Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika

Part 24

Chapter 243,254 wordsPublic domain

Allein der Markgraf trat den verständigen Absichten und Ansichten seiner Minister nicht bei und hob die ersten 1285 Mann aus, ohne nur dem Lande die geringste Gegenleistung zu versprechen. Erst im September 1777, als er wieder zu neuen Aushebungen schreiten mußte, erinnerte er sich, wie er selbst wiederholt hervorgehoben, »daß die Ueberlassung der beiden Infanterieregimenter in englischen Sold vornehmlich aus der Ursache eingeleitet worden sei, um die Schulden der Obereinnehmerinn möglichst bald tilgen zu können. In Folge dieser gnädigsten Gesinnung wolle Serenissimus Vorschlägen entgegensehen, wie viel den obergebirgischen Landschafts- und Kämmerei-Kassen während der Zeit, daß die Truppen in englischem Solde stehen, von ihren Contribuendis erlassen werden könne.«

Nach den Angaben der Minister hat die obergebirgische Landschaft vertragsmäßig an »verwilligten Subsidien und Militärbeiträgen jährlich 127,485 fl. 36 kr., die obergebirgische Rentei aber jährlich 25,000 fl. zu leisten, von welchen Beiträgen das ganze bayreuthische Militär unterhalten wird.« Da nun ein theilweiser Erlaß dieser Kontribuenda der Landschaft eine wesentliche Erleichterung gewähren wird, so schlägt der Bericht vor, der Rentei die Hälfte d.h. 12,500 fl. und der obergebirgischen Landschaft 40,000 fl. jährlich während der Dauer des englischen Subsidienvertrages nachzulassen. Es wird berechnet, daß dieses Erlasses ungeachtet, jährlich etwa 100,000 fl. der Schulden der Landschaft, welche, soweit sie abtragbar sind, sich auf 1,326,639 fl. belaufen, aus den Einnahme-Ueberschüssen abbezahlt werden können. Bei dieser Berechnung sind die Einnahmen aus dem englischen Subsidienvertrag außer Ansatz gelassen. Der Bericht weise nach, daß die reinen Einnahmen aus demselben mehr als 100,000 fl. jährlich betragen. Es hänge natürlich lediglich vom Ermessen Serenissimi ab, einen Theil auch dieser Einnahme zur Tilgung der Schulden der Landschaft zu verwenden. Der Passus des Reskriptes, in welchem die Vorschläge der Minister betreffs des Erlasses an den Contribuendis genehmigt werden, lautet: »Nachdem Serenissimus von Wegen der in englischen Sold überlassenen Infanterie-Regimenter und der hierdurch erziehlten Ersparnüß auch der obergebirgischen Landschaft einen reellen Vortheil zuflüßen lassen wollen, als deklariren Sie hierdurch der obergebirgischen Landschaft, an dem vertragsmäßigen Subsidien- und Militär-Beytrag von jährlich 127,485 fl. 36 kr., insolange gedachte Truppen in englischem Sold stehen, 40,000 fl. jedes Jahr nachzulassen, welcher Nachlaß vom 1. März ab seinen Anfang nehmen darf. Die Obereinnehmerey soll jedoch auf die Abführung des übrig bleibenden Contribuendi von 87,485 fl. 36 kr. an die hiesige Landschaft den sorgfältigen Bedacht nehmen.« Die 40,500 fl. sollen zur Schuldentilgung verwandt werden, und behält sich Serenissimus vor, von dem reinen Ueberschuß der englischen Subsidien eventuell einen Theil zu demselben Zwecke der Landschaft noch zukommen zu lassen. Durch ein weiteres Reskript wurde auch der obergebirgischen Rentei die Hälfte ihres Contribuendi von 25,000 fl. erlassen, »hingegen sey die Abführung des residui an die Obereinnehmerey sorgsamer Bedacht zu nehmen.«

Also mit anderen Worten brauchte Bayreuth während des amerikanischen Krieges nur 100,000 fl. (genau 99,985 fl. 36 kr.) statt der ihm vertragsmäßig obliegenden 152,485 fl. 36 kr. an den Markgrafen zu zahlen, während England für jeden Soldaten, für jeden Sohn des Landes nicht allein sämmtliche Kosten bestritt, sondern auch noch dem Markgrafen Handgelder und Subsidien bewilligte. Derselbe Mensch, der aus dem Blut seiner Unterthanen Millionen für sich münzte, verschmähte auch ein kleines Geschäftchen nicht; er ließ sich seine Soldaten doppelt bezahlen, erst von seinem Lande, dann von England und bewilligte jenen nur einen Nachlaß von 52,500 fl. pr. Jahr. Ob Anspach auch in derselben echt fürstlichen Weise begnadigt wurde, geht aus den Akten nicht hervor; indessen ist nicht anzunehmen, daß es schlechter als Bayreuth behandelt wurde.

Der Gesammtverlust der deutschen Truppen während eines beinahe siebenjährigen Krieges stellt sich auf etwas mehr als vierzig Prozent der gesammten Mannschaft; von bloß militärischem Gesichtspunkte aus betrachtet ein durchaus günstiges Verhältniß, wenn man damit die früheren oder späteren europäischen Kriege vergleicht. Es war aber England's Interesse, den deutschen Soldaten dieselbe gute Verpflegung angedeihen und dieselbe hohe Löhnung zahlen zu lassen, welche seine eigenen Angehörigen erhielten. Wenn trotzdem z.B. 300 hessische Grenadiere in einem einzigen Frühjahr vom Faulfieber dahingerafft wurden, so war dieses Unglück eine Folge des Mangels an Reinlichkeit und guter Pflege, dessen sich die hessischen Grenadiere und Offiziere schuldig machten. Im Gefecht sind verhältnißmäßig wenige Leute gefallen, wie denn überhaupt alle damals gelieferten Schlachten heutzutage nur als ernstliche Plänkeleien gelten würden; die Meisten kamen durch klimatische Krankheiten, angestrengte Märsche, übermäßige Strapazen und Entbehrungen und ungewohnte Lebensweise um. In der Schlacht bei Monmuth starben z.B. 28 hessische Grenadiere am Sonnenstich. Nach geschlossenem Frieden blieben mehrere hundert Braunschweiger und Hessen mit Genehmigung ihrer Vorgesetzten in Amerika. Ein Theil ging auch durch Desertion verloren. Amerikanische und ihnen gläubig nachschreibende deutsche Schriftsteller haben vielfach die Ansicht verbreitet, als sei der deutsche Soldat, wo sich nur eine Gelegenheit dazu geboten habe, eiligst desertirt. Wenn je eine Angabe irrig war, so ist es diese. Die Amerikaner hatten allerdings stark auf die Desertion der deutschen Soldaten gerechnet und gaben sich alle mögliche Mühe, sie zu gewinnen; indessen halfen ihre Bemühungen nicht viel. Schon Ende August 1776 passirte der Kongreß einen Beschluß, worin er allen hessischen (d.h. deutschen) Deserteuren ein ansehnliches Stück Land zur Ansiedelung versprach. Franklin ließ dieses Dokument in's Deutsche übersetzen und in Staaten Island unter den dort lagernden Truppen vertheilen. Er schlug dem General Gates vor, den Aufruf als Umschlag für Tabackspackete zu gebrauchen und ihn auf diese Weise denjenigen leicht zugänglich zu machen, an deren Adresse er gerichtet war. Das Mittel zog aber nicht. Ja, selbst in der Gefangenschaft blieben diese Leute mit einer, der besten Sache würdigen Treue bei ihren Fahnen und wiesen die lockendsten Anerbietungen und Verheißungen zurück. So desertirten von den bei Saratoga gefangen genommenen und zuerst in Cambridge bei Boston während eines strengen Winters in Haft gehaltenen Braunschweigern kaum 80 Mann, trotzdem daß der französische Oberst Armand (Marquis de la Rouerie) neben dem Lager der Gefangenen am Winterhill ein Werbebureau für seine Freikorps errichtet hatte und es, da er selbst des Deutschen mächtig war, an Versuchungen zur Desertion nicht fehlen ließ. Diejenigen Deserteure, die sich von ihm hatten annehmen lassen, trieben ihre Unverschämtheit so weit, daß sie in ihren amerikanischen Uniformen zu Pferde und zu Wagen zum Winterhill kamen und ungestraft ihre früheren Kameraden auffordern durften, ihrem Elend durch Uebertreten zu ihnen ein Ende zu machen. Im schroffen Gegensatze dazu steht allerdings ein nur vereinzelt vorgekommener Fall, indem der Sergeant Flachshaar am 14. September 1778 aus Newyork schreibt: »Ich weiß nicht, was es ist. Verschiedene Hessen wissen ihre Ehre nicht zu estimiren, denn sie desertiren so stark, daß es eine Schande ist. Bei dem Marsche von Philadelphia hierher sind allein an 400 Mann desertirt. Se. Exzellenz der Herr Generallieutenant von Knyphausen haben deßwegen auch schon etliche vom hessischen Korps aufhängen lassen.«

Trotz alledem war im Verlauf des Krieges die Desertion unter den Deutschen geringer als unter den Engländern; namentlich hielten sich die in Süd-Karolina und Georgia stehenden Regimenter trotz aller Entbehrungen und Strapazen viel besser als jene. Unsere Quellen enthalten die zahlreichsten Belege für diese Thatsache. Wenn man bedenkt, daß z.B. im Februar 1782 wegen zu starker Desertion das zweite Bataillon Delancey dem ersten und die Georgia Loyalisten den Kings Rangers einverleibt wurden, ja daß die durch diese Verschmelzung außer Gage gesetzten englischen Offiziere zum Feinde übergingen, wenn man ferner bedenkt, daß von dem regulären englischen 60. Regiment innerhalb drei Tagen sechszig Mann desertirten oder daß ganze Posten und Kavallerie-Patrouillen mit Sack und Pack sich aus dem Staube machte, so erscheint die als ein ganz außerordentliches, einzig dastehendes Ereigniß gemeldete Desertion, welche drei und vierzig Mann des hessischen Regiments Knoblauch vom 24. Januar bis 1. April 1782 aus Savannah bewerkstelligten, verhältnißmäßig noch gering. »Die Desertion betreffend -- schreibt am 21. Februar 1782 der Oberst Porbeck dem Landgrafen -- glaube, daß hieran die Hoffnung, von hier weggelegt zu werden und noch immer nicht erfolgt, schuld ist, indem sich Jeder vor der herannahenden gräßlichen Sommerhitze und dabei grassirendem bösen Faulfieber auf's Aeußerste fürchtet. Hierzu kommt noch, daß die bösgesinnten Einwohner der Stadt sich alle Mühe geben, zur Desertion zu bereden. Der hiesige Kommandant hat in der Garnison bekannt machen lassen, wenn einer von diesen Einwohnern ausgemacht werden könnte, vor solchen Lstr. 40 zu zahlen und den Thäter hängen zu lassen. An die Negers, so Deserteurs eingebracht, hat jeder Kompagnie-Chef zwei Guinees zur Aufmunterung dieser Leute bezahlt, damit solche desto aufmerksamer sein möchten. Hierzu kommt noch: die neu errichteten Bataillons, so fast mehren Theils aus weggelaufenen Rebellen bestehen und in hiesige Dienste gezwungen werden, womit dieses (Knoblauchsches) Regiment Dienste thut, veranlasset ebenfalls Beförderung der Desertion.«

Zu ganz derselben Zeit, am 20. Februar 1782 hatte John Martin, General-Kapitain und Gouverneur von Georgien, einen durch unzufriedene Einwohner und liederliche Frauenzimmer der Stadt unter die deutschen Soldaten vertheilten, auch in deutscher Sprache gedruckten Aufruf erlassen, worin er jedem englischen und deutschen Deserteur 200 Acker Land, eine gute Kuh und zwei Mutterschweine zum Geschenk verspricht, so bald er Einwohner »dieses Landes« werden wollte.

Unter diesen Umständen vermochten selbst die grausamsten Drohungen und die strengsten Strafen dem einmal eingerissenen Uebel nicht vorzubeugen. Die Engländer hingen jeden Deserteur, dessen sie habhaft wurden, die deutschen Obersten ließen ihn ohne Weiteres erschießen, übertrafen sie sogar noch an Freigebigkeit, indem sie den Häschern außer dem Fanggelde, Alles schenkten, was der Deserteur außer der Waffe am Leibe und in den Taschen trug. Bei einigen der Ergriffenen belief sich der vorgefundene Baarbestand auf drei bis fünf Pfund, ein Beweis dafür, daß ihre Flucht schon lange vorher geplant war. Der Landgraf von Hessen billigte trotz oder vielmehr wegen seiner Sparsamkeit das Verfahren seiner Regimentskommandeure als das geringere von zwei Uebeln. In der Nachbarschaft von Charleston und Savannah kam es zu vollständigen Menschenjagden mit obligaten Bluthunden und berittenen Häschern. Unter den (jetzt in Marburg ruhenden) hessischen Papieren findet sich ein kurzer Bericht, der in dürren geschäftlichen Worten ein ergreifendes Drama entrollt.

Fünf Soldaten vom Regiment Knoblauch, drei geborene Hessen, ein Brabander und ein Mannheimer, hatten zu Anfang März 1782 ihre gemeinsame Flucht verabredet. In der Nacht vom 8. zum 9. verließen sie mit voller Armatur Savannah und wandten sich landeinwärts. Inzwischen waren sie verrathen worden. Berittene Milizen, unter Führung eines Kapitains Bradley, verfolgten und entdeckten sie in der Nähe eines Swamp (sumpfiges, häufig mit Bäumen bewachsenes Terrain). Sie trieben die Flüchtlinge in den Sumpf hinein und umzingelten sie. Die Verfolgten wehrten sich so gut sie konnten, suchten mit ihren Säbeln die Bluthunde abzuwehren und gaben Feuer auf die in Mehrzahl auf sie eindringenden Verfolger. Nach kurzem Gefecht fielen sie Alle und wurden in voller Uniform in einem Loche verscharrt. Außer ihrem üblichen Fanggelde erhielten die Häscher noch drei und eine halbe Guinee, die sie aus den Taschen der Leichen zusammengesucht hatten. Unter diesen Deserteuren befand sich auch ein junger Mann aus Hatterode, der einzige Sohn einer Wittwe, deren ältester Sohn kurz zuvor im Hospital in Savannah am Fieber gestorben war. Die Mutter hatte endlich bei der heimathlichen Behörde einige Monate vorher die Freigebung des Ueberlebenden bewirkt und dessen Zurückbeförderung tagtäglich erwartet. Jetzt erhielt sie die Nachricht von dem Tode auch des zweiten Sohnes.

Auch die übrigen deutschen Truppen hielten sich soldatisch tapfer und blieben in ihrer sehr großen Mehrzahl selbst im Unglück ihrer Fahne treu. Die nach der Uebergabe von Yorktown in Frederick in Maryland internirten Anspacher verloren kaum den achten Theil durch Desertion, obgleich sie fast zwei Jahre lang in Gefangenschaft schmachteten und sehr schlecht gehalten wurden. Es ist ein hoher Beweis für die Tüchtigkeit und Disziplin der hessischen Regimenter, daß die Soldaten, trotzdem daß ihre Reihen in den letzten Jahren des Krieges mit allem möglichen Gesindel ausgefüllt wurden, in verhältnißmäßig geringer Zahl desertirten und standhaft bis an's Ende aushielten. Bei den kleineren Kontingenten kamen allerdings mehr Desertionen vor, allein gleichwohl waren sie klein im Verhältniß zu den sich bietenden Gelegenheiten, zur Unmöglichkeit der Habhaftwerdung der Deserteure und überhaupt zum Charakter der damaligen Heeres-Organisation. Diese Angabe stützt sich auf etwa vierzig Tagebücher von Offizieren, Unteroffizieren und Gemeinen. Amerikanische Novellisten à la Cooper und deutsche Tendenz-Schriftsteller werden zwar nicht müde, diese unglücklichen, fremden Interessen geopferten Miethlinge als einen verächtlichen, kaum des Widerstandes fähigen Haufen zu schildern; allein diese Phantasien werden von den Thatsachen auf Schritt und Tritt Lügen gestraft. Die hessische Infanterie jener Zeit war jedenfalls ebenso gut als die preußische, die beste des Jahrhunderts. Sie hatte gemeinschaftlich mit dieser die Schlachten des siebenjährigen Krieges gewonnen und sich im vorigen Jahrhundert in allen Theilen Europa's durch ihre Tapferkeit, Disziplin und Unverwüstlichkeit ausgezeichnet. Kaum in Amerika gelandet, entscheidet sie hauptsächlich durch ihre Bravour den Feldzug des Jahres 1776 zu Gunsten der Engländer. Die amerikanische Landbevölkerung hatte einen solchen Schrecken vor den Hessen mit ihren Bärenmützen und Zuckerhüten, daß sie dieselben als eine Art Menschenfresser fürchtete, und daß Washington, um diese Vorurtheile zu brechen, einen Theil der bei Trenton gefangenen Hessen durch die Straßen Philadelphia's führen und dem Volke zeigen ließ. »Die Herren Hessen machen Unmöglichkeiten möglich«, meinte der sich ihnen ergebende amerikanische Kommandant des Forts Washington. Die Braunschweiger bewährten in glücklichen und unglücklichen Gefechten, bei Hobartstown, Bennington und Stillwater ihre alte Tüchtigkeit und Tapferkeit, und wahrlich, sie so wenig als die Hanauer trifft der Vorwurf, daß sie bei Saratoga in feindliche Gefangenschaft fielen. Auch die kleineren Kontingente, namentlich die Waldecker und Anspacher, schlugen sich sehr gut. Jene stürmten im Verein mit den Hessen Fort Washington und kämpften in den letzten Jahren des Krieges tapfer mit den Engländern in Florida und am Missisippi gegen die Spanier; die Anspacher aber hatten im Norden ehrenvollen Antheil an der Eroberung der Festen Clinton und Montgomery und im Süden an den Siegen des Lord Cornwallis, mit dem sie freilich zuletzt in Yorktown in Gefangenschaft geriethen. Wo aber die Mannschaften nicht viel taugten und lediglich zum Festungsdienst, wie z.B. die Zerbster, verwendet wurden, waren die Offiziere desto tüchtiger und durchgreifender.

Wenn die englischen Waffen gleichwohl unterlagen, so war es wahrlich nicht die Schuld der deutschen Soldaten, sondern die Unfähigkeit der verantwortlichen Offiziere und die Kurzsichtigkeit der englischen Politik.

Es liegt natürlich außerhalb der Gränzen unsrer Aufgabe, die Mitwirkung der deutschen Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen Amerika's eingehend zu schildern. Es möge deshalb die kurze Bemerkung genügen, daß die Hülfstruppen nie selbständig auftraten, sondern den einzelnen englischen Korps beigegeben waren und deshalb im Norden und Süden überall mit zur Verwendung kamen. Wie an den Siegen des Jahres 1776 den Löwenantheil, so hatten sie in der Folge auch an dem Unglück, welches die englischen Waffen traf, ihr volles Maß. Wenn sich nun auch die Hessen ihre Gefangennahme bei Trenton selbst zuzuschreiben hatten, so sind die übrigen Kontingente dagegen an den Kapitulationen unschuldig, in welche sie mitverwickelt wurden. Es ist nicht zu viel gesagt, daß der leichtfertige Burgoyne sich bei Saratoga nicht würde haben ergeben müssen, wenn er zur rechten Zeit auf den wohlmotivirten Rath eines so erfahrenen Generals wie Riedesel gehört hätte. So geriethen denn die Braunschweiger und das hanauische Regiment in amerikanische Gefangenschaft, in welcher sie bis zum Ende des Krieges bleiben mußten. Die Anspacher (1073 Mann stark), sowie die hessischen Regimenter Erbprinz und Bose gehörten in den Jahren 1780 und 1781 zu Cornwallis' Armee und mußten sich endlich mit ihr bei Yorktown dem General Washington ergeben. Unter den Gefangenen befand sich auch der damalige Jägerhauptmann spätere General Ewald, ein ausgezeichneter Offizier und Militärschriftsteller, der nach seiner Rückkehr zuerst in preußische und später in dänische Dienste trat und in der preußischen Armee den Schützendienst nach amerikanischem Muster ausbilden half. Während die Zerbster in Kanada blieben, wurden die Waldecker im fernsten Süden verwandt und auf dem Umwege über Jamaica nach Florida geschickt. Hier belagerten sie zu Anfang des Jahres 1781 Pensacola, wo beim Sturm auf die Werke ihr Oberst Hanxleden fiel. Zwei ihrer Kompagnien, welche nach Baton Rouge am Missisippi beordert waren, wurden von den Spaniern gefangen genommen. Es mag hier als besondere Merkwürdigkeit erwähnt werden, daß die Waldecker unter den Indianern bei Pensacola einen Landsmann, Namens Brandenstein aus Königshagen fanden, welcher heimlich aus dem Schlosse in Waldeck entwischt war und ihnen jetzt als Dolmetscher gute Dienste leistete. Er stand als Häuptling an der Spitze von etwa 2000 Indianern, deren Tracht er trug und von denen er sich nur durch seine Gesichtsfarbe und seinen Bart unterschied.

Von den Beschwerden und Entbehrungen, unter denen die Soldaten namentlich im Süden litten, kann man sich in Europa kaum annähernd einen Begriff machen. Im Sommer herrschte eine ebenso unerträgliche Hitze als im Winter grimmige Kälte; dabei gingen die langen Märsche durch unangebaute, meist unwirthliche Gegenden, in welchen nur ausnahmsweise Lebensmittel aufzutreiben waren. Der Sonnenstich war nichts Seltenes; die Soldaten wurden einige Mal auf dem Marsche oft wahnsinnig vor Durst, aus Hunger machten sie sich aus dem für ihre Zöpfe bestimmten Puder häufig einen Brei. Auch in den Garnisonen hatten sie meist schlechte Verpflegung und nur ausnahmsweise frisches Fleisch. Dabei Ungeziefer am Leibe und Ungeziefer in der Luft und am Boden, namentlich aber die blutgierigen Muskito's, welche den armen Teufeln den Schlaf raubten. Das Lagern in den Sumpfniederungen erzeugte heftige Fieber. Das schlechte Trinkwasser war ohne Rum gar nicht zu genießen. Für Bier und Wein, welche den englischen Soldaten zugänglich waren, fehlte den Deutschen das Geld. So stellte sich namentlich in den südlichen Garnisonen eine große Sterblichkeit ein. Dazu kam die den deutschen Söldnern doppelt gehässige Stimmung der Eingeborenen. Mit welcher Rücksichtslosigkeit aber die armen Gefangenen behandelt wurden, mag in den treuen Berichten der Frau v. Riedesel nachgelesen werden, welche deren Loos freiwillig mehrere Jahre theilte. Es würde unter diesen Umständen ein Wunder sein, daß die Regimentsverbände trotzalledem noch zusammenhielten, wenn nicht eine grausame eiserne Disziplin den Dienst erzwungen hätte. Daß die Soldaten, wenn sich nur eine Gelegenheit dazu bot, dagegen nicht blöde im Zugreifen und Zerstören waren, versteht sich bei dem damaligen Heeres-Charakter ganz von selbst. Ihre größte Klage ist, daß sich solche Gelegenheiten so selten boten. Es findet sich in den anspacher Manual-Akten die Beschreibung der Plünderung von Westfield und New Brunswick im Staate New Jersey, die zugleich mit moralischen und allgemeinen Betrachtungen durchflochten, das zu charakteristische Produkt eines Landsknechts ist, als daß sie hier nicht ihren Platz verdiente.

»Auf unserm letzten beschwerlichen Marsch -- schreibt der Soldat am 4. Juli 1777 aus Staaten-Island -- hätten wir eine ganze Stadt mit allem möglichen Vieh, Kupfer und Zinn, mit dem feinsten Weißzeug und allem Hausrath versehen können. Unsere Leute haben mehr als zweihundert Schweine erstochen und liegen lassen. Die Thränen stehen mir in den Augen, wenn ich das schöne und glückliche Land betrachte und Zeuge sein muß, wie Alles ruinirt wird. Es wird uns Alles Preis gegeben. Ich habe mir einen ledernen Leibgurt machen lassen, um solchen mit Guineen zu füllen. Ich kann Ihnen versichern, daß der Theil von Amerika, worinnen wir sind, und den wir durchmarschirt, mit allem Rechte mit einem Paradiese könnte verglichen werden, wenn der Teuffel, der allein Schuld ist, den Samen der Zwietracht nicht ausgestreut hätte. Ewig Schade, daß Alles ruiniret und verheeret wird! Das Herz blutete mir, als wir von Brunswick zurückmarschirten, wo unsere Grenadier-Kompagnieen die Arriere-Garde machten und alle Häuser in Brand stecken mußten. Selbst in Brunswick blieb kein Haus und Fenster ganz, alle Mobilien wurden auf die Gasse geworfen, worunter das allerschönste weiße Zeug, Zinn und Kupfer war. Die Betten wurden aufgeschnitten und die Federn ausgeschüttet. Aus Mangel an Wagen konnten wir nichts mitnehmen, außer einige Grenadiers haben Sackuhren, silberne Löffel, Thee- und Kaffee-Kannen mitgenommen. Die meisten Häuser sind herrlich und nach holländischer Art gebaut, und mit den feinsten Tapeten garniret. Nichts als die Pracht, Ueberfluß und Wollust hat die Leute zur Rebellion gebracht, denn kein angesessener Einwohner arbeitet das Geringste; sie haben ihre Mohren, welche Sklaven sind. Diese müssen das Land bearbeiten, und die Einwohner bringen ihr Leben in Müßiggang zu. Wenn wir wieder kommen, so bringe ich Ihnen eine schwarze Sklavinn mit.«