Der Pfaffenspiegel Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch-katholischen Kirche

Part 14

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Während die römischen Bischöfe selbst dafür besorgt waren, in Italien ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen, arbeitete für sie in Deutschland Bonifazius, welcher seiner Beschützer ganz würdig war. Ich habe schon früher von diesem Unglücksapostel gesprochen, dem Deutschland all das Unheil verdankt, welches die römische Kirche über dasselbe gebracht hat. Dieser Bonifazius kam nach Rom und leistete Gregor II. über dem erlogenen Grab der Apostel einen Huldigungseid, durch welchen er sich dem Papsttum, nicht dem Christentum, mit Leib und Seele unterwarf.

Mit heiligen Knochen aller Art ausgerüstet, ging er nun nach Deutschland und wandte alle von seinem Meister in Rom erlernten Mittel an, die deutschen Bischöfe dem Römischen Stuhl zu unterwerfen.

Das Christentum hatte in Deutschland längst Wurzel gefasst; allein Bonifazius rottete es als Ketzerei aus und gab ihm dafür das moderne Heidentum, welches man schon damals in Rom christliche Religion nannte. Er stiftete als Legat des römischen Bischofs eine Menge Kirchen in Deutschland, die er alle demselben unterwarf, und seinen Bemühungen gelang es, zu Stande zu bringen, dass im Jahr 744 sämtliche deutsche Bischöfe dem Römischen Stuhle beständigen Gehorsam gelobten.

Auch über die fränkischen Bischöfe erlangte der zu Rom eine Art von Oberhoheit; allein sowohl hier als in Deutschland hatte dieselbe noch ziemlich enge Grenzen, und man war weit davon entfernt, ihm die gesetzgebende Gewalt über die ganze Kirche einzuräumen. Aber es war schon genug, dass man ihm eine gewisse Autorität einräumte; mit Lug und Trug kamen, wie wir sehen werden, die Päpste bald weiter.

Wenn auch Pipin sich sehr demütig zeigte, so fiel es doch seinem Sohn, Karl dem Großen, obwohl er sich in Rom vom Papst zum Kaiser krönen ließ; nicht im allerentferntesten ein, sich diesem unterzuordnen; er betrachtete ihn als den ersten Reichsbischof, denn er selbst trat in alle Rechte, welche sonst der römische Kaiser ausgeübt hatte. Aber dieser sonst so vernünftige Mann, welcher die Geistlichkeit wegen ihrer Habsucht, Prachtliebe und Sittenlosigkeit sehr derb zurechtwies, beging den dummen Streich, den Pfaffen ein wichtiges Recht zu gewähren, welches nur dazu diente, die Macht zu stärken, von der Karls Nachfolger misshandelt wurden; er bestätigte das Recht des Zehnten.

Als die christlichen Priester sich ganz nach dem Muster der jüdischen bildeten, verlangten sie auch wie diese den zehnten Teil der Ernte usw. für sich. Bisher hatten sie die gläubigen Christen zur Zahlung dieser Abgabe zu überreden gewusst, und wenn auch schon am Ende des siebten Jahrhunderts eine fränkische Synode den Zehnten für eine göttliche Satzung erklärte und jeden mit dem Bann bedrohte, der ihn nicht bezahlen wollte, so war dies doch eben weiter nichts als ein Beweis pfäffischer Unverschämtheit, die wir deren so viele haben.

Karl der Große machte den Zehnten erst gesetzlich, und bald dehnten ihn die Pfaffen auf alles mögliche aus. Sie verlangten nicht nur den Zehnten von den Feldfrüchten, Schafen, Ziegen, Kälbern, Hühnern und dem Erwerb, sondern sie wollten ihn sogar von Dingen erheben, die sich für Geistliche sehr schlecht schickten. Als Beweis mag folgender Fall dienen:

Zu Brescia belehrte ein Pfarrer die Frauen im Beichtstuhl, dass sie ihm auch den Zehnten von - den ehelichen Umarmungen entrichten müssten. Eine der Frauen, welche sich von der Rechtmäßigkeit der geistlichen Ansprüche hatte überzeugen lassen, wurde von ihrem Manne wegen ihrer langen Abwesenheit zur Rede gestellt; von ihm gedrängt, beichtete sie das saubere Beichtstuhlgeheimnis. Der beleidigte Ehemann sann auf eine herbe Züchtigung. Er veranstaltete ein großes Gastmahl, zu welchem auch der zehntlustige Pfarrer geladen wurde. Als man in der besten Unterhaltung war, erzählte der Wirt der Gesellschaft die Nichtswürdigkeit des Pfaffen und wandte sich dann plötzlich an diesen, indem er ihm sagte: "Da du nun von meiner Frau den Zehnten von allen Dingen verlangst, so empfange nun auch den hier!" Dabei überreichte er dem Pfaffen ein Glas voll Urin usw. und zwang den halbtoten Pfarrer, dasselbe vor den Augen der ganzen Gesellschaft zu leeren. Seitdem wird ihm wohl der Appetit nach dem Zehnten etwas vergangen sein.

Karls des Großen unwürdige Nachfolger begingen die Torheit, sich gleichfalls von den Päpsten krönen zu lassen, und so wurde in dem Volk bald die Idee erweckt, dass der Papst die Krone zu vergeben habe, da er den Kaiser erst durch die Krönung zum Kaiser mache. Die Einwilligung, welche aber die Päpste zu ihrer Wahl vom Kaiser bedurften, wurde stets in aller Stille und ohne Sang und Klang eingeholt, damit das Volk davon nichts merke.

Papst Eugenius entwarf selbst den Eid, welchen er "seinen Herren, den Kaisern Ludwig und Lothar", leistete und den auch seine Nachfolger den Kaisern schwören mussten. Dieser Eid, den ich nicht ausführlich hersetzen will, steht auch in den Diplomen, die von den Kaisern Otto I. und Heinrich I. in der Engelsburg in Rom aufgefunden wurden. Es ist also klar bewiesen, dass die Päpste selbst sich damals durchaus als Untergebene der Kaiser betrachteten.

Man erstarrt förmlich über die grenzenlose Unverschämtheit, mit welcher die Päpste dies abzuleugnen suchen! Wahrhaft groß darin war Nikolaus I. (858-868). Er behauptete: "dass die Kaiser, wenn sie Synoden für nötig hielten, stets nach Rom geschrieben und nicht befohlen, sondern nur gebeten hätten, eine Synode zusammenzurufen und dann gutgeheißen oder verdammt hätten, was man in Rom für nötig fand".

Dieser Nikolaus war sogar dreist genug, zu behaupten, "dass die Untertanen den Königen, die den Willen Gottes (d. h. des Papstes) nicht täten, keinen Gehorsam schuldig wären". Seinen Namen setzte er in allen Schriften vor den der Könige, ja, er wagte es, Lothar zu exkommunizieren, und dieser - bat wirklich demütig um Absolution!

Die Erzbischöfe Teutgaud von Trier und Günther von Köln traten kühn dem frechen Nickel entgegen. "Du bist ein Wolf unter Schafen", sagten sie zu ihm, "du handelst gegen deine Mitbischöfe nicht wie ein Vater, sondern wie ein Jupiter; du nennst dich einen Knecht der Knechte und spielst den Herrn der Herren, - du bist eine Wespe - aber glaubst du, dass du alles tun dürftest, was dir gefällt? Wir kennen dich nicht und deine Stimme und fürchten nicht deinen Donner, - die Stadt Gottes, von der wir Bürger sind, ist größer als Babylon, das sich rühmt, ewig zu sein, und das sich brüstet, als ob es nie irren könne."

Doch was halfen solche vereinzelte Anstrengungen? Die starke Kreuzspinne zu Rom spann ihre Lügengewebe über ganz Europa und bestrickte damit endlich Könige, Bischöfe und Volk! Es ging aber damit den Päpsten noch immer zu langsam, sie ersannen einen Betrug, der ihnen schneller zum Ziele helfen sollte und, Dank der Dummheit der Menschen, leider auch half!

Niemand wollte noch an die Rechtmäßigkeit all der Rechte glauben, welche die Päpste nach und nach usurpiert hatten. Dies war ihnen in vielen Fällen fatal, und sie mussten sehr wünschen, nachweisen zu können, dass schon die ersten römischen Bischöfe solche Machtvollkommenheit gehabt hätten, wie sie dieselben in Anspruch nahmen.

Zu diesem Ende wurden zu Anfang des neunten Jahrhunderts die in der Geschichte unter dem Namen der pseudoisidorische Dekretalen bekannten falschen Urkunden von einem päpstlichen Betrüger zusammengestellt. Sie wurden unter dem Namen des höchst geachteten Bischofs Isidor von Sevilla, der 636 starb, verbreitet und begannen mit sechzig Briefen der allerersten Bischöfe Roms, denen eine Menge bischöflicher Dekretalen (Beschlüsse), echte und falsche durcheinander, folgten.

Der Hauptzweck dieser Fälschung war es, die ganze Kirchenzucht über den Haufen zu werfen, den römischen Bischof zum unumschränkten Kirchenmonarchen zu machen, ihm mit Vernichtung aller Metropolitan- und Synodalgewalt die Bischöfe unmittelbar zu unterwerfen; die Kirche von aller weltlichen Gerichtsbarkeit unabhängig zu machen und allen Einfluss des Staates auf kirchliche Angelegenheiten und Verhältnisse zu zerstören.

In diesem sauberen Spitzbubenwerk ist auch eine Schenkungsurkunde enthalten, durch welche der Kaiser Konstantin dem Apostel Petrus das ganze abendländische Reich und dessen Hauptstadt Rom zusichert!

Das Betrügerische dieser Briefe und Urkunden liegt so klar am Tage, dass man kaum begreift, wie selbst Bischöfe ihnen damals Glauben schenken konnten. Aber die meisten derselben waren ungelehrte Leute, welche nicht einmal die Geschichte ihrer Kirche kannten. Fragte ein Gescheiter einmal nach den Originalen dieser Dekretalen, die doch in Rom aufbewahrt sein mussten und von denen man die Abschriften gemacht hatte, dann wusste man sehr schlau und ausweichend zu antworten, und die meisten Bischöfe ließen fünf gerade sein, da sie lieber von dem entfernten Bischof von Rom als von ihrem Metropolitan abhängig sein wollten, der ihnen zu nah auf die Finger sehen konnte.

In diesen Briefen, die angeblich von den römischen Bischöfen der ersten Jahrhunderte geschrieben sein sollten, kommen Bezeichnungen von Dingen vor, die man zu ihrer Zeit noch gar nicht kannte. Ja, der betrügerische unwissende Fälscher, welcher dies Buch verfasste, lässt diese Bischöfe Stellen aus der Bibel nach der Übersetzung des viel später lebenden heiligen Hieronymus, selbst aus Büchern zitieren, die erst im siebten Jahrhundert geschrieben waren! Noch mehr, es sind sogar Stellen aus den Beschlüssen einer Synode zu Paris im Jahr 829 in diesem ungeschickten Machwerk aufgenommen!

Doch, wie lächerlich es auch klingen mag, diese pseudoisidorische Dekretalen, diese anerkannte Fälschung, sind die Grundlagen des Papsttums. Durch sie wurden die Päpste unumschränkte Gesetzgeber in geistlichen und weltlichen Dingen, durch sie erhoben sie sich über Fürsten und Völker, ließen sich als Halbgötter anbeten, verfügten willkürlich über große Reiche, ja, verschenkten ganze Weltteile.

Der Titel also, den ein meuchelmörderischer Schurke Phokas erteilte; die Schenkung ihm nicht gehörigen Gutes, welche ein Usurpator, Pipin, machte, und eine ganz gemeine Fälschung, diese pseudoisidorische Dekretalen, bilden die unheilige Dreieinigkeit, auf welcher die päpstliche Macht gegründet ist. Mord, Diebstahl, Fälschung! Ein sauberes Fundament!

Das Gebäude, welches darauf erbaut wurde, hielt bis auf den heutigen Tag, denn es war gemörtelt mit der Dummheit der Menschen, und die Risse, welche die Vernunft zu manchen Zeiten darin machte, wurden zugeleimt mit dem Blut von Millionen!

Die pseudoisidorische Dekretalen äußerten schon ihre Kraft unter dem oben genannten Papst Nikolaus I. und noch mehr unter Johannes VIII., der 872 den Römischen Stuhl bestieg. Er gebärdete sich schon wie ein rechter Papst und sprach von dem Kaiser Karl dem Kahlen: "da er von Uns zum Kaiser gekrönt sein will, so muss er auch zuerst von Uns gerufen und erwählt sein." Er war der Erste, welcher den Kronkandidaten eine förmliche Kapitulation vorlegte, ehe sie zur Krönung nach Rom kommen durften.

Karl dem Dicken, der einige Klostergüter verschenkt hatte, schrieb er: "Wenn du solche binnen sechzig Tagen nicht wieder schaffst, sollst du gebannt sein, und wenn auch dies nicht hilft, durch derbere Schläge klug werden."

Er sprach in einem Schreiben an die deutschen Bischöfe mit dürren Worten aus, wohin das Streben aller Päpste zielte: "Was schaffen wir denn in der Kirche an Christi Statt, wenn wir nicht für Christus gegen der Fürsten Übermut kämpfen? Wir haben, sagt der Apostel, nicht mit Fleisch und Blut, sondern wider die Fürsten und Gewaltigen zu kämpfen." -

Stephan V. (885-891) war schon nicht mehr damit zufrieden, ein Mensch zu sein, denn er sagte: "Die Päpste werden, wie Christus, von ihren Müttern durch die Überschattung des Heiligen Geistes empfangen"; alle Päpste seien so eine gewisse Art von Gott-Menschen, um das Mittleramt zwischen Gott und den Menschen desto besser betreiben zu können; ihnen sei auch alle Gewalt im Himmel und auf Erden verliehen worden.

Doch nicht nur die Päpste der alten Zeit beanspruchten solche Gottmenscherei; alle römischen Priester tun es bis in die neueste Zeit, und als Beweis dafür will ich eine Stelle aus einer Predigt anführen, welche am 16. August 1868 in der Pfarrkirche zu Ebersberg von dem Kooperator in Oberdorfen, Anton Häring, gehalten wurde. Dieser Gott-Häring sagt: "Mit der Absolutionsgewalt hat Christus dem Priestertum eine Macht verliehen, die selbst der Hölle furchtbar ist, der selbst Luzifer nicht zu widerstehen vermag; eine Macht, die sogar hinüberreicht in die unermessliche Ewigkeit, wo sonst jede irdische Macht ihre Grenze und ihr Ende findet; eine Macht, sage ich, die Fesseln zu brechen vermag, welche für eine Ewigkeit geschmiedet waren durch die begangene schwere Sünde. Ja, fürwahr! diese Macht der Sündenvergebung macht den Priester gewissermaßen zu einem zweiten Gott, denn - Sünden vergeben kann naturgemäß eigentlich nur Gott. Und doch ist das noch nicht die höchste Spitze der priesterlichen Macht, seine Gewalt reicht noch höher; Gott selbst nämlich vermag er sich dienstbar zu machen! Wieso? Wenn der Priester zum Altar schreitet, um das heilige Messopfer darzubringen, da erhebt sich gleichsam Jesus Christus, der da sitzt zur Rechten des Vaters, von seinem Thron, um bereit zu sein auf den Wink seines Priesters auf Erden. Und kaum beginnt der Priester die Konsekration, da schwebt auch schon Christus, umgeben von himmlischen Scharen, vom Himmel zur Erde und auf den Opferaltar nieder und verwandelt auf die Worte des Priesters hier Brot und Wein in sein heiliges Fleisch und Blut und lässt sich dann von den Händen des Priesters heben und legen, und wenn er auch der sündhaftigste und unwürdigste Priester ist. Fürwahr, eine solche Macht übertrifft selbst die Macht der höchsten Himmelsfürsten, ja, sogar die Macht der Himmelsköniginnen. Darum pflegte der heilige Franziskus von Assisi mit Recht zu sagen: 'Wenn mir ein Priester und ein Engel zugleich begegnen würden, so würde ich zuerst den Priester grüßen, dann erst den Engel, weil der Priester eine viel höhere Macht und Hoheit besitzt als die Engel.'"

Ich führe diese Stelle aus einer erst wenige Jahre alten Predigt nur deshalb an, um zu beweisen, dass der dumme Glauben unter den römisch-katholischen Christen noch kein überwundener Standpunkt ist, wie viele Leute im Norden von Deutschland glauben. - Doch kehren wir zu den Päpsten zurück.

Der Strom der päpstlichen Nichtswürdigkeit und Unfläterei wird nun immer breiter und stinkender. Mit dem zehnten Jahrhundert beginnt die Zeit, welche in der Geschichte als das "römische Hurenregiment" berüchtigt ist. Gemeine Huren regieren die Christenheit und schalten und walten nach Gefallen über den sogenannten Apostolischen Stuhl.

Ich könnte leicht parteiisch erscheinen, wenn ich diese schmachvolle Periode der Wahrheit getreu charakterisierte, deshalb mag für mich ein durchaus päpstlicher Schriftsteller reden, nämlich Kardinal Baronius. Er sagt: "In diesem Jahrhundert war der Gräuel der Verwüstung im Tempel und Heiligtum des Herrn zu sehen, und auf Petri Stuhl saßen die gottlosesten Menschen, nicht Päpste, sondern Ungeheuer. Wie hässlich sah die Gestalt der römischen Kirche aus, als geile und unverschämte Huren zu Rom alles regierten, mit den bischöflichen Stühlen nach Willkür schalteten und ihre Galane und Beischläfer auf Petri Stuhl setzten."

Doch man darf ja nicht glauben, dass nur die Päpste ein so unwürdiges Leben führten, nein, verdorben wie das Haupt, so waren auch die Glieder. König Edgard sagte in einer Rede von der englischen Geistlichkeit: "Man findet unter der Klerisei nichts anderes als Üppigkeiten, liederliches Leben, Völlerei und Hurerei. Ihre Häuser haben sie ganz infam gemacht und sie in Hurenherbergen verwandelt. Tag und Nacht wird darin gesoffen, getanzt und gespielt. Ihr Bösewichte, müsst Ihr die Vermächtnisse der Könige und die Almosen der Fürsten so anwenden?" - Ich werde später hinlängliche Beweise anführen, dass König Edgard die Wahrheit sprach und dass seine Strafrede nicht allein die Geistlichen Englands, sondern aller Länder anging.

Nicht der Heilige Geist, sondern die Mätresse des mächtigen Markgrafen Adalbert von Toskana, Marozia, erhob Sergius III. auf den Päpstlichen Stuhl und zeugte mit ihm hier ein Söhnlein, welches später ebenfalls Papst wurde. Als Sergius starb, gaben ihm Marozia und ihre Schwester Theodora ihren Liebhaber Anastasius II. zum Nachfolger. Diesem folgte in kurzer Zeit, weil das Schwesternpaar viel Päpste konsumierte, Johannes X., der es aber mit Marozia verdarb, die ihn gefangen setzen und ersticken ließ. Leo VI., der ihm folgte, wurde ebenfalls nach einigen Monaten ermordet.

Endlich machte Marozia ihren mit Sergius III. erzeugten Sohn Johannes XI., der noch fast ein Kind war, zum Papst. Mord und Totschlag erfüllte Rom. Einer der Feinde des Papstes bemächtigte sich desselben und ließ ihn im Gefängnis vergiften.

Die tolle Wirtschaft, die in Rom und überhaupt in Italien zu dieser Zeit herrschte, ist zu bunt und verwirrt, als dass ich mich auf Einzelheiten einlassen könnte.

Im Jahr 956 gelang es einem Enkel der Marozia, namens Oktavian, den Päpstlichen Stuhl zu erobern, obwohl er erst neunzehn Jahre alt und niemals Geistlicher gewesen war. Er nannte sich Johannes XII. und ist ein wahres Juwel von einem Papst, der es noch toller trieb als sein gleichzeitiger Kollege, der griechische Patriarch Theophylaktus, - ein Junge von sechzehn Jahren!

Johannes verkaufte Bistümer und Kirchenämter an den Meistbietenden und verwandte ungeheure Summen auf Pferde und Hunde. Von den ersteren hielt er nicht weniger als 2000, und diese fütterte er aus bloßer Verschwendungssucht mit Pistazien, Rosinen, Mandeln und Feigen, die vorher in gutem Wein eingeweicht waren. Guter Hafer und Heu wäre ihnen wahrscheinlich lieber gewesen.

Unter seiner Regierung ging es recht lustig zu, man lachte und tanzte in der Kirche und sang dazu liederliche Lieder. Der päpstliche Palast wurde von Johannes XII. in einen Harem verwandelt. "Kein Weib war so keck, sich sehen zu lassen, denn Johannes notzüchtigte alles, Mädchen, Frauen und Witwen, selbst über den Gräbern der heiligen Apostel." So erzählt von ihm der Bischof von Cremona, Liutprand.

Diese Wirtschaft wurde endlich Kaiser Otto I. zu toll. Er berief ein Konzil und hier erfuhr er von dem "Heiligen Vater" höchst unheilige Dinge. Die achtungswertesten Bischöfe traten gegen ihn als Ankläger auf. Einer sagte, dass er gesehen, wie der Papst einen im Pferdestall zum Bischof ordinierte. Andere bewiesen, dass er Bischofstellen für Geld verkaufte und dass er einen zehnjährigen Knaben zum Bischof von Lodi machte. Die Unzucht will ich hier übergehen, da sie zu viel Platz wegnehmen würde. Man beschuldigte ihn ferner, dass er den Kardinalsubdiakon kastriert, mehrere Häuser in Brand gesteckt, beim Wein auf des Teufels Gesundheit getrunken und beim Würfelspiel oftmals Venus und Jupiter angerufen habe.

Nachdem die Synode feierlichst die Wahrheit dieser Aussagen beschworen hatte, bat sie den Kaiser, den Papst trotz aller Beweise nicht ungehört zu verdammen. St. Johannes wurde daherzitiert, aber statt seiner kam ein Brief, in welchem er schrieb: "Wir hören, dass Ihr einen andern Papst wählen wollt. Ist das eure Absicht, so exkommuniziere ich Euch alle im Namen des allmächtigen Gottes, damit Ihr außer Stand gesetzt werdet, weder einen Papst zu verdammen noch eine Messe zu halten."

Nun machte Otto I. nicht viel Umstände mit dem liederlichen Hans, setzte ihn ab und den von Volk, Adel und Geistlichkeit erwählten Leo VIII. an seine Stelle. Hänschen hatte sich mit den Schätzen der Peterskirche davongemacht.

Als Kaiser Otto mit seinen schwerfälligen Deutschen abmarschiert war, da verlangten die römischen Damen nach ihrem Liebling Johannes und wussten es durch ihren Anhang dahin zu bringen, dass er wieder im Triumph in Rom eingeholt wurde. Leo gelang es zu entkommen, aber mehrere seiner Freunde fielen Johannes in die Hände, der sie schändlich verstümmeln ließ. Otgar, Bischof von Speyer, einer dieser Freunde, der noch in Rom war, wurde so lange gepeitscht, bis er tot war!

Der Heilige Vater, Johannes XII., genoss aber die neue Herrlichkeit nicht lange. Er entführte eine schöne Frau, wurde von dem Mann derselben auf der Tat ertappt und auf der Bresche der erstürmten Zitadelle totgeschlagen. Ein seltsames Sterbekissen für einen heiligen Papst!

Ich habe die Taten dieses Johannes etwas ausführlicher erzählt, um die Leser vorzubereiten auf die späteren Päpste, die noch heiliger waren als er. Die andern "Heiligkeiten" dieses Jahrhunderts will ich kürzer abhandeln.

Leo VIII. und Benedikt V. wurden bald abgetan, und es bestieg den päpstlichen Stuhl Johann XIII. (965-972), den die Römer wegjagten, weil er zu stolz und gewalttätig war und an dessen Stelle Benedikt VI. zum Papst gemacht wurde. Dieser wurde aber auch bald von einem Sohn der Marozia und des Papstes Johann X. ins Gefängnis geworfen und erdrosselt.

Johann XIV. ließ einen seiner Gegenpäpste ebenfalls einsperren und vergiften; aber dieser Giftmischer, Bonifazius VII., starb bald darauf, und seine Leiche wurde von den erbitterten Römern durch alle Pfützen geschleift und dann auf offener Straße liegen gelassen wie ein Aas. Einige Geistliche holten sie hinweg und begruben sie heimlich.

Johann XV. (985-996) maßte sich das ausschließliche Recht der Seligsprechung und Heiligsprechung an, welches bisher jeder Bischof nach Gefallen ausgeübt hatte.

Johann XVI. wurde von seinem Gegner Gregor V. (996-998) gefangen genommen und hatte ein klägliches Ende. Gregor ließ ihn an Augen, Ohren und Nase schrecklich verstümmeln, in einem beschmutzten priesterlichen Gewand rücklings auf einem Esel, den Schwanz in der Hand, durch die Straße führen und dann in einem Kerker elend verhungern.

Ich darf nicht vergessen, hier eine Sage einzuschieben, welche von den Feinden des Papsttums immer mit großer Schadenfreude erwähnt wurde, wenn auch neuere Schriftsteller sie als eine Erdichtung behandeln. Es ist die berüchtigte Geschichte von der Päpstin Johanna.

Man erzählt nämlich, dass zwischen Leo IV. und Benedikt III. ein Frauenzimmer unter dem Namen Johann VIII. auf dem Päpstlichen Stuhl gesessen habe. Bald machte man diese Päpstin zu einem englischen, bald zu einem deutschen Mädchen und nennt sie Johanna, Guta, Dorothea, Gilberta, Margaretha oder Isabella. Sie soll mit ihrem Liebhaber, als Jüngling verkleidet, nach Paris gegangen sein, dort studiert und sich solche Gelehrsamkeit erworben haben, dass man sie, als sie später nach Rom kam, zum Papst wählte.

Dieser Papst war aber, so erzählt die Sage weiter, vertrauter mit dem Kämmerer als mit dem Heiligen Geist, und der Heilige Vater fühlte, dass er eine Heilige Mutter werden wollte. Es erschien ihr ein Engel - die Engel flogen damals noch wie die Sperlinge herum - der ihr die Wahl ließ, ob sie ewig verdammt oder vor der Welt öffentlich beschimpft sein wollte. Sie wählte das Letztere und kam in öffentlicher Prozession zwischen dem Kolosseum und der Kirche St. Clemens mit einem jungen Päpstlein nieder.

Jeder Hof hat seine geheime Geschichte, und die vorgefallenen Schändlichkeiten werden meist so gut vertuscht, dass der spätere gewissenhafte Geschichtsschreiber die sich hin und wieder davon vorfindenden, sich oft widersprechenden Erzählungen als nicht hinlänglich begründet verwerfen muss. Ich habe Büchertitel gelesen, auf denen versprochen ist, die Echtheit der Päpstin Johanna aus mehr als hundert päpstlichen Schriftstellern nachzuweisen; aber andere Titel, die ebenso gründlich und zuversichtlich klingen, versprechen gerade das Gegenteil. Die Sache ist an und für sich nicht so wichtig, deshalb habe ich meine Zeit nicht damit verloren, sie historisch zu untersuchen, was eine sehr mühsame Arbeit sein möchte, und ich muss sie dem Glauben oder Unglauben der Leser überlassen.