Der Pfaffenspiegel Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch-katholischen Kirche

Part 32

Chapter 323,685 wordsPublic domain

Heutzutage würde man darüber selbst in streng katholischen Ländern lachen und höchstens einige verhimmelnde Ebelianische Seelenbräute würden vielleicht in dem guten Pater den sehr fleischgewordenen Paraklet sehen; aber damals, als die meisten Leute noch eine ungeheure Sorge um ihr "Seelenheil" hatten, verursachten seine Predigten einen solchen Aufruhr unter den Weibern in Brügge, dass alle Männer die Geduld verloren, denn ihre Frauen flohen sie förmlich und die Mädchen beschlossen, in ihrem Leben nicht zu heiraten. - Doch "der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach". Die armen Frauen gerieten in Verzweiflung und liefen zu Bruder Cornelius, um sich Trost und Rat zu holen. Dieser hörte sie freundlich an und belehrte sie über die Mittel, durch welche es möglich sei, im ehelichen Stand fortzuleben, ohne vom Teufel geholt zu werden. Zunächst, sagte er, sei es nötig, "der Begierde und dem Gefallen an dem fleischlichen Werke der Ehe" zu widerstehen, wenn auch dem Werk oder der Ausübung selbst nicht. "Denn", argumentierte er, "das Werk an und für sich ist von Gott angeordnet, aber die verdorbene ausgeartete Natur hat es verunreinigt, befleckt, beschmutzt und verunehrt mit ihren schlechten, faulen, fleischlichen Affekten und Neigungen!" Darum sollten sie denselben durchaus widerstehen und das eheliche Werk ausüben, als übten sie es nicht aus. Dies war nun freilich für die meisten ein unmögliches und übermenschliches Ding, besonders wenn sie ihre Männer lieb hatten und täglich kamen sie zu ihm mit weinenden Augen und beklommenen Herzen.

Zu denen, die weder jung noch sonderlich hübsch waren, sagte er, dass sie ihre Anfechtungen und Übertretungen ihrem Pastor oder Beichtvater sehr genau und ausführlich berichten müssten, damit sie ihnen vergeben würden und die Absolution bekämen; aber zu denen, die er für seine Betgenossenschaft (deuotarship) wünschte, sagte er: weil sie nun solchen innerlichen Sünden und Gebrechen ihres Körpers nicht widerstehen könnten, so wäre es nötig, dass derselbe gekasteiet werde mit einer äußerlichen Strafe oder Pönitenz. Die betrübten Frauen willigten sehr gern darin, sich derselben zu unterziehen.

Hierauf sagt er ihnen, dass sie sich ganz und gar unter seine Aufsicht und seinen Gehorsam begeben müssten, und als sie auch damit einverstanden waren, gab er ihnen eine Regel, nach welcher sie alle Monate auf einen bestimmten Tag bei ihm mit Bewilligung ihrer Männer zur Beichte erscheinen und in welcher sie ihm ihre Übertretungen mitteilen mussten.

Als sie nun die Regel angenommen hatten und bei ihm zur Beichte erschienen, gebot er ihnen bei dem Gelübde ihres Gehorsams, alle unkeuschen Gedanken, Begierden und Handlungen, die sie hatten und begingen, ungeschminkt, frei heraus, ohne Scham zu gestehen; je glatter, unverhohlener, gröber und genauer, je besser: damit er im Stande sei, sie davon zu säubern, reinigen, purgieren, absolvieren und deshalb zu kasteien und strafen. Dies taten denn die Frauen ebenfalls. "Nun, wohlan, meine Töchter", sagte Cornelius darauf, " für diese heimlichen und unkeuschen fleischlichen Sünden des Körpers gehört sich auch eine heimliche Säuberung, Purgierung, Reinigung (er liebte es sehr, wohl fünf bis sechs Synonyme hintereinander zu gebrauchen) und heilige Disziplin oder sekrete Pönitenz, welche vor den Augen der Menschen verborgen gehalten werden muss, weil sie nicht verstehen und begreifen was geistlich ist; ja, sie würden sich darüber aufhalten und Ärgernis nehmen, wenn sie es wüssten; so sind sie durch die Verderbtheit des Fleisches in ihren Ansichten und Begriffen verwirrt, geblendet und geschändet. Darum, meine Töchter, legt die Hand auf eure Brust und schwört bei Gott und allen Heiligen, dass ihr diese heimliche Disziplin oder heilige, sekrete Pönitenz weder euren Männern, noch euren Eltern, noch irgendeinem der weltlich gesinnten Menschen, noch irgendeinem Geistlichen, sei es in der Beichte oder anders, nicht zu erkennen geben und offenbaren wollt."

Nachdem nun die Frauen diesen Eid geleistet hatten, nahm er sie als Büßerinnen und Disziplintöchter an und hieß sie in das Haus der Nähterin Calle de Naighe, seiner Vertrauten, stets durch die Vordertür zu gehen; denn dieses Haus hatte von der Seite des Klosters her ebenfalls einen Eingang, so dass diejenigen, welche Bruder Cornelius durch denselben hineingehen sahen, die Frauen nicht sahen und umgekehrt.

Als nun die frommen Frauen das erste Mal zu der Nähterin kamen, gab sie jeder derselben eine Rute und hieß sie dieselben in das Disziplinzimmer tragen, das nächste Mal aber selbst Besen zu kaufen und davon eine Rute mitzubringen.

Als Cornelius in das Disziplinzimmer zu seinen Beichttöchtern eintrat sagte er: "Nun, wohlan, meine Töchter, damit Ihr diese heilige Disziplin oder sekrete Pönitenz bequem empfangen könnt, ist es nötig, dass ihr euern Körper entblößt; darum befehle ich Euch bei dem Gelübde eures Gehorsams, dass Ihr Euch entkleidet."

Als die Frauen seinen Willen erfüllt hatten, mussten sie ihm selbst die Rute in die Hand geben und ihn demütig bitten, dass er ihren sündigen Körper diszipliniere und kasteie, was er denn sehr bedächtig mit einer Anzahl Schläge tat, die eben nicht weh tun konnten. Diese Handlung begleitete er mit allerlei vom Geißeln handelnden Reden aus alten Büchern und sagte unter anderem: dass Gott die Demut der Büßenden, die sich nackt auszögen, lieber habe als die Heftigkeit der Schläge.

Im Winter, wenn es zu kalt war, um sich nackt auszuziehen, mussten seine Disziplinkinder sich auf einem großen Kissen niederlegen: Bruder Cornelius hob ihnen den Rock auf und disziplinierte sie auf diese Weise. Ebenso machte er es auch im Sommer mit denjenigen Frauen, die nicht lange von Hause wegbleiben konnten oder mit Witwen, die lange unter seiner Disziplin gestanden hatten und an deren Bußwerkzeugen er sich bereits satt gesehen hatte; ja, zuletzt ließ er wohl zu, dass diese die Disziplin von seiner Vertrauten, der Nähterin, empfingen.

Dass die Witwen, die bereits vom Baum der Erkenntnis gegessen, Anfechtungen hatten, nahm er als selbstverständlich an und interessierte sich vor allen Dingen für ihre Träume, die sie ihm stets ganz genau erzählen mussten.

Ehe er aber die verheirateten Frauen und Witwen zu seiner Bußanstalt heranzog, hatte er schon längst eine Disziplinschule von jungen Mädchen errichtet, bei der ich mich etwas länger aufhalten muss, da sich dabei die ganze Schändlichkeit des nichtswürdigen Pfaffen offenbart und weil es Jungfrauen waren, die den alten lüsternen Sünder zuschanden machten und sein Treiben zur Untersuchung brachten. -

Abbé Parny in seiner köstlichen Satire "La guerre des Dieux", in welcher die Heidengötter von der heiligen Dreieinigkeit mit den himmlischen Heerscharen besiegt werden, hat den köstlichen Einfall, alle Satyren und Faune der alten Heidenzeit die Stammväter der Mönche werden zu lassen. Der witzige Abbé kannte gewiss viele Mönche von der Art des Bruders Cornelius.

Im Jahr 1553 befand sich unter den Frauen, welche täglich die Predigten des Bruders Cornelius besuchten, eine fromme und geachtete.Witwe mit ihrem schönen und gescheiten Töchterchen. Diese machte die Bekanntschaft einiger junger Mädchen, die schon lange zu der Betgesellschaft des Pastors gehörten und stets bemüht waren, für dieselbe Rekruten zu erwerben. Das reizende sechzehnjährige Calleken Peters schien ihnen besonders der Mühe wert. - Die Mutter sah mit Vergnügen, wie ihr Töchterchen durch die Unterhaltung mit den frommen Mädchen so schön über geistliche Dinge reden lernte, und ließ Calleken die Gesellschaft derselben besuchen, so oft sie nur wollte.

Hier hörte sie von der geheimen Pönitenz und fragte, was dieselbe denn eigentlich zu bedeuten habe? Bisher waren die Mädchen sehr bereit gewesen, ihr Rede und Antwort zu geben, allein nun meinten sie, dass Calleken darüber nur von Pater Cornelius selbst belehrt werden könne, und rieten ihr, sich an den heiligen Mann zu wenden, was sie denn auch beschloss.

Cornelius, der benachrichtigt wurde, dass sich ein so frisches Fischchen fangen wolle, setzte einen Tag fest, an welchem sie bei ihm erscheinen solle, und außer ihr fanden sich an demselben noch zwei ausgezeichnet schöne Mädchen ein, die ebenfalls in der Disziplin unterrichtet werden sollten; sie hießen Aelken van den B. und Betken P.

Der Pater fragte Calleken, ob es ihr Ernst damit sei, ihre jungfräuliche Reinheit und Sauberkeit zu bewahren und zu dem Ende unter seine Obedienz, Untertänigkeit und Gehorsam sich verdemütigen wolle? Als sie bejahte, lobte er sie sehr und ersuchte sie, ihn mit Einwilligung ihrer Mutter an einem bestimmten Tage der Woche zu besuchen.

Nach einer mehrwöchigen Vorbereitung nahm er sie feierlich als Beichtkind an und ließ sie den schon oben angeführten Eid schwören. Darauf wies er sie an, gleich den anderen Mädchen in seine Disziplinkammer zu kommen und sich dort zur Pönitenz vorzubereiten. - Diese Kammer hatte er damals in einem Hause auf dem Steinhauersdyk in Brügge bei einer Witwe, Frau Pr., bei der die oben genannte Betken und einige andere Mädchen in Kost waren, um die Kochkunst zu erlernen. Die Nähterin wurde erst des Paters Vertraute nach dem Tode der Witwe.

Als Calleken zum ersten Mal in die Kammer trat, forderte sie Cornelius auf, bei dem Gelübde ihres Gehorsams ihm alle Anfechtungen und Versuchungen, welche der menschlichen Natur so eigen, zu beichten und namentlich die unkeuschen Träume, Gedanken und Begierden, welche der jungfräulichen Reinigkeit so sehr zusetzen, ungescheut ihm mitzuteilen, indem er nur auf diese Weise Mittel finden könne, Letztere zu beschützen.

Das arme, unschuldige Kind, welches von dergleichen Anfechtungen noch durchaus nichts wusste, stotterte etwas her, aber Cornelius erwiderte: "Bah, ich weiß recht gut, dass Euch alle die Unkeuschheiten und Unreinigkeiten, welche zwischen Verheirateten und Weltmenschen vorzufallen pflegen, bekannt sind: denn die Welt ist so arm im Argen und verdorben, dass junge Mädchen von acht bis neun Jahren recht gut wissen, auf welche Weise sie in die Welt gekommen sind. Bah! ein Mädchen von sechzehn bis siebzehn Jahren wie Ihr sollte nichts von solchen Versuchungen, Begierden, Quälungen wissen? Bah, Ihr hättet in der Welt bleiben sollen, Ihr wärt bald Mutter von drei bis vier Kindern."

Calleken, vor Scham ganz rot, sah zur Erde nieder und wusste nichts weiter zu sagen, als dass ihre Mutter sie auf das sorgfältigste vor allen eitlen, leichtfertigen und unehrbaren Äußerungen bewahrt hätte. - "O bah!" fuhr der Pfaffe fort, "darauf achte ich noch nicht. Die angeborene und gebrechliche Natur muss Euch in dem Alter, welches Ihr nun habt, darüber belehren; darum ist es nicht möglich, dass Ihr nicht bisweilen mit fleischlichem Streit angefochten werdet, den Ihr allein aus Verschämtheit mir verschweigt. Aber ich kann Euch durchaus nicht absolvieren, denn meine Seligkeit hängt daran, und darum bereitet Euch das nächste Mal besser darauf vor, alle eure natürlichen Anfechtungen zu erkennen zu geben.' - Hiermit entließ er Calleken und befahl ihr, auf einen bestimmten Tag wiederzukommen, was sie in Gottes Namen zu tun gelobte.

Als sie wieder zu ihm kam, nahm er sie in seine Disziplinkammer und ermahnte sie, alle Verschämtheit, die er ein falsches, böses Tier nannte, draußen zu lassen. Auf seine abermaligen Fragen nach fleischlichen Regungen antwortete ihm das unschuldige Mädchen, dass sie täglich Gott bitte, sie vor dergleichen Anfechtungen zu bewahren. Das lobte der Pater zwar, meinte aber doch, sie müsse Gott eigentlich um Versuchungen und Anfechtungen bitten, denn ein Zustand, in welchem diese ausbleiben, sei keine Heiligkeit zu nennen. "Bah!" fuhr er fort, "es ist eine Ehre, eine quälende Natur zu haben, und dass man zu ungleichen Personen, nämlich Frauen zu Männern und Männer zu Frauen, mit natürlich brennender Hitze geneigt ist; allein was ist das für ein Verdienst, wenn man kein Gefühl dafür hat? Bah, mein Kind, schämt Euch nicht zu gestehen, dass Ihr auch Fleisch und Blut gleich allen Menschen habt, oder ich muss Euch für heuchlerisch und ganz und gar für durchtrieben halten, weil Ihr nicht gestehen wollt, bisweilen fleischliche Gedanken oder unreine Begierden zu haben." Nun fuhr er fort, sie zu ermahnen, ihm rund heraus, je unumwundener je besser, alle ihre unkeuschen Gedanken und dergleichen zu sagen. Calleken wurde immer verschämter, je länger sie den Satyr in Priestertracht anhörte. Dieser glaubte daher vor allen Dingen darauf hinarbeiten zu müssen, diese ihm so hinderliche Scham zu vernichten, und nachdem er sie durch väterliche, gleisnerische Worte zutraulich gemacht hatte, fragte er feierlich: "Nun, Calleken, mein Kind, sagt mir, ob Ihr mir die Seligkeit eurer Seele auch mit ganzem Herzen anvertraut?" Sie antwortete: "Ja, ehrwürdiger Vater." - "Nun wohl", fuhr er fort, "wenn Ihr mir euer Seelenheil anvertraut, so könnt Ihr mir mit noch minderer Gefahr euren irdischen vergänglichen Körper anvertrauen; denn wenn ich eure Seele selig machen soll, so muss ich vor allem euren Körper geeignet, rein, sauber und fähig machen zu allen Tugenden, Andachten und Pönitenzien. Ist's nicht so, mein Kind?" - Sie antwortete: "Ja, ehrwürdiger Vater." - "Nun wohlan, mein Kind, so ist es nötig, dass Ihr meiner heiligen Obedienz untertänig seid und tut, was ich Euch befehlen werde."

Hierauf setzte er sich auf eine Bettstelle, die in dem Zimmer stand, und sie musste sich zwei Schritte von ihm hinstellen. Darauf sagte er, dass es zur Überwindung der Verschämtheit, welche der Disziplin und Pönitenz so durchaus zuwider, durchaus nötig sei, dass sie sich seinem Willen füge, und er gebiete ihr daher bei ihrem Gelübde des Gehorsams, sich sogleich vor ihm nackt auszuziehen.

Calleken antworte heftig erschrocken: "Ach, ehrwürdiger Vater, wie könnte ich das tun, ich müsste mich gar zu sehr schämen!" - "Mein Kind", rief er, "das muss so sein, unser beider Seligkeit hängt daran, darum weg mit der Scham und tut gehorsamlich, was ich befohlen habe." - "Ach, ehrwürdiger Vater", stammelte das geängstigte Mädchen, "ich will Euch lieber künftig alle meine Anfechtungen und fleischlichen Gedanken offenbaren (das arme Kind hätte sie gewiss erfinden müssen), als dies tun, denn ach - mir ist, als würde ich lieber sterben! Darum bitte ich demütig, ehrwürdiger Vater, erlasst es mir!" - Cornelius bestand aber fest darauf, denn ohne dasselbe sei es gar nicht möglich, eine vollkommene Andächtige zu werden; es sei das erste Mittel zum Empfang der heiligen, heimlichen Disziplin. Er verlangte unbedingten Gehorsam, wie ihn alle übrigen Disziplinschüler leisteten.

Seine Worte hatten endlich die gewünschte Wirkung. Das schöne Mädchen hakte ihr Mieter auf und zog es aus; als sie aber ihr Leibchen aufschnürte, stürzten ihr die hellen Tränen aus den Augen, und Cornelius sagte: "Bah, mein Kind, fasst Mut und kämpft tapfer und klug gegen die Verschämtheit und Heuchelei, dann sollt Ihr einen Sieg feiern, dann soll alles Triumph, Friede und Glorie sein."

Als sie nun bis aufs Hemd entkleidet war und auch dieses fallen lassen sollte, verwandelte sich die Glut ihres Gesichts in tödliche Blässe. - Als Cornelius dies sah, stand er eiligst auf und holte aus seinem Schrank einige stark riechende Essenzen, mit deren Hilfe sie bald wieder aus der Ohnmacht erwachte.

Für dieses Mal ist es genug, mein Kind", redete er ihr freundlich zu, "das nächste Mal sollt Ihr nicht allein bei mir sein, sondern in Gesellschaft einiger Mädchen, die Ihr kennt und die Euch mit gutem Beispiel vorangehen werden." Als sie sich wieder angekleidet hatte, ermahnte er sie, keinem Menschen etwas zu sagen und ihm zu geloben, am bestimmten Tage sich auch wirklich wieder in seinem Disziplinzimmer einzustellen.

Sie hielt Wort und fand dort die oben erwähnten beiden schönen Mädchen, die gar keine Umstände machten, sich sogleich auskleideten und ganz dreist nackt vor den Pater hinstellten. Calleken folgte dem Beispiel, und Cornelius lobte sehr das Glorreiche eines solchen Siegs über die verfluchte Scham, die allem frommem Werk im Wege sei. Damit hatte es für dieses Mal sein Bewenden, denn Cornelius pflegte seine frommen Töchter mehrere Monate lang im Entkleiden zu üben, denn sein Grundsatz war, sie mussten freiwillig die Scham aufgeben und selbst die Disziplin begehren.

Während dieser mit Calleken vorgenommenen seltsamen Exerzitien wurde sie von einem Mädchen, das schon seit langem zu des Paters schamlosen Freikorps gehörte, gefragt: ob sie denn nun wisse, was die Disziplin oder heilige sekrete Pönitenz sei? Calleken antwortete, dass sie es wohl beinahe ahne, aber noch nicht sicher wisse. "Ei", sagte das Mädchen, "wenn du diese noch nicht verdient hast, dann musst du wohl ein ganz anderes reines Mädchen sein als alle anderen; allein ich denke, dass du deine Anfechtungen nicht recht bekannt und gestanden hast." Nun wurde sie zum unbedingten Gehorsam gegen Bruder Cornelius ermahnt: sie müsse, hieß es, ihre Seele ihm ganz und gar übergeben, den sonst könne es unmöglich etwas werden. Calleken versprach, ganz zu tun, wie die Mädchen ihr rieten.

Die vielen Reden von fleischlichen Anfechtungen, von natürlichen unsauberen Begierden, unkeuschen Träumen usw. hatten das unschuldige Mädchen ganz verwirrt gemacht, so dass sie Tag und Nacht an nichts anderes dachte, was denn auch mit wirklichen Anfechtungen endete, so dass sie dem erfreuten Pater etwas zu beichten hatte. Sie wurde nun der Disziplin für würdig erachtet und wurde eine Devote wie die andern.

Diese Bußgenossenschaft, zu welcher die schönsten Frauen und Mädchen von Brügge gehörten, bestand eine ganze Reihe von Jahren, ohne dass außerhalb des Kreises derselben das geringste verlautete. Aber der Krug geht so lange zu Wasser bis er bricht, und auch den frommen Beschäftigungen des faunischen Paters sollte ein Ende gemacht werden.

Bei einer kleinen Festlichkeit einiger Mitglieder dieser Genossenschaft, der auch Pater Cornelius beiwohnte, ging es sehr lustig zu. Der Pater tanzte mit einer hübschen Beichttochter und küsste sie in seiner frommen Weinlaune auf den Mund. -Calleken Peters hörte davon durch eine der Anwesenden und war sehr betreten, dann sagte sie - "man steht doch mutternackt vor ihm, und wie kann man wissen, ob ihn nicht etwas Menschliches anwandelt." Die andere erklärte ihn für einen Engel in Menschengestalt, der nicht sündigen könne; allein Calleken antwortete: "Ich behaupte nicht gerade, dass er sündigt, aber wie nun, wenn ihn eine menschliche Schwachheit ergreifen sollte, wie wolltest du dich benehmen, um nicht mit zu sündigen?" - "Ich würde es in Demut geschehen lassen", antwortete die andere, "denn ich bin Überzeugt, unser Herrgott würde mir solches nicht zur Sünde rechnen um des heiligen Mannes willen, indem dieser die Handlung ohne eigentlich fleischliches Gelüste vollbrächte."

Calleken wollte diese Religion nicht einsehen, allein der Pater, der Nachricht von dieser Unterredung erhielt, bekam einen großen Schrecken und nach mehreren Unterredungen mit Calleken ließ er sich von ihr in Gegenwart eines anderen Paters eine Erklärung unterschreiben, dass sie an ihm nie etwas bemerkt, was ihr Ärgernis gegeben habe, und dass sie nichts von einer heimlichen Disziplin wisse. Der Pater stellte ebenfalls ein Zeugnis aus, dass er Ohrenzeuge einer solchen Erklärung gewesen und Cornelius wurde wieder ruhig, besonders da er sah, dass Calleken Peters das Geheimnis bewahrte und auch nicht aus seiner Beichtgenossenschaft austrat.

Nach zwei Jahren kamen ihr aber Skrupel, und sie wollte von dem Pater aus der Bibel bewiesen haben, dass die heimliche Disziplin zur Seligkeit absolut notwendig sei. Sie warf ihm vor, dass er auf der Kanzel die Bibelstellen ganz anders auslege als ihr, und er rief sehr verlegen: "Ah bah! wenn ich auf der Kanzel stehe, rede ich für die Weltkinder."

Bei einem abermaligen Disput über diesen Gegenstand riss dem Pater die Geduld, und er befahl ihr, sich auf der Stelle zu entkleiden und die Pönitenz zu empfangen; allein Calleken weigerte sich durchaus und erklärte, dass nur Beweise aus der Bibel sie vermögen könnten, zum alten Glauben an die Notwendigkeit der heimlichen Disziplin zurückzukehren. Er tobte und gab ihr drei Wochen Zeit, sich zu bedenken.

Sie war bei ihrem Entschluss geblieben und ging nach drei Wochen ins Kloster. Cornelius war nicht zu Hause, und sie kam auf den Gedanken, eine Unterredung mit dem Guardian zu haben. Im Laufe derselben fragte sie denselben, ob er Kenntnis habe von der Art und Weise, wie Pater Cornelius diszipliniere?

Nach dem der Guardian sich überzeugt hatte, dass nur Gewissensangst das Mädchen zu ihm trieb, so erklärte er ihr endlich, dass Cornelius zu den Menschen gehöre, von denen Christus gesagt - "Wehe denen, die einen von diesen kleinsten ärgern; es wäre ihm besser, dass ihm ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde."

Sie ging nun nicht mehr zu Cornelius, allein dieser belästigte sie fortwährend, und sie beschloss daher, gegen alle fernere Teilnahme an der Bußsodalität zu protestieren. Cornelius war wütend, behandelte sie wie einen bösen Geist und übergab sie feierlich dem Teufel.

Bis jetzt hatte das Mädchen geschwiegen, aber nun erhob es sich mit dem Stolz und Mut der gekränkten und misshandelten Unschuld und rief: "Wehe Euch, ihr fleischlich gesinnter Mensch, der ihr mit all diesem Nacktauskleiden und Disziplinieren nichts anderes gesucht habt, als eure unkeuschen Augen und niederträchtigen Begierden zu befriedigen zum großen Ärgernis und Skandal von so viel unschuldigen Mädchen. Wehe Euch, es wäre besser, dass Euch ein Mühlstein an den Hals gehängt und ihr in die Tiefe des Meeres versenkt würdet!"

Die Wut des Paters war unbeschreiblich. Die Szene endete damit, dass er sie am Arm ergriff und zur Tür hinausschob, wobei er wie wahnsinnig schrie: "Weg von hier, Ihr Paulianerin! ich sehe nun, dass Ihr eine Paulianerin geworden seid wie Betken Maes; weg, weg, ich übergebe Euch dem Teufel!"

Calleken Peters ging ruhig nach Hause und lebte still und sittsam, ohne - aus Rücksicht für den Guardian und andere Frauen - von der seltsamen Bußanstalt des Paters zu reden, die immer fortblühte. Sie heiratete und kümmerte sich nicht darum; aber drei Jahre nach der oben erzählten Szene kam die ganze Geschichte durch die oben erwähnte Betken Maes an den Tag.

Es war dies ein ausgezeichnet braves Mädchen. Sie hatte sich ganz und gar der Krankenpflege gewidmet und wohin sie immer kam, erschien sie wie ein Engel des Trosts. Sie hatte auch zur Bußgesellschaft von Cornelius gehört, allein gab ihn als Beichtvater auf und beichtete einem trefflichen Augustinermönch. Cornelius war wütend und verketzerte sie überall, allein Betken schwieg.

Als sie einst bei einer Kranken war, die zu sterben meinte, verlangte dieselbe, in einer Kapuze zu sterben, die sie von Cornelius erhalten, der ihr gesagt hatte, dass sie, wenn sie in derselben sterbe, gar nicht einmal in das Fegefeuer kommen werde. Betken suchte, ihr den Unsinn auszureden, die Frau wurde böse, genas aber und erzählte die Sache Cornelius.

Dieser verleumdete sie nun in allen Klöstern und Privathäusern, welche ihr die Kundschaft aufkündigten. Er wusste es sogar so weit zu bringen, dass ihr Beichtvater, weil er seine vereidigten Beichttöchter verleite, in den Bann getan wurde. Betken selbst wurde als Ketzerin sogar auf der Straße verfolgt und verspottet.

In dieser Not beichtete sie dem Provinzial der Augustiner das Geheimnis der Bußanstalt. Der Provinzial beschloss, den Vermittler zu machen, und bewog Cornelius, gegen ihr Versprechen zu schweigen von der Kanzel seine Reden gegen sie zu widerrufen. Er tat dies in verblümter, nur wenigen verständlicher Weise und erklärte überall, dass er den Schritt nur auf Andringen angesehener, dem Erasmianismus anhängender Häuser getan habe. Seine Meinung aber über das Mädchen sei dieselbe.