Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika
Part 21
Der Earl von _Carlisle_ stimmte mit der Ausführung des Lord Suffolk überein und wies darauf hin, daß, da einmal Zwangsmaßregeln gegen Amerika angewandt werden müßten, man auf das Ausland zur Beschaffung der außerordentlichen Werkzeuge zur Ausführung dieses Zweckes angewiesen sei. Die große Zahl der Hände, welche zur Betreibung der englischen Manufakturen täglich nöthiger werde, die geringe Erfahrung neu Ausgehobener und der Wunsch, die gegenwärtigen Unruhen so schnell als möglich zu beenden, habe die Verwendung fremder Truppen an Stelle der einheimischen als am geeignetsten erscheinen lassen. Kein unbefangen Urtheilender werde leugnen, daß England beim besten Willen nicht die erforderliche Anzahl Soldaten besitze, um die Operationen auszuführen, welche der Dienst in Amerika nothwendiger Weise verlange.
Des Königs Bruder, der Herzog von _Cumberland_, stimmte dagegen mit der Opposition. »Ich bin von Anfang an -- sagte er -- gegen jede Art Gewaltmaßregel gewesen, und mißbillige deshalb die Politik der Minister. Ich bedauere aus diesem Grunde auch, daß ich sehen muß, wie Braunschweiger, die einst zu ihrer eigenen großen Ehre die Freiheiten der Unterthanen so tapfer vertheidigten, jetzt ausgesandt werden, um die konstitutionellen Freiheiten in einem andern Theile dieses großen Reiches zu unterdrücken.«
Die übrigen Redner, wie der Herzog von _Manchester_, Earl von _Effingham_ und Lord _Camden_, welche sich dem Herzog von Cumberland anschlossen, sagten mit Ausnahme von Lord Camden nicht viel Neues. »Wenn ich die Verträge recht verstehe -- meinte dieser -- so enthalten sie ein Uebereinkommen mit dem Herzog von Braunschweig, mit dem Landgrafen von Hessen-Kassel und dem Grafen von Hanau für eine bestimmte Anzahl Truppen zu einem bestimmten Preise. Um diesem Handel den Schein dessen zu geben, was er nicht ist, wurde das Ganze mit hochtönenden Redensarten von einer Allianz ausstaffirt, die sich auf gemeinschaftliche Interessen und gemeinschaftliche Hülfeleistung stützt, als ob diese kleinen Staaten beim Ausgang des zwischen uns und Amerika schwebenden Krieges irgend wie betheiligt wären. Die ganze Verhandlung ist nichts als ein Gewebe von Lug und Trug, wie es noch nie einem Hause des Parlaments aufgeschwindelt wurde; sie ist nichts als ein gemeiner Schacher für die Miethe von Truppen auf der einen Seite und der Verkauf menschlichen Blutes auf der andern Seite, und die armen in ihr Schicksal ergebenen Teufel, welche so für die Abschlachtung verkauft worden, sind armselige Söldlinge im schlimmsten Sinne des Wortes. Jetzt blicken Sie auf die Verträge in ihrem wahren Lichte, in ihrer ganzen Nacktheit! Wir bezahlen nicht allein mehr für diese Miethlinge als je vorher, sondern treten sogar, statt die uns gebotenen Vortheile zu benutzen, in ein Offensiv- und Defensiv-Bündniß mit jenen kleinen Fürsten, ja wir verpfänden die Ehre der Nation und setzen uns allen bösen Folgen eines Kontinentalkrieges aus. Aber schlimmer als das ist die Behauptung, daß wir die zur Durchführung des Krieges erforderlichen Mannschaften hier zu Lande nicht auftreiben können, und daß folglich die vorliegenden Verträge, welchen begründeten Einwendungen sie auch ausgesetzt sein mögen, eine bittere Nothwendigkeit für uns sind. Diese Behauptung als richtig vorausgesetzt, würde unsre Rettung ausschließlich von Fremden abhängen, und all unsre gerühmte Macht, Vorzüge, wie Reichthum und Ansehen im Ausland wären sehr wenig werth, ja wir könnten keine einzige Segnung äußerer Stärke oder innern Glückes länger genießen, als es unsere würdigen Freunde, die Soldatenvermiether, uns gnädigst erlauben würden. Ich bin einer entgegengesetzten Ansicht. Sollten wir aber wirklich von den Fremden abhängen, so sind auch unsere Freiheiten und unsere Unabhängigkeit dahin.«
So wenig sich auch gegen diese Anklagen und Beweisführung einwenden ließ, so blieb die Opposition doch mit 32 gegen 100 Stimmen bei der Abstimmung in der Minorität. Das Ministerium hatte offenbar darin Recht, daß, nachdem einmal beschlossen worden war, den Krieg zu führen, man auch die Soldaten zu seiner Durchführung beschaffen mußte, und daß diese in England selbst beim besten Willen nicht zu erlangen waren. Die parlamentarischen Gegner der Maßregel sahen zwar recht gut ein, daß ihr Widerstand die bereits feststehende Politik Englands nicht ändern würde, indessen benutzten sie die ihnen noch einmal gebotene Gelegenheit, ihrer Abneigung gegen den Krieg mit Amerika Worte zu leihen und die verlangten Truppen zu verweigern. Von diesem Gesichtspunkte aus muß man auch die nachstehende Adresse auffassen, welche die in der Minorität gebliebenen zweiunddreißig Lords an den König richteten:
»Wir, Ew. Majestät getreue und gehorsame Unterthanen und im Parlament versammelte geistliche und weltliche Lords, bitten gehorsamst, Ew. Majestät vorstellen zu dürfen, daß wir mit dem tiefsten Kummer die Verträge gesehen haben, welche Ew. Majestät auf den Rath Ihrer Minister mit ihren Durchlauchten, dem Herzog von Braunschweig, dem Landgrafen von Hessen-Kassel und dem Grafen von Hanau abzuschließen und diesem Hause mitzutheilen geruht haben.
»Wir erlauben uns gehorsamst, Ew. Majestät die Gefahr und Schmach vorzustellen, welche diese unbesonnene Maßregel im Gefolge hat, wenn es bei dem ersten Versuche Großbritanniens, seine Kolonieen zu unterjochen, schon für nöthig erachtet wird, eine Armee fremder Söldlinge zu miethen und dadurch vor ganz Europa anzuerkennen, daß diese Königreiche entweder aus Mangel an Menschen oder aus deren Abneigung für diese Art Dienst unfähig sind, eine für den ersten Feldzug hinlängliche Anzahl Eingeborener zu stellen. Zu gleicher Zeit ist es für uns eine traurige Betrachtung, daß die Herausziehung der nationalen Streitkräfte aus dem Lande (so schwach sie auch für den beabsichtigten unseligen Zweck sein mögen) das Königreich seiner Vertheidigung berauben und den Einfall mächtiger Nachbaren und fremder Völker preisgeben wird.
»Wir bitten ferner, Ew. Majestät gehorsamst vorstellen zu dürfen, daß, wenn auch die Gerechtigkeit und Billigkeit dieses unnatürlichen Krieges von einem so großen Theil Ihrer Unterthanen nicht in Frage gestellt wird, doch eine selbst von einzelnen Zugeständnissen begleitete Versöhnung mit den Kolonieen einer gesunden Politik weit mehr entsprechen wird, als daß man die Verfolgung der Feindseligkeiten Ausländern anvertraut, auf die wir uns nicht verlassen können, Ausländern, welche bei einer so großen Entfernung von ihrer Heimath und unter dem Einfluß der Strapazen des Krieges, der sie nichts angeht und ihnen so viele Versuchungen bietet, die Knechtschaft mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher zur Meuterei und Desertion neigen, als treu und gewissenhaft mit Ew. Majestät geborenen Unterthanen handeln und kämpfen werden.
»Ebensowenig dürfen wir Ew. Majestät die Besorgniß verhehlen, die wir wegen der Tragweite einzelner in den verschiedenen Verträgen enthaltenen Artikel fühlen, wonach Sie die Macht haben, diese Truppen in irgend einem Theil vor Europa zu verwenden. Dadurch werden also Mittel beschafft, selbst in dieses Königreich eine fremde Armee einzuführen. Wir können aber Ew. Majestät Ministern nicht so weit vertrauen, um vorauszusetzen, daß sie zu gewissenhaft sein würden, um Ihnen eine solche Maßregel anzurathen, zumal sie schon fremde Truppen in zwei unserer wichtigsten und stärksten Festungen gelegt und sich erboten haben, noch 4000 Fremde ohne vorherige Genehmigung des Parlaments nach dem Königreich Irland zu schicken. Wir haben vielmehr gerechten Grund zur Befürchtung, daß die Kolonieen, wenn sie hören, wie England auswärtige Bündnisse eingeht und fremde Truppen zu ihrer Vernichtung miethet, sich für berechtigt halten werden, das gegebene Beispiel nachzuahmen und ähnliche Hülfe zu suchen; ja daß Frankreich, Spanien, Preußen und andere europäische Mächte sich ebensogut wie Hessen, Braunschweig und Hanau für befugt erachten werden, sich in unsern häuslichen Zwist einzumischen. Wenn dann, was sehr möglich ist, aus diesen Schritten die Flammen eines europäischen Krieges angefacht werden sollten, so denken wir mit Schrecken an die Lage dieses Landes, welches den furchtbaren Angriffen mächtiger Feinde zu einer Zeit Widerstand leisten soll, wo die Kraft und Blüthe der Nation auf der andern Seite der Welt zu nutzlosen Kriegszügen vergeudet wird.
»Sodann fürchten wir, daß der Vertrag, der dem Landgrafen von Hessen nicht blos im Falle eines Angriffes oder einer Beunruhigung in seinen Besitzungen allen in der Macht Ew. Majestät liegenden Beistand sichert, sondern diesen Beistand sogar so lange fortsetzt, bis der Landgraf volle Sicherheit und gerechte Schadloshaltung erlangt haben wird; daß dieser Vertrag das Königreich zwingt, ohne irgend eine Gegenleistung an jedem Streit auf dem Kontinent Theil zu nehmen, in welchen Seine Durchlaucht verwickelt werden sollte. Oder was für Hülfe könnte diese Insel von einem winzigen Ländchen im Herzen Deutschlands erwarten, aus welchem schon mehr Truppen gezogen sind, als es zu seiner eigenen Vertheidigung nöthig hat, und dessen Einkünfte nicht hinreichen, ohne die gezahlten Subsidien selbst diejenigen Soldaten zu unterhalten, welche es vermiethet hat? Es will uns deshalb scheinen, als ob diese Verpflichtung Großbritanniens zur Vertheidigung und Entschädigung des Landgrafen als ein Theil des Preises, zu welchem es die gemietheten Truppen bezahlt, angesehen werden muß. Wenn diese Kosten, die unmöglich abgeschätzt werden können, zu den enormen Ausgaben für Werbegeld, für Vervollständigung der in den verschiedenen Korps eingetretenen Verluste und für ordentliche und außerordentliche Subsidien, selbst nach der Rückkehr der Truppen in ihre Heimath, hinzugefügt werden, so können wir in Wahrheit sagen, daß England noch nie zuvor einen so kostspieligen, ungleichen, unehrenhaften und in seinen Folgen so gefährlichen Vertrag abgeschlossen hat.
Wir flehen deshalb Ew. Majestät unterthänigst an, sofortigen Befehl zu geben, daß die hessischen, braunschweigischen und hanauischen Truppen nicht marschiren, und daß die Feindseligkeiten in Amerika eingestellt werden, damit eine schleunige und dauernde Wiederversöhnung zwischen den streitenden Parteien dieses in sich zerrissenen Reiches angebahnt werden könne.« --
Natürlich diente dieser Protest nur dazu, den Standpunkt der Minderheit zu wahren; auch er wurde mit 100 gegen 32 Stimmen von den Lords verworfen und blieb deshalb ein todter Buchstabe. Nachdem sich das Parlament einmal mit großer Majorität für die Zweckmäßigkeit der vom Ministerium befolgten Politik ausgesprochen und die drei ersten Verträge mit Braunschweig, Kassel und Hanau genehmigt hatte, standen den ferneren Truppenlieferungen seitens Waldeck's, Anspach's und Zerbst's um so weniger Hindernisse im Wege, als die betreffenden Verträge sich in ihren wesentlichen Bestimmungen an ihre Vorgänger anlehnten und zum Theil günstiger für England waren. Es genügt hier also die kurze Bemerkung, daß die drei letzten Verträge ohne jede Debatte von beiden Häusern angenommen wurden.
Uebrigens verhielt sich die öffentliche Meinung Europa's diesem Menschenhandel gegenüber im Ganzen ziemlich gleichgültig. Es waren nur die hervorragendsten Geister Englands, Frankreichs und Deutschlands, welche das Verbrechen in seiner ganzen Tragweite erkannten und an den Pranger stellten. Während die Worte der Opposition im englischen Parlament ungehört verhallten oder in den unvollständigen Berichten seiner Sitzungen begraben wurden, nahm ein zu jener Zeit in Holland lebender, kaum bekannter französischer Flüchtling, der zwölf Jahre später Europa's größter Volkstribun wurde, im Namen der Menschlichkeit und der Ideen des Jahrhunderts das Wort gegen England und die es bedienenden deutschen Fürsten. Dieser Mann war kein geringerer als _Mirabeau_, der revolutionäre Titan, der mit der alten Ordnung der Dinge kämpfte und sie endlich glücklich über den Haufen werfen half, damals noch nicht der vom Kampf ermüdete, vom Lebensgenuß erschöpfte Ringer, der mit dem unterliegenden Königthum einen Vergleich eingehen wollte. Seine der öffentlichen Meinung des denkenden Europa vorgelegte Anklage hatte gerade deshalb einen so unermeßlichen Erfolg, weil ihre begeisterten unwilligen Worte in der Sprache Rousseau's gedacht waren, weil ihre ganze Anschauung in der Philosophie jener Zeit wurzelte; sie wirkte deshalb so drastisch und unmittelbar, weil sie unbekümmert um Herkommen, Ueberlieferung und Geschichte die schlummernde Thatkraft in den Unterdrückten zu wecken suchte. Was uns jetzt als Phrase erscheint, war im Munde Mirabeaus und seiner Zeitgenossen das höchste Pathos.
Der Titel dieser vom Landgrafen von Hessen eiligst aufgekauften und darum höchst selten gewordenen Flugschrift heißt[6]: »_Rath an die Hessen und die übrigen von ihren Fürsten an England verkauften Völker Deutschlands_«. Ihr Inhalt folge hier unverkürzt; er lautet:
»Unerschrockene Deutsche! Welches Schandmal laßt Ihr Euch auf Eure edle Stirne brennen? Ist es dahin gekommen, daß am Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Völker Mittel-Europa's die Söldlinge eines verhaßten Despotismus spielen? Ist es dahin gekommen, daß die braven Deutschen, die ihre eigene Freiheit so verzweifelt gegen die Eroberer der Welt vertheidigten und den römischen Heeren Trotz boten, gleich elenden Negern verkauft werden und ihr Blut im Interesse der Tyrannen zu verspritzen suchen? Ist es dahin gekommen, daß unter Euch Menschenhandel getrieben, Eure Städte entvölkert, und Eure Lande ausgesaugt werden, um übermüthige Lords in der Verwüstung einer andern Hemisphäre zu unterstützen? Wollt Ihr die blinde Verstocktheit Eurer Herren noch länger theilen? Ihr, wackere Soldaten! Die treuen und festen Stützen ihrer Macht! jener Macht, die ihnen nur zum Schutze ihrer Unterthanen anvertraut wurde! Ihr seid verkauft und für welchen Zweck? Gerechter Himmel! Wie Vieh in fremden Schiffen zusammengepfercht, werdet Ihr über's Meer geführt! Ihr trotzt den Klippen und Stürmen, um gegen Leute zu kämpfen, die Euch nicht gekränkt haben, die eine gerechte Sache verfechten und die Euch das herrlichste Beispiel geben! Ach! warum ahmt Ihr sie nicht nach, diese muthigen Männer, anstatt daß Ihr sie zu verderben sucht? Sie brechen ihre Ketten, sie kämpfen für die Wahrung ihrer natürlichen Rechte, für die Sicherung ihrer Freiheit. Sie reichen Euch die Hand entgegen; sie sind Eure Brüder; die Natur hat sie dazu gemacht und gesellige Bande haben diesen heiligen Titel bestätigt. Mehr als die Hälfte dieses Volkes besteht aus Euren Landsleuten, Freunden und Verwandten. Sie sind bis an's Ende der Erde geflohen, um der Tyrannei zu entgehen, und die Tyrannei verfolgt sie bis dahin. Unterdrücker, die ebenso habgierig als undankbar sind, haben Ketten für sie geschmiedet und die hochsinnigen Amerikaner haben Waffen aus diesen Ketten geschmiedet, zum Widerstande gegen die Unterdrücker. Die neue Welt steht daher im Begriffe, Euch zu den Ungeheuern zu zählen, welche sie aus Geld- und Blutdurst verheert haben! Deutsche, die Ihr Euch immer durch Biederkeit auszeichnetet, schreckt Ihr nicht zurück vor einem solchen Vorwurfe?
Muß man zu diesen Beweggründen, die auf alle Männer so überzeugend wirken, auch noch jene fügen, welche das Interesse von Sklaven ebenso nahe berühren, wie das freier Bürger? Wißt Ihr denn auch, welch ein Volk Ihr anzugreifen im Begriffe seid? Wißt Ihr wohl, welche Kraft im Fanatismus für die Freiheit ruht? Es ist dies der einzige Fanatismus, den man nicht hassen kann, sondern achten muß, und doch ist er der mächtigste unter allen Arten von Fanatismus. Ihr kennt ihn nicht, blinde Menschen, die Ihr vor dem gehässigsten Despotismus kriecht, welcher Euch zum Verbrechen treibt, und Euch doch noch frei dünkt; Ihr kennt ihn nicht, Ihr, welche die Laune der Habgier eines Despoten gegen Leute bewaffnen kann, die sich um das ganze Menschengeschlecht verdient machen, weil sie dessen Sache verfechten und ihm ein Asyl bereiten.
Oh ihr Söldlinge und Tyrannenknechte! Entnervte Europäer! Ihr geht zum Streit gegen Männer, die stärker, tüchtiger, kühner und rascher sind als Ihr möglicher Weise sein könnt! Sie sind von großartigen Interessen beseelt, Euch leitet nur schmutziger Gewinn; sie vertheidigen ihr Eigenthum und kämpfen für ihren häuslichen Heerd, Ihr verlaßt Euren Heerd und kämpft nicht für Euch selbst. Sie führen Krieg im Schooße ihres Vaterlandes, unter einem gewohnten Klima, unterstützt von allen Hülfsmitteln, welche die Heimath bietet, und zwar gegen eine Bande, welche der Ozean ausgespieen hat, nachdem er sie zur Niederlage reif gemacht. Die mächtigsten und heiligsten Beweggründe entflammen ihren Muth und leiten ihre Schritte zum Sieg. Führer, die Euch verachten, während sie Euch benützen, werden der unwiderstehlichen Beredsamkeit der Freiheit, des Bedürfnisses und der Nothwendigkeit, nur leeren Wortkram entgegenzusetzen haben. Endlich, um das Ganze in _ein_ Wort zusammenzufassen, ist die Sache der Amerikaner eine gerechte, während Himmel und Erde diejenigen verdammen, die zu unterstützen Ihr Euch nicht schämt.
Deutsche, wer hat Euch diese Kampfwuth, diese barbarische Mordlust, diese abscheuliche Hingebung an die Tyrannei eingeflößt?.... Nein! ich will Euch nicht mit den fanatischen Spaniern vergleichen, die aus Lust an der Zerstörung zerstörten, die sich in Blut badeten, als die erschöpfte Natur ihre unersättliche Habgier einer noch wildern Leidenschaft Platz zu machen zwang. Edlere Gefühle und leichter zu entschuldigende Irrthümer mißleiten Euch. Diese Treue gegen Eure Fürsten, welche schon Eure Vorfahren auszeichnete; diese Gewohnheit zu gehorchen, ohne zu bedenken, daß es Pflichten gebe, die heiliger sind als der Gehorsam und welche allen übrigen vorangehen; diese Leichtgläubigkeit, welche Euch der Leitung einiger unüberlegter und ehrgeiziger Männer folgen heißt -- das sind Eure Fehler; aber sie werden zu Verbrechen, wenn Ihr nicht am Rande des Abgrundes inne haltet. Schon sind sich Eure Landsleute, die Euch vorangegangen, ihrer Blindheit bewußt und die Wohlthaten dieses Volkes, das sie noch vor kurzer Zeit abschlachten halfen und welches sie jetzt, wo es nicht mehr das Schwert des Henkers in ihren Händen sieht, wie Brüder behandelt, erschweren ihre Gewissensbisse und vervielfältigen ihre Reue.
Zieht Nutzen aus ihrem Beispiele, Soldaten! Denkt an Eure Ehre, denkt an Eure Rechte! Habt Ihr nicht denselben Anspruch darauf wie Eure Fürsten? Ja, ohne Zweifel, aber diese Wahrheit ist noch nicht genug ausgesprochen. Menschen stehen höher als Fürsten, die größtentheils dieses Namens nicht würdig sind. Ueberlaßt es ehrlosen Hofschranzen und Gotteslästerern, die königlichen Vorrechte und deren Unbeschränktheit zu preisen, und vergeßt nicht, daß Alle nicht für Einen gemacht wurden, daß es eine höhere Macht giebt als fürstliche Macht, daß der, welcher ein Verbrechen zu begehen befiehlt, keinen Gehorsam verdient und daß mithin Euer Gewissen der höchste unter Euren Herrschern ist. Fragt dieses Gewissen, und es wird Euch sagen, daß Ihr Euer Blut nur für das eigene Vaterland vergießen sollt, daß es abscheulich ist, einige tausend Meilen weit zu gehen, um Leute niederzumetzeln, die kein anderes Verhältniß zu Euch kennen als ein solches, das ihnen Euer Wohlwollen sichern sollte.
Das Mutterland giebt vor, einen gerechten Krieg zu führen, während es sich selbst erschöpft, um seine Kinder zu verderben. Es verlangt seine Rechte und will dieselben nur mit dem Donner der Schlacht besprechen. Aber habt Ihr diese Rechte -- mögen sie nun wohl begründet sein oder nicht -- geprüft? Steht es Euch zu, in dieser Streitsache zu Gericht zu sitzen? Steht es Euch zu, das Urtheil zu fällen oder es zu vollstrecken? Und worauf laufen diese leeren Ansprüche, die so zweifelhaft sind und so viel bestritten wurden, am Ende hinaus? Der Mensch hat überall, in der ganzen Welt ein Recht auf Glückseligkeit. Dies ist das höchste Gesetz, dies ist der beste Rechtsanspruch. Kolonisten ziehen nicht hinaus und bebauen wilde Gegenden, vermehren die Macht und vergrößern den Ruhm des Mutterlandes, um von diesem unterdrückt zu werden. Und wenn sie unterdrückt werden, so haben sie ein Recht, das Joch abzuschütteln, denn das Joch wurde nicht für den Menschen gemacht.
Und wer sagte Euch, daß die Engländer das Aechtungs-Urtheil, das über die Amerikaner gesprochen wurde, unterzeichnet haben? Wackere Deutsche! Schmäht nicht durch einen solchen Verdacht eine Nation, die große Männer und vortreffliche Gesetze hervorgebracht, die das heilige Feuer der Freiheit so lange in ihrem Busen genährt hat und deshalb Achtung und Rücksicht verdient. Ach! Auf den britischen Inseln wie überall in der Welt wiegelt eine kleine Zahl ehrgeiziger Menschen das Volk auf und führt allgemeines Unglück herbei. Die Engländer wurden unglücklicher Weise in einen Krieg mit ihren Brüdern verwickelt, weil auch unter ihnen der Despotismus seit einigen Jahren mit Erfolg die Freiheit bekämpfte. Schmeichelt Euch nicht mit dem Gedanken, daß Ihr die Sache der Engländer vertheidigt. Ihr kämpft nur für die Vergrößerung der Macht gewisser Minister, welche sie verachten und verabscheuen.
Wollt Ihr die wahren Beweggründe kennen lernen, welche Euch die Waffen in die Hand gaben? Eitler Luxus und übermäßige Verschwendung haben die Finanzen der Fürsten, die Euch beherrschen, zu Grunde gerichtet. Ihre Hülfsquellen sind erschöpft und das Vertrauen ihrer Nachbaren haben sie zu oft getäuscht, als daß sie sich von Neuem an sie wenden könnten. Um es wiederzugewinnen, müßten sie auf jene verschwenderischen Ausgaben und auf die tollen Genüsse verzichten, deren Befriedigung ihre wichtigste Beschäftigung ist. Dazu können sie sich nicht entschließen, das wollen sie nicht thun. England braucht Soldaten und Geld und kauft beides zu theueren Preisen. Eure Fürsten beuten dieses augenblickliche Bedürfniß mit der größten Gier aus; sie heben Truppen aus, verkaufen sie und liefern sie ab. Das ist die Bestimmung Eurer Armee, dies das Ziel, dem Ihr entgegen geht. Euer Blut ist der Preis der Verderbtheit und der Spielball des Ehrgeizes. Das Geld, welches der Schacher mit Eurem Leben einträgt, wird zur Bezahlung schändlicher Schulden verwendet oder zur Kontrahirung neuer benutzt werden. Ein gieriger Wucherer, eine verächtliche Maitresse oder ein gemeiner Komödiant wird die Guineen in die Tasche schieben, welche gegen Euer Leben eingetauscht wurden.
O Ihr blinden Verschwender, die Ihr mit Menschenleben spielt und die Früchte ihrer Arbeit und ihres Schweißes vergeudet, späte Reue und nagende Gewissensbisse werden Eure Henker sein; aber diese können das Volk nicht trösten, das Ihr unter Eure Füße tretet. Ihr werdet Eure Arbeiter und deren Ernten, Eure Soldaten und Unterthanen vermissen, Ihr werdet weinen über das Unheil, dessen Urheber Ihr gewesen und das Euch selbst wie Euer ganzes Volk erdrücken wird. Ein furchtbarer Nachbar lacht über Eure Blindheit und bereitet sich vor, daraus Nutzen zu ziehen. Er schmiedet bereits die Ketten, in die er Euch schlagen wird; Ihr werdet unter der Last seines Joches seufzen und Euer Gewissen, welches dann gerechter sein wird als Euer fühlloses Herz, wird die rächende Furie des Uebels sein, welches Ihr gethan habt.