Der Tatbestand der Piraterie nach geltendem Völkerrecht

Part 11

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143 Die Festnahmebefugnis eines selbst angegriffenen Handelsschiffes dürfte in jedem Landesrechte bestehen (Deutschland § 127 St.P.O.). Ob Art. 10 des franz. Gesetzes von 1825 sich hierauf oder auf ein allgemeines Festnahmerecht bezieht, ist nicht klar (für die weitere Auffassung _Pistoye_ et _Duverdy_, S. 55 f.; im übrigen bringt die französische Literatur generelle Behauptungen, s. Anm. 3, S. 51, statt das eigene Landesrecht einer Prüfung zu unterziehen).

144 Zur Ausübung der vertragsmäßig begründeten internationalen seepolizeilichen Befugnisse können sich die Staaten regelmäßig nur der Kriegsschiffe bedienen; die Nordseefischereikonvention, Art. 26, läßt seitens Belgiens auch „Staatsschiffe“, die Kabelkonvention, Art. 10, allgemein außer Kriegsschiffen besonders dazu bestellte Schiffe anderer Art zu.

145 Die alte und der größte Teil der neueren Literatur und Praxis stimmen überein. Typisch _Hedges_ (Judge of the Admiralty) 1696: „Piracy is only a sea term for robbery, piracy being a robbery committed within the jurisdiction of the Admiralty.“ Ferner u. a. _Stephen_, Crim. Law, Art. 108; _Russell_ I, S. 260; _Wharton_, Crim. Law, § 1860.

146 Quaest. Jur. Publ. L. I, C. XVII: „Qui autem nullius principis auctoritate, sive mari sive terra rapiunt, piratarum praedonumque vocabulo intelliguntur.“ Diese meistzitierte aller Pirateriedefinitionen wird gewöhnlich mißverstanden; es ist keine Frage, daß sie die Lebensführung trifft, nicht einzelne Handlungen (rapiunt, nicht rapuerunt).

_ 147 Baud_, S. 2, 3, Seeräuber im Sinne des Völkerrechts ist, wer „de zee eigenmachtig doorkruist met inzigt om de schepen van vriend of vijand, in tijd van vrede of van oorlog zonder onderscheid, aan te randen en te berooven“; leider findet diese in allen Punkten zutreffende Definition keine nähere Ausführung. Bei _Baud_, S. 3, N. 1, _Casaregis_: „Proprie pirata ille dicitur, qui sine patentibus alicuius principis et propria tantum auctoritate, per mare discurrit praedandi causa.“ Daselbst S. 3 _de Broglie_: „La piraterie ... c’est la profession de voleur de grand chemin sur la mer.“

_ 148 Wheaton_ I, S. 141: „Les pirates sont ceux qui courent les mers, de leur propre autorité, pour y commettre des actes de déprédation, pillant à main-armée, soit en temps de paix, soit en temps de guerre, les navires de toutes les nations, sans faire d’autre distinction que celle qui leur convient pour assurer l’impunité de leurs méfaits.“ Wörtlich übereinstimmend (wie mehrfach in seiner Darstellung) _Ortolan_ I, S. 232. _Pradier-Fodéré_, § 2491: „Le propre de la piraterie, le caractère essentiel du pirate, c’est de courir les mers pour son compte sans y être autorisé par le gouvernement d’aucun Etat, dans le but de commettre des actes de déprédation.“ _Bluntschli_, Art. 343: „Als Piraten-, Räuber-, Seeräuberschiffe werden die Schiffe betrachtet, welche ohne Ermächtigung eines kriegführenden Staates auf Beute fahren.“

_ 149 Perels_ int. öff. Seer., S. 109: „Man versteht unter Piraterie ein ohne staatliche Autorisation in gewinnsüchtiger Absicht auf die Ausübung von Gewaltakten auf See gerichtetes bewaffnetes Unternehmen.“ _Bonfils_, § 594: „Quiconque entreprend en mer une expédition armée, sans l’autorisation préalable d’un Etat, c’est un pirate.“ — Daß die auch in der englischen Literatur übliche Bezeichnung des Piraten als eines hostis humani generis mit der kriminalistischen Auffassung nicht verträglich ist, liegt auf der Hand. — Sehr bemerkenswert _Stephen_, Crim. Law, S. 79: „It is doubtful, whether persons cruising in armed vessels with intent to commit piracies, are pirates or not,“ und dazu S. 78, N. 1. Er hält die Aufbringung für zulässig, die Bestrafung für bedenklich. Seine Zweifel beheben sich mit der Unterscheidung des völkerrechtlich-seepolizeilichen und des landesrechtlich-strafrechtlichen Tatbestandes.

150 Der „faktischen Denationalisierung“ in einem anderen, weiteren oder engeren als dem unten § 11 a. E. bestimmten Sinne.

_ 151 Woolsey_, Introd. S. 233 (Personen, nicht „at the time pertaining to any established state“). Ähnlich _Bluntschli_ (§ 350: „Schiff, welches sich dem Verbande mit einem geordneten Staate entzogen hat“), der aber als Anhänger der seepolizeilichen Auffassung (s. Anm. 3, S. 54) nicht hierhin zu stellen ist.

152 S. 259 („its essence consists in the pursuit of private, as contrasted with public, ends“), s. aber näher unten § 14. Ferner _Rougier_, S. 285 („le but purement privé“).

_ 153 Kents_ Definition (Commentaries on American Law, 12. Aufl. 1873, I, S. 184): „Robbery, or a forcible depredation on the high seas, without lawful authority, and done animo furandi, and in the spirit and intention of universal hostility,“ siehe auch Report zum Penal Code 1901, S. XXVI (der sie annimmt) und _Kent_, Int. Law, S. 399; ferner _Bishop_, § 1058 (und dort, Note 3, Richter _Nelson_); Th. S. _Woolsey_, Right of search, S. 16; auch Mr. _Seward_, Sec. of State, to Mr. _Van Valkenburgh_, 19. Febr. 1869 (_Wharton_, Int. Law, § 380). Abweichend _Wharton_, s. o. Anm. 1, S. 53 (streng kriminalistisch) und _Wheaton_, s. S. 54, Anm. 3 (seepolizeilich).

_ 154 Attlmayr_, Internat. Seer. 1872 I, S. 19; _Den Beer Poortugael_, S. 181; _Fiore_, Droit international, § 494 f.; _Dalloz_, Organisation maritime 941; _Piédelièvre_ I, S. 578; _Samios’_ Dissertation ist auf dem Gedanken aufgebaut (hier wie meist stark durch _Pradier-Fodéré_ beeinflußt. Die Arbeit ist unbedeutend). Von Engländern namentlich _Kenny_, S. 316; _Phillimore_, S. 491, zitiert in diesem Sinne Richter _Jenkins_, im entgegengesetzten, S. 501, Dr. _Lushington_ in The Magellan Pirates (typischer Ausdruck der herrschenden englischen Überzeugung, streng kriminalistisch: „All persons are held to be pirates who are found guilty of piratical acts, and piratical acts are robbery and murder upon the high seas.... it was never, so far as I am able to find, deemed necessary to inquire whether the parties so convicted had intended to rob or to murder on the high seas indiscriminately.“ The Mag. Pir. waren chilenische Aufständische).

155 § 23, Nr. 21; Instruktion von 1877, II: „Wird ein Kommandant auf hoher See ... den Akt einer Seeräuberei _oder deren Vorbereitung_ gewahr, so steht ihm das Recht zu ...“

156 s. 4297, 5. Aug. 1861. Dagegen setzen die Queens Regulations von 1899, Art. 450, Begehung piratischer Akte voraus.

157 Die Möglichkeit strafrechtlicher Tatbestände dieser Art (formell strafrechtliche, materiell polizeiliche Tatbestände) ist natürlich vorhanden. Die Bedingung der Strafe durch eine effektiv verwirklichte bezw. versuchte Rechtsgüterverletzung ist nicht mehr als eine rechtspolitische Forderung.

Als Grund für den Bruch mit sonst herrschenden strafrechtlichen Prinzipien könnte man die Schwierigkeit des Nachweises der einzelnen piratischen Akte ansehen; aber diese ist für die in Betracht kommenden Staaten nicht größer als für diejenigen, deren Strafbestimmungen gegen die Piraterie eine geschehene Rechtsgüterverletzung voraussetzen.

158 Nur setzt der strafrechtliche Tatbestand Zurechnungsfähigkeit voraus.

159 Die Verschiedenheiten beider Bestimmungen ergibt ihr Text.

Niederl. St.G.B. vom 3. März 1881, Art. 381: „Als schuldig aan zeeroof wordt gestraft:

1º met gevangenisstraf van ten hoogste twaalf jaren, hij die als schipper dienst neemt of dienst doet op een vaartuig, wetende dat het bestemd is of het gebruikende om in open zee daden van geweld te plegen tegen andere vaartuigen of tegen zich daarop bevindende personen of goederen, zonder ...

2º gleiche Bestimmung für die übrigen Mitglieder der Besatzung, Gefängnis bis zu neun Jahren.

Portug. St.G.B. vom 16. Sept. 1886, Art. 162: „Qualquer pessoa que commetter o crime de pirataria, commandando navio armado, e cursando o mar, sem commissão de algum principe ou estado soberano, para commetter roubos ou quaesquer violencias, será condemnado ...

§ 2: ähnliche Bestimmung für die Besatzung.

160 Gesetz von 1825, Art. I, Nr. 1; völlig übereinstimmend Bras. St.G.B., Art. 106, § 1.

_ 161 Baud_, S. 141, übersieht ganz, daß es sich nur um bewaffnete Schiffe handelt. _Royer-Collard_ (bei _Calvo_, § 489) hält die Bestimmung für rein landesrechtlich.

162 Bei _Dalloz_, Org. marit. 947 („Lorsqu’il résulte de l’instruction et des renseignements transmis par le ministre des affaires étrangères, que l’objet d’un armement n’était pas de commettre des actes de piraterie“). In demselben Sinne hatte sich bei der parlamentarischen Beratung des Gesetzes der Berichterstatter in der ersten Kammer geäußert (_Pistoye_ et _Duverdy_ I, S. 33).

163 It. Cod. p. l. mar. merc., Art. 324 („saranno considerate come dedite alla pirateria“); span. Ordonnanz vom 20. Juni 1801, Art. 27 („y en caso de estar armadas en guerra, sus cabos y oficiales serán tenidos por piratas;“ im Gegensatz zu den Vorschriften der anderen Staaten ist hier der Verdacht auf Personen in führender Stellung beschränkt).

164 S. o. § 1. Richtig _Pistoye_ et _Duverdy_ I, S. 416; _Gessner_, Droit des neutres 1865, S. 388.

165 Piraterie als „Delikt wider das Völkerrecht“, „Völkerrechtswidrigkeit“, „Verletzung des Völkerrechts“ ganz allgemein bei den Engländern, s. o. S. 20, N. 1. Ferner u. a. bei _Heffter_, § 104; _Gareis_ bei _Holtzendorff_ II, S. 572. Das mexikanische St.G.B. von 1871 behandelt sie in dem Abschnitt: „Delitos contra el derecho de gentes.“

166 So _v. Martitz_ I, S. 60.

167 Französ. Gesetz von 1825 in allen Artikeln; ital. Cod. p. l. mar. merc., Art. 320; niederl. St.G.B., Art 381; u. a. m.

168 Das niederl. St.G.B., Art. 383, bedroht die Ausrüstung als selbständiges Delikt im Gegensatz zum Seeraub. Das norwegische St.G.B. kennt ein besonderes Delikt der Ausrüstung eines Schiffes zum Zwecke des Raubes, s. o. S. 32, N. 1.

169 Dagegen _Pradier-Fodéré_, § 2491.

_ 170 Halleck_ I, S. 396 f. bezeichnet private militärische Invasionen als piracy, so daß Aburteilung „in the courts of any State having custody of the offenders“ zulässig wäre. Vgl. ferner _Field_, Art. 83 u. 650.

_ 171 Senly_, La piraterie, Pariser These 1902, S. 98 f., konstruiert in der Tendenz, den Einfall _Jamesons_ in die südafrikanische Republik zu brandmarken, eine „piraterie terrestre“. — Es ist der einzige originelle Gedanke in der flüchtig zusammengeschriebenen Arbeit, deren letztes Kapitel (S. 129 f.) aus _Perels_, Int. öff. Seer., 1. Aufl. (1884 französisch erschienen) entlehnt ist.

172 S. auch _Perels_, S. 109, 110; _Gareis_ bei _Holtzendorff_ II, S. 574.

_ 173 v. Liszt_, S. 211; _Den Beer Poortugael_, S. 182; _Fiore_, Droit international, § 495; Bras. St.G.B. von 1890, Art. 104, § 1; amerik. Rev. Stat. s. 5368.

174 So die herrschende englische Auffassung. The High Court of Admiralty war zuständig für gewisse innerhalb eines besonders abgegrenzten, hauptsächlich das Meer umfassenden räumlichen Bezirks („jurisdiction of the Admiralty;“ über die Grenzen, die mit denen des staatlichen Seegebietes nicht zusammenfallen, siehe _Stephen_, History of the criminal law II 1883, S. 24 f.) begangene Verbrechen. Piracy ist robbery, soweit sie zur Zuständigkeit der Admiralität gehört. Vgl. Richter _Jenkins_, 1668, bei _Phillimore_ I, S. 491; Richter _Hedges_, s. o. S. 53, N. 1; _Russell_ I, S. 10; _Stephen_, Art. 108. Stat. pir. ist die Begehung gewisser Verbrechen durch Untertanen in demselben Bezirk, ausdrücklich in 18 Geo. 2 c. 30 (1744), 11 u. 12 Will. 3 c. 7 s. 9 (1698), 5 Geo. 4 c. 113 s. 9 (1824).

_ 175 Lawrence_, Principles, S. 210: „outside the territorial jurisdiction of any civilised state,“ so auch Handbook, S. 65; _Woolsey_, Right of search, S. 16. Diese Abgrenzung bezweckt die Erstreckung des Begriffs auf von hoher See aus in staatlosem Gebiet begangene piratische Akte.

_ 176 Hall_, S. 260 (s. o. § 7, II, 1; ihm schließt sich an _Westlake_, Int. Law 1904 I, S. 177); _Woolsey_, Introduction, S. 233; _Piédelièvre_ I, S. 578, N. 10.

177 Franz. Gesetz von 1825, Art. 2; ital. Cod. p. l. mar. merc., Art. 320; mexikan. St.G.B. von 1871, Art. 1127, Abs. 1; österr. Mil. St.G.B., § 490.

_ 178 Perels_, S. 109: ein auf die Ausübung von Gewaltakten „auf See“ gerichtetes Unternehmen; so auch deutsche „Bestimmungen für den Dienst an Bord“, § 23, Nr. 21. Ferner niederl. St.G.B. von 1881, s. S. 60, N. 2.

179 So _Baud_ („de zee doorkruist“); _Casaregis_ („per mare discurrit“); _Wheaton_, _Ortolan_, _Pradier-Fodéré_ („qui courent les mers“); _Bonfils_ („entreprend en mer une expédition armée“), s. die Zitate oben S. 54, N. 2–4. Portug. St.G.B. von 1886 („cursando o mar“), s. o. S. 60, N. 2.

_ 180 Pradier-Fodéré_, § 2491: „peu importe pour la qualification de ce brigandage, qu’il s’accomplisse en pleine mer ou sur des côtes.“

181 Die Anerkennung dieses Bedürfnisses liegt auch den Ansichten der S. 65, N. 4 u. 5 zitierten Autoren zu Grunde.

182 S. o. S. 65, N. 2, 3 und S. 66, N. 1. — Der Raub an der Küste von der See aus findet besondere Erwähnung in dem ital. Cod. p. l. mar. merc., Art. 323, nur für die ital. Küste; und in den am. Rev. Stat. s. 5371 (15. Mai 1820), deren Tatbestand der Report zum Entwurf eines Penal Code 1901, S. XXVIII, als statutory piracy auffaßt.

183 Die Angabe bei _Gareis_, _Holtzendorff_ II, S. 573, der gewaltsame Angriff auf Schiffe sei an der Definition unbestritten, ist insoweit nicht zutreffend.

_ 184 Hintrager_, S. 69, ist der Ansicht, sie begreife auch Raub auf dem Schiffe.

185 s. 5372: „murder or robbery or any other offense which, if committed within the body of a county, would by the laws of the United States be punishable with death;“ s. 5370: „robbery in or upon any vessel, or upon any ship’s company of any vessel, or the lading thereof;“ stat. pir. nach _Kent_, Int. Law, S. 399 f.; _Wharton_, Crim. Law, § 1862; Report zum Entwurf eines Penal Code, S. XXVI („yet if it were committed on a foreign vessel it would be manifestly incompetent for the United States to punish such an offense“); s. auch _v. Martitz_, Rechtshilfe I, S. 66, N. 14.

_ 186 Hall_, S. 261 („revolt of the crew and conversion of the vessel and cargo to their own use“ in ausdrücklichem Gegensatz zur „attack from without“); _Lawrence_, Principles, S. 209, 210; _Bishop_, § 1059 (und dort zit. Richter _Hedges_ 1696); _Kenny_, S. 315 („a good example of piracy according to International Law“); _Oppenheim_, § 274; _Wheaton_ I, S. 143, nach dem auch fernere Verbrechen an Bord des Meutererschiffes Piraterie sein sollen, mit ihm übereinstimmend _Ortolan_ I, S. 239 und _Calvo_, § 492; endlich auch _Hintrager_, S. 70 und _Attlmayr_, Int. Seerecht I, 1903, S. 54.

187 Die Tatbestände des englischen und des französischen Textes schließen einander aus; hier interessiert nur, daß die prise par les marins nicht piracy ist.

188 11 und 12 Will. 3 c. 7 s. 9 (1698), sechs Tatbestände: „(1) if any commander or master of any ship, or any seaman or mariner, shall ... turn pirate, enemy or rebel, and piratically and feloniously run away with his or their ship or ships, or any barge, boat, ordnance, ammunition, goods or merchandizes, (2) or yield them up voluntarily to any pirate; (3) or shall bring any seducing message from any pirate, enemy or rebel; (4) or consult ... with, or attempt ... to corrupt any commander ... or mariner to ... (wie 1 und 2); (5) or if any person shall lay violent hands on his commander, whereby to hinder him from fighting in defence of his ship and goods; (6) or shall confine his master, or make or endeavour to make a revolt in the ship, he shall ... be ... deemed ... a pirate.“

189 Rev. Stat. s. 5360 (30. April 1790, 3. März 1835): „if any one of the crew of an _American_ vessel on the high seas ... unlawfully and with force, or by fraud, or intimidation, usurps the command of such vessel from the master or other lawful officer in command thereof, ... he is guilty of a revolt and mutiny.“ Von piracy ist nicht die Rede. So auch _Wharton_, Int. Law, § 380 f. (S. 463); _Supreme Court_ 1818 bei _Moore_, S. 59.

190 Französ. Gesetz von 1825, Art. 4, Nr. 1 („Tout individu faisant partie de l’équipage d’un navire ou bâtiment de mer français qui, par fraude ou violence envers le capitaine ..., s’emparerait dudit bâtiment“), dazu _Baud_, S. 144 f. („geene spoor van de eigenlijke zeerooverij“) und _Pradier-Fodéré_, § 2502; ital. Cod. p. l. mar. merc., Art. 327; brasil. St.G.B., Art. 104, § 3.

191 St.G.B., Art. 386 („die zich wederrechtelijk van het schip meester maakt“).

192 Übereinstimmend u. a. _Perels_, S. 110; _Pradier-Fodéré_, § 2507; _Piédelièvre_ I, S. 586; Mr. _Marcy_, Sec. of State, to Mr. _Starkweather_, 18. Sept. 1854, bei _Wharton_, Int. Law, § 380. — Die praktische Bedeutung der Frage beweisen die Vorgänge bei der russischen Flotte im Sommer 1905.

193 Französ. Gesetz von 1825, Art. 4, Nr. 2; ital. Cod. p. l. mar. merc., Art. 328; brasil. St.G.B., Art. 104, § 4; England s. o. S. 69, N. 2.

194 Amerik. Rev. Stat. s. 5369 (30. April 1790); brasil. St.G.B., Art. 104, § 5; England s. o. S. 69, N. 2.

195 Vgl. auch _G. F. v. Martens_, Kaper, § 1; _Bynkershoek_, Quaest. iur. publ. L. I, C. XVII, die Barbaresken „piratae non sunt ... et quibuscum nunc pax est, nunc bellum“.

_ 196 Wheaton_ I, S. 141: „pillant ... les navires de toutes les nations, sans faire d’autre distinction que celle qui leur convient pour assurer l’impunité de leurs méfaits.“

197 An Verletzungen der loi de guerre unter den Kriegführenden sind dritte Mächte nicht interessiert. Die im Text bezeichnete etwas seltsame Behauptung findet sich bei _Rosse_, Guide international du commandant de bâtiment de guerre, 1891, S. 113; _Field_, Art. 766; _Calvo_, § 496 (nur für Kaper). Der Gegner ist, wie regelmäßig bei Übertretung der Kriegsgesetze, zur Ahndung nach Maßgabe seines innerstaatlichen Strafrechts befugt, so auch amerik. Naval War Code von 1900, Art. 7 und 8 (eine Instruktion für die Marine, inzwischen nach Angabe _Holland’s_, Rev. d. dr. i. 1905, S. 369, wieder außer Kraft getreten) und ital. Cod. p. l. mar. merc., Art. 326 („ostilità contro nazionali od alleati“). — Französ. Gesetz von 1825, Art. 2, Nr. 3 (altes französisches Recht, Ordonnanz von 1681, Buch III, Tit. IX, Art. 5) und brasil. St.G.B., Art. 105, § 2 (nur für Kaper) bedürfen restriktiver Interpretation.

198 Vgl. statt anderer _Gareis_ bei _Holtzendorff_ II, S. 573; _Kenny_, S. 315.

199 „Épaves maritimes“ im französischen, „wreck“ im englischen Rechte (Merchant Shipping Act, 1894, s. 510 f.) bezeichnet strand- wie seetriftige Güter; siehe ferner deutsche Strandungsordnung von 1874, § 20 f.; ital. Cod. p. l. mar. merc., Art. 134 f.; norweg. Strandungsgesetz vom 20. Juli 1893, § 1; niederl. Wetboek van Koophandel, Buch II, Tit. 7.

200 Deutsche „Bestimmungen für den Dienst an Bord“, § 23, Nr. 21 („in räuberischer Absicht“); österr. Mil. St.G.B., § 490 (Absicht, sich widerrechtlich eines Schiffes oder einer darauf befindlichen Person oder Sache zu bemächtigen).

201 Piracy ist robbery; _Russell_ I, S. 10, 260; _Stephen_, Art. 108; Richter _Hedges_ (bei _Bishop_, § 1058, N. 3); _Phillimore_ I, S. 488; _Kent_, Int. Law, S. 399; _Bishop_, § 1058; u. a. m. Das englische Recht ist unzweideutig; es schließt die gewaltsame Zerstörung von Schiffen und Gütern ausdrücklich aus, indem es sie für stat. piracy erklärt, 8 Geo. 1 c. 24 s. 1 (1721), vgl. auch Extradition Act, 1870, First Schedule (getrennt „Piracy by law of nations“ und „Sinking or destroying a vessel at sea, or attempting or conspiring to do so“); abweichend _Story_, bei _Walker_ Manual, S. 55, in U. S. v. Brig „Malek Adhel“ (dem amerikanischen Rechte fehlt eine der zitierten englischen entsprechende zwingende Bestimmung). Amerik. Rev. Stat. s. 5372 ist stat. pir., s. o. S. 68, N. 2.

_ 202 Perels_, S. 109 („in gewinnsüchtiger Absicht“); _Heffter_, § 104; _Gareis_ bei _Holtzendorff_ II, S. 574 (Absicht, „fremde bewegliche Sachen wegzunehmen“); _Ullmann_, S. 215; _Samios_, S. 43; _Pradier-Fodéré_, § 2491 („le but de commettre des actes de déprédation“); _Bonfils_, § 594; _Piédelièvre_ I a. a. O.; _Fiore_, Droit international, § 494 f.; _Bynkershoek_, _Baud_, _Casaregis_, _de Broglie_, _Wheaton_, _Ortolan_ s. o. S. 54, N. 1–3; _Klüber_, Völkerrecht, 2. Aufl. 1851, § 260. Der älteren Literatur ist die räuberische Natur des Unternehmens selbstverständlich, s. auch _G. F. v. Martens_, Kaper, § 1.

_ 203 Despagnet_, S. 523; _Geffcken_ bei _Heffter_, § 104, N. 2; _Bluntschli_, § 343.

204 Französ. Gesetz von 1825, Art. 2, Nr. 1 (déprédation ou violence à main armée); ital. Cod. p. l. mar. merc., Art. 320 (atti di depredazione o di grave violenza); mexikan. St.G.B., Art. 1127, Abs. 1; brasil. St.G.B., Art. 104, § 1.

205 In ihren dem völkerrechtlichen angenäherten Tatbeständen, niederl. St.G.B., Art. 381 (daden van geweld), portug. St.G.B., Art. 162 (roubos ou quaesquer violencias).

_ 206 v. Liszt_, S. 212; _Hartmann_, S. 203; _Calvo_, § 485. In neuerer Zeit auch einige Engländer: _Hall_, S. 258; _Lawrence_, Principles, S. 209; _Kenny_, S. 316; _Walker_, Manual, S. 55. Nach _Rivier_ I, S. 249, sind Gewalttätigkeiten ohne räuberische Absicht nicht Piraterie, aber un crime analogue.

207 Nach deutschem Rechte Wegnahme beweglicher Sachen (Diebstahl) unter Beseitigung eines Widerstandes durch physische oder intensive psychische (Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben) Gewalt, § 249 St.G.B. Der Unterschied der Landesstrafgesetze besteht vornehmlich in der Verschiedenheit der geforderten Intensität der psychischen Gewalt und in der Erstreckung oder Nichterstreckung des Begriffs auf Fälle, in denen der Besitzübergang durch eigene Handlung des Beraubten erfolgt (weiter als das deutsche Recht z. B. österr. St.G.B. § 190 f. und das englische Recht, Larceny Act, 1861 s. 40 f.).