Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges
Part 2
»So ist es,« versetzte Mors. »Aber es handelt sich hier um das Geschick von Hunderten von Millionen Menschenleben. Ich habe das Schicksal herausgefordert und das Schicksal soll entscheiden. Sterben wir, so geschieht es im Interesse der Menschheit und dann hat es das ewige Geschick so gewollt. Erreichen wir die Unholde und vernichten wir sie, so haben wir eine gute Tat begangen, und die ganze Welt muß uns dankbar sein. Vorwärts!«
Die eiserne Energie des Luftpiraten teilte sich der Mannschaft mit, und da war nicht einer, der Zaghaftigkeit zeigte. Der Professor aber begab sich alle halben Stunden an seine Instrumente, um damit die Tiefen des Himmelsraumes zu durchsuchen.
Er war ein äußerst geübter Beobachter, aber bis jetzt sah er vergeblich nach den drei geheimnisvollen Weltenfahrzeugen aus, sie mußten noch immer einen großen Vorsprung besitzen.
Inzwischen wurde nichts verabsäumt.
Alle Zerstörungsmaschinen wurden so aufgestellt, daß sie jeden Moment benutzt werden konnten. Die Leute waren immer auf ihren Posten.
Die Entfernung, welche die Weltenfahrer von dem Riesenplaneten Saturn trennte, war ungeheuer, denn sie betrug schlecht gerechnet zwölfhundert Millionen Kilometer.
Mors aber betrachtete diese Entfernung als etwas Geringes, denn sein »Meteor« durchschoß ja den Weltenraum mit der Schnelligkeit des Blitzes.
Man hatte während der Fahrt eine Zone zu passieren, in der man schärfste Umschau halten mußte.
In der Urzeit war zwischen dem Planeten Jupiter und dem Mars ein ungeheurer Planet durch irgend eine Naturkatastrophe zertrümmert worden.
Diese Trümmer flogen noch immer als kleine Planeten durch den Raum und wurden auf der Erde mit dem Namen Asteroiden bezeichnet.
Diese winzigen kleinen Planeten mußten dem Weltenfahrzeug teilweise begegnen, auch zuweilen ihre Anziehungskraft ausüben. Dort war also große Vorsicht geboten.
Tag verging für Tag, Nacht für Nacht, wenn man überhaupt hier, wo die Sonne unablässig am schwarzen Sternenhimmel glänzte, von Tag und Nacht reden konnte.
Den einzigen Unterschied bildeten Wachen und Schlafen und die verrinnende Zeit, denn von der Geschwindigkeit des »Meteor« war im Weltenfahrzeug nicht das Geringste zu bemerken.
Man konnte an nichts ermessen, mit welcher Geschwindigkeit das Fahrzeug diese ungeheuren Räume durchsauste, es fehlten die Gegenstände, denen gegenüber man die Schnelligkeit abmaß.
Das einzige Kennzeichen bildeten die Instrumente, auf denen sich Zeiger mit rasender Geschwindigkeit drehten und die Zahl der zurückgelegten Kilometertausende verzeichneten.
Sah man die Instrumente nicht an, so schien das Fahrzeug still zu stehen und sich gar nicht von der Stelle zu bewegen.
Endlich kamen in weiter, weiter Ferne glänzende Körper zum Vorschein.
Sie waren anfangs wie Sterne, wurden aber größer und größer, als man ihnen näher kam. Es waren die Asteroiden, auf die man zufuhr. Hier mäßigte Mors die Geschwindigkeit seines Weltenfahrzeuges.
3. Kapitel. Der erste Kampf mit den Gegnern.
Es waren wiederum einige Tage und Nächte verflossen, da man auf dem Weltenfahrzeug die Zeit danach einteilte.
Mors war gerade in seiner Schlafkabine, als die Telephonklingel, welche aus dem Beobachtungsraum hinabführte, heftig schrillte.
Im nächsten Moment hielt der Luftpirat das Hörrohr.
»Kommen Sie sofort herauf, Kapitän,« hörte er die Stimme des Professors. »Einer unserer Gegner ist in Sicht. Merkwürdigerweise hält er sich in der Nähe eines der kleinen Planeten verborgen.«
Mors war in wenigen Augenblicken im Beobachtungsraum.
Ein prachtvoller Anblick erwartete ihn hier.
Der Professor hatte den einen Fensterschieber geöffnet und ein blendender Glanz strömte in das Innere des Beobachtungsraumes. Die massive Glasscheibe schützte das Innere des »Meteor« vor der Kälte des Weltenraumes, denn eine entsetzliche Kälte mußte ja draußen im luftleeren Raum herrschen.
Der blendende Glanz rührte von einem Asteroiden her, dem sich der »Meteor« stark genähert hatte.
Dieses Ueberbleibsel einer ehemals bedeutenden Welt war aber nicht rund oder abgeflacht, wie andere Planeten, sondern eckig, und glich einem Rhomboid, welches in regelmäßiger Umdrehung durch den Weltenraum dahinsauste.
Das war schon der Beweis, daß einstmals eine unbekannte Gewalt den riesigen Planeten zersprengt hatte, das war ein Ueberrest dieser fürchterlichen Katastrophe.
Der Astroid schien eine Lufthülle zu besitzen, wenigstens gewahrte man einen nebelartigen Schimmer an den Rändern und Vorsprüngen.
Mors warf nur einen einzigen Blick auf diesen rätselvollen Weltkörper, dann suchte er nach dem Feinde.
Der Professor zeigte dem Luftpiraten, was er entdeckt und Mors heftete seine Feueraugen durch das Fernglas in die geheimnisvolle Ferne.
»Sie haben sich nicht getäuscht, lieber Professor,« sprach der Luftpirat. »Es ist in der Tat ein Werk von Menschenhand. Es könnte allerdings das Weltenfahrzeug eines anderen Planeten sein, denn wir haben ja ähnliche Dinge schon früher gesehen. Aber dies dort ist ein Werk, welches auf der Erde fertig gestellt wurde. Es ist kein Zweifel, das ist ein Fahrzeug der unheimlichen Amerikaner.«
Das fremde Fahrzeug befand sich in größter Nähe des Asteroiden und schien Schutz gesucht zu haben.
Nach den anderen beiden Fahrzeugen sah sich Mors vergeblich um, möglicherweise hielten sie sich hinter dem Bruchstück einer zerrissenen Welt verborgen.
Die Inder waren an der Tür des Beobachtungsraumes versammelt und warteten schweigend, aber mit brennender Neugierde auf die Befehle des Luftpiraten.
Mors ergriff das Hörrohr und klingelte nach dem Maschinenraum, in welchem Terror weilte.
»Wir halten auf den Astroiden zu,« lautete das Kommando. »Die Mannschaften haben alles für einen Kampf fertig zu machen. Sowie wir in die Luftzone des Weltenkörpers kommen, wird das Fahrzeug dort angegriffen.«
Terror gehorchte auf der Stelle.
Der »Meteor« beschrieb einen gewaltigen Bogen und sauste dann mit fürchterlicher Schnelligkeit auf den Asteroiden zu.
Bald befand man sich in der dünnen, nebelartigen Höhe, die fast undurchsichtig wie Glas diese unbekannte Welt umgab.
Man warf kaum einen flüchtigen Blick auf die Oberfläche dieses Planetenüberbleibsels, auf diese Oberfläche, welche als geradezu entsetzliche Stein- und Sandwüste erschien.
Selbst der Professor vergaß seine Leidenschaft, neue Entdeckungen zu machen und blickte mit fieberhafter Spannung auf den Feind, den er jetzt schon mit bloßen Augen gewahren konnte.
Kein Zweifel, das war eins der Fahrzeuge, die Mors verfolgte.
Es lag in der unmittelbarsten Nähe des Planetenüberbleibsels und mochte vielleicht zwei Meilen über der Oberfläche desselben in der Dunsthülle schweben.
Aus allem, was man sehen konnte, schien hervorzugehen, daß das Fahrzeug während dieser Fahrt Schaden genommen und daß man diesem abzuhelfen versuchte.
Die beiden anderen Fahrzeuge waren nicht zu sehen, aber es konnte sehr leicht möglich sein, daß auch sie über kurz oder lang in Sicht kamen.
Weiter sauste der »Meteor«, jetzt trennten ihn noch zwei Meilen von dem Gegner. Jetzt nur noch eine, nur noch eine halbe.
Die Entfernung verringerte sich immer mehr und als Mors den Befehl zum Stoppen gab, schwebten die Fahrzeuge in einer Entfernung von fünfhundert Fuß, sodaß sie sich gegenseitig umkreisten.
Der unglückliche Reymond hatte Mors das Aussehen der von dem Etablissement gelieferten Maschinenteile aufs Genaueste beschrieben.
Man hat sogar die Platten, die den Rumpf des Weltenfahrzeuges bildeten, dort geliefert, und so konnte Mors ohne viel Mühe sehen, daß seine Vermutungen völlig zutrafen.
Das war einer der Feinde und man schien dort auf der Hut zu sein.
Deutlich gewahrte man ein großes Glasfenster, dieses aber verschwand, als eine große Metallplatte die Scheibe bedeckte.
»Sie bereiten sich zum Kampfe vor,« murmelte Mors. »Sie besitzen sicherlich Zerstörungsmaschinen. Nun wollen wir sehen, wer den Sieg erringt. Vorwärts, wenn ich einen der Gegner vernichte, habe ich es nur noch mit zweien zu tun. Vielleicht kann hier fern vom Saturn die Entscheidung fallen.«
Zunächst müßte man die Dunsthülle prüfen und sehen, ob dieselbe zum Atmen geeignet war.
Einer der Inder unternahm den Versuch, indem er sich mit einem Glashelm versehen in einen luftleeren Raum begab.
Nach kurzer Zeit kehrte der Mann zurück.
»Kapitän,« meldete er, »die Luft ist zum Atmen geeignet, sie ist etwas dünn, aber wenn man schnell atmet, genügt sie für die Lunge. Dies kann uns nicht hindern, und wir brauchen keine Sorge zu haben, daß wir ersticken müssen. Jetzt können die Klappen, welche die Zerstörungsmaschinen verdecken, geöffnet werden.«
Mors nickte zustimmend, und sagte den braven Gefährten einige freundliche Worte.
Hierauf wendete er seine Aufmerksamkeit dem Gegner zu.
Der Feind schien das heransausende Weltenfahrzeug auch schon frühzeitig bemerkt zu haben und wollte deshalb an dieser Stelle den Kampf aufnehmen.
Man sah, wie sich an der metallenen Außenseite des fremden Fahrzeuges kleine Oeffnungen bildeten, die Schießscharten glichen.
Dort standen sicherlich die Waffen des Gegners.
Mors kam näher und näher heran, bis aus einer der Schießscharten des feindlichen Fahrzeuges ein kurzer, gelblich-blauer Blitz zuckte.
Unmittelbar darauf sah man etwas Weißliches herausfahren, und genau auf die Bordwand des »Meteor« zufliegen.
Dann empfand man einen dumpfen Schlag von ziemlicher Heftigkeit, sodaß die Instrumente, die an den Wänden hingen, hin- und herschwankten.
Dem Aufschlag folgte ein scharfes betäubendes Krachen, aber das war alles.
»Der »Meteor« widersteht,« sprach Mors, als er flüchtig die Wände seines Wunderwerkes prüfte. »Das feindliche Geschoß kann die Metallwand nicht durchdringen. Gut, nun kommen wir an die Reihe.«
Auf dem »Meteor« befanden sich verschiedene Zerstörungsmaschinen.
Einige sahen aus wie kleine Maschinengewehre, die auf fahrbaren Lafetten ruhten, andere wie kleine Geschütze.
Es gab noch eine dritte Sorte von Maschinen, die aber nur im äußersten Notfalle gebraucht wurden. Auch diese waren zur Hand, wurden aber als gefährlich, immer bis zum letzten Augenblick zurückgehalten.
Nur wenn es um die Existenz ging, wurden diese fürchterlichen Maschinen in Tätigkeit gesetzt, aber so weit war es noch nicht gekommen.
Die Inder hatten die Maschinengewehre bereits an die Schießscharten gebracht und zielten auf den Feind, der noch immer um den »Meteor« kreiste.
Wenige Minuten später vernahm man das dumpfe Krachen der Schüsse, die ein unheimliches Echo in der tief unten liegenden Felsenwildnis erweckten.
Mors, der alles beobachtete, sah deutlich, wie die Geschosse die Wand des feindlichen Fahrzeuges trafen, wie dieses furchtbare Schläge erhielt und hin- und herschwankte.
Die Geschosse schienen auch Beulen zu schlagen, aber keine Breschen, sie genügten offenbar nicht, die Wand des Feindes war gut gepanzert.
Drüben blieb man übrigens auch nicht müßig.
Der Feind nahm offenbar den Lenkapparat des Weltenfahrzeuges zum Ziel und richtete seine Geschosse auf die Verbindungsstangen, welche die Riesenmagneten in Tätigkeit setzten.
Mors bemerkte das und schickte sofort einen Befehl nach dem Lenkraum.
Augenblicklich drehte sich der Magnet und legte sich auf die dem Feinde abgewendete Seite des Weltenfahrzeuges. Dadurch wurde er vor Verletzungen gesichert.
Auf dem feindlichen Fahrzeug drüben tat man jetzt das gleiche.
Auch schien man jeden Vorteil benutzen zu wollen.
Höchst wahrscheinlich hatten die Gegner, die sich drüben im Weltenfahrzeug befanden, erkannt, daß sie mit ihren Geschossen dem »Meteor« wenig oder gar keinen Schaden zufügen konnten.
»Kapitän,« schrie plötzlich einer der Inder, der durch eine Schießscharte die Bewegungen des Feindes beobachtete, »aufgepaßt, Kapitän, sie wollen rammen!«
»Ich sehe es, mein Getreuer,« erwiderte Mors, indem er das Glas absetzte. »Sie haben sich auf alles vorbereitet. Dieses fremde Fahrzeug besitzt einen scharfen Metallsporn, aber auch ich werde nicht ruhig zusehen, wenn uns die Gegner angreifen. Jetzt kommt es darauf an, wer die größere Geschicklichkeit im Lenken des Fahrzeugs besitzt. Die Amerikaner dort oder ich. Das muß sich bald entscheiden.«
Der Mann mit der Maske wendete sich an die Inder.
»Zieht diese Maschinen zurück,« befahl er, auf die gewehrähnlichen Zerstörungsmaschinen deutend. »Jetzt werden die anderen verwendet. Aber erst dann, wenn der Feind in größere Nähe herankommt. Ich gehe nach dem Lenkraum, denn ich muß meinen »Meteor« in dieser entscheidenden Stunde selbst führen. Terror kann inzwischen das Kommando über Euch übernehmen.«
Wenige Minuten später stand Mors bei seinem braven Terror, der alle Befehle des Gebieters im Nu ausgeführt hatte.
»Brav gemacht,« sprach Mors anerkennend. »Nun will ich Dich ablösen. Kümmere Dich nicht um die Angriffe des Feindes, sondern übernimm den Befehl über die indische Besatzung. Sie sollen jetzt die Zerstörungsmaschinen Nr. 2 gebrauchen, der Gegner will rammen! Er will uns mit seinem spitzen Metallsporn vernichten.«
Terror nickte nur und rannte mit großen Sprüngen nach dem Beobachtungsraum hinüber.
Mors aber setzte sich neben den Apparat, der den Riesenmagneten bewegte und blickte zuweilen durch das Guckloch an der Seite.
Der Gegner war in der Tat zum Angriff bereit.
Er fuhr allerdings noch immer im Halbkreis, aber man sah, wie er seinen Magneten der unbekannten Welt in der Tiefe zudrehte.
Gleich darauf schoß der Feind mit fürchterlicher Gewalt vorwärts.
Es war ein unheimlicher Anblick, wie das Weltenfahrzeug heranbrauste. Es schien, als sollte der spitze Sporn an seinem Vorderteil den »Meteor« in der Mitte treffen und das Wunderwerk des Luftpiraten in zwei Teile schneiden.
Mit eisiger Ruhe beobachtete Mors das Manöver seines Feindes. Er besaß keine solche Waffe, aber dafür andere Mittel, die ihn dem Gegner ebenbürtig machten.
Im letzten Moment drehte er die eine Lenkstange und wie von Zaubergewalt bewegt, schnellte sich der »Meteor« in die Höhe.
Das feindliche Weltenfahrzeug war im vollen Ansturm und sauste mit furchtbarer Gewalt unter dem »Meteor« hinweg.
Der spitze Metallsporn aber durchschnitt nur die Luft, sonst wäre der Rammstoß für Mors und sein Fahrzeug verhängnisvoll geworden.
Gleich darauf setzte Mors sein Fahrzeug wieder in Bewegung.
Es senkte sich und schwebte parallel mit dem Gegner, gleichzeitig drückte Mors auf einen Knopf, der ein schrilles Klingelsignal vermittelte. Es war das Zeichen zum neuen Feuern.
Die Inder zielten genau und im Nu sah man das feindliche Fahrzeug von einer sonderbar gefärbten Rauchwolke umgeben.
Es schwankte, es fuhr bald links, bald rechts, jetzt machte es kurze, scharfe Zickzackbewegungen und mit einem Male überschlug es sich selber.
Senkrecht richtete sich der Koloß auf, dann fiel er nach hinten über, er drehte sich, der Riesenmagnet war halb gelöst, er hing nur noch an einer einzigen Lenkstange.
Drüben machte man jedenfalls verzweifelte Versuche, um das Fahrzeug wieder ins Gleichgewicht zu bringen, aber vergebens.
Noch einmal bäumte sich der Riese auf, als wollte er in den Weltenraum hineinsausen. Aber es war die letzte Anstrengung der Maschinen.
Der Magnet funktionierte nicht mehr, die Lenkstangen zerbrachen, jetzt wirbelte das Fahrzeug wie ein Kreisel und schmetterte mit furchtbarer Gewalt nach unten.
Es stürzte, es war jetzt nur noch eine plumpe, schwere Masse. Mit entsetzlicher Schnelligkeit schoß das Fahrzeug in die Tiefe, hinab in die Steinwildnis des Asteroiden.
4. Kapitel. Neue Verfolgung.
Atemlos, schweigend hatten die Inder die Katastrophe mit angesehen.
Die Zerstörungsmaschinen taten ihre Pflicht und da der Feind seinen furchtbaren Sporn nicht mehr verwenden konnte, war Mors Sieger im Kampf geblieben.
Wenige Augenblicke später sah man das Weltenfahrzeug unten in der Steinwildnis ankommen und dort auf den spitzen Felsen in Stücke zerschellen.
Terror kam in den Lenkraum gestürzt.
»Ein Gegner ist vernichtet, Kapitän,« rief er triumphierend. »Der fügt uns keinen Schaden mehr zu. Da unten liegen die Trümmer des Fahrzeuges.«
»Gut, wir wollen hinunter,« erwiderte Mors. »Ich will sehen, was wir noch für Ueberreste entdecken können. Vielleicht kann ich daraus entnehmen, was für eine Bemannung dieses Fahrzeug besessen hat.«
»Es wird nicht viel zu sehen sein, Kapitän,« erwiderte Terror. »Der Aufprall muß fürchterlich gewesen sein. Aber Ihr habt Recht, wir müssen hinunter!«
Wenige Minuten später senkte sich der »Meteor« langsam und allmählich auf die furchtbare Oberfläche des Asteroiden hinab.
Dort landeten die Weltenfahrer neben den Ueberresten des vernichteten Feindes.
Ein grausiges Gemisch bot sich dem Auge dar.
Da lagen Eisenplatten, Maschinenteile, alles in buntem Gemisch und dazwischen, noch schrecklicher anzusehen, die Ueberreste von Menschen.
Terror hatte recht gehabt, viel war von der Besatzung des Weltenfahrzeuges nicht übrig geblieben. Die meisten Körper waren buchstäblich in Stücke zerrissen.
Dennoch erkannten Mors und seine Begleiter die Ueberreste von zwei Männern ihrer eigenen Rasse. Die Köpfe der beiden waren noch einigermaßen erhalten, machten aber einen abstoßenden, widerwärtigen Eindruck. Man las in den Gesichtern Intelligenz, aber zugleich Brutalität und Grausamkeit.
Die übrige Besatzung des Weltenfahrzeuges schien aus Negern bestanden zu haben.
Jedenfalls waren es Untergebene der eigentlichen Leiter des Fahrzeuges, und die Ueberreste ließen erkennen, daß man es mit ausnehmend kräftigen, muskulösen Schwarzen zu tun gehabt.
Auch die Ueberreste der Zerstörungsmaschinen waren noch teilweise zu sehen und der Aufenthalt in der Nähe des zerstörten Weltenfahrzeuges durchaus nicht ungefährlich.
Es krachte und knatterte von Zeit zu Zeit, sodaß die Inder die gefährliche Stelle verließen.
Mors sah noch nach, ob er vielleicht irgend welche Dokumente oder Schriftstücke entdecken könnte, und fand endlich eine halb zertrümmerte eiserne Kassette, in welcher verschiedene beschriebene Papiere lagen.
Hastig nahm er dieselben an sich und eilte mit seinen Begleitern wieder nach dem »Meteor« zurück, der sich kurz darauf stolz in die Lüfte erhob.
Ein Fahrzeug war also zerstört. Aber wo blieben die beiden anderen? Lauerten die vielleicht in der Nähe, hatten sie auf dem Asteroiden einen anderen Ankerplatz gefunden?
Mors faßte einen schnellen Entschluß.
Er gab Terror den Befehl, daß der »Meteor« den Asteroiden umkreisen sollte, und zog sich dann in seine Kabine zurück, da er die gefundenen Papiere in aller Ruhe durchlesen wollte.
Ein Teil dieser Papiere war freilich zerstört, aber das noch Brauchbare für Mors völlig genügend.
Er wußte jetzt, daß er mit einer Anzahl Amerikaner zu tun hatte, mit hochgebildeten, aber gewissenlosen Männern, die sich zu Herrschern der Erde aufzuwerfen gedachten.
Sie hatten das Unternehmen offenbar schon lange geplant und sich zweifellos an Kapitän Mors ein Vorbild genommen.
Der Unterschied war nur, daß Mors seine Macht niemals mißbrauchte, während diese Männer ihre Kenntnisse zur Ausführung eines grauenvollen Verbrechens benutzen wollten.
Während Mors die Papiere durchsah, vollbrachte Terror die Fahrt um den Asteroiden.
Darauf ging er nach der Kabine seines Gebieters.
»Wir haben die Umgebung des kleinen Weltkörpers genau durchsucht,« sprach er, »aber nirgends eine Spur vom Feinde gesehen. Vielleicht haben sich die Feinde anderweitig verborgen.«
»Nein,« erwiderte Mors. »Sie sind weiter gefahren. Die beiden Fahrzeuge haben ihre Reise fortgesetzt und das Fahrzeug, welches wir bekämpften, zurückgelassen. Es ist nämlich von Anfang an nicht in demselben guten Zustand gewesen, wie die beiden anderen, und sollte, wie ich aus den Papieren entnehme, hier einer Reparatur unterzogen werden. Den einen Gegner haben wir vernichtet. Jetzt gilt es, die beiden anderen aufzusuchen. Es hilft nichts, mein treuer Gefährte, wir müssen die Fahrt nach dem Planeten Saturn fortsetzen.«
»Meinetwegen bis ans Ende der Welt,« erwiderte Terror. »Mir ist es gleich. Ich gehe mit Euch, Kapitän, wohin Ihr wollt, ins Endlose.«
»Ja, das ist auch eine bessere Bezeichnung als wie das Ende der Welt,« erwiderte der Luftpirat mit flüchtigem Lächeln. »Ein Ende gibt es nicht, sondern nur eine Unendlichkeit. Wenn wir die größte Schnelligkeit unseres »Meteor« aufbieten, wenn wir Millionen Jahre mit Blitzgeschwindigkeit dahinführen, wir würden nie an das Ende der Welt kommen, denn ein solches Ende existiert nicht. Aber unser Ziel liegt ja verhältnismäßig nahe. Es ist der geheimnisvolle, glänzende Planet mit seinen Ringen. Vorwärts, wir müssen weiter. Wir haben schon bei dem Kampfe wiederum Zeit verloren und dem Gegner einen neuen Vorsprung verschafft.«
Wieder begann die Fahrt durch das Endlose, wieder sauste der »Meteor« den Asteroiden verlassend, mit geradezu entsetzlicher Schnelligkeit in das Reich der Weltenkörper.
Der mächtigste aller Planeten, der Jupiter, war diesmal nicht zu fürchten, denn der stand viele tausende von Meilen entfernt, sodaß seine ungeheure Anziehungskraft dem »Meteor« keinen Schaden zufügen konnte.
Aber auch den verfolgten Amerikanern mußte dieser Umstand zu statten gekommen sein, sie waren ja dem Weltenfahrzeug voraus, sie befanden sich auf der Fahrt nach dem Saturn. Man mußte sie einholen, um jeden Preis.
Es ging um die Existenz, das wußte jedermann an Bord des Weltenfahrzeuges, jeder verstand, weshalb Mors die Schnelligkeit seines Wunderwerkes diesmal bis zum Äußersten anstrengte. Das war kein Fahren mehr, das war ein Lauf mit dem Tode.
Vor dem »Meteor« lag das Ziel, welches sich mit jeder Stunde zu vergrößern schien. Ein wunderbares Ziel, denn es war jener Planet, der durch seine eigentümlichen Anhängsel von jeher die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen. Es war der Saturn mit seinen Ringen.
Dieser kolossale Weltkörper war jetzt schon für das bloße Auge ins Riesige gewachsen. Wunderbar war sein Anblick, und die seltsame Erscheinung des Ringplaneten wurde noch durch die acht Monde vermehrt, die den Giganten umschwebten.
Mors hielt jetzt mehrere ernste Beratungen mit dem Astronomen ab und zwar Beratungen, die sich auf die Begegnung mit dem Riesenplaneten bezogen.
»Dort treffen wir die beiden amerikanischen Fahrzeuge,« setzte Mors hinzu, als er seine Bedenken geäußert. »Jetzt fragt es sich nur, wo wir landen. Es ist ja möglich, daß der Kampf, der uns bevorsteht, vielleicht auf seinen Ringen, möglicherweise sogar auf seinen Monden ausgefochten wird. Da fragt es sich, wo wir landen. Wir haben es mit Gegnern zu tun, die rücksichtslos unseren Untergang herbeizuführen suchen. Es wird ein Kampf auf Leben und Tod; folglich müssen wir wenigstens von den Gefahren, die uns in dieser unbekannten Welt drohen, verschont bleiben. Ich verlasse mich hier auf Ihren bewährten Rat, der mir schon oft die größten Dienste leistete.«
»Dann möchte ich raten, daß wir einen der Saturn-Monde aufsuchen,« entgegnete der Professor, der diese Frage erwartet hatte. »Nach den Beobachtungen, die man seit vielen Jahren auf der Erde angestellt hat, zu denen auch meine Forschungen hinzukommen, muß sich der Saturn in einem Zustand befinden, der eine Landung absolut nicht gestattet. Seine Masse besitzt noch nicht einmal die Dichtigkeit des irdischen Wassers, die Riesenkugel besteht aus einem Chaos, aus einer Masse, die allerdings noch dichter ist als das Gas, aber noch nicht einmal die Tragfähigkeit des Wassers erreicht. Wollten wir auf der Saturnkugel landen, müßten wir mit unserem »Meteor« ins Bodenlose versinken. Dagegen sind die Monde sicherlich in einem anderen Zustande, obgleich auch bei ihnen noch manche Verschiedenheit von dem irdischen Mond vorhanden sein dürfte. Es ist auch möglich, daß auf den Ringen gelandet werden kann, wenn diese, wie einige Beobachter behaupten, aus einer Unmenge neben einander dahinrollender winziger Weltkörper bestehen. Aber das müßte man erst untersuchen.«