Der König Candaules: Drama in drei Akten
Part 4
CANDAULES (der fort will): Bloß einen Augenblick -- geh' nun zu Bett, Nyssia -- gleich bin ich wieder bei Dir ... schlaf ... wie bist Du herrlich, Nyssia!
(Nyssia ist fast völlig entkleidet. Gyges betrachtet sie wider seinen Willen, und kommt näher; man fühlt den Kampf und wie er nicht hinsehen will. Im Augenblick, da Nyssia ihren letzten Schleier fallen läßt, geht er auf die Fackel zu und wirft sie zu Boden. Dunkelheit, nur der dämmerige Streifen von der Terrasse her, quer über die Bühne.)
CANDAULES: Gyges!
NYSSIA (bedeckt sich erschrocken): Was ist das?
CANDAULES (sehr erregt und trunken von seinem Tun): Nichts; nichts. Sei unbesorgt -- im Gehen warf ich die Fackel um. -- Schlaf, ich bin gleich zurück.
NYSSIA (legt sich auf's Bett.)
STIMMEN (von draußen): Candaules! König Candaules! Du wirst erwartet!
CANDAULES (ruft): Ich komme. (Er stößt auf Gyges, der gleichfalls fort will, völlig fassungslos, den Mantel vor dem Gesicht.)
CANDAULES (leise): Bist Du's Gyges?
GYGES (sehr leise): Ja, ich bin's.
CANDAULES (befehlend): Bleib! -- (Leise.) Und nun sei alles um mich glücklich! (Ab.)
Vorhang.
DRITTER AKT
Dieselbe Szene und Anordnung wie im ersten Akte. Syphax, Nicomedes und Pharnaces unterhalten sich rechts.
SYPHAX: Und wie gefällt Dir diese Huldigung? Ihr Schluß besonders:
Der Schenk, der kümmert nicht den Zecher, Doch ist der Schenk Candaules, So reich' ich gerne ihm den Becher.
NICOMEDES: Ja, ja, Deine Verse sind ganz nett, aber ich sehe nicht, worin sie sich an Candaules mehr wenden als an irgendwen.
PHARNACES: Und ich seh nicht ein, was Dich das geniert. Was wir an einem Menschen rühmen, sind die Eigenschaften, die ihm nicht eigentlich gehören. Was wir an Candaules lieben, ist sein Reichtum ... (Die Anderen widersprechen.) und seine Freigebigkeit natürlich. Wäre er nicht freigebig, so hätten wir nichts von seinem Reichtum, aber wäre er nicht reich, was hätten wir dann von seiner Freigebigkeit?
NICOMEDES: (lacht.)
SYPHAX: Und er wäre nicht der Candaules meines Gedichtes.
NICOMEDES (wiederholt):
Doch ist der Schenk Candaules, So reich' ich gerne ihm den Becher.
Ich, wenn ich Flasche wäre, ich würde mich bei Candaules bedanken, daß er mich so vielen Leuten auf einmal zur Ergetzung gibt.
PHEDROS und SIMMIAS (sind von rückwärts gekommen, sie bleiben etwas abseits von den Anderen.)
PHEDROS: Und wenn die Flasche sprechen könnte und sagen: ich möchte lieber von Nicomedes als von Candaules getrunken sein, er schmeckt besser, vielleicht hätte es Candaules dann weniger eilig, sie in Dein Glas zu leeren.
PHARNACES: Mein lieber Phedros, nur der schlechte Wein sagt uns: ich möchte von einem Andern getrunken werden. Der gute Wein hat zu mir immer gesagt ...
SYPHAX (unterbricht ihn und zieht ihn am Mantel): Spar Deinen Witz. Kommt mit mir, ich les' Euch meine Verse. Es bleibt uns vor dem Mahl nicht mehr viel Zeit. Kommt Ihr mit, Simmias und Phedros?
PHEDROS: Nein. Eure Verse werden ohne uns Euch besser vorkommen; Ihr werdet glauben, ein ganz persönliches Gefühl viel besser auszudrücken, seid Ihr nur zu Dritt.
NICOMEDES: Verzeiht, ich drücke überhaupt nichts aus: ich begleite nur.
PHEDROS: Und wir begleiten nicht. (Die Anderen links ab. Phedros und Simmias gehen zu einander). Lassen wir sie, Simmias. Unser Platz ist nicht bei ihnen.
SIMMIAS: Ist er es mehr in diesem Hause, Phedros?
PHEDROS: Du hast Recht. Hast Recht! Wir geh'n.
SIMMIAS: Und verlassen Candaules?
PHEDROS: Ich liebe ihn und schätz' ihn hoch. Seit gestern ist er schweigsam, schließt sich ein und meidet uns. Was kann ihm auch unser Rat, Simmias?
SIMMIAS: So willst Du weg, ganz ohne Abschied?
PHEDROS: Einmal noch möcht' ich mit ihm sprechen, mit ihm allein.
SEBAS und ARCHELAOS: (sind von rechts gekommen; sie prüfen die Vorbereitungen zum Mahle).
PHEDROS: Lebt wohl, Sebas, Archelaos! Trinkt und eßt und freut Euch an alldem!
SEBAS: Wie? Ihr geht?
PHEDROS: Lebt wohl!
ARCHELAOS: Ihr tut nicht recht.
SEBAS: Seht, schon ist für ein neues Gelage der Tisch gedeckt.
PHEDROS: So bleibt Euch mehr. Komm, Freund.
PHEDROS und SIMMIAS: (links ab).
SEBAS und ARCHELAOS (sehen sich an und zucken die Schulter).
ARCHELAOS: Hast Du Hunger?
SEBAS: Ja.
ARCHELAOS: Schon?
SEBAS (klagend): Archelaos, ich werde fett.
ARCHELAOS: Iß weniger.
SEBAS: Da könnt' ich mager werden.
ARCHELAOS: Dann kannst Du nachher um so mehr essen.
SEBAS: Glaubst Du? Du dürftest wahrhaftig Recht haben. Ich lege diese Feige wieder zurück und kann dann mehr davon zu Mittag essen.
PHILEBOS (sehr schnell von rechts): Habt Ihr Pharnaces und Syphax gesehen?
ARCHELAOS: Sie waren --
SEBAS (unterbrechend): Da sind sie.
(Nicomedes, Syphax und Pharnaces kommen von links. Philebos läßt sich auf eine Bank fallen und hält sich erschöpft die Seiten.)
NICOMEDES: Hast Du Candaules gesehen, Philebos? Wir suchen ihn überall.
PHILEBOS: Grad hab' ich ihn verlassen.
SYPHAX: Wo ist er denn?
PHILEBOS: Überall und nirgends. Er streift umher, gehetzt, gejagt ... Ach, meine Freunde, Laßt mich lachen! -- Was eine köstliche Geschichte, ah -- (Wie außer Atem von Lachen.)
PHARNACES und SEBAS: Was ist? Was soll's?
PHILEBOS: Ihr wißt doch, dieser Ring, an dem Sebas fast erstickt wäre --
ARCHELAOS: Verzeiht, _ich_ wär' beinah' daran erstickt.
PHILEBOS: Das ist ja gleich.
ARCHELAOS: Mir ist das gar nicht gleich.
PHILEBOS: Um so schlimmer. -- Laßt mich erzählen: Du erinnerst Dich doch, Pharnaces, an die griechischen Worte, die Du in dem Ring geschrieben fandest?
SEBAS: Verzeiht, verzeiht! Die hat Phedros gefunden.
PHILEBOS: Aber -- unterbrecht mich doch nicht immer.
NICOMEDES: Erzähl! } } PHARNACES: Erzähl' nur! } (Gleichzeitig!) } SYPHAX: Wir sind ganz Ohr! }
PHILEBOS: Ich weiß nicht, wie und wodurch es geschah, daß der König, der erst noch so beunruhigt von den eingeritzten Worten war, den Ring in seiner Hand vergessen konnte. Ich glaube, Gyges, der Fischer, war die Schuld. Ach, Freunde! wünscht Ihr die Fortsetzung? Es ist zu komisch ...
DIE ANDEREN: Erzähl! So sprich doch!
PHILEBOS: Ich weiß gar nicht, gar nicht, wie ich's erzählen soll.
NICOMEDES und PHARNACES: Ach was! Fang einmal an. Erzähl!
PHILEBOS (den das Lachen schüttelt.): Nein ... wenn Ihr den König hättet sehen können.
SYPHAX: Weshalb? Was macht er denn?
PHILEBOS: Er sucht.
SYPHAX und PHARNACES: Er sucht? Was sucht er denn?
PHILEBOS: Den Ring! -- -- Hört zu, hört zu ... Es ist das tollste aller Abenteuer. (Die Anderen haben sich alle um Philebos gruppiert, der immer auf der Bank sitzen bleibt.) Es scheint, daß gestern -- Morgen -- wozu? Das weiß ich nicht, und wie? Das weiß ich auch nicht -- kurz, daß gestern Morgen Candaules diesen Ring an seinen Finger steckte. Er war mit uns. Ihr wißt doch noch, er war mit uns. Und plötzlich war er verschwunden und wie wir ihn da suchten --
ARCHELAOS: Ja, ja. Weshalb ging er denn weg?
PHILEBOS: Er ging nicht weg.
PHARNACES, NICOMEDES: Erklär' doch deutlich. Erzähl doch weiter.
PHILEBOS: Scheint, daß der König -- doch Ihr werdet's mir nicht glauben!
DIE ANDEREN: So erzähl' doch! Was war's?
PHILEBOS: Und dieses war der Sinn der beiden griechischen Worte ... (Ernst.) Man sieht den nicht mehr, der den Ring am Finger trägt.
NICOMEDES: Was sagst Du da?
PHILEBOS: Der Ring macht seinen Träger unsichtbar.
DIE ANDEREN (lachend): Die Geschichte ist nicht übel.
PHILEBOS: Hört doch das Ende. Und das ist nicht das Hübsche der Geschichte. -- Candaules überrascht, sprach nichts. Und da er selber es kaum glauben wollte -- so wenigstens hat er mir es gesagt -- wollt' er sich von der Macht des Ringes an irgend Einem überzeugen: Der Gyges war gerade da, und ohne weiter nach einem Anderen zu suchen, gibt er ihm den Ring. Gyges nahm ihn ... nichts mehr!
SEBAS und ARCHELAOS: Wieso? Wieso nichts mehr?
PHILEBOS: Nichts mehr. Hat Gyges seine schnelle Macht verstanden? Fest steht, daß er stillschweigend verschwand. Gyges trägt den Ring, der Ring verbirgt den Gyges. Er ist verschwunden, ohne Spur verschwunden ... Candaules hat gut suchen. So dumm ist Gyges nicht. Er ist durchaus verborgen.
GYGES (ist währenddem von rechts ganz langsam gekommen, so daß er am Ende von Philebos Erzählung diesem direkt gegenüber und inmitten der Zuhörer steht; er bleibt unbeweglich, den Rücken gegen das Publikum.)
PHILEBOS: Der, ohne zu sehen, zu finden weiß, muß gar geschickt sein. Candaules irrt umher und ruft und frägt: Habt Ihr Gyges nicht gesehn? Habt Ihr meinen Ring gesehn? Doch -- wer kann die Beiden sehen? Nun hat Candaules seinen Herrn gefunden. Wo immer Gyges sein will, dort kann er sein.
DIE ANDEREN: Wunderbar! Ganz wunderbar!
PHILEBOS: Aber nichts weniger als angenehm. Vor ihm ist jeder von uns ohne Augen. Was kann man gegen einen, den man nicht sieht? Was tun wir, frag ich Euch? Wenn plötzlich seine Stimme da unter uns sagt, daß er da ist, daß er da unter uns ist, hört was wir sagen und uns Dummköpfe nennt?
GYGES (laut): Dummköpfe!
(Beim Ton von Gyges' Stimme zerstieben die Herren nach allen Seiten. Im Eifer der Flucht rennt Archelaos an einen Baum, und in der Meinung, an Gyges gerannt zu sein.)
ARCHELAOS: Oh ... verzeiht ...
(Kaum ist Gyges allein, stürzt er wie von Schande und Verzweiflung vernichtet zu Boden, gegen die Bank hin, auf der Philebos saß.)
GYGES: Mein Ring! Mein Ring! (Er drückt ihn an die Lippen.) Ach! Verbirg mir mein Denken!... Allen jagst Du Furcht und Angst ein, unsichtbarer Gyges. Ring! Was kannst Du mich mir selber nicht unsichtbar machen! Gyges hat Angst vor Gyges. (Er verhüllt sein Gesicht in den Händen und schauert.) Hab' ich Dir weh getan mit meinen allzuwilden Küssen? -- Von Liebe voll und von Entsetzen floh ich. Schlafend ließ ich sie auf ihrem Bette hingestreckt, lief in die Nacht, lief wie ein Dieb, im Morgentau der kalten Wiesen das Fieber meinen Händen abzuwaschen, das Grauen von meinem Denken, die Schande von meiner Stirn und das Verbrechen meines Herzens ... Da kommt wer ... Nyssia! (Er bleibt auf der Erde und drückt sich an die Bank, da er Nyssia hört.)
Dritte Szene.
NYSSIA (an Candaules gelehnt. Sie kommen näher und setzen sich beide auf die Bank): Wie, mein Gebieter, das ist Eure Sorge? Was hat doch dieser Ring, daß sein Verlust Euch so bewegt? Ist's deshalb, daß Ihr mich heut' morgen so früh verließet? Im Morgendämmer, ermattet noch und kaum erwacht, da suchten meine Hände Euch und fanden nichts sonst, als eine kalte Stelle. Konntet Ihr mich so verlassen? Ah! Ihr wußtet nicht, was mein Erwachen Euch noch aufbewahrte!... -- Und dann, nachher, als ich Euch wiedersah im Garten, da waret Ihr nicht mehr so voller Liebe, wie in dieser Nacht. Da waret Ihr unruhig; -- was habt Ihr? -- Ihr geht fort? Ich bin eifersüchtig auf den Ring; er ist Euch wichtiger als ich. Ihr sagt mir nichts? Wie undankbar ist Euer Mund! Was liegt mir an dem Ring? Ihr habt doch andere genug!... Ihr, die Ihr immer schenkt, denkt einfach, Ihr hättet ihn verschenkt.
CANDAULES: Nur _sehen_ möcht' ich ihn.
NYSSIA: Das werdet Ihr. Doch scheucht die Falten da von Eurer Stirn. Der Morgen ist so schön! -- Seht, in dieser klaren Luft scheint alles mir verliebt und lachend wie wir selber ... Fast bin ich müd' von dieser Nacht ... Ach, mein Gebieter, schöner als der Tag ist mir Eure Liebe, und diese Nacht war mir ...
CANDAULES (unterbricht): Sprich mir nicht mehr von dieser Nacht, mein Weib.
NYSSIA: Ich kann sie auch verschweigen, doch sagt sich Eure Nyssia die Küsse alle wieder, einen um den andern. -- Oh, von allen unsern Nächten diese Nacht der Liebe schönste! --
CANDAULES: Die schönste, sagst Du, Nyssia? -- die schönste?
NYSSIA: Was erstaunt Ihr? Was hab' ich denn gesagt? Was habt Ihr?
CANDAULES: Die schönste ... weshalb?
NYSSIA (errötend): Oh, Ihr macht Euch lustig über mich ... Weshalb erhebt Ihr Euch? -- Ihr geht? Was habt Ihr?
CANDAULES (für sich): Du, Candaules, eifersüchtig? -- Schweig, schlechte Leidenschaft. (Er macht eine Geste des sich Bezähmens.) Verzeiht ...
NYSSIA (will ihn auf die Bank ziehen, faßt ihn am Kleid.)
CANDAULES: Nein, -- lass' mich. (Er befreit sich.) -- (Für sich.) Die schönste!... Die ... Ich muß den Gyges sehn. (Zu Nyssia, von der er sich etwas nach links entfernt hat.) Da unten seh' ich Phedros ... Verzeiht -- gleich bin ich wieder bei Euch. Nein! Folgt mir nicht. -- Laß mich, Nyssia.
NYSSIA: So wart' ich hier auf Euch. --
GYGES (hat sich während des Letzten nach und nach aufgerichtet).
Vierte Szene.
GYGES (leise): Die schönste aller Nächte!... Genug! Mein Ring -- genug! (Er reißt den Ring von seinem Finger.) Und wenn ich daran sterben muß --! (Er nähert sich der Königin.) Königin!
NYSSIA (läßt überrascht den Schleier über das Gesicht fallen): Ach! Habt Ihr mich doch erschreckt! -- Ich hörte niemand kommen.
GYGES (vor ihr gebeugt): Königin ...
NYSSIA: Was wollt Ihr?
GYGES (reicht ihr den Ring): Der Ring, den der König sucht -- hier ist er.
NYSSIA: Da Ihr es wußtet, daß er ihn sucht, was gabt Ihr ihn nicht früher?
GYGES: Euch wollt' ich ihn zuerst geben.
NYSSIA: Doch -- wie kommt Ihr zu dem Ring?
GYGES: Der König gab mir ihn.
NYSSIA: Und wenn er Euch ihn gab, was sucht er ihn?
GYGES: Nicht, um den Ring zu sehen, doch mich, der ihn trug.
NYSSIA: Ich versteh Euch nicht ... Wer seid Ihr? Ihr war't nicht, glaub ich, gestern bei dem Fest?
GYGES: Ich kam erst spät ... als es zu Ende ging ... Ich bin Gyges: -- Erinnert Ihr Euch nicht des Fischers Gyges, um den Ihr letzte Nacht Candaules fragtet: «Der arme Fischer -- was ist aus ihm geworden?». Der bin ich.
NYSSIA (zuerst etwas verwirrt): Wie sollte ich Euch wieder erkennen, so reich gekleidet? -- Des Königs Güte gab Dir das?
GYGES (verwirrt): Ja, Königin; er gab mir alles das ... alles das -- und diesen Ring hier. (Er beugt sich wieder vor ihr und reicht ihr den Ring.)
NYSSIA: Ich will ihn dem König wiedergeben.
GYGES: Ein Wort noch, Königin, ich bitt' Euch ... dieser Ring ...
DIE KÖNIGIN (betrachtet den Ring und will ihn anstecken.)
GYGES: Ah! Steckt diesen Ring nicht an!
NYSSIA: Weshalb nicht?
GYGES (ängstlich vor dem, was er sagen will): Der Ring ...
NYSSIA: So sprich doch, sprich --
GYGES: Macht unsichtbar den, der ihn trägt.
NYSSIA (lächelnd): Ein ganz kostbarer Ring und ich verstehe nun, weshalb Candaules ihn so suchte.
GYGES: Und auch vielleicht, warum er ihn nicht fand.
NYSSIA (wird unruhig): Du verbargst Dich, Gyges?
GYGES: Der Ring verbarg mich.
NYSSIA: Doch, sag ... weshalb denn gab der König Dir den Ring?
GYGES: Um selber ungesehen zu sehen.
NYSSIA: Und was ... was konnte denn der König so zeigen wollen?
GYGES (fällt vor Nyssia auf die Knie): Euch Nyssia! -- (Gleichzeitig hält er ihr einen Dolch hin, den Nyssia instinktiv ergreift.) Stecht zu! Stecht zu!... Ich war's, der diese Nacht ... ich ließ Euch schlafend diesen Morgen ... Ach! Ich hätte schweigen können und Ihr, Ihr hättet's nie erfahren, doch war ich da, als Ihr es sagtet, daß diese Nacht der Liebe von allen Euren Nächten ...
NYSSIA (deren Verwirrung mit jedem Wort des Gyges zunimmt und die mit jedem Wort zu verstehen anfängt, schreit auf): Candaules! -- (Sie schreit wild auf.) Ich hielt mich für geliebt.
GYGES (erhebt sich ein wenig): Ihr seid es, Königin ...
NYSSIA (in jähem Zorn): Was sagst Du?
GYGES: Ihr seid geliebt, Nyssia.
NYSSIA (gibt ihm, wie von diesem Worte zu einem plötzlichen Entschluß gebracht, den Dolch in die Hand): Geh! Erschlag' ihn!
GYGES (in tiefer Ergriffenheit): Wen?... Ihn?
NYSSIA: Erschlag ihn!
GYGES (läßt den Dolch zur Erde fallen): Ich kann nicht. Mein Freund!...
NYSSIA: Und er war mein Gemahl! Töte ihn.
GYGES: Ich kann nicht ... er war's, der mir es gab.
NYSSIA: Er war's, der mich verriet. (Sie zerreißt ihren Schleier.) Einer von Euch Beiden muß es sein, der stirbt ... Nimm den Ring!
GYGES (bestürzt): Wie? Ohne mich zu zeigen?
NYSSIA: Für mich hast Du Dich gut verborgen!
GYGES: Er hat mir den Ring gegeben --
NYSSIA (verzweifelt vor diesem Widerstand): Es muß doch Einer von Euch Beiden eifersüchtig sein! (Sie stürzt Gyges um den Hals und küßt ihn in wilder Wut.) Oh! Du wirst ihn erschlagen, Gyges, nicht wahr? Du wirst ihn erschlagen! -- Den Ring! Nimm doch den Ring. (Sie steckt ihm den Ring an den Finger.) Und da ... den Dolch. Verbirg Dich! Der König!
CANDAULES (kommt im Gespräch mit Phedros).
NYSSIA und GYGES (ziehen sich nach rückwärts zurück).
Fünfte Szene.
CANDAULES (leise zu Phedros): Nein, Phedros, wenn Du mich liebst, so bleibst Du noch zu diesem Mahl. Es ist das letzte, sag' ich Dir; das letzte ... Sie werden mit dem Trinken noch nicht fertig sein, da sag ich: Nun laßt mich. Das Haus, die Feste sind nun für mich allein, für mich und Nyssia ... Und Nyssia, Du weißt: nun halt' ich sie für mich und fern von Allen im Schatten wohlverschlossen, wie ein Parfüm, das allzu leicht verduftet ... Genug davon. Du bleibst zum Fest?
PHEDROS: Ich bleibe.
CANDAULES: Laß mich nun.
PHEDROS (ab).
CANDAULES (zu Nyssia): Das Festmahl ist bereitet ... Bald ist's Mittag, die Zeit, da meine Gäste kommen. Nyssia -- bis zu Eurem Gemach begleit' ich Euch. (Er nähert sich ihr, sie weicht zurück.)
GYGES (ist ein Weniges hinter ihr).
NYSSIA: Nein. -- Ich bleibe bei Eurem Fest.
CANDAULES: Wie? Ihr wollt? (Er bemerkt die Erregung der Königin.) Was habt Ihr, Nyssia?
NYSSIA (geht weiter zurück und gegen das Unsichtbare gewandt): Stoß zu! Stoß zu, Gyges! -- Gib Acht, Candaules ... (Ängstlich.) Stoß zu! -- So stoß doch zu!... Ah!
GYGES (erdolcht Candaules, da dieser unruhig wird).
CANDAULES: Wie! Du bist's, mein Gyges?! Warum erschlägst Du mich? -- Nichts fühlt' ich sonst in mir als Güte, Nyssia!... Gyges, ich hab Dir auch den Dolch gegeben. Gib den Ring fort ... ich möcht' Dich sehen.
(Gyges zaudert einen Augenblick und wirft den Ring weit von sich).
(Gyges erdrückt vor Schrecken und Verzweiflung, kniet hin und beugt sich über Candaules): Candaules! mein Freund ...
CANDAULES (stirbt).
NYSSIA (zieht ihn am Kleide): Erhebt Euch, König Gyges.
GYGES (verstört): Ich! Gyges ... König.
NYSSIA: Ihr seid mein Gemahl und ich die Königin. Da kommen unsre Gäste. Steht auf! (Sie nimmt das Diadem vom Haupte des Candaules.) Nehmt die Krone. -- Ah! Der Schleier erstickt mich. (Sie reißt ihn völlig ab.)
DIE GÄSTE (kommen etwas näher. Bewegung.): Candaules! Oh! wie schrecklich!
SYPHAX (hält Phedros zurück und zeigt ihm Gyges): -- Gebt Acht!
NYSSIA (königlich an Gyges Arm): Ihr werten Herren, kommt! Das Mahl erwartet Euch. (Schamlos.) -- Archelaos! Heut' Abend werden wir Tänzerinnen haben.
PHEDROS (geht mit Simmias fort).
GYGES (der sich allmählich faßt): Setzt Euch, Ihr Herren. (Feindlich zu Nyssia) Dieses Antlitz so schön, hohe Frau, ich glaubte, es solle verschleiert bleiben.
NYSSIA (verächtlich): Für Euch verschleiert, Gyges! Candaules hat meinen Schleier zerrissen.
GYGES (wirft ihr sehr brutal einen Zipfel ihres Gewandes über das Gesicht): Dann näht ihn wieder zusammen.
SYPHAX (aus der geräuschvollen Bewegung, die diesen Worten folgt): Auf, werte Herren, trinken wir auf das Glück des Gyges.
Vorhang.
[ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile steht.
ein Bild kommen läßt, das schon alles Eposidische, Bizarre und ein Bild kommen läßt, das schon alles Episodische, Bizarre und
antwotete er. «Ich, ich kenne nur Nero.» antwortete er. «Ich, ich kenne nur Nero.»
verschwunden ist. Hinwider ist die Zeit, da siegte was Condercet die verschwunden ist. Hinwider ist die Zeit, da siegte was Condorcet die
Es ist klar, daß die neuen gesellschaftlichen Formen die neuen Es ist klar, daß die neuen gesellschaftlichen Formen, die neuen
Zweite Szene: Zweite Szene.
DIE KÖNIGIN (zu Candaules) Ihr scheint, Gebieter, zu vergessen, daß DIE KÖNIGIN (zu Candaules): Ihr scheint, Gebieter, zu vergessen, daß
PHILEBOS: Und ihr, Frau Königin was denkt Ihr von dem Mitbesitz und PHILEBOS: Und Ihr, Frau Königin was denkt Ihr von dem Mitbesitz und
PHARNACES: εὐτυχίαν κρὐπτω PHARNACES: εὐτυχίαν κρύπτω
PHARNACES Und öfter noch findet man überhaupt nichts. PHARNACES: Und öfter noch findet man überhaupt nichts.
Was wüßt ihr von meinem Glück!? Was! Was wißt ihr von meinem Glück!? Was!
Was wisst Ihr von meinem Glück? Weiß ich denn selbst davon? Kann man sein Was wißt Ihr von meinem Glück? Weiß ich denn selbst davon? Kann man sein
PHARNACES: Na weist Du, ich hab' schon Bäuerinnen gesehen, die nicht ... PHARNACES: Na weißt Du, ich hab' schon Bäuerinnen gesehen, die nicht ...
CANDAULES: Dann' sag mir noch, ... wie ... wie reich? CANDAULES: Dann sag mir noch, ... wie ... wie reich?
CANDAULES (ein wenig erregt) Später, später! -- Bleib, Gyges. Hör: -- CANDAULES (ein wenig erregt): Später, später! -- Bleib, Gyges. Hör: --
GYGES: Wär' ich _so_ Dein Freund, Gyges? GYGES: Wär' ich _so_ Dein Freund, Candaules?
NYSSIA: Seid sie hier sind, sah ich Euch fast kaum ... Ihr wißt nicht NYSSIA: Seit sie hier sind, sah ich Euch fast kaum ... Ihr wißt nicht
Schönheit liebt. (Sie lacht nnd will selbst die Fackel löschen.) Schönheit liebt. (Sie lacht und will selbst die Fackel löschen.)
gestern morgen Candaules diesen Ring an seinen Finger steckte. Er war gestern Morgen Candaules diesen Ring an seinen Finger steckte. Er war
Herzens ... Da kommt wer .. Nyssia! (Er bleibt auf der Erde und drückt Herzens ... Da kommt wer ... Nyssia! (Er bleibt auf der Erde und drückt
]