Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 40: Die Empörung im Weltenfahrzeug

Part 3

Chapter 33,593 wordsPublic domain

Kapitän Mors eilte mit Terror eine der eisernen Treppen hinab, die nach den unteren Räumen führte.

Diese waren durch bewegliche Metallschieber von der Außenwelt getrennt und in verschiedene Abteilungen geteilt, in denen sich die Vorräte, die Reserveteile für die Maschinen und auch die verschiedenen Schlafkabinen befanden.

Zu seinem Erstaunen fand Kapitän Mors im Mannschaftsraum zwei der Franzosen, die in festem, ruhigem Schlummer lagen.

»Also sind es nur sechs, die sich an der Empörung beteiligen,« sprach er zu Terror.

»Wer weiß denn,« erwiderte dieser. »Die können ja auch darin eingeweiht sein.«

»Das wird sich finden,« meinte Mors. »Ich halte gerade die beiden hier für biedere Männer, für echte Bewohner der Normandie, deren Herzen ohne Falsch sind. Jedenfalls wollen wir sie hier einschließen, sodaß sie sich nicht mit den Meuterern vereinigen können. Wecke Du den Professor, ich werde die Schwestern aus dem Schlummer rufen.«

Die Räume hier bestanden ja alle aus Metall und konnten wie Stahlkammern verschlossen werden.

Kapitän Mors sperrte die beiden schlafenden Franzosen ein, steckte den Schlüssel zu sich und rannte dann nach der Schlafkammer der beiden jungen Mädchen.

Diese kleideten sich hastig an und erschienen in kürzester Frist, ebenso der Professor.

»Das ist ja eine schöne Geschichte,« meinte van Haalen, der nur an seine gestörten Beobachtungen dachte. »Können Sie den Verschwörern nicht zu Leibe gehen, Kapitän? Unter diesen Umständen ist ja Energie geboten.«

»Ganz richtig,« erwiderte Kapitän Mors. »Aber wir befinden uns im Weltenraum. Da kann ich nicht in den Maschinenraum vordringen. Das ist unmöglich, denn dadurch würde ich den Raum luftleer machen. Es bliebe ja bloß der Fall übrig, daß ich eins der Fenster zertrümmerte, aber damit würde das Unheil noch größer. Höchst wahrscheinlich haben auch die Verschwörer die Metallschieber geschlossen. Wie mir Terror sagte, ist die Tür bereits versperrt. Sie können vorerst über das Fahrzeug verfügen.«

»Ist es nicht möglich, ihnen mit irgend einer Waffe beizukommen?« fragte der Professor.

»Die beiden Irländer würden sich vorsehen,« lautete die Antwort des Maskierten. »Ich glaube, die Franzosen sind nur irre geleitet, diese Leute können Schonung beanspruchen. Aber nun merken Sie auf, Professor. Wir müssen Vorsichtsmaßregeln treffen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Verschwörer und das können nur die beiden Irländer sein, Vorbereitungen treffen, um unsere Vernichtung herbeizuführen. Was sie da tun werden, weiß ich noch nicht, aber das beste ist, daß Sie und die beiden Mädchen in den Schlafkabinen bleiben und sich dort mit den vorhandenen Riemen an die in dem Schlafraum befindlichen Handgriffe festbinden. Ich sage das für den Fall, daß sich mit dem Weltenfahrzeug etwas Unvorhergesehenes ereignet.«

»Meine Instrumente,« rief van Haalen, der jetzt nur an die Fernrohre dachte. »Wenn die Instrumente zertrümmert werden, ist der Schaden unersetzlich.«

»Wir werden sie sofort festschrauben,« erwiderte Mors tröstend. »Tun Sie nur, was ich gesagt habe. Terror und ich werden zu handeln wissen. Binden Sie sich fest, damit Sie auf alles vorbereitet sind. Das ist die Hauptsache.«

Anita und Lucy Long wollten den Kapitän bei seinem Vorhaben unterstützen, ihm helfen und wenn nötig mit ihm gegen die Empörer kämpfen.

Aber Kapitän Mors schlug dies ruhig, aber entschieden ab.

»Ihr beide seid tapfer und mir treu ergeben,« sprach er zu den jungen Mädchen. »Das weiß ich. Aber unter den obwaltenden Umständen könnt Ihr mir nicht von Nutzen sein. Begebt Euch in Eure Schlafkabine und bindet Euch fest. Alles andere ist jetzt meine Sache.«

Er eilte, von Terror gefolgt, nach den oberen Räumen und sicherte zunächst die astronomischen Instrumente.

Diese wurden an dem Boden festgeschraubt, alle Vorbereitungen waren dazu vorhanden.

Ferner wurden die Schutzkapseln über die kostbaren Gläser gestülpt und damit die wertvollen Fernrohre gegen jeden Unfall gesichert.

Hierauf eilte Kapitän Mors nach dem Arbeitsraum, der an die Maschinenkammer grenzte.

Sein erster Blick galt den dort hängenden Instrumenten.

»Ganz wie ich es mir dachte,« sprach er. »Sie versuchen das Weltenfahrzeug zu wenden und nach der Erde zurückzukehren. Aber sie handhaben die Maschinen falsch. Sie gebrauchen den Lenkapparat nicht richtig. Sie handeln --«

Kapitän Mors stampfte mit dem Fuß auf, daß der Boden dröhnte.

»Was tun sie denn, Kapitän,« fragte Terror besorgt. »Sie beschädigen wohl das Fahrzeug?«

»Bis jetzt noch nicht,« knirschte Kapitän Mors, »obwohl dieser Fall auch noch eintreten könnte. Sie lenken das Weltenfahrzeug nicht richtig! Wenn wir diesen Kurs einhalten, kommen wir auf den sogenannten toten Punkt, wo sich die Anziehungskraft der Erde und des Mondes ausgleicht. Ich allein kenne die Manöver, die dort nötig sind, um über die gefährliche Stelle hinauszukommen. Wenn ich nicht in die Maschinenkammer gelange, wird das Fahrzeug an diesem toten Punkt für alle Ewigkeit festsitzen.«

»Schöne Aussicht,« meinte Terror. »Was meint Ihr, Kapitän, wollen wir mit den Meuterern verhandeln? Sie müssen ja sehen, daß sie der Handhabung des Fahrzeuges nicht gewachsen sind. Da werden sie wieder zur Besinnung kommen.«

»Ja, das will ich,« erwiderte Kapitän Mors und schlug mit der Faust gegen die Eisentür, daß es dröhnte.

Sofort ließ sich Wilkes Stimme vernehmen.

»Was gibt's denn?« schrie er in einem Tone, der bewies, daß er sich als Herr der Situation fühlte. »Was wollt Ihr denn, he?«

»Macht auf,« donnerte Kapitän Mors, »öffnet auf der Stelle.«

Ein Hohngelächter gab Antwort. Wilkes und Penn lachten wie die Tollen.

»Das glaube ich wohl,« schrie der erstere. »Aber wir müßten ja Narren sein, wenn wir die Macht, die wir jetzt besitzen, aus den Händen lassen sollten. Das fällt uns nicht im Traume ein. Wir gebieten jetzt über das Weltenfahrzeug.«

»Wahnwitzige!« rief Kapitän Mors. »Ihr versteht nicht dieses wunderbare Fahrzeug zu führen, dazu bin nur ich imstande. Oeffnet und ich will sehen, ob ich noch Gnade walten lassen kann. Der Rausch hat Euch gewissermaßen betört, der Sinnenrausch, daß Ihr ein solches Fahrzeug lenkt. Aufgemacht, ich fordere es auf der Stelle!«

»Wenn tausend Teufel kämen, würde ich der Herr des Wunderfahrzeuges bleiben,« schrie Wilkes. »Penn und ich, wir sind einig und die andern hier gehorchen uns, denn sie sehen ja jetzt, daß wir auf Erden Schätze erwerben, daß wir die mächtigsten Leute des ganzen Erdballs werden können. Also spart Eure Worte! Wir haben die Macht und diese wollen wir benutzen.«

Kapitän Mors trat zurück, denn er wußte, daß die schwere Eisentür nur mit Anwendung größter Gewalt gesprengt werden konnte.

Er wollte sich überlegen, was zu beginnen wäre, unterdessen aber berieten die beiden Rädelsführer da drinnen, wie sie sich des Maskierten entledigen könnten.

Kapitän Mors hörte ein Wispern und Zischeln und da ahnte er, daß Unheil drohte. Rasch verließ er den Arbeitsraum, um Terror zu warnen, während das Hohngelächter von neuem aus dem verschlossenen Maschinenraum herübertönte.

5. Kapitel. Furchtbare Stunden.

Terror erwartete Kapitän Mors im Beobachtungsraum.

»Nun?« fragte er. »Haben sie sich besonnen? Wollen die Tollen nachgeben?«

»Nein,« erwiderte Kapitän Mors. »Der Sinnestaumel hat sie gefaßt, sie bilden sich ein, daß sie die Herren der Welt wären. Freilich sind es nur zwei, die beiden Irländer, sie haben die Franzosen betört, diese waren brave Leute und haben sich nur zu der Meuterei hinreißen lassen. Aber jetzt gilt es Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Die Elenden da drinnen wollen uns vernichten.«

Terror stellte keine Frage, denn er wußte, daß Kapitän Mors allein zu handeln pflegte. Er folgte dem kühnen Manne nach einem kleineren Raume.

»Hier binde Dich an,« befahl Kapitän Mors. »Benutze die Riemen und die Handgriffe. Binde Dich aber so an, daß Du Dich noch bewegen kannst und triff nur Vorsichtsmaßregeln, daß Du nicht gegen die Wand geschmettert wirst.«

»Und Ihr, Kapitän? Was wollt Ihr tun?« fragte Terror, indem er der Weisung nachkam.

»Ich halte mich an den eisernen Handgriffen fest,« lautete die kurze Antwort. »Das genügt mir, aber spute Dich, der Professor und die beiden Mädchen sind gewarnt, sie haben Vorsichtsmaßregeln getroffen. Sie befinden sich in gepolsterten Kammern, da kann ihnen kein Leid zustoßen.«

»Aber wir könnten ja auch nach den gepolsterten Schlafkammern hinabgehen,« meinte Terror. »Das wäre sicherer.«

»Allerdings,« erwiderte Mors. »Aber verschiedene Umstände zwingen uns, hier oben zu bleiben. Die Empörer könnten sich zeigen, um zu sehen, was aus uns geworden ist. Da müssen wir schnell zu Hand sein und zupacken. Bist Du fertig? Nun, so ist es gut. Es war auch die höchste Zeit. Du siehst, jetzt beginnt es, was ich vorausgesehen.«

Das Weltenfahrzeug begann furchtbar zu schwanken.

»Sie verändern das Gleichgewicht des Fahrzeuges,« rief Terror.

»Gewiß,« erwiderte Mors, indem er mit eiserner Kraft die metallenen Griffe packte. »Wir werden gleich auf dem Kopf stehen.«

Das war auch der Fall.

Jedenfalls hatten die Meuterer in der Maschinenkammer Vorsorge getroffen, daß sie bei dem Manöver, das sie jetzt mit dem Weltenfahrzeug vornahmen, keinen Schaden erlitten.

Dagegen wollten sie dadurch Kapitän Mors und dessen treue Begleiter verletzen oder gar vollkommen vernichten.

Die Handhabung mit dem Riesenmagnet und eine besondere Benutzung der Maschinen gestattete, das Schwergewicht des Fahrzeuges zu ändern und so stand urplötzlich das unterste zu oberst.

Dieser Plan der beiden Empörer legte von teuflischer Schlauheit Zeugnis ab. Sie wollten, daß Kapitän Mors und seine Begleiter durch diese plötzliche Umdrehung des Fahrzeuges mit den Köpfen gegen die metallenen Decken schmettern sollten.

Die sechs Männer in der Maschinenkammer hatten sich jedenfalls dagegen gesichert und festgebunden. Jetzt ließen sie das Fahrzeug wieder blitzschnell herumdrehen.

Diese Manöver wiederholten sich noch zwei-, dreimal, mit geradezu furchtbarer Schnelligkeit, es war ein Zeichen, daß die Empörer vieles von Kapitän Mors gelernt hatten.

Sie verstanden mit der Maschine, welche die Schwerkraft des Fahrzeuges und das Gleichgewicht veränderte, vortrefflich umzugehen und so wälzte sich das Weltenfahrzeug noch zweimal herum, sodaß Kapitän Mors und Terror mit den Köpfen nach unten schwebten.

Terror aber befand sich an den Riemen festgebunden in völliger Sicherheit und Kapitän Mors hielt sich an den metallenen Handgriffen so fest, als sei er mit ihnen verwachsen.

Das Weltenfahrzeug schwankte jetzt wie ein Schiff im wildesten Sturme, bis es allmählich das Gleichgewicht bekam und nun wieder mit furchtbarer Geschwindigkeit durch den Weltenraum dahinraste.

Kapitän Mors überzeugte sich mit einem Blick, daß Terror nicht verletzt sei.

»So, das wäre vorüber,« meinte er. »Jetzt will ich zusehen, ob die Empörer den Maschinenraum öffnen.«

»Wenn es geschieht, Kapitän, es sind sechs gegen einen und das schlimmste ist, daß unsere elektrischen Waffen in einem Schrank des Maschinenraums aufbewahrt werden.«

»Das ist allerdings fatal,« sprach der Maskierte. »Das erschwert mein Vorhaben. Würden sie die Tür öffnen und hätte ich den elektrischen Revolver zur Hand, so würde ich die Waffe unnachsichtlich gegen die beiden Rädelsführer gebrauchen.«

»Wenn die Kerle die Waffen finden,« rief Terror besorgt, »dann werden sie dieselben gegen uns gebrauchen.«

»Das mag sein,« erwiderte Mors. »Aber, dieser Schrank ist versteckt und in die eiserne Wand eingelassen. Sie werden ihn nicht so leicht finden. Außerdem trage ich den Schlüssel in meiner Tasche.«

Terror war in großer Sorge und meinte, die Meuterer möchten doch den Schrank öffnen, die elektrischen Waffen finden und sich dann derer gegen den Luftpiraten und dessen Anhänger bedienen.

War dies der Fall, so wurde die Situation eine geradezu verzweifelte.

»Das Auffinden der Waffen wäre allerdings ein schwerer Schlag,« sprach Kapitän Mors, als Terror nochmals Bedenken äußerte. »Aber das alles ist nicht so schlimm wie der Gedanke, daß die Empörer durch ihre Unbesonnenheit das Weltenfahrzeug auf den sogenannten toten Punkt bringen. Sie wissen nicht, wie man diese gefährliche Zone passiert und da werden sie selbst ihr Todesurteil unterschreiben, aber zugleich auch das unsere.«

»So wollen wir ihnen doch zurufen,« meinte Terror, der sich inzwischen von den Riemen befreit hatte. »Wir werden ihnen zuschreien, daß sie durch ihren Wahnsinn das Verderben heraufbeschwören? Vielleicht geben sie dann nach und merken, daß sie sich ins Verderben bringen? Dann könnten wir die Oberhand über das Fahrzeug bekommen.«

»Ich fürchte, sie werden die Nachricht mit Mißtrauen aufnehmen,« erwiderte Mors. »Aber versuchen kannst Du es immerhin. Gehe an die Eisentür der Maschinenkammer, denn ich sehe, daß die Leute nicht öffnen. Versuche, was Du willst, aber ich fürchte, Du wirst wenig Erfolg haben. Sollte sich während der Zeit das Weltenfahrzeug wieder drehen, mußt Du Dich rasch an den Handgriffen festhalten. Zur Vorsicht kannst Du Dir noch einen Riemen um den Leib binden.«

Terror tat, wie ihm geheißen und sicherte sich nach Möglichkeit gegen das Umschlagen des Fahrzeuges.

Es konnte ja sehr leicht möglich sein, daß die Meuterer das vorherige so gefährliche Manöver noch einmal wiederholten und er hatte keine Lust, sich den Schädel an der Eisendecke des Weltenfahrzeugs zu zerschmettern.

Mors blieb einstweilen im Beobachtungsraum und öffnete dort ein kleines, angeschraubtes Kästchen.

Dort lagen einige seltsam aussehende, patronenartige Gegenstände, die in einer glänzenden Metallhülle steckten.

Mors nahm zwei derselben heraus und steckte sie in die Tasche, unterdessen hatte Terror die Unterhandlung mit den Meuterern im fest verschlossenen Maschinenraum begonnen.

»Wahrhaftig, der ist ja noch ganz lebendig,« schrie Wilkes drinnen. »Das ist der Terror. He, hallo, wo ist denn der Maskierte? Warum hat sich der nicht gemeldet?«

Terror war klug genug, um die Antwort schuldig zu bleiben, denn er hoffte vielleicht, daß man Kapitän Mors für tot hielt, oder daß die Meuterer doch wenigstens an eine Betäubung oder eine schwere Verletzung glaubten.

»Von dem Maskierten spricht er nichts, Penn,« rief Wilkes drinnen seinem Genossen zu. »Der hat jedenfalls was abbekommen. He, holla, aufgepaßt!«

Terror ahnte, daß das Fahrzeug noch einmal den furchtbaren Saltomortale schlagen würde, und er klammerte sich krampfhaft an den eisernen Handgriffen fest, während Kapitän Mors seinem Beispiel folgte.

Die Vorsichtsmaßregeln der beiden Männer vereitelten aber das heimtückische Vorhaben der beiden Rädelsführer.

Endlich gewannen die beiden das Gleichgewicht wieder.

»Wahnsinnige,« rief Terror, als er sich wieder in der natürlichen Lage befand. »Wißt Ihr denn nicht, daß Ihr der gefährlichen Zone zutreibt, dem sogenannten toten Punkt, wo sich die Anziehungskraft der Erde mit der des Mondes ausgleicht? Ihr kennt nicht die Art und Weise, wie man die Maschinen bedienen muß. Oeffnet, Ihr Tollhäusler, sonst muß das Fahrzeug bis in alle Ewigkeit in jener gefährlichen Zone schweben.«

Wilkes und Penn stutzten anfangs, aber dann brachen sie wieder in lautes Hohngelächter aus.

»Wir sind doch keine Kinder,« schrieen sie. »Wir lassen uns doch nicht durch solche Mätzchen fangen! Nichts damit. Wir sind nicht so dumm und lassen uns nicht ins Bockshorn jagen, das sind bloß listige Reden, damit wir den Maschinenraum öffnen. Aber wir denken nicht daran, wir befinden uns ganz wohl und können auch zu einer Vorratskammer. Ihr aber werdet früher oder später vom Teufel geholt, wir sind jetzt die Herren des Weltenfahrzeuges!«

Da half alles nichts, Terror mußte zurück und wutschäumend den Meuterern freies Spiel lassen.

Er hörte, wie sie drinnen herumhantierten, und verhielt sich völlig still. Er lauschte auf das, was die Rebellen sprachen.

Den vier Franzosen schien gar nicht wohl zu Mute zu sein, wenigstens vernahm Terror, wie sie verschiedene Einwendungen erhoben, wie sie meinten, man solle auf die Warnung des Herrn des Weltenfahrzeuges achten.

»Unsinn,« schrie Wilkes. »Laßt Euch doch nicht zum Narren halten. Der möchte bloß herein und uns das Handwerk legen! Da seht Ihr ja seine Ohnmacht. Derjenige, dem die Maschinenkammer gehört, der ist Herr der Lage. Dabei bleibt es. Also wollen wir alles weitere abwarten. Wir können die da draußen verlachen. Vielleicht hat sich der Terror noch erhalten, aber es scheint wohl, daß der Luftpirat schwer verletzt oder gar tot in einer Ecke liegt.«

»Schade wäre es um die hübschen Mädels,« meinte Penn, der schon vordem nach den Schwestern geschielt hatte.

»Ach was,« brüllte Wilkes, »wenn wir die Macht haben, die wir später besitzen werden, können wir über die schönsten Frauen und Mädchen der ganzen Erde verfügen. Inzwischen wollen wir uns hier mal die Maschinen näher betrachten. Hier aus dem großen Apparat in der Ecke kann ich noch nicht klug werden. Den muß ich mal genauer untersuchen.«

Terror wußte, was die Empörer mit diesem Apparat meinten. Es war eine seltsam aussehende Maschine, die in der Nähe der eisernen Treppe stand, welche nach der Vorratskammer im Achterteil des Fahrzeuges hinunterführte.

Wozu dieser Apparat diente, wußte Terror auch nicht, Kapitän Mors hatte nie darüber gesprochen.

Die Maschine war auch noch nie in Gebrauch gewesen.

Er nahm sich schon vor, Kapitän Mors danach zu fragen, als er etwas anderes hörte, was seine Seele mit Hoffnungslosigkeit erfüllte.

Die Meuterer hatten nämlich den verborgenen Wandschrank gefunden.

Deutlich vernahm Terror, wie sie dort hantierten, wie sie darüber sprachen, was wohl darinnen enthalten sein mußte.

Einen Schlüssel fanden sie natürlich nicht und so entschlossen sie sich kurz dazu, den Schrank aufzubrechen.

Terror schlich sich zu Kapitän Mors hinüber.

»Es ist alles vorbei,« sprach er leise zu dem Maskierten. »Sie brechen den Schrank auf, da werden sie unsere fürchterlichen Waffen finden. Dann greifen sie uns an und dann werden wir ohne Gnade vernichtet.«

»Zuletzt werden wir uns sichern,« erwiderte Kapitän Mors. »Auch die anderen eisernen Türen sind verschließbar. Da werden wir den Empörern das Vordringen unmöglich machen.«

Terror seufzte leise, denn er hatte wenig Hoffnung, er meinte wohl, dies Abenteuer würde das letzte des Kapitän Mors sein, und der berühmte Luftpirat mit seinen Anhängern ein schmähliches Ende finden.

Die Meuterer besaßen jetzt die Waffen und an dem Jubelgeheul, welches Wilkes und Penn ausstießen, erkannte man, daß die beiden geschickten Männer wohl wußten, welche fürchterlich tödlichen Waffen sie in die Hände bekommen hatten.

Sie wußten das schon von der Insel her, dort hatte man öfters von den elektrischen Revolvern gesprochen. Sie wußten, daß diese fürchterlichen Geschosse alles zerstörten. Sie konnten damit sogar die eisernen Türen sprengen.

Alle diese Gedanken stürmten auf Terror ein, sodaß er ganz nach der sonderbaren Maschine zu fragen vergaß, von der die Meuterer vorhin gesprochen hatten.

Kapitän Mors zeigte jetzt eine Tollkühnheit sondergleichen.

Er schlich sich noch einmal nach dem Maschinenraum hinüber, obwohl ihn Terror dringend zurückzuhalten suchte. Er lauschte noch einmal auf das Stimmengewirr, welches er da drinnen hörte.

Dann kehrte er zurück, nachdem er die eine Verbindungstür hinter sich geschlossen hatte.

»Es wird wenig nützen, Kapitän,« meinte Terror betrübt, »wenn die Kanaillen die elektrischen Geschosse gegen die Tür senden, wird sie zunächst aufspringen.«

»Ich habe verschiedenes vernommen,« erwiderte Mors. »Zunächst bin ich überzeugt, daß nur die beiden Irländer die gefährlichen Waffen an sich genommen haben. Den Franzosen dagegen haben sie diese Waffen nicht gegeben. Es ist dies für mich ein Beweis, daß die übrigen Männer nur irregeleitet und verführt worden sind, daß sie sich durch Versprechungen auf eine glänzende Zukunft verlockt zum Treubruch hinreißen ließen. Wären nur die beiden Irländer nicht, so würden die Franzosen bald zu uns zurückkehren. Aber die beiden Rädelsführer sind zum äußersten entschlossen. Ich aber auch. Auch ich werde jetzt gegen die Meuterer vorgehen, koste es, was es wolle.«

»Aber, Kapitän, Ihr habt ja keine Waffen. Die befinden sich ja alle in der Maschinenkammer,« meinte Terror halb verzweifelt.

Die Augen des Maskierten funkelten wie glühende Kohlen.

»Und ich muß doch hinein,« sprach er. »Geschehe, was da wolle. Hier,« er zog die metallisch glänzenden Patronen hervor, »diese Sprengpatronen sollen mir dazu dienen, die Tür nach dem Maschinenraum zu öffnen.«

»Dann werdet Ihr sofort von den Geschossen der elektrischen Revolver begrüßt,« rief Terror. »Nein, das geht nicht. Das wäre Euer Verderben! Mit Eurem Tode, Kapitän, ist aber alles zu Ende.«

»Haltet mich nicht zurück,« erwiderte Mors. »Es wäre völlig vergeblich. An den Instrumenten sehe ich, daß wir uns bereits dem toten Punkt nähern, ich muß das letzte aufbieten, um mein Fahrzeug aus dieser gefährlichen Zone zu retten. Halte mich nicht zurück, Terror, es hat keinen Zweck. Du weißt, wenn ich einen Entschluß gefaßt habe, so kann nichts auf der Welt denselben erschüttern. Handeln muß ich. In den nächsten Stunden wird die Entscheidung fallen.«

6. Kapitel. Der tote Punkt im Weltenraum.

Terror fügte sich in das Unvermeidliche, denn er kannte ja den rätselhaften Mann zur Genüge.

»Jetzt müssen wir eine kleine elektrische Batterie herstellen,« sprach der Maskierte. »Es befinden sich einige an Bord des Weltenfahrzeuges, aber auch diese stehen in der Maschinenkammer. Es ist, als hätte sich alles gegen uns verschworen. Aber ich werde das Schicksal zu zwingen suchen. Vorwärts, Terror, gehen wir an die Arbeit.«

Glücklicherweise waren einige Ersatzteile für die elektrische Batterie vorhanden. Aber, es verging doch geraume Zeit, ehe die beiden Männer das Nötige herstellen konnten.

Bald fehlte es an Drähten, bald an einem Isolator, aber endlich wurde doch etwas zusammengebracht, was als elektrische Batterie zur Not dienen konnte.

Die Zeit war aber rasch verflossen.

Kapitän Mors legte eben die letzte Hand an das Werk, als das Weltenfahrzeug wieder unregelmäßige Bewegungen machte.

»Sie wollen uns wieder auf den Kopf stellen,« rief Terror, indem er nach den Handgriffen faßte.

Mors aber sprang zu den Instrumenten.

Deutlich sah Terror, wie der Maskierte zusammen zuckte.

»Was gibt es?« rief er hinüber.

»Das Gefürchtete ist geschehen,« erwiderte Kapitän Mors. »Wir befinden uns auf dem toten Punkte.«

»Eine schöne Bescherung,« murrte Terror, indem er sein Entsetzen möglichst zu verbergen suchte. »Da können wir jetzt einen neuen Weltkörper bilden und solange das Fahrzeug zusammenhält, wird es an dieser Stelle zwischen Erde und Mond schweben, als ein riesiger metallner Sarg, in dessen Innern wir allmählich zu Staub verfallen.«

»Unsere Lage ist in der Tat fürchterlich,« erwiderte Mors, indem er unablässig die Instrumente beobachtete. »Durch die Unbesonnenheit der Meuterer sind wir in diese schreckliche Lage gebracht worden und Du siehst an den Instrumenten, daß sich das Fahrzeug völlig unbeweglich verhält.«

»Gibt es kein Mittel, um den »Meteor« aus dieser furchtbaren Lage zu befreien?« fragte Terror hastig.

»Vielleicht,« erwiderte Mors. »Du erinnerst Dich wohl, daß Du mit Verwunderung die Maschine betrachtetest, die im Lenkraum neben der Treppe zur Vorratskammer steht. An diese eigenartige Maschine, von der eine Menge Drähte nach einer Art eisernen Galgen laufen, auf dem ein ungeheurer Brennspiegel angebracht ist?«

»Ja, Kapitän,« erwiderte Terror. »Ich habe ja schon mehrmals danach gefragt, aber Ihr habt nie eine Antwort gegeben.«

»Nein, diese Maschine habe ich für Notfälle aufgestellt, es ist das Resultat langer Arbeit. Diese merkwürdige Maschine, deren Zweck Du Dir nie erklären konntest, dient dazu, die sogenannte Sonnenenergie aufzuspeichern.«

»Sonnenenergie,« wiederholte Terror, ohne zu wissen, was dies bedeutete.