Der Ring

Part 3

Chapter 35,414 wordsPublic domain

Des ward Bertschi fröden vol, Es geviel ym alles wol Und sprach: Ich wil und muoss sey haben, 35 Hiecz mir all mein freunt erschlagen. Wie ich mag, sey muoss mir werden, Scholt ein ganczes land verderben! Des nam er seinen freunt dar zuo, Engelmaren Farindkuo 40 Und seinen vetter Gumpost, Herman den Rürenmost, Niggeln Fesafögellin, Janseln Snellagödellin, Hafenschleken, Nagenfleken, #17c Schlinddenspek und Ofensteken Und den alten Colman, Den scholt ich vor genennet han, Nabelräybern mit dem stil, 5 Und anderer erberer leuten vil. Er ruoffet seinen mumen, Juczin Scheyssindpluomen Und Elsbethen Völlipruoch, Engeldrauden Erenfluoch, 10 Snatereinen, Töreleynen, Juncfrawn Feynen mit der seynen Und die alten Läichdenman Mit dem blöden reffzan, Die sich daucht so wiczich sein. 15 Die châmend all zuo im hin ein, Seu wurden alleu umb in sten Und frâgen, wes er wolt begen, Daz scholt er freileich in verjehen. Bertschi sprach: Daz sey geschehen! 20 Sein parlament so huob er an: Hört, ir frawen und auch man, Lieben freunt, vernempt mich eben Und geruocht mir rât ze geben! Ich mag nicht lenger sein an weib, 25 Scholtz mich chosten meinen leyb. Ich han mir eineu ausderkorn, Die mir ze sälden ist geporn. Ich muoss sey han, es tuot mir not, Anders ich würd ligen tot. 30 Daz ist ein dink, daz ich euch bitt, Und trauw, ir sayt mir treuleich mit An rât und auch an hilf dar zuo. ** Des antwürt ym do Farindiekuo, Der sein nächster öhaym was: 35 Ich chan dir nicht geraten bas, Tuo ein dink, daz wesen muoss, Und acht nicht umb einr hennen fuoss, Was man sing und was man sag! Des hilf ich dir, so vil ich mag. 40 Des wunders mich joch gar bevilt, Daz du von uns nu haben wilt Rât umb sach nach deiner sag, #17d Die anders nit gewesen mag. Hin wider sprach do Triefnas: Wetter zieggel, was ist das? Wer chan iederman gevallen 5 In ernst, in schymph und auch in schallen? Nie chayn dink daz ward so schlecht, Güter rat der chäm ym reht. Dar umb Cumpost wiczen vol, Rât mir, wie ich faren schol! 10 Gumpost der huob an und sayt: Ich brüf, daz in der cristenhäyt Dreu ding man vindet guot von art, Zuo den nie guot ze raten wart Durch der grossen fluochen wegen, 15 Die man geyt den rategeben, Daz ist zuo einem münch ze werden, Weyt ze farn auf diser erden Und auch zuo der hailigen e. Also sag ich dir nicht me. 20 Doy, was wunders was ist das? Sprach do Bertschi Triefnas. Wie mag yemer misselingen Weisem rat zuo guten dingen? Nu dar, mein lieber Rürenmost, 25 Gib mir warm in disem frost, Mach mir chuol in diser hicz Mit deinem rât von chluoger wicz! Rürenmost der sprach aldo: Dein dink daz ist gestalt also, 30 Daz du jo reuwich muost beleiben, Welhen weg du dich wilt scheiben. Nimpst ein weib, dicz wesen muos, Daz dir wirt sorgen niemer buoss, Arbayt get dir selten ab. 35 Merk vil eben, was ich sag! Hast du danne weibes nicht, Chäin sälde deinen leib geschicht, So wilt dein äygen pluot verderben, Ein frömder gast der wirt dich erben. 40 Do daz nu Bertschi so vernam, Von läid er von ym selber cham, Er sprach: Nu we mir heut den tod! #18 Umb und umb ist angst und not. Fesafögili sag an, Was tät noch ein cristen man? Des huob der guot man an und sprach: 5 Wir horrend, daz in disem bach Ieder furt ist bös ze reyten; Dar umb so lassen wir die seitten, Die die böser ist genant, Und kerin zuo der bessern hand! 10 Daz ist, du scholt also beleiben An eim weib dein zeyt vertriben. Scheyssindpluomen dicz vernam, Wie schier sey huob ir chläffen an, Des auch nicht zfersweigen was! 15 Sey sprach: Her Niggel, wisset das, Ein weiser man der chan her zellen Alleu stuk und dar aus wellen, Was daz besser wesen schol; Dar inn man spürt sein wicze wol. 20 Daz böser habt ir aus gelesen, Des muost ir unser narr wesen. Ist nicht wäger, daz ein man Hab ein frawen wolgetan, Die sein phlege nacht und tag 25 Mit flisse, so sey beste mag, Dann daz er also beleib Arm und ellend an ein weib? Was sorgen wil er danne haben? Der sich vekeut mag betragen, 30 Daz ym gesund ist an dem leben, Wil er gutter sinnen phlegen. Snellagödili vil drat Sprach: Dicz dink wil haben rât Und bedarff noch wiczen vil. 35 Es ist nicht ein chindenspil. Wissz, das besser ist, ze sterben, Dann ein böses weib erwerben, Die dich sirtet durch daz jar Taugenleich und offenbar 40 Mit schelten und mit fluochen, Mit straffen und versuochen. Nieman mag vor ir genesen. Pist du aus dem haus gewesen, #18b So snarchelcz her in irm zorn Und spricht: Du hast dein trew verlorn Gen mir, des muost du liden; Du gest zuo andern weiben. 5 Stest du aver in dem haus, So sprichtz: Die nunn kümpt niemer aus, Mich duncht, es sey ein stubenritter, Er stinkt so saur, er feist so bitter In der äschen bi dem feur, 10 Daz mir alleu fröd ist teur. Emphilhst du ir das haus mit sampt, So wil sey herschen in dem ampt. Wilt du dir ein täil behalten, So sprichcz: Sein müss der tiefel walten! 15 Getar er mir getruwen nicht? Ich stift im gift dem bösen wicht. Seczt sey dir dann hürner an, So muost du tuon recht sam ein man, Der sein laster schol verswigen, 20 Und sam ein wolf gefangen lygen. Dar zuo sprach frou Follipruoch: Mich zympt, du seist der weiben fluoch. Waistu nicht, daz in aller hab Guot und bös man vinden mag? 25 Dar umb spricht ein wiser man: Suoch ein weib nicht verr hin dan! Wilt du aber einen herren, Sich den vinde die von verren, Von dem dich mügest brechen wol, 30 Halt er dich nicht, sam er schol. Hie pey macht du merken gar, Wie ein man ym reht dervar Ein weib geschikt von guoter art, Vor der käin dink nie besser ward; 35 Wenn beleibst du in dem haus, Sey ist dein phleg, sey wart dir aus; Verst du aus, sey ist dein segen; Gest du ein, sey kümpt hin gegen Mit irem minnechleichen gruos, 40 Er tuot dir alles leides buoss. So hâcz mit trewen schon behuot Haus und er und ander guot. Haffenschlek enmocht dicz nit leiden. Er sprach: Waz schol ich fürbas sweigen? #18c Siha, wunder, was die chlaft! Sey wil uns leren kauffmanschaft Zuo weiben, dar an ieder man Betrogen wirt, wie vil er chan. 5 Man versuochet älle dinch, E daz man den chauff volprinch, Dann alläin die fäigen frawen, Die sich so selten lâssen schauwen Äigenchleichen vor der e. 10 Daz pringt vil mangem jamers we, Der im da lernet gar ze spât Die tädel, die sein weibe hât. Erenfluoch der ward so gâch Ze reden, daz sey sich vil nach 15 Besäichet hiet ze stunde. Seu ruoft aus irem schlunde: Her Hafenschlek, ir seicz ein chnecht, Der wider got und widers recht Wüsten wil die häiligen e; 20 Daz muot mich ser und tuot mir we. Sagt mir, wo habt irs gelesen, Daz yecleich weib schol ubel wesen? Habt ir noch nicht daz gesehen, Daz man iedem wol schol jehen, 25 All die wil er nicht enist Bewärt ein mensch mit böser list? Dis verhörret Nagenflek, Er schre: Sim, siha durch ein zwek! Die hat gelernt nach irm versehen 30 Der siben chünste vierzehen. Noch wäiss sey wenich, daz die schrift Für wârs von allen frawen spricht: Von natur ist iecleich weib Unkeusch gar an irem leib. 35 Snattereyna dicz verreit. Sey sprach: Und ist es noch nicht wett, So hörr noch eins, daz sag ich dir. Wer nach seines herczen gir Leben wil, der tuot nicht recht, 40 Es sey ritter oder knecht. Dar umb so hat uns got gegeben Beschäidenhait, nach der wir leben Gmäynchleich und nit sam die hund, Den käyn er ist worden chunt. 45 Schlinddenspek sich macht herfür, #18d Er sprach: Hy yo, was ich noch spür Mü und zerung pey der e! Gnuog und vil und dannocht me Haben muost du so zehant 5 Gelt und reiches pettgewant, Frawencläynet, hausgeschier, Cläyder vil für ander vier, Wein und brot und fläisch und visch, Und anders ghört zum tisch, 10 Haus und hof und knecht und vich Äker, wisen. Bertschi, sich, Merk und höre, waz seyn wirt, Daz uns armen leute syrt. Töreleyna: Sim so 15 Mich dunkt, du seyst gmacht us stro, Also get dir von dem mund Toren red ze diser stund. Du sprichst, wil er ein frawen haben, So muoss er gelt im pautel tragen, 20 Dar zuo gewand und ander ding. Hörr ein anders, daz ich sing! Sag mir, wie tet Adam, Der dhain phenning nie gewan Und lebt neunhundert jar und mer 25 Mit eren in der alten e. War zuo ist daz bette guot? Sichstu nit, wie ein Unger tuot, Der nie kain vedergwand gesach Und schaft im dannocht guot gmach? 30 Wilt du haben ander gewand, Sich ein weib von Spangenland, Die kain andreu chläider hat, Ein leinlachen ist ir wat, Gestrichet ob der achseln zuo, 35 Da mit so hütet sey der kuo Und get zuo fuoss, wie schon sey spint, Und träyt ein wiegen mit eim kint. Frawen chläynet, was ist daz? Daz ist ir tugend, die vil bass 40 Zierent schon ein yecleich weib, Dan mit perlen chrönter leib. Hausgeschier daz ist wol guot, So tuo, sam oft ein soldner tuot, Der ym umb einen schilling vint 45 Küchingrait zuo seim gesint. Mag er dan nicht wein gehaben, So schol er sich mit wasser laben, #19 Sam ein man von Preussenland, Dem chäyn weinreb ist derkant. Wem ist dann des fläisches not? Ein prediger hat wangel rot, 5 Dar zuo fäissü angesicht Und doch kains ochsen nicht. Du retst umb visch? Du bist nicht weis. Wis, es ist ein herren speis. Der wein und pfeffer nith enhab, 10 Der tuo sich aller vischen ab. Haus und hoff daz ist ein er. Hörr, wie tuot ein Lamparter, Der in eins andern herberch stet Und sich noch dreistund bas beget 15 Mit seinem gelte fru und spat, Dan der daz haus geschaffet hat. So sprichst du: Wo ist knecht und dirn? Mich dunkt, du seist ein tabigs hirn. Wer nicht haben mag en knecht, 20 Der dien ym selber, daz ist recht. Nu muoss oft einr eim andern dienen Und ym in seinen drüssel gienen. Vich ist nücz nach deiner sag: Ja, äss es weder nacht noch tag, 25 Geschäch im von kaym schalmen layd Noch von wolfen auf der häid. Acker, wisen wärind guot, Bhielt seu got vorm schaur behuot Und vor frömder sichel gar, 30 Vor mausen und vor vogel schar. Protz des ist uns allen not: Gelobt sey er, der uns es bot! Doch bedarff man sein nicht vil, Der nach der masse leben wil. 35 Nach der weisen lerer sag Kainem man gebresten mag, Der sich benügt, die weil er wert, Des, da die sein nataur begert. Ofenstek dar uber sprach: 40 Jamer not und ungemach Ist noch an den weiben vil, Sam ich euchs beschaiden wil. Ist sey schön und junger tagen, Kain guot du macht von ir gehaben, 45 Du pist versmacht, so kans auch nicht. #19b So ist es swär nach meinr versicht, Ein dinch ze halten sunderbar, Nach dem man stellet durch daz jar. Ist sey alt und ungeschaffen, 5 So mag sey anders nicht dan klaffen. Du bist versaumpt, sey fröwt dich nicht, So ist auch hart, sam man da spricht, Ewekleich ein dinch ze halten, Des da niemant wil gewalten. 10 Hat sey dann der freunden vil, So träyst du sorg zuo allem spil, Ob ir einer richt scand Und pring dich sampt mit ym vom land. Die armen nagend dich aufs päyn, 15 Die reichen achtend dein vil kläyn. Wilt du leben ungeschlagen, So muost sey für ein frawen haben. Ist sey ungefreund und arm, So hast du wirser nie gevarn. 20 Wie oft man dirs in daugen schlecht, Du hast dich gnidert und gswecht, Du bist ze einem bettler worden Mit weib und kindern gar verdorben. Junchfraw Fina sprach zehant: 25 Yederman der sayt sein tant, So wil ich auch den meinen an Heven, so ich beste kan. Ofenstech, noch pist ein gpaur. Waz sayt der maister von nataur? 30 Spricht er nicht, daz seubreu gstalt Rains gemüt in ir behalt? Dar umb schol kain weiser man Schones weib für übel han. Ist sey jung und chan nicht vil, 35 Dar zuo ich dir sagen wil, Daz sey noch gelernet wol, Was ein hausfraw kunnen schol. Sey lât sich piegen und auch smiegen, Sam ein kindel in der wiegen. 40 Muost du dann ein alteu haben, Daz scholt du dannocht wol verklagen. Sey ist dein amm und peut dirs wol, Sey tuot dir alles, das sei schol. Mag sey dann nit kinder tragen, 45 So scholt sey für ein muoter haben. Ist sey dann nicht hubsch, daz sey, #19c So scheynt sey dester bas da pey. Wie schon ich das bewaren mag Nach der chluogen logich sag, Ye ungestalter ist ein weib 5 Ye mer sey zieret iren leib Mit bstreychen und aufmachen, Mit gwand und andern sachen, Ye mer sey dann gezieret ist, Ye schöner scheynt sey ze der frist. 10 Warta, warta, durch ein schäiss, Was sey der sophistrey wäiss! Sprach do Ofenstech vil drat. Der tiefel dichs geleret hat. Nu dar, daz sey des tages guot! 15 So sag, wie er des nachtes tuot, Wan sey so nakent pey ym leit, Ungetan recht sam ein scheit! Des antwurt sey ym so ze stet: Kain liecht so lass er pey dem pett, 20 Des mag er auch geraten wol Ze ligen, da man schlaffen schol. Ist nu, daz er wenich gesicht, Ir ungestalt die schadet nicht, Wan an dem griff sind älleu weib 25 Des einen leders, wie mans treib. Ze gelicher weis ist es gestalt Umb de hünr, die manichvalt Federn tragend in der heut, Und so mans pringet für die leut 30 Auf den tisch gepraten häiss, So zaygents doch nur ein fläsch. So waynn ich auch in minem muot, Du sprechist, es werd selten guot, Ze hoch ze weiben und ze nider; 35 Dar umb so sag ich dir hinwider: Welher wil mit sälden reichen, Der füg sich zuo den sein geleichen! Do nu die red ein end gewan, Die alt fro Berchta Läychdenman 40 Ruoft vil laut: O jungeu kinder, Ez seczt den wagen für die rinder. Wisst ir nicht, daz alter hat Für die andern weisen rât? Dar umb so was ze heven an 45 Pey unserm vattern Colman Und nit ze rauschen in dem rat Einr fürn andern ungefragt. Dar zuo sprach do Engelmar: #19d Die red ist an ir selben war, Doch sprichst sey mit neyder list, Won du die aller eltest pist. Der rât wär graten ze schanden, 5 Hiet mans nit understanden Mit stangen und mit rechen. Bertschi huob an ze sprechen: Ir herren, wisst, es ist nicht recht, So man daz chrumb schol machen schlecht, 10 Daz man es noch danne chrumber mach. Da mit und er zuo Colman sprach: Du waist wol, daz ze aller zeit In dem rât und in dem streit Die ersten und die lesten 15 Schüllen sein die besten; Dar umb sag an, vil guoter man, Was daz wäygist sey getan. Colman sprach aus chluogem sin: Wisst, daz her chumen pin 20 Lüsens und nicht claffens wegen, Won mir got geruocht ze geben Oren zway und einen mund. Da pey schol euch auch wesen kund, Daz einer wenich reden schol, 25 Hören vil, so tuot er wol. Hin wider sayt do Triefnas: Wiss, daz mir gevellet bas Weyseu red in guoter zungen, Dann ein sweigen von dem stummen. 30 Mas ist guot zuo allen dingen, Bessers chan ich dir nicht singen. Also huob der grawe man Sein red vil züchtichleichen an: Daz sprüchwart ist mir oft gsäit: 35 Alter part hat weisshäit. Dar zuo pin ich worden innen: Iunges hirn phligt cluoger sinnen. So duncht mich auch, sam gwissen ist, Die frawen sind nicht ane list. 40 Daz hab ich sunderleichen gesehen In disem rât, des muoss ich jehen. Hie ist gerürt so mancher punt Und auch geschäyt so gar von grunt, Daz ich euch nichcz gesagen chan, 45 Dann kindelred, die heb ich an. #20 Nu hin, daz sey, das yecleich weib From und erber sey von leib, Daz doch läider nicht gewesen Mag, sam ich es han gelesen. 5 Dannocht fügt dir dhaine nicht. Hört, was uns die warhait spricht! Niemant zwain hern gedienen mag Schon und eben nacht and tag. So macht du nicht gevallen 10 Deinem weib mit schallen Und mit andacht deinem got. Daz sag ich dir aus kaynem spot, Wie gleich es tönt ze einem zil Der psalter mit dem saitenspil. 15 Dar zuo hab ich auch gelesen, Wil ein man behalten wesen, So bedarff er weibes nicht; Daz ist auch war nâch meinr versicht. Hie mit legt sey sich da nider 20 Auf die benk und in daz gefider; Du muost sey für ein siechen halten Und von ir nimer dich geschalten. Und voll, wan sey nu swanger wirt, Wann sey nu dann daz kind gepirt, 25 So spricht man, daz sey genesen sey. Hörr, was ich versten da pey! Sey ist genesen glich sam der, Dem zergangen ist ein geswer Und der rut ist an gevallen, 30 Das swer ich allen pey sant Gallen. Secht ir nicht, daz erst sich hebt Kindelgeschräy und kindelpett, Windel waschen, kindel paden? Darzuo muoss man ammen haben. 35 Chamerweib die getrunkend me, Dann man wassers vind ym se, Seu fressent vil und sagent an, Es hab daz kindel alz getan. Diss ist dannocht alz ein wind, 40 Bis daz jo nu gewachst daz kind. Erst so muoss man leiden haben, Wie mans erleich muog betragen Mit chläidern und mit nerung Mit geschüch und ander zerung. 45 Den knaben muoss man besorgen #20b Den abent und den morgen Vor stelen und vor rauben Offenbar und taugen, Vor schlahen und vor stechen, 5 Vor knüsten und auch brechen; Die tother muoss man behuten Vor laster und vor wüten, Vor schuolern und vor phaffen, In heusern und in gassen. 10 Nu dar, daz sei derlitten! So hat daz kind den sitten. Wenn nu der leib und sel Gewaget hat umb guot und er Im ze fröden und ze gewin, 15 Daz es ym spricht in seinem sin: Zarter vatter, wärist begraben, Daz ich das erbe mocht gehaben! Des jamers wirt man selten an, Wie schön daz kindel sey getan. 20 Wirt es aver gar verlorn Oder lam und plint geborn, Zum narren oder zstummen, So ist uns erst zrunnen Alleu fröd und sälichäit. 25 Die mär sein euch von mir gesayt. Doch hiet ich uch ze sagen mer, So matrent mich der huost so ser, Daz ich es nicht volpringen mag, Waz ich in den sinnen trag. 30 Do die rede so vergie, Käyner kond gewissen, wie Man scholt da wider sprechen. Seu warend gar derlechen Und woltens alleu mit ym han, 35 Dan die alt fraw Läichenman, Die sich ieso furher macht. Wie laut sie spächt, wie ser sey pracht! Und tätin mir die zend nicht we, Ich hiet euch wol geantwurt e. 40 Mit urläib sprich ichs, liebeu kinder, Aus kelbern werdent stärkeu rinder, Mit dem man pauwet und auch ert, So in die hurner werdent hert. Hie pei scholt es merken das, 45 Die weil ich chlainer tagen was, Do verstuond ich mich auch chläyn, #20c Do red ich, sam die kind gemäin, Und tet auch nach der jungen orden: Nu pin ich, secht, zum menschen worden Und han verworffen kindel spil, 5 Dar umb so wisst, daz ich nicht wil Volgen eines mannes sag, So ich daz besser haben mag. Ir scholt mirs nicht für übel haben, Her Colman, daz ich euch wil sagen. 10 Do ir es scholtent heben an Ze raten sam ein weiser man, Daz ertrich ward sich wegen Und über sich derheben, Ich forcht, ein drak scholt kumen her, 15 Do sach ich zuo, es was ein scher, Plint und plöd und ungestalt, Den wil ich temmen also bald Und heven an den lesten an, So ich nu aller beste chan. 20 Ir sprecht, ir hiet uns mer gesäyt, Do mocht ir nicht vor huostes läid. Nu dar, der huost der ist do hin: Sagt, waz hiet ir in dem sin? Des äntwört so her Colman: 25 Lengeu red stet übel an, Dar umb so sag ich anders nicht, Dann kurzeu wörter, die man spricht. Daz gwarest spruchwart daz ist daz: Einiger vatter füret bas 30 Syben kinder durch einn gatter, Dann siben kinder einen vatter. Hie mit, fraw von hoher list, Tuot es durch den süssen Crist Und zaigt uns ewer wiczichäit! 35 Ze lernen was ich ie berayt. Do sprach Laychdenman zehant: Her Colman, wisst, es ist ein schand, Ze lernen einen greysen partt, Syben und sibenczig jaren alt; 40 Doch ist böser wann ein man Pey alten zeiten nicht enkan Und ym auch lernen nicht enwil, Des hat er schand und lasters vil. Dar umb so merk die rede mein, 45 Welt ir bas geleret sein. #20d Got, do er geschaffen hiet Daz erste mensch in rechter lieb Und ym verpott des öpfels mas, Die geschepht sein trew vergas 5 Und des schepfers gpott zerprach. Dar umb so hab kain ungemach, Ob dir deineu kinder nicht Dankin nach deinr zuoversicht, Won du deinen vordern so 10 Gelonet hast mit haberstro. Doch so muoss ich dir des sprechen: Ein man ist sneller vil, ze rechen Seinen vatter, dann daz kind, Ob seu ym päydeu gsmähet sind. 15 So sprichst, der rede sey genuog, Claffen vil sey narren fuog. Daz möcht sich alles wol begen, Woltist du die red versten, Für uppig und verdrossen, 20 Für schedleich ungenossen; Aver ist die zunge guot Und nücz, sey kaynen schaden tuot, So mags auch nicht zlange gesein, Daz leg dir in daz hercze dein. 25 Hast du nie gehöret, das Grosses vich wil michel gras? Da vor so hast du uns gesäyt Den grosten jâmer und daz läid, Die wir tragin auf und nider, 30 Hat daz kind nicht älleu gelider. Hier zuo sag ich dir geswind: Wiss, daz edler ist ein kind, Hatz ein wesen in der hell, Dan dacz mans für nichti zell. 35 Hörr auf, sprach da Colman. Mich duncht, der aller vilest kan, Der leugt and fäillet aller mäyst Wider got und seinen gaist. Waist nicht, daz die warhäyt spricht 40 Von Jaudessen dem falschen wicht, Sein dink hiet ym vil bas gedigen, Wär er ungeporn beliben. Seth, daz tet fraw Leichdenman zorn. Wie nâch sey hiet ir sin verlorn! #21 Sey sprach: Verhört, her Colman! Mich duncht, ir leugt euch selber an. Ir sprecht, daz lernen euch behag Und welt mich straffen nacht und tag; 5 Daz stet nicht wol, es ist kain recht Von einem schuoler oder knecht. Wolt ir lernen, sweigt und hörrt Mit ganczer dyemuot hie und dört! Des sprach do Cholman zuchtichleich: 10 Genad, vil liebeu sädenreich, Hab ich wider euch gjehen, Daz ist umb anders nicht geschehen, Dann daz ich die wârhayt gar Mit red und widerred dervar. 15 Ich zweiveln in der vinster ler, Helft mir, fraw, durch ewer er! Ja du, sayt du Laychdenman. Noch so wilt mirs gewinnen an. Woltist solicheu rede tuon, 20 Du möchtist chomen noch ze suonn. Wiss, ich pin da wider nicht. Waz got tuot und was er spricht, Ich sich es mit der warhait gen, Der es gar eben mag versten. 25 Dar zuo ist die glos vil guot, Wan der text uns zwivel tuot. Daz sey uns beschäyde schon Rechtes sinns in chlugem don. Nu spricht mein text: Das böste ist, 30 Nichcz nicht wesen älleu frist; So säyt der, dem daz besser wär, Dem gotzverräyter nicht so swär, Ob er gewesen wär ungporn, Wan sein sel ist gar verlorn. 35 Hie pei so dunkt dein wiczichäit, Es si ein widerwartikäyt; Daz wil ich so geleichen dir, Es ist auch war, gelaub es mir, Wäger war ym das, daz er gesnitten 40 Von seiner muoter wär enmitten, Dan daz er geporn wart Und die muoter nicht enstarb, Won er sey bschlieff dar nach vil tag, Den hals er schluog dem vatter ab. #21b Ein anders glösel also spricht: Wäger wär ym, daz er nicht Pey Cristes zeiten wär geporn, Won daz schuoff im disen zorn. 5 Doch schol diss ein end haben! Alleu mär sein nicht ze sagen Und schüllen cheren zuo der sach, Die dein torhäit vor dem sprach Umb die chinder, die da geporn 10 Werdent tod und gar velorn. Hie verleust der vatter an Ze geleicher weis recht sam der man, Dem man yeso gebent wirt Ein paum, der taubeu nüssel gepirt. 15 So hâst gerett gar âne not, Daz kind beger des vatters tod. Was schad mir daz, sam man da spricht, Gedench und wünsch mich chrenkent nicht? So spricht man leide fruo und spat 20 Von gewachsner kinden missetât. Hie für so ist daz lernen guot Und daz straffen, daz man tuot Jungen kinden nacht und tag, Die wil man seu gepegen mag. 25 Was sayst danne von der zerung, Von den chlaydern und von nerung? Wäyst nicht, daz der mensche werden Schol derzogen auf dirr erden Mit einem sach, mit gfüger speis, 30 Wil man in machen from und weis, In seiden alten werdend, Vil reich und sälich sterbend? So ist kain gelt dem jungen guot, Dem die zerung schaden tuot. 35 Macht dann alter weiben nicht Gehalten nach der ammen phlicht, So emphilch der muoter zart Ir kind, daz sey sein selber wart Mit saugen, hüten und auch phlegen. 40 Daz ist dir von nataur gegeben. Was chlafft von windelen und von wäschen, Die weil daz wasser und die äschen Mit holcz und altem leingewand Sind so wolfäyl in dem land. 45 Da pey so wilt uns auch derschrechn #21c Mit kindel geschray und kinderpetten, Mit siechtuom und mit arebayt: So hab dir daz von mir gesayt: Äigen haus und aigen chind 5 Machend grosseu mü ze wind Und klaineu fröd ze paradeys. Der red ich dich also beweis: Ist der smid in seinem haus, So stet er von ym selber auf 10 Und smidet lustleich uber tag, Daz er den gewin im peutel hab; Ist er in eines smitten, In dunckt, er hab ein jar gelitten, So er gearbayt einen tag, 15 Wie chlain er sich geheven mag Aus dem pett des morgens fruo, Wan daz gelt get ym nicht zuo. Greynt mein kind, mich dunkt es sing, So wol gevellet mir die stimm; 20 Es ist dem nachgepauren schad, Der da bey nicht geschlaffen mag. Hab ich dann äiger in dem haus, Da mach ich grösseu hüner aus, Die mich dunchent fäysser sein, 25 Dann des mullners mesteswein. Nuss und prott auf meinem tisch Smekend bas, dann all die visch, Die der marchgraf von Ferrär Gäb mir, ob ich pey ym wär. 30 Sprichst du aver, daz ein man An ein weib müg haus gehan, Das ist nicht stät nach meinr versicht, Won es enhat des grundes nicht. Die gruntfest ist ein bider weib, 35 Die daz haus mit irem leib Aufenthalt mit manigen sachen, Mit kochen und mit kindermachen. Wirt sey siech und dar zuo blöd, So wirtz auch gesunt, daz ist ein fröd. 40 Du hast gelesen in der gschrift, Ein man bedorff des weibes nicht, Ob er gottes reichs geruoch. Waz ghort daz zuo grawem tuoch? Ist nit da geschriben pey, 45 Daz ym daz weibe schedleich sey? So hört ich pey der ersten sag: Niemant zwäin gdienen mag. #21d Das merke, zwäin, sam ich es vind, Die enander wider sind. So ist dein weib der tiefel nicht; Dar umb so acht ich wenich der gschrift 5 Und ker mich lieber an daz wort, Daz ich hab funden an eim ort, Und spricht, daz nicht allayn die mait Wesizent ewich sälichait, Es mag auch sein, daz gmähelt leut 10 Wehalten werden mit der heut, Wie gewar es ist und nicht ein trom. Sant Eustächi, purger ze Rom, Hiet ein weib und dar zuo kind, Die sampt mit ym wehalten sind, 15 Und ander grösser hailigen vil. Claff nu, wer dergaffen wil! Do die red sich hiet verdrapt, Der an Cholman sich gehabt Hiet, der warff sich wider umb; 20 Da mit so ward die tädinch krumb. Dennocht ruort sich alter part Hin wider umb ein ander vart. Er sprach: Dis muoss der tiefel geben Oder got mit sinen segen, 25 Daz ein weib zuo disen stunden So genczleich hat mich uberwunden An beschaidenhäit und an der gschrift. Doch so mag ich gelauben nicht, Daz Mäczli fuog dehainem man, 30 Dem die welt der eren gan, Die so flach ist, dar zuo hinkt, Der der aten also stinkt. Sey ist so bugglocht und so churcz, Der eren acht sey nit ein furcz. 35 Wie swarcz sey ist und ungevar, Vor schand sey niempt genennen tar. Do hatz auch nicht, daz ist der galg. War zuo ist uns diser balg, Den die fliegen so beschissen 40 Hant und auch die hund zerrissen? Laychdenman huob wider an: Sym, was er chan der schymlig zan! Wiss, ich sag dirs unter daugen Wilt du der warhait nicht gelauben, #22 So gelaubt man aver das von dir, Du seysts ein esel und ein stir. Was säist du uns mit deiner list? Du waist noch wenich, wer du pist? 5 Ist sey chrofecht, kumph und lam, Do schol man sey für edel han. Stincht ir aten uber tag, Kain frömder sey gehüssen mag. Ist sey kurcz und hogrocht vil, 10 Dest minr tuochs sey haben wil. Gesicht sey wenich an den augen, So machs auch kind, daz scholt du gelauben. Der swarczen frawen michil ist guot, Grosses tuttli gypt ir gnuog; 15 Rosen wängel, roter mund Sind vil scheder, dann gesund, Won sey oft die jungen chnaben Machent alt in kurczen tagen. Schones har die frawen irt, 20 An dem gepett die man es siert. Nüczer ist ein gärnel spinnen, Dann mit pürsten härli swingen. Rürenzumph ist sey genant, Daz ist allaine dem ein schand, 25 Der sey also haissen wolt, Do man sey zcristan machen scholt. Chan sey dan geparen nicht, Von rechten treuwen daz geschicht; Und hiet sey joch die wol geporn 30 Ir er in süsser minn verlorn, So gdient er antlass nach der schrift, Der sich zuor e mit ir verphlicht. Ist sey arm, nu hin, daz sey! Dannocht lebt sey noch da pey, 35 Sey schlaft dest bas und furcht ir nit Vor teupen und vor feursch gschicht. Es ist behuot ir leib und guot, So hats verguot, wie man ir tuot. Neid ir auch nicht kan geschaden, 40 Daz recht wir sehend armuot haben, Von der noch vil ze sagen wär, Wurd daz püchel nicht ze swär. Hörr zuo, was der weis gepeut! Von rehter liebschaft sich die leut 45 Nemen schollen, nit umb gelt So sein seu sälig in der welt. Nu dar, so hat seu Bertschi lieb, Dar umb so sing ich ym das lieb: #22b Pertschi Mäczen nemen schol Zuo seinem weib, so tuot er wol. Do sängelt junker Triefnas: Ich gehöret nie gesingen bas, 5 Noch ward der tädinch also vil Hin und wider ze dem zil, Daz in swindelt an den sinnen. Ieder schre: Ich wil verprinnen Und dertrinken in der wicz, 10 In dem rât und in dem swicz. Wir möhtens ewicleichen treiben. Dar umb so lassin wirs weleiben Oder hörrin all gemäin Des torffes schreiber muoters äin, 15 Der hat der bücher vil gelesen, Und waz er sag, daz sei geschehen! Henreicze der ward ausderwelt, Ze einem gemainen man gestelt, Daz er die urtäil scholte geben. 20 Der sprach: Nu dar, vernempt mich eben! Ir hietind wol ein weisern funden, Doch geschieht es ze den stunden, Daz ein närrli vindt ein list, Die dem weisen selczen ist. 25 Ich sich wol, warumb es gevält Habt und ganczleich nichcz dertäilt; Es seyt gestanden ze den wiczen, So man mit ruwen scholte siczen; Ir habt gereimet und geticht; 30 Chlugeu sach wil reymens nicht. Wer mag ein disputyeren Mit gmessner red florieren? Dar umb so secz ich mich da hin Und sag euch schlethleich minen sin. 35