Part 10
Und wenn ich jetzt wieder fortginge, der Hof würde auf mich warten. Und ich würde es spüren, Margarete. Immer würde ich ihn vor mir sehen, wie er wartet. Wie er da oben steht im rauschenden Regen, im peitschenden Sturm oder im lautlosen Schnee. Tag und Nacht würde ich ihn vor mir sehen, wie er wartet, daß ich wiederkomme.
... und, o Margarete! ich würde wiederkommen, denn der Hof gibt mich nicht frei ...«
Darauf wußte Margarete offenbar nichts zu erwidern, denn es entstand ein langes Schweigen, und Stephan hatte einen Moment lang das Empfinden, als ob der feine silberne Nebel zerrinne. Er hielt den Atem an, um sie nicht zu verscheuchen, und endlich redete sie wieder, aber diesmal langsam und zögernd, als hinge ein schweres Gewicht an jedem Wort:
»Du bist nicht frei ... und weil du nicht frei bist, so mußt du dich frei machen. Was aber heißt frei sein? ... Frei sein heißt froh sein; froh sein heißt stark sein; stark sein aber heißt Herr sein. Nicht Herr über einen Hof und über ein paar Knechte, sondern Herr sein über die Dinge, die man liebt. Das ist nicht leicht, Stephan. Aber wenn der Feind ein Land bedrängt, was tut das Volk? ... Es reißt seine Brücken, seine Dörfer, seine Wälder ein, um die Hauptstadt zu sichern ... denn es gibt immer noch eine größere Liebe ...
Bei dir handelt es sich auch um einen Feind. Allerdings um einen unsichtbaren. Nenne ihn Pflicht oder Angst oder wie du willst. Aber der Weg, auf dem er herankommt, ist etwas Sichtbares, etwas Äußerliches ... der Hof. Aber etwas Äußerlichem kann man an den Leib, und etwas Sichtbares kann man unsichtbar machen ... dann bist du frei ...«
Nun erschrak Stephan so heftig, daß er wie in Abwehr beide Hände von sich streckte und dabei unversehens den silbernen Nebel zerriß. Da sah er, daß er allein auf dem mondbeschienenen Felde stand. Ein unbekanntes Grauen schüttelte ihn, und seine Zähne schlugen fröstelnd aufeinander trotz der warmen, schwülen Nacht. Wie gehetzt lief er an den schweren, blinkenden Garben vorbei und hielt erst inne, als er auf die Höhe kam.
Dort oben stand sein Hof alt und grau, ernst und feierlich wie eine Kirche. Stephan aber wagte nicht, ihn anzuschauen. Mit gesenktem Blick, als hätte er Verrat im Sinne, ging er durch das Tor.
Achtundzwanzigstes Kapitel
»... weil ich frei sein will,« sagte Stephan, »und weil der Freiheit nichts im Wege stehen darf ... nichts ... selbst du nicht, du alter ehrwürdiger, du heiliger Hof ...«
Und er streichelte die alten Mauern scheu und zärtlich, als wären sie Grabsteine, und trat leise und behutsam auf, als träte er geweihten Grund.
Und allen im Hause, besonders aber Maria, hätte er gerne gesagt, sich den Hof noch einmal anzuschauen, sich jede Wand und jeden Winkel einzuprägen, damit sie ihn zeitlebens in Erinnerung behalten. Aber er konnte das niemand sagen, denn es hätte ihn keiner verstanden. Und weil er also schweigen mußte und genau wußte, daß es gerade Maria am schwersten treffen werde, war er ihr gegenüber so voll Zartheit und Liebe, ungefähr wie jemand, der eine große Schuld zu tilgen hat.
Lange, lange saßen sie diesen letzten Abend beisammen und redeten wieder einmal vom Vater, der nun schon so lange tot war. Und weil der Tod des Vaters so innig mit der neuen Villa zusammenhing und das ein Boden war, den sie noch immer nicht zu betreten wagten, sprang das Gespräch auf Therese über, auf ihren Mann und den Kleinen, der als ein echter Bauernsohn rund und rotbäckig gedieh. Zum Schluß aber redeten sie über die Ernte. Über den Segen, der von den Feldern in die Scheunen strömte, ein Segen, so ausgiebig, wie sie sich auf keinen zweiten besinnen konnten. Endlich aber stand Maria auf, richtete noch Kleinigkeiten da und dort und wünschte Stephan gute Nacht. Da hielt er ihre Hand länger als gewöhnlich, und es schien, als ob er ihr noch etwas sagen wollte. Aber er sagte nichts und ließ sie gehen.
Eine Weile blieb er noch in der Stube vor der brennenden Lampe sitzen, dann löschte er sie aus und ging ebenfalls in seine Kammer. Dort machte er aber kein Licht wie gewöhnlich, sondern setzte sich an sein Bett und wartete.
Eine Stunde mochte er so gewartet haben, dann erhob er sich und schritt hinaus. Voll und weiß stand der Mond am Himmel, und der ganze Hof sah aus, wie aus einer silbernen Flut gezogen.
Stephan aber gab sich jetzt nicht mehr ab mit schwärmerischen Gedanken. Abschied hatte er von dem Hof schon genommen.
Vorhin schon ...
Ohne jede Hast oder Überstürzung, mit klarem Kopf und ruhiger Hand ging er ans Werk. Und während er über den Hof nach der Scheune schritt, dachte er: »Ich bin nicht wahnsinnig, o nein! Ich will frei sein, und frei sein heißt Herr sein über die Dinge, die man liebt ...«
Das Tor knarrte leise, als er es öffnete; und der Hund an der Kette hob den Kopf und spitzte die Ohren. Stephan nickte ihm beschwichtigend zu. Dann drängte er sich in die Scheune und konnte beinahe nicht hinein, so voll stak sie von oben bis unten mit schwerem ungedroschenem Korn. Wie eine Mauer erhob es sich links und rechts und knisterte dürr, als Stephan daran streifte ...
»... Weil ich frei sein will ...« sagte er noch einmal. Dann flackerte das Zündholz auf, und er hielt es unter die hängenden Halme. Eine Weile wartete er noch, um sich zu vergewissern, daß die Flamme faßte; dann ging er in das Haus zurück und läutete mit weitausholenden Schwingen die Alarmglocke. Und gleich darauf mischte sich in das Kreischen der Alarmglocke das langgezogene, wimmernde Heulen des Hundes. Da hörte Stephan zu läuten auf und befreite den Hund. Währenddem erschienen notdürftig angezogen Knechte und Mägde, die kopflos durcheinander fuhren und mit mächtigen Eimern zum Brunnen liefen. Aber Stephan schickte sie mit donnernder Stimme hinein in das Haus, ihre eigenen Sachen zu retten. Dann ging er in den Rinderstall und löste die eisernen Ringe von den Mauern, woran die Tiere gehalten waren. Mit gereiztem Gebrüll strömten sie ins Freie und rasten schweifschlagend aus dem Bereich der rauchgebeizten Luft. Beim Schweinestall entstand Verwirrung. An zwanzig bis dreißig kegelten, kugelten sie heraus, und einen Augenblick schien es, als liefen sie direkt in die Flammen. Dann aber erkannten sie die Gefahr und schossen nach unten. Die Hühner flogen kreischend in die Höhe, wußten nicht wo aus und ein und flatterten endlich mit den Funken in den Flügeln dem Walde zu.
Unterdessen hatte das Gesinde seine Habe gerettet.
Bündel um Bündel trugen sie hinunter auf die Wiese und legten sie zu Füßen des Kreuzes, das die Klausenbäuerin in jenem heißen Sommer hatte hinausschaffen lassen. Es war auch die höchste Zeit, denn klingend und krachend sank die Scheune zusammen und sandte aus ihrem geborstnen Leib einen riesigen, glühenden, schaumigen Strahl hinüber zum Hof. Und noch einen ... und noch einen ...
Stephan wußte jetzt, daß der Hof verloren war. Darum ließ er die Leute mit ihren Eimern gewähren und sah sich nach Maria um.
Sie stand beim Kreuz vollkommen untätig, die Augen auf die spritzenden Flammen gerichtet, die Finger ineinander, den Mund hilflos verzogen. Aber es rührte ihn nicht, und er empfand keine Scham über seine Tat. Erst als sie wild aufschluchzte und ihr Körper krampfhaft in seinen Armen zuckte, dachte er:
»Mein Gott ... es war ja ihr Heim.«
Er ließ sie ausweinen, und als sie endlich ruhiger wurde, sagte er so sanft und gut wie er nie geredet hatte:
»Höre, Maria, ... ich glaube nicht, daß etwas Lebendiges umgekommen ist, aber die Katze ... sag, hast du die Katze gesehen ...?«
Was er wollte, gelang ihm, denn Maria zwang ihre Gedanken und dachte an die Katze, die sie als braves Hausmütterchen immer gut gehalten hatte. Verstört und verweint, aber doch gefaßt, schaute sie suchend umher. Die Katze war aber nirgends zu sehen. Da fiel ihr denn ein, daß die Katze umgekommen sein müsse, weil sie ja immer in der Küche oben auf den Kacheln schlief und die Küchentüre sicher kein Mensch geöffnet hatte. Nun weinte sie abermals, doch jetzt weinte sie um die Katze; und Stephan fühlte, daß dieser neue Kummer, der sanft und harmlos war, den Schmerz von vorhin leise und unmerklich verdrängte. Da wurde er wieder froh und zuversichtlich, blieb aber voll Ernst und Schonung Maria gegenüber. Gerne hätte er ihr alles gesagt, aber er spürte, daß sie ihn jetzt im Angesichte des brennenden Hofes, der ihnen so lange Welt und Heimat war, nicht verstanden und ihm nicht verziehen hätte. Aber er ließ ihre Hände nicht los und führte sie herum, wie man Kinder führt. Aber immer so, daß sie den Hof im Rücken hatte ...
Und abseits von ihnen stand das Gesinde, müßig und erregt, und schaute zu, wie der Wind in die Windmühle griff und ihre feurigen Räder herumriß, bis sie knisternd zerstoben.
Neunundzwanzigstes Kapitel
Frau Therese hatte Einquartierung bekommen.
Alle seine Leute und alle seine Tiere -- die Katze ausgenommen -- hatte ihr Stephan gebracht. Da gab es Arbeit in dreifacher Fülle. Maria stand Therese treulich bei, und auch Stephans Gesinde tat das seine. Aber es war nicht sehr viel, denn Stephan kundschaftete nach Bauernhäusern, die Knechte und Mägde brauchten, und schickte bald den einen, bald den andern, um sein Büchel zu zeigen.
Und als der letzte Knecht und die letzte Magd versorgt war, führte Stephan lange Reden mit Therese, wobei sie oft zornig und unwirsch wurde; und zum Schluß doch immer nachgeben mußte, weil Stephan kein Strichelchen von dem Gesagten änderte, was da war, daß er den Klausenhof nicht mehr aufbauen lassen werde und daß er überhaupt aus der Gegend gehe ... nach Wien vielleicht.
Und eines Tages kam ein alter Advokat aus Bozen, der das Vermögen der Klausen in drei gleiche Teile teilte. Da erwarb Therese alle Wiesen, Felder und Hänge, die nah und fern zum Klausenhof gehörten, und Stephan und Maria erhielten viel bares Geld.
Nun war alles geordnet, und nur eines blieb Stephan noch zu ordnen. Und es war höchste Zeit dazu, denn die grünen Fensterläden an den Villen auf den Höhen schlossen sich einer nach dem andern. Aber noch mußte er warten, bis die Anzüge aus Innsbruck kamen. Allerfeinste Anzüge, die er sich bestellt hatte, denn in dem lümmelhaften Bauerngewand -- kurze Joppe, kurze Hose -- konnte er um kein Mädchen freien. So vergingen die Tage, und es ereignete sich nichts Besonderes. Nur einmal wurde die Gleichmäßigkeit der Woche unterbrochen, und das war, als eines Nachmittags ganz unerwartet der Josef kam. Vor einiger Zeit war ihm seine Mutter gestorben, und da mochte ihn wohl Trauer und Einsamkeit zu den alten Freunden getrieben haben. Vielleicht! denn noch hatte er kein Wort über die Mutter oder über die Einsamkeit gesagt und nur über den Wald und sein Gewehr und die früheren Zeiten geredet. Aber voll Vorsicht und Schonung, damit niemand wehmütig zumute würde. Und dabei sah er manches Mal auf Maria, die es aber gar nicht merkte, denn sie nähte an einem Höschen für Theresens kleinen Schatz. Aber trotzdem sie sehr eifrig nähte, wurde das Höschen doch so schnell nicht fertig, denn sie nähte ganz verkehrt und merkte es auch nicht. Und nach einer Weile saßen sie gar allein, da Therese anderswo zu tun hatte und Stephan auch plötzlich verschwunden war. Nun hätte Josef eigentlich sagen können, warum er gekommen sei, denn vielleicht war es nur etwas für Maria. Aber ein feiner Instinkt hielt ihn davor zurück. War es die Blässe ihrer Züge? war es das Zittern ihrer Hände? Er wußte es nicht.
Nur daß Wunden in Frauenherzen wie Wunden in Blüten sind ... so verheerend und so schwer heilbar, wußte er. Darum verschwieg er, warum er eigentlich gekommen war, und redete weiter über den Wald und über die früheren Zeiten. Aber etwas in Marias scheu gesenkten Augen gab ihm Glauben und Gewähr für die Zukunft ...
-- -- Endlich kamen auch Stephans Kleider aus Innsbruck.
Keuchend und schwitzend brachte sie der alte Briefträger herauf, und Stephan gab ihm selig ein reichliches Trinkgeld. Dann ging er mit dem schweren Pack in die Kammer, die ihm Therese eingeräumt hatte, und probierte. Er suchte den feinsten und schönsten Anzug heraus. Darin wollte er bei ihrer stolzen Mutter um sie bitten. Aber der Anzug paßte nicht. Er war ihm zu kurz und zu eng, und als er sich in dem kleinen Spiegel besah, gefiel er sich nicht. Mißmutig zog er ihn wieder aus und probierte den nächsten. Dann den nächsten ... dann den nächsten ...
Aber es paßte keiner, und er warf sie endlich zornig auf den Tisch. Dann schlüpfte er wieder in sein Bauerngewand -- kurze Joppe, kurze Hose -- und machte sich mit einer trotzigen Falte zwischen den Brauen auf den Weg. Er war halt ein Bauer, und das wird sich nicht leugnen lassen, auch in Wien nicht. Aber wer weiß ...?
Fröhlich und sicher, immer nur des Augenblicks gedenkend, da Margarete ihre Wangen an seine Finger legte, ging er zwischen den steilaufsteigenden Wäldern dahin. Plötzlich aber blieb er stehen und spürte einen heftigen Schreck und konnte doch die Blicke nicht wenden von dem, was ihn so erschreckte.
Es waren unter Fichten und Lärchen drei ragende Türme mit leuchtenden goldenen Spitzen. Eine unendliche Bangigkeit überfiel ihn, und wie ein Wahnsinn erschien ihm, was er schon getan hatte und was er noch tun wollte. Seinen Hof hatte er angezündet, und ein feines Mädchen ging er freien ... er ein Bauer, im Bauerngewand ...
Zerknirscht und verzweifelt hockte er sich auf einen Stein und dachte an die Anzüge aus Innsbruck. Bald aber merkte er, daß es eine schmähliche Schwäche war, die ihn da im Angesicht der Villa überfallen hatte, und um sich Mut zu machen, langte er mit den Armen nach links und rechts und rupfte alle Blümlein aus der Erde, deren er habhaft werden konnte. Und weil das noch immer nichts half, er merkte es an dem Zittern seiner Knie, fing er zu singen an und sang:
»Wenn der Müller fesch is' Glei' trau' i' ma z'wetten Paßta wia a Prinz In de zwo goldnan Betten.«
Das sang er drei- viermal hintereinander, und weil er glaubte, nun sei es genug, stand er auf. Aber seine Knie zitterten noch stärker als vorher. Da hockte er sich wieder auf den Stein und dachte nun wieder an die Anzüge aus Innsbruck. Und wie er noch so dachte, rauschte es plötzlich hinter ihm, und als er aufblickte, stand Margarete neben dem Stein. Aber nicht wie an jenem Abend im Feld, weich und verschwommen, beinahe unkenntlich unter einem Nebel, sondern deutlich und greifbar und untrüglich wahr. Nur der Schalk, der früher in ihren Augen spielte, war nicht da. Blaß und tiefernst war ihr liebes Gesicht, und in sein Herz quoll plötzliche Sorge. Er stand rasch auf, aber nun stand er sicher und fest, und der Mut, der ihm vorhin nicht kommen wollte, kam jetzt mit tausendfacher, todesverachtender Stärke ...
Und während er den Weg nach der Villa einschlug und Margarete sich gehorsam neben ihm hielt, sagte er:
»Ich weiß jetzt das Ende, Margarete. Soll ich es dir erzählen?«
Aber sie wurde nur noch blässer und schüttelte hastig den Kopf. »Nein ... nein ... ich weiß es ja schon ... nur von selbst hätte es kommen sollen ...« und weil sie sah, daß er jäh erblaßte, faßte sie schnell seine Hand ... »aber ich bin nicht böse ... nur stolz, daß du mich so liebst ...«
Darauf schwiegen sie.
Als sie aber vor dem Tor der Villa standen, sagte Margarete ganz wie damals ihr Scheinbild auf dem Felde:
»Mein Vater ist ein schlichter Mann, der dich lieb haben wird. Nur meine Mutter ist ein wenig stolz, und es wird einen kleinen Kampf mit ihr geben. Aber ich fürchte mich nicht, wenn du dich nicht fürchtest.«
Stephan aber fürchtete sich nicht.
Stephan war bereit ... bereit zum Bösesten und Besten, und gemeinsam stiegen sie über die breite teppichbelegte Treppe.
Ende
Im gleichen Verlag ist erschienen:
Stromaufwärts
Aus einem Frauenleben
von
Angela Langer
Zweite Auflage. Geheftet 3 Mark, in Leinen 4 Mark.
Aus kümmerlichster Existenz, ohne fremde Hilfe, mit eigener Kraft, die durch alle Hemmungen sich sieghaft bewährt, ringt sich eine Frau zu eigener geistiger Freiheit und zu selbständigem Menschentum. Nur wenige Schimmer zagen Glücks mischen sich in dies unsäglich schwere Werden, aus dem wie ein Triumph weiblicher Hoheit das Ende aufstrahlt: da in dieser einfachen Frau von selbst die Religion des Lebens aufdämmert, das sie bis in die letzten Tiefen gütig versteht. Aus schmerzlichem, wehem Erleben wächst hier eine innere Klarheit, die das Leben überwand, um es sich neu zu schaffen. Dies Buch redet in seiner Schlichtheit die ergreifendste Sprache, die seit langer langer Zeit eine Frau für das gefunden hat, was sie erlebte, was sie litt.
(Badische Neueste Nachrichten, Mannheim)
Die ganze Geschichte ist eingetaucht in die Kraft des vollen Erlebnisses. Man liest mit großer Bewegung ein schweres und an Zartheiten und Schönheiten reiches Stück Frauenleben, das nicht am Schreibtisch erfunden sein kann, sondern zum mindesten auf genauer Kenntnis nicht einfacher Lebensgänge beruht. Es ist ein edel empfundenes, schönes Buch, eben deshalb, weil es beweist, daß der Realismus durchaus nicht den Hochsinn seelischer Empfindungen verhindert.
(Kölnische Zeitung)
Dies Buch ist gewiß nicht typisch. Ein Mensch mit so starker künstlerischer Anlage, so reicher Phantasie und solchem Drang nach Erkenntnis des Lebens dürfte sich unter den einfachen Dienstmädchen, wie es die Verfasserin war, nicht allzu häufig finden, so wenig häufig wie irgendeine andere ausgeprägte geistige Besonderheit. Aber mit ergreifender Gewalt packt uns dabei doch wieder der Gedanke, wie unendliche seelische Kräfte, welche Fülle heißen Lebensverlangens in der stumpfen Einförmigkeit des Daseins für die Mehrzahl der Menschen ungenutzt verdorren mögen.
(Sozialistische Monatshefte, Berlin)
Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig
[ Hinweise zur Transkription
Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.
Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen,
Auslassungen mit zwei Punkten wurden auf drei Punkte erweitert
Seite 32: "«," geändert in ",«" (»Weißt du, Maria,« sagte sie)
Seite 38: "natürich" geändert in "natürlich" (Ich hatte natürlich nichts Schlechtes im Sinne)
Seite 48: "." geändert in "?" (»Interessieren Sie sich denn nicht für Aviatik?«)
Seite 72: "«," geändert in ",«" (von einer schönen Blüte streift, denn,« und)
Seite 100: "unseli-ligen" geändert in "unseligen" (lächerlichen, unseligen, unmöglichen Bildern)
Seite 102: "«," geändert in ",«" (warte, Maria ...,« die Bäuerin zögerte)
Seite 121: "«," geändert in ",«" (Aber insonsten ...,« und der Altweiberkopf wackelte)
Seite 143: "«" hinter "Stube." entfernt (und trug sie zurück in die Stube.)
Seite 145: "«" hinter "Mann ..." entfernt (Also doch ein Unglück mit Theresens Mann ...)
Seite 145: "«" eingefügt (»Ist etwas passiert mit deinem Mann?«)
Seite 153: "«," geändert in ",«" (mit dem Teufel hat sie nichts zu tun ...,« sie schlug)
Seite 176: "«" hinter "getragen." entfernt (durch den Blitz und Donner auf den Berg getragen.)
Seite 176: "‹" eingefügt (schon lange, lange tot sind. Willst du?‹) ]