Der Pfaffenspiegel Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch-katholischen Kirche

Part 18

Chapter 183,582 wordsPublic domain

Der Papst floh in die Engelsburg, und mit Rom wurde unbarmherzig umgegangen. Die Kardinäle hatten schlimme Zeit, denn selbst die katholischen Spanier gingen hart mit ihnen um. Die Damen nahmen die Sache von der besten Seite; sie waren neugierig auf die stämmigen deutschen Landsknechte, und Geschichtsschreiber erzählen boshafterweise, dass sie es gar nicht erwarten konnten, bis das Notzüchtigen losging.

Die Soldaten raubten, wo sie etwas fanden; denn wenn die Krieger der damaligen Zeit Geld witterten, dann suspendierten sie alle Religion, stahlen und mordeten nach Herzenslust und ließen sich dann absolvieren. Die Beute belief sich an Gold, Silber und Edelsteinen auf mehr als zehn Millionen Gold, und an barem Geld, womit sich die Vornehmen ranzionieren mussten, auf eine noch größere Summe.

Ich habe da ein altes Buch von 1569 vor mir, in welchem Adam Reißner, der in Diensten Frondsbergs mit in Rom war, die tolle Wirtschaft, welche die Soldaten dort neun Monate lang trieben, sehr einfach und treuherzig beschreibt. Ich will eine Stelle daraus wörtlich hersetzen:

"Die Landsknecht haben die Cardinäls Hüt auffgesetzt, die roten langen Röck angetan, vnd sind auff den Eseln in der Statt vmbgeritten, haben also jr Kurzweil vnd Affenspiel gehalten. Wilhelm von Sandizell ist oftermals mit seiner Rott, als ein römischer Bapst, mit dreyen Kronen für die Engelburg kommen, da haben die andern Knecht in den Cardinäls Rökken irem Bapst Reverentz gethan, ire lange Röck vornen mit den Händen auffgehebt, den hindern Schwantz hinden auff der Erd lassen nachschleyffen, sich mit Haupt und Schultern tief gebogen, niederkniet, Fuß vnd Händ geküßt. Alsdann hat der vermeynt Bapst Clementen einen Trunk gebracht, die angelegte Cardinäl sind auff jren Knien gelegen, haben ein jeder ein Glaßvoll Wein außtrunken, vnd dem Bapst bescheyd gethan, darbey geschrien, Sie wollen jetzt recht fromme Bäpst vnd Cardinäl machen, die dem Keyser gehorsam, vnd nicht wie die vorige widerspenstig, Krieg vnd Blutvergiessen anrichten."

"Zuletzt haben sie laut vor der Engelsburg geschrien: Wir wöllen den Luther zum Bapst machen! welchen solchs gefallen, der soll ein Hand aufheben, haben darauff all jre Händ auffgehebt, vnd geschrien, Luther Bapst, und viel dergleichen schimpffliche lächerliche Spottreden gethan."

"Grünenwald, ein Landsknecht schrey vor der Engelsburg mit lauter stimm. Er hett lust, dass er den Bapst ein stück auß seinem Leib solt reissen, weil er Gottes, deß Keysers, vnd aller Welt Feind sey" usw.

Nachdem Papst Clemens an die Truppen noch gegen 400.000 Dukaten bezahlt hatte, ließ man ihn, als Diener verkleidet, aus der Engelsburg entwischen.

Clemens hatte kein Glück, aber auch kein Geschick. So viel hätte er mit seinem Verstand erkennen können, dass die Zeit der Innozenze vorüber war; allein er war unpolitisch genug, es mit dem despotischen Heinrich VIII. von England zu verderben, den er exkommunizierte und der sich dafür mit seinem ganze Land von Rom lossagte. Dadurch verlor der Päpstliche Stuhl den Petersgroschen, eine Abgabe, welche seit 740 von jedem englischen Hause nach Rom bezahlt wurde und die bis dahin gegen 38 Millionen Gulden eingebracht hatte.

Die Reformation machte unter diesen beiden letzten Päpsten immer weitere Fortschritte, und die 1522 auf dem Reichstage, zu Nürnberg versammelten Reichsstände erklärten: "dass sie die päpstlichen und kaiserlichen Verordnungen nicht vollstrecken lassen könnten, weil das Volk, welches den Lehren Luthers in großer Menge zugetan sei, dadurch leicht auf den Argwohn geraten könnte, als wolle man die evangelische Wahrheit unterdrücken und die bisherigen Missbräuche unterstützen, und dies könnte leicht zu Aufruhr und Empörung Anlass geben".

Die deutschen Fürsten auf dem Reichstage nahmen diesmal kein Blatt vor den Mund, und in den "hundert Beschwerden der deutschen Nation" sprachen sie geradezu von den Betrügereien der Päpste, was sie nicht einmal heutzutage wagen würden. Überhaupt sagten die Verteidiger der Reformation damals vieles sogar mit dem Beifall der Fürsten, was selbst heute in anständiger Sprache nicht gewagt werden dürfte, aus Furcht vor endlosen Pressprozessen. Man ließ Luthers "Satyren" ungehindert passieren, obwohl sie eigentlich nichts als unflätige Schimpfereien waren.

Der "Gottesmann Lutherus" zeigte wenig Respekt vor Päpsten oder Fürsten, wenn es die Verteidigung seiner Sache galt. Er ging mit ihnen um, als ob sie Bettelbuben gewesen wären, und sagte sowohl dem König von England als dem Herzog Georg von Sachsen auf das allerderbste Bescheid. Den Herzog von Braunschweig nannte er nur den "Hansworst"; aber am schlimmsten kam der Papst weg.

In seinem Buch: "Das Papsttum, vom Teufel gestiftet" nennt er die Kirche "die Lerche" und den Papst "den Kuckuck, der die Eier fresse und dafür Kardinäle hineinscheiße". Er nennt Se. Heiligkeit "einen Gaukler, das Leckerlein von Rom, päpstliche Höllischkeit und Spitzbube, ein epikurisch Schwein, das vom Teufel hintenaus geboren, und will, dass man ihm den Hintern küsse, einen beschissenen und furzenden Papstesel, vor dessen Fürzen sich der Kaiser fürchtet und der alle Fürze der Esel binden und die selbsteigenen angebetet haben will, und dass man ihm dabei noch den Hintern lecke".

Wenn es heutzutage ein Schriftsteller wagen würde, so gegen den Papst zu schreiben oder gegen den Kaiser Napoleon, dann fiele halb Europa in Ohnmacht und dem Verfasser winkte ein Pressprozess mit darauf folgendem Gefängnis, so lang wie das Fegefeuer.

Seine Gegner blieben Luther indes nichts schuldig, und Dr. Eck, den der Reformator stets Dreck nannte, zahlte ihm mit gleicher Münze. Die gewöhnlichen Titel, die man ihm gab, waren Doktor Dreck-Märte, Doktor Sauhund von Wittenberg und dergleichen. Der Jesuit Weislinger sagt von ihm in Bezug auf die Tischreden: "Luther ist Zeremonienmeister bei Hofe, wo man Mist ladet, Advokat zu Sauheim, wo nicht gar Stadtrichter zu Schweinfurt; - gäbe es ein Mistingen, Schmeisau oder Dreckberg, so gehöre der Sauluther dahin." Das war, wie bemerkt, im sechzehnten Jahrhundert "Satyre".

Clemens VII. war ein großer Freund der Mönche. Unter ihm entstanden die Kapuziner, eine Abart der Franziskaner, welche sich von den Letzteren nur durch ihre größere Dummheit und Schweinerei auszeichneten. Die spitzen Kapuzen, die sie tragen und einem Lichtauslöscher sehr ähnlich sehen, können zugleich als ihr Feldzeichen dienen, denn Clemens hoffte durch sie das Licht auszulöschen, welches durch Luther angezündet war.

Paul III. (1539-1549), der nach Clemens Papst wurde, war schon im 26. Jahr Kardinal geworden und zwar, weil er seine schöne Schwester Julia Farnese an Alexander VI. verkuppelt hatte. Er war einer der liederlichsten Päpste. Blutschande, Mord und ähnliche Verbrechen waren ihm geläufig. Er vergiftete sowohl seine eigene Mutter wie seine Schwester!

Doch das sind eigentlich Familienangelegenheiten, die uns weniger angehen. Weit wichtiger war es für die Welt, dass Paul am 27. September 1540 den Orden der Jesuiten bestätigte. Wir werden diese Fledermäuse noch näher kennen lernen und wollen ihnen dann sagen, was sie waren und was sie sind; denn sie selbst wollten und konnten darüber keine Auskunft geben und sagten, sie wären tales quales; das heißt: diejenigen, welche - - -

Julius III. war ein Papst, der noch weniger taugte als seine Vorgänger. Er hielt sich mit dem Kardinal Creszentius gemeinschaftlich Beischläferinnen, und die Kinder, welche dieselben bekamen, erzogen sie gemeinschaftlich, da keiner von beiden wusste, wer der Vater sei. Seinen Affenwärter, einen hässlichen Jungen von sechzehn Jahren, machte er zum Kardinal, und als ihm die andern Kardinäle deshalb Vorwürfe machten, rief er: "Potta di Dio! was habt Ihr denn an mir gefunden, dass Ihr mich zum Papst machtet?"

Der Heilige Vater ließ einst in Rom Musterung über alle Freudenmädchen halten und es fanden sich nicht weniger als 40.000 in der Stadt. Unter einem so liederlichen Papst wie Julius musste ihr Handwerk natürlich gedeihen. Sein Nuntius Johann a Casa, Erzbischof von Benevent, schrieb ein Buch über die Sodomiterei, worin er diese lebhaft in Schutz nimmt. Dies Buch ist 1552 in Venedig gedruckt und - dem Papst dediziert!

Paul IV. war ein vor Stolz halb wahnsinniger, achtzigjähriger Narr und nebenbei ein mordlustiger Pfaffe. Unter ihm konnte die Inquisition nicht genug Opfer erwürgen. Hören wir, was Pasquino über ihn sagte. Aber vorher noch einige Worte über Pasquino.

Nach der Sage war dieser ein lustiger Schneider in Rom, dessen Schwänke viele Leute nach seiner Bude lockten. Dieser gegenüber stand eine verstümmelte Statue, an welcher man häufig Satiren angeklebt fand, die man dem Schneider Pasquino zuschrieb. Daher das Wort Pasquill. Es gibt indessen noch andere Traditionen darüber. Bald wurde nun eine andere Statue am Kapitol dazu ausersehen, Antworten auf die Fragen aufzunehmen, die man an der ersten Statue fand, und so entstand das Frage- und Antwortspiel, welches nicht nur sehr ergötzlich, sondern auch von großem Nutzen war. Es war der römische Kladderadatsch in primitiver Gestalt.

Als Paul IV. 1559 gestorben war, schlug Pasquino folgende Grabschrift vor.- "Hier liegt Caraffa (aus dieser Familie stammte der Papst), verflucht im Himmel und auf Erden, dessen Seele in der Hölle, dessen Aas im Boden ist. Der Erde missgönnte er den Frieden, dem Himmel Gebet und Gelübde; ruchlos richtete er Klerus und Volk zu Grunde; vor den Feinden kroch er, gegen Freunde war er treulos; wollt Ihr alles auf einmal wissen? - er war Papst!"

Der Name Papst war damals in Rom zum Schimpfwort herabgesunken. Pasquino erwiderte einem Fragenden: "Warum jammerst du?" - "Ach, der Schimpf bricht mir das Herz!" - "Nun, was ist's?" - "Du errätst es nicht? - Sie haben mich", ruft er unter Schluchzen, "sie haben mich - einen Papst genannt."

Paul war Kaiser Karls V. erbitterter Feind gewesen und wollte nach dessen Abdankung Kaiser Ferdinands Wahl nicht anerkennen, weil dessen Sohn und Thronfolger, Maximilian, meist unter Lutheranern aufgewachsen sei.

Der Kaiser kehrte sich wenig an den Papst, dazu angeregt durch den Reichs- Vizekanzler Dr. Seld, den Beust Ferdinands I. Dieser Minister sagte in einem Gutachten: "Man lacht jetzt über den Bann, vor dem man sonst zitterte; man hielt sonst alles, was von Rom kam, für heilig und göttlich, jetzt speiet männiglich, er sei alter oder neuer Religion, darüber aus. Die alten Kaiser haben die Päpste beim Kopfe genommen, gestöcket, gepflöcket und abgesetzt; wir haben selbst erlebt, wie Karl mit Clemens umgegangen; solchen Ernstes sind Ew. Majestät nicht einmal benötigt. Übrigens weiß man, dass Se. Heiligkeit die Kardinäle, welche Wahrheiten sagen, Bestien und Narren gescholten, solche mit Stecken geschlagen, woraus anzunehmen, dass dieselben Alters oder anderer Zufälle wegen nicht wohl bei Vernunft und Sinnen seien."

Unter Pius IV. wurde das berühmte Trientiner Konzil geschlossen (im Dezember 1563), welches achtzehn Jahre versammelt gewesen war, um die schon längst als notwendig erkannte Reformation der Kirche an "Haupt und Gliedern" vorzunehmen.

Das Konzilium stand unter der unmittelbaren Beaufsichtigung des Papstes. Kardinal del Monte stand mit ihm durch eine ununterbrochene Kurierlinie zwischen Trient und Rom in fortwährender Verbindung und des Papstes Instruktionen hatten auf alle Beschlüsse den entschiedensten Einfluss. Alle Welt schrie, das Konzil sei nicht bei Trost, aber niemand konnte das ändern.

Der Bischof Dudith von Tina in Dalmatien und mehrere andere sagten: "Der Heilige Geist, der die versammelten Väter in Trient belehrte, kam im römischen Felleisen."

Die Heiligen Väter strengten sich nicht übermäßig an. Alle Monate einmal eine Sitzung, wenn nicht Ferien oder Festlichkeiten die Zeit wegnahmen, und hielt man einmal eine Sitzung, so verging dieselbe meistens mit sehr viel unnützen Redereien.

Man disputierte mit allem Ernst, der so wichtigen Dingen gebührt, über den Rang der Abgeordneten, über Kleidung, Siegel und dergleichen. Dann fragte man, ob man vom Glauben oder von der Reformation anfangen wolle? Endlich entschied man sich dann für den Glauben, da einige Vorwitzige unverschämt genug waren, die Meinung zu äußern, dass die Reformation bei den Häuptern beginnen müsse!

Die Franzosen und selbst die so geduldigen Deutschen verloren die Geduld. Ein kaiserlicher Gesandter behauptet gar, der Papst und seine Legaten "hätten die Hufeisen verkehrt aufgeschlagen, um sich den Schein zu geben, vorwärts zu gehen, während sie doch rückwärts gingen".

Wenn das Volk, welches sich nach all den schönen Versprechungen auf die Konziliumsbeschlüsse wie Kinder auf den Heiligen Christ freute, durch seine Vertreter deshalb anfragen ließ, dann erhielt es immer zur Antwort, dass der Bericht noch nicht fertig sei".

Als aber der Bericht endlich fertig war, da machte alle Welt ein langes Gesicht und "entsatzete" sich. Beim Schluss der Synode stand der Kardinal von Guise auf und rief: "Verflucht seien alle Ketzer!" "Verflucht! verflucht! verflucht!" brüllten die Herren Gesandten im Chor und der "Heilige Geist" in Rom lachte ins Fäustchen. Dies war freilich nicht der Weg, die Protestanten in den Schoß der Kirche zurückzuführen, welches eigentlich der Hauptzweck der langen Synode war.

Es bedarf in der Tat keiner großen Prophetengabe, um vorhersagen zu können, dass das in diesem Jahr abzuhaltende Konzil ganz denselben römischen Stuhlgang haben wird wie das Trienter. Der alte Mann, der jetzt die wurmstichige Tiara trägt, leidet an der Einbildung, dass wir 1368 schreiben, und handelt demgemäß. Es ist ein Glück, dass es ziemlich gleichgültig ist, was das Konzil beschließt, da sich niemand daran kehren wird, und dass die Tage des Landvogtes Gottes gezählt sind:

Mach' deine Rechnung mit dem Himmel, Landvogt, Fort musst du, deine Uhr ist abgelaufen.

Das Trienter Konzil war das letzte, welches gehalten wurde, und seine Beschlüsse sind bis auf den heutigen Tag das Gesetz für die römische Kirche. Hume sagt bei der Geschichte der Königin Elisabeth von England: "Das Trienter Konzil ist das einzige, das in einem Jahrhundert beginnender Aufklärung und Forschung gehalten wurde; die Wissenschaften müssten tief sinken, wenn das Menschengeschlecht aufs neue zu einem solchen groben Betrug geschickt würde."

Der protestantische Schriftsteller Heidegger verglich das Papsttum mit einer Hure, die immer unverschämter wird, je länger sie mitmacht. Dieser Vergleich ist zwar nicht sehr höflich; aber wenn man die Beschlüsse des Trientiner Konzils durchliest, - muss man ihm beistimmen. Aller Unsinn, welcher sich allmählich in die christliche Kirche eingeschlichen hatte, wurde dadurch feierlich sanktioniert, und was von der Trientinischen Glaubensformel abwich, hatte "den Verlust der Seligkeit zu erwarten".

Dass aus der Synode nicht viel werden konnte, lag auf der Hand, denn die Jesuiten nahmen sich ihrer an und soufflierten dem Heiligen Geist.

Dieses Konzil hatte große Folgen, und die allerschlimmste war wohl die, dass die Päpste, welche bisher beständig gegen die weltliche Macht Opposition gebildet hatten, von nun an gemeinschaftliche Sache mit ihr machten, um das sichtbare Streben nach einem besseren Zustande und nach politischer Freiheit zu lähmen.

Pius IV. "gab seine Seele durch den Teil des Leibes von sich, durch welchen er sie empfangen hatte". Ihm folgte Pius V., ein ehemaliger Großinquisitor. Bei seiner Wahl soll er geäußert haben - "Als Mönch hoffe ich selig zu werden; als Kardinal zweifle ich daran, und als Papst halte ich die Sache für unmöglich."

Dieser Pius V., der als Großinquisitor eine geeignete Vorschule gehabt hatte, war der grausamste unter allen Päpsten. Ihn belebte nur eine Idee: Ausrottung der Ketzer. Er ist der Urheber der Pariser Bluthochzeit, der schrecklichen Verfolgungen in den Niederlanden unter Herzog Alba, der sich rühmte, dass er in sechs Jahren 18.000 Personen hinrichten ließ, und aller Verschwörungen in Schottland und England.

Das Motiv der Grausamkeit dieses Papstes war nicht allein religiöser Fanatismus. Er ließ zum Beispiel Nik. Franko wegen eines unschuldigen Distichons hängen, welches er auf dem im Lateran (päpstlichen Palast) neuerbauten Abtritt machte!

Papst Pius V., der beladenen Bäuche sich erbarmend, Errichtete diesen Abtritt, ein edles Werk.

Das ist die Übersetzung der Zeilen, die den Poeten an den Galgen brachten. Der arme Mensch rief mit Recht: "Das ist zu arg!", und noch auf der Leiter wollte er nicht glauben, dass die Sache ernst sei, und fragte: "Wie, Nikolaus an den Galgen?"

Als Pius unter grässlichen Steinschmerzen seine Henkerseele ausgehaucht hatte, herrschte allgemeine Freude. Die während seiner Regierung beinahe in den Ruhestand versetzten öffentlichen Mädchen versammelten sich jubelnd um seine Leiche, und sogar der türkische Sultan ließ Freudenfeste wegen dieses Todes anstellen.

Doch ich darf nicht das Gute unerwähnt lassen, was von diesem Papst zu melden ist, und umso weniger, als es auf dem "Apostolischen Stuhl" eine Seltenheit ist. Er führte ein sehr strenges Leben, wie ein Einsiedler, trug einen handbreiten, stachligen Drahtgürtel (Cilicium genannt) auf dem bloßen Leib und kein Hemd. Seine Speise bestand aus Gemüse und sein Getränk aus Wasser.

Gregor XIII. war seinem Vorgänger an fanatischem Ketzerhass gleich, wenn auch nicht an Sittenstrenge. Er eröffnete dem spitzbübischen Jesuitengeneral Aquaviva, dass es Protestanten, besonders Gelehrten, Fürsten, höheren Beamten und anderen einflussreichen Personen, wenn sie zur römischen Kirche übergingen, aus besonderer päpstlicher Gnade gestattet sein sollte, ihren neuangenommenen Glauben verleugnen und noch alle protestantischen Kirchengebräuche mitmachen, kurz, nach wie vor sich als Protestanten benehmen zu dürfen.

Nach Gregor kam Sixtus V. (1585-1590) auf den Päpstlichen Stuhl. Sein Vater war Weingärtner, seine Mutter eine Magd, und er selbst hütete in seiner Jugend die Schweine. Deshalb scherzte er oftmals: "Ich bin aus einem durchlauchtigen Hause; Sonne, Wind und Regen hatten freien Zugang in die Hütte meiner Eltern."

Sein Name war Felice Peretti, und er wurde 1521 zu Grotta a Mare, nicht weit von Montalto in der Mark Ankona geboren. Ein Franziskaner, dem der Junge gefiel, nahm ihn von den Schweinen weg und brachte ihn in ein Kloster und somit auf die Leiter, die ihn zum Apostolischen Stuhl führte. - Er stieg schnell. Papst Pius V. war ihm gewogen und machte ihn zum Kardinal Montalto; aber Gregor konnte ihn nicht leiden, und so hielt er es denn für zweckmäßig, sich ganz zurückzuziehen und dem Anschein nach ein völliger Franziskaner zu werden. Er spielte seine Rolle so gut, dass sämtliche Kardinäle angeführt wurden. Er stellte sich äußerst demütig, einfältig und körperlich hinfällig, ließ sich geduldig "der Esel aus der Mark" nennen und dachte, wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Die Kardinäle waren bei der Papstwahl in sechs Parteien geteilt und da keine der andern den Willen tun wollte, rief die größte Zahl der Kardinäle, "dass der Esel aus der Mark Papst sein solle". Kaum wurde der an seiner Krücke einherschleichende Montalto gewahr, dass er die meisten Stimmen für sich habe, als er sogleich seine Krücke wegwarf, sich kerzengerade in die Höhe richtete, bis an die Decke der Kapelle spuckte und mit einer Stentorstimme ein Te Deum anstimmte, dass die Fenster zitterten.

Man kann sich den Schrecken der überlisteten Kardinäle denken. Als der Zeremonienmeister den neuen Papst dem Gebrauch gemäß fragte, ob er die Würde annehme? antwortete er: "Ich hätte noch Kraft zu einer zweiten", und als ihm einer der stolzesten Kardinäle wegen seines guten Aussehens Komplimente machte, sagte er lachend: "Ja, ja, als Kardinal suchten wir gebückt die Schlüssel des Himmelreichs; wir fanden sie und sehen nun aufrecht gen Himmel, da wir auf Erden nichts mehr zu suchen haben."

Einer der Kardinäle, der sich immer für ihn interessiert hatte, wollte seine verschobene Kapuze in Ordnung bringen, aber Montalto wies ihn zurück und sagte: "Tut nicht so vertraut mit dem Papst."

Kardinal Farnese, der dem nunmehrigen Papst niemals recht getraut und ihn stets den Paternosterfresser genannt hatte, äußerte nun zu seinen Kollegen: "Ihr meintet, einen Gimpel zum Papst zu machen; Ihr habt einen dazu gemacht, der mit uns allen wie mit Gimpeln umgehen wird!" - Pasquino erschien mit einem Teller voll Zahnstocher.

Sixtus V. blieb auch als Papst ein strenger Mönch und griff nun mit Energie in die bisher so jämmerlich schlaff gehandhabten Zügel der Regierung. Zuerst war er darauf bedacht, das Land von den unzähligen Räuberbanden zu reinigen, die unter Gregor XIII. so überhand genommen hatten, dass kein Mensch seines Lebens sicher war. Fünfhundert Verbrecher erwarteten, wie es bei einem Regierungsantritte gewöhnlich war, ihre Befreiung; allein Sixtus ließ ihnen den Prozess machen und die Galgen wurden nicht leer. "Ich sehe lieber die Galgen voll als die Gefängnisse", pflegte er zu sagen.

Ganz Rom geriet in Entsetzen, denn seine Strenge traf Reiche und Arme, was man bisher gar nicht gewohnt gewesen war. Graf Pepoli, welcher die Banditen beschützt hatte, wurde zu Bologna enthauptet, und die Villa des Prälaten Cesarino ließ der Papst niederreißen, weil sie ein bekannter Banditenschlupfwinkel war.

"Ich verzeihe", sagte er, "was unter Montalto geschehen ist; aber als Sixtus muss ich dieses Haus niederreißen und einen Galgen an die Stelle setzen." Cesarino wurde vor Angst Karthäuser.

Einer der Bargellos (Landhäscher), die nur zu oft mit den Banditen gemeinschaftliche Sache machten, wollte sich verbergen, als er Sixtus gewahr wurde. Dieser ließ ihn in Ketten legen und gab ihn nur unter der Bedingung frei, dass er ihm innerhalb acht Tagen eine bestimmte Anzahl Banditenköpfe einliefere.

Ja, der Papst ging in seiner grausamen Gerechtigkeitsliebe zu weit, dass er, um Verbrecher zu entdecken, die alten Kriminalakten durchstöbern ließ. Einen gewissen Blaschi, der schon vor 36 Jahren wegen eines Mordes nach Florenz entwischt war, ließ er requirieren und enthaupten.

Diese Strenge gab Pasquino hinlänglich Stoff. Einst sah man an der Bildsäule die Engelsbrücke abgebildet, mit den sich gegenüberstehenden Statuen der Apostel Petrus und Paulus. Petrus war in Stiefeln und Reisemantel. Paulus äußerte sein Erstaunen und fragte nach der Ursache des Reisekostüms, und Petrus antwortete: "Ich will mich fortmachen, denn ich habe vor 1500 Jahren Malchus das Ohr abgehauen."

Sixtus trieb seine Justiz mit förmlicher Leidenschaft, und einst nach einer großen Hinrichtung äußerte er bei Tische: "Mir schmeckt es nie besser als nach einem solchen Akt der Gerechtigkeit." - Pasquino erschien wieder mit einem Becken voll kleiner Galgen, Räder, Beile usw. und sagte: "Diese Brühe wird dem Heiligen Vater Esslust geben."

Die Mütter schreckten jetzt ihre Kinder mit dem Papst, und wenn dieser sich auf der Straße blicken ließ, so drückte sich jeder beiseite. Ein Zeichen, dass es in Rom viele Spitzbuben und andere Leute gab, welche die Strenge des Papstes zu fürchten hatten. Er verfolgte nicht allein Banditen, sondern auch die Menschenfleischhändler oder die Kuppler, welche den Kardinälen und liederlichen Reichen ihre Weiber und Töchter zu verhandeln pflegten. Eine berühmte Buhlerin, Pignaccia, welche man nur die Prinzessin nannte, ließ er hinrichten und von ihrem Vermögen ein schönes Hospital erbauen.

Für die Armen sorgte er in bedrängter Zeit väterlich und ließ nicht allein Lebensmittel austeilen oder die Preise derselben herabsetzen, sondern auch Seiden- und Tuchfabriken anlegen; den Adel nötigte er, seine Schulden zu bezahlen, was demselben hart genug ankam.