Der Pfaffenspiegel Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch-katholischen Kirche

Part 25

Chapter 253,538 wordsPublic domain

Zum andern, so siehe seine Hände an, so bringt er Gaben, das schenkt er dir, das der Frau, das den Kindern, das der Dienerin.

Das dritte Zeichen ist, wenn er dir unbescheidene Ehre antut. Wenn du ein Handwerksmann bist, nennt er dich Junker. - Wenn du ein semmelfarbenen Mönch siehst, so zeichne dich mit dem heiligen Kreuze, und ist der Mönch schwarz, so ist es der Teufel, ist er weiß, so ist es seine Mutter, ist er grau, so hat er mit beiden teil.

Zu dem andern hüte dich vor den Pfaffen, die mache dir nicht geheim, besonders die Beichtväter, Leutpriester, Helfer und Kapläne. Ja, sprichst du, meine Frau hasset Mönche und Pfaffen, sie schwört, sie habe sie nicht lieb. Es ist wahr, sie wirft es so weit weg, dass es einer in drei Tagen mit einem Pferd nicht errennen möchte. Glaub ihr nicht, denn der Teufel treibt die Frauen, dass sie der geweihten Leut begehren."

Interessante Belege zu der Liederlichkeit der Geistlichen enthalten die Schriften der Ärzte. Aus ihnen lernt man die schrecklichen Folgen des Zölibats an den Leibern der Pfaffen selbst erkennen. Es war nur ein Unglück, dass sie diese weiter mitteilten und auch die Menschen körperlich zu Grunde richteten, welche sie bereits geistig elend gemacht hatten. Alle Ärzte klagten, dass die Lustseuche, welche deutsche Landsknechte aus Frankreich mitgebracht haben sollten, durch die Pfaffen auf eine grauenerregende Weise verbreitet wurde.

Vergebens waren alle Ermahnungen zur Mäßigkeit. Gaspar Torella, erster Kardinal am Hofe Alexanders VI., Bischof von St. Justa in Sardinien und Leibarzt des Papstes, bat die Kardinäle und sämtliche Geistlichen, "doch ja nicht des Morgens bald nach der Messe Unzucht zu treiben, sondern des Nachmittags, und zwar nach geschehener Verdauung, sonst würden sie ihre Sündhaftigkeit mit Abzehrung, Speichelfluss und ähnlichen Krankheiten zu büßen haben, und die Kirche würde ja ihrer schönsten Zierden beraubt werden".

Einige Ärzte waren sogar boshaft genug, die Besorgnis auszusprechen, dass die Geistlichen die Lustseuche auch in den Himmel verpflanzen würden; und der Arzt Wendelin Hock forderte den Herzog von Württernberg auf, der Liederlichkeit der Pfaffen Einhalt zu tun, da sonst das ganze Land verpestet werde. Diese Besorgnis war keineswegs aus der Luft gegriffen, denn die venerischen Krankheiten nahmen so überhand, dass man in den meisten größeren Städten eigene Spitäler dafür erbaute, welche man Franzosenhäuser nannte.

Bartholomäus Montagna, Professor der Heilkunde zu Padua, hatte an den Leibern seiner geistlichen Freunde die beste Gelegenheit, die Lustseuche zu studieren, und schrieb daher ein Buch, in welchem er einige Kardinalkrankheiten schrecklich genug schilderte. Alexander VI. selbst hatte fürchterlich zu leiden, und der Kardinalbischof von Segovia, der die Aufsicht über die Hurenhäuser zu Rom hatte, widmete ihnen so große Sorgsamkeit, dass er darüber sein Leben einbüßte.

Zur Zeit der Reformation kamen unzählige Nichtswürdigkeiten der Pfaffen an das Licht. Als Luther anfing, Lärm zu schlagen, da regte es sich von allen Seiten, und Schriften gegen die Geistlichkeit erschienen in unendlicher Zahl und überschwemmten ganz Europa.

Luther, Melanchthon, Zwingli und andere forderten laut die Erlaubnis zur Ehe für die Priester, und Letzterer richtete im Namen vieler Geistlichen Schriften an seine Vorgesetzten, die aber alle nichts fruchteten. Aus einer derselben will ich nur Folgendes anführen.

Ein Schulmeister, der verheiratet war, hatte Lust, ein Priester zu werden, und wurde es mit Einwilligung seiner Frau. Er hatte sich aber zu viel zugetraut, indem er dachte, das Keuschheitsgelübde halten zu können. Er wehrte sich lange und hätte gern seine Frau wieder zu sich genommen; da er aber dies nicht durfte, so hing er sich an eine Dirne, verließ den Wohnort seiner Frau, um diese nicht zu kränken, und kam in das Bistum Konstanz. Die Frau, welche hörte, dass er eine Haushälterin habe, zog ihm nach. Der Mann, welcher sie lieb hatte, schickte die Haushälterin weg und nahm seine Frau wieder zu sich, da er meinte, es sei dies doch besser, da es ohne "weibliche Pflege" nun einmal nicht ginge. Der Generalvikar und die Konsistorialräte teilten aber seine Ansicht nicht; sie befahlen ihm bei Verlust seiner Pfründe, seine Frau wegzuschicken. Der arme Geistliche erbot sich, dieselbe als Konkubine jährlich zu verzinsen; allein, das war umsonst, sie musste fort. Darauf nahm er seine fortgeschickte Konkubine wieder zu sich, und alles war in bester pfäffischer Ordnung; der Generalvikar hatte nichts dagegen zu erinnern!

Der Rat von Zürich gestattete bald nach einer Disputation, in welcher Zwingli die Ehe wacker verteidigt hatte, dass sich die Priester verheirateten. Mehrere machten sogleich von dieser Erlaubnis Gebrauch und verkündeten ihren Entschluss von der Kanzel. Das Volk bezeugte laut seinen Beifall, und bei der Trauung eines Priesters in Straßburg, wo man bald dem guten Beispiel folgte, rief man im Volk, er habe recht getan, und wünschte ihm tausend glückliche Jahre.

Erasmus von Rotterdam, der durch seine Schriften sehr viel beitrug, die Macht der Päpste zu untergraben, nannte die Reformation das "lutherische Fieber" oder ein Lustspiel, da es mit einer Heirat schließe. Als er Luthers Vermählung erfuhr, scherzte er: Es ist ein altes Märlein, dass der Antichrist von einem Mönch und einer Nonne kommen soll. Er schrieb gleichfalls gegen das Zölibat, meinte aber, dass die Päpste es schwerlich abschaffen würden, da ihnen der Hurenzins gar zu gut tue.

Auf der Trientiner Synode, wo all der alte römische Kohl wieder aufgewärmt wurde, bestätigte man auch wieder aufs neue das Zölibat und erließ die strengsten Befehle gegen das Konkubinat. Aber auch diese Beschlüsse halfen nicht viel. In Polen lebten zur Zeit der Reformation fast alle Geistlichen in heimlicher Ehe, und viele bekannten sie selbst öffentlich. Dieser Zustand änderte sich auch nach der Trientiner Synode nicht, und dass das Konkubinat fortbestand, lehren die unzähligen späteren Verordnungen dagegen.

In denjenigen Ländern, in welchen die Reformation festen Fuß gefasst hatte, waren die Geistlichen freilich darauf bedacht, ihr Schandleben vor den Augen der Welt immer mehr zu verbergen; aber wie begreiflich wurde damals nichts für die Sittlichkeit gewonnen, sondern diese wurde im Gegenteil noch mehr dadurch gefährdet. Die Pfaffen blieben trotz aller Konzilienbeschlüsse liebebedürftige Menschen, um die Sache einmal recht zart auszudrücken, und da beim unvorsichtigen Genuss harte Strafen drohten, so waren sie darauf angewiesen, sich in der Kunst der Verstellung und Heuchelei zu vervollkommnen. Das Handwerk des Frauenverführers wurde nun jesuitischer betrieben, und das war wahrlich kein Gewinn.

In den echt katholischen Ländern genierte man sich indessen weniger, und der Kardinal Bellarmin zum Beispiel führte ein Leben, als hätte nie eine Reformation stattgefunden. Man erzählt von ihm, dass er 1624 Geliebte gehabt und nebenbei zur Sodomiterei noch vier schöne Ziegen gehalten habe! Mehr kann man von einem Kardinal billigerweise nicht verlangen.

Im siebzehnten Jahrhundert erschienen noch sehr zahlreiche, die Unzucht der Pfaffen betreffende Verordnungen, und da man einmal das Konkubinat nicht ausrotten konnte, soviel Mühe man sich auch gab, so bestimmte man nun das Alter der Köchinnen und Haushälterinnen auf fünfzig Jahre, und trotz dieses Alters, welches gegen das höchst rücksichtslose Kinderbekommen sicherte, worauf es hauptsächlich ankam, mussten die Pfaffenköchinnen sich einer strengen Prüfung unterwerfen.

Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert werden die Provinzialsynoden immer seltener, und dies ist der Grund, weshalb die beständigen Erinnerungen an die Keuschheitsgesetze wegfallen, welche nur hin und wieder in den bischöflichen Hirtenbriefen eingeschärft werden.

Man hatte eingesehen, dass Pfaffenfleisch sich nicht ertöten lässt, und war weit diplomatischer geworden. Anstatt bei Keuschheitsvergehen an die große Glocke zu schlagen, vertuschte man sie und suchte den Glauben zu verbreiten, als stehe es mit der Keuschheit der Pfaffen sehr gut. Fand man eine Erinnerung nötig, so sorgte man auch dafür, dass keine Kunde davon unter die Leute kam, und in dem Ausschreiben Joseph Konrads, Bischof von Freisingen und Regensburg, an den Regensburger Klerus vom 7. Januar 1796 heißt es ausdrücklich: "Übrigens wollen wir, dass von diesen Statuten keine Nachricht unter das Volk komme, damit nicht der Klerus verachtet und verspottet werde. Wir haben uns auch deswegen der lateinischen Sprache bedient, damit für die Ehre des Klerus gesorgt und das Volk bei seiner guten Meinung erhalten werde, da einige in demselben glauben, es dürfte auch nicht der Verdacht eines schändlichen Verbrechens auf die Priester und seine Seelsorger fallen."

Ein Umlaufschreiben des Bischofs Ignaz Albert von Augsburg vom 1. April 1824 ist im Allgemeinen außerordentlich diplomatisch und umso mehr wird man darin von folgender Stelle frappiert: - "Ja, wir wissen es, dass es bei einigen Pfarrern schon zur Gewohnheit geworden ist, an Kirchfesten und Jahrmärkten mit den Köchinnen zu erscheinen und im Pfarrhaus oder in Wirtshäusern einzusprechen und in später Nacht vollgefressen und vollgesoffen nach Hause zurückzukehren."

In Spanien stand es mit der Sittlichkeit der Geistlichen in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts sehr schlecht, und der Großinquisitor Bertram erklärte: dass die ganze Strenge der Inquisition dazu nötig sei, um Kleriker und Mönche von Verbrechen zurückzuhalten und zu verhindern, dass der Beichtstuhl in ein Bordell umgewandelt werde. - Wie es mit der Moralität der Geistlichen in der Schweiz steht, werden wir im nächsten Kapitel an einigen Beispielen sehen. - In Südamerika überbieten die Pfaffen alle anderen Stände an Liederlichkeit, was dort etwas heißen will. In Peru besteht das Konkubinat in voller Blüte.

Wie es mit der Sittlichkeit der römischen Geistlichkeit in Deutschland steht, will ich hier nicht erörtern. Leser, die in katholischen Distrikten unseres Vaterlandes wohnen, wissen es. Das Zölibat besteht noch, und wenn auch die höhere Bildung unseres Zeitalters es nicht gestattet, dass die Liederlichkeit der Pfaffen mit derselben frechen Unverschämtheit auftritt wie früher, so bleiben die Folgen dieses Zölibats doch überall dieselben. Diese Folgen waren es fast ebenso sehr wie die Habsucht der Pfaffen, welche die Reformation herbeiführten; und wenn das jetzt zusammentretende Konzil über die Mittel beraten sollte, die katholische Religion in den schwankenden Ländern zu rehabilitieren, so sollte es nicht vergessen, dass die Aufhebung des Zölibats das wirksamste sein würde.

Die Möncherei

Im Weltgewühle wohnt Der Sünde freche Fülle In heil'gen Mauern thront Unheiligkeit in Stille

Wie das Mönchswesen entstand, habe ich früher angedeutet. Klöster stiegen im Mittelalter wie Pilze aus der Erde hervor. Bis zur Reformation waren allein 14.993 Bettelmönchklöster errichtet worden! Durch die Reformation und die darauf folgenden Kriege gingen in Deutschland 800 Klöster zu Grunde, in Sachsen allein 130; aber dessen ungeachtet fand Kaiser Joseph II. bei seinem Regierungsantritt noch 1565 Mönchs- und 604 Nonnenklöster in seinen Staaten. Zur Zeit Luthers belief sich die Zahl der Mönche auf 2.465.000 und das stehende Heer der Bettelmönche allein auf eine Million!

Es ist fast unmöglich, alle Spielarten dieser Mönche und Nonnen aufzuzählen und ich unterlasse es daher, wie Marnix de St. Aldegonde in seinem berühmten "Bienenkorb deß heil. Röm. Immenschwarms etc." und bemerke nur mit seinen Worten: "Wie etliche in Schneeweis, etliche inn kohlschwarz, die anderen in Eselgraw, inn grasgrün, in feuerrodt, in himmelblaw, inn bund oder geschecket gekleyd gehn, die eynen eyn helle, die andern ein trübe kapp antragen, die eyn Rauchfarb vom Fegefeuer geräuchert, die andern von Requiem Todenpleych. Den einen Mönch graw wie ein Spatz, den andern hellgraw wie eyn Klosterkatz: Etliche vermengt mit schwarz und weis, wie Atzeln, Raupen vnd Läus, die andern Schwefelfarb und Wolffsfarb, die Dritten Eschenfarb vnd Holtzfarb, etliche inn vil Röcken vber einander, die andern in eyner blosen Kutt: Etliche mit dem hemd vberm Rock, die andern ohn ein hemd, oder mit eym pantzerhemd, oder härin hemd, oder Sanct Johannes Cameelshaut auf bloser haut: Etliche halb, etliche gantz beschoren; etliche bärtig, die andern Unbärtig und Ungeberdig: Etliche gehn barhaupt, vil Barfüßig, aber alle miteynander müßig: Etliche sind ganz Wüllin, etlich Leinin, etlich Schäfin, etlich Schweinin: Etlich füren Juden Ringlein auff der Brust, die andern zwey schwerter kreutzweis zum kreutzstreich darauff geschrenkt, die dritten ein Crucefix für die Bottenbüchs, die Vierten zwen schlüssel. Die fünfften Sternen, die sechsten kräntzlin: die siebenden Spiegel auß dem Eulenspiegel, die achten Bischofshut, die Neunten fligel, die Zehenden Tuchschären, die eylfften Kelch, die zwölfften Muscheln und Jacobsstäb, die Dreizehnden geysseln, die Viertzehenden schilt vnd andre sonst auff der Brust seltsam grillen, von Paternostre, Ringen vnd Prillen. Sehet da, die Feldzeychen sind schon ausgetheylt, es fälen nur die Federpusch, so ziehen sie hin inn Krig gerüst."

Es war dies eine ungeheure Macht, besonders durch ihren Reichtum, zu welchem sie durch die Schenkungen frommer Schwachköpfe und durch - Betrügereien gelangten. Hatte eine Kirche oder ein Kloster Lust nach einem schönen Landstrich, so fand sich bald im Klosterarchiv eine vergilbte Pergamenturkunde, ausgestellt von diesem oder jenem Fürsten der Vorzeit, welcher den ersehnten Landstrich dem Kloster schenkte. Im Kloster St. Medardi zu Soissons war eine förmliche Fabrik von falschen Dokumenten. Der Mönch Guernon beichtete auf dem Sterbelager, dass er ganz Frankreich durchzogen habe, um für Klöster und Kirchen falsche Dokumente zu machen. Da war es denn freilich kein Wunder, dass zur Zeit der Revolution das Vermögen der Geistlichkeit in Frankreich auf 3000 Millionen Franken angeschlagen werden konnte!

Die Pfaffen verschmähen kein Mittel, um reich zu werden, denn sie hatten längst erkannt, dass Geld Macht ist, und dann - sie wollten gut leben. Ihre Gelübde wussten sie damit trefflich zu vereinigen, und was die fanatischen Stifter der Klöster eingerichtet hatten, um dem Wohlleben zu steuern, wurde von ihren Nachkommen so gedreht und gewendet, dass es ihnen zu einer Quelle des Erwerbs und Wohllebens wurde.

Die Karthäuser zum Beispiel, denen ihre Regel den Genuss des Fleisches verbot, kultivierten die Obstbaumzucht und die Fischereien in solchem Grade, dass sich von deren Ertrage auch ohne Fleisch sehr luxuriös leben ließ. Karthäuserobst ist in der ganzen Welt bekannt. Die Obstbaumschule der Karthause in Paris trug jährlich 30.000 Livres ein. Dafür konnte denn auch ihr Prior während einer Krankheit für 15.000 Livres Hechtbouillon verzehren!

Die Messe war, wie die Mönche lehrten, die einzige Erfrischung für die armen Seelen im Fegefeuer, die mächtigste Vogelscheuche für den Teufel, und war für 30 Kreuzer zu haben, ja, die Bettelmönche lasen für die Hälfte und standen sich umso besser.

Einzelne Klöster wurden außerordentlich reich durch einen Ablass, zu welchem ihnen der Papst ein besonderes Privilegium gegeben hatte. Der Portiunkula-Ablass brachte den Franziskanern Millionen. - Ein Hieronymitenkloster bei Valladolid mit achtzig Mönchen hatte das ausschließliche Privilegium, die Kreuzbulle zu verkaufen, was ihm jährlich 12.000 Dukaten eintrug.

So gern nun auch die Mönche nahmen, so ungern gaben sie, und jeder, der es wagte, sie mit Gewalt dazu zu zwingen, wurde bis in den tiefsten Abgrund der Hölle verflucht, wie folgende Formel zeigt, die einer jeden Schenkungsurkunde angehängt war: "Sein Name ist vertilgt aus dem Buch des Lebens; und alle Plagen Pharaons sollen ihn treffen - der Herr werfe ihn aus seinem Eigentum und gebe solches seinen Feinden - sein Teil sei bei dem Verräter Judas - bei Dattam und Abiram - seine Äcker werden wie Sodom, und Schwefel verderbe sein Haus wie Gomorra, - die Luft schicke Legionen Teufel über ihn - er sei verflucht vom Fuß bis zum Haupt, dass ihn die Würmer mit Gestank verzehren und seine Eingeweide ausschütte wie Judas - sein Leichnam werde verzehrt von den Vögeln und wilden Tieren, und sein Gedächtnis von der Erde vertilgt - verflucht alle seine Werke, verflucht, wenn er aus- und eingeht, verflucht sei er im Tod wie ein Hund, wer ihn begräbt, sei vertilgt. Verflucht die Erde, wo er begraben wird, und er bleibe bei den Teufeln und seinen Engeln im höllischen Feuer!" - Dabei musste einem Christen des Mittelalters wohl der Appetit nach Klostergut vergehen!

Wenn nun auch das Hauptgeschäft der Mönche im Handel mit geistlicher Ware bestand, so ließen sie sich doch auch zu dem mit irdischen Dingen herab, als die ersten im Kurs zu fallen begannen. Viele Klöster wussten sich das Recht zu erwerben, Wein und Bier zu verzapfen und verdienten damit viel Geld. In Nürnberg verkaufte eins jährlich 4500 Eimer Bier. Jeder Bettler, der in seine Bierstube kam, erhielt einen Pfennig, aber das Glas Bier wurde ihm für zehn Pfennig verkauft.

Im Allgemeinen gaben sich die Mönche aber mehr mit dem Trinken als mit dem Verkaufen ab, und die Klosterkeller stehen bei allen alten Zechern im besten Andenken. Die frommen Väter hatten in ihren Kellern Fässer, die größer waren als die Zellen ihrer Vorfahren, der armen Einsiedler.

Als man in Österreich die Klöster aufhob, fand man selbst in Nonnenklöstern herrlich versehene Weinkeller. Die Kanonissinnen zu Himmelspforten in Wien hatten in dem ihrigen noch 6800 Eimer und Raum für das Doppelte. Es gab da einen Gottvaterkeller, Gottsohn- und Heiligengeistkeller, einen Muttergottes-, Johannes-, Xaveri- und Nepomukkeller. Der allergrößte, der Gottsohnkeller, war leer bis auf ein einziges Fass. - Was mag nun erst in Mönchsklöstern für ein Vorrat gewesen sein!

Saufen galt bei den alten Rittern als eine Tugend und es war die einzige, in welcher sie es einigermaßen weit brachten, worin sie aber dennoch im Allgemeinen von den Mönchen übertroffen wurden; einzelne Ausnahmen fanden freilich statt, und es kam sogar vor, dass Mönche von einem Ritter totgesoffen wurden.

Ein sehr geachteter protestantischer Geistlicher zu Caen in Frankreich war angeklagt worden, über die Ohrenbeichte der Katholiken schlecht gesprochen zu haben. Die Sache wurde sehr streng untersucht, aber man konnte an dem Geistlichen keine Schuld finden und er wurde freigesprochen. Der Jubel darüber war in Caen ungeheuer und jeder suchte seine Freude auf irgendeine Weise an den Tag zu legen. Dies tat denn auch ein Ritter, welcher in einem ziemlich schlechten Ruf stand. Er lud zwei Kapuziner ein und "der Wein floss in Strömen". Es begann ein Wettsaufen, welches damit endete, dass einer der Mönche mausetot auf dem Platz blieb. - Seelenvergnügt ging nun der protestantische Edelmann zu dem Geistlichen und sagte: "Er sei über dessen Freisprechung außerordentlich erfreut und habe gedacht, dies durch nichts besser an den Tag zu legen als dadurch, dass er dieser Freude einen Mönch opferte. Eigentlich hätte es ein Jesuit sein sollen; da er diesen aber nicht habe bekommen können, so möge der Geistliche diesmal mit einem Kapuziner vorlieb nehmen."

Wenn die Klöster nicht selbst stark genug waren, sich zu beschützen, so rechnete es sich irgendein Fürst zur Ehre, ihr Schutzherr zu sein, wofür ihm dann von den Klosterherren diese oder jene Rechte eingeräumt wurden. Aber nicht alle Schutzherren machten davon einen so ernsthaften Gebrauch wie der Herzog Julius von Braunschweig. Dieser ließ die Äbtissin von Gandersheim, eine geborene von Warberg, die sich mit ihrem Stiftsverwalter zu tief eingelassen hatte, nach der Stauffenburg abführen und hier (1587) lebendig einmauern!

Meistens brauchten die Klöster keinen Schutz; die Äbte und Prälaten waren große Herren, welche Lehnsleute hatten, die ihnen zu allerlei Diensten verbunden waren, wie auch Leibeigene. Oft war es bei diesen Lehnsleistungen übrigens nur auf einen gnädigen Spaß abgesehen, der mitunter sehr mittelalterlich derb war.

Der Lehnsmann eines Klosters zu Bologna musste jährlich dem Abt einen Topf mit Reis und einem Huhn darin bringen und diesen Sr. Hochwürden unter die Nase halten, denn - er war nur den Dampf davon schuldig.

Ein Bauernhof in Soest in Westfalen hatte die Verpflichtung, dem Dominikanerkloster alljährlich ein Ei auf einem vierspännigen Wagen zu bringen. - Im Quedlinburgischen mussten Bräute den Herren Pfaffen ihren "Stech- oder Bunzengroschen" zahlen und im Paderbornschen eine Bockshaut liefern. - Mehreren schwäbischen Klöstern mussten die Bräute einen kupfernen Kessel geben, "so groß, dass sie darin sitzen konnten", und die Beweisführung war natürlich das Hauptgaudium für die frommen Herren.

Die Gräfin Hidda von Eulenberg ließ sich von den Witwen, die wieder heirateten, einen Beutel ohne Naht mit zwei "Schreckenbergern" darin liefern, und unfruchtbare Eheleute mussten im Hildesheimschen alljährlich, wegen des Abgangs an Taufgeld, damit man mit ihrem Unvermögen Geduld habe, einen "Geduldshahn" opfern.

Die Fuchsnatur der Pfaffen offenbarte sich auch in ihrer Lüsternheit nach Hühnern und ihre Lehnsleute mussten davon herbeischaffen, soviel sie nur immer konnten. Es gab Haupt- und Leibhühner, Rauchhühner, Erbzins- und Fastnachtshühner, Pfingst-, Sommer-, Herbst-, Ernten-, Wald-, Garten-, Heu- und Ehrenhühner! Audubon hat diese Hühnerarten in seiner Naturgeschichte der Vögel vergessen; doch waren sie ja auch nur in Europa zu Hause, und Gloger, als er sein treffliches Werk schrieb, hätte sich darum bekümmern sollen.

Manche Äbte und Bischöfe unterhielten Heere, wie es Fürsten nicht vermochten. Der Bischof Galen von Münster hatte 42.000 Mann Infanterie, 18.000 Reiter und die schönste Artillerie, und die meisten Klöster waren verbunden, ein mehr oder minder bedeutendes Kontingent zu den Truppen des Landesbischofs stoßen zu lassen. Als die Reformation und die Revolution die Klöster gehörig angezapft hatte, da wurde dies manchem schwer genug, und eine Äbtissin schrieb an die Kreisdirektion: "dass sie und ihre Kanonissinnen im letzten Krieg so von den Franzosen zugerichtet worden, dass sie nicht im Stande seien, auch nur einen halben Mann aufsitzen zu lassen."

Ehe wir nun einen Blick in die Klöster tun, wollen wir einmal prüfen, welchen Nutzen die Mönche der Welt brachten. Wir werden leider finden, dass dieser zu dem Übel, dessen Ursache sie waren, so wenig im Verhältnis steht, dass er fast ganz und gar verschwindet.

Die Verteidiger des Mönchswesens machten geltend, dass durch Mönche das Christentum in die fernsten Weltteile getragen wurde. Es ist das ein sehr zweifelhaftes Verdienst, denn das Mönchs-Christentum brachte mehr Fluch als Segen, wohin es auch immer kam, namentlich aber solchen Völkern, die unter dem Einfluss eines ewig milden heiteren Himmels sich gebildet hatten und für welche das scheußliche Mönchs-Christentum mit seinen trübseligen asketischen Ansichten eine moralische Unmöglichkeit war. Das erste Kloster wurde 1525, also vier Jahre nach der Eroberung von Mexiko, gebaut und 10 Millionen unglücklicher Indianer wurden dem blutigen Pfaffengott als Opfer geschlachtet!! Ähnlicher Art waren die Wirkungen des durch Mönche verbreiteten Christentums fast überall. Die Marianneninseln wurden früher von 150.000 glücklichen Naturkindern bewohnt, und im Laufe der Zeit wurden sie durch christliche Krankheiten, Trunksucht und das Franziskaner-Evangelium auf 1500 elende, Christen genannte Subjekte reduziert.