Der Selbstarzt bei äußeren Verletzungen und Entzündungen aller Art Oder, das Geheimniß, durch Franzbranntwein und Salz alle Verwundungen, Lähmungen, offene Wunden, Brand, Krebsschäden, Zahnweh, Kolik, Rose, sowie überhaupt alle äußern und innern Entzündungen ohne Hülfe des Arztes zu heilen.

Part 1

Chapter 13,326 wordsPublic domain

Der Selbstarzt bei äußeren Verletzungen und Entzündungen aller Art.

Oder: Das Geheimniß, durch Franzbranntwein und Salz

alle Verwundungen, Lähmungen, offene Wunden, Brand, Krebsschäden, Zahnweh, Kolik, Rose, sowie überhaupt alle äußern und innern Entzündungen ohne Hülfe des Arztes zu heilen.

Ein unentbehrliches Handbüchlein für Jedermann.

Herausgegeben von dem Entdecker des Mittels William Lee. Aus dem Englischen. Dritte Auflage.

Quedlinburg und Leipzig. Druck und Verlag von _Gottfr. Basse._ 1845.

Vorwort.

Während in einem entlegenen Winkel Deutschlands ein Nichtarzt, _Prießnitz_, das _Wasser_ mit Erfolg zur Heilung der mannichfachsten Uebel verwendete, hatte in einem Winkel Frankreichs ein anderer Nichtarzt, _William Lee_, ein in Frankreich ansässiger Engländer, die anti-entzündlichen Eigenschaften entdeckt, welche einer nach gewissen Verhältnissen gemachten Mischung von Franzbranntwein und Salz innewohnen. _William Lee_ wandte anfänglich seine Mittel nur auf alle ihm vorkommenden _äußern_ Entzündungen und Verletzungen an, versuchte sich indeß hierauf auch an _inneren_ entzündlichen Uebeln, und war in allen seinen Kuren glücklich. Nach fünfjährigen Erfahrungen, im Jahre 1835, glaubte er endlich das Publikum auf die von ihm entdeckten Eigenschaften seines Mittels in einem öffentlichen englischen Blatte zum Nutzen der leidenden Menschheit aufmerksam machen zu müssen. Da sein Medicament und die einfache Anwendung desselben die Hülfe eines Arztes ganz entbehrlich macht, so bedarf es wohl kaum angeführt zu werden, daß die Aerzte sich gegen ihn erhoben und seine mitgetheilten Erfahrungen und Kuren für Lügen erklärten. Erging es doch dem Wasserdoctor Prießnitz in Deutschland nicht anders.

Das Publikum, und besonders der gewerbetreibende Theil desselben, war indeß durchaus nicht _einer_ Meinung mit den entrüsteten Aerzten; man bediente sich hauptsächlich in den Fabrik-Distrikten Englands des mit Salz gemischten Franzbranntweins bei allen äußern Verletzungen, und befand sich vortrefflich dabei. Die kleinen englischen Volksblätter fingen an, zum Verdruß der Aerzte von Artikeln über schnelle Heilungen dieser Art zu wimmeln, von denen der Verfasser vorliegender Broschüre eine lange namentliche Liste angefertigt und seiner Schrift hinzugefügt hat, die in der deutschen Bearbeitung jedoch füglich wegbleiben durfte.

Auch _William Lee_ ließ sich durch den Widerspruch der Aerzte von der Fortsetzung seiner Kuren, Versuche und Beobachtungen nicht abhalten, sondern fuhr fort, die Leidenden zu heilen, welche sich ihm nahten, und das stets unentgeltlich, ja sogar mit Aufwand von Zeit und Geld, indem er die Kranken besuchte und ihnen sein Medicament unentgeltlich reichte. Vielleicht hat aber gerade dieser _letztere_ Umstand dazu beigetragen, die schnelle Bekanntwerdung und Ausbreitung des Mittels zu verhindern; denn was nicht mit Gold aufgewogen wird, pflegen Viele nicht besonders zu achten, und davon wird nicht viel Geschrei gemacht.

Nachdem _William Lee_ abermals fünf Jahre sein Mittel geprüft und auf die verschiedensten _äußeren_, sowohl wie _inneren_ Leiden angewendet hatte, stellte er im Jahre 1840 diejenigen Krankheiten zusammen, deren Heilung ihm und Andern durch den mit Salz präparirten Franzbranntwein fortwährend geglückt war, und übergab diese Arbeit, begleitet von einer Anweisung zur Bereitung und Anwendung dieses einfachen Medicamentes, dem Publikum.

Wir glauben, durch die Uebertragung dieser menschenfreundlichen und gemeinnützigen Arbeit ins Deutsche, vielen durch Verletzungen und schmerzhafte Uebel Heimgesuchten einen Dienst zu erweisen, und können nichts Besseres thun, als auf die Broschüre selbst hinweisen, die einem Jeden die Bereithaltung und Anwendung eines Mittels anräth, von welchem feststeht, daß es _nie schadet, immer lindert, und in den meisten Fällen hilft_.

Allmähliche Entdeckung der Heilkräfte des Medicamentes.

Vor etwa 10 Jahren -- im Jahre 1830, -- machte ich während eines Aufenthalts auf meinem Gute La Ferté Imbault in Frankreich die Entdeckung, _daß eine Mischung von Franzbranntwein und Salz das wirksamste Mittel gegen äußere und innere Entzündungen ist._ Es kam mir zunächst darauf an, dies Mittel so oft wie möglich zu erproben; ich sagte daher meinen Leuten, sie möchten mir aus dem Dorfe und der Umgegend alle diejenigen zuführen, welche an der _Rose_ und an dergleichen äußeren Entzündungen litten, ich besäße ein Mittel, sie leicht und unentgeltlich zu heilen. Bald fehlte es mir nicht an Patienten, an denen ich die anti-entzündliche Kraft meines Mittels prüfen konnte, und ich hatte das Glück, sie alle schnell und vollkommen herzustellen. Meine Erfolge überraschten mich mehr als die Geheilten; ich wußte sie mir nicht zu erklären; doch stand bald so viel unumstößlich fest, daß mein aus Franzbranntwein und Salz bestehendes Medicament alle Entzündungen beseitigte. Bald brachte man mir auch _andere_ Uebel, als Rosen und Geschwülste, zur Kur, z. B. alte Schäden, offene Wunden, gefährliche Verletzungen, durch aufgeflogenes Pulver verbrannte und entzündete Augen. Ich ließ sie auswaschen mit dem Medicament und Umschläge von Tüchern machen, die damit angefeuchtet wurden. Alle Kuren glückten. Endlich las ich in einem medizinischen Journal, »alle Krankheiten seien entweder _selbst_ Entzündungen oder _Folge_ von solchen.« Ich schloß hieraus, daß mein Mittel nicht nur _äußerlich_ angewendet, gegen äußerliche Entzündungen, sondern auch _innerlich_ gegen innerliche Entzündungen wirksam sein müsse; und da man seit einiger Zeit angefangen hatte, -- wie dies so zu gehen pflegt, -- mir _alle_ Kranke zuzuführen, oder wenn dies nicht anging, mich zu ihnen zu rufen, so wendete ich mein Medicament gegen Halsentzündungen, Lungenentzündungen und Unterleibsentzündungen so an, daß ich Hals, Brust und Unterleib damit einreiben ließ, und davon eßlöffelweise eingab. Da indeß das reine Medicament zu scharf gewesen sein würde, ließ ich es durch heißes Wasser verdünnen. Die Erfolge waren überraschend; überall wirkte das Mittel stets lindernd, wenn auch nicht immer schnell heilend. Eine Frau, die an jahrelangen Kopfschmerz litt, kam zu mir und wünschte »_durch das Wundermittel_« geheilt zu sein. Wäre es nicht sehr thöricht gewesen, wenn ich, um ihr den Kopfschmerz zu vertreiben, mein Mittel auf die _Füße_ oder _Arme_ gerichtet hätte? Und war es im Gegentheil nicht natürlich, daß ich ihr den Kopf damit einreiben ließ? Außerdem wußte ich, daß sich im Gehirn alle Nerven vereinigen, oder daß sie von dort ausgehn; war es also möglich, auf das Gehirn zu wirken, so mußte sich diese Wirkung auch auf alle Theile des Körpers erstrecken. Mein Schluß war richtig. Die Frau verlor den Kopfschmerz durch das Einreiben des oberen Theils des Kopfes, das Medicament wirkte also offenbar auf das Gehirn. Ich wandte dies Verfahren gegen Hirnentzündungen an; diese wurden gehoben, und die Kranken genasen. Oft habe ich seit der Zeit Gelegenheit gehabt, die wunderbaren und wohlthätigen Wirkungen zu beobachten, welche die Einreibung des Kopfes mit dem Medicament bei kranken Individuen, jungen und alten, hervorbringt, und mich zu überzeugen, welche wichtige Rolle das Gehirn in Bezug auf das ganze System des menschlichen Körpers spielt.

Kaum darf ich noch hinzufügen, daß ich nach und nach anfing, alle mir vorkommenden Krankheiten mit dem erwähnten einfachen aber kräftigen Mittel zu behandeln, und daß es mir keinen Tag an Gelegenheit fehlte, meine Erfahrungen zu bereichern.

Nachdem ich fünf Jahre in dieser Weise fortgefahren, mich den Bewohnern in meinem Dorfe und der ganzen Umgegend nützlich zu machen, und nachdem ich mich von der heilsamen Wirksamkeit meines Medicamentes vollkommen überzeugt hatte, hielt ich es für meine Pflicht, zum Heil der leidenden Menschheit, und ganz besonders der unbemittelten Klassen, meine Entdeckung auch in meinem Vaterlande England bekannt zu machen, und ich ließ zu dem Ende in einem öffentlichen Blatte, dem in Leeds, meiner Vaterstadt, erscheinenden »Intelligencer,« einen Artikel erscheinen, in welchem ich meine Entdeckung und Erfahrungen mittheilte, und den Gebrauch meines Mittels allen durch die betreffenden Uebel Leidenden anempfahl. Ich verlangte nur, daß diejenigen, denen mein Mittel die Gesundheit wiedergegeben, ihren Namen und ihren Fall mit einigen Zeilen zur Veröffentlichung in die Expedition des Leeds Intelligencer senden sollten.

Nicht lange nach dem Erscheinen meines Artikels trat in demselben Blatte ein Arzt aus Leeds gegen mich auf, und erklärte alle meine Angaben für Hirngespinnste und Lügen. Was mich dafür tröstete, waren die langen Listen der Geheilten, die mir aus der Expedition des Leeds Intelligencer zugingen, und die Dankartikel, welche dieses Blatt häufig von Individuen brachte, die nach langer Krankheit durch den Gebrauch meines Mittels ohne ärztliche Hülfe ihre Gesundheit wiedergefunden hatten. Dies war es wohl auch eigentlich, was jenen Arzt veranlaßte, gegen mich zu Felde zu ziehn; denn bestimmt liegt vielen Aerzten ihr _eigenes_ Wohl mehr am Herzen als das der Menschheit, und wer ihre Einnahme bedroht, ist ihr größter Feind.

Was aber auch die Aerzte anführen mögen, meine langjährigen Erfahrungen können sich nicht wegdisputiren, und jedesmal, wenn ich das Medicament auf eine neue Weise anwendete, habe ich diese zuerst stets an mir selbst versucht, und befinde mich dabei jetzt viel wohler als früher.

Dieser feindliche Artikel veranlaßte mich nun, meine begonnene Wirksamkeit in England sowohl als in Frankreich fortzusetzen, und die Wirkungen eines Mittels bei der Anwendung gegen die verschiedenartigsten Krankheiten zu beobachten. Endlich fühlte ich mich im Jahre 1840, also nach zehnjähriger, beinahe täglicher Praxis, veranlaßt, meine Erfahrungen zu gegenwärtiger kleiner Schrift zusammen zu stellen, und dem Druck zu übergeben. Man findet in derselben:

1) die Bereitung des Mittels;

2) die Anwendung desselben;

3) ein Verzeichniß derjenigen Krankheiten, welche oft und sicher durch das Mittel geheilt worden sind.

Der Inhalt dieser kleinen Schrift ist so einfach wie das Mittel selbst, und vorzüglich darauf berechnet, meine unbemittelteren Mitmenschen mit einem Medicament bekannt zu machen, mit welchem versehen sie in den meisten Fällen einen kostspieligen Arzt entbehren können, einem Medicament, das _immer_ lindert, in den im Verzeichniß angeführten Krankheiten stets hilft, und das, selbst _falsch_ angewendet, _niemals_ schadet, was vielleicht von wenig Arzneimitteln gerühmt werden kann.

Zubereitung des Medicaments.

Keine Zubereitung ist einfacher als die unsers Mittels. Man nehme, je nachdem man viel oder wenig zu gebrauchen gedenkt, eine sorgfältig gereinigte größere oder kleinere Flasche, und fülle sie drei Viertel voll mit echtem, reinem Franzbranntwein; hierauf schütte man so viel gewöhnliches, jedoch vorher an der Sonne oder auf dem Ofen getrocknetes und fein gestoßenes Kochsalz hinein, daß der Franzbranntwein beinahe bis oben an den Pfropfen steigt, und dann pfropfe man die Flasche zu und schüttle das Ganze tüchtig durcheinander. Hierauf stelle man die Flasche ruhig hin und warte, bis sich das Salz gesetzt hat und der Franzbranntwein wieder klar geworden ist, welches nach zwanzig bis dreißig Minuten geschieht, und das Mittel ist zu jeglichem Gebrauch bereit.

Man hüte sich, vor dem jedesmaligen Gebrauch des Medicaments die Flasche umzuschütteln, wie dies bei _andern_ Medizinen wohl zu geschehen pflegt; dadurch würde man die unaufgelösten Salztheile mit in die Wunden oder auf die Haut bringen, welches nur Schmerzen verursacht und die Heilung nicht beschleunigt. Ist der auf diese Weise zubereitete Franzbranntwein verbraucht, so gieße man, mit Beibehaltung des ersten Bodensatzes von Salz, die Flasche wieder voll, schüttele das Ganze tüchtig um, und lasse es wieder ruhig stehen, bis es klar geworden.

Mit _anderem_ Spiritus als mit Franzbranntwein erhält man ein unwirksames Mittel.

Anwendung des Medicamentes.

So einfach wie die Zubereitung des Medicaments, ist auch seine Anwendungsart, die hier nur _allgemein_ angedeutet werden soll, da in dem nachfolgenden Verzeichniß der Krankheiten die Behandlungsweise einer jeden derselben noch besonders angegeben ist.

Das Mittel wird _innerlich_ und _äußerlich_ gebraucht.

In Bezug auf den _innern_ Gebrauch ist zu bemerken, daß es nie rein, sondern stets mit _heißem Wasser_ vermischt eingenommen wird, und zwar so, daß eine jede einzunehmende Dosis immer aus 1/4 Medicament und 3/4 heißem Wasser besteht. Das gewöhnlich verordnete Quantum sind 2 Eßlöffel Medizin, vermischt mit 6 Eßlöffel heißen Wassers, die, wenn es nicht anders verordnet ist, des Morgens ganz nüchtern und eine Stunde vor dem Frühstück genommen werden. Frauen und schwächliche Männer können die beiden Eßlöffel Medizin mit _acht_ bis _zehn_ Eßlöffel heißen Wassers mischen. In dringenden Fällen, wenn eine starke Wirkung hervorgebracht werden soll, nimmt man auch zu zwei Löffeln des Medicaments nur zwei Löffel heißen Wassers. Bei den meisten Krankheitszuständen geschieht das Einnehmen täglich in der angegebenen Weise nur ein Mal; wird _mehrmals_ an demselben Tage hinter einander eingenommen, so sind die Zwischenräume, in denen dies geschieht, bei den betreffenden Krankheiten angegeben.

_Im Allgemeinen ist zu bemerken, daß es jegliche äußere und innere Kur befördert, wenn der Patient sie mit einem einmaligen Einnehmen des Medicaments zur oben angegebenen Zeit, d. h. des Morgens und nüchtern, beginnt._

Obgleich nun dieses Medicament eine der besten Magenstärkungen ist, so verursacht sein Einnehmen doch, obschon unter funfzig Fällen etwa nur ein Mal, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen, welches stets einen sehr geschwächten Magen beweist. In diesem Falle trinke man warmes Wasser, bis nochmaliges Erbrechen erfolgt, und nehme dann eine Stunde nach dem Erbrechen das Medicament noch einmal. Wenn es der Magen zum _zweiten Male_ auswirft, so ist dies ein Zeichen, daß noch viel Unreinigkeit darin vorhanden ist. In diesem Falle trinke man abermals warmes Wasser bis zum Erbrechen und nehme dann das Mittel zum _dritten Male_, wo es stets haften und helfen wird; wenn _nicht_, wird in der angegebenen Weise ruhig fortgefahren.

Die _äußere_ Anwendung des Medicaments besteht in _Einreiben des obern Theiles des Kopfes_ oder des _leidenden Theiles am Körper_, -- in _Umschlägen mit angefeuchteten Tüchern_, -- in _Auswaschen der Wunden_, und in _Vollfüllen der Ohren_ mit dem Mittel.

Das _Einreiben des Kopfes_ geschieht mit der Hand, und ist im Ganzen ein guter Eßlöffel voll des Medicaments dazu erforderlich, den man nach und nach in die Hand oder auf den Kopf selbst gießt, und diesen zehn, zwanzig bis dreißig Minuten damit einreibt. Das Reiben der Stirn und der Schläfe reicht niemals aus; der Obertheil des Kopfes ist die Hauptsache, doch ist hier zu viel und zu naß besser als zu wenig und zu trocken. Das lange Haar thut der Wirkung des Mittels keinen Abbruch, es erfolgt im Gegentheil das Trocknen dadurch langsamer und erhält den Kopf länger feucht und kühl. Die Einreibung geschieht stets kurz vor dem Schlafengehn, einzelne, heftige Anfälle abgerechnet, wo es auf der Stelle und wiederholt geschieht, wie dies im Verzeichniß der Krankheiten bei den betreffenden Fällen angegeben ist.

Bei der äußerlichen Verwendung bleibt das Medicament stets unvermischt.

_Im Allgemeinen ist zu bemerken, daß es jegliche äußere und innere Kur befördert, wenn der Patient ein Mal vor dem Schlafengehen zum Beginn derselben den Kopf mit dem Mittel einreibt._

Das Einreiben von Geschwülsten, Verstauchungen und allen schmerzenden Gliedern geschieht mit der Hand, in welche man sich kleine Quantitäten des Medicaments gießt, und diese auf den genannten Stellen trocken reibt. Diese Einreibungen werden nach Befinden der Umstände drei bis vier Mal täglich wiederholt.

Die _Umschläge_ bestehen aus leinenen, mit dem Medicament angefeuchteten Lappen, die entweder aufgelegt oder umgebunden, und stets feucht erhalten oder gewechselt werden, wenn sie beinahe getrocknet sind. Bei Schnittwunden läßt man den umgebundenen Leinwandstreifen, den man natürlich durch Aufgießen von außen feucht erhält, ruhig liegen, bis man fühlt, daß die Wunde geheilt ist.

Das _Auswaschen_ der offenen Schäden mit dem Medicament geschieht täglich drei bis vier Mal.

Das _Anfüllen der Ohren_ mit dem Medicament anlangend, so legt man sich dazu auf die Seite, und läßt _dasjenige_ Ohr füllen, welches sich dem Schmerze zunächst befindet, oder eins nach dem andern. Geschieht diese Procedur bei Tage, so bleibt das Medicament zehn bis funfzehn Minuten im Ohr; geschieht es des Abends im Bett, so schlafe man mit dem Medicament im Ohr ruhig ein (welches stets sehr leicht geschieht) und überlasse es seinem Geschick.

Verzeichniß derjenigen Krankheiten, welche im Laufe von zehn Jahren durch die Anwendung des Medicamentes geheilt worden sind, nebst Angabe der Behandlungsweise.

Schwindel.

Dies Uebel wird dadurch geheilt, daß man den obern Theil des Kopfes mit dem angeführten Mittel, ohne ihm Wasser beizumischen, wäscht und einreibt. Das Einreiben ist etwa eine _halbe Stunde_ fortzusetzen, und darf vor Ablauf dieses Zeitraums nicht damit aufgehört werden, wenn sich auch der Schwindel bereits gelegt haben sollte, was oft der Fall ist. Weicht das Uebel nicht während des Einreibens, so geschieht dies eine Stunde _nach_ demselben, oder sicher, nachdem man sich des Abends schlafen gelegt hat. Es ist vorgekommen, daß das Uebel einigemal von neuem zurückkehrte; in diesem Falle darf die Einreibung nur wiederholt werden, und es verschwindet sicher.

Andrang des Blutes nach dem Kopf.

In der gewöhnlichen Praxis sucht man diesem Uebel dadurch abzuhelfen, daß man _Blutegel_ an die Schläfe setzt, welches nur selten hilft und oft den Leidenden an den Rand des Grabes bringt. Man reibe sich den obern Theil des Kopfes mit dem präparirten Franzbranntwein, und sogleich wird man Linderung und Nachlaß des Blutandranges fühlen, der bei _ein Mal wiederholter_ Einreibung in der Regel gänzlich verschwindet. Wenn der Andrang öfter wiederkehrt, nehme man des Morgens _nüchtern und eine Stunde vor dem Frühstück_ zwei Eßlöffel des Medicaments, vermischt mit sechs bis acht Eßlöffel heißen Wassers ein, und mache die Einreibung des Oberkopfes kurz vor dem Schlafengehn. Dies einige Tage hinter einander fortgesetzt, hat das Uebel stets gänzlich gehoben.

Kopfschmerzen

verschwinden stets nach dem Einreiben des Kopfes, wie es unter »Andrang des Blutes« angegeben. Ich habe dies Mittel in tausend Fällen angewendet, und allemal mit dem besten Erfolg. Sollten sich die Kopfschmerzen jedoch als hartnäckig beweisen und oft wiederkehren, so nehme man nüchtern und eine Stunde vor dem Frühstück zwei Eßlöffel voll des Medicamentes, gemischt mit _sechs_ bis _acht_ Eßlöffeln heißen Wassers; indeß wird dies selten nöthig sein.

Augenentzündung.

Wenn das von mir angegebene Mittel weiter keine andere Eigenschaft und Kraft besäße, als nur diejenige, Augenentzündungen zu heilen, die ihm in der That im hohen Grade eigen ist, und welche es bei vielen Gelegenheiten bewiesen hat, so wäre schon _damit_ für die Menschheit etwas Unschätzbares gewonnen. Hier ist von keinem finstern Zimmer, von keinem Aufgeben der gewöhnlichen Beschäftigung, und von keinen ätzenden Eintröpfelungen die Rede, welche oft den Verlust der Augen des Patienten herbeiführen und ganze Familien in Noth und Bekümmerniß stürzen. Der Augenkranke hat nichts zu thun, als _vier_ bis _sechs Mal_ des Tages den Zipfel eines reinen leinenen Taschentuchs mit dem präparirten Franzbranntwein anzufeuchten, und sich damit die Augen gut auszuwischen und zu reinigen. Dies kann beim Arbeiten, im Gehen, beim Fahren, beim Einkaufen und Verkaufen, genug in allen Lagen und Verhältnissen geschehen, und wird beständig dieselbe gute Wirkung hervorbringen. Der Schmerz in den Augen ist äußerst gering, die Linderung und Heilung groß und sicher.

Wie sehr weicht dies Verfahren von dem gewöhnlichen ärztlichen ab, und dennoch führt es sicherer zum Ziel als das letztere.

Hirnentzündung.

Diese gefährliche und oft schnell dahin raffende Krankheit wird durch fortgesetztes Einreiben des oberen Theiles des Kopfes mit dem Medicament, bis der Schmerz sich gelegt hat, gehoben. Durch die Anwendung dieses einfachen Mittels hätte manches kostbare Leben erhalten werden können, und ich bin fest überzeugt, daß Madame _Malibran_, welche in Manchester an der Hirnentzündung starb, heute noch lebte, wenn ihrer Umgebung mein _in seiner Anwendung niemals schädliches_ Mittel bekannt gewesen wäre.

Zahnschmerz.

Diese, leider so allgemein verbreitete Plage des Menschengeschlechts wird am besten auf eine Weise geheilt, die, besonders den Damen, etwas wunderlich und abschreckend vorkommen dürfte; ich habe sie indeß theils an mir selbst, theils in meiner Familie so oft versucht und so wirksam gefunden, daß ich Jedem dringend rathen muß, sich dazu zu entschließen; und was thäte man überhaupt nicht, um einen der unerträglichsten Schmerzen los zu werden?

Die Heilmethode besteht darin, daß man sich das Ohr an der Seite, wo man die Schmerzen hat, mit dem präparirten Franzbranntwein füllt und ihn darin läßt, bis der Schmerz vergangen ist, welches gewöhnlich innerhalb zehn Minuten erfolgt. Fast nie habe ich dies Mittel fehlschlagen sehen. Bei sonst gesunden Zähnen wird der Schmerz dadurch ein für allemal geheilt; bei _hohlen_ Zähnen aber kommt er nach Erkältungen wieder, in welchem Fall natürlich auch wieder zur Anwendung derselben Heilmethode zu schreiten ist.

Bei dieser Gelegenheit will ich nicht verabsäumen, mit anzuführen, daß es zur Erhaltung der Zähne nicht wenig beiträgt, wenn man einmal wöchentlich oder einmal alle vierzehn Tage seine Zahnbürste in den präparirten Franzbranntwein taucht, und sich Zähne und Zahnfleisch damit bürstet. Hierdurch werden die Zähne gegen Fäulniß geschützt, und das Zahnfleisch wird erkräftigt.

Ohrenschmerz oder Ohrenzwang.

Hier geschieht die Heilung auf dieselbe Weise, wie bei den Zahnschmerzen, indem man sich nämlich ein Ohr mit dem Franzbranntwein füllt, oder eins um das andere. Es versteht sich von selbst, daß man sich dazu niederlegt, und auf der Seite ruhig verharrt, bis die Linderung eingetreten ist. Hat man sich nur erst an diese Methode herangewagt, so findet man sie bald angenehm, und fühlt sogar noch andere wohlthätige Wirkungen derselben.

Harthörigkeit und Taubheit.

Auch gegen _dies_ Gebrechen beweist sich unser Mittel lindernd oder gänzlich beseitigend, wovon ich viele Beweise habe. Man verfährt hier ganz wie bei Zahn- und Ohrenschmerzen, jedoch so, daß man das Mittel Abends, nachdem man sich zu Bett gelegt hat, anwendet. Man läßt sich alsdann zuerst _das_ Ohr füllen, auf welchem das Gehör am wenigsten geschwächt ist, und liegt damit zehn Minuten still; hierauf wird das _andere_ Ohr gefüllt, in welchem man das Medicament die ganze Nacht hindurch läßt, wenn es nicht durch Umwenden im Schlafe von selbst ausfließt. Man glaube nicht, daß die Anwendung dieses Mittels am Schlafen hindere; im Gegentheil, es schläft sich vortrefflich dabei.

Zahngeschwüre.