Der Pfaffenspiegel Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch-katholischen Kirche

Part 8

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Die Erzählungen von den Siegen über den Teufel, welche er durch die Kraft seines Gebetes errang, sind unzählbar. Sein Gebet war aber auch so innig, dass es Steine erbarmte. Einst machte sich ein steinerner Christus vom Kreuze los und stieg herab, um den frommen Beter zu umarmen. Ein steinernes Marienbild ging noch weiter. Es reichte dem Heiligen die Brust, und dieser trank aus dem Stein die süßeste Frauenmilch! Es ist diese Güte der heiligen Mutter Gottes umso mehr zu bewundern, als St. Bernhard sie eigentlich immer schlecht behandelte und nicht einmal an ihre Jungfrauschaft glauben wollte! Als er einst in den Dom zu Speyer trat, grüßte er das dort befindliche Marienbild: "Sei gegrüßt, o Königin!" Wie erstaunten die Anwesenden, als die geschmeichelte und angenehm überraschte steinerne Mutter Gottes die steinernen Lippen öffnete und ausrief: "Wir danken dir schön, unser lieber Bernhard", aber noch verwunderte man sich, als der verdrießliche Heilige die Worte des Apostels zurückbrummte: "Weiber schweigen in der Versammlung."

Bernhard starb 1153. Er erschien seinen Mönchen mehrmals verklärt im Himmelsglanz, aber - und Spötter sollten sich das ad notam nehmen - in der Mitte seines Leibes war ein unangenehmer Makel, eben weil er an die makellose Jungfrauschaft der Mutter des Jesukindleins nicht hatte glauben wollen.

St. Bernhard selbst hatte 160 Klöster angelegt, die eine zahlreiche Nachkommenschaft hatten, denn schon zehn Jahre nach des Heiligen Tod gab es 500, und hundert Jahre später gegen 2000 Bernhardiner- oder Zisterzienserklöster. Die Mönche dieses Ordens zeichneten sich lange Zeit vor allen andern durch Arbeitsamkeit und Sittenreinheit aus, so dass Könige und Fürsten in die Gemeinschaft desselben traten.

Den Segen, den diese Mönche und die Benediktiner dem rohen Mittelalter hätten bringen können, vernichteten die nun bald entstehenden Bettelorden, welche knechtische Unterwerfung der Vernunft unter den blindesten Glauben lehrten und damit die zügelloseste Sittenlosigkeit zu verbinden wussten. Sie verbreiteten eine dicke geistige Finsternis über die Erde, welche die Päpste und ihre Verbündeten so sehr zu schätzen wussten, dass sie auf das sorgfältigste bemüht waren, dieselbe bis auf den heutigen Tag zu erhalten.

Die Idee der Bettelorden entsprang in dem Gehirn Giovanni Bernardone's, eines verdorbenen Kaufmannssohnes aus Assisi in Umbrien. Er ist bekannt unter dem Namen des heiligen Franz von Assisi oder des seraphischen Vaters. - Da der junge Mann zum Kaufmann nichts taugte, so wurde er Soldat, geriet in Gefangenschaft und verfiel in eine schwere Krankheit. Als er genas, war er - ein Heiliger! Das heißt vorläufig nur ein simpler Narr, der sich unter Bettlern und Aussätzigen umhertrieb, ihre Geschwüre küsste, sich mit ihren Lumpen kleidete und seinen Vater bestahl, um das Gestohlene zum Ausbau einer verfallenen Kirche zu verwenden. Der Bischof von Assisi nahm den Dümmling in Schutz, und bald zog er im Land umher, bettelnd für den Bau der eben erwähnten Kirche. Die Kollekte fiel so reichlich aus, dass er auf den Gedanken geriet, einen Bettelorden zu stiften. Papst Honorius sagte zwar von ihm: "Ihr seid ein Einfaltspinsel", aber Papst Innozenz III., dazu durch einen Traum veranlasst, bestätigte die von Franz aufgesetzte Mönchsregel, die er doch anfangs eine Regel für Schweine, aber nicht für Menschen genannt hatte.

Anfangs wurde Franz verspottet und verhöhnt, aber in der Zeit von drei bis vier Jahren stieg der Ruf seiner Heiligkeit so sehr, dass ihm, wenn er einer Stadt nahte, Geistlichkeit und Volk feierlich entgegenkamen und mit allen Glocken geläutet wurde. (1211.)

Seine Regel verbot es streng ein Eigentum zu haben, und die äußerste Demut war den Mönchen Gesetz. "Die Almosen", sagte Franz, "sind unser Erbe, Almosen unsere Gerechtigkeit, das Betteln unser Zweck und unsere Königswürde! Die Schmach und Verachtung unsere Ehre und unser Ruhm am Tag des Gerichts."

Er ging selbst mit dem Beispiel voran, denn er war demütig wie ein Hund. Je mehr ihn die Gassenjungen verhöhnten, desto lieber war es ihm, und ganz vergnügt war er, wenn sie ihn gar mit Schmutz bewarfen. Aus lauter Demut ließ er sich oft mit Füßen treten. Wenn er in Assisi umherging und bettelte, so steckte er alles Essbare, das er erhielt, in einen Topf, und wenn ihn hungerte, so langte er zu und aß von dem ekelhaften Gemisch. Einst wurde Franz von einem Kardinal zu Tisch geladen; er ließ jedoch alle Gerichte unberührt und aß zum Ekel der delikaten Gäste den Schweinefraß, den er gesammelt hatte.

Die Tiere hatte er sehr lieb und nannte sie seine Brüder und Schwestern. Gar oft predigte er den Gänsen, Enten und Hühnern, und als ihn einst die Schwalben und Sperlinge durch ihr Gezwitscher störten, bat er die "lieben Schwestern" um Ruhe. Einen Bauer, der zwei Lämmer zu Markte trug, fragte er: "Weshalb quälst du so meine Brüder?" - Eine Laus, die sich auf seine Kutte verirrt hatte, nahm er sorgfältig zwischen die Finger, küsste sie und sagte: "Liebe Schwester Laus, lobe mit mir den Herrn!" Dann setzte er sie auf seinen Kopf, woher sie gekommen war.

Seinen Körper nannte er "Bruder Esel", und wenn diesen Esel der Hafer stach, dann plagte er ihn wacker. Er wälzte sich, wie es auch St. Benedikt tat, nackt auf Dornen, stieg bis an den Hals in gefrorene Teiche oder legte sich in den Schnee, bis jede wollüstige, eselhafte Regung verschwunden war. Einst machte er sich in spaßhafter Laune Weib und Kinder von Schnee und umarmte sie so lange inbrünstig, bis sie zerschmolzen waren.

Sein Orden mehrte sich außerordentlich schnell, denn schon im Jahr 1216, als er ein Generalkapitel desselben nach Assisi ausschrieb, kamen hier 5000 Franziskaner zusammen, obgleich ein großer Teil davon nur Abgeordnete von Klöstern waren. Ihre Zahl wuchs bald wie Sand am Meer. Der Franziskanergeneral bot einst dem Papst Pius III. 40.000 Franziskaner zum Türkenkrieg an und versicherte, dass die geistlichen Verrichtungen darunter nicht leiden sollten. Während der Pest 1348 starben allein in Deutschland 6000 Franziskaner, und man merkte die Verminderung nicht. Die Reformation zerstörte unendlich viele ihrer Klöster, allein noch im Anfang des vorigen Jahrhunderts rechnete man die Zahl derselben auf 7000 Mönchs- und 900 Nonnenklöster!

Franz starb 1226, und da er ein Heiliger war, so tat er denn selbstverständlich auch eine Menge von Wundern. Christi Wunder verschwinden vor denen, welche seine Mönche von ihm berichten.

Einst zog er sich in die Apenninen zurück und hungerte hier vierzig Tage lang. Da erschien ihm ein Seraph, der ihm die fünf Wundmale Christi aufdrückte, so dass sie bluteten. Von daher hieß Franz auch der seraphische Vater und sein Orden der Seraphienorden. Die Verehrer dieses Heiligen gingen so weit, ihn wirklich weit über Christus zu setzen und ihm die tollsten und verrücktesten Wunder zuzuschreiben.

Franzens Nachfolger als Ordensgeneral war der Bruder Elias, ein schlauer, durchtriebener Patron, der sich die Einfalt Franzens trefflich zunutze zu machen wusste. Er und seine Nachfolger verstanden es herrlich, Franzens Ordensregeln auszulegen, und dabei wurden ihre Klöster so reich wie keine anderen.

Die geschworenen Feinde und Widersacher der Franziskaner waren die ungefähr um dieselbe Zeit entstehenden Dominikaner, so benannt nach ihrem Stifter, dem heiligen Dominikus. Er hieß Dominikus Guzman und war 1170 in Altkastilien geboren. Er ward zur Bekehrung der Waldenser nach Frankreich geschickt und bekam hier den Gedanken, einen Mönchsorden zu stiften, dessen Wirksamkeit besonders auf das Volk berechnet sein und der sich mit Predigten und Unterrichtgeben und zu seinem Unterhalt mit dem einträglichen Betteln abgeben sollte. Er erhielt vom Papst die Bestätigung, und dieser scheußliche Orden trat ins Leben, um die Welt mit der Inquisition und der Zensur der Bücher zu beglücken. Dominikus selbst war der erste, welcher förmliche Ketzerjagden anstellte.

Er wollte seinen Orden mit dem des heiligen Franz vereinigen; aber dieser hatte keine Lust dazu. Beide Orden standen sich indessen anfangs bei; aber bald gerieten sie aus Handwerksneid in bitterste Feindschaft; auch wollten die gebildeteren Dominikaner stets etwas Besseres sein als die Franziskaner, von denen durchaus keine Gelehrsamkeit gefordert wurde. Der Dominikanerorden wuchs ebenfalls schnell, und 1494 gab es 4143 Klöster desselben.

St. Dominikus verdankt die Klosterwelt eine große Erfindung, nämlich neunerlei Stellungen beim Gebet, mit denen man zur Unterhaltung abwechseln konnte, damit die Sache nicht zu langweilig wurde. Man konnte beten: stehend, kniend, auf dem Rücken, dem Bauch, den Seiten liegend, die Arme ins Kreuz ausgestreckt, gekrümmt stehend, bald kniend, bald aufspringend. Er selbst betete so inbrünstig, dass er von der Erde verzückt wurde, das heißt einige Fuß hoch vom Boden in der Luft schwebte. Er starb 1221 zu Bologna. Von seinen überirdischen Taten, nämlich seinen Wundern, wollen wir schweigen, wir haben genug an seinen irdischen. Fliehen wir aus der Gesellschaft dieses bleichen Henkerknechtes! und wessen Christentum es erlaubt, der mag dem Vater der Inquisition aus vollem Herzen einen Fluch nachrufen, ich stimme von ganzer Seele ein!

Ich hoffe, die Leser werden bereits genug haben an dem Unsinn, den ich ihnen nach den Berichten der Kirchenschriftsteller von den achtungswertesten der Heiligen erzählte, und ich will ihre Geduld jetzt nicht weiter auf die Probe stellen, da ich ohnehin später noch diesen oder jenen Heiligen erwähnen muss. Wäre ich nur darauf ausgegangen, die Heiligen und ihre Wunder lächerlich zu machen, dann hätte ich eine ganz andere Auswahl getroffen, dann hätte ich St. Antonius von Padua, welchen der heilige Franz selbst "ein Rindvieh" nannte, und Konsorten gewiss nicht ausgelassen.

Schließlich will ich nur noch einige heilige Frauen erwähnen; ihre Zahl ist nicht weniger groß als die der männlichen Heiligen, und ihre Schwärmereien und Wunder sind noch bei weitem wunderbarer. Es ist hier nicht der Ort, die Ursachen auseinanderzusetzen, warum das weibliche Geschlecht weit mehr zur Schwärmerei geneigt ist als das männliche und der Verstand der Weiber leichter überschnappt. Die Erfahrung lehrt es uns täglich. Von somnambulen Männern habe ich noch nichts gehört, aber dergleichen Mädchen - nicht Frauen - gibt es in großer Menge. Eine große Zahl der heiligen Mädchen waren ganz sicher Somnambulen.

Eine der ältesten Heiligen ist St. Afra. Ihre Mutter hielt ein Bordell in Augsburg, und sie war darin eine der fungierenden Priesterinnen. Der Zufall, natürlich, führte einst den spanischen Bischof Narzissus in dies Haus. Er bekehrte die Priesterinnen der Venus zum Christentum, und Afra, mit der er sich am meisten beschäftigte, machte er zur Heiligen. Sie wurde später als Märtyrerin verbrannt.

Die heilige Therese war eine Spanierin aus adeliger Familie, geboren 1515 und gestorben 1582. Ihre Verehrer gaben ihr die seltsamsten Titel: Arche der Weisheit, himmlische Amazone, Balsamgarten, Orgel und Kabinettssekretär des Heiligen Geistes usw. Schon als Kind wurde sie von der Schwärmerei ergriffen und wollte nach Afrika gehen, um dort den Märtyrertod zu finden. Endlich, als sie siebzehn Jahre alt war, hielten es die Eltern nicht mehr mit ihr aus und brachten sie in das Karmeliterkloster zu Avila. Sie hatte nun bald Erscheinungen aller Art, und als ihr gar einst eine Hostie aus der Hand des Bischofs von selbst in den Mund flog, da war die Heilige fertig. Sie ward endlich Äbtissin eines eigenen Klosters zu Pastrana, und nun konnte sie ihrer Heiligkeit freien Lauf lassen.

Jesus war von ihrer Heiligkeit so entzückt, dass er ihr einst die Hand reichte und sie zu seiner Braut weihte, indem er sagte: "Von nun an bin ich ganz dein und du ganz mein." Einst erschien ihr ein Seraph, der sie mit einem "glühenden Pfeil" einige Mal tupfte; aber der Schmerz war so süß, dass sie wünschte, ewig so getupft zu werden. Die Spanier feiern noch heute dies Fest der Bepfeilung am 27. August.

Die Nonnen der heiligen Therese mussten barfuß gehen und sich die strengste Zucht gefallen lassen. Der blindeste Gehorsam war ihnen Gesetz, und die geringste Abweichung davon wurde furchtbar bestraft. Eine Nonne, die über schlechtes Brot eine verdrießliche Miene machte, wurde nackend an die Eselskrippe gebunden und musste hier zehn Tage lang Hafer und Heu fressen! Solche barbarische Strenge hatte denn auch zur Folge, dass jeder ihrer Befehle auf das pünktlichste befolgt wurde. Eine Nonne fragte sie einst, wer heute die Abendmette singen solle. Die Heilige war verdrießlich und antwortete "Die Katze". Die Nonne nahm also die Katze, ging damit an den Altar und zwickte sie in den Schwanz, so dass das arme Tier in den erbärmlichsten Liedern das Christentum anklagte.

Selbstquälerei war in diesem Kloster an der Tagesordnung. Theresens Nonnen verbrauchten eine Unmasse von Ruten. Sie schliefen auf Dornen oder im Schnee, tranken aus Spucknäpfen, nahmen tote Mäuse und anderes ekelhaftes Zeug in den Mund, tranken Blut, tauchten ihr Brot in faule Eier und durchstachen sich die Zunge mit Nadeln, wenn sie das Schweigen gebrochen hatten.

Eine höchst merkwürdige Antipathie hatte die heilige Therese gegen behos'te Männer, und hätte sie die Macht gehabt, so hätte sie allen die Hosen abgezogen. Soweit sie Gewalt hatte, tat sie es auch. Die unter ihr stehenden Karmelitermönche mussten die Hosen ablegen und dafür ein kleines Schürzchen von brauner Wolle tragen. Sie hielt indessen nur Männerhosen für unchristlich, denn ihre Nonnen mussten Hosen tragen; ob sie es selbst tat, darüber haben uns die gelehrten Karmelitermönche keine Nachricht hinterlassen.

St. Therese war auch Schriftstellerin und schrieb Bücher, die manchem armen Mädchen den Kopf verrückten. Nach ihrem Tod erschien sie einer vertrauten Nonne und gestand ihr, dass sie mehr aus Inbrunst der Liebe als an der Heftigkeit der Krankheit gestorben sei. Von der Liebe scheint diese heilige Hosenfeindin überhaupt mehr verstanden zu haben, als man einer Äbtissin sonst zutraut, denn irgendwo schreibt sie: "Der Teufel ist ein Unglücklicher, der nichts liebt, und die Hölle ein Ort, wo man auch nicht liebt"; ein Gedanke, der eines Dichters würdig ist.

Ungefähr um dieselbe Zeit wie Therese lebte die Italienerin Katharina von Cardone. Sie war aus Liebe verrückt, wohnte in einer Höhle und trug ein Kleid von Ginster, mit Dornen und Eisendraht durchflochten. Sie fraß Gras wie ein Tier, ohne sich der Hände zu bedienen, und einmal fastete sie gar vierzig Tage lang. So lebte sie drei Jahre!

Die heilige Katharina von Genua war in Liebe, zu Christus natürlich, dermaßen entbrannt, dass sie darüber toll wurde. Sie glühte wie ein Ofen, und oft wälzte sie sich an der Erde und schrie: "O Liebe! Liebe, ich halte es nicht mehr aus!"

Die heilige Passidea, eine Zisterziensernonne aus Siena, quälte sich, noch ehe sie ins Kloster ging, ärger als die Väter der Wüste. Sie geißelte sich mit Dornen und wusch dann die Wunden mit Essig, Salz und Pfeffer; sie schlief auf Kirschkernen und Erbsen, trug ein Panzerhemd von sechzig Pfund Schwere und stieg in gefrierende Teiche, um sich mit einfrieren zu lassen. Ja, sie trieb den Unsinn so weit, dass sie sich mit dein Kopf nach unten lange Zeit in den rauchenden Schornstein hängte! Als sie Nonne war, erschien ihr einst Christus und drückte ihr seine fünf Wundmale ein. Zwei Nonnen sahen durch das Schlüsselloch, wie Jesus sie drückte und verschwand und wie die Wunden bluteten!

Die heilige Klara war aus Assisi und schwärmte mit dem heiligen Franz. Sie lief zu ihm und bat, dass er sie zur Nonne machen und Söhne und Töchter mit ihr zeugen möchte, - natürlich geistlicherweise. Ihre Schwester Agnes wurde bald darauf von derselben Schwärmerei ergriffen, und die armen Eltern waren ganz unglücklich. Die Verwandten wollten die beiden Närrinnen mit Gewalt aus dem Kloster holen, aber da wurde - so erzählt die Legende - Agnes plötzlich so schwer, dass zwölf Männer sie nicht von der Stelle bringen konnten, und der Oheim, der sein Schwert gezogen hatte, blieb stehen, als höre er Hüons Zauberhorn.

Die heilige Klara lebte sehr streng. Als Hemd trug sie eine Schweinshaut oder auch eine Gewebe aus Rosshaaren, und aus Demut küsste sie der schmutzigsten Viehmagd die Füße, welche sie dann erst wusch, als wären sie durch ihren Kuss verunreinigt worden. Als sie starb, fanden sie in ihrem Herzen im kleinen alle Passionsinstrumente, wie in einem Hechtskopf, und in ihrer Blase drei geheimnisvolle Steinchen, sämtlich von gleichem Gewicht, aber wovon eines so schwer als alle drei, zwei nicht schwerer als eins und das kleinste davon so schwer als alle drei waren! - St. Klara war die Mutter der weiblichen Franziskaner, und ihr verdanken wohl 900 Klarissenklöster ihr Entstehen.

Die heilige Katharina von Siena war auch mit Jesus verlobt worden, der ihr einen kostbaren Diamantring an den Finger steckte, welchen aber niemand sah als sie allein. Sie pflegte die ekelhaftesten Kranken, wofür sie mit dem rosinfarbenen Blute aus seiner Seitenwunde getränkt wurde. Seitdem nahm sie von Aschermittwoch bis Himmelfahrt weiter keine Nahrung, sondern lebte bloß vom Abendmahl. Christus drückte ihr auch seine fünf Wunden ein, was der Orden pour le mérite Religionsklasse der Heiligen zu sein scheint. Über diese Auszeichnung kamen die Dominikaner mit den Franziskanern in einen Streit, der vierzig Jahre dauerte und welchen Papst Urban VIII. dahin entschied, dass Katharinas Wundmale nicht geblutet hätten wie die des heiligen Franz. Auch wurde den Malern befohlen, die Heilige nur mit fünf Strahlen vorzustellen.

Die heilige Agnes ließ der Stadtrichter, weil sie seinen Sohn nicht heiraten wollte, nackt in ein Bordell bringen; aber plötzlich bekam sie so lange Haare, dass sie sich darin einwickeln konnte wie in einen Mantel, und das ganze liederliche Haus verwandelte sie in ein Bethaus.

Die heilige Paula, die einst ein unheiliger Jüngling notzüchtigen wollte, erhielt auf ihr Gebet einen garstigen langen Bart, vor dem sich der Liebhaber entsetzte und floh.

Die heilige Brigitte befreite einst ein neapolitanisches Mädchen von einem in Gestalt eines Jünglings auf ihr liegenden Teufel.

Wir wollen die Reihe der Heiligen schließen mit der heiligen Rosa von Lima, einer Dominikanerin, die auf knotigem Holz und Glasscherben schlief und als Nachttrunk einen Schoppen Galle trank. Jesus war von ihrer Heiligkeit so entzückt, dass er an einem Palmsonntag als Steinmetzgeselle zu ihr kam und sich mit ihr verlobte, indem er sprach: "Rosa, Schatz meines Lebens, du sollst meine Braut sein." Maria war mit dabei und gratulierte ihr, indem sie sagte: "Siehe, was für eine große Ehre dir mein Sohn antut." Las die Heilige, so erschien Jesus auf dem Blatt und lächelte sie an; nähte sie, so setzte er sich auf ihr Nähkissen und scherzte mit ihr. Besuchte Jesus eine andere Nonne - denn er hatte gar zu viele Bräute -, so war Rosa vor Eifersucht außer sich, bis er wiederkam.

Ihre heilige Schwiegermutter, die Jungfrau Maria, diente ihr einundzwanzig Jahre lang als Kammerjungfer, und wenn die Frühmette kam, rief sie: "Stehe auf, liebe Tochter, es ist Zeit." Das Kloster wimmelte von Flöhen, aber keiner von diesen freigeisterischen Springern hatte die Dreistigkeit, die Braut Christi zu stechen. - So steht es in der päpstlichen Bulle, welche die Heiligsprechung enthält!

Außer den in diesem Kapitel genannten Heiligen und noch vielen hundert anderen, die ich nicht nannte, beten die römischen Katholiken noch zu einigen, die niemals lebten und die einer lächerlichen Fabel ihren Ursprung verdanken, wie St. Christophorus, St. Georgius, St. Mauritius und 6600 Gesellen, die sieben Schläfer, Ursula mit ihren 11.000 Jungfrauen und St. Guinefort, der ein vierbeiniger Hund war!

Jeder gute Katholik, der das Vergnügen haben will, nach seinem Tod unter die Heiligen versetzt zu werden, konnte dies unter dem vorigen Papst noch haben - von dem jetzigen weiß ich es nicht - der den Toten für 100.000 Gulden kanonisierte. Wunder fanden sich, da eben niemand ohne Wunder Heiliger werden kann.

Die Christen der ersten Jahrhunderte wussten von Heiligen nichts. Sie verehrten allerdings die Märtyrer oder Blutzeugen, welche ihres Glaubens wegen hingerichtet wurden, sie erwähnten dieselben in ihren Versammlungen und stellten sie der Gemeinde als Muster hin; und das war sehr natürlich und durchaus zu billigen. Erst als Konstantin zum Christentum übertrat und viele der heidnischen Bräuche in die christliche Kirche übergingen, kam auch der Heiligendienst in Aufnahme. Die Heiden waren gewohnt, ihren Heroen zu opfern; die christlichen Priester trugen diesen Gebrauch auf ihre Glaubensheroen über.

Solange jeder Mensch Gott gleich nahe zu stehen glaubte, musste der Heiligendienst als Unsinn betrachtet werden; als jedoch die Pfaffen sich als Makler zwischen Gott und den übrigen Menschen stellten, war der Schritt zu dem unsinnigen Glauben nicht weit, dass die Heiligen im Himmel gleichsam wie Minister und Kammerherren den Hofstaat Gottes bildeten und dass, wer bei Sr. himmlischen Majestät etwas durchsetzen wollte, nur diese durch Gebete und Opfer zu bestechen brauchte!

Ärger konnten die Pfaffen die christliche Religion nicht verhöhnen als durch diesen Heiligendienst, der dadurch noch unwürdiger wird, als es schon seiner inneren Natur nach der Fall ist, dass viele dieser Heiligen, wie uns die Geschichte lehrt, die verworfensten, lasterhaftesten Menschen, ja, geradezu Schufte waren. Selbst die besten waren nicht ganz richtig im Kopf und entweder Schwärmer oder Wahnsinnige. Es gibt noch heute eine Menge solcher Heiliger unter Protestanten und Katholiken, nur dass man sie nicht mehr anbetet, sondern in Narrenhäuser sperrt.

Carl Julius Weber, einer unserer geistreichsten Schriftsteller, charakterisierte diese Heiligen derb aber richtig. Er sagt: "Bei weiblichen Mystikern sitzt der Jammer gewöhnlich auf dem Fleckchen, das man nicht gerne nennt, und bei den männlichen hat den Fleck Hudibras getroffen. -

So wie ein Wind in Darm gepresst Ein - wird, wenn er niederbläst, Sobald er aber aufwärtssteigt, Neu Licht und Offenbarung zeugt."

Der Hysterie und den blinden Hämorriden verdankt die römische Kirche die meisten ihrer Heiligen, und sie darf sich daher nicht wundern, wenn wir dieselben - als Afterheilige betrachten.

Die heilige Trödelbude

Die Welt hat es erfahren, dass einst der Glaub' in Priesterhand mehr Böses tat in tausend Jahren, als in sechstausend der Verstand.

"Geld ist Macht." Das erkennt niemand besser als die römische Kirche, die nach beiden und durch das eine zum anderen strebte. In der römischen Kirche gibt es keine Einrichtung oder Satzung, welche nicht auf irgend eine Gelderpressung hinausliefe, und so lange die Welt steht, gab es keine Institution, die ein umfangreicheres, frecheres und einträglicheres Schwindelgeschäft betrieb, als die römische Kirche.

Als die einträglichsten Betrügereien derselben erwiesen sich der Handel mit Reliquien und mit "Ablass", ein Handel, welcher Jahrhunderte durch mit großem Erfolg betrieben wurde und der noch heutzutage keineswegs aufgehört hat. Um ihn aufrechtzuerhalten, wurde der krasseste Aberglaube geflissentlich auf die gewissenloseste Weise in die Herzen des Volks gepflanzt und auf die unverschämteste Weise ausgebeutet.

Eine Geschichte des Handels zu schreiben, den die römische Kirche trieb und noch treibt, würde eine Riesenarbeit sein, welche die Grenzen, die ich mir notwendig setzen muss, weit überschreiten würde; ich kann nur eine flüchtige Skizze desselben geben, die indessen vollkommen hinreichend sein wird, um den ungeheuren Umfang des Betruges und die Frechheit desselben erkennen zu lassen.