Der Occultismus des Altertums

Part 10

Chapter 103,414 wordsPublic domain

Kleuker setzt Zoroasters Geburt in das Jahr 589 v. Chr. Im dreißigsten Jahr durchzog er Iran, lebte dann zehn -- nach anderer Angabe zwanzig -- Jahre in der Wüste und nährte sich nur von Käse. Zehn Jahre that er Wunder. Im 65. Jahre gab Zoroaster philosophischen Unterricht zu Babylon und kehrte nach drei Jahren zur Gründung des Cypressendienstes zurück. Nach acht Jahren riet er Gustaspes zum Krieg gegen Turan und starb als Greis von 77 Jahren.

Dritte Abteilung.

Der religionsphilosophisch-occultistische Inhalt und die Kosmogonie des Zoroastrismus.

Erstes Kapitel.

Der religionsphilosophisch-occultistische Inhalt des Zoroastrismus.

Der Geist des ausgebildeten Zoroastrismus setzt vor den Anfang »der Welt und der Wesen Zrvâna-akarana«[161], die »unbegrenzte Zeit«, die anbeginnlose Ewigkeit. Sie ist der unergründliche Urgrund, in dem heilige Dunkelheit, Ewigkeit im Leben in unschaubarer Nacht, in Unergründlichkeit der Länge und Weite, Höhe und Tiefe ist. In ihr ist aber nicht leere Öde, sondern aller Wesensstufen Urgrund, der allerhöchste Gott. Der Ewige ist Schöpfer des Urlichts, Urwassers und Urfeuers, und der Same dessen, was beim Beginn der Wesen Licht, Wasser und Feuer wurde lag von Ewigkeit her in der grenzenlosen Zeit verborgen. Der Ewige ist seinem Wesen nach _Wort_, das vor allen Wesen, sichtbaren und unsichtbaren, da war, und wodurch alles, was Wesen hat, geboren ist.

Aus dem göttlichen und ewigen Samen zeugte der Unendliche und Anbeginnlose _Ahuramazdâ_ und _Angrômainyus_, die zweiten Wesen nach sich, lebendig, wirkend, schaffend, die Wurzeln aller Geschöpfe.

_Ahuramazdâ_, aus dem ewigen Samen des Unendlichen erzeugt, der Erstgeborene aller Wesen, das Glanzbild und Gefäß der Unendlichkeiten des Unergründlichen aus ewigem Licht geboren und fort und fort an sich ziehend, wohnend im Urlicht, dem Thron der Ewigkeit, von Anbeginn. Durch und durch gut, rein und alles Guten Quell und Wurzel, hat der Himmlische der Himmlischen fast alle Herrlichkeiten und Eigenschaften des Unendlichen; denn er ist der Urabdruck seines Wesens, worin das Wesen des Ewigen allein sichtbar wird. Seine Weisheit und Einsicht ist ohne Anfang in Weite, Höhe und Tiefe, und seine Macht, sein Wille, unbegrenzt heilig bis auf die Wurzel seines Wesens. Der Erste und Erhabenste im Wissen und Verstehen, im Wirken des Reinen und Guten. Darum ist er die höchste Weisheit selbst und -- schlaflos bei Tag und Nacht -- der höchste Weltenrichter, König aller Wesen in reinster Gerechtigkeit, Güte, Licht und Glanz. Sein Körper, d. h. seine Hülle, die ihn umschließende Sphäre ist das reinste Licht.

_Ahuramazdâ_ hat die ganze reine Welt aus sich geboren durch sein allschaffendes _Wort_; den Himmel und was darin ist: Licht, Feuer, Wasser, Sterne und Sonne. Er liebt in sich sein Volk die durch ihn gewordenen Menschen. Er ist als König gut und weise, lebendig über Alles; er stärkt, nährt und erhält alle Wesen, giebt ihnen das geistige Lebensfeuer, wodurch sie dauern und leben. Er giebt dem Menschen, der ihn bittet, Lichtsamen zur Reinigkeit des Gedankens, des Herzens, Geistes und Willens. Gnade und Liebe ist seine Lust; er ermüdet nie, der sichtbaren und unsichtbaren Welt, der ganzen Natur wohlzuthun. Er bestreitet durch seine und seiner Diener Kraft alles Böse Tag und Nacht bis zum endlichen Triumph des Guten über das Böse.

_Angrômainyus_, vom Ewigen nach Ahuramazdâ geschaffen, war anfangs gut und kannte das Gute; aber er wurde aus Neid gegen Ahuramazdâ _Dew_, arg, Quell, Grund und Wurzel alles Unreinen, Argen und Bösen. Sein Licht verwandelte sich in Finsternis; im Lichtreich der Schöpfung entstand ein Schatten. Die Zerrüttung seines Wesens aus Licht in Finsternis kam nicht vom Ewigen, sondern aus ihm und durch ihn selbst. Durch ihn wurde die _Finsternis_ geboren, der Same alles Bösen, Argen und Todes. Als er Dew wurde, stürzte er aus der Höhe und wurde vom Abgrund der Finsternis verschlungen, bis auf die Wurzel seines Wesens böse. Ahuramazdâ ist seinem Wesen nach Licht und wohnt im Lichtreich höher denn die Himmel; Angrômainyus ist seinem Wesen nach Finsternis, d. h. Laster, Zerrüttung und Argheit selbst, und die Sphäre seiner Wohnung, alles, was ihn einhüllt, ist Finsternis der Finsternisse. In _Duzakhs_ Tiefen ist sein Thron, und soweit die Finsternis reicht, ist er König und grausamer Gewalthaber. Seine Kenntnis ist groß, aber durch die Finsternis beschränkt; seine Macht, als die des Zweiten nach Ahuramazdâ, ist ausgedehnt, reicht aber nicht an Ahuramazdâs Erhabenheit und Glanz.

Seiner Neigungen Wurzel ist die ewige Grundfeindschaft alles Guten, das durch Ahuramazdâs Herrlichkeit erzeugt wird. Er, die als ein mächtig wirkendes Wesen symbolisierte Finsternis ist in einem ständigen Kampfe gegen das Licht begriffen, soweit ihm dieser zugelassen ist. Durch ihn wird alles Böse. Wie nichts Reines, Gutes und Seliges in der Welt sein kann, ohne aus Ahuramazdâs Lichtquell zu fließen, so steigt der Grund alles Bösen von Ursache zu Ursache bis in seinen Abgrund. Sein Sinnen und Dichten endigt sich in beständigem Streben und Wirken zur Erweiterung seines Reichs. Darum vergiftet er mit seinen Dews die ganze Natur, Pflanzen, Tiere und Menschen durch Krankheiten, Seuchen, Plagen, und besonders streut er den Samen zu unreinen Gedanken und schwarzen Begierden in der Menschen Herz, wodurch sein und der Dews Reich beständig an Umfang und innerer Macht zunimmt. Er durchstreift die Welt, um überall Irrtum, Tod und Laster auszustreuen, denn damit ist er stets schwanger, und er ist der Einzige, welcher unter den Izeds im Himmel erscheinen darf. Wo er einen Menschen findet mit großer Kraft und Heldeneifer für des Guten Vermehrung in Ahuramazdâs Lichtwelt, dem ist er todfeind. Der bloße Gedanke oder Anblick desselben macht ihn blaßgelb, er wagt alles gegen ihn, vermag aber nichts, denn der Streiter für das Gute gehört zu dem geliebten Volk Ahuramazdâs und hat den Schutz aller Izeds des Lichtes für sich.

Das Bild seines Wesens ist die Schlange oder der Drache. Der Ewige hat ihn zur Dauer aller Ewigkeiten geschaffen; er soll aber nicht immer der Grundfeind des Lichtes, der Bestreiter des Guten und König der Finsternis bleiben, sondern nach der Auferstehung der Toten wird er von Ahuramazdâ mit Ohnmacht geschlagen und sein Reich bis auf die Tiefen seiner Grundfesten zertrümmert werden. Er selbst wird ausgebrannt in feurigen Metallströmen, wodurch er Sinn und Willen ändert; er wird heilig, himmlisch, und begründet in seiner Welt Ahuramazdâs Gesetz und Wort, wodurch alle Wesen geworden sind. Er wird auf ewig Freund Ahuramazdâs, und beide singen Zrvâna-akarana Izeschné, d. h. Ruhm- und Lobgesänge.

Aus der unbegrenzten Ewigkeit wurde der Anfang, die Zeit. Wie der Ewige Ahuramazdâ und Angrômainyus geboren, faßte er den Ratschluß einer Zeitdauer von zwölf Jahrtausenden, worin alles, was der Ewige in Gedanken hatte in aufeinanderfolgenden Reihen erscheinen und vollendet werden sollte. Dies geschah noch vor der Schöpfung der Wesen auf höheren oder niederen Stufen. Noch hatte der Unbegrenzte kein Volk außer Ahuramazdâ und Angrômainyus. Dieser »die begrenzte Zeit« genannte Cyclus ist für die Herrschaft von Ahuramazdâ und Angrômainyus bestimmt; sie als die Erstgeborenen aus der Unendlichkeit des Ewigen sollen die ersten Regenten und Machthaber bis nach Ablauf dieses Zeitraumes sein. Diese zwölf Jahrtausende teilte der Unendliche nach wechselnden Perioden unter diese beiden Könige aus. Das erste Vierteil wurde Ahuramazdâ, dem Erstgeborenen der Wesen, zu Teil. Ahuramazdâ in Licht und Herrlichkeit fing an zu schaffen und zu wirken nach der Art und Natur seines Wesens. Angrômainyus sah Ahuramazdâs Glorie und Herrlichkeit, wurde neidisch, schwur ihm ewige Feindschaft und begann den Krieg gegen Ahuramazdâ. Nun begann der Kampf zwischen Licht und Finsternis. Ahuramazdâ entbot ihm zwar Freundschaft, wenn er Mitschöpfer der reinen, guten Welt sein wolle, aber Angrômainyus verhärtete sich aus Stolz, Neid und Haß und wurde der Grundärgste. Nun zerfiel alles in zwei Königreiche, Welten und Gewalten. Das Licht ward Ahuramazdâs Eigentum, die Finsternis das des Angrômainyus. Angrômainyus stürzte aus der Höhe unendlich tief in den Abgrund, blieb aber König des Abgrundes, und wenn die Zeit seiner Herrschaft kommt, ist er der grausamste Gewalthaber, der ärgste Tyrann. In der Zeit seiner Herrschaft wirkt er mit äußerstem Streben, Unruhe und Anspannung aller seiner Kräfte, denn er weiß sein Ende. In dieser Zeit des Angrômainyus hat oft das Böse die Oberhand, und die Finsternis verdunkelt das Licht. So steigt und fällt bis zum Schluß der begrenzten Zeit die Übermacht oder Schwäche des Guten und Bösen. Ahuramazdâ und Angrômainyus befinden sich in stetem Kampf gegeneinander, und das Ende ist der Sieg des Guten, der Triumph Ahuramazdâs.

Am Anfang schuf Ahuramazdâ zur Bekämpfung des Angrômainyus die _Feruer_ aller Wesen. Er dachte als Schöpfer auf Wesen aller Art, die rein, gut, stark und edel wären, und jeder dieser Gedanken war ein Feruer, der Geist des künftigen Wesens, das künftig ein Teil von Ahuramazdâs Welt sein sollte, ganz Licht und Geist, im Wesen Geist und im Leben Geist, durch den bloßen Schöpfergedanken geboren; denn Ahuramazdâ dachte im _Wort_, und jeder Gedanke im allschaffenden Wort ist _Geist_, der das Geschöpf belebt, zu dem er gedacht ist.

Die aus Ahuramazdâs allschaffendem Geist hervorgegangenen zahllosen Arten, Gestalten und Stufen der Feruer aller reinen Wesen sind unsterblich, denn ihr Same war vom ewigen Geist und unzerstörbaren Licht. Sie sind ganz Leben, denn der sie gebar, schuf sie durch ihre schaffende Feuer- und Lichtkraft stets wirkend und belebend. Durch sie lebt Alles in der Natur, Stern und Mensch, Tier und Baum; Alles erhält durch sie Bewegung und Segen. Sie sind des Himmels Schutz und Wache gegen Angrômainyus; der Seele Schutz, denn sie sind erhaltend, reinigend bei der Auferstehung von allem Bösen; sie bekämpfen die Schlangen, Dews, die Bösen und erlösen die Gerechten. Mit der Schnelligkeit eines Vogels fahren sie gen Himmel und bringen die Gebote vor Ahuramazdâ. In der Welt sind sie an die Körper gebunden.

Die Zahl und Stufen der Feruer sind unendlich wie die der Wesen, weil die unbegrenzte Ewigkeit sich denkt im allmächtigen Wort, und dieser Abdruck des unergründlichen Wesens ist Ahuramazdâs Feruer. Des Gesetzes Feruer ist des Gesetzes Geist und Lebenskraft, das Lebendige und Belebende im Wort, das Wort, wie Gott es denkt. Der Feruer Zoroasters ist köstlich in den Augen Ahuramazdâs, denn er hat das Gesetz in Gang gebracht und des Weltenherrschers Glanz und Herrlichkeit an das Licht gebracht.

Nach diesen reinen ersten Schöpfungsbildern sind alle himmlischen und irdischen Wesen in endlosen Reihenfolgen geworden. In ihnen steht die Welt Ahuramazdâs, und gegen sie kämpft Angrômainyus mit seinen argen Geistern.

An diese zoroastrischen Sätze knüpft Kleuker eine längere Anmerkung, die insofern Interesse besitzt, als in einem Teil derselben Kleuker den Gedanken du Prels anticipiert, der Genius des Sokrates sei dessen transcendentales Subjekt oder Feruer.

Die betreffende Stelle lautet:

»Zend-Avestas Feruers sind ein feiner Gedanke. Sie sind der Übergang von dem, was wir Substanz nennen, zum bloßen Schöpfergedanken der Substanz. Weil aber der Wesenschöpfer nach dem Geist Zendavestas, keinen einzigen Gedanken leer -- als einer bloßen Möglichkeit denkt, so dachte er lauter Feruers. Feruers sind die ersten, reinsten Abdrücke aller künftigen Wesen und Geschöpfe; das, was in allen Wesen abgezogenster Geist, reinster Funke, himmlischer, göttlicher Natur ist. Sie werden immer von den Seelen unterschieden; sie sind höher und eher als dieselben; sie haben zwar schon den Grund in sich, warum sie künftig mit solchen und nicht andern Geschöpfen vereinigt werden sollen, aber noch nicht die Gestalt eines besonderen Geschöpfes; sie sind Platos Ideen. Wie Ormuzds Gedanke Zoroasters Feruer schuf, so war er von allen Feruers höherer Geister, wie von allen Feruers aller Menschen unterschieden; er war aber noch nicht Zoroaster, sondern enthielt nur das ganze Bild, doch aber in wahrer, lebendiger Existenz, was Zoroaster künftig werden sollte. Sobald Ormuzd sie dachte, lebten sie, und können Jahrtausende leben und wirken, ehe sie mit den Geschöpfen vereinigt werden, dieselben zu beleben. Daher kommts, daß die alten Philosophen, die aus dem Quell der Weisheit des Orients getrunken, den Geist lange vorher leben und freiwirken lassen, ehe er mit dem Körper verbunden wird, daß sie ihn göttlichen Geschlechts und Natur nennen, sagen, im Tode geh' er wieder hin, woher er gekommen sei. Nach Zoroaster sind die Feruers die reinsten Ausflüsse von Ormuzds Schöpfergeist, derselben Natur, wahres Licht, wahres, lebendiges Wort: darauf wird auch ihre Unsterblichkeit und ewige Fortdauer gegründet: denn kein Funke göttlichen Geistes kann sterben, er ist seiner Natur nach Leben und belebende Kraft. Zunächst wird Feruer von verständigen und lebenden Geschöpfen gebraucht, die gewesen sind, oder sind, oder noch geboren werden sollen, (denn auch diese sind schon vorhanden,) wie wir nur von Himmelswesen und Menschen Geist eigentlich zu gebrauchen pflegen; aber es giebt auch Feruers (Geist) in Thieren, Bäumen, Blumen, Sternen. -- Kurz, wo Leben, Regsamkeit, Bewegung, Wachsthum ist, da lehren die Parsen innere Kraft, Feuer, Lichtsamen, und das bestimmt eben die Natur der Feruers. Sind sie mit Wesen verbunden, so werden sie oft für das Wesen oder Geschöpf selbst gesagt, weil sie das Reinste und letzter Mittelpunkt jeden Geschöpfes sind. Sie sind der Seele Schutz. Daher muß der Parse für seinen Feruer besonders beten, daß Ormuzd ihn bewahren wolle; denn ohne ihn wird Seel' und Leib unrein, irre geleitet. Siehe da Sokrates Schutzgeist!«[162] -- --

Die von Ahuramazdâ geschaffene Welt ist unendlich groß, lebend und wirkend in Wesen und Geschöpfen von zahllosen Arten und Stufen; sie teilt sich in eine himmlische und irdische, in eine geistige und materielle Welt ein.

Den höchsten Rang in der geistigen Welt nehmen die sieben _Amschaspands_ ein. Ihr König und Schöpfer ist _Ahuramazdâ_, der Urquell alles Lebens. Sie sind die sieben ersten Geister Gottes, Könige, ganz Leben, heilig, rein und groß; der Menschen Muster. Sie gehen an keinen unreinen Ort. Ein jeder hat einen Tag, dem er vorsteht, an dem er Segen und Wohlthaten spendet. Ihre Namen sind heilig.

Der zweite Amschaspand ist _Bahman_, der König der Welt, des Lichtes und Himmels. Die übrigen Amschaspands ruhen unter seinem Schutz. Er sieht durch Ahuramazdâs Lichtverstand, giebt Weisheit, Friede und Reinigkeit des Herzens; er nimmt die Seelen der Gerechten in Gorotman auf und segnet ihre Ankunft im Sitz der Seligkeit. Er ist fort und fort in Lichtglanz und Glorie.

Der dritte Amschaspand ist der lichtglänzende _Ardibehescht_. Er giebt Feuer und Gesundheit.

Der vierte Amschaspand ist _Schahriver_. Er ist der Vorsteher der Metalle, der Vater des Mitleids und der Pfleger der Hungrigen.

Der fünfte Amschaspand ist _Sapandomad_, Ahuramazdâs Tochter, der weibliche Ized der Erde; die heiligste und reinste der ersten reinen Wesen; weise, freigebig und demütig wie Demut verleihend; er hat reine, wohlthätige Augen und befruchtet die Erde. Von ihr sind das erste Menschenpaar, _Meschia_ und _Meschiane_, gebildet.

Der sechste Amschaspand ist der von Ahuramazdâ den Menschen zum Heil geschaffene _Chordad_, der König der Jahre, Monate, Tage und Zeiten. Den Reinen giebt er reines Wasser und süße Speise. Sein Tag ist heilig und der erste des Jahres.

Der siebente Amschaspand ist _Amerdad_, der Schutzgeist der Bäume und des Getreides, der Befruchter der Herden, welcher Früchte aller Art in Fülle spendet.

Die zweite Klasse der guten Geister sind die _Izeds_. Ahuramazdâ hat sie geschaffen zum Segen der Welt, zu Richtern und Schutzaugen des reinen Volks. Der Mensch muß ihre heiligen Namen nennen und durch Nachahmung ihrer Eigenschaften nach ihrem Wohlgefallen streben. Alle Monate und Tage sind unter die Amschaspands und Izeds verteilt, und selbst die fünf Abschnitte des Tages und die fünf Schalttage werden als unter besondere Ized stehend gedacht. Jeder höhere Geist hat niedriger stehende zu Begleitern; so ist Ahuramazdâ von den Amschaspands, und diese sind von den Izeds begleitet.

Folgendes ist die Stufenleiter der Izeds nach den Zendbüchern:

1. _Mithra_ (auch Meher), der Höchste und Glanzreichste aller Izeds, wird mit der Sonne angerufen, ohne die Sonne selbst zu sein. Er glänzt wie der Mond, ist hocherhaben wie Taschter[163], hebt seine Hände auf zu Ahuramazdâ, dem König der Welt. Er ist mit tausend Ohren und Augen der Schutzwächter und Segner aller Menschen und Geschöpfe, und spricht die Wahrheit in den Versammlungen der Izeds. Er segnet Iran mit Friede und Glück, giebt der Erde Licht und Sonne und vertreibt die Druschts.[164]

2. _Korschid_ (die Sonne) ist groß, unsterblich, Ahuramazdâs Auge. Er hat vier Pferde und vollendet seinen Lauf in 365 Tagen wie ein Held.

3. _Aban_, Ized des Wassers.

4. _Ader_, Ized des Feuers; er giebt Glanz, und sein Name bezeichnet alle göttlichen Feuererscheinungen, welche sich den Menschen gezeigt haben.

5. _Anahid_ (Venus), die Bewahrerin des Samens Zoroasters.

6. _Amiran_, das von Gott geschaffene Urlicht; der Urheber des Lichtes des menschlichen Leibes.

7. _Ard_, giebt Weisheit, Größe, Edelmuth, Glanz, Güter; er wird mit dem weiblichen Ized _Aesching_ oder _Aschehing_ identificirt, welcher Gesundheit, tägliche Nahrung und Freuden spendet.

8. _Arduisur_, ein weiblicher Ized, kommt den Toten zu Hilfe, hat einen jungfräulichen Leib, heißt die Tochter Ahuramazdâs und ist das von Ahuramazdâs Thron ausfließende Wasser; von Arduisur kommen alle Wasser unter dem Himmel.

9. _Aschtad_ ist der Ized des Überflusses, _Oschens_ Mitgehülfe. Sein Sitz ist der Berg des Lebens. Von da wacht er über die Erde und hilft das Tagewerk der Menschen vollbringen.

10. _Asman_, der Himmel, schützt wider den Duzakh.

11. _Barzo_ ist der Schutzgeist von Bordj, woher die Wasser ausströmen. Taschters Gehilfe bei der Austeilung des Wassers auf der Erde.

12. _Behram_, der lebendigste aller Izeds, besitzt einen himmlischen Körper, dessen Glanz von Ahuramazdâ kommt. Derselbe hat ihn auch zum König der Wesen gesetzt, welche er alle wie Feuer durchdringt. Er erscheint im Winde und unter allerlei Tiergestalten.

13. _Dahman_ ist der Segen der Geschöpfe und des gerechten Menschen, dessen Seele er von Seroschs Händen nimmt und in den Himmel trägt.

14. _Din_, Ized des Gesetzes, giebt Wissenschaft.

15. _Farvardin_, der Herr des ersten Monats des Jahres und des neunzehnten Tags eines jeden Monats, giebt Kraft und Licht.

16. _Gosch_, giebt alle Güter, Unsterblichkeit, Reinigkeit; er vermehrt die Wesen, die Kinder des Verdienstes, welche für das Gesetz mit Eifer brennen; er verleiht die Freundschaft der Gerechten, vertreibt die Dews und hilft die Dewsanbeter besiegen.

17. _Goschorun_ ist der Ized der Herden und die Seele der Tiere; er seufzt und klagt vor Ahuramazdâ und bittet um Erlösung vom Dew Eschem.

18. _Mah_ (der Mond) ist ein weiblicher Ized und schützt den Keim des Stiers; er geht von Albordj aus, giebt Wärme, Geist und Frieden. Bei seiner Fülle beginnt alles zu grünen und zu wachsen; er ist wohlthätig und giebt allen Herden Samen.

19. _Mansrespand_, der Ized als göttliches Wort, ist der Schutzwächter des Himmels. Sein Glanz ist rein, und was er sehen läßt, ist gut.

20. _Neriosengh_, der Ized des Feuers zu königlichem Mut und des Friedens, schützt den Gerechten nach Gottes Willen; er schützt zwei Teile zu Kaiomorts Samen, zum männlichen Gliede und zur Seele.

21. _Parvand_ ist ein weiblicher Ized.

22. _Rameschne-kharan_ ist der Ized des Glücks, der reine dauernde Freuden giebt.

23. _Raschne-rast_, der Ized der Wahrheit und Redlichkeit, ist herrlich und weise, sieht scharf und weit und schützt die Erde. Zehntausende himmlischer Geister begleiten ihn; er hat tausend Kräfte und zehntausend Augen.

24. _Serosch_ ist der Ahuramazdâ der Erde, weil er ihr König ist. Er ist auf dem Gipfel der Welt über alles erhaben, lebendig und der wirksamste aller Izeds, der gehorsamste und am meisten thätige. Er ist der Menschen Schutz, und durch seinen Dienst haben sie das Gesetz.

25. _Taschter_. Sein Auge ist Gerechtigkeit und Güte. Er ist der Ized des Regens und erscheint unter mancherlei Gestalten, als Jüngling, als mutiges Pferd usw.; er belebt die ganze Natur durch fruchtbare Gewässer und Regen.

26. _Vad_, der Ized des Windes, giebt Kraft und Mut.

27. _Venant_, Ized des Rigel[165], schützt im Mittage und giebt Kraft und Gesundheit.

28. _Zemiad_ giebt ewigen Thron, thut alles Gute, wenn sie gepflegt wird, und ist ein weiblicher Ized.[166]

So viel über die himmlische Welt.

Die sichtbare Welt, Himmel und Erde, schuf Ahuramazdâ in sechs Reihenfolgen, und die Amschaspands waren dabei thätig.

Zuerst schuf Ahuramazdâ das _Licht_ zwischen Himmel und Erde, die Fixsterne und Planeten.

Alsdann schuf er das _Wasser_, welches die ganze Erde bedeckte, in die Tiefen der Erde stieg und durch den himmlischen Wind, der es durchdrang wie der Geist den Leib, in die Höhen getrieben wurde, damit sich Wolken bildeten. Darauf schloß Ahuramazdâ dieses Wasser ein und gab ihm die Erde zur Grenze.

Hierauf ward die _Erde_, bei deren Schöpfung -- wie auch bei der des Wassers -- Angrômainyus mit thätig war, denn diese Elemente besitzen einen Teil Finsternis, und alle Finsternis kommt von Angrômainyus. Albordj[167] wurde zuerst geboren, darauf die übrigen Gebirge. Albordj ist der Erde Kern, Wurzel, Herz und Nabel.

Ferner wurden die _Bäume_ aller Art geschaffen. Im Anfang ließ Ahuramazdâ einen Baum erstehen, aber der war dürr. Aber der Amschaspand Amerdad, welchem Ahuramazdâ die Bäume anvertraut hat, setzte den Keim dieses Baumes, als Taschter über die ganze Erde Regen ausgoß, in Taschters Wasser. Darauf wuchsen Bäume aus der Erde wie Haare auf des Menschen Haupt.

Zum Fünften wurden die _Tiere_ geschaffen. Zuerst wurde der _Stier_ gebildet. Dieser starb, und aus seinem Schweif gingen fünfzig Heilpflanzen hervor, die sich auf Erden mehrten. Die Izeds brachten den Samen dieses Stieres in den Mondhimmel, durch dessen Licht er gereinigt wurde, so daß Ahuramazdâ einen neuen, schönen Körper daraus bildete, den er belebte. Hieraus wurde ein neues Paar erzeugt, welches Vater und Mutter aller Tiergeschlechter wurde, die auf Erden sind, der Vögel in den Wolken und der Fische im Wasser.