Part 3
1357 schrieben sich +Kunz+ und +Heinrich von Kauffungen+ auch Herren zu +Waldenburg+ und mögen diese Herrschaften wohl unterpfändlich besessen haben. -- +Dietrich von Kauffungen+ auf +Brane+ (Mittelfrohna?) war 1357 einer der vornehmsten Zeugen bei dem vom Chemnitzer Kloster geschlossenen Kauf der Herrschaft Rabenstein; auch erscheint 1411 +Jost von Kauffungen+ als Schiedsrichter zwischen dem Kloster +Remsa+ und den Dynasten von Schönburg. In +Remsa+ ruhen auch noch mehrere Kauffungen z. E. obiger +Tunzold+, der es mit 400 Fl. dotirte, wofür es 9 Scheffel Zins vom Glauchauer Stadtrath erkaufte. 1444 stiftete, +Erich+, +Dietrich+ und +Hanns v. Kauffungen+ eine +Vicarie+ beim Remser Magdalene-Altar, welche der Abt +von Bürgel+ zu conferiren bekam, die aber 1469 vom Naumburger Bischof zur +Georgenkirche+ im Dorfe +Remse+ geschlagen wurde. 1493 verkaufte +Jobst von Kauffungen+ einige Güter an die +Anna von Schönburg+. Das Geschlecht besaß auch +Kirschbaum+ (ohne Zweifel im bair. Voigtl.) und starb nicht schon mit dem Prinzenräuber in Sachsen aus, sondern erst 1585 mit +Haubold von Kauffungen+ zu +Chemnitz+. Des Prinzenräubers Verwandte galten alle für Ritter von ächtem Schrot und Korne. +Kunzens+ Gemahlin war eine geborne +Anna von Einsiedel+, Schwester +Hildebrands von Einsiedel+, der Hofmarschall des Kurfürsten +Friedrich d. Sanftmüthigen+ war. Sein Bruder +Dietrich von Kauffungen+, war ein angesehener Ritter im Osterlande, seiner Mutter Bruder war +Caspar von Schönberg+, Bischof von Meißen. +Kunzens+ Schwester heirathete einen aus dem Geschlechte derer +von Schleinitz+, dessen Sohn hieß +Hugold+ oder +Haubold von Schleinitz+,[71] und die Herrn +von Schönberg+ auf +Sachsenburg Frankenberg+ waren seine nächsten Vettern.
Uebrigens, daß der Prinzenräuber das Rittergut +Kauffungen+ wirklich besessen, zeigt sein Schein über den Interimsbesitz vor +Schweikartshain+. Außerdem besaß er +Kahlenberg+, +Kohren+, +Eisenberg+ oder Isenburg in Böhmen, und nach einigen Geschichtsforschern die kleine Burg +Streitwald+ bei Kohren.
Kurz vor dem Prinzenraube war er bei +Friedrich+ V. +von Schönburg+ zu Gaste; denn unter den Zeugen von dessen Contracte mit +Elisabeth+, Herrin +von Gitschin+ kommt auch +Kunz von Kauffungen+ auf +~Eysemberczie~+ vor.[72]
+Kunzens+ Söhne waren kurz vor dem Prinzenraube nach Böhmen gebracht worden, wo sie später in den Besitz des vom Vater erkauften Schlosses +Isenburg+ kamen.[73]
+Kunzens+ Vetter, +Hans von Kauffungen+ und dessen Söhne: +Haubold+ und +Jost+, wendeten sich kurze Zeit nach dem Prinzenraube ebenfalls aus den sächsischen Landen, und es bekannte +Hans von Kauffungen+, daß er seine Besitzungen, +Wolkenburg+ und andere sich von dem Kurfürsten »geurlaubt« zugleich auch versprochen habe, für sich und seine Söhne nie wider den Kurfürsten zu handeln; eben so sagte er sich von aller Geldschuld los, die er etwa noch an den Kurfürsten zu fordern haben könnte. Dieß Versprechen bekräftigten Vater und Söhne +Kauffungen+ durch einen Eid, und stellten darüber eine Urkunde den 7. Novbr. 1455 zu +Grimma+ aus, im Beisein mehrerer hohen Beamten z. +B. Hildebrands von Einsiedel+ und anderer Räthe. Ob ein Zusammenhang hinsichtlich der in der Urkunde berührten Thaten +Kunzens+ auch mit diesem +Kauffung+ stattgefunden, ist zweifelhaft und eher zu verneinen; daß der Kurfürst auch hierbei den Namen des +Sanftmüthigen+ gerechtfertigt, und ob die Urkunde, und was sie bezeugt, so ganz das Ergebniß des freien Willens der Aussteller war, darüber ist ein Bedenken nicht zu entfernen.[74]
In +Schlesien+ hat die Familie +von Kauffungen+, wie ein Denkmal an der Außenseite der Hauptkirche zu +Goldberg+[75] ausweist, noch im 17. Jahrhundert geblüht; doch dürfte dieß ein anderes Geschlecht sein, als das sächsische, da auch bei +Hirschberg+[76] ein (2 Stunden langes) Dorf +Kauffungen+[77] (mit 9 Rittergütern) liegt, so wie ein Flecken +Kaufungen+ in Kurhessen[78], woher einige Geschichtsforscher das sächsische Geschlecht leiten wollen.
c.) des Köhlers Georg Schmidt Familie nach dem Prinzenraube.
Die Nachkommenschaft des Köhlers +Georg Schmidt+ führte, was schon im Laufe der Geschichte des Prinzenraubes auseinander gesetzt worden ist, den Namen +Triller+. Mancher von dieser Familie gelangte zu großen Ehren, vorzüglich +Caspar Triller+, welcher eine mühsame Genealogie des Trillerischen Geschlechts schriftlich hinterließ, die er 1539 angefangen und bis 1612 fortgeführt hatte. Diese Schrift führt +Triller in seinem sächsischen Prinzenraube+ an, indem er sie selbst aus den hinterlassenen Schriften +Caspar Trillers+ hat. Er sagt: daß er in +Sangerhausen+, wo er in der St. Ullrichskirche begraben liegt, ansehnliche Vermächtnisse gestiftet habe, unter andern hätte er den +Trillerschen+ Tisch im Convict auf der Universität zu +Leipzig+ gestiftet, auch wäre er mit seinem Bruder +Michael+ am 28. Jan. 1592 vom Kaiser +Rudolph+ in den +Adelstand+, mit Schild und Helm versehen, erhoben worden.
Das +von Trillersche+ Wappen ist noch bekannt und ist mit folgenden Insignien geschmückt:
Ueber dem Helm zeigt sich der halbe Leib eines Köhlers, welcher mit beiden Händen einen Schürbaum[79] hält, als wolle er mit selbigem zuschlagen. Im Wappenschilde selbst sieht man im linken Felde einen gelben Löwen, der in seinen Branken einen Zschörper, oder großes Kohlenmesser hält. Im rechten Felde aber erscheint ein goldfarbner Löwe, welcher einen doppelt gekrümmten Schürhaken[80] in seinen Branken hat und in einem untern Felde ist ein schwarzer Bär, der auf den Traum deutet, welchen die Kurfürstin vor dem Prinzenraube hatte.[81]
Die Familie ist jetzt sehr ausgebreitet, sie schreiben sich sowohl +von Triller+, als auch blos +Triller+. -- +Schreiter+ a. a. O. erwähnt einen +Johann Samuel Triller+, Tuchmachermeister und Bürger in +Saalfeld+, welcher im Jahre 1803, als ältestes Mitglied der Familie, männlicher Linie, das +Gnadenkorn+ aus dem Rentamte +Zwickau+ zu erheben hatte. Dieses Gnadenkorn bezieht gegenwärtig, wie schon oben einmal gedacht worden ist, der Herr Pastor +Triller+ zu Nägelstädt bei Langensalza in Thüringen.
II. Das Denkmal am Fürstenberge.
(Dazu Abbildung ~No.~ 2.)
Jahrhunderte sind vergangen und nicht ein Stein, geschweige denn ein Monument zeigte oder zierte die Stelle, wo der Stammvater unsers allgeliebten Regentenhauses aus den Händen eines habsüchtigen Ritters befreit wurde. Nur durch Tradition wußte man, daß an diesem Orte, wo jetzt das Denkmal steht, Herzog +Albrecht+ seine Rettung einem schlichten Köhler zu verdanken hatte, doch noch sehr ungewiß, ob bei +Wiesenthal+[82] oder +Grünhain+ oder anderswo die Stelle wäre. Als ein Geschichtsforscher, Namens +Schreiter+, Pfarrer zu Elterlein, in seinem mit dem aufopfernsten Fleiße und sorgfältiger Mühe gearbeiteten Werke: »die Geschichte des Prinzenraubes kritisch bearbeitet. Leipzig, 1804« uns jeden Zweifel benahm.
Die geschichtlichen Nachforschungen +Schreiters+; indem die Herrschaft +Crottendorf+ mit +Wiesenthal+ allererst im Jahre 1559 von dem Kurfürsten +August+ zu Sachsen erkauft wurde,[83] also zur Zeit des Prinzenraubes gar nicht dem Kloster in +Grünhain+ gehörte, dessen Abt doch der nächste Beschützer des Prinzen +Albrecht+ nach dem Köhler war und vorzüglich auch die hier bloß vorhandene +nie+ versiegende Quelle[84] gaben Aufschluß über Alles und letzterer gebührte daher die Ehre, daß ein Monument sie bedeckte, zierte und durch eine Einfassung dem müden Wanderer zu seinen stillen Betrachtungen ein Ruhepunct wurde.
Das goldne Zeitalter der Monumente war gekommen, der verheerende Krieg war vorübergegangen und das Jahr 1822 wurde das Jahr, was nächst dem Jahre 1455 in der Geschichte des Prinzenraubes dem Andenken nie entzogen werden wird.
Das Jahr 1822 war nämlich das Gründungsjahr des Monumentes am Fürstenbrunn.
Wir folgen nun ganz in Ermangelung anderer vielleicht ausführlicheren Quellen, der glaubhaften Beschreibung der Gründung und Einweihung des Monuments, wie es ~Dr.~ +Hering+ in seinem Werke: »Geschichte des sächsischen Hochlands«, Leipzig, 1828. im 2. Theil ~pag.~ 167 u. ff. mittheilt:
»Am 8. Juli fand auf dem +Fürstenberge+ zwischen +Grünhain+ und +Raschau+ eine merkwürdige Feier der hier am 8. Juli 1455 erfolgten Rettung des von +Kunz von Kauffungen+ entführten Prinzen +Albrecht+ statt. Es hatte nämlich bis dahin kein Denkmal den Ort ausgezeichnet, wo dies so wichtige Ereigniß statt fand. Im Jahre 1818 hatte der Herr Finanzprocurator +Lindner+ zu Schwarzenberg schon mehrere Freunde der vaterländischen Geschichte für den Plan gewonnen, durch freiwillige Beiträge den hier befindlichen +Fürstenbrunnen+ in einen steinernen Bassin einzufassen und sein Wasser für jeden Durstigen genießbar zu machen, daneben ein steinernes Denkmal aufzurichten und es am Regierungsjubelfeste des Königs feierlich zu weihen. Er trug diesen Plan dem Herrn Kreishauptmann +Freiherrn von Fischer+[85] vor, welcher ihm die vollste Beistimmung ertheilte; nur war für die Ausführung bis zum Jubelfeste die Zeit zu kurz. Im Jahre 1822 aber kam durch die mächtige Unterstützung des Herrn Kreishauptmanns +Frhr. von Fischer+ und die +lebhafteste+ Mitwirkung des Herrn Justizbeamten +Philippi+ der schöne Plan zur Reife. Es wurden im Kreisamte +Schwarzenberg+ und Amte +Grünhain+ über 200 Thlr. unterzeichnet. Den ansehnlichsten Geldbetrag gab der Herr Kreishauptmann selbst, und der Herr Bergcommissionsrath +Nitzsche+[86], Hammerherr zu Erla, ließ die, das errichtende Denkmal zierende, eiserne Tafel mit der gelungenen Inschrift[87] unentgeldlich auf seinem Werke gießen und vergolden, und leistete auch alle Steinfuhren. Die Verfertigung einer am Fürstenbrunnen zu errichtenden +Pyramide+ wurde dem Baumeister +Lohß+ in Schlettau übertragen und diese mit Einschluß des Fußgestelles 13 Ellen hohe Pyramide[88] am +7. Juli+ glücklich aufgerichtet.
An der Feierlichkeit der Weihe nahm die weite Umgegend den freudigsten Antheil. Die +Schwarzenberger Bürgergarde+ marschirte schon Vormittags 10 Uhr auf den Platz, wo sie die Wachen versah und die Piquets ausstellte, um die Ankunft der hohen Beamten bei Zeiten zu erfahren. Mehr als 10,000 Menschen drängten sich um die Pyramide herum, erkletterten die Bäume, erstiegen die Dächer der erbauten Buden und erduldeten bei drückender Hitze unerschüttert Hunger und Durst. Nun marschirten die Schützencompagnien von +Crottendorf+ vor dem Plateau des Brunnens auf; diesen folgten 230 Bergleute mit ihren Fahnen und Hautboisten und bildeten einen Halbkreis um die Pyramide. Um 1 Uhr donnerten Kanonen durchs +Oswaldsthal+, um die Ankunft hoher und niedrer Beamten aus verschiedenen Orten zu verkündigen. Die +Offiziers+ von +Zwickau+ und +Schneeberg+ waren mit 36 Hautboisten schon zuvor angelangt, und wie am 8. Juli des Jahres 1455 in der Umgegend die Sturmglocken ertönten, um alles zur Rettung des geraubten +Prinzen+ aufzufordern, so ertönten jetzt die Glocken auf den benachbarten Kirchen und riefen zu Dank und Freude über die glückliche Rettung des Geraubten und Erhaltung des hohen Fürstenhauses alle Herzen auf.
Die Feier begann mit dem Gesange eines Weiheliedes, welches der Herr Rektor +Lange+[89] zu Schwarzenberg dazu gedichtet hatte:
Seid uns gegrüßt der grauen Vorzeit Tage! Euch suchet unser Blick! Gesang ertöne! -- Zu der Vorwelt trage Begeisternd uns zurück!
Hier ist es, wo dem Vaterschloß entrissen Auf +Kunzens+ Räuberflucht Der Fürstensohn, gequält von Hungerbissen, Des Waldes Beere sucht;
Prinz +Albert+ hier umringt von Todesschrecken Dem wackern Schmidt sich naht, Und leise Worte schüchtern ihm entdecken Die grause Frevelthat.
Hier ists, wo dem Geraubten ach! so bange Der Stahl des Mordes blitzt, Und ihn mit hochgeschwungner, rußger Stange Des Köhlers Arm beschützt.
Die Glockenstürme -- und das Köhlerzeichen Ruft Hilfe laut umher, Und es erliegen unter +Trillers+ Streichen Die Räuber bandenschwer.
Gerettet ist der Fürstensohn -- die Quelle Erlabt den Durstgen hier, Sie quillt uns heut' noch unversiegt und helle, -- Sie segnen heute wir!
Ein Denkmal soll die große That erneuen Den Söhnen künftger Zeit, Und Alberts Enkel, dem +Gerechten+[90], weihen Es wir aus Dankbarkeit.
Der Herr Superintendent ~Dr.~ +Lommatzsch+[91] trat jetzt auf die mit Blumen bestreuten Stufen des Brunnens und sprach Worte der Weihe.[92] Ihm zur Rechten war die mit einem Eichenlaubkranze gezierte Büste des Königs +Friedrich August+ aufgestellt und über ihr hingen Blumengewinde von der Pyramide herab. Nach Beendigung der Rede folgte wieder ein Gesang, gedichtet vom Herrn Postmeister und Gerichtsdirector +Reiche+ zu Annaberg.[93]
+Einer.+
Ein ~Gaudeamus~ soll uns heut' vereinen In Gottes heiliger Natur; Denn hier in dieses Waldes düstern Hainen Fand +Albert+ einst der Gottheit Spur.
+Chor.+
Als Denkmal von Sachsens Vergangenheit Sei dieser Stein -- dem Leben geweiht!
+Einer.+
Der treue Sachse blickt noch mit Entzücken Zurück in jene graue Zeit, Wo +Trillers+ Arm von Seines Räubers Tücken Den hohen Sprösling hat befreit.
+Chor.+
Als Denkmal der Rührung und Dankbarkeit Sei unser Herz, o +Fürst+! +Dir+ geweiht.
+Einer.+ Wie heißt Dein Zweig in Seinen Silberhaaren, Der Sachsen Vater und ihr Glück? Ists nicht +August+, den +Seines Hauses+ Laren Beschirmten einst ein Mißgeschick?
+Chor.+
Wie heißt der König, der Glückliche schafft, Redlichkeit übet mit Jugendkraft?
+Einer.+
Nennt Ihn ja Vater unsers Vaterlandes, Der Seinen Gott im Busen trägt! Der, eingedenk des hohen Völker-Bandes, Das Recht auf ächter Wage wägt!
+Chor.+
Ja Treu' und Ehrfurcht dem +einzigen Mann+, Der allen Sachsen Treue gewann!
In dem Augenblicke, wo der Chor diese letzten Worte sang, trat der Herr Kreishauptmann an die Stufen des Brunnens und sprach diese Worte noch einmal feierlich allein, und wie er geendet, sprach mit entblößtem Haupte die große Versammlung, unter dem Donner der Kanonen diese Worte nach. Es folgte ein tiefes ehrfurchtsvolles Schweigen, welches dann in den tausendstimmigen, von den Musikchören kräftig begleiteten Gesang überging:
Den König segne Gott! etc.
III. Das Köhlerhaus am Fürstenberge.
Schon im Jahre 1822 bei Errichtung des Monuments am Fürstenbrunn wurde von vielen Geschichts- und Vaterlandsfreunden der Wunsch ausgesprochen, daß unweit des Denkmals eine bewohnbare Köhlerhütte erbaut werden möge, dessen Bewohner, einer armen Köhler- oder sonst rechtschaffnen Familie, die Aufsicht über das Monument und der nahe gelegenen Waldpflanzungen obliegen sollte, denn schon damals sah man es voraus, daß ein so unbewachtes Denkmal vielen Verunstaltungen ausgesetzt sein würde.
Allein ohngeachtet der mancherlei Gaben, die damals zur Errichtung des Denkmals von Vaterlandsfreunden gespendet wurden, reichten sie doch nicht hin, um die Erbauung einer Köhlerhütte möglich zu machen. So vergingen denn volle 16 Jahre, ohne daß jemand sich der Sache unterzog, um durch abermalige milde Beiträge es möglich zu machen; als im Anfange des Jahres 1838 der Herr Finanzprocurator +Lindner+ zu Schwarzenberg, der sich schon bei Errichtung des Denkmals der Sammlungen milder Beiträge unterzogen und sehr thätig sich gezeigt hatte, eine unterthänige Bitte an ein hohes königl. +Finanzministerium+, zu Gewährung des nöthigen Platzes und Holzes der Köhlerhütte wagte. Diese hohe Behörde, patriotischen Unternehmungen nicht hinderlich, genehmigte es auch, und so wurde von dem Herrn Finanzprocurator +Lindner+ und dem Herrn Rentamtmann +von Schleinitz+ zu Grünhain[94] eine Sammlung milder Beiträge von Nah und Fern unternommen.
Trotz der größten Bemühungen der beiden vorgenannten Herren ging die Einsammlung sehr spärlich von statten, so daß an der völligen Erbauung einer Köhlerhütte so leicht nicht gedacht werden konnte, als unser allverehrtes Fürstenhaus, welches +nie+ seine milde Hand sinken läßt, zu dem Unternehmen wahrhaft königl. beisteuerte[95], wodurch erst das begonnene Werk lebhaft von Statten gehen konnte, und schon sollte nun die Hütte gehoben werden, als den hiesigen Gebirgsbewohnern, so wie allen treuen Sachsen die große Freude zu Theil wurde, ihren allgeliebten König[96], nebst dessen hochverehrter Frau Gemahlin der Königin[97] in ihrer Mitte sehen zu dürfen.
Nachdem beide Majestäten den 10. Septbr. 1838 in Annaberg übernachtet hatten, kam Se. Majestät der König am 11. Septbr. über +Schlettau+, +Scheibenberg+, +Elterlein+, +Zwönitz+ nach +Grünhain+ mit Gefolge geritten, geruhte daselbst den dasigen Klostergarten in Augenschein zu nehmen, wo noch das Gefängniß, +Fuchsthurm+ genannt, zu sehen ist, in welchem +Kunz v. Kauffungen+ vom Abt +Liborius+ festgehalten wurde, und ritt sodann nach +Gottesgeschick+[98], um daselbst höchstdero Frau Gemahlin, welche von +Scheibenberg+ kommend, hier das daselbst befindliche Bergwerk in Augenschein zu nehmen, geruht hatte, abzuholen, um gemeinschaftlich von da auf den Fürstenbrunnen zu fahren.
Hier hatte sich schon unter Leitung des Herrn Pastor ~M.~ +Richter+ und der beiden Lehrer der Bürgerschule zu +Grünhain+, Herr Rektor +Hecker+ und Herr Cantor +Günther+ die Grünhainer Schuljugend versammelt, als auch der dasige Frauenverein, unter Leitung der damaligen Vorsteherin desselben, der Frau Rentamtmann +von Schleinitz+ so wie viele tausend Menschen, um das edele Regentenpaar zu empfangen. Sobald die hohen Herrschaften, geleitet von dem Amtshauptmann des Bezirks, den Domherrn +Freiherrn von Biedermann+ auf +Niederforchheim+, angekommen waren und geruht hatten aus dem Wagen zu steigen, gingen 12 Grünhainer Mädchen weiß gekleidet dem hohen Herrscherpaare voran, indem sie demselben Blumen auf den Weg streuten und zugleich brachten die Bergleute von den Werken +Gottesgeschick+ und +Graul+[99], welche eine ~Haie~ bis in die Nähe des Brunnens bildeten, ein freudiges: »Glück auf!« aus. Hierauf nahte sich Einer[100] von den +sieben Köhlern+, die sich dort versammelt hatten, um dem hohen Regentenpaare folgendes Gedicht[101] vorzutragen:
Muß ich, mein König, mich nicht heute freuen, Daß dieser Tag mir aufgegangen ist? Ich, Einer von den Tausenden Getreuen, Der Dich als Wächter ehrerbietig grüßt. -- Sah' an der Quelle Jahre geh'n und kommen; Doch meinen König hieß ich nicht willkommen.
Laß es gescheh'n, daß ich Dir hier verkünde, Was vor Jahrhunderten mein Auge sah' -- Wenn ich vor Dir das rechte Wort nicht finde, So ist wohl Deine Gnad' und Huld mir nah -- Drum hell Dich auf, Du Dunkel grauer Zeiten, Zu Dir will mich Erinn'rung jetzt geleiten.
Hier an der Quell mußt ich mit seinen Händen Prinz Albert durstig Labung suchen seh'n, Es mußte mich, ich glaub's, in seine Nähe senden Der fernen Mutter still vernommnes Flehn. O, rette mich! -- sprach er -- und voll Vertrauen Sah ich den Prinzen mir ins Auge schauen.
Den Schürbaum hier, das war nur meine Waffe, Vor welcher Kunz, der Räuber, furchtsam floh. Bleib weilend hier mein Prinz, daß ich Dir Hilfe schaffe! Sprach ich -- bald war er seiner Rettung froh; Denn sieh'! geschlagen schon in festen Banden Die Meinen bald den Prinzenräuber fanden.
Seit dieser Zeit bewach' ich diese Quelle, Die Deinen Ahnherrn Rettungshafen ward, Des Waldes Saum ist meines Hauses Schwelle, Das Moos, das Lager, welches meiner harrt, Und drüber hat mein Gott ein Dach gebauet, In das mit Lust mein Aug' am Abend schauet.
Doch sieh! dort soll dem Greis ein Obdach werden Und heiter schaut sein Giebel heut mich an, Noch wärmen soll ich mich am Heerd auf Erden, Nachdem die Blöcke längst verlangend sahn; Dein Volk baut mir -- mein König -- diese Hütte, Laß' es gescheh'n! -- gewähr mir diese Bitte.
Ein guter König mußt Du sein auf Erden, Denn es bewachet solch' Erinnerung, Ja, glücklich soll'n wir durch Dich nur werden Und uns're Freude bleibe immer jung. Drum, guter König, langes, langes Leben Mag dieser Trunk, den ich Dir biete, geben.
Ließ jüngst, mein König, mir so reichen Hausrath senden, Mag Gott dafür Dir reichen Seegen spenden.
Nachdem beide Majestäten geruht hatten, dieses Gedicht anzuhören, überreichten drei kleine Mädchen, ebenfalls grün und weiß gekleidet, zweie[102] Sr. Majestät dem König, einen Teller mit Waldbeeren, die dritte[103] Ihro Majestät der Königin, einen Becher mit Wasser, mit den Worten:
»Dir gute Königin, mög' langes, langes Leben Der frische Trunk, den ich Dir biete geben!«
Sodann vereinigten sich die Mitglieder des obenerwähnten Frauenvereins, um durch die dermalige Vorsteherin die Frau Rentamtmann +von Schleinitz+ Ihro Majestät der Königin vorgestellt zu werden, indem ein Mädchen aus der vom Frauenverein zu +Grünhain+ errichteten Nähschule, Ihro Majestät ein Gedicht auf einem mit Blumen bekränzten Körbchen zu überreichen die Ehre hatte. Ihro Majestät geruhten huldvollst und herablassend mit mehreren Mitgliedern des Frauenvereins zu sprechen. Nachdem beide Majestäten das mit Blumen bekränzte Monument betrachtet und auf das wohlwollendste über die Ausführung der Sache als die Feier dieses Tages sich ausgesprochen hatten, geruhten sie in der zu dieser Feierlichkeit erbauten mit Blumen umwundenen Bude, ein von dem Stadtrathe von Grünhain veranstaltetes frugales Frühstück einzunehmen, bei welchem die Beamten von Nah und Fern die Ehre hatten hinzugezogen zu werden.
Unter lautem Vivatruf setzte sodann das allgeliebte Regentenpaar die weitere Reise über +Schwarzenberg+ nach +Schneeberg+ fort.
Durch mehrere milde Beiträge[104], kam es bald hierauf soweit, daß die Hütte gehoben werden konnte. Die Feierlichkeit dabei war in den Leipziger Zeitungen No. 236. Dienstags den 2. Octbr. 1838 ~pag.~ 3452 auf folgende Weise beschrieben:
»+Vom Fürstenbrunn+, im königl. sächs. Erzgebirge, d. 27. Septbr. (Privatmittheilung.)