Der Schwarzwald

Part 3

Chapter 32,964 wordsPublic domain

[Sidenote: Orographischer Aufbau.]

Wie überaus verschieden diese vier Gruppen sich in ihrem orographischen Aufbau verhalten, mögen folgende Zahlen veranschaulichen:

Schwarzwald Südlicher Mittlerer Nördlicher Östlicher Summa

Fläche ~qkm~ 2250 2010 1350 2250 7860

Höchster Gipfel, ~m~ 1493 1241 1164 988 1493

Mittlere Kammhöhe, 855 790 725 655 770 ~m~

unter 200 ~m~ -- 4,6 8,4 2,4 3,3

200-400 ~m~ 16,2 19,9 20,9 14,4 17,5

400-600 ~m~ 19,9 17,2 27,1 26,4 22,3

Prozente 600-800 der ~m~ 23,1 20,9 26,6 50,3 30,9 Fläche 800-1000 ~m~ 26,8 28,7 15,9 6,5 19,6

1000-1200 ~m~ 12,2 8,6 1,1 -- 5,9

über 1200 ~m~ 1,8 0,1 -- -- 0,5

Deutlich tritt aus dieser Zusammenstellung der Hochebenencharakter des östlichen Schwarzwaldes hervor, bei dem mehr als die Hälfte des Areals der Höhenstufe von 600 zu 800 ~m~ angehört, während über letzterer Höhe nur noch 6,5 Prozent der Fläche aufragen. Ganz anders liegen die Verhältnisse in den drei anderen Gruppen, in denen von Nord nach Süd immer mehr die Höhenentwicklung zunimmt hinsichtlich der Kämme wie der beherrschenden Gipfel. Im mittleren Schwarzwalde läßt außerdem das starke Vorwiegen der Höhenstufe zwischen 800 und 1000 ~m~ den weit verbreiteten Hochflächencharakter dieses Gebietes gut erkennen. Einzelheiten des Gebirgsaufbaues genauer zu schildern, wird im folgenden sich reichlich Gelegenheit bieten.

[Sidenote: Die Gesteine und ihre Formen.]

Von der Gesamtfläche des Schwarzwaldes werden etwa 24% von Gneis, 18% von Granit, 31% von Buntsandstein, 16% von Muschelkalk eingenommen. Der Rest verteilt sich mit rund 2% auf paläozoische Schiefer und 9% auf alle anderen Bildungen, also abgesehen von den vereinzelt auftretenden Porphyren auf jüngere Sedimente. Die Gneismassen nehmen die Hauptteile der westlichen Schwarzwaldgruppen ein, kommen aber in kleineren Bezirken auch sonst vor. Zumeist geben sie bei der Verwitterung fruchtbare Lehmböden, auch sind sie reich an Erzgängen, die einst einen lebhaften Bergbau auf Bleiglanz, Silber, Zinkblende, Kupferkies usw. ermöglichten, sowie an Mineralquellen. Der Granit bildet, abgesehen von kleineren Vorkommnissen, die Massive von Oberkirch und Triberg und hat seine weiteste Verbreitung zwischen Kandern, Säckingen und Villingen. Verwittert läßt er die lockereren Teile durch das Wasser an den Bergabhängen in die Tiefe führen, wo sie zu wertvollem Ackerboden werden, während oben mageres Erdreich zurückbleibt, das an den Vorhöhen dem Rebbau, im eigentlichen Gebirge dem Walde günstig ist. Auf der Neigung des Granites zur Zerklüftung beruht das Vorhandensein wertvoller Thermen, so der von Baden-Baden.

[Sidenote: Boden und Bodenformen.]

Gegenüber den meist rundlichen Kuppenformen im Gneis- und Granitgebiet neigt der Porphyr, der zu verschiedenen Zeiten der Erdgeschichte da und dort im Schwarzwalde als Eruptivmasse zutage trat, zur Bildung von schroffen Felswänden und von steil aufragenden Kegelspitzen, die sich vielerorts im Landschaftsbilde ganz bestimmt hervorheben. Der Buntsandstein bildet eine im Norden bis zu 400 ~m~ mächtige Decke über dem Grundgebirge; die meisten seiner Schichten liefern bei der Verwitterung lockeren Schutt und Sand -- trefflichsten Waldboden --, in welchem die Trümmer festerer Horizonte als große Blöcke in sogenannten Felsmeeren regellos angehäuft liegen bleiben. Den Muschelkalk finden wir, abgesehen vom Ostrand des Gebirges, längs der Rheinebene in kleineren Schollen, und im Süden, am Dinkelberg zwischen Säckingen und Basel, in ansehnlicher Verbreitung. Seine Mergel geben fruchtbare Lehmböden, er ist der Spender von Gips und Steinsalz. Keuper, Jura und Tertiärbildungen treten, wie schon erwähnt, nur in geringer Verbreitung auf, diluviale Kiese, Sande und Tone füllen die Rheinebene und die meist weiten Mündungstrichter der westlichen Schwarzwaldtäler. Die höheren Gebirgsteile weisen in ziemlich weiter Ausdehnung typisch ausgebildete Grundmoräne und Endmoränen mit gekritzten Geschieben und erratischen Blöcken, Moränenseen sowie fluvioglaziale Terrassen auf; wir werden diese interessanten Eiszeitspuren noch da und dort genauer kennen lernen. Der Löß endlich bedeckt teilweise in großer Mächtigkeit den Fuß des Gebirges, besonders am Rande der Rheinebene (Abb. 5); das Vorhandensein dieser durch das Wehen trockener Winde bedingten Bildung ist ein Beweis dafür, daß zwischen den Hauptperioden der Eiszeit und nach ihrem Ende in unseren Gegenden Steppenklima herrschte. Im Löß finden wir die Überreste der großen diluvialen Säuger, aber auch des Ren, und daneben die ältesten Menschenspuren der Rheinebene und ihrer Umrandung. Heute sind die Lößböden als wertvolle Rebgelände und Ackerböden von allerhöchster Bedeutung.

III. Klima und Bewässerung.

[Sidenote: Wind und Wärme.]

Die Ausdehnung des Schwarzwaldes ist zu gering, als daß der Unterschied der geographischen Breite zwischen den südlichen und nördlichen Gebirgsteilen einen Gegensatz der klimatischen Verhältnisse bedingen könnte. Ebenso vermag die schmale Ostwestausdehnung sich nicht in dem Sinne wirksam zu machen, daß etwa aus ihr heraus eine kontinentale Seite des Gebirges einer ozeanischen sich gegenüberstellen ließe. Und doch sind Ost- und Westseite klimatisch grundverschieden. Die Ursache hiervon liegt aber durchaus in der Lage der Gebirgserhebung zu den Hauptwindrichtungen. Diese wehen nördlich der Alpen entweder von Südwest und West oder von Nordost, und ihnen stellt sich in jedem Falle der Schwarzwald mit seiner vorherrschend meridionalen Richtung in den Weg, so daß dem Westgehänge überwiegend warme und wasserdampfreiche Luftströmungen zufließen, der Ostseite aber trockene, die besonders in den kälteren Jahreszeiten sich durch empfindlich niedere Temperaturen auszeichnen. Dem Westen bleiben diese rauhen Kontinentalwinde zu allermeist erspart, und entsprechend ist dem Osten der Zugang der milden Westwinde versperrt. Verschärft wird dieser Gegensatz noch ganz wesentlich durch den Umstand, daß, wie wir sahen, der Ostrand des Gebirges viel höher gelegen ist als der Westrand, welcher über der klimatisch meistbegünstigten Landschaft Deutschlands, der Oberrheinischen Tiefebene, ansteigt.

[Sidenote: Wärmeverhältnisse.]

Was die Wärmeverhältnisse betrifft, so ist unser Gebiet, das der ausgedehnten Übergangprovinz Europas vom ozeanischen zum Landklima angehört, rund um 4° ~C~ wärmer, als es der Durchschnittstemperatur seiner Breitenlage entspricht. Aus langjährigen Beobachtungen ergeben sich als Normaltemperaturen der einzelnen Höhenstufen des Schwarzwaldes:

Meereshöhe Mitteltemperatur ° ~C~ ~m~ Winter Frühling Sommer Herbst Jahr

200 1,5 10,4 19,4 10,4 10,5 400 0,9 9,2 18,2 9,5 9,5 600 0,3 8,0 17,0 8,6 8,5 800 -0,4 6,8 15,8 7,7 7,5 1000 -1,0 5,6 14,6 6,8 6,5 1200 -1,7 4,4 13,4 5,9 5,5

Diese Zusammenstellung zeigt vor allem die mit der Höhe zunehmende Bevorzugung des Herbstes vor dem Frühling, welch letzterer im eigentlichen Gebirge wegen der späten Schneeschmelze wesentlich kühler ist als der Herbst, der sich häufig mit schönen Sonnenscheintagen aufs angenehmste bis tief in den November hinein geltend macht.

Von diesen Normalwerten ergeben sich im einzelnen je nach den Lageverhältnissen bedeutende Abweichungen. So ist z. B. Villingen (708 ~m~) auf der Ostseite des Schwarzwaldes im Verhältnis zu seiner Höhenlage in den vier Jahreszeiten nach obiger Reihenfolge und im Jahr zu kalt um 1.8‒0.7‒0.5‒0.9‒1.0°, Freiburg am Westfuß (272 ~m~) zu warm um 0.9‒0.7‒1.0‒1.0‒0.9°. Nicht leicht könnte der Gegensatz zwischen dem östlichen und westlichen Schwarzwald deutlicher vor Augen geführt werden.

Im äußersten Falle steigt die Wärme in Karlsruhe, am Rande der Rheinebene, auf 37 ° ~C~, in Villingen auf 32°, in dem 1004 m hoch und nach allen Seiten frei gelegenen Höhenschwand auf 29°, während die entsprechenden niedersten Werte -27, -33, -23° ~C~ sind. Gegenüber der hohen Sommerwärme in der Rheinebene und der exzessiven Winterkälte auf der östlichen Hochebene erweist sich hiernach der eigentliche hohe Schwarzwald als eine Landschaft, in welcher die Wärmegegensätze nicht allzu schroff sind.

[Sidenote: Temperaturumkehr.]

Der Winter ist auf den Höhen mehr durch seine langdauernde Schneedecke (Abb. 6, 7 und 8) und die hierdurch bedingte Schwierigkeit des Verkehrs lästig als durch übermäßige Kälte. Die freien Höhen erfreuen sich viel häufiger, als man das in den Niederungen ahnt, der winterlichen Temperaturumkehr, bei welcher es in höheren Lagen wärmer ist als in niedrigeren, besonders in muldenartigen Eintiefungen von größerer räumlicher Ausdehnung, wo sich bei hohem Luftdruck und dauernder Windstille die kalten, schweren Luftmassen ungestört ansammeln und nur schwierig einen Abfluß verschaffen können.

An den sanften Böschungen der frei aufragenden Erhebungen strömt die kalte, schwere Luft fast unmerklich langsam ab und gelangt mit beinahe unveränderter Temperatur in die Tiefen. Zu ihrem Ersatz sinken die oberen Luftschichten rasch vertikal abwärts, wobei sie sich stark verdichten, erwärmen und gleichzeitig ihre relative Feuchtigkeit ganz wesentlich vermindern. Daher haben wir oben ansehnliche Luftwärme, die unter dem herrlichsten blauen Himmel tagsüber durch die Wirkung der Strahlungswärme am Boden noch bedeutend gesteigert wird; gleichzeitig erfreuen wir uns der entzückendsten Klarheit der Luft, die uns die wunderbarsten Fernsichten gestattet. Unten in den Niederungen dagegen herrscht gleichzeitig meist grimmige Kälte unter bleierner Nebeldecke, die bei den Bewohnern der Tallandschaften meist nicht ahnen läßt, daß weiter oben der Winter so gut wie wirkungslos ist. Dieses Hochdruckswetter mit Temperaturumkehr ist in unserer Gegend erst seit dem strengen Winter 1879/80 allgemeiner bekannt geworden. Wie in solchem Falle die Wetterlage sich gestaltet, mag ein Beispiel veranschaulichen. Die mittlere Tagestemperatur war 1898 am

16. Januar: in Höchenschwand +3,9°, in Karlsruhe -2,0° 17. „ „ „ +2,7°, „ „ -3,3° 18. „ „ „ +1,9°, „ „ -3,8° 19. „ „ „ +2,7°, „ „ -3,9° 20. „ „ „ +3,9°, „ „ -0,6°

Der Unterschied steigt also bis auf 6,6° an. Noch bezeichnender ist folgende Zusammenstellung aus dem Jahre 1888:

Monatsmittel des Dezember, 18. Dezember ° ~C~ Größte Niedrigste Normal 1888 Wärme, relative ° ~C~ Feuchtigkeit

Todtnauberg, 1022 ~m~ -1,4 +3,3 +11,1 25% Schopfheim, 385 ~m~ -0,9 -0,4 +1,9 74% Karlsruhe, 127 ~m~ +0,8 +0,2 -2,5 78%

In neuerer Zeit hat sich nicht zum wenigsten auch unter der Einwirkung der Wärmeumkehr ein lebhafter Winterhöhensport, besonders der des Schneeschuhlaufens, mächtig entwickelt, und die früher monatelang vereinsamten Berggasthäuser haben jetzt vom Dezember zum März vielfach mehr Besuch als vor zwei Jahrzehnten noch im Juli und August.

[Sidenote: Niederschläge.]

Die Niederschlagsmenge im Schwarzwald und seiner Umgebung nimmt wie überall mit dem Ansteigen nach oben bedeutend zu. Sinkt sie im Wind- und Regenschatten der Vogesen und des Hartgebirges in der Rheinebene, z. B. in der Gegend von Colmar und im Kaiserstuhlgebirge, auf rund 500 ~mm~ im Jahre herab, so wächst sie unter dem Einfluß der vorherrschenden Südwest- und Westwinde mit der Annäherung an das Gebirge auf 800 und 900 ~mm~ und nimmt in der Umgebung der höchsten Gipfel um so rascher zu, je steiler und unmittelbarer sich diese aus der Ebene erheben. So haben wir in der Höhenregion des südlichen Gebirgsteiles 1800 ~mm~ und mehr, in der Hornisgrindengegend über 1600 ~mm~ jährliche Niederschlagsmenge, im mittleren Schwarzwald aber nur etwas über 1400 ~mm~; an der Ostabdachung, im Gebiete stärkerer und häufigerer Ostwinde, sinkt die Regenmenge wieder rasch auf 700 ~mm~ und weniger herab. Von diesem Mittelwerte stellen sich gelegentlich starke Abweichungen ein. So hatte der Feldberg 1892: 2523, 1891 aber nur 1584 ~mm~. Etwa die Hälfte aller Tage des Jahres bringen Niederschlag. Die Hauptmenge desselben fällt in den wärmeren Jahreszeiten, während der Winter als relativ trocken bezeichnet werden kann. Im Zusammenhang mit dem im Winter ziemlich häufigen Hochdruckswetter erklärt sich hieraus auch, daß das schönste Zeichen klarer Luft, die Alpenfernsicht, im Sommer an 13, im Frühling an 22, im Herbst an 28, im Winter endlich an 41% aller Tage erwartet werden darf.

[Sidenote: Regen und Schnee.]

Umfaßt die Zeit vom ersten bis zum letzten Schneefall eines Winters am Rand der Rheinebene im Mittel 140 Tage, so steigt sie am Feldberg auf 246 Tage an (22. September bis 26. Mai), und die Schneedecke, welche da oben bis 2,6 ~m~ mächtig wird und an steilen Gehängen ganz prachtvolle Wächten bildet (Abb. 9), dauert natürlich mit Unterbrechungen im Herbst und Frühwinter rund 200 Tage; in karartigen Nischen des hohen Gebirges, die der Sonnenstrahlung unzugänglich sind, schmilzt der letzte Schnee manchmal erst Ende Juli.

[Sidenote: Die Bewässerung.]

Die so stark schwankende Niederschlagsmenge ist in Verbindung mit der geologisch bedingten Veränderlichkeit in der Durchlässigkeit des Bodens eine der bestimmendsten Ursachen für die Menge und räumliche Verteilung des fließenden Wassers. So erklärt es sich, daß die Flußdichte, d. h. die Länge der Wasserläufe, auf die Flächeneinheit bezogen, am Westabhange des Schwarzwaldes viermal so groß ist als am Ostabhang. Der abtragenden und zerstörenden Wirkung des fließenden wie des abspülenden Wassers ist also auf der dem Rhein zugekehrten Seite des Gebirges ein viel größerer Spielraum gewährt, woraus es sich wesentlich mit erklärt, daß diese Westseite reicher gegliedert und in ihrem Relief mannigfaltiger gestaltet ist als die Ostseite. Daß viele Wasserläufe der Westseite ihre Quellregion an den Ostabhang der Haupterhebungen vorgeschoben haben und ihre Täler im Oberlauf als Durchbruchstäler erscheinen lassen, ist mit auf diese Ursache zurückzuführen. Auf diese Weise wird der scheinbar unregelmäßige Verlauf der hauptsächlichsten Wasserscheiden, das Überspringen derselben von einem Kammstück auf ein anderes verständlich. Am interessantesten in dieser Hinsicht ist der Anteil des Schwarzwaldes an der europäischen Hauptwasserscheide zwischen Rhein und Donau oder Nordsee und Mittelmeer.

Während die Wutach vom Feldberg erst weit nach Osten fließt, um dann bei Achdorf nach Südwesten umzubiegen, und während auch die Nebenflüsse der Kinzig, nämlich Gutach und Schiltach, ihre Quellgebiete östlich von bedeutenden Hauptkämmen des mittleren Schwarzwaldes liegen haben, drängt sich zwischen diese Flußsysteme das der Donau stark nach Westen, so daß die vorgeschobensten Punkte, von denen das Wasser dem Schwarzen Meer zueilt, vom Rand der Rheinebene keine zwanzig Kilometer entfernt liegen. Eigentlichen Gebirgskämmen von ansehnlicher Höhe folgt diese Wasserscheide nur auf der ziemlich kurze Strecke vom Höchst bei Neustadt bis zur Sommerau über Triberg, vorher und nachher ist sie mancherorts kaum nachweisbar, so unmerklich zieht sie über einförmige Hochflächen von verschwindend kleiner Neigung.

IV. Pflanzengeographisches.

Als ursprüngliche Vegetationsform des Schwarzwaldes im großen und ganzen ist für die Zeit, in welcher der Mensch zuerst anfing, die natürlichen Verhältnisse des Gebietes zu beeinflussen, ebenso wie im übrigen nordalpinen Europa der Wald zu betrachten. Aber selbstverständlich ist heutzutage, nachdem zahlreiche Generationen von Bewohnern über unsere Landscholle hingegangen sind, die Dichte und Art der Bewaldung im einzelnen nicht nur von der Höhe, Bodenform und Bodenbeschaffenheit, vom Klima und der Bewässerung abhängig, sondern auch von der Dauer und Intensität der menschlichen Besiedlung. Wenn nun in Baden 37% und in Württemberg 31% der Landesfläche bewaldet erscheinen, so sind das schon recht hohe Werte. Unser Gebirge ist aber noch wesentlich besser daran.

Sind doch von dem Buntsandsteingebiet seines Nordens und Ostens 60 bis 65% der Fläche bewaldet, am Westabhang und im Zentrum 40 bis 45%, während in der Muschelkalkzone des Ostens die Waldfläche auf 35 bis 25% des Areals herabsinkt. Den Verwitterungsböden des Buntsandsteins mit der, wie oben angegeben, stärksten Waldbedeckung kommen die des Granites mit etwa 50%, des Gneises mit rund 45% noch ziemlich nahe; alle anderen Bodenarten bleiben hinter diesen Anteilwerten mehr oder weniger stark zurück.

[Sidenote: Der Wald.]

Im Osten mit seinen breiten und die Talauen meist nur wenig überragenden Höhenzügen sind im allgemeinen nur diese waldbedeckt, während sich am Wasser weite Feld- und Wiesenfluren ausdehnen. Im höheren Schwarzwald steigen die Waldungen vom Rande des Rheintales ab an den Vorhügelreihen, den Talwänden und Berglehnen, vielfach durch Auenland unterbrochen, zu den Wasserscheiden hinauf, deren höchste Kuppen im Süden von etwa 1350 ~m~ ab über die Baumgrenze aufragen, während flache Hochmoore gelegentlich noch die Krummholzkiefer (Legföhre) gedeihen lassen.

Im Gebiet dichterer Bevölkerung ist der Wald zu den obersten Hängen hinaufgedrängt; wo tief und eng gefurchte Täler vorherrschen, da deckt er alle felsfreien Stellen der Gehänge bis zum Bachufer und überläßt den Menschen die Hochebene zu Anbau und Siedlung. Steilheit, Bewässerung und Exposition der Böschungen bedingen im kleinen die mannigfachsten Verschiedenheiten in Lage und Ausdehnung der Gebirgswaldungen.

Zu 75% ist der Schwarzwald mit Nadelholz, zu 25% mit Laubholz bestockt, doch so, daß mehr als die Hälfte des Ganzen als Mischwald bezeichnet werden muß. Esche, Ahorn, Ulme, Pappel, Birke, Akazie treten kaum waldbildend auf, die zahme Kastanie bildet an den milden Vorhügeln des Westfußes ab und zu kleinere Komplexe und reift köstliche Früchte, die Erle bewaldet nasse Talböden, die Eiche kommt in der Vorhügelzone gelegentlich waldbildend vor, häufiger aber tritt sie, besonders im mittleren und nördlichen Gebirgsteile bis zu einer Höhe von 700 ~m~ als Schälwald und in den Reutefeldern auf, die in mehrjährigen Perioden durch Abbrennen vorübergehend dem Anbau von Getreide dienstbar gemacht werden. Der verbreitetste Laubholzbaum ist in reinen wie gemischten Beständen die Buche, die an vielen Orten bis zur Baumgrenze, ja gelegentlich sogar höher aufsteigt als das Nadelholz, freilich nur noch verkümmert und von den Südweststürmen windschief nach Nordosten gebogen.

Am Nadelwald (Abb. 10) beteiligen sich abgesehen von der Lärche und Weymutkiefer und außer der Legföhre der sumpfigen Hochmoore zu allermeist die Fichte oder Rottanne, dann die Edel- oder Weißtanne, endlich die Kiefer. Die Fichte steigt im ganzen Gebiet bis über 1200 ~m~ und zwergartig bis zur Baumgrenze auf, die Weißtanne ist besonders in den westlichen Gebirgsteilen, die Kiefer auf dem Buntsandstein häufig.

[Sidenote: Bedeutung des Waldes.]

Indem der Wald an den Gehängen überall den Boden befestigt und so die Entblößung des nackten Felsgesteines verhindert, indem er die Schneeschmelze reguliert, die Quellbildung und den Wasserablauf möglichst gleichmäßig auf alle Zeiten des Jahres verteilt und so die Hochwassergefahr vermindert, ist er, ganz abgesehen von dem Bargewinn einer rationellen Holzwirtschaft, die in Baden jährlich mehr als zwanzig Millionen Mark ergibt, von unberechenbarster Bedeutung. Die ausgedehntesten Waldungen besitzen der Staat, einzelne Städte, wie Freiburg, Baden und Villingen, ferner zahlreiche kleinere Gemeinden, viele Stiftungen und Großgrundbesitzer, wie z. B. der Fürst von Fürstenberg, sowie endlich die schon seit dem achtzehnten Jahrhundert bestehende Murgschifferschaftsgesellschaft (s. unten). Die Waldkultur und Holzverarbeitung jeglicher Art beschäftigt viele Kräfte. Sägemühlen gehören im Schwarzwalde zu den meist charakteristischen Erscheinungen. Die einst viel geübte Flößerei hat beinahe ganz aufgehört, seit das dichte Straßennetz und die Eisenbahnen die ihr einst gestellte Aufgabe erfüllen.

Was der Wald im Landschaftsbild bedeutet, was er Tausenden von Erholungsbedürftigen und Frieden Suchenden an Erquickung, Trost und Erhebung spendet, das empfinden wir alle dankerfüllt. Was er gerade ob dieses zunächst freilich nur psychologisch zu messenden Wertes für die moderne Welt geworden ist, das spielt allerdings auch in unserem neuzeitlichen Wirtschaftsleben mit seiner hochentwickelten Fremdenindustrie eine hochwichtigte Rolle.

[Sidenote: Viehzucht und Ackerbau.]