Der Pfaffenspiegel Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch-katholischen Kirche

Part 26

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Um auch dem Teufel zu geben, was ihm gebührt, will ich wenigstens bemerken, dass die Jesuiten, welche sich viel mit dem Missionswerk beschäftigten, neben dem vielen Schlechten, dessen Urheber sie sind, in manchen Gegenden der Erde segensreich wirkten, so dass das Untergehen ihrer Missionen zu beklagen ist, wie zum Beispiel in Südamerika, an den Ufern des Amazonenstroms und des Orinoko.

Das Missionswesen, wie es von Katholiken und Protestanten betrieben wurde und zum Teil noch betrieben wird, ist ein an der Menschheit begangenes himmelschreiendes Unrecht, welches ich ein Verbrechen nennen würde, wenn ihm nicht, großenteils wenigstens, ehrlich-dummer Glaubenseifer zu Grunde läge. Die protestantischen Missionare, besonders diejenigen, welche von dem puritanischen England auszogen, haben vor den Mönchen nur allein das voraus, dass ihr Fanatismus weniger blutig war. Die Bewohner der Freundschaftsinseln lieferten die schlagendste Illustration zu dieser Behauptung, die jedem in die Augen fallen muss, der die Schilderungen der dort lebenden Indianer vor und nach Einführung des Christentums liest. - Männer wie Dr. Livingstone sind unter den Missionaren sehr selten. Er und die wenigen ihm gleichgesinnten Männer sind ein Segen für die Menschheit; allein ihr geläutertes Christentum würde wenige Gnade finden vor den Augen der Inquisition oder selbst vor orthodoxen englischen Christen. Ich nenne hier Dr. Livingstone und die ihm gleichgesinnten Männer, da es ein bitteres Unrecht sein würde, sie in den Tadel einzuschließen, der den größten Teil derjenigen trifft, welche sich wie sie "Missionare" nannten und nennen.

Den Mönchen verdanken wir, sagen die Klosterverteidiger weiter, die Erhaltung der Kunst und der Wissenschaft, wie auch die der meisten alten Klassiker. Daran ist allerdings etwas Wahres, und besonders erwarben sich die Benediktiner Verdienste in dieser Beziehung; aber eine andere Frage ist es, ob sich nicht ganz ohne Mönche, ja ganz ohne Christentum, Künste und Wissenschaften weit frühzeitiger und herrlicher entfaltet haben würden.

Die alten Griechen dienen uns noch heute in manchen Zweigen der Kunst als unerreichbare Muster und sind jemals die Wissenschaften unter der Herrschaft der römischen Kirche so ins Volk gedrungen wie bei ihnen? - Alle die herrlichen Resultate, welche sie erzielten, erreichten sie ohne Christentum, ohne Mönche, und eine Tatsache ist es, dass die Wissenschaften in Europa erst anfingen, recht aufzublühen, als das Mönchsleben anfing abzusterben. Ja noch mehr, sind nicht noch heutzutage die Heimatländer der Pfaffen und Klöster in Bezug auf Wissenschaften so gut wie Null?

In der Malerei, Bildhauerkunst und Baukunst leisteten die Mönche noch das meiste; allein, welch krasse Geschmacklosigkeit herrscht nicht in den mönchischen Erzeugnissen der erstgenannten Künste. Einige technische Fertigkeit mochten sie allenfalls erlangen; aber bei der Komposition der Gemälde wie der Skulpturen war ihnen überall ihre Unwissenheit im Wege, und sie brachten Dinge hervor, die an Abgeschmacktheit nicht ihresgleichen finden. Wer alte Gemälde gesehen hat, besonders solche, die aus Mönchshänden hervorgingen, wird mir recht geben.

Von den unendlich vielen Beispielen mönchischer Geschmacklosigkeit und Borniertheit, wie sie sich in Gemälden äußert, nur zwei. In Erfurt befand - oder befindet sich vielleicht noch - ein Gemälde, welches die Transsubstantiation verherrlichen soll. Die vier Evangelisten werfen kleine Papierchen in eine Handmühle, und auf den Zetteln liest man die Worte: "Das ist mein Leib." Die vier großen Kirchenlehrer halten einen Kelch unter, und das Jesulein fährt geschroten aus der Mühle in den Kelch.

An einem anderen Ort befindet sich eine Darstellung von dem Opfer Abrahams. Isaak kniet kläglich auf dem Holzstoß, und sein Vater setzt ihm eine Pistole auf die Brust. Der Hahn ist gespannt, und man sieht, der Erzjude will eben abdrücken; man zittert, aber oben in den Wolken schwebt schon der Erretter, ein Engel, der so geschickt aus der Höhe herunterpisst, dass durch sein heiliges Wasser das Pulver auf der Pfanne nass und dadurch Isaak gerettet wird.

Es würde mich zu weit führen, wollte ich den Einfluss des mönchischen Christentums auf die Malerei und Kunst überhaupt weiter ausführen; ich überlasse das den unbefangenen Fachmännern und begnüge mich damit, auf die in den Museen aufgehängten Erzeugnisse hinzuweisen, welche dieser Religionsanschauung ihr Dasein verdanken. Es ist gewiss viel relativ Herrliches darunter; allein man vergleiche es mit den Werken, die aus einer Zeit und von Künstlern stammen, die sich von dem eigentlichen römischen Christentum emanzipiert haben.

Den Mönchen verdanken wir auch die Schauspiele, rufen die Klosterfreunde. - Nun, auf diesen Ruhm werden die frommen Männer, welchen die Schauspiele ein Gräuel sind, eben nicht besonders stolz sein; allein die Sache hat ihre Richtigkeit. Unsere Schauspiele gingen allmählich aus den sogenannten Mysterien hervor, welche in den Klöstern aufgeführt wurden; aber Shakespeare, Lessing, Schiller, Goethe und Konsorten, welche die rein christlichen Vorbilder verließen und sich zu viel mit den Schauspielen der alten Heiden beschäftigten, haben sie vollkommen verpfuscht!

In diesen Klosterschauspielen erreicht die Mönchsdummheit ihren Gipfelpunkt, und wer einmal recht von Herzen lachen will, der suche sich dergleichen Machwerke zu verschaffen, und wer das nicht kann, der lese das vortreffliche Werk von Karl Julius Weber, Die Möncherei . Der treffliche Mann ist tot; aber wenn er sich noch um die Erde bekümmern sollte, würde er sich gewiss freuen, dass ich in diesem Buch mir seine fabelhafte Belesenheit zunutze machte.

Ein Lieblingsthema der Mönche scheint die Schöpfung gewesen zu sein, denn sie wurde sehr oft dargestellt, und höchst erbaulich ist es, wenn Gott, der im Schlafrock mit Brille und Perücke erscheint, von Adam auf den Knien darum gebeten wird - erschaffen zu werden.

In einem dreiaktigen "Passionsspiel", welches 1782 unter dem Titel "Die Sündflut" in Ingolstadt aufgeführt wurde, klagt Gottvater über das sündige Leben der Menschen:

Ist das, o Mensch!das Leben dein! Der Henker soll Gottvater sein, Es tut mich bis in Tod verdrießen, dass ich Euch Schweng'l hab' machen müssen.

Neptun und Aölus bieten nun Gott ihre Dienste an, das sündige Geschlecht zu vertilgen, und ersterer sagt höchst ärgerlich:

Tut länger Ihr so barmherzig sein, So schlagens uns noch in d'Fressen 'nein, Ein Exempel müsst Ihr statuieren, Sonst tun's einem noch ins Haus hofieren.

Endlich ist die Arche fertig und zum Abfahren bereit. Der Engel trinkt mit Noah eine Flasche Wein; dieser geht endlich in die Arche, der Engel schiebt den Riegel vor, und nun geht das Donnerwetter, das Regnen und der Sturm los, dass die Menschen in der Luft herumfliegen.

Als endlich die Geschichte zu Ende ist und Noah opfert, spricht Gott:

Potz Element, was riecht so süß? Das ist zu meiner Ehre gewiss. Zum Zeichen, wie ich dir gewogen, Nimm um den Hals den Regenbogen.

Fama posaunt dies nach allen vier Winden in einer herrlichen Arie aus:

Das bleibt der Welt nun immer kund, Geschlossen ist der Gnadenbund. Pum, Pum, Pumpidipum, Pum!

In einer Passionskomödie, die in einem schwäbischen Kloster aufgeführt wurde, tritt Judas zu den versammelten Pharisäern:

Judas Gelobt sei Jesus Christ, Ihr lieben Herrn! Phar. In Ewigkeit! Judas, was ist dein Begehr'n? Judas Ich will Euch verraten Jesum Christ, Der für uns am Kreuz gestorben ist.

Größerer Unsinn kann wohl nicht leicht in vier Zeilen gesagt werden!

Besonders stark in derartigen Schauspielen waren die Jesuiten; wenn sie sich auch von solchen plumpen Dummheiten frei hielten; so ersetzten sie dieselben reichlich durch mehr innerliche. Ein sehr schönes, originelles Stück ist des Paters Sautter "Genius der Liebe", und ein Theaterdirektor könnte heutzutage sein Glück machen, wenn er diese brillante Oper, mit Offenbachscher Musik, auf die Bühne brächte.

Heilige Jungfrauen (aus meinem zweiten Kapitel) bringen dem Genius "Gaben der Liebe" in goldenen Schalen. Der Genius singt:

Genius Nun! was bringt mir, liebe Bräute, Euer Galantismus heute?

St. Luzia Herr! dir zum süßen Augenschmaus Stach ich mir selbst die Augen aus.

St. Euphemia Für dich, o Herr, zur Morgengab', Schnitt ich mir Nas' und Lefzen ab.

St. Apollonia Viel weißer als das Elfenbein Siehst du hier Zähne, Jesus mein!

St. Magdalena Ich bringe dir zum Opfer dar Meine schöne blonde Haar; Nimm auch von mir verschreiten Musch Den roten und den weißen Tusch.

Chor Pupillen, Mamillen Und Zähne schneeweiß! Jungfräulich Haar', Nasen und Lefzen und mehr solche War' Steh'n, heilige Liebe, hier alle dir preis!

Die Prozessionen sind auch eine Erfindung der Mönche, und ihr seltsamer Geschmack verwandelte sie in die seltsamsten, abenteuerlichsten und lächerlichsten Possenspiele. Besonders bunt und toll waren die am Karfreitag und am Fronleichnamsfest. Alle Personen aus dem Alten und Neuen Testament erschienen in entsprechendem Kostüm - natürlich nach mönchischer Anordnung und Angabe - im Zuge. Wie im wilden Heer wirbelte der tollste Maskenzug, Menschen und Tiere durcheinander, die Straße entlang. Jede Gruppe sang ihr eigenes Lied, und dem Zuschauer wurde ganz schwindlig dabei. Nahm er aber nicht andächtig den Hut ab oder unterstand er sich gar, über den tollen Spuk zu lachen, dann konnte es ihm leicht sehr übel ergehen, denn die Geistlichen ermahnten selbst von der Kanzel herab, die Spötter zu züchtigen.

Noch unter Karl Theodor von Bayern predigte der Karmeliter F. Damascenus in München: "Liebe Christen, morgen ist Prozession. Ihr werdet da an vielen Fenstern Freimaurer und Freidenker sehen, - Unchristen, die unsrer spotten. Waffnet Euch mit dem Eifer des Herrn, greifet nach Steinen und werfet sie nach ihnen." - Anstatt den Eiferer zu bestrafen, ließ ihm Karl Theodor sein Wohlgefallen an seinem Eifer zu erkennen geben! -

Diese Prozessionen endeten gar häufig mit Liederlichkeiten und Saufereien, wenn sie nicht schon damit begannen. Engel, Apostel und Teufel soffen sich gemeinschaftlich voll, und der Bauernlümmel, der Christus vorstellte und der gewöhnlich der Dümmste war, kam meistens betrunken ans Kreuz und fing an zu extemporieren. Ein solcher Christus, den ein nicht ganz klar sehender Ritter Longinus mit der Lanze in der Seite kitzelte, anstatt die mit Blut gefüllte Schweinsblase zu treffen, schrie ganz erbost: "Hol mich der Teufel, Arm und Bein schlag ich dir entzwei, wenn ich herunterkomme!"

Es kamen noch weit unanständigere und lächerliche Szenen bei dieser Kreuzigung vor, die ich aber weglassen muss, weil sie zu sehr an die Zote streifen. - Wäre ich ein Pfaffe oder ein Frommer, so müsste ich mit einem Seufzer meine Augen zum Himmel aufschlagen und an diesen "Missbrauch des Heiligsten" meine salbungsvollen Redensarten knüpfen; ich mache aber nicht den geringsten Anspruch darauf, von irgend jemand für einen "frommen Christen" gehalten zu werden, und muss ehrlich gestehen, dass mich diese Sachen weit mehr amüsieren als empören.

Da wir aber nun einmal bei der spaßhaften Seite der Möncherei sind, die ich bei der Charakteristik derselben nicht unberücksichtigt lassen durfte, so mögen diejenigen Leser, welche sich vielleicht daran ärgern, diesen Kelch auf einmal leeren. Ich will es übrigens kurz machen, obwohl dieses Thema ein besonderes Buch verdiente.

Wer hätte nicht schon von den berühmten Predigten des Paters Abraham a Sancta Clara gehört! Sie sind in einer neuen Auflage zum Amüsement der Ketzer erschienen, und ich will mich daher nicht lange bei ihnen aufhalten, da sie jedem zugänglich sind.

Diese Predigten, welche oft die originellsten und seltsamsten Vergleiche und Wendungen enthalten, hatten seinerzeit auf das Volk eine große Wirkung. In seinem Eifer brachte er oft die seltsamsten Dinge vor, wovon der Schluss einer Predigt über den Ehebruch als Probe dienen mag: "Ja, ja! es gibt so verdorbene Männer, dass sie diesem Laster nachrennen und wenn sie zu Hause die schönsten Frauen haben! Wie gern würden wir, was uns betrifft, die Stelle dieser Männer vertreten!"

In ähnlicher Art, aber noch derber und oft unflätig, predigte in der Mitte des 16. Jahrhunderts der Pater Cornelius Adriansen zu Brügge in Flandern, wo er in dem zu jener Zeit herrschenden großen Revolutionskrieg eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Er sprach, was ihm gerade in den Mund kam, und das war dann häufig sehr derb niederländisch.

Einst verglich er des Himmels Süßigkeit mit - Hammelfleisch und weißen Rüben, welches Gericht er wahrscheinlich sehr gern aß. Der Rat der Stadt konnte es ihm nie recht machen, und er schimpfte über ihn ganz öffentlich von der Kanzel, so dass ihm endlich das Predigen untersagt wurde. Eine Rede gegen diesen Rat schloss er mit einer neuen Beschuldigung und bereitete auf dieselbe mit den Worten vor: "Nun noch eine Klette an seinen Hintern!" - Diesen Pater Cornelius werden wir im nächsten Kapitel genauer kennenlernen, wenn ich von dem Missbrauch des Beichtstuhls rede.

Noch populärer und einflussreicher als Cornelius und Abraham a Sancta Clara übte der kurz vor der Revolution in Neapel verstorbene Pater Rocco aus. Dieser sagte dem König Ferdinand die derbsten Wahrheiten, und man durfte ihn nicht hindern, denn in seiner Hand lag das Schicksal Neapels. Alle Lazzaroni zitterten, wenn er den Mund auftat und niemand wagte eine Miene zu verziehen, wenn er auch die lächerlichsten Dinge vorbrachte.

Einst jagte er einen Marktschreier von seiner Bühne herab, trat an seine Stelle, hielt das Kreuz in die Höhe und rief mit Donnerstimme. "Dies ist der wahre Policinello!" Alles zitterte und er hielt den Ehebrecherinnen eine furchtbare Strafpredigt über den seltsamen Text: "und Alexanders Bucephalus ließ niemand aufsitzen als seinen Herrn und übertraf die Menschen an Tugend."

"Ich will sehen," sprach er, "ob eure Sünden Euch leid sind. - Wem es mit der Buße Ernst ist, der hebe die Hand in die Höhe." - Alle Hände reckten sich in die Höhe. - "Nun, heiliger Michael, der du mit deinem Flammenschwert am Thron des Ewigen stehst, haue alle die Hände ab, die sich in Heuchelei erheben!" - und alle Hände sanken wie mit einem Schlage herunter. Nun aber begann Rocco eine furchtbare Strafpredigt und schloss dieselbe mit Erzählung einer Vision oder eines Traumes, in welcher er durch eine Abtrittsöffnung tief, tief hinuntergesehen auf eine ungeheure Schar von Lazzaronis, die der Teufel sich alle hinten hineingesteckt habe in eine Öffnung, die so groß gewesen sei wie der See Agnano.

Die römische Kirche zählt unter ihren Mönchspredigern so viele originelle Leute, dass ich nur einige wenige anführen kann. - Ein Kapuziner hatte sich von einem anderen eine Passionspredigt machen lassen; sie schloss: "Und Christus verschied." Dieser Schluss schien dem Pater doch gar zu dürftig, und er fügte noch schnell hinzu: "Nun, Gott sei dem armen Sünder gnädig!"

Der Liebling des Würzburger Publikums am Ende des vorigen Jahrhunderts und einer der größten Feinde der Aufklärung war der achtzigjährige Kapuziner Pater Winter. Eine Rosenkranzpredigt schloss er einst mit folgender Frage: "Wer sind die Neuerer?" - sehr lange spannende Pause ß "Esel sind sie, Amen!"

Ein Franziskaner hielt 1782 bei Einkleidung einer Nonne zu Gmünd eine Predigt, die von ganz Deutschland mit vielem Lachen gelesen wurde. Besonders komisch ist der Schluss: "Nun, geistliche Braut, seien Sie ein junger Affe, der seiner Mutter, der würdigen Frau Oberin, alles nachäfft - äffen Sie nach dem alten Affen in Tugenden, Kasteiungen und Bußwerken, - äffe nach, du junger Affe, ihre Keuschheit, Demut, Geduld und Auferbaulichkeit! - Und Sie, würdige Oberin! gleichen Sie dem alten Bären, der ein ungelecktes Stück Fleisch so lange leckt, bis es die Gestalt eines jungen Bären hat; - lecke, du alter Bär, gegenwärtiges geistliches Stück Fleisch so lange, bis es dir vollkommen ähnlich ist; - lecke du auch dein ganzes Konvent, samt allen Kost- und Klosterfräuleins! - Lecke, du alter Bär, die sämtliche Familie der geistlichen Braut und alle hier in dem Herrn Versammelten; - zuletzt lecke auch mich, damit wir alle wohlgeleckt und gereinigt den Gipfel der Vollkommenheit erreichen mögen. Amen!"

Eines der originellsten Predigertalente war aber wohl der sogenannte Wiesenpater zu Ismaning in Bayern, der vor hundert Jahren lebte. Seine Rosenkranzpredigt: "Der heilige Rosenkranz über'waltigt d'Höllenschanz" und seine Schwanzpredigt sind höchst komisch. Die Letztere sollte bewirken, dass die Bauernburschen sich nicht mehr, wie sie zu tun pflegten, Sauschwanz schimpften, sondern beim Namen nannten. In ihr kommt folgende Stelle vor: "Warum, meine Christen, ist gewachsen dem Hund sein Schwanzerl? Dem Hund sein Schwanzerl ist gewachsen, damit er wedle und wackle, dass ihm nicht fahren die Mucken ins Loch. - Wir Geistlichen sind aber die wahren Schwanzerl, wir müssen wedeln und wackeln, damit nicht fahren die Seelen der gläubigen Christen ins Loch des Teufels!"

Wenn nun auch einzelne Spötter über solche Mönchspredigten lachten, so waren sie doch von Wirkung auf das Volk und dem Bildungsgrad derselben angemessen. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so hätte Luther gewiss nicht in derselben Weise gepredigt. Einst predigte er über die letzte Posaune: "So geht es in die Feldschlacht; man schlägt die Trommel und bläst die Trompete Tara-tan-ta-ra! - man macht ein Feldgeschrei Her! Her! Her! - der Hauptmann ruft Hui-Hui-Hui! Bei Sodom und Gomorrha waren die Trompete und Posaune Gottes, da ging es Pumperlepump-Plitz-Platz-Schein! - Schmier! Denn wenn Gott donnert, so lautete es schier wie eine Pauke Pumperlepump - das ist das Feldgeschrei und die Taran-tan-tara Gottes, dass der ganze Himmel und alle Luft wird gehen Kir-Kir-Pumperlepump!" - Nun denke man sich dazu die Gebärden des heftigen Mannes und bewundere die Zuhörer, welche zitterten und bebten und nicht lachten!

Von den evangelischen, protestantischen, lutherischen und anderen nichtrömischen Predigern hört man auch zuzeiten Unsinn, welcher dem vorangeführten nicht viel nachgibt. Ich kannte einen Garnisonsprediger Ziehe in Berlin, der sehr häufig in Knittelversen predigte. Meistens reden die Herren aber langweilen Unsinn.

Hätten die Mönche weiter nichts getan als schlechte Schauspiele aufgeführt und verrückte Predigten gehalten, dann könnte man ihnen ihr Dasein allenfalls verzeihen, allein sie übten einen unendlich unheilvollen Einfluss dadurch, dass sie sich der Erziehung des Volks bemächtigten und über die Schule hinaus demselben Laster einimpften, die in den Klostermauern ausgebrütet wurden und in denselben die größten Schandtaten und Niederträchtigkeiten hervorbrachten, die in der "Welt" sicher sehr selten vorkommen und dann mit den härtesten und entehrendsten Strafen, die das Gesetz vorschreibt, bestraft werden.

Wer von den Klostergeistlichen nichts weiter kennt als ihre Lächerlichkeiten, der ist gar leicht geneigt, sie für harmlose Dummköpfe zu halten; wer aber tiefer in das Klosterleben hineinsieht, der entsetzt sich vor der Bosheit und Verworfenheit dieser "frommen" Herren, die in echt römisch-katholischen Ländern noch heute den größten Einfluss haben.

Mönche zu Lehrern des Volkes zu machen, ist das schwerste und verderblichste Unrecht, welches man an demselben begehen kann und unbegreiflich bleibt es, dass die Erfahrungen von Jahrhunderten darüber noch nicht genügend aufgeklärt haben und dass in vielen Ländern Europas das Schulwesen mit dem Mönchswesen auf das engste verbunden und selbst in protestantischen Ländern von der Kirche abhängig gemacht worden ist.

Das pedantische Pennalwesen, welches noch heutzutage selbst in vielen - protestantischen Schulen, besonders in England, herrscht, ist die Folge der Mönchsschulen, wo die Kinder auf die schauderhafteste Weise behandelt wurden.

Man sollte es kaum für möglich halten, dass die preußische Regierung noch am Anfang dieses Jahrhunderts den Trappisten, den allerwahnsinnigsten Mönchen, die es gab, die Erlaubnis erteilte, zu Bieren und Walda im Paderbornischen Schulen zu errichten!

Diese fanatischen, bornierten Mönche übernahmen junge Leute, ja Kinder beiderlei Geschlechts von drei bis vier Jahren - zur Erziehung! Der Abt reiste überall selbst umher, leichtgläubige Eltern zu verführen, ihm ihre armen Kinderchen zu übergeben. Auf diese Weise wurden Hunderte dieser unglücklichen Opfer zusammengeschleppt. Es wäre ihnen besser gewesen, man hätte sie gleich bei der Geburt erstickt! - Die Mütter wären wahnsinnig geworden, hätten sie gesehen, wie die Trappisten mit den unschuldigen Kindern umgingen. Die Schilderung, welche ein Augenzeuge davon machte, wendet einem nicht ganz gefühllosen Menschen das Herz im Leibe herum!

Die Kinder, meistens im Alter von vier bis zehn Jahren, lebten in düsteren Zellen, deren ganzes Gerät ein Strohsack, ein Totenkopf, Spaten und Hacke war, womit sie ihre Kartoffelfelder bearbeiteten, die sie nebst Wasser und Brot nährten. Sie waren gekleidet wie die Trappisten und mussten ganz ebenso leben wir ihre Lehrer. Sie durften nicht reden und die ganze Anstalt glich einem Taubstummen-Institut. Wenn solch ein armes Kind zur Unzeit sprach, lachte, aß oder sonst einen kleinen Fehler beging, wurde es bis aufs Blut gegeißelt . Fortwährend Prügel, gewürzt durch etwas Latein, das war die ganze Erziehung, denn alle anderen Wissenschaften wurden verachtet.

Es konnte nicht ausbleiben, dass viele der Kinder durch die Flucht sich dieser barbarischen Behandlung zu entziehen suchten; allein die armen Geschöpfe wurden leicht wieder eingefangen, und die fürchterlichsten Strafen schreckten von ferneren Fluchtversuchen ab. Klagen konnten die Ärmsten niemandem, denn die Eltern durften ihre Kinder nicht sprechen, und diese waren bis zum 21. Jahr Eigentum des Klosters!

Die Folge davon war, dass eine große Menge der Kinder krank oder wahnsinnig wurden. Es kamen Gerüchte davon unter das Volk, und der Ex-Jesuit Le Clerc schrieb öffentlich gegen diese Kindermordanstalt. Seine Stimme fand Gehör, und Friedrich Wilhelm III. von Preußen machte der Scheußlichkeit ein Ende.

Aber nicht alle Fürsten denken so vernünftig, und wir sehen in anderen Staaten Klöster und Klosterschulen in höchster Blüte. Die Mönche trachten danach, ihre Schüler zu Mönchen oder doch möglichst mönchähnlich zu machen, und in der höchsten Vollkommenheit zeigen sich diese Bestrebungen bei der Erziehung der Novizen, weshalb ich einiges darüber sagen will.

Climakus spricht: "Es ist besser gegen Gott sündigen als gegen seinen Prior." Das erste Gesetz in einem Kloster ist unbedingter Gehorsam, und deshalb trachtet man denn auch vor allen Dingen danach, Geist und Körper in Fesseln zu legen. Ein Novize darf gar keinen Willen haben; er muss auf den Wink der frommen Väter oder des Novizenmeisters aufpassen wie ein Pudel in der Dressur. Er muss auf Befehl krank und gesund sein, sich in Wasser oder Feuer stürzen und die unsinnigsten Dinge vornehmen, wenn sie ihm geheißen werden.

Die Novizen sind die Hofnarren der Patres und müssen sich alle Ausbrüche ihrer guten oder bösen Laune gefallen lassen. Diese nehmen mit ihren Zöglingen die allerverrücktesten Dinge vor, um sie "an Gehorsam und Demut zu gewöhnen".

Die Novizen mussten zum Beispiel manchmal, mit schweren Reitstiefeln angetan, auf einem Bein um den Tisch hüpfen oder ein Dutzend Purzelbäume schlagen, so gut sie es konnten. Dann wurde ihnen wieder befohlen, Fischeier oder Salz in die Erde zu säen, oder man spannte sie an einen Wagen und ließ sie einen Strohhalm oder eine Feder spazieren fahren.