Der Pfaffenspiegel Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch-katholischen Kirche

Part 7

Chapter 73,485 wordsPublic domain

St. Pachomius, der eigentliche Stifter derselben, hatte in dem seinigen vierzehnhundert Mönche und führte noch über siebentausend andere die Aufsicht. Im vierten Jahrhundert gab es in Ägypten wenigstens hunderttausend Mönche und Nonnen; denn dass die leicht erregbaren und verrückt zu machenden Weiber von dieser Tollheit nicht frei blieben, kann man sich denken. In den gut gelegenen Wüsten fing es an, an Platz zu fehlen, und man schaffte sich künstliche Wüsteneien, das heißt Klöster, in den Städten. Die Stadt Oxyrrhinchus hatte mehr Klöster als Wohnhäuser und in ihnen beteten und arbeiteten nicht weniger als dreißigtausend Mönche und Nonnen.

Die Heiden mochten spotten soviel sie wollten, um dieses heilige Feuer auszulöschen; es gelang ihnen nicht, denn die geachtetsten Kirchenlehrer priesen das Mönchs- und Einsiedlerleben über alles und nannten es den geraden Weg in das Paradies. Die heiligsten Bande der Natur wurden zerrissen. Jünglinge verließen ihre Bräute, wie der heilige Alexius, der in der Brautnacht in die Wüste rannte. Ammo las seiner Braut die Briefe des Paulus an die Korinther vor! Die Braut wurde dadurch so begeistert, dass sie mit Ammo in die Wüste lief und hier gemeinschaftlich mit ihm eine elende Hütte bezog, wo sie lebte - keusch wie eine Henne, die mit einem Hund zusammen wohnt.

Johannes Colybita, der Sohn angesehener Eltern, wurde ebenfalls in der Brautnacht von dem frommen Kanonenfieber gepackt; er floh die Versuchung und ging in die Wüste. Das unüberwindliche Heimweh trieb ihn in die Vaterstadt zurück. Hier lebte er siebzehn Jahre als elender Bettler in einer Hundehütte, die er neben die Wohnung seiner um ihn trauernden Eltern gestellt hatte, denen er sich erst in seiner Todesstunde zu erkennen gab.

Dies waren die Früchte der Lehren solcher Männer wie St. Hieronymus, der sagte: "Und wenn sich deine jungen Geschwister an deinen Hals werfen, deine Mutter mit Tränen und zerstreuten Haaren und zerrissenen Kleidern den Busen zeigt, der dich ernährt hat, dein Vater sich auf die Türschwelle legt, stoße sie mit Füßen von dir und eile mit trockenen Augen zur Fahne des Kreuzes."

Sehr viele trieben auch die Eitelkeit und der Ehrgeiz zum asketischen Leben, denn die Einsiedler und Mönche standen im höchsten Ansehen. Kamen sie in eine Stadt, so wurden sie im Triumph empfangen, und zogen sie bei einer solchen vorbei, dann strömten Tausende zu ihnen heraus, um sich ihren Rat und ihren Segen zu erbitten.

Die ganze Gegend, in welcher ein besonders toller Einsiedler sein Wesen trieb, hielt sich für beglückt, und man hat Beispiele, dass diese Heiligen von den Bewohnern anderer Landschaften gleichsam wie die wilden Affen in Pechstiefeln eingefangen wurden.

Salamanes aus Kapersana, einem Dorfe am Euphrat, hatte sich in ein Haus sperren lassen, welches weder Fenster noch Türen hatte. Einmal im Jahr öffnete er diesen Käfig, um die Lebensmittel in Empfang zu nehmen, welche ihm herbeigeschleppt wurden, wobei der heilige Mann aber mit niemandem redete. Die Bewohner seines Geburtsortes glaubten, ein Recht auf diese Blume der Heiligkeit zu haben und entführten den Narren; aber kaum hatten sie ihn einige Tage, als er ihnen wieder von den Bewohnern eines benachbarten Dorfes gestohlen wurde. Alle diese gewaltsamen Veränderungen waren nicht im Stande, dem Heiligen ein Wort zu entlocken.

Die Verehrung gegen diese Wüstennarren ging so weit, dass Kaiser Theodosius ihnen sogar seine Söhne Honorius und Arkadius zur Erziehung anvertraute. Es wurde freilich nichts Gescheites aus ihnen, denn Honorius war förmlich blödsinnig geworden und fand sein größtes Vergnügen daran, das Federvieh zu füttern. Eine recht unschuldige Liebhaberei für einen Kaiser, die auch moderne Imperatoren haben, wenn das Federvieh nur aus der rechten Tonart kräht.

Theodosius war überhaupt ein großer Freund der Mönche, und sowohl er wie andere Kaiser nahmen zu ihnen wie zu Orakeln ihre Zuflucht. Er ahmte dem großen Alexander nach, indem er sagte: "Wenn ich nicht Theodosius wäre, so möchte ich ein Mönch sein." Sein Volk hatte Ursache genug, zu bedauern, dass er Theodosius war.

Unter den "Vätern der Wüste" haben manche einen ganz besonderen Ruf der Heiligkeit erworben, teils durch die unerhörten Qualen, welche sie sich selbst auferlegten, teils durch die Wunder, welche ihnen zugeschrieben wurden. Unter den schrecklichen Operationen, die sie mit ihrem Körper vornahmen, litt auch der Geist, und so darf es uns nicht befremden, wenn diese Leute allerlei Erscheinungen und Visionen hatten, die sie für Wirklichkeit nahmen und die nur dazu dienten, ihren zerrütteten Verstand noch mehr zu verwirren. Die Kirchenschriftsteller, welche diese Wunder nacherzählen, waren ernsthafte Männer und tun dies im festen Glauben an die Wahrheit dessen, was sie berichten. Erst die späteren mag hin und wieder Eigennutz zum absichtlichen Betrug verleitet haben.

Ich würde alle diese Wunder als abgeschmackt übergehen, wenn man sie nur allein in jener finsteren Zeit geglaubt hätte, allein noch heute gelten sie Tausenden von römischen Katholiken als Wahrheit.

Der gemeine Katholik in den echt katholischen Ländern weiß von Gott sehr wenig; er versteht die philosophische Dreieinigkeitsgeschichte nicht und zerbricht sich auch nicht den Kopf darüber; er kennt nur seine wundertätigen Heiligen und den Teufel.

Lange wollen wir uns übrigens in dieser halb bemitleidenswerten, halb lächerlich tollen, heiligen Gesellschaft nicht aufhalten. Wer den ganzen Unsinn der Wunder kennen lernen will, braucht nur eines der Heiligenbücher zu lesen, welche von der Geistlichkeit in den römisch-katholischen Ländern empfohlen und verbreitet werden.

Den größten Ruf unter den Wüstenheiligen erlangten: St. Paulus, St. Pachomius, St. Antonius, St. Hilarion und St. Macarius Nr. 1 und Nr. 2. Die Schlachten, welche diese Himmelsstürmer mit dem Teufel lieferten, waren unzählig und die ungeheure Tätigkeit des "Erzfeindes" kann nicht in Erstaunen setzen, da diese religiösen Don Quichote in jedem Affen, in jedem andern Tier und namentlich in jedem Weibe, welche ihnen unvermutet begegneten, nicht nur höllische Windmühlen, sondern den höllischen Windmüller selber sahen.

Alle Übel, welche ihr krankhafter Körper- und Seelenzustand mit sich brachte, wurden für Wirkungen des Teufels gehalten. Antonius schlief auf der bloßen Erde und in feuchten Gräbern und zog sich dadurch sehr begreiflicherweise die Gicht zu, wie das auch jedem Nichtheiligen begegnet wäre; er aber bildete sich ein, dass die Schmerzen, die er empfand, von einem Faustkampf mit dem Teufel herrührten, - weil er vielleicht wirklich häufig Kämpfe mit den starken Affen zu bestehen hatte, die sich im südlichen Ägypten aufhielten und die wahrscheinlich die Erzväter der Waldteufel sind. Schöne Weiber, die ihm im Traum erschienen, hielt er erst recht für Teufel, da sie ihn am stärksten versuchten und eine derartige "Versuchung des heiligen Antonius" sieht man häufig gemalt, weil sie die Phantasie der Maler lebhaft anregte.

Manche der Einsiedler mag auch die Eitelkeit verführt haben, Erscheinungen vorzugeben, um ihr Verdienst in den Augen der Menschen zu erhöhen. Wer vermag es, hier die Grenze zwischen wirklichen Äußerungen des Wahnsinns und Dichtungen anzugeben? Wie lange ist es her, dass die Hexenprozesse aufgehört haben? Mag bei diesen Letzteren manche absichtliche Nichtswürdigkeit vorgegangen sein, so kann man doch für gewiss annehmen, dass noch vor hundert Jahren viele der geachtetsten Theologen und Juristen an die Möglichkeit der Teufelserscheinungen und des fleischlichen Umgangs mit dem Teufel und andern bösen Geistern glaubten; denn wäre dies nicht der Fall, so müsste man die Richter, welche Hunderttausende von Hexen verbrennen ließen, für absichtliche Mörder halten. Hexenprozesse fanden noch im vorigen Jahrhundert statt, und der gemeine Mann in vielen, nicht nur römisch-katholischen Ländern, glaubt noch heute steif und fest an Hexen.

Dem heiligen Antonius werden viel Wunder zugeschrieben. Die Kirchenschriftsteller erzählen, dass ihm die Tiere der Wüste gehorchten wie dressierte Pudel. Gar häufig umgaben sie zudringlich seine Höhle, warteten aber stets bis er sein Gebet vollendet hatte, dann empfingen sie seinen Segen und zogen mit den christlichen Gedanken auf Raub aus. Als er den in seinem hundertunddreizehnten Jahr gestorbenen heiligen Paulus aus dem ägyptischen Theben begrub, halfen ihm zwei fromme Löwen das Grab machen. Als sie fertig waren, empfingen sie seinen Segen und zogen, christlich mit dem Schwanz wedelnd, vergnügt und mit erleichtertem Gewissen tiefer in die Wüste.

St. Macarius, der sich zur Unterdrückung des ihm arg zusetzenden Wollustteufels mit bloßem Hintern in einen Ameisenhaufen setzte, genoss ebenfalls das Vertrauen der wilden Bestien. Einst kam eine Hyäne an seine Tür und pochte bescheiden an. Als der Heilige öffnete, legte ihm die gläubige Mutter ein blindes Junges zu Füßen, zugleich aber ein Lammfell als Honorar für die Kur. "Du hast es geraubt, ich mag es nicht!" schnob der Heilige die fromme Hyäne an, welche so bestürzt wurde, dass ihren Augen Tränen entrollten. Dies rührte den Heiligen und er sprach freundlicher zu der bußfertigen Bestie: "Willst du kein Lamm mehr rauben, so nehme ich das Fell und heile." Die Hyäne nickt zu, der Heilige heilt. Dieser geht in seine Zelle, jene trollt vergnügt in die Wüste und raubt von nun an keine Lämmer mehr, sondern wahrscheinlich - Schafe.

Das erste Wunder, welches der heilige Hilarion tat, klingt nicht so unglaublich. Eine junge Frau, die von ihrem Manne verachtet wurde, weil sie ihm keine Kinder gebar, holte sich Rat bei dem zweiundzwanzigjährigen Heiligen. Er betete allein mit ihr, und nach neun Monaten kam sie wirklich mit einem durch tätiges Gebet bewirkten kleinen Heiligen nieder.

Doch wozu noch mehr dieser Wunder anführen? - Hier reitet ein Heiliger auf einem Krokodil durch den Nil, dort führt ein anderer einen grimmigen Drachen an einem Bindfaden; hier lässt ein anderer Schnee anbrennen, Eisen schwimmen und Früchte auf Weidenbäumen wachsen; dort benutzt ein Heiliger einen lebendigen Adler als Regenschirm oder hat den Teufel vor seinen Pflug gespannt; - kurz, diese Heiligen machten nicht allein die Menschen, sondern auch die Natur konfus. Und all dieser Unsinn wurde geglaubt, denn daran zweifelte kein Mensch, dass so heilige Leute die ewigen Naturgesetze ganz nach Willkür verändern und unterbrechen konnten!

Die im Orient entstandene Schwärmerei fand auch in Europa den lebhaftesten Anklang, und besonders wirkte dafür St. Ambrosius, Bischof von Mailand, dem wir den Ambrosianischen Lobgesang, das Te deum laudamus, verdanken, und St. Hieronymus, von dem wir schon früher geredet haben. Beide wirkten sowohl durch eigenes Beispiel als durch Schriften. Hieronymus lebte selbst längere Zeit in der syrischen Wüste und schrieb ein Werk, betitelt "Lob des einsamen Lebens", welches für ein Meisterstück der Beredsamkeit gilt. Ich werde später noch manchmal Stellen aus seinen Schriften anführen müssen. Er war 331 in Strydon in Dalmatien geboren, hielt sich lange Zeit in Rom auf und starb 422 in seinem Kloster in Bethlehem.

Der Hang zum asketischen Leben nahm nun schnell in Europa überhand, und Heilige und Klöster schossen überall wie Pilze auf. Der heilige Martin war der erste, welcher Klöster in Frankreich anlegte. Er war 316 in Pannonien geboren und hatte das Kriegshandwerk ergriffen. Als er einst einem Armen die Hälfte seines Mantels gab, bildete er sich ein, Christi Stimme zu hören, welche ihm zurief: "Was du andern getan hast, hast du mir getan." Dies bewog ihn, sein Regiment zu verlassen und unter die Heiligen zu gehen. Sein Ruf verbreitete sich bald; er wurde Erzbischof von Tours und ein sehr stolzer Heiliger. Als er vor Kaiser Valentinian erschien, wollte dieser sich nicht von seinem Throne erheben, um St. Martin zu begrüßen. Diesen verdross solcher Hochmut, er betete, und - so erzählt die "Geschichte" - feurige Flammen schlugen aus dem Thronsessel empor, so dass seine kaiserliche Majestät schnell in die Höhe fahren musste, wollte sie nicht ihren allerhöchsten allerdurchlauchtigsten Allerwertesten verbrennen.

Die Zahl der europäischen Heiligen ist sehr groß, und ich möchte gern ihr ganzes heiliges Leben und all ihre Wunder erzählen; allein leider habe ich weder Zeit noch Raum zu einem so umfassenden, interessanten Werk und will mich daher damit begnügen, nur von denjenigen zu reden, die für die Welt als Stifter von Mönchsorden oder als sogenannte Apostel wichtig wurden, und auch dann noch ist ihre Zahl so groß, dass ich eine Auswahl treffen muss.

Ehe ich aber dazu schreite, will ich die gläubigen Christen darüber belehren, was denn eigentlich solch ein Heiliger bedeutet und wozu er noch heute gut ist. Es versteht sich von selbst - so lehrt natürlich die römische Kirche - dass ein Heiliger nicht nur selig ist, sondern dass er auch im Himmel einen besonders hohen Platz einnimmt, gewissermaßen zu der Familie des lieben Gottes gehört und beständig mit Christus, der Jungfrau Maria, deren neuerdings unbefleckt empfangenen Frau Mutter, dem Heiligen Geist, den vornehmsten Engeln und den Aposteln verkehrt. Man kann sich also wohl denken, dass solch ein Heiliger direkten oder indirekten Einfluss bei dem lieben Gott hat und nicht leicht vergebens bittet. Die Heiligen haben ganz außerordentlich viel zu tun, denn sie haben nicht allein diejenigen auf Erden lebenden Menschen zu beschützen und zu behüten, deren spezielle Schutzpatrone sie sind, sondern auch noch spezielle Zweige der Heiligenwissenschaft zu vertreten. Die angeseheneren Heiligen sind außerdem Vorsteher ganzer Nationen oder besonderer Städte, und somit sieht jeder ein, dass ihr Amt im Himmel keine Sinekure ist. Damit nun jeder, den irgendeine religiöse Blähung oder ein körperliches Gebrechen quält, welches er wohlfeiler kuriert haben will, als es von einem irdischen unheiligen Doktor geschehen kann, weiß, was er zu tun hat, so will ich einige Hauptheilige nebst ihren Funktionen anführen.

Der Adel steht unter der besonderen Protektion der drei großen Heiligen St. Georg, St. Moritz und St. Michael; der Patron der Theologen ist höchst seltsamerweise der zweifelsüchtige "ungläubige" St. Thomas, und der Schutzheilige der Schweine ist St. Antonius. Die Jurisdiktion über die Juristen hat St. Ivo, über die Ärzte St. Cosmus und St. Damian, über die Jäger St. Hubertus und die Trinker stehen unter dem Schutze St. Martins. So hat auch jedes Gewerbe seinen besonderen Heiligen, denen die römisch-katholischen Handwerker wahrscheinlich ihr Geschäft anvertrauen, wenn die vielen Festtage oder die Wallfahrten zur heiligen Garderobe sie abhalten, selbst dafür zu sorgen.

Auch jede Nation hat ihren besonderen Schutzheiligen. Die Portugiesen haben St. Antonius, der neben den Schweinen auch sie behütet; die Spanier St. Jakob, welcher sich kürzlich als der wahre Jakob erwiesen hat; die Franzosen St. Denis, die Engländer St. Georg, die Venezianer St. Markus, und die Deutschen werden einen eigenen Schutzheiligen bekommen, wenn sie eine Nation sind; einstweiligen besorgen die Schutzheiligen anderer Nationen ihre diplomatischen Geschäfte, im Himmel.

Auch haben einige Heilige, die mit der Leitung von Nationen und besonderen Ständen nicht zu sehr beschäftigt sind, ihre Muße im Himmel benutzt, einige Übel der armen Erdenwürmer besonders gründlich zu studieren, und der liebe Gott, der doch nicht alles selbst tun kann, hat ihnen nach dem Glauben vieler Katholiken erlaubt, ihm hier und da auszuhelfen.

St. Aja hat die Rechtswissenschaft studiert und hilft in Prozessen; St. Cyprian beim Zipperlein, St. Florian bei Feuersgefahr, St. Nepomuk gegen Wasserflut und in Verleumdung; St. Benedikt gegen Gift; St. Hubertus gegen die Hundswut, St. Petronella im Fieber, St. Rochus gegen die Pest, St. Ulrich gegen die Ratten und Mäuse, St. Apollonia gegen Zahnweh, wenn es nicht von Schwangerschaft kommt, denn in diesem schmerzlichen Fall muss man sich an St. Margaretha wenden, welche auch bei schweren Geburten hilft. St. Blasius bläst das Halsweh weg, und St. Valentin hilft gegen die fallende Sucht; St. Lucia gegen Augenübel, und Vieharzt im Himmel ist St. Leonhard.

St. Benedikt ist der Vater der zahlreichen Benediktinermönche. Er wurde 480 in Nursia in Umbrien geboren und starb 543. Die Legende erzählt von ihm merkwürdige Dinge. Schon im Mutterleibe sang er Psalmen, und wenn er als Kind weinte, dann brachten ihm die Engel Bischofsstäbe, Bischofsmützen und Breviere zum Spielen und machten Musik auf Instrumenten, die erst viele Jahrhunderte später unter den Menschen erfunden wurden. Sein erstes Wunder war, dass er einen zerbrochenen Topf wieder ganz betete!

Im Beten besaßen diese Heiligen, wenn wir den Kirchenschriftstellern glauben wollen, eine ordentlich schauerliche Innigkeit und Ausdauer. Einige erhoben sich vor lauter Inbrunst einige Fuß über die Erde und blieben so in der Luft hängen. Ein irländischer Heiliger, namens Kewden, betete so hartnäckig und lange, dass eine Schwalbe in seine gefalteten Hände Eier legen und ausbrüten konnte!

Es versteht sich von selbst, dass St. Benedikt vom Teufel heftig verfolgt wurde, der ihn, als der fromme Mann sich in eine Einöde vergraben hatte, beständig in Gestalt einer Amsel umschwärmte. Als er, nämlich der Heilige und nicht der Teufel, Abt eines Klosters wurde, verführte der Teufel einen Pfaffen, sieben schöne Mädchen in der Naturuniform im Klostergarten laufen zu lassen, so dass fast alle Mönche des Teufels wurden. Nahe daran waren sie, denn sie machten Versuche, ihren strengen Abt zu vergiften, die natürlich alle misslangen, denn bald betete er den Giftbecher entzwei, bald kam ein Rabe, der das vergiftete Brot sofort in die Wüste trug.

Benedikt stiftete eine große Menge von Klöstern, darunter das berühmte von Monte Casino, und gab seinen Mönchen eine Regel, die für einen Heiligen und sein Zeitalter sehr vernünftig ist. Seine Mönche sollten arbeiten; allein von Selbstquälerei und dergleichen ist darin nichts vorgeschrieben. Seine Klosterregel wurde bald die Grundlage aller anderen, und die Benediktinerklöster waren die Zufluchtsorte für Künste und Wissenschaften, welche ohne sie vielleicht ganz und gar im rohen Mittelalter von dem Christentum verschlungen sein würden. Wir mögen daher immerhin St. Benedikt als einen der achtungswertesten Heiligen verehren und ihm die dummen Wunder nicht zur Last legen, welche ihm spätere Verehrer andichteten.

Von seiner Klosterregel weicht die des irdischen Mönches Columbanus merklich ab; in seinem Zuchtbuch regnet es für das geringste Vergehen Dutzende von Hieben. Wer einem Bruder widersprach, ohne hinzuzufügen: "Wenn du dich recht erinnerst, Bruder", erhielt fünfzig Hiebe, und wer gar allein mit einem Frauenzimmer redete, - zweihundert, wohlgezählt.

Der englische Mönch Winfried, der nachher St. Bonifazius hieß, wird gewöhnlich der Apostel der Deutschen genannt. Er führte die Klöster in Deutschland ein und mit ihnen allen Segen Roms. Die Friesen erwarben sich das Verdienst, ihn nebst dreiundfünfzig Pfaffen totzuschlagen (am 5.Juni 759). Hätten sie es früher getan, dann wüssten wir vielleicht nichts von Ehelosgikeit der Priester, Wallfahrten, Bilderdienst, Reliquien und dergleichen Dingen, die er in Deutschland heimisch machte.

St. Adalbert, der sogenannte Apostel der Preußen, war Bischof von Prag und ein ganz guter Mann, dem es nur an Verstand fehlte. Was er eigentlich für ein Landsmann war, weiß ich nicht; aber ich vermute ein Deutscher, denn er war so demütig, dass er am Hofe seines Freundes Kaiser Otto II. den Hofleuten heimlich die Stiefel putzte.

Ihn gelüstete sehr nach der Märtyrerkrone und er schlug allerdings, obwohl aus heiliger Einfalt, den allerkürzesten Weg dazu ein, sie auf das schleunigste zu erlangen. Er zog mit zwei Gefährten Psalmen singend durch das Land der wilden, heidnischen Preußen. Dies wilde Volk hielt ihn anfangs gar nicht für einen Heiligen, sondern für einen Verrückten und wurde in diesem Glauben noch bestärkt, als Adalbert auf ihre Götterbilder schimpfte, ja, sie wohl gar verunehrte und ihnen dafür Kreuz, Hostie, Marienbilder und andern römisch-christlichen Hausbedarf anbot. Als die Preußen ihn auslachten, schimpfte er auf die Verstockten und wurde zornig, und ehe er sich dessen versah, steckten ihm sieben heidnische Wurfspieße im heiligen Leibe, die ihn zum Märtyrer machten.

Bruno, einem Benediktiner aus Magdeburg, ging es einige Jahre später nicht besser; die Preußen schlugen ihn nebst achtzehn seiner Gefährten ebenfalls tot.

Ebenso wichtig als Förderer des Klosterwesens und als Heiliger, aber bei Weitem wichtiger und bedeutender als Mensch, ist der heilige Bernhard. Luther sagt von ihm: "War je ein wahrer, gottesfürchtiger Mönch, so war es Bernhard; seinesgleichen ich niemals weder gehört noch gelesen habe, und den ich höher halte, denn alle Mönche und Pfaffen des ganzen Erdbodens."

Bernhard stammte aus einer altadeligen burgundischen Familie und wurde 1091 zu Fontaines bei Dijon geboren. Er war ein Schwärmer, aber ein durchaus edler Mensch, dem es wahrer Ernst war, die verdorbenen Geistlichen und die Menschen überhaupt zu bessern. Er quälte seinen Körper auf grauenhafte Weise, indem er mit seinen Mönchen oft nur von Buchenblättern und dem elendsten Gerstenbrot lebte. Genoss er einmal zur Stärkung seines geschwächten Magens etwas Mehlbrei mit Öl und Honig, dann weinte er bitterlich über diese Schwachheit.

Seine Frömmigkeit und sein scharfer Verstand erwarben ihm bald einen bedeutenden Ruf. Als er einst in Mailand einzog, waren ihm Hände und Arme geschwollen von den Küssen, mit denen ihn die zudringlichen Gläubigen überdeckten. Er hätte Erzbischof, ja, Papst werden können, er schlug alle Würden aus; aber als einfacher Bruder von Citeaux übte er den bedeutendsten Einfluss aus. Er schlichtete Streitigkeiten zwischen Päpsten und Königen, zwischen Fürsten und ihren trotzigen Vasallen, und der wildeste Kriegsmann zitterte vor dem gewaltigen Mönch. Weder Kaiser noch Papst wagten es, in Bernhards Kloster Citeaux einzureiten, sie gingen demütig zu Fuß.

Er war die Seele des zweiten der Kreuzzüge, - dieser großartigen Narrheit, die sieben Millionen Menschen das Leben kostete, die aber aus religiösem Eifer von Bernhard gefördert wurde. Selbst über die hartnäckigsten Widersacher siegte seine Beredsamkeit, wie zum Beispiel über Kaiser Konrad III., der in Speyer seinen Kaisermantel ablegte und den Heiligen auf seinen Schultern durch das Gedränge trug. Seine verführerische Zunge entvölkerte die Städte von Männern, so dass in manchen kaum einer für sieben Weiber zurückblieb, denn "alles, was die Wand bepisst", nahm das Kreuz.

Der heilige Bernhard verdiente ein eigenes Buch, und ich werde später noch hier und da manches zu erwähnen haben, was seine Verdienste besser ins Licht setzt. Hier will ich nur noch einige Wunder anführen, welche ihm die Legende zuschreibt und ohne welche er schwerlich in den Heiligenkalender gekommen wäre, trotz all seiner Verdienste.