Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika

Part 23

Chapter 233,166 wordsPublic domain

Wenn Schiller auch die Stimmungen und Gefühle eines großen Theils der gebildeten deutschen Jugend ausspricht, so verhielt sich Deutschland im Ganzen doch gleichgültig gegen diese erzwungene Betheiligung seiner Söhne am amerikanischen Kriege. Eine eigentliche politische Ueberzeugung und selbständige politische Interessen, folglich politische Parteien, gab es vor 1789 in Deutschland nicht. Politische Fragen im heutigen Sinne des Wortes kannten damals selbst die bedeutendsten Geister der Nation kaum. Es ist eine in dieser Beziehung höchst charakteristische Erscheinung, daß unser größter deutscher Dichter, der im ersten Jahre des amerikanischen Krieges seinen Triumpheinzug in Weimar hielt und gerade während desselben seinen Ruhm in Deutschland fest begründete, daß _Goethe_ so wenig von den Ereignissen jenseits des Ozeans berührt wurde, daß er sie höchstens zwei Mal vorübergehend erwähnt. Das eine Mal spielt er ziemlich schüchtern und versteckt auf den Soldatenhandel an. Es geschieht dies, wie neuerdings überzeugend von Adolf Schöll nachgewiesen wurde, in dem 1781 verfaßten Scherzgedichte: »Das Neueste aus Plundersweilen.« Es wird hier gleich zu Anfang die Erweiterung des Ortes und die Zunahme seiner Bevölkerung gerühmt, dann heißt es:

»Und zwar mag es nicht etwa sein, Wie zwischen _Kassel und Weißenstein_, Als wo man emsig und zu Hauf' Macht Vogelbauer auf den Kauf, Und sendet gegen fremdes Geld Die Vöglein in die weite Welt.«

Weißenstein ist die jetzige Wilhelmshöhe bei Kassel. In der Nähe befand sich ein Gefängniß, dessen Insassen mit der Anfertigung von Vogelkäfigen beschäftigt wurden, welche man im Großen zu verkaufen pflegte. Während man auf diese Weise dem auswärtigen Gefieder Quartiere schaffte, wurden die werthvollsten und einheimischen Vögelein, die kriegsfähigen, jungen Leute nach den norddeutschen Häfen getrieben, um in Amerika (der weiten Welt) zu dienen. Dies ist der Sinn der obigen zahmen Satire, bei deren Druck Goethe die Worte Kassel und Weißenstein ausgelassen hatte, welche erst Schöll aus dem von ihm eingesehenen Original der Dichtung ergänzte. Das andere Mal drückt sich Goethe weniger vorsichtig aus. Es ist dies im siebenzehnten Buche von _Wahrheit und Dichtung_, wo er von seiner eben mit Lili geschlossenen Verlobung sprechend (»Es war ein seltsamer Beschluß des hohen über uns Waltenden, daß ich in dem Verlaufe meines wundersamen Lebensganges doch auch erfahren sollte, wie es einem Bräutigam zu Muthe sey. Ich darf wohl sagen, daß es für einen gesitteten Mann die angenehmste aller Erinnerungen sey.«) und zum Besondern zurückkehrend, das ruhige Glück des Zeitungslesens preist und die gebietenden Mächte der damaligen politischen Welt schildert. Nachdem er Friedrich den Großen, Katharina II. und Gustav III. von Schweden erwähnt, fährt er, den Kampf des letztern mit seinem Adel berührend, fort:

»Die Aristokraten, die er unterdrückt, werden nicht bedauert; denn die Aristokratie überhaupt hatte keine Gunst bei dem Publikum, weil sie ihrer Natur nach im Stillen wirkt und um desto sicherer ist, je weniger sie von sich reden macht; und in diesem Falle dachte man von dem jungen König um desto besser, weil er, um dem obersten Stande das Gleichgewicht zu halten, die unteren begünstigen und an sich knüpfen mußte.

Noch lebhafter aber war die Welt interessirt, als ein ganzes Volk sich zu befreien Miene machte. Schon früher hatte man demselben Schauspiel im Kleinen gern zugesehen; Corsika war lange der Punkt gewesen, auf den sich aller Augen richteten; Paoli, als er, sein patriotisches Vorhaben nicht weiter durchzusetzen im Stande, durch Deutschland nach England ging, zog aller Herzen an sich, es war ein schöner, schlanker, blonder Mann voll Anmuth und Freundlichkeit; ich sah ihn in dem Bethmann'schen Hause, wo er kurze Zeit verweilte und den Neugierigen, die sich zu ihm drängten, mit heiterer Gefälligkeit begegnete. Nun aber sollten sich in dem entfernteren Welttheile ähnliche Auftritte wiederholen; man wünschte den _Amerikanern_ alles Glück und die Namen _Franklin_ und _Washington_ fingen an, am politischen und kriegerischen Himmel zu glänzen und zu funkeln. Manches zur Erleichterung der Menschheit war geschehen, und als nun gar ein neuer wohlwollender König von Frankreich die besten Absichten zeigte, sich selbst zur Beseitigung so mancher Mißbräuche und zu den edelsten Zwecken zu beschränken, eine regelmäßig auslangende Staatswirthschaft einzuführen, sich aller willkürlichen Gewalt zu begeben, und durch Ordnung, wie durch Recht allein zu herrschen; so verbreitete sich die heiterste Hoffnung über die ganze Welt, und die zutrauliche Jugend glaubte sich und ihrem ganzen Zeitgeschlechte eine schöne, ja herrliche Zukunft versprechen zu dürfen.«

Eine dritte Stelle gehört eigentlich nicht hierher; allein, da sie Goethe's Bezugnahme auf Amerika aus dieser Periode abschließt, so möge sie, da sie eine weitere Perspektive eröffnet, hier noch einen Platz finden. »Lili, sagt er im neunzehnten Buche von Wahrheit und Dichtung, hatte geäußert, sie unternehme wohl aus Neigung zu mir, alle dermaligen Zustände und Verhältnisse aufzugeben und mit nach Amerika zu gehen. Amerika war damals vielleicht noch mehr als jetzt das Eldorado derjenigen, die in ihrer augenblicklichen Lage sich bedrängt fanden.« Soweit Goethe. _Klopstock_ und _Lessing_ zeigten ein kaum mehr als oberflächliches Interesse für den amerikanischen Krieg. Nur von _Kant_ wissen wir, daß er auf's Lebhafteste Partei für die Vereinigten Staaten gegen England ergriff und daß er durch die ruhige, überlegene Begründung seines Urtheils sogar einen bisher leidenschaftlichen Anhänger der königlichen Sache, seinen spätern Freund, den Engländer Green zu sich herüberzog.

Von den literarischen Zeitgenossen zweiten Ranges verherrlichten _Nicolai_ und sein Kreis den amerikanischen Krieg in schwülstiger Prosa und noch schwülstigerer Poesie, über welche letztere, namentlich die Oden, der Göttinger Professor _Schloezer_ mit Geist und Hohn die Lauge seines Spottes ausschüttete. Unter den damaligen Dichtern hat u.A. der Schwabe _Schubart_ einige Lieder hinterlassen, welche begeistert die amerikanische Revolution feiern: so das übrigens sehr schwache Freiheitslied eines Kolonisten, welches dadurch interessant ist, daß den damaligen Deutschen der noch viel weniger als unbedeutende alte Israel Putnam als amerikanischer Freiheitsheld galt. Obschon 1776 geschrieben, wird Washington nicht einmal mit dem bloßen Namen erwähnt. Von den deutschen Soldaten dagegen nahmen die hervorragensten Zeitgenossen kaum Notiz. Nur in dem von G. Waitz veröffentlichten Werke _Karoline_ (geborene Michaelis und später verehlichte Böhmer, A.W. Schlegel und Schelling) findet sich ein beredeter Schrei der Entrüstung, welcher der jugendlichen, noch nicht neunzehnjährigen Briefstellerinn alle Ehre macht. Sie war mit Frau Schloezer von Göttingen nach Kassel gefahren, um dort deren von der Reise zurückgekehrten Mann, den genannten berühmten Publizisten abzuholen. »Ich habe Kassel gesehen, schreibt sie am 16. April 1782 an eine Freundinn. Im Hinweg wohnten wir auch in Münden einem merkwürdigen, aber traurigen Schauspiel bei, der Einschiffung der Truppen nach Amerika. Welch eine allgemeine mannigfaltige grause Abschiedsszene! Die Gegend um Münden ist so romantisch, daß sie zu solch einer Szene wie geschaffen zu sein scheint. Dir, liebe Louise, brauche ich nicht zu sagen, wie mir Kassel gefallen hat; nur machte mich der Gedanke unwillig, daß der Landgraf in Münden Menschen verkaufte, um in Kassel Paläste zu bauen. Wir logirten auf dem Königsplatz. Die Kolonade, wo ich die Wachtparade aufziehen und auch, mit allem Respekt gesprochen, das Vieh, den Landgrafen sah, hat mir vorzüglich gefallen. Schloezer kam mitten in der Nacht.«

Deutschlands Ton angebende Klassen endlich betrachteten diesen Soldatenhandel einfach als ein fürstliches Hoheitsrecht und fanden es nicht einmal der Mühe werth, ein Wort darüber zu verlieren. Nun sagt zwar _Niebuhr_ in seiner Geschichte des Zeitalters der Revolution: »Je mehr die Subsidienkontrakte mit England gehässig und verflucht waren, um desto mehr nahm man Antheil an der Sache Amerika's. Die Stimmung war so sehr aus aller natürlichen Fassung gerückt, daß die Nachricht von der Gefangennehmung deutscher Truppen durch Washington 1776 allgemein Jubel statt Schmerz erregte;« allein der treibende Grund lag doch wohl mehr im persönlichen Hasse und in persönlicher Erbitterung als in politischer Erkenntniß. Ein deutscher Schweizer, _Georg Müller_, Bruder des Geschichtsschreibers Johannes Müller und näherer Freund Herders, trieb -- allerdings ein einzig dastehendes Beispiel! -- seinen schaffhausenschen Konservatismus so weit, daß er über England nach Amerika gehen wollte, um gegen die »Rebellen« zu kämpfen. Im entgegengesetzten Sinne ließ sich der Bruder _Johannes Müller_, mit einer sentimentalen Ueberschwänglichkeit der Unwissenheit, die später bei uns durch _Rotteck_ u.A. zum widerlichen Gemeinplatz breit getreten wurde, über den Unabhängigkeitskrieg aus: »Von der andern Seite des Weltmeeres, sagte er, leuchtete eine reizende Flamme der Freiheit mit elektrischer Kraft für die Westeuropäer, mit anziehender Kraft für die empor, welche ihrer Nachkommenschaft Genuß der Menschenrechte und sichern Wohlstand verschaffen wollten.«

Die Massen endlich waren so gedrückt, arm, unwissend und an blinden Gehorsam gewöhnt, daß sie die Willkür ihrer Herrscher als eine Fügung des Schicksals geduldig hinnahmen.

Elftes Kapitel.

Es ist schwer, wenn nicht unmöglich, die Zahl der von jedem der betheiligten Fürsten gelieferten Soldaten ganz genau festzustellen, so lange nicht sämmtliche deutsche Archive dem Forscher geöffnet werden. Die englischen Quellen, so zuverlässig sie sich sonst auch in den unbedeutendsten, die deutschen Miethstruppen betreffenden Einzelheiten erweisen, reichen deshalb nicht überall aus, weil in ihnen sehr häufig die Kontingente der einzelnen Staaten unter der allgemeinern Bezeichnung »deutsche Rekruten« oder »deutsche Verstärkungen« zusammengefaßt sind.

Die von Schloezer in seinen Staatsanzeigen (VI, 521) zuerst veröffentlichte Berechnung ist, so viel sich nach den vorhandenen Materialien beurtheilen läßt, mit nur geringen Ausnahmen richtig. Sie stützt sich, wie aus der gleichlautenden Abschrift in den anspacher Manual-Akten hervorgeht, auf den amtlichen Bericht des hannöverschen Majors Niemeyer vom Dragoner-Regiment v. Estorff, »der als verordneter Kommissar beim Transport die Ausschiffung der deutschen Truppen und deren General-Return zu überwachen hatte.« Nur bei Anspach findet sich ein erheblicher Fehler, indem 717 vom Markgrafen gelieferte Rekruten und Jäger bei Berechnung des dortigen Kontingents ausgelassen, also im Ganzen nur 1644 statt 2383 Mann aufgeführt sind. Es bleibt ferner fraglich, ob die Angabe bei Hanau korrekt ist, wo die Zahl der zu verschiedenen Zeiten verkauften Soldaten zusammengezogen wurde; jeden Falls kommt sie aber dem wirklichen Sachverhalt sehr nahe, wenn sie ihn nicht völlig deckt; überhaupt stimmen im Wesentlichen die Angaben Niemeyers mit den Berechnungen der englischen Musterungsoffiziere und den sonstigen, vom Verfasser benutzten Quellen überein. Ganz unbedingt zuverlässig sind sie aber, soweit die Zahl der zurückgekehrten Truppen in Betracht kommt, da Niemeyer hier überall als der die Ausschiffung und Weiterbeförderung leitende Beamte die Waffengattung und den jedesmaligen Rang der Angehörigen der einzelnen Kontingente spezifizirt, während er über die früheren Einschiffungen nur von Hörensagen und auf Angaben Dritter hin berichtet. Die von ihm und Schloezer mitgetheilten Zahlen, nach Berichtigung der nachweisbaren Irrthümer, gehen aus der nachstehenden Tabelle hervor. Darnach haben im Ganzen geliefert, verloren und zurückerhalten:

1) _Braunschweig_ als Subsidien 4,300 Rekruten im März 1777 224 " " April 1778 475 " " April 1779 286 " " Mai 1780 266 " " April 1782 172 ------------- Im Ganzen 5,723 Mann. ------------- Zurückgekehrt im Herbst 1783 2,708 Verlust 3,015

2) _Hessen-Kassel_ als Subsidien 12,805 Rekruten im Dzbr. 1777 403 " " März 1779 993 " " Mai 1780 915 " " April 1781 915 " " April 1782 961 ------------- Im Ganzen 16,992 Mann. ------------- Zurückgekehrt im Herbst 1783 und Frühjahr 1784 10,492 Verlust 6,500

3) _Hessen-Hanau_ als Subsidien 2,038 Rekruten im April 1781 50 " " April 1782 334 ------------- Im Ganzen 2,422 Mann. ------------- Zurückgekehrt im Herbst 1783 1,441 Verlust 981

4) _Anspach_ als Subsidien 1,285 Rekruten 1777 318 " 1779 157 " 1780 152 " 1781 205 " 1782 236 ------------- Im Ganzen 2,353 Mann. Zurückgekehrt im Herbst 1783 1,183 ------------- Verlust 1,170

5) _Waldeck_ als Subsidien 670 Rekruten im April 1777 89 " " Febr. 1778 140 " " Mai 1779 23 " " April 1781 144 " " April 1782 159 ------------- Im Ganzen 1,225 Mann. ------------- Zurückgekehrt im Herbst 1783 505 Verlust 720

6) _Anhalt-Zerbst_ als Subsidien 600 Rekruten im April 1779 82 " " Mai 1780 50 Vermehrung und Rekruten im April 1781 420 ------------- Total 1,160 Mann. Zurückgekehrt im Herbst 1783 984 ------------- Verlust 176 ----------------------------- Im Ganzen zurückgekehrt 17,313 Total-Verlust 12,562

Gesammtzahl der gelieferten Truppen 29,875 Mann.

Auch die für jene Zeit kolossalen Geldzahlungen lassen sich nur annähernd und mit großer Schwierigkeit feststellen. Es liegen zwar in den »Journals of the House of Commons« die genau spezifizirten Aufstellungen vor, welche das Kriegsministerium jährlich dem Parlamente zur Genehmigung vorlegen mußte; indessen erstrecken sie sich nur auf den ordentlichen Etat. Alle außerordentlichen Ausgaben mußten besonders bewilligt werden und finden sich in den sogenannten »extraordinary services« der Kriegszahlmeister versteckt. Ihre Rechnungen nehmen jedes Jahr zwischen zehn und vierzig Folioseiten ein und enthalten oft unter ganz anderen Ueberschriften die den deutschen Fürsten geschuldeten außerordentlichen Summen. Nirgend begegnet man z.B. in diesen Rechnungen der von Braunschweig ausbedungenen Zahlung für die Todten und Verwundeten. Es scheint, daß die englischen Minister den Anstoß vermeiden wollten, dem sie sich durch offene Bezeichnung dieser Rubrik ausgesetzt haben würden; sie bringen deshalb auch nur Soldrückstände in Anrechnung. Während sich nun ziemlich annähernd feststellen läßt, wie viel England für die deutsche Hülfsleistung zu zahlen hatte, kann dagegen nicht mit Bestimmtheit ermittelt werden, wie viel von den gezahlten Summen für die Soldaten ausgegeben wurde, und wie viel in die Taschen der Fürsten floß.

In der hier folgenden Aufstellung sind zu Gunsten der letzteren daher nur diejenigen Beträge berechnet, welche ihnen auf Grund der betreffenden Verträge rechtlich zukamen, d.h. die jährlichen Subsidien und die Werbegelder, soweit sie in dem englischen Etat berechnet worden. Sie kommen hier allerdings nur in den ersten Jahren vor; indessen waren sie später nicht mehr so bedeutend als anfangs. Von ihnen mußten die Fürsten allerdings die Rekrutirungskosten bestreiten, die namentlich gegen Ende des Krieges immer mehr anschwollen; allein wenn man andrerseits die englischen Zahlungen nicht in Anschlag bringt, welche für Todte und Verwundete entrichtet wurden, wenn man ferner bei Hessen-Kassel die Selbständigkeit in der Aufstellung seiner Etats in Erwägung zieht, die jede Kontrolle unmöglich machte, und wenn man endlich die doppelte englische Löhnung nicht vergißt, die in manchen Fällen zwei Monate vor dem Abmarsch gezahlt werden mußte, so erhalten nach dieser Aufstellung die deutschen Fürsten eher zu wenig als zu viel. Der hessische Landgraf und sein Sohn setzten es auch sogar durch, daß ihnen für ihre Offiziere Werbegelder bezahlt wurden. Natürlich steckten die beiden Landesväter den Betrag in ihre eigene Tasche. So erhielt der Landgraf am 12. Juni 1776 nachträglich an Handgeld für seine Offiziere 3992 Pfund, also 26,622 Thlr., wovon im Etat nichts steht. Für die Ausrüstung und Equipirung der Soldaten zahlten sie nichts, sondern zogen die Kosten dafür von der englischen Löhnung ab, indem sie den Soldaten nur ¾ von letzterer verabfolgten. Da nun jeder derselben 8 Pence per Tag erhielt, so mußte er sich einen Abzug von 2 Pence per Tag oder mehr als 3 Pfund Sterling per Jahr gefallen lassen. Die zahllosen Betrügereien aber, die sich sämmtliche Lieferanten, namentlich der Landgraf von Hessen-Kassel, oft in sehr ausgedehnter Weise ihren Truppen gegenüber zu Schulden kommen ließen, sind hier gar nicht in Anschlag gebracht.

England zahlte also von 1775 bis 1785, da einzelne Subsidien noch zwei Jahre nach der Rückkehr der Truppen fortdauerten, an etatsmäßig verrechneten Ausgaben:

für die Soldaten an den

Hannover £ 509,000. 16. 11½ Braunschweig 644,346. 14. 2 Herzog £ 178,689. --. 5½ Hessen Kassel 2,152,037. 5. 9¾ Landgrafen 1,254,197. 16. 3 Hessen Hanau 273,304. 3. 1¼ Erbprinzen 137,512. 6. 5¾ Waldeck 90,528. 3. 4¼ Fürsten 57,788. 10. 3½ Anspach 211,026. 5. 7½ Markgrafen 105,335. 4. 6½ Anhalt Zerbst 79,088. 18. 6 Fürsten 43,052. 14. 9½ ------------------- -------------------- Im Ganzen £ 3,959,332. 7. 6¼ £ 1,776,575. 12. 9¾

Löhnung, Subsidien und ein Theil der Werbegelder belaufen sich also zusammen auf Lstr. 5,735,908. --. 4.

Dazu kommen noch über Lstr. 500,000 für Verpflegung der Truppen in Amerika, die Transportkosten hin und zurück, Gratifikationen, Reisespesen der englischen Kommissare, Geschenke und Ersatz des schadhaft gewordenen oder verloren gegangenen Materials, so daß im Ganzen wenigstens sieben Millionen Pfund Sterling oder annähernd fünfzig Millionen preußische Thaler als Gesammtbetrag der englischen Kosten für die deutsche Hülfe nicht zu hoch gegriffen sind. Diese Summe macht aber wenigstens 120-150 Millionen Thaler nach heutigem Geldeswerthe aus.

Man darf hierbei nicht außer Acht lassen, daß die Fürsten die ganzen Subsidien fast ungeschmälert behielten, da sie während der Abwesenheit ihrer Soldaten die Steuern und Lasten so gut wie gar nicht herabsetzten. Wenn sie es überhaupt thaten, so erreichte die Verminderung noch nicht einmal annähernd den Betrag der Zinsen, welche sie von den ihnen jährlich gezahlten englischen Kapitalien in Empfang nahmen. Verschiedene der Soldatenhändler versprachen zwar beim Ausmarsch ihrer Truppen ihren getreuen Unterthanen, die Lasten zu erleichtern, so oft es die Bedürfnisse des Staates (d.h. Serenissimi) erlauben würden, allein war es ein Zufall oder ein Unglück? die Bedürfnisse erlaubten es eben niemals. Wir haben im vierten Kapitel gesehen, daß der Landgraf von Hessen dem Lande den zur Kriegskasse fließenden Schreckenberger und die Hälfte der erstmonatlichen Kriegs-Kontribution erließ, während der Erbprinz von Hanau nur den Eltern und Frauen der Soldaten, sowie den elternlosen Unteroffizieren und Gemeinen die Abgaben schenkte, der übrigen Bevölkerung aber nicht den geringsten Nachlaß bewilligte. Der Braunschweiger verwandte alle seine Einnahmen aus dem Soldatenverkauf auf seine noblen Passionen und Tilgung seiner Schulden. Daß der Waldecker und Zerbster den Sündenlohn als Ausfluß ihres göttlichen Rechts ohne jeden Abzug in ihre Taschen steckten, versteht sich ganz von selbst. Der anspacher Markgraf endlich gab der Markgrafschaft Bayreuth einen solchen Bettelpfennig von seinem reichen Gewinn ab, daß er sich wie der schnödeste Hohn auf seine ersten freigebigen Versprechungen ausnimmt. Die anspacher Manual-Akten enthalten die genauen Belege für diese schäbige Finanzoperation Serenissimi, welche den besten zahlenmäßigen Beweis landesväterlicher Zuneigung liefert und deshalb in ihren Hauptzügen hier angeführt werden soll.

Unmittelbar, nachdem Gemmingen den anspacher Vertrag mit Faucitt abgeschlossen hatte, bat der bayreuthische Minister Seckendorff um die Erleichterung der Markgrafschaft oberhalb des Gebirges. Seine Forderungen waren bescheiden und billig. Er verlangte zunächst für die Landschaft den Erlaß der Summen, welche sie bisher für das Militär bezahlt hatte, wodurch man in den Stand gesetzt werde, die Abgaben um wenigstens sechs Prozent zu verringern und namentlich die Bürgerschaft von Bayreuth zu erleichtern, welche täglich 45-50 Mann für die Wachen stellen mußte, was bei 10 oder 15 Kreuzer pr. Mann jährlich 4166 fl. 30 kr. resp. 4562 fl. 30 kr. ausmachte. Dann bat er während der Dauer der englischen Subsidien für die bayreuthische Finanzkammer um Belassung derjenigen 25,000 fl., welche sie bis dahin der anspacher Landschaft hatte zahlen müssen. »Wenn nun unser gnädigster Herr nur einen Theil des Profits der Subsidien zur Zahlung der Schulden der anspacher Finanzkammer bestimmt, und wenn die letztere, was sie durch den Abmarsch der Truppen spart, zur Zahlung ihrer Schulden verwenden darf, so wird man über die Schnelligkeit erstaunen, mit welcher die sämmtlichen markgräflichen Kassen sich aus der Noth helfen werden. Die Folge davon wäre natürlich, daß auch die anspacher Unterthanen in ihren Abgaben erleichtert werden könnten. Sobald ich von den Absichten Serenissimi wegen der Verwendung des direkt und indirekt aus diesem Vertrage hervorgehenden Profits unterrichtet sein werde, will ich einen Plan über das Arrangement unserer Finanzen für die beiden Hauptkassen und die Erleichterung unserer Unterthanen entwerfen. Wenn der Markgraf unsere Prinzipien annimmt, so können Unterthanen und Gläubiger des Landes dieses Unternehmen nur segnen. Alle Ungelegenheiten, die man davon befürchtet, werden verschwinden, sobald eine nützliche Verwendung der englischen Gelder stattfindet und die durch die Abwesenheit unserer Truppen bedingten Ersparnisse eintreten. Wenn Serenissimus bald und womöglich noch vor dem Abmarsch der Truppen erklärt, daß seine Unterthanen durch eine verhältnißmäßige Verringerung der Abgaben erleichtert werden sollen, so glaube ich, daß diese gute Nachricht auf die Söhne der Unterthanen einen günstigen Einfluß ausüben und den Klagen ihrer Eltern ein Ende machen wird. Eine solche Erklärung wird zugleich ein Trost für das ganze Land sein und alle Beschwerden, allen Jammer beseitigen.«