Der Kunstreiter, 1. Band

Part 12

Chapter 121,553 wordsPublic domain

»Ich habe ein paar Eisen für Fischottern gelegt,« sagte der Forstwart, »nimm dich in acht, Tobias, wenn du unter dem Wehr etwa herumkriechen solltest -- in der Mühle hab' ich es auch schon gesagt -- du könntest sonst einmal einen von deinen alten Hinterläufen unversehens in einen Schwanenhals hinein bekommen, und die Dinger spaßen eben nicht.«

»Ich habe nichts unten am Wehr zu suchen,« sagte Tobias, »die Fischerei ist vorbei, und bei dem Wetter gehe ich außerdem nicht raus. Du wirst aber auch was Rechtes fangen. Daß du's nur nicht satt kriegst, die Eisen aufzustellen und in dem kalten Wasser herumzupatschen; es geht dir doch keine Otter hinein.«

»Kann man nicht wissen,« meinte der Forstwart, »und gearbeitet muß doch sein. So bequem wie du können wir's nicht alle haben. Herr Wirt, einen Bittern!«

»Hol's der Teufel, mir auch einen!« sagte Mühler, »mit dem kalten Bier verschwemmt man sich nur den Magen.«

»Ich habe auch nichts dagegen,« stimmte Tobias ein, »bei der Kälte draußen kann man schon was Warmes im Leibe vertragen. Ich begreife nur nicht, wie du Winter und Sommer Freude daran finden kannst, draußen im Walde herumzukriechen. Aus den Wasserstiefeln kommst du im Leben nicht heraus -- ich glaube, du schläfst drin.«

»Manchmal nachmittags, ja,« lächelte der alte Mann, »aber ich will dir etwas sagen, Tobias: wem's nicht gegeben ist, der kann auch im Walde keine Freude finden, so wie du und deinesgleichen, die eben nur Büsche und Bäume drin sehen.«

»Na, siehst du was anderes drin?« lachte Tobias.

»Allerdings tu' ich das,« erwiderte der alte Mann und wurde auf einmal dabei ganz ernst, ja, fast feierlich, »und wenn ich dir auch das jetzt sage, Tobias, wirst du mich doch nicht verstehen. Aber das schadet auch nichts -- gute Lehren und Wahrheiten werden oft weggeworfen, aber manchmal bleibt doch ein Korn davon hängen und fällt auf guten Boden, wie der Baum auch seinen Samen über das dürrste Land hinstreut. Irgend ein Körnchen wurzelt doch vielleicht und treibt dann wieder einen jungen Baum.«

Ende des ersten Bandes.

[ Hinweise zur Transkription

Gegenüber der Erstausgabe aus dem Jahr 1861 wurde die vorliegende Ausgabe im Jahr 1914 überarbeitet, ohne dem Werk gerecht zu werden: Modernisierung der Rechtschreibung, großenteils Verzicht auf Texthervorhebungen in gesperrter Schrift, Verzicht auf Textmarkierungen in Antiqua-Schrift, teilweise Zusammenlegen von Absätzen, teilweise Änderung von Textpassagen, Neuaufteilung der drei Bände des Buches.

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Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Offensichtliche Fehler wurden korrigiert, bei Zweifeln der Originaltext beibehalten. Änderungen in der Schreibweise sind in der nachstehenden Liste ausgewiesen, Änderungen in der Zeichensetzung nicht.

Änderungen:

Seitenangabe originaler Text geänderter Text

Seite 5 [Satz an das Ende der Seite 6 verschoben] »Und nicht wahr, Komtesse, die fehlt Ihnen?« lächelte der Graf.

Seite 7 rief die Komtesse Rosalie, Meladies jüngere Schwecher rief die Komtesse Rosalie, Melanies jüngere Schwester

Seite 9 in dem ihm das geringste Außergewöhnliche schon störte in dem ihn das geringste Außergewöhnliche schon störte

Er soll in seiner Kust ganz Ausgezeichnetes leisten Er soll in seiner Kunst ganz Ausgezeichnetes leisten

Seite 11 Barett auf dem Kopfe mit wallenden schneeweißen Staußenfedern Barett auf dem Kopfe mit wallenden schneeweißen Straußenfedern

Seite 13 das Gesichcht auf die grellste Weise bemalt das Gesicht auf die grellste Weise bemalt

Seite 15 Zeit wenigstens bis nuen Uhr in Anspruch nimmt Zeit wenigstens bis neun Uhr in Anspruch nimmt

Seite 16 zu Diensten -- wenn Exellenz es gestatten zu Diensten -- wenn Exzellenz es gestatten

[Zeile 23 verschoben nach Seite 17, Zeile 10] riesengroßen, farbigen Anschlagzetteln Außer-

Seite 18 In der Reitbhn selber, die durch einen In der Reitbahn selber, die durch einen

sich fünf- oder sechmal dabei überschlagend sich fünf- oder sechsmal dabei überschlagend

Seite 20 dem kleinen Wesen, das in jeder seiner Bewegung dem kleinen Wesen, das in jeder seiner Bewegungen

Seite 25 sprengte das wundeschöne Weib des Kunstreiters sprengte das wunderschöne Weib des Kunstreiters

Seite 32 zum Seilltänzer erzogen ist, denn mit seiner Erscheinung zum Seiltänzer erzogen ist, denn mit seiner Erscheinung

Seite 39 der Bajazzo mit seinen gliederverenkenden Künsten der Bajazzo mit seinen gliederverrenkenden Künsten

Seite 43 die mit feiner, zierlicher Schrift gestochenenen Worte die mit feiner, zierlicher Schrift gestochenen Worte

tönte ihm schon ein lauets »Herein!« tönte ihm schon ein lautes »Herein!«

Seite 53 Sie sind schon längere Zeit versheiratet, Madame? Sie sind schon längere Zeit verheiratet, Madame?

Seite 59 ohne die beiden aber nur im mindesten zu beachten ohne die beiden aber nur im Mindesten zu beachten

Seite 60 die den Tollkopf auch noch zuredete die dem Tollkopf auch noch zuredete

Seite 67 Ueber den Landgrafenplatz welzte sich Ueber den Landgrafenplatz wälzte sich

Seite 70 heimlich, aber deshlab nicht weniger gut gemeint heimlich, aber deshalb nicht weniger gut gemeint

Seite 77 Also befehlen Königlliche Hoheit? Also befehlen Königliche Hoheit?

Seite 81 werden sich überdies bald wieder zurückziehn werden sich überdies bald wieder zurückziehen

Seite 87 sagte in diesem Augenblick eine vorwurfvolle Stimme sagte in diesem Augenblick eine vorwurfsvolle Stimme

Seite 88 die alte Exellenz weiß auch wohl die alte Exzellenz weiß auch wohl

Seite 89 Sie sind unausstehlig heute, Graf! Sie sind unausstehlich heute, Graf!

Frälein von Zahbern wollte etwas darauf erwidern Fräulein von Zahbern wollte etwas darauf erwidern

Seite 101 jetzt, dachdem ich dir erzählt, daß der Hanswurst jetzt, nachdem ich dir erzählt, daß der Hanswurst

Seite 105 Doch ich will der keine Vorwürfe mehr machen Doch ich will dir keine Vorwürfe mehr machen

Jetzt, nachdem ich deine Frau gegesprochen Jetzt, nachdem ich deine Frau gesprochen

Seite 106 und du behälst den Verwalter, der bis jetzt und du behältst den Verwalter, der bis jetzt

Seite 107 fühlst du, dast du bei uns dich heimisch machen fühlst du, daß du bei uns dich heimisch machen

Seite 108 Sie liebt mich als den besten und kühsten Reiter Sie liebt mich als den besten und kühnsten Reiter

Seite 109 und seit ihr diesem Schicksal nicht jede Stunde ausgesetzt? und seid ihr diesem Schicksal nicht jede Stunde ausgesetzt?

Denkt der Soldat an Wunden oder Tod, wenne er dem Feinde Denkt der Soldat an Wunden oder Tod, wenn er dem Feinde

Seite 126 tun sie es nicht, so ist jedes selstständig genug tun sie es nicht, so ist jedes selbständig genug

Seite 137 [Zeile 8 gelöscht weil doppelt] Frisur wieder in Ordnung bringend, die Treppe,

Komtesse Melnaie stand neben ihrer Mutter Komtesse Melanie stand neben ihrer Mutter

Seite 139 wo in aller Welt haben Sie nur den ganze Woche wo in aller Welt haben Sie nur die ganze Woche

sagte sagte der junge Mann leicht errötend sagte der junge Mann leicht errötend

Seite 140 Gesellschaft soll mich nicht abhaltten, mich recht Gesellschaft soll mich nicht abhalten, mich recht

Seite 141 Luise von Merchern, aus einem altadligen Geschlecht stammend Luise von Mechern, aus einem altadligen Geschlecht stammend

Seite 142 an dem jungen Mädchen, und Meanie besonders fühlte an dem jungen Mädchen, und Melanie besonders fühlte

Seite 146 auf dem silbernen Teller bis jetzt vergebenst bemüht auf dem silbernen Teller bis jetzt vergebens bemüht

Seite 147 folgte ihnen bald, sie anscheinend den ausgebreiteten folgte ihnen bald, sich anscheinend den ausgebreiteten

Seite 151 sah unfern von sich den alten General von von Schoden sah unfern von sich den alten General von Schoden

Seite 156 eine solche Damengegesellschaft möchte ich einmal sehen eine solche Damengesellschaft möchte ich einmal sehen

Seite 158 Es ist auch eine der schönsten Melodieen Es ist auch eine der schönsten Melodien

in des Rittmeisters Ohr, Zindem ihr Blick mit einer in des Rittmeisters Ohr, indem ihr Blick mit einer

Seite 162 die verschiedenen Kostüms in Ordnung zu halten die verschiedenen Kostüme in Ordnung zu halten

Seite 169 Was schiert mich die Liebe oder der Haß Was schert mich die Liebe oder der Haß

Seite 174 Versuche es nur einmal ein Jahre mit uns Versuche es nur einmal ein Jahr mit uns

Seite 175 wirklich erlauben, mir mein Kind zu zu stehlen wirklich erlauben, mir mein Kind zu stehlen

Seite 189 zur Erholung von den überstandenen Festliten zur Erholung von den überstandenen Festlichkeiten

Seite 198 eine frohe und glückliche Zeit Zeit verlebt eine frohe und glückliche Zeit verlebt

Seite 199 immer frisch und und kräftig bei der Arbeit immer frisch und kräftig bei der Arbeit

Seite 204 Wie er den Jan mit seinen weiten Hosen sah Wie er den Jahn mit seinen weiten Hosen sah

Seite 210 hohe, milchweise Massen jach empor hohe, milchweiße Massen jach empor

Seite 214 da sie sich für Geld im Zirkuns zeigte da sie sich für Geld im Zirkus zeigte

Seite 215 mir fest versprochen, ihn im Zaune zu halten mir fest versprochen, ihn im Zaume zu halten

Seite 218 noch in der Hand, in die die Tür, um zu sehen noch in der Hand, in die Tür, um zu sehen

Seite 220 Gott danken, wenn's eber nicht schlechter wird Gott danken, wenn's eben nicht schlechter wird

vielleicht ist'n noch länger her, aber ich habe vielleicht ist's noch länger her, aber ich habe

Seite 231 nach Schwerin, um die Papieren des jetzigen Barons nach Schwerin, um die Papiere des jetzigen Barons

Seite 247 Nicht kinderliche Liebe fesselte sie an den alten Mann Nicht kindliche Liebe fesselte sie an den alten Mann

Seite 249 entsetzlich schmutzigen und verbrannten Masekopf sog entsetzlich schmutzigen und verbrannten Maserkopf sog

»Hallo!« sagte Tobias, als der Alte zur Tür hereinkam »Holla!« sagte Tobias, als der Alte zur Tür hereinkam]

End of Project Gutenberg's Der Kunstreiter, 1. Band, by Friedrich Gerstäcker