Part 2
+Kunz von Kauffungen+ mit seinem Genossen führten sie aber zu ihrer Obrigkeit, in das ¾ Stunden davon entfernte +Cistercienser-Kloster Grünhain+, zum damaligen Abt +Liborius+,[36] noch an dem nämlichen Dienstage. Kunz, im Kloster angekommen, wurde in dem Gefängnisse daselbst festgehalten, was jetzt noch steht, und den Namen +Fuchsthurm+ führt. Es befindet sich mitten im Klostergarten, wird aber bald, weil es nicht im baulichen Stande erhalten wird, einer Ruine ähnlich sehen. Hier blieb Kunz nur einige Stunden,[37] indem er vom Abte +Liborius+ unter hinreichender Bedeckung, nach +Zwickau+ zum damaligen Amtshauptmann oder Voigt +Veit von Schönburg+, abgeliefert wurde.[38] Dieser +Veit von Schönburg+ erstattete wahrscheinlich schon am folgenden Tage, den 9. Juli, Bericht an den Kurfürsten, um sich Verhaltungsbefehle zu erbitten. Der Kurfürst ließ Kunzen nicht nach Altenburg bringen, sondern nach +Freiberg+, welches wahrscheinlich den 12. Juli geschah, wo er dem dortigen Rathe zu sicherer Verwahrung übergeben wurde. -- Prinz +Albrecht+ wurde aber in Begleitung des Köhlers +Schmidt+, nachdem er beim Abt +Liborius+ in der sogenannten +Schösserwohnung+[39] im Kloster zu +Grünhain+ übernachtet hatte, mit einer sicheren Bedeckung nach +Altenburg+ gebracht. Der Einzug ähnelte einem Triumphzuge in Altenburg. Eine große Anzahl Bewohner Altenburgs kam dem Zuge entgegen und begegneten dem Hauptanführer des Zugs, den Köhler +Georg Schmidt+, mit wahrer Achtung, so daß sie sich nicht scheuten zum Zeugen der Dankbarkeit seine schwarzen Hände zu küssen.
Um nun auch das Schicksal des Prinzen +Ernst+ von seiner Entführung an zu wissen, müssen wir wieder aufs Schloß +Altenburg+ zurück gehen, wo +Kunz von Kauffungen+ den Prinzen Ernst seinen treusten Genossen +Wilhelm von Mosen+ und +Wilhelm von Schönfels+ übergab, um mit ihm immer die Flucht zu ergreifen, indem er selbst für den jungen Graf Barby, den jüngern Prinzen +Albrecht+ holte. Nach einer Verabredung mit +Mosen von Schönfels+ hatte es Kunz so bestimmt, daß sie mit +einem+ von den beiden Prinzen einen andern Weg einschlagen sollten und zwar gegen Franken zu nach Böhmen, wo sie ihn dann auf sein Schloß +Isenburg+ bringen sollten; damit, wenn im Fall die eine oder die andere Partei gefangen genommen werden sollte, die andere Partei ihren Raub nicht eher hergeben sollte, als bis Kunzens Forderungen erfüllt oder die Strafe für die Entführung der Prinzen erlassen wäre. Beides wurde durch einen gegenseitigen Schwur bekräftiget.
Allein beide Ritter kamen mit ihrem Gefolge nicht weiter, als bis in die Gegend von Hartenstein, indem in allen Dörfern die Sturmglocke ertönte und die Unterthanen ebenfalls ihre Untersuchungen nicht allein auf den Fahrstraßen anstellten, sondern auch die Wälder durchsuchten. Vierzehn gesattelte Pferde und sechs Reiter waren ihnen schon abgenommen worden und die Gefahr sogleich ergriffen zu werden, zwang sie daher eine Höhle, die am rechten Ufer der Mulde liegt, nicht weit vom Schlosse +Stein+ der Burg +Eisenburg+[40] gegenüber zum Zufluchtsort zu nehmen[41]. Allein da sie durchaus keine Lebensmittel hatten, die dem jungen, zarten Fürstensohn behagen konnten, sie glauben mußten, daß er sterben könnte und ihr Aufenthaltsort immer unsicherer wurde, indem einer von ihren Knechten von einem Holzmacher gehört hatte: »+den einen Schelm+ (Kunz von Kauffungen) +haben sie erwischt und nach Grünhain gebracht, den andern Dieb werden sie schon noch bekommen und beide andere ihren verdienten Lohn erhalten+,« so fertigten sie den 11. Juli einen Boten an den Bruder des Amtshauptmanns Veit von Schönburg in Zwickau, an +Friedrich von Schönburg+ ab, welcher das Schloß Hartenstein besaß und dort residirte. Dem Boten gaben sie einen Brief mit, der folgenden Inhalt hatte:[42]
»+Es reue sie, daß sie Kunz von Kauffungen zu Willen gewesen wären, ihrem lieben Kurfürsten und seinen Söhnen zu thun. Weil aber Herzog Friedrich ein sanftmüthiger Kurfürst sei, so hofften sie Gnade und thäten in diesem Vertrauen, dem Herrn von Schönburg zu wissen, daß sie den jungen Fürsten Ernst lebendig und gesund im sichren Gewahrsam hätten. Wolle er ihnen nur bei dem Kurfürsten Gnade und Befreiung von aller Strafe an Leben, Ehre, Gut auswirken und ihnen schriftlich dafür haften, so wollten sie den jungen Fürstensohn unverletzt wieder bringen. Käme man aber, sie zu fangen, so würden sie den Korfürstlichen Sun erstechen, sich bis aufs Aeußerste wehren; sich endlich selbst tödten und gewiß nicht ohne großes Blutvergießen in die Hände ihrer Feinde fallen. Die Antwort möchte ihnen der Amtshauptmann+ (Friedrich v. Schönburgs Bruder) +schriftlich geben+.« --
+Friedrich von Schönburg+[43] erkannte sogleich, nach Durchlesung dieses Briefes, die Gefahr in welcher der Prinz schwebte, und versprach ohne erst Genehmigung von seinem Bruder zu erholen schriftlich und bei seiner Ehre Verzeihung, wenn sie den Prinzen lebendig und unversehrt ausliefern würden. Hierauf eilte noch an demselben Tage v. +Mosen+ und +v. Schönfels+ mit dem Prinzen +Ernst+ auf das Schloß +Hartenstein+, wo der Herr +von Schönburg+ den Prinzen in Empfang nahm und die Ritter, seinem Versprechen gemäß, wieder frei erließ. +Prinz Ernst+ aus Freude, daß er gerettet war, schenkte +Wilhelm von Mosen+ und +Wilhelm von Schönfels+ jedem ein Roß[44] mit den Worten: »+Nun reitet hin und kommt in meines Vaters Land nicht wieder.+«[45]
Denselben Tag, +Freitags den 11. Juli 1455+ wurde der Prinz +Ernst+ nach +Chemnitz+ gebracht, wo sich sein Vater, der Kurfürst, von +Leipzig+ und seine Mutter, die Kurfürstin, mit dem schon geretteten Prinz +Albrecht+ von +Altenburg+ begeben hatte. Der Kurfürst bestätigte mit Freuden des +Herrn von Schönburgs+ Verfahren, daß er +Mosen+ und +Schönfels+ begnadigt hatte.[46]
Die guten Eltern an der Seite ihrer geretteten Söhne hatten nun nichts Nothwendigeres zu thun, als ihrem Gott für deren Errettung inbrünstig zu danken. Sie reisten daher, +den 15. Juli+, nach +Ebersdorf+[47] 1½ Stunde von Chemnitz, weil sich dort ein Marienbild befand, das im besonderen Ansehen stand, und zu welchem man häufige Wallfahrten anstellte. Nach vollbrachter Andacht ließen sie die Kleider der Prinzen,[48] die sie auf ihrer Flucht angehabt hatten, wie auch den Kittel des ehrlichen Kohlenbrenners der seine Andacht auch mit verrichtete, zum immerwährenden Andenken in der +Kirche+ zu +Ebersdorf+ aufbewahren.[49] -- Daneben hängt ein Täfelchen mit folgenden Reimen:[50]
»Kunz von Kauffungen der viel wilde Mann In Meißner Land ist kommen an Wohl auf das Schloß jen Altenburg Sehr froh und kühn ohne alle Sorg Dem Fürsten allda seine Kind Entführet hat listig und geschwind Des Kleider noch hier hängen seht Ein jeder der fürüber geht Die dazumahl bald nach der That Der Vater hergehänget hat.«
Der Zahn der Zeit hatte diese Andenken des Prinzenraubes nach und nach ziemlich zerfressen und und sie würden bald ganz eingegangen sein, wenn nicht Kurfürst +Christian+ II. 1607 aufs neue für ihre Fortdauer Sorge getragen hätte. Er befahl nämlich, sie in weißes Wachs einzutauchen und so vor die Verwesung etwas zu sichern. Allein es geschah nicht. Deswegen schickte er 1608 seinen Baumeister +Maria Nosseni+ nach +Ebersdorf+[51] der sie denn reinigen und durch Gummiwasser ziehen ließ.
Die Kurfürstin stiftete außerdem noch auf alle +Dienstage+, +Marienfeste+ und den nächsten Tag +nach Kiliani+ in der Kirche zu +Ebersdorf+ Messen und Almosen für +zwei arme Leute+, besonders Köhler.[52]
Nun waren also beide Prinzen befreit, doch +Kunz von Kauffungen+, welchen die beiden Ritter +Mosen+ u. +Schönfels+ in ihrem Begnadigungsschreiben an +Friedrich von Schönburg+ ausgeschlossen hatten, ohne dem heiligen Schwur eingedenk zu sein, welchen sie gegenseitig geleistet hatten, war, wie oben schon gesagt worden ist, nach +Freiberg+ gebracht worden. Hier saß nun Kunz glaubend, daß die andere Partei mit dem älteren Prinz +Ernst+ auf sein Schloß +Isenburg+ in Böhmen wohlbehalten angekommen wäre und ihrem Versprechen eingedenk sein würde. Allein als er die Glocken in Freiberg läuten hörte und nach der Ursache frug und vernahm, daß es aus Dankbarkeit für die glückliche Errettung beider Prinzen geschehe, entfuhren ihm die Worte: »+Das walt der Teufel, das gilt mir mein Leben.+«[53] Daraus war natürlich zu schließen, daß er befürchtete, sein Leben einbüßen zu müssen. Darum wandt er nun alles an, um durch seine vornehmen Freunde, Begnadigung zu erhalten, besonders durch den Marschall +Hildebrand von Einsiedel+ und die Ritter +Niklas von Schönberg+ und +Hugold von Schleinitz+, die am kurfürstlichen Hofe sehr bedeutende Stimmen hatten, doch wie man aus folgendem sehen wird, war es zu spät.
Mehrere Schriftsteller behaupten auch Kurfürst +Friedrich+ hätte in +Magdeburg+, +Leipzig+ und +Freiberg+ rechtliche Erkenntnisse geholt, allein dies war der kurzen Zeit wegen unmöglich und der damaligen Zeit nicht anpassend, daher ist es glaubwürdiger, daß der Kurfürst das Urtheil darüber dem +Freiberger+ Rathe überlassen, indem der Rath zu +Freiberg+ die Gerechtsame dazu hatte.[54]
Das Urtheil entschied für die Todesstrafe.[55] +Kunz von Kauffungen wurde daher den 14. Juli+ (26. Juli) +Montags nach Magaretha, Nachmittags um 4 Uhr zu Freiberg auf dem Obermarkte+ öffentlich enthauptet. Als Zeugen waren da der Köhler, +Georg Schmidt+, und einige andere Köhler. -- Der Ort, wo die Hinrichtung geschah, ist noch durch einen Stein bezeichnet.[56] Noch auf dem Schaffote sagte er, +daß er seinen schimpflichen Tod an den Nürnbergern verschuldet habe+.[57]
Seine obengenannten Freunde brachten es nach mehrfachen Bitten bei dem Kurfürsten endlich doch so weit, daß er begnadigt wurde; allein der reitende Bote, der die Begnadigung dem Freiberger Rathe verkündigen sollte, kam zu spät; indem die Thore der Hinrichtung wegen schon geschlossen waren.
Manche Schriftsteller zweifeln an Kunzens Begnadigung, weil sein Bruder +Dietrich von Kauffungen+, der die Strickleitern zu dem Prinzenraube in seiner Scheuer fertigen ließ und einst gesagt haben soll: »+Das Nest würden sie wohl finden, aber die Vögel wären ausgenommen+,« ebenfalls zu +Altenburg+, zwischen den +20. und 26. Juli+ enthauptet wurde, der bei weitem nicht die Schuld dabei hatte, als sein Bruder. --
Allgemeine Erbitterung bewirkte die schnelle Verurtheilung des +Kunz von Kauffungen+, besonders unter der Ritterschaft, in der er so hohe Verwandte und Freunde hatte. Sein Oheim der damalige Bischof von Meißen, +Casper v. Schönberg+ veranstaltete sogar ein feierliches Begräbniß desselben, ließ ihn in der +St. Petrikirche+ zu +Freiberg+ beisetzen und sein Grab erhielt einen Leichenstein. Allein das erregte unter den Regenten großes Mißfallen, besonders Herzog +Wilhelm+ war dagegen; daher durfte sein Leichnam in der Kirche nicht bleiben, sondern erhielt seine Ruhestätte dafür auf dem Kirchhofe zu +Neukirchen+ bei Freiberg. Der Leichenstein aber blieb in einem Winkel der St. Petrikirche stehen.[58]
Seine übrigen Mitgenossen verloren meistentheils ihr Leben durch das Schwerdt; ausgenommen der böhmische Küchenjunge, +Hans Schwalbe+, der den +28. Juli zu Zwickau+ mit glühenden Zangen gezwickt und dann geviertheilt wurde, und Kunz v. Kauffungens treuer Reißiger, +Johann Schweinitz+, der gehangen wurde. --
Nach diesen harten Bestrafungen erfolgten aber auch Belohnungen, die der Kurfürst dem Köhler, +Georg Schmidt+, zu Theil werden ließ.[59] Er erhielt von ihm die Erlaubniß sich eine Gnade auszubitten -- und die bescheidene Bitte des Köhlers bestand darin, die Erlaubniß zu erhalten in dem Walde, wo er den Prinz +Albrecht+ gerettet hätte, frei Kohlen zu brennen. Nicht allein diese Bitte erhielt er erfüllt, sondern der Kurfürst schenkte ihm auch sogleich nach der That für sich und seine Nachkommen ein +Gnadenkorn+, welches aus 4 Scheffel +Zwickauer+ Maaß oder 5 Scheffel 2 Viertel und 3 Metzen +Dresdner+ Maaß besteht. Noch +jetzt+ erhält das älteste Mitglied dieses Geschlechts in männlicher Linie dieses Gnadenkorn aus dem +Rentamte+ zu +Zwickau+.[60] Später erhielt er auch ein Freigut im Dorfe +Eckartsbach+[61] bei Zwickau. Die Besitzung ist aber durch +verderbliche+ und +langwierige+ Kriege von der Familie wieder abgekommen.
Als +Georg Schmidt+ alt und schwach ward, nahm ihn sogar der Kurfürst an den Hof nach +Altenburg+ und dadurch, daß er bei seiner Erzählung des Prinzenraubes sich immer der Worte bediente: »+Herr, ich habe den Kunzen mit meinem Schürbaum weidlich getrillert+,«[62] die er oft wiederholen mußte, erhielt er und seine Nachkommen den Namen +Triller+. --
Die übrigen Köhler, welche bei dem Rettungsacte durch den Lärm von +Georg Schmidts+ Frau herbeigekommen waren, erhielten ebenfalls Belohnungen, die wahrscheinlich in Gelde bestanden, doch aus Mangel an sicheren Nachrichten hier nicht aufgeführt werden können.
Nur so viel ist gewiß, daß als Herzog +Albrecht+ im Jahre 1480 die Gegend des Befreiungsactes bereiste, in +Elterlein+[63] noch drei Köhler traf, welche bei seiner Befreiung aus Kunzens Händen thätig gewesen waren. Sie hießen +Wyland+, +Fischer+ und +Urban Schmidt+, letzterer damals der Köhlerbursche +Georg Schmidts+, und erhielten, nachdem sie dem Herzog +Albrecht+ den Ort seiner Errettung gewiesen hatten, eine gute +Ritterzehrung+.[64]
Zum ewigen Andenken der Begebenheit des Prinzenraubes ließ Kurfürst +Friedrich+ eine Münze schlagen, die aber äußerst selten ist.[65] Auch schreibt ~+Vulpius+ l. c.~ §. 35., wie sich in +Schreiter+ a. a. O. ~pag.~ 109. befindet:
»Zum Andenken hat der Höchstlöbliche sanftmüthige Kurfürst, der geraubten Prinzen Herr Vater, diese Geschichte auff vier Tafeln künstlich abmalen lassen, so in dem Zimmer, aus welchem die Entführung geschehen, befindlich sind. Deren die erste fürstellt, wie Cuntz und seine Gesellen die Prinzen aus dem Schlosse zu +Altenburg+ rauben: die andere, wie er im Walde von den Köhlern gefangen wird.«
Die +Gemälde+ sind noch auf dem Schlosse zu +Altenburg+ befindlich und ~Dr.~ +Triller+ erhielt Copien davon, die er in Kupfer stechen ließ. Diese Kupfer findet man in seinem sächs. Prinzenraube. (In der Zueignungsschrift an den Herzog schreibt er: »die Kupfertafeln selbst, die meine Reime zieren, sind mir von Deinem Hof gezeichnet zugeschickt.« +Ranisch+ a. a. O. ~pag.~ 8. gedenkt dieses Umstandes auch: »Auf der Seite der jetzt veränderten Burg sieht man in einem Zimmer der höhern Gegend die vier vornehmsten Veränderungen dieses Trauerspiels von +den noch vorhandenen+ vier Tafeln sauber abgezeichnet.«)
Diese vier Hauptgemälde stellen folgendes vor:
1.) Die Entführung der Prinzen +Ernst+ und +Albrecht+ aus dem Schlosse zu +Altenburg+.
2.) Die Befreiung des Prinzen +Albrecht+ durch den Köhler +Georg Schmidt+.
3.) Die Rückkehr des Prinzen +Albrecht+ in Begleitung des Abtes +Liborius+ nebst Gefolge, zu seinen fürstlichen Eltern.
4.) Die Enthauptung des +Kunz von Kauffungen+ auf dem Marktplatze zu +Freiberg+.
Nach dem Urtheile Sachverständiger sind diese Bilder weit späteren Ursprungs und ohne künstlerischen Werth. Letzteres gilt auch von einer Tafel mit 30. Portraits der bei dem Prinzenraube betheiligt gewesenen Personen, die ebenfalls sich im Schlosse zu Altenburg befinden.[66]
Dagegen befinden sich in Altenburg zwei Portraits der Prinzen +Ernst+ und +Albrecht+ in rothen Kleidern, welche weit authentischer zu sein scheinen. Von diesen beiden letztern Gemälden befinden sich jetzt +Copien+ im +Köhlerhause+ am +Fürstenberge+, welche +Se. Durchlaucht+ der jetzt regierende +Herzog von Altenburg+, +Joseph+, demselben huldreichst verehrt hat. Gemalt sind sie vom +Professor+ Friedrich Ludwig Theodor +Döll+ zu +Altenburg+ im Jahre 1839. --
Nachstehendes +Gedicht+ wurde zur damaligen Zeit als beliebtes Volkslied vorzüglich von den Bergleuten oft gesungen:
Wir wollen ein Liedel heben an Was sich hat angespunnen Wies in dem Pleisnerlande gar schlecht war bestallt Als sein Jungen Fürsten geschah groß Gewalt Durch den Cunzen von Kauffungen, ja Kauffungen.
Der Adler hat uf den Felß gebawt Ein schönes Nest mit Jungen Und wie er einst warn geflogen aus Holete ein Geyer die jungen Vogel raus Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen.
Wo der Geier uff dem Dache sitzt Da trugen die Küchlein selten Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel Welcher Fürst sein Rathen getrawt soviel Muß offt der Herrschaft entgelten, ja entgelten.
Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt Dich thät er mit Untreu meinen Da ie die waren all Hoflüt rauschend voll Qvam Cunze mit Leytern und Buben toll Und holte die Fürsten so kleine, ja so kleine.
Was bloß Dich Cunz für Unlust an Da Du yns Schloß mir steigest Und stylst die zarten Herren raus Als der Curförst aber war nicht zu Hauß Die zarten Försten-Zweige, ja Försten-Zweige.
Es war wohl als ein Wunder Ding Wie sich das Land beweget Was uff allen Straßen warn för Leut Die der Reubern nachfolgeten in Zeit, Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget.
Im Walde dort ward Cuntz ertapt Da wollt he Beeren naschen Were he in der Hast sacken fortgeretten Das öhm die Köhler nit geleppischt hetten Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen.
Aber sie wurden ihm wieder abgejagt Und Cunz mit synen Gesellen Uff +Grünhayn+ in unsers Herrn Abts Gewalt Gebracht und darnoch auch uf +Zwickau+ gestalt Und musten sich lan prellen, ja lan prellen.
Davon fiel ab gar mancher Kopf Und keiner der gefangen Kam aus der Haft ganzbeinicht davon Schwerd, Rad, Zangen und Strick, die waren ihr Lohn Man sah die rümper hangen, ja hangen.
So gehts, wer wider die öberkeit Sich unbesonnen empöret Wer es nicht meynt der schaw an Cunzen Syn Kop thu zu +Freyberg+ noch herußen schmunzen Und jedermann davon lehret, ja lehret.[67]
Gott thu der frommen Curförsten alls guts Und laß die Jungen Herren In keines Feindes Hand mehe also komm Geb auch der Fraw Curförstinn vel fromm Das sie sich, in Ruhe vermehren, ja vermehren.[68]
Nachtrag.
Einige Notizen über die Familien der drei Hauptpersonen des Prinzenraubes:
~a.~) des Kurfürsten +Friedrich des Sanftmüthigen+.
~b.~) des Ritters +Kunz von Kauffungen+.
~c.~) des Köhlers +Georg Schmidt+, +vorzüglich nach dem Prinzenraube+.
~a.~) Des Kurfürsten Friedrich des Sanftmüthigen Familie.
+Kurfürst, Friedrich der Sanftmüthige+, Vater der beiden geraubten Prinzen +Ernst+ und +Albrecht+ lebte nach dem Prinzenraube noch 9. Jahre, starb den 7. Septbr. 1464 zu +Altenburg+ im 54. Lebensjahre und wurde im Dome zu +Meißen+ beigesetzt. -- +Ernst+ und +Albrecht+ regierten nach dem Willen des entschlafenen Vaters nun +gemeinschaftlich+; außer, daß +Ernst+ nach dem Rechte der Erstgeburt die Kurwürde und das mit verbundene Herzogthum +Sachsen allein+ erhielt. Zwanzig Jahre regierten sie gemeinschaftlich und vermehrten ihre Macht durch verschiedene neue Besitzungen, besonders aber durch die Entdeckung der Silbergruben zu +Schneeberg+ 1471. und die Erbschaft ihres Oheims, des Herzogs +Wilhelm+ III. von Thüringen (Bruder ihres Vaters), welcher den 17. Septbr. 1482 ohne männliche Nachkommen starb, indem sie dadurch Besitzer seines ganzen Landes wurden.
Zwistigkeiten, die dadurch geschahen, daß Herzog +Albrecht+ mit einigen Beamten[69] unzufrieden war, denen Kurfürst +Ernst+ sein ganzes Vertrauen schenkte, traten ein; so kam denn eine gänzliche Theilung der Länder den 26. August 1485 zu Leipzig zu Stande. Dem sächsischen Rechte gemäß vollführte die Theilung der ältere Bruder; der jüngere Bruder dagegen hatte die Wahl. Zum Verdruß des älteren Bruders wählte +Albrecht+ die meißnischen Länder und +Ernsten+ blieb Thüringen. Doch die Oberhoheit über den Bergbau blieb gemeinsam.
So wurde das Haus Sachsen in die +ernestinische+ und +albertinische+ Linie getheilt, wodurch sie nun die Stammväter der beiden noch jetzt bestehenden Linien wurden.
Allein die Kurwürde kam 62 Jahre später durch die Gefangennehmung des unglücklichen Kurfürsten +Johann Friedrich d. Großmüthigen+ den 24. April 1547 in der Schlacht bei +Mühlberg+ von Kaiser +Karl+ V. an die jüngere, +albertinische+ Linie, indem er seiner Würden und Länder gänzlich entsetzt wurde, und sein Vetter, Herzog +Moritz+, der jüngern Linie angehörig, vom Kaiser solche erhielt.
Bei dieser Linie blieb die Kurwürde bis zum 11. Decbr. 1806, wo der damalige Kurfürst +Friedrich August+ III. sie mit einer Königswürde vertauschte.
+Kurfürst Ernst+ starb den 26. August 1486 in +Kolditz+ und wurde im Dome zu +Meißen+ begraben. -- Vermählt war er mit der Tochter des Herzogs +Albrecht+ II. v. Baiern und zeugte mit dieser sechs Kinder, als vier Prinzen Namens: +Friedrich der Weise+, +Albrecht+, +Ernst+ und +Johann der Beständige+ und zwei Prinzessinnen Namens: +Christiane+ und +Margarethe+.
Sein Sohn +Albrecht+ ward im Jahre 1482 zum +Erzbischof+ v. +Mainz+ gewählt, starb zwei Jahre darauf in einem Alter von 20 Jahren; +Ernst+ ward +Erzbischof+ von +Magdeburg+ und Bischof von +Halberstadt+; +Friedrich+ erhielt nach dem Tode seines Vaters die Kurwürde, als ältester Sohn; und +Johann+ folgte Friedrichen nach dessen Tode auf dem Throne. Von den beiden Prinzessinnen wurde die älteste an den +König Johann von Dänemark+, die jüngste an den +Herzog von Braunschweig+ vermählt. -- +Herzog Albrecht+ indessen, der den Beinamen, der +Beherzte+, erhielt, starb den 12. Septbr. 1500 im 58. Jahre seines Alters zu +Emden+ und wurde ebenfalls im Dome zu +Meißen+ beigesetzt. -- Vermählt war er mit der böhmischen Prinzessin +Sidonia+, Tochter +Georg Podiebrads+, König von Böhmen. Mit dieser zeugte er vier Kinder, eine Prinzessin und drei Prinzen Namens: +Georg der Bärtige+, +Heinrich der Fromme+ und +Friedrich+; von denen die beiden ersten ihrem Vater hintereinander in der Regierung folgten; +Friedrich+ aber zum +Hochmeister+ des deutschen Ordens gewählt, starb im Jahr 1510 zu +Rochlitz+.
~b.~) des Ritters Kunz von Kauffungen Familie,
vor und nach dem Prinzenraube.
Das adeliche Geschlecht derer +von Kaufungen+ findet man in der sächsischen Geschichte seit 1283[70], wo +Heinrich von Coufungen+ als ein +Dominus+ vorkommt, dessen Söhne: +Tunzold+ und +Heinrich+, sehr das Kloster +Buchau+ bei Leisnig plagten.
Ihr Stammschloß war +Kauffungen+, ein Rittergut im Königreich Sachsen, im Leipziger Kreisdirectionsbezirke im Amte +Borna+, entfernt vom Amtsbezirke, mitten im Schönburgischen, auf der rechten Seite der Mulde, +Wolkenburg+ gegenüber, 1½ Stunde südlich von +Penig+ entfernt gelegen.
+Tunzold von Coufungen+ (der Obige) ein Ritter, aber doch nur des +Unarc von Waldenburg Castrensis+, verkaufte 1298 an jenes Kloster +Nauenhain+ bei Geithain.