Der Selbstarzt bei äußeren Verletzungen und Entzündungen aller Art Oder, das Geheimniß, durch Franzbranntwein und Salz alle Verwundungen, Lähmungen, offene Wunden, Brand, Krebsschäden, Zahnweh, Kolik, Rose, sowie überhaupt alle äußern und innern Entzündungen ohne Hülfe des Arztes zu heilen.

Part 3

Chapter 33,233 wordsPublic domain

Ist er sehr heftig, so reibe man zunächst den Kopf ein, und nehme unmittelbar darauf ein oder zwei Eßlöffel voll mit heißem Wasser gemischt. Dies wiederhole man des Tages drei bis vier Mal. Es mußte sehr schlimm stehn, wenn das Uebel danach nicht am zweiten Tage gehoben wäre, wenigstens ist es mir noch nicht anders vorgekommen.

Verrenkungen und Verstauchungen.

Sie werden gewöhnlich durch Einreibung des verstauchten Theiles geheilt; sollte dies aber nicht hinreichen, so feuchte man ein Tuch mit dem Medicament an, und wickle es zwei- bis dreifach um den leidenden Theil; in ein oder zwei Tagen wird Alles wieder hergestellt sein; doch muß das Tuch immer wieder angefeuchtet werden, wenn es trocken geworden.

Mancher leidet bei ärztlicher Hülfe Monate lang an einer Verstauchung, und könnte durch unser Mittel mit _einem_ Tage davon kommen. Vielen hab' ich das bewiesen, die sich nach wochenlanger ärztlicher Behandlung an mich wendeten, und in wenigen Stunden nach zweimaliger Einreibung und Umschlag geheilt waren.

Ein Zimmermann, der beim Fallen von einer Leiter auf das Steißbein gefallen war, und drei Wochen die furchtbarsten Schmerzen ausgestanden hatte, nahm meine Hülfe in Anspruch; er war in der ersten halben Stunde schmerzfrei und kehrte schon am dritten Tage zu seiner Arbeit zurück, ohne _mehr_ gethan als sich das Rückgrath eingerieben zu haben.

Lähmungen durch Schlaganfälle.

Hier ist die Behandlung am wirksamsten und der Erfolg um so größer, je unmittelbarer nach dem erfolgten Schlag man sie beginnen kann. Dem vom Schlage Getroffenen ist sogleich der obere Theil des Kopfes und der gelähmte Theil des Körpers, wo möglich beides zugleich von zwei verschiedenen Personen, mit dem Medicament einzureiben, und ihm dabei drei Eßlöffel -- wenn es eine _Frau_ ist, nur _zwei_ -- davon mit heißem Wasser gemischt einzugeben. Das Einnehmen muß auf jeden Fall wiederholt werden, und hängt die Bestimmung der Zwischenräume, in denen dies geschieht, von der Heftigkeit des Anfalls ab. Die nächsten Tage wird nur einmal -- des Morgens -- eingenommen, und drei bis vier Mal eingerieben, und damit fortgefahren, bis die Lähmung verschwindet.

Ich will hier nur ein Beispiel von der glücklichen Anwendung des Mittels anführen. Herr _Simpson_, ein achtbarer, zu Groß-Yarmouth wohnender Kaufmann, wurde vor etwa vier Wochen plötzlich vom Schlage gerührt und an _einer_ Seite vollständig gelähmt. Als sein in Liverpool lebender Sohn, dem die heilenden Eigenschaften des präparirten Franzbranntweins bekannt waren, die Nachricht dieses betrübten Vorfalls erhielt, schrieb er schnell nach Hause, daß man seinen Vater damit behandeln solle. Dies geschah äußerlich und innerlich, und nach drei Wochen war Herr _Simpson_, dessen Leben alle Welt aufgegeben hatte, so weit, daß er seinen Geschäften wieder nachgehen und seine Glieder nach wie vor gebrauchen konnte.

Bisse von giftigen Schlangen oder anderm Gewürm.

Unmittelbar nach dem Biß angewendet, wirkt das Mittel, wenn man die Wunde damit auswäscht und einreibt, als ein kräftiges Gegengift und heilt zugleich die Wunde in sehr kurzer Zeit.

Einer meiner Schnitter war im Jahre 1833, während er auf einer Wiese im Grase Mittagsruh gehalten, von einer Schlange am Halse gebissen worden. In wenigen Minuten schwoll der Hals dergestalt an, daß er keine Luft holen konnte und man für sein Leben fürchtete. Man brachte ihn zu mir, -- ich ließ die Wunde auswaschen und einreiben, und alle Tage damit fortfahren. Dies hatte zur Folge, daß er bereits in der dritten Woche wieder arbeiten konnte, während einer seiner Kameraden, der bei einer ähnlichen Gelegenheit gleichfalls von einer Schlange gebissen und in das Hospital _von Romorantin_ geschafft worden war, nun schon im _zwölften_ Monat darin lag, ohne geheilt werden zu können.

Wespen- und Bienenstiche.

Man reibe die schmerzende Stelle unmittelbar nach dem Stich mit dem Medicament ein, ehe noch Geschwulst eintritt. Der Schmerz läßt auf der Stelle nach; hat man es aber zur Geschwulst kommen lassen, so muß man die Einreibungen fleißig wiederholen.

Die Rose und alle Arten von äußerlichen Entzündungen.

Diese Uebel werden sämmtlich durch bloße Einreibungen geheilt, und die Wirksamkeit des Mittels gegen Entzündungen hat sich an Hunderten von Beispielen erwiesen. Ein Prediger aus dem Norden von England hat die Güte gehabt, uns einen Fall dieser Art mitzutheilen, den wir hier in seinen eigenen Worten wiedergeben.

»Als ich neulich eines Geschäftes halber bei meinem Nachbar einsprach, fand ich seine Frau in einem höchst beklagenswerthen Zustand; sie wußte sich vor Schmerzen nicht zu lassen, -- der eine Arm und die Hand waren feuerroth und stark angeschwollen, -- sie hatte die _Rose_ am Arm. Sie erzählte, daß sie zwei Nächte schon kein Auge zugethan, und zwar vom Arzte etwas Abzuführen, jedoch nichts Aeußerliches gegen diese Entzündung bekommen habe. Ich bat um Erlaubniß, ihr helfen zu dürfen, was sie mit Freuden gestattete. Demnach schickte ich nach dem präparirten Franzbranntwein, der nie in meinem Hause ausgeht, seit ich seine Heilkräfte kenne, und mit einem Tassenkopf voll davon wusch und rieb ich ihr Hand und Arm etwa 10 Minuten lang. Die Wirkung grenzte an das Wunderbare, und die Kranke war entzückt vor Freuden über die plötzliche Linderung. Dieses geschah um zehn Uhr Vormittags. Nach Tische kam ich wieder, um mich nach dem Befinden der Kranken zu erkundigen: -- sie war fest eingeschlafen. Am Abend wurde die Einreibung wiederholt, und den folgenden Tag Morgens und Abends damit fortgefahren; in noch nicht achtundvierzig Stunden war der Arm vollständig wieder hergestellt.«

Ein Beispiel von einer durch das Mittel geheilten heftigen Entzündung am Bein macht der Patient, ein Herr I. H. _Ballance_, in einem Briefe an den Herausgeber des »Leeds Intelligencer« selbst bekannt. Es heißt darin:

»Ich litt an einem bösen, entzündeten Bein, welches seit sieben bis acht Monaten aller ärztlichen Hülfe Trotz geboten, so daß man schon anfing, von Amputation zu sprechen, in die zu willigen ich nicht abgeneigt war, um mich nur endlich von den unerträglichen Schmerzen befreit zu fühlen. In dieser peinlichen Lage erfuhr ich durch ein öffentliches Blatt die von Herrn Lee entdeckten Heilkräfte des mit Salz gemischten Franzbranntweins. Ich machte einen Versuch mit der Anwendung, der über Erwarten gut ausfiel. Die Entzündung legte sich und in vier Wochen war ich geheilt, so daß ich wieder meinen Geschäften nachgehen konnte. Ich habe es für meine Pflicht gehalten, dies hiermit öffentlich bekannt zu machen.«

Tic douloureux.

Dies schmerzhafte Uebel wird durch die Anwendung des Medicaments stets gelindert, und wenn es im Gesicht seinen Sitz hat, gewöhnlich ganz gehoben. Man reibe zunächst den obern Theil des Kopfes mit dem präparirten Franzbranntwein ein, fülle sich dasjenige Ohr damit, dem der Schmerz zunächst ist, und lasse das Ohr zehn Minuten angefüllt; hierauf reibe man den Theil ein, welcher durch die krampfhaften und schmerzhaften Zuckungen heimgesucht ist. Sollte sich hiernach die erwünschte Wirkung noch nicht eingestellt haben, so nehme man, außer den täglich zwei bis drei Mal zu wiederholenden Einreibungen, noch jeden Morgen zwei Eßlöffel voll, mit heißem Wasser verdünnt, ein, und fahre damit zwei Wochen fort. Der Erfolg ist gewiß.

Gallenübel.

Man reibe sich vor dem Schlafengehn den obern Theil des Kopfes mit dem Medicament ein, und nehme am nächsten Morgen in der bekannten Zeit und Weise zwei Eßlöffel davon. Dies thue man zwanzig Tage hinter einander. Schon am zehnten Tage wird sich eine auffallende Veränderung in der Gesichtsfarbe des Kranken zeigen, indem das frühere Gelb oder Blaß in eine gesunde Röthe übergeht, und mit dem zwanzigsten Tage wird das Uebel gänzlich verschwunden sein.

Alte Schäden und offene Wunden.

Zu ihrer Heilung hat man nur nöthig, die Wunde täglich drei Mal auszuwaschen und außerdem fortwährend mit einem mit dem Mittel angefeuchteten, leinenen Tuch bedeckt zu halten und damit bis zur Heilung fortzufahren, die nicht lange auf sich warten läßt. Ich könnte Bände mit der Heilung solcher alter Schäden und Wunden füllen, wenn ich sie alle aufzählen wollte; hier nur einige.

Vor einiger Zeit erzählte man mir, einer meiner Kossaten habe eines schlimmen Armes wegen schon zwei Monate lang nicht arbeiten können. Als ich ihn besuchte, sagte er mir, er wäre vor acht Wochen am Arm zur Ader gelassen, und in Folge dessen habe der Arm sich entzündet. Der Arzt, an den er sich gewendet, hatte warme Umschläge verordnet, doch hatten diese nichts geholfen; nach vier Wochen war am Arm eine furchtbare offene Wunde entstanden. Er fragte abermals den Arzt, der ihm rieth, mit den warmen Umschlägen fortzufahren; dabei litt der Patient jedoch die heftigsten Schmerzen, schlief keine Nacht und war zu einem Skelett abgemagert, als ich ihn sah. Ich sagte ihm, wenn er seinen Arm nicht verlieren wolle, sei es die höchste Zeit, die Umschläge ins Feuer zu werfen, und schickte ihm mein Mittel. Er wusch die Wunde fleißig und bedeckte sie mit einem angefeuchteten Tuch, -- und als ich den Patienten nach drei Tagen wieder sah, hatte er sich so erholt, daß ich ihn kaum wieder erkannte. Er hatte gleich die erste Nacht Schlaf gehabt und war am zehnten Tage im Stande, wieder zu arbeiten.

Bald nach diesem Ereigniß hörte ich von einem Manne, der seit sechs Jahren an einem offenen Schaden am Beine litt, welches sich nun endlich so entzündet hatte und so angeschwollen war, daß er nicht mehr arbeiten konnte. Ich gab ihm mein Mittel, und rieth ihm, es in der bekannten Art äußerlich zu gebrauchen. Die Folge davon war, daß er nach drei Tagen zu mir kam, um sich bei mir zu bedanken, nachdem er sich in der letzten Zeit nur mühsam auf den Händen fortzuschleppen vermochte. Er sagte mir, Entzündung und Geschwulst hatten sich in den drei Tagen vollkommen gelegt, und er sei im Stande wieder zu arbeiten. Er setzte die Anwendung des Mittels fort und ward geheilt.

Wie viele Unglückliche führen ein elendes Leben, weil sie mit alten Schäden und offenen Wunden heimgesucht sind, die man bisher für unheilbar hielt! Allen könnte sehr leicht durch unser Medicament geholfen werden. Sollte es daher nicht die Pflicht eines jeden Menschenfreundes sein, zur Bekanntmachung der Heilkräfte jenes wohlfeilen und einfachen Mittels so viel wie möglich beizutragen?

Kalter Brand.

Gegen _ihn_ hat sich der mit Salz präparirte Franzbranntwein sehr wirksam bewiesen, und will ich davon nur _ein_ Beispiel anführen.

Ein Fuhrmann, dem die Pferde durchgingen, war unter die Räder des Wagens gerathen, die ihm die Hand bedeutend gequetscht und zwei Finger abgefahren hatten. Man wendete die bei solchen Vorfällen gewöhnlichen ärztlichen Mittel an, doch wollten sie nichts fruchten, und der _Brand_ stellte sich ein. Man führte ihn zu mir, -- ich gab ihm das Medicament. Die Wunde wurde damit ausgewaschen, welches ihm große Schmerzen verursachte, die jedoch nur eine halbe Stunde anhielten, und sich bei späteren Waschungen linderten, bis sie sich gänzlich legten. Es wurde dann ein leinenes Tuch angefeuchtet, um die Hand gewunden, und fortwährend feucht erhalten. Während er die Fortsetzung seiner früheren Kur wahrscheinlich mit dem Leben hätte bezahlen müssen, wurde hier seine Hand von Tage zu Tage besser; bald war der Patient völlig geheilt, und kehrte zu seiner Beschäftigung zurück.

Beulen und Geschwüre.

Diese können zwar durch das Mittel nicht _vertrieben_ werden, und _sollen_ es auch nicht; doch hebt ein mit dem Medicament angefeuchtetes Läppchen, mit dem man die Beulen und Geschwüre bedeckt, sogleich Entzündung und Schmerz, und befördert das Aufgehen derselben. Das Läppchen ist, wie gewöhnlich, feucht zu erhalten.

Schnittwunden.

Ich glaube nicht, daß es gegen alle durch scharfe Instrumente verursachte Verwundungen ein besseres Heilmittel giebt, als unser einfaches Medicament, dessen Anwendung außerdem nicht den geringsten Schmerz verursacht. Man hat nur nöthig, ein Läppchen mit dem präparirten Franzbranntwein anzufeuchten, dies um die Wunde zu binden, so daß sie zusammengehalten wird, und das Läppchen durch Aufgießen von außen feucht zu halten, ohne es abzunehmen, welches erst geschieht, nachdem die Heilung erfolgt ist. Diese läßt niemals lange auf sich warten.

Nagelgeschwüre oder Wurm.

Die schmerzhaften Entzündungen unter den Fingernägeln, die in der Regel dabei abgehn, werden geheilt, indem man den Finger entweder ins Medicament steckt und darinnen läßt, oder dadurch, daß man ihn in ein angefeuchtetes Läppchen wickelt und fortwährend feucht erhält.

Lendenreißen und Rückgrathschmerzen.

Zur Abstellung des _ersten_ Uebels reibe man die schmerzenden Theile zwei bis drei Mal mit dem Medicament ein. Sind sie danach nicht vergangen, oder kommen sie wieder, so reibe man sich vor dem Schlafengehn den obern Theil des Kopfes ein, und nehme einige Tage hinter einander eine Stunde vor dem Frühstück zwei mit heißem Wasser verdünnte Eßlöffel voll.

Was die _Rückgrathschmerzen_ anbelangt, so reibe man sich vor dem Schlafengehen den Kopf mit dem Medicament, und nehme am andern Morgen zwei Eßlöffel voll mit heißem Wasser verdünnt ein. Dies wird zwölf Tage fortgesetzt. Sind die Schmerzen sehr heftig, oder lassen sie nach Einreibung und Einnehmen nicht nach, so lege man ein mit dem Medicament angefeuchtetes Tuch auf die am meisten schmerzende Stelle, und erneuere dies täglich drei Mal. Nach diesem Verfahren wird das Uebel sich stets legen, wenn es nicht ganz danach ausbleibt.

Indigestion oder Unverdaulichkeit.

Sie wird äußerst leicht dadurch gehoben, daß man sich den Kopf mit dem Medicament ein Mal einreiht, und ein oder zwei Eßlöffel davon mit heißem Wasser verdünnt einnimmt. Weicht das Uebel nicht gleich, so wiederholt man das Einnehmen an zwei bis drei Morgen. Hier ist die Heilung stets sicher.

Anwendung des Medicaments bei Kindern.

In dem vorstehenden Verzeichniß der Krankheiten und der Angabe der Behandlungsweise derselben ist eigentlich nur auf _erwachsene_ Patienten Rücksicht genommen; es ist daher nöthig, über die Anwendung, des Medicaments auf _Kinder_ noch einige Worte hinzuzufügen.

Auch bei _Kindern_ hat sich das Mittel äußerst wohlthätig bewiesen, und ich habe viele Beispiele schneller Heilung aller Arten von Krankheiten und Schwächen in meiner eigenen Praxis erlebt; doch nehme ich _Hautausschläge_ aus, die man bei Kindern nicht vertreiben, sondern ruhig austoben lassen muß. Es ist nur zu bemerken, daß man Kindern nicht das Medicament _eingiebt_, sondern es nur _äußerlich_ bei ihnen anwendet, und daß bei Kindern von _vier Jahren_ ein _einmaliges_ Einreiben des Kopfes _stets_, bei _älteren_ Kindern aber _gewöhnlich_ hinreicht, höchstens aber nur ein Mal bei den letzteren wiederholt werden darf. Im Allgemeinen habe ich gefunden, daß die Kinder, welchen ein Mal der Kopf eingerieben worden, wohler und besser danach aussehen, als die übrigen, mit denen dies noch nicht geschehen.

Von vielen mir vorkommenden Heilungen der Kinder will ich nur _ein_ Beispiel anführen.

Jüngst traf ich auf einem meiner Vorwerke die drei Kinder meines Verwalters am Fieber darnieder liegen; das älteste war _neun_, die beiden andern unter _vier_ Jahr alt, und sie befanden sich alle im stärksten Schweiß. Ich ließ ihnen allen sogleich die Köpfe mit dem Medicament einreiben, und noch während dieser Operation befanden sie sich schon besser. Der Vater erzählte mir am nächsten Morgen, seine Kinder seien noch an demselben Tage aufgestanden, da sie sich vollkommen wohl gefühlt, und sie haben seit der Zeit das Fieber nicht wieder bekommen.

Schluß.

Nachdem in dem Verzeichniß von Krankheiten nur diejenigen Uebel angeführt sind, die unter meinen Augen hundertfältig geheilt worden, bleibt mir noch übrig, einige Worte über solche Leiden hinzuzufügen, die mir zwar in meiner zehnjährigen Praxis nicht vorgekommen sind, deren Heilung ich jedoch durch die Anwendung des Medicaments für sehr wahrscheinlich erachte.

Der Einfluß und die wohlthätige Wirkung der Einreibung des Kopfes auf das Gehirn sind erwiesen; es läßt sich daher annehmen, daß alle _nervösen Fieber_ sich glücklich mit unserm Medicament behandeln lassen werden. Aus eben diesem Grunde bin ich auch überzeugt, daß man ein überraschendes und günstiges Resultat erzielen würde, wenn, wie ich schon oben angeführt, sich die Herren Aerzte und Vorsteher von Irrenhäusern ein Mal dazu entschließen könnten -- wozu natürlich in den ersten 100 Jahren keine Aussicht ist -- allen Irren tüchtig den Kopf mit unserm Mittel waschen zu lassen.

Da ich gesehen habe, wie kräftig das Medicament den traurigen Wirkungen der Bisse giftiger Schlangen vorgebeugt hat, wäre es vielleicht möglich, daß es sich auch mit Glück gegen den Biß toller Hunde gebrauchen ließe. Möchte doch ein Menschenfreund gelegentlich einen Versuch damit machen und das Ergebniß zur Abstellung der verhängnißvollen Folgen und zum Besten der leidenden Menschheit öffentlich bekannt machen.

Die Heilkräfte des Medicaments bei allen äußern Verletzungen und die ihm innewohnenden antientzündlichen Eigenschaften sind erwiesen. In der Regel treten bei Arm- und Beinbrüchen Entzündungen ein. Diese werden sicher vermieden werden, wenn man das zerbrochene Glied mit unserm Mittel fleißig einreibt und es mit angefeuchteten Tüchern umwickelt. Wie viel schlaflose Nächte und unsägliche Schmerzen könnte man in Hospitälern denjenigen ersparen, bei denen man bisher nicht im Stande war, den in Folge eines Bruches eintretenden Entzündungen Einhalt zu thun. Aber nicht nur in den _Hospitälern_ sollte man das Mittel zur Anwendung bereit halten, sondern auch in allen Fabriken, Werkstätten und bei allen Gelegenheiten, wo äußere Verletzungen oft vorkommen, denn, wie überhaupt bei allen Mitteln, wirkt auch dies unmittelbar nach der Verletzung am sichersten und stärksten. -- Auch bei allen entzündlichen _Fiebern_ kann das Mittel ohne Frage angewendet werden.

_Krätze_ dürfte sich durch Einreiben und Einnehmen wohl vertreiben lassen, doch dürfte mit vieler Beharrlichkeit dabei zu Werke gegangen werden müssen.

Auch _Gelbsucht_ möchte dem Mittel weichen, wenn man sich ein Mal vor dem Schlafengehn den Kopf damit einriebe und es mehrere Tage hinter einander des Morgens einnähme. Doch will ich meine Leser nicht länger mit Vermuthungen aufhalten, und lieber die Mittheilung neuer Erfahrungen einer neuen Auflage dieser kleinen Schrift vorbehalten.

Daß mein Mittel sich nur langsam Bahn gebrochen, und von Aerzten sogar heftigen Widerspruch gefunden hat, war mir nicht unerwartet; es ist ja mit allen großen und einfachen Erfindungen oder Entdeckungen, von denen die Menschheit später den größten Nutzen gezogen, so gegangen. Die Buchdruckerkunst war den abschreibenden Mönchen ein Gräuel, -- die jetzt unentbehrlichen Kartoffeln mußten die Regierungen den Landleuten mit Gewalt auffdringen, u. dgl. Aber was wirklich groß und nützlich ist, dringt endlich durch, und so wird es auch mit meinem Medicament gehn. Was der schnelleren Verbreitung desselben gewiß sehr hinderlich sein mag, ist der Umstand, daß ich es nicht für einen hohen Preis verkaufe, sondern unentgeltlich jedem Leidenden reiche. Nachdem man sich vergebens von Seiten der Aerzte bemühte, mir den Vorwurf des Eigennutzes zu machen, ist man endlich auf die absurde Behauptung gekommen, ich besäße in Frankreich große Branntweinbrennereien, und hätte das »_Mährchen vom Franzbranntwein_« erfunden, um den Absatz desselben zu befördern. Es ist kaum nöthig, anzuführen, daß sich weder auf _meinen_ französischen Gütern, noch in der Nähe derselben eine Brennerei befindet, und daß meine Entdeckung mir bisher nur Geld _gekostet_ und nichts _eingebracht_ hat, als das wohlthuende und mir völlig genügende Gefühl, armen Leidenden in vielen Fällen geholfen zu laben.

Ich weihe daher dieses Buch meinen unbemittelten Mitmenschen, die nicht Geld genug haben, einen theuern Arzt zu bezahlen, und nicht Zeit genug, sich seinen langwierigen Kuren zu unterziehen, und wiederhole zum Schluß die Versicherung, _daß unser besprochenes Mittel nie schadet, stets lindert und oft heilt._

Inhalt.

Seite Vorwort 3 Allmähliche Entdeckung der Heilkräfte des Medicaments 7 Zubereitung des Medicaments 10 Anwendung des Medicaments 11 Verzeichniß derjenigen Krankheiten, welche im Laufe von zehn Jahren durch die Anwendung des Medicaments geheilt worden sind, nebst Angabe der Behandlungsweise 14 Schwindel -- Andrang des Blutes nach dem Kopf -- Kopfschmerzen 15 Augenentzündung -- Hirnentzündung -- Zahnschmerz 16 Ohrenschmerz oder Ohrenzwang -- Harthörigkeit oder Taubheit 17 Zahngeschwüre -- Ausschlag im Gesicht oder auf dem Kopf -- Wechselfieber und Fieberanfälle überhaupt -- Kolik 19 Cholera -- Bräune und Halsentzündung -- Unterleibsentzündung 20 Seitenstiche -- Rheumatismus 21 Gicht und rheumatische Gichtanfälle -- Verbrühungen und Brandwunden 22 Frostbeulen -- Heftige Nervenzufälle, Delirium -- Krebsschäden 24 Lungenentzündung 26 Schwindsucht -- Asthma 28 Schnupfen, Husten und Erkältungen -- Durchfall 29 Verrenkungen und Verstauchungen -- Lähmungen durch Schlaganfälle -- Bisse von giftigen Schlangen 30 Wespen- und Bienenstiche -- Die Rose und alle Arten von Entzündungen 31 Tic douloureux 32 Gallenübel -- Alte Schäden und offene Wunden -- Kalter Brand 34 Beulen und Geschwüre -- Schnittwunden -- Nagelgeschwüre oder Wurm 35 Lendenreißen und Rückgrathschmerzen -- Indigestion oder Unverdaulichkeit -- Anwendung des Medicaments bei Kindern -- Schluß 36

Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):

[p. 5]: ... Bereitung nnd Anwendung dieses einfachen Medicamentes, ... ... Bereitung und Anwendung dieses einfachen Medicamentes, ...

[p. 32]: ... lange auf sich warten läßt. Ich könnte Bände mit dem ... ... lange auf sich warten läßt. Ich könnte Bände mit der ...