame=: „Ja, sehen Sie, ich bin etwas korpulent und muß deshalb =rückwärts= aussteigen. Wenn nun der Zug hält, mach' ich die Tür auf und setze den einen Fuß auf das Trittbrett. Jedesmal kommt dann der Schaffner, =denkt, ich will einsteigen, gibt mir einen kleinen Schubs= und schlägt mit den Worten: „Madamken, wenn Sie noch mitwollen, dann müssen Sie sich beeilen!“ -- die Waggontür zu!“
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Der Oberlehrer
Ein Oberlehrer wird in der Eisenbahn mit den Worten „Sie, geben Sie mal Streichhölzer“ um Feuer gebeten. Er erwidert: „Erstens habe ich keine Streichhölzer, zweitens würde ich Ihnen, selbst wenn ich solche hätte, keine geben, _a_) weil Sie mich in unhöflicher Weise darum angegangen haben, _b_) weil wir im Nichtrauchercoupé fahren.“
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Der Gentleman mit dem Zylinderhut[2]
Hanns Heinz Ewers erzählt:
„Auf einer Fahrt durch Estremadura (Spanien) befand sich in meinem Coupé eine englische Dame, welche sich genierte, die primitiven aus zwei durchlöcherten Brettern bestehenden W. C. der spanischen Bahnstationen zu benutzen und deshalb seelische wie körperliche Qualen litt.
Da war es, daß ich ein seltenes, ein aufopferndes Bild von Edelmut und Herzensgüte erlebte.
Ein im Coupé sitzender Handlungsreisender erhob sich und nahm aus der Schachtel seinen neuen, wundervollen Zylinderhut. Er reichte ihn der Dame hin und sagte würdevoll:
„Madam! Dies ist ein Zylinderhut. Man kann ihn auch zu anderen Zwecken benutzen. -- Ich und die beiden Herren möchten jetzt schrecklich gern hier aus dem Fenster hinaus die Gegend betrachten. -- Wenn in der Zwischenzeit der Zylinderhut aus dem anderen Fenster hinausgeworfen würde, würde ich mir das zur hohen Ehre anrechnen!“
Ohne eine Antwort abzuwarten, stellte er den Zylinderhut neben die Dame, faßte uns am Arm und drängte uns zum Fenster hin. Wir unterhielten uns laut über die schöne Gegend, die aus Sand, verbranntem Gras und Telegraphenstangen bestand. Als wir sie genug bewundert zu haben glaubten, drehten wir uns wieder um. Der Zylinderhut war verschwunden, die Engländerin saß ruhig mit glücklichem Gesicht in ihrer Ecke. Sie warf dem Handlungsreisenden einen dankbaren Blick zu.
„Sie sind ein Gentleman!“ sagte sie einfach.
„Ja!“ sagte ich ergriffen und drückte ihm die Hand, „man sollte Ihnen ein Denkmal setzen!“
„O bitte!“ sagte der Herr vornehm. Und rasch brachte er ein anderes Gesprächsthema auf, erzählte höchst ergötzliche Geschichten von Leutnants und Schwiegermüttern.
„Welch ein Mensch!“ dachte ich.
Alles nimmt ein Ende. Und so gelang es schließlich auch unserer braven sechzigjährigen Lokomotive „Esmeralda“ uns nach Sevilla hineinzuschleppen. Sie schnarchte fürchterlich und war schrecklich müde -- das arme Tierchen!
Wir stiegen aus, der Handlungsreisende reichte liebenswürdig der englischen Dame ihre Gepäckstücke und ich sah, wie er die Adresse auf ihrem Koffer las.
„Miß Maud Clifton, Park Road, Sheffield!“ murmelte er. -- „Sheffield? -- Das ist gut, da ist ja die Firma Winter Brothers!“
Er half der Dame beim Aussteigen. Dann kritzelte er ein paar Worte auf eine Karte und wandte sich an mich: