Part 1
Anmerkungen zur Transkription
Das gedruckte Buch ist in Frakturschrift gesetzt.
Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+.
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~.
Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des Buches.
Der sächsische
PRINZENRAUB
nach älteren und neueren Quellen
nebst
einer Beschreibung
DES ZU DESSEN ERINNERUNG
errichteten
Denkmals
_und des zu seinem Schutze erbauten_
Köhlerhauses
am Fürstenberge bei Grünhain.
Motto: _Wer seinem Fürstenhaus mit wahrer Treue zugethan, Der ist, -- sei er ein schlichter Köhler auch, -- doch stets ein edler, braver Mann._
Mit 3 Abbildungen.
Annaberg, 1840.
In Commission bei Rudolph & Dieterici.
Inhaltsverzeichniß.
I. Der +Prinzenraub+. S. 1.
II. Das +Denkmal+ am Fürstenberge. (Nebst Abbild.) " 59.
III. Das +Köhlerhaus+ dazu. (Nebst Abbildung.) " 68.
I. Der Prinzenraub.
+Friedrich der Streitbare+, welcher den 5. Januar 1428 starb, hinterließ vier Söhne. Namens: +Sigismund+, +Heinrich+, +Friedrich d. Sanftmüthige+ und +Wilhelm+ III., die das vom Vater geerbte sächs. meißnische Land gemeinschaftlich verwalteten. Nachdem aber +Sigismund+ den geistlichen Stand erwählte, Bischof zu Würzburg wurde; +Heinrich+ 1436 und ihr Vetter, Landgraf +Friedrich v. Thüringen+, der +Friedfertige+ genannt, 1440 ohne Erben starb, und Thüringen daher an Meißen kam, unternahmen +Friedrich+ und +Wilhelm+ den 10. Septbr. eine Theilung, so daß +Wilhelm+, Thüringen und die Hälfte des +Osterlandes+, +Friedrich+, die +Markgrafschaft+ nebst den zur +Kurwürde gehörigen Ländern+ allein, Freiberg aber und die Bergwerke gemeinschaftlich, durch das Loos erhielten. Allein +Wilhelm+ III. auf Anstiften seiner vertrauten Räthe: +Busse+ zu +Dornburg+, +Bernhardt von Kochberg+ zu +Wachsenburg+, +Friedrich von Witzleben+ zum +Wendelsteine+, +Busse+, +Apel+ und +Bernhardt v. Vitzthum+ zu +Roßla+ und +Thanrode+, war mit der Theilung nicht zufrieden. Ein Vergleich, welchen +Friedrich+ mit ihm im Kloster +Neumark+ bei Halle den 10. Decbr. 1445 abschloß (der +Hallische Machtspruch+ genannt) beruhigte ihn noch nicht und +Friedrichs+ Verlangen seine feindseligen Räthe zu entlassen, ließ er nicht allein unerfüllt, sondern unternahm auch einen Streifzug gegen Roßla, einer Vitzthumischen Besitzung und verursachte so den sogenannten +sächsischen Bruderkrieg+. Dieser Krieg hatte die traurigsten Folgen, namentlich die Verwüstung des thüringschen Landes, welche +Apel von Vitzthum+ verübte, weil er vom Herzoge +Wilhelm+ III. verabschiedet und einiger Güter beraubt worden war; dann den +sächsischen Prinzenraub+, dessen Geschichte diese wenigen Blätter füllen soll.
+Kunz von Kauffungen+, kurfürstlicher Schloßhauptmann und Regimentsoberster hatte in den Diensten des Kurfürsten, +Friedrich d. Sanftmüthigen+, in dem Streite zwischen seinem Bruder +Wilhelm+ III. mit gefochten. Er war einer der tapfersten Ritter seiner Zeit, was er schon im Hussitenkriege, vorzüglich durch seinen unerschrockenen Muth bewiesen hatte.[1] -- Nun traf es sich aber, daß er, als er zum Entsatze der Stadt +Gera+ eilen wollte, mit seinen Genossen gefangen genommen wurde und nicht anders als gegen ein Lösegeld von 4000 Goldgülden, wieder freigegeben werden sollte. Kunz forderte diese Summe vom Kurfürsten zurück und um so eher als dieser auch für andere Ritter, wie für +Niklas von Pflugk+,[2] die seine Lehnsleute waren, Lösegeld bezahlt hatte. Der Kurfürst, da Kunz v. Kauffungen blos ein Söldner war, weigerte sich, ihm diese Summe zu ersetzen. Hierzu kam: Kunzs Besitzungen in Thüringen waren im Laufe des Bruderkrieges verwüstet, und der Kurfürst hatte ihm dafür einstweilen einige Güter +Apel v. Vitzthums+ wie +Schwickershain+ (-- das heutige Schweickershain --), +Kriebenstein+, +Ehrenburg+ u. Andere zur Entschädigung angewiesen, doch mit der Bedingung, nach dem Kriege sie wieder auszutauschen. +Kunz+ stellte dagegen zu +Meißen+ am Sonnabend in der Osterwoche 1449 eine handschriftliche Versicherung aus: Den Augenblick solche wieder ihrem rechtmäßigen Besitzer zu überlassen, sobald ihm der Kurfürst zu den seinigen Besitzungen verholfen haben würde.[3] -- Nachdem nun den 27. Jan. 1451 zu Kloster +Pforte+ die Zwistigkeiten der beiden Brüder wieder ausgeglichen waren und im Friedensvertrage ein Artikel so lautete, daß alles wie vorher bleiben sollte, jeder das Gewonnene herausgebe, erhielt +Kunz von Kauffungen+ +seine+ Besitzungen in Thüringen wieder, indem er nun auch die Vitzthumschen Besitzungen wieder herausgeben sollte. Allein zu diesem wollte er sich durchaus nicht verstehen; vorzüglich da er +Schwickershain+ ganz ausgebaut und bewohnbar gemacht hatte, auch für seine geleisteten Dienste Belohnung und Ersatz des Lösegeldes unbedingt zu verlangen glaubte. +Friedrich der Sanftmüthige+ erinnerte sich sowohl der treuen Dienste, die Kunz ihm geleistet hatte, doch konnte er sich zu einer solchen Forderung nicht verstehen, die dem mit seinem Bruder geschlossenen Frieden geradezu entgegen war, zumal auch Kunz, wie bereits oben erwähnt wurde, handschriftlich Verzicht geleistet hatte. Allein alle Vorstellungen, die ihm der Kurfürst deshalb machte, um ihn mit Güte zur Ruhe zu bringen, konnten +Kunzen+ zur Rückgabe der Güter nicht bewegen.
+Apel von Vitzthum+, wie schon oben gesagt worden ist, war mit dem Herzoge +Wilhelm+ III. ebenfalls in Feindschaft gerathen, weil seine boshaften Anschläge gegen den Kurfürst +Friedrich+ durch den Frieden zu Nichte gemacht worden waren. Außer der Gnade seines Herrn verlor er auch seine schönen Schlösser.[4] Er suchte nun seinen Herzog auf alle mögliche Art zu necken, so daß Herzog +Wilhelm+ mit Hilfe der +Erfurter+, +Mühlhäuser+ und +Nordhäuser+ gegen +v. Vitzthum+ zu Felde zog, schleifte das Schloß +Gleißberg+, das sich, von Vitzthum nach dem Bruderkriege nur erst wieder aufgebaut hatte, erklärte ihn und seine Brüder als +Landesverräther+. Vitzthum flüchtete nun nach Böhmen; suchte dort Anhang zu gewinnen, sowohl gegen den Herzog +Wilhelm+ III., als auch gegen den Kurfürst +Friedrich+. Gegen letzteren war er deswegen erbittert, indem er einst so nachdrücklich auf seine Entfernung von Herzog +Wilhelms+ Hofe gedrungen hatte.[5] --
An diesem glaubte +Kunz von Kauffungen+ seinen Mann zu finden, der mit ihm gemeinschaftliche Sache machen würde. Kunz trat deshalb mit ihm in Briefwechsel; nichts war Vitzthumen willkommner. Sogar trat Vitzthum seine +Ansprüche auf seine meißnischen Güter ihm+ ab, um Kunzens Forderungen mehr Nachdruck zu geben. -- Kunz drang nun heftiger auf die Anerkennung seiner Besitznahme der Vitzthumschen Güter, die ihm der Kurfürst aber, Kraft der schriftlichen Versicherung, die er von ihm in den Händen hatte, standhaft verweigerte, und ihn deshalb förmlich vor Gericht belangte, Friedrich setzte nämlich deshalb +auf den Donnerstag nach Galle 1454 auf dem Schlosse zu Altenburg, einen Termin fest+, bei welchem +George von Haugewitz+, Dechant zu Meißen, der Kanzler +George von Bibenberg+ und die Ritter +Hans von Schleinitz+ und +Hans von Miltitz+ die ganze Sache nochmals untersuchten und dahin beschieden. Der Kurfürst sollte seine Forderungen an Kunzen und Kunz die seinigen an den Kurfürsten aufsetzen. Der Münzmeister zu Freiberg +Nikol Monhaupt+, der zugleich Statthalter und Landshauptmann der Provinz war, sollte dann beide Forderungen der kurfürstlichen Kanzlei übergeben, und was diese endlich entscheiden würde, dabei möchten beide Theile sich beruhigen. Doch Kunz wollte sich dabei nicht beruhigen und blieb daher bei seinem Entschlusse, und so sollte auf Befehl des Kurfürsten ein Rechtsgutachten bei den Leipziger, Magdeburger und Freibergischen Rechtsgelehrten eingeholt werden. Zur damaligen Zeit etwas Unerhörtes; viele von des Ritters von Kauffungs Anhang, betrachteten daher solches als eine Kränkung[6], die deshalb einen Fehdebrief an den Kurfürsten schickten. Kunz, welcher den Ausgang dieses Rechtsschrittes nicht zu seinen Gunsten auslegte, wollte sich nun durch Selbsthilfe seine Forderungen verschaffen, kaufte durch Vermittelung +Apels von Vitzthums+, das Schloß +Isenburg+ oder +Eisenberg+ unweit Brix[7] in Böhmen, nicht weit von der sächsischen Grenze, um es zu dem nachherigen Prinzenraube zu benutzen.
Rache an dem Kurfürsten zu nehmen war nun +Kunzens+ und +Apels+ einziger Gedanke. --
Theils durch Verpfändung, theils durch Gewalt und friedliche Verträge, waren verschiedene böhmische Städte an die Markgrafen von Meißen gekommen. Je mächtiger nun die Markgrafen von Meißen dadurch wurden, desto scheeler sahen dazu die Könige v. Böhmen und forderten, den deshalb geschlossenen Verträgen ohngeachtet zu verschiedenen Malen alles wieder zurück. +Kunz v. Kauffungen+ und +Apel v. Vitzthum+ hatten daher nichts eiligeres zu thuen, als den damaligen König +Ladislaus+ gegen den Kurfürsten zu erbittern, so daß +Ladislaus+ 1453 eine Forderung von 64 Städten an den Kurfürst schickte. Natürlich wurde diese als ungegründet abgewiesen. +Ladislaus+ brach jedoch aus Böhmen in Sachsen ein und überfiel das Städtchen +Pirna+; doch wurde er sehr bald wieder zurückgeschlagen, so daß ihm ein dergleichen Ausfall nicht wieder gelüstete. Indeß hatte sich doch +Kunz+ und +Apel+ an den Kurfürsten gerächt. Sie hatten auch dadurch den König von Böhmen auf ihre Seite, und Kunz würde seine Forderungen vielleicht +nie+ so weit getrieben haben, wenn er in Böhmen nicht einen so mächtigen Rückenhalt gewußt hätte. --
Als nun der Ausspruch der Leipziger, Magdeburger und Freibergischen[8] Rechtsgelehrten ankam, der darauf drang: daß Kunz die Vitzthumschen Güter herausgeben sollte, wurde der Rechtsspruch Kunzen bekannt gemacht, allein Kunz wollte ihn durchaus nicht gelten lassen. Endlich beschied man ihn den +Dienstag nach dem Johannistage des Abends auf das Schloß Altenburg+, um Mittewochs darauf, den 25. Juni (7. Juli)[9] 1455 den letzten Termin mit ihm abzuhalten. Kunz kam, aber um die Güte zu pflegen nicht, sondern, nachdem er sich die Höhe des Schlosses und vorzüglich das Schlafgemach noch einmal[10] ordentlich besehen hatte, ritt er ohne Abschied vom Kurfürsten zu nehmen fort, in Gedanken, wie er dem Kurfürsten auch selbst gesagt hatte: +Er wolle sich für seinen Schaden nicht an Land und Leuten, sondern an des Kurfürsten eignem Fleisch und Blut rächen und erholen+, worauf der Kurfürst erwiedert haben soll: +Mein Kunz siehe zu, daß Du mir die Fische in den Teichen nicht verbrennest.+[11] +Kunz von Kauffungen+ ritt nun sofort auf sein Schloß +Isenburg+, (welches er befestigt hatte lassen,) um sich mit +Apel von Vitzthum+ über die Ausführbarkeit eines Prinzenraubes zu besprechen.
+Friedrich der Sanftmüthige+ mit +Margaretha von Oesterreich+ vermählt, hatte zu dieser Zeit zwei Söhne +Ernst+ und +Albert+. Ersterer geboren den 25. März 1441, Letzterer aber den 27. Juli 1443.[12] -- Sein ältester Sohn +Friedrich+ war schon 1421 und sein jüngster Sohn +Alexander+ 1446 gestorben. -- Er residirte auf dem Schlosse +Altenburg+, welches ein hohes, schönes Felsenschloß, unweit der Stadt +Altenburg+, ist.
Auf +Ernst+ und +Albert+ hatte Kunz sein Augenmerk gerichtet. Dieses theuere Kleinod der kurfürstlichen Familien meinte er, als er zum Kurfürsten gesagt hatte: +an des Kurfürsten eignem Fleisch und Blut wollte er sich rächen+. Entführen wollte er sie und auf seinem Schlosse +Isenburg+ so lange fest halten, bis der Kurfürst seine Forderungen genügen würde. Zu diesem gewagten Unternehmen brauchte er natürlich mehrere um es auszuführen. Diese fanden sich denn auch bald, denn schon lange vorher war er von Burg zu Burg geritten, Mithelfer zu seinem Unternehmen zu finden und fand auch durch seine gewandten Reden Theilnehmer für sich und Haß gegen den Kurfürsten zu erwecken.
Nur fehlte es ihm nur noch an einem Kundschafter am kurfürstlichen Hofe, der ihm Nachricht ertheilen könnte, wenn der Raub am sichersten auszuführen wäre. Da lernte er denn in Böhmen einen böhmischen Küchenjungen kennen, Namens: +Hans Schwalbe+. Ein verschmizter Bube. Dieser, glaubte Kunz, würde in seine Plane eingehen, entdeckte ihm alles und schickte denselben mit Empfehlungsschreiben an seine guten Freunde am altenburger Hofe, wo man ihn auch sogleich als Küchenjunge, ohne Verdacht zu hegen, anstellte. Bald fand sich Gelegenheit, daß +Schwalbe+ Kunzen treue Dienste leisten konnte. Folgenden Brief, wie er sich in den +Wittenberger Originalacten+ befindet, schrieb Schwalbe an Kunzen:[13]
»+Mein willigen Dienst sampt alles lybs und gutes tzuvor.+
»+Ehebarer strenger lyber Junker!+
»+Als der Kurfürst vestiglich beschlossen hat vf morgen Sundages nach der frumeß gein Lyptgk tzu wegfarten mitt den meresten Hofelüten, och Muntag vfe Abendt der Cantzler yn engelebete in synen Huse vsrichdten wirdet, samer mögen deheby mannichveltige Höfelinge wesen, vndt vffs Schloß pflege daczumalen allye der oldte Eßmus Drabandten Dynst, wellicher ast yngeschleffert wagk werden, der Pforthyner ist lagerigkrank, kan ich Uch nicht pregin, gelubener truwe Uch selbir gegewertiglich tzu dynen vndt Uwer Anstaltungk gewartin. Datum Aldenburg, am Samstag nach Vnser Frawentage. A. lv.+
+Hans Schwalbe.+«
»+Dem Ehrbaren strengen Jungker Cunradt von Kawfungen vf Kalenberg. Meinen gynstiglichen lyben Jungker tzutzustellen tzu ainegen Handen.+« --[14]
Dieser Brief war 9 Tage nach dem Termine, den Kunz mit dem Kurfürsten in Altenburg gehabt hatte, geschrieben.
Eine bessere Gelegenheit zur Ausführung seiner Plane konnte wohl nicht kommen und Kunz hatte nichts eiligeres zu thun, als solches seinen Verschworenen zu benachrichtigen. Die Strickleitern[15], die zu diesem Behufe nöthig waren, wurden nicht weit von +Kahlenberg+ oder +Callenberg+, (bei Waldenburg, gehörte seinem Bruder +Dietrich+) in einer Scheune, die ebenfalls seinem Bruder +Dietrich von Kauffungen+ gehörte, gefertiget. -- +Kunz+ selbst hielt sich[16] zu der Zeit im Geheimen auf dem Schlosse +Kohren+ auf +und ging von hier aus des Nachts vor Altenburg+[17], wo er den Prinzenraub vollführte. Das Schloß +Kohren+ gehörte damals der Familie +von Meckau+.
Geschichtlich merkwürdig ist noch, daß die Kurfürstin +Margaretha+ die Nacht vorher, ehe ihr Gemahl nach Leipzig reiste, folgenden Traum hatte: Sie sah ein großes Schwein in einem schönen Garten alles umwülen und besonders neben den Reben die schöne junge Raute. Endlich stürzte ein Bär darauf los und jagt das Schwein mit seiner Tatze fort. Die Kurfürstin erzählte diesen Traum, der ihr auf eine entsetzliche Art die ganze Nacht ängstigte, sogleich ihrem Gemahl, der jedoch, weil er Träumen nicht glaubte, seine Reise deswegen nicht aufschob und mit großem Gefolge den 7. Juli (d. 19. Juli) nach +Leipzig+ reiste.
So war denn Niemand zur Aufsicht der Prinzen da, als ihr Hofmeister, +Graf von Barby+.
Der 8. Juli (20. Juli) war von +Kunz von Kauffungen+ dazu bestimmt den Prinzenraub auszuführen. Die Hauptverschwornen waren mit ihren Knechten folgende:[18] +Kunz von Kauffungen+, sein Reißiger: +Johann Schweinitz+, sein Knecht: +Albrecht Adolph+; +Wilhelm von Schönfels+, sein Knecht: +Geveller+; +Hans Wilhelm von Mosen+, sein Knecht: +Hensel Herdin+; +Hans von Rußwurm+; +Dietrich von Kauffungen+; +Nikol vom Forst+; +Bernhardt von Trebin+; +Dix von Trebin+; +Barthol von Trebin+, beide letztere: Söhne von +Wenzel von Trebin+. Der ganze Zug bestand aus 37 Reitern, dessen Pferden die Hufeisen verkehrt aufgeschlagen worden waren, und 10 Fußknechte, welche also den 7. Juli (19. Juli) +Montags vor Kiliani+ 1455 +Nachts zwischen 11 und 12 Uhr+ aus einem dichten Walde bei Altenburg, die +Leine+ genannt, hervorbrachen. Nur +Johann Schweinitz+, Kunzens Reißiger, wurde vorausgeschickt, um mit Hilfe des Küchenjungen +Schwalbe+ die Strickleitern an einem hohen Fenster, neben der Küche zu befestigen. -- +Kunz+, bekannt im Schlosse, stieg zuerst hinauf, dann folgte +Wilhelm von Mosen+. Niemand störte dieselben, denn in dem Schlafgemache der Prinzen schlief niemand, als eine alte Kammerfrau und der Sohn des Hofmeisters des Prinzen, +Graf von Barby+. Kunz entführte den ältern Prinz +Ernst+ und +Wilhelm von Mosen+ sollte Prinz +Albrecht+ entführen, doch in der Eile fand eine Verwechselung statt, indem er den jungen +Graf Barby+, welcher in denselben Alter war als die Prinzen, entführte. +Kunz+, der den Irrthum erkannte, übergab +Wilhelm von Mosen+ den Prinz +Ernst+ mit dem Befehl immer fort zu reiten, indem er durch das Schloßthor, welches +Schwalbe+ vorher geöffnet hatte, den jungen +Graf Barby+ wieder zurückbrachte und dafür Prinz +Albrecht+, welcher aus Angst sich unter das Bette versteckt hatte, nahm. So wie Kunz diesen Prinzen über dem Schloßhofe brachte, öffnete die Kurfürstin das Fenster und rufte: »+Lieber Kunz, thue nicht so übel an mir und meinen lieben Herrn, verschone meine Kinder, es sollen alle Deine Sachen noch gut werden.+« Allein +Kunz+ achtete die Stimme einer liebenden Mutter nicht, sondern setzte den Prinzen +Albrecht+ auf ein Pferd, das er führte und sprengte, begleitet von seinem Reißiger +Johann Schweinitz+ und seinen Knecht +Albrecht Adolph+ mit verhängten Zügeln davon. Seinen Weg nahm er durch die +Leine+[19], wo er schon hergekommen war, und gelangte dann durch die +Rabensteiner+[20] und nachher die damals noch anstoßenden +Thalheimischen+ Waldungen und zwar in letzteren auf einem von Leukersdorf aus bis Elterlein führenden +Fußsteig+, wodurch weder die Stadt +Stollberg+, noch die Stadt +Zwönitz+ berührt wird. Dieser Fußsteig und jetzt +Holz-+ und +Kalkfuhrweg+ kommt auf der Höhe des +Glasberges+ bei +Elterlein+ über die +Grünhainer+ Straße[21] nicht weit von +Elterlein+ schon in die Gegend[22] des +Grünhainer Klosters+.[23] Dieser Weg war für sein Vorhaben der passendste, indem die Gegend um +Grünhain+ namentlich bei +Schwarzenberg+ und +Waschleute+ nichts als Wald war und durch den verheerenden Hussitenkrieg, der 1427 das Kloster zu Grünhain zerstörte,[24] ganz von Einwohnern entblößt sein mußte, indem bis 1455 die Volksmenge zur damaligen Zeit noch nicht so gewachsen sein konnte, wie es vielleicht in den jetzigen Zeiten geschehen dürfte. Auch war Kunz von einem Grünhainer Mönch unterrichtet[25], so daß er schnell aus der Gegend von +Waschleute+ nach Schwarzenberg kommen konnte, welches damals ein böhmisches Städtchen war[26], mithin durfte ihm Niemand mehr etwas anhaben, indem er den König von Böhmen auf seiner Seite hatte; und dann schaffte er die Prinzen auf sein Schloß +Isenburg+, und wollte sie so lange in Verwahrung behalten, bis er vom Kurfürsten die Versicherung erhalten hätte, die Vitzthumschen Güter rechtmäßig behalten zu können und vielleicht ein ansehnliches Lösegeld für ihn und seine Mitgenossen erhalten hätte. Allein seine Plane waren wohl gut ausgedacht, aber noch nicht vollführt. Denn der anstrengende Marsch, den er ohne auszuruhen zurückgelegt hatte, indem er von Mitternacht bis gegen Mittag geritten war, mußte vorzüglich den 12jährigen Prinzen bedeutend anstrengen und so kam es denn auch, daß der Prinz vor Hunger und Durst in der Gegend von Grünhain[27] Kunzen bat es zu erlauben vom Pferde abzusteigen und auszuruhen.[28] Da nun die Gegend durchaus nicht bewohnt war, so glaubte er ohne seine Sicherheit zu gefährten, es erlauben zu dürfen. --
Auf dem Schlosse zu +Altenburg+ war durch die Entführung der beiden Prinzen alles aufgeboten und dem große Belohnung versprochen worden, welcher zur Entdeckung des Prinzenraubes behilflich sein könnte. Der Kurfürst bekam auch sogleich einen Eilboten zugeschickt und ließ deshalb folgendes Schreiben und Aufforderung in alle Gegenden des Landes durch reitende Boten austheilen:
»+Friedrich, Hertzog zu Sachsen, Churfürst! liebe getreuen, uns ist Cuntz und seine Helffers uff hind in unser Schloß Altenburgk gestiegen, und haben unser beyden Söhne, das Gott geklaget sey, weggebracht -- ist es versicherlich, Sie werden mit Ihnen aus unsere Landen nicht eylen, sondern sie etliche Tage uff den Wäldern und Höltzern enthalten, und sie zu Fuß fueder schicken. Begehren wir von Euch -- daß ihr mit reisiger Gezeug und Fuhren, so stark ihr immer werden möget, uff den Walden, Höltzern und sonst, wo ihr für das Beste erkennet, suchen und suchen lassen, und fleißiges Aufsehen haben, uff dieselben unsre Feinde und unsre Söhne, daß ihnen die wieder abgedrungen, und aus ihren Händen wieder zu uns bracht werden. In dem Euch so beweisen, als wir uns alles guten zu Euch versehen, das wollen wir in allen guten umb Euch erkennen. Geben Altenburg, ~tertia Kyliani Anno L. quinta~.+«[29]
In allen Orten wurden die Glocken geläutet, und so wurde es denn bald in allen Gegenden des Landes verbreitet. In der erzgebirgischen Stadt +Geier+, 3 Stunden von +Grünhain+ zersprang die große Glocke.[30] --
+Kunz+, der durch das Stürmen wohl wußte, daß es ihm galt, glaubte dennoch sicher zu sein, da er bereits selbst bei +Waschleute+ glücklich vorbei geritten, also dem ersten Ziele ganz nahe, nur etwa ¾ Stunde noch von Schwarzenberg entfernt war, ließ also den jungen Prinz +Albrecht+ absteigen, um Waldbeere pflücken zu dürfen.[31] Auch Kunz stieg ab und suchte dem Prinzen +Albrecht+ Waldbeere, indem er sein Pferd am Zügel hielt. Indessen Kunz immer tiefer in dem Walde Waldbeere suchte, nährten sie sich einem Köhler, Namens +Georg Schmidt+, der mit seinem Hunde sein Mittagsbrod theilte.
Dieser Köhler hatte früh seinen Lehrburschen, +Urban Schmidt+, seines Bruders Sohn, nach +Geier+[32] geschickt, um Lebensmittel zu holen, welcher denn daselbst gehört hatte, daß auf dem +Altenburger+ Schlosse ein großer Raub statt gefunden hätte. Köhler +Schmidt+, der nun in jenem Walde, wo damals blos eine Köhlerstraße hindurch führte, diesen Ritter erblickte, vermuthete deshalb, daß das der Räuber mit dem Raube wäre, er fragte ihn daher: »Woher und wohin mit diesem Knaben?« +Kunz+ entgegnete: »Ein böser Bube, der seinem Herrn entlaufen ist, den ich ihm wieder zuführen muß.« -- Doch in diesem Augenblicke verwickelte +Kunz+ sich mit seinen Sporen im dicken Dorngestrüppe und stürzte nieder. Schnell wollte er wieder aufspringen, allein sein Panzerhemde hinderte ihn dazu. Diese Gelegenheit benutzte der Prinz und raunte dem Köhler ins Ohr: »+Ich bin ein Fürst von Sachsen und bin gefangen, mache mich los, mein Vater soll dirs wohl vergelten!+«
Dieses hörte Kunzens Reißiger, sein treuer +Schweinitz+,[33] erhob sein Schwerdt, und wollte den Prinzen, weil dadurch alles verrathen war, tödten. Allein der Köhler +Schmidt+ fing den Hieb durch seinen Schürbaum auf. Seinen Hund nun hetzte er sogleich auf Schweinitzen und er selbst lief zu Kunzen, der immer noch dalag und schlug ihn mit dem Schürbaum, daß er ihn todtgeschlagen hätte, wenn nicht Prinz +Albrecht+ für ihn gebeten hätte. Durch das Hundegebell und übrigen Lärm war des Köhlers Frau, geborne +Marie Wälderin+, herzugekommen. Als sie aber sah, daß ihr Mann sich mit Räubern herumschlug, gab sie das gewöhnliche Waldzeichen, was bei Gefahren alle Köhler zusammenruft.[34] Dadurch waren in einem kurzen Zeitraume viele Köhler versammelt,[35] so daß sich bald +Kunz+ mit seinem treuen Diener +Schweinitz+ gefangen geben mußte.
Sein Knecht +Albrecht Adolph+ war entflohen, wurde jedoch noch eingeholt.
Kunz, der sich nun für verloren sah, bot dem Köhler +Schmidt+, eine ansehnliche Belohnung, allein dem Köhler war Kunzens Gold nicht so lieb als seine eigne Person und er mußte sein Gefangner bleiben.
Prinz +Albrechten+ führte er in seine nahe gelegene Köhlerhütte, stärkte ihn durch ein einfaches Mahl und gab ihm aus der Quelle, die jetzt durch das Denkmal eingefaßt ist, zu trinken. --