Part 16
»Ich glaub, net schlecht!« flüsterte Modei, den Umschlag des Ohnmächtigen wechselnd. Und die Mutter sagte: »Auswendig sieht man gar net viel. Aber einwendig muß ihm ebbes fehlen. Allweil wieder kommt Blut. Beim Waschen is er aufgwacht und hat gfragt nach dir. Aber gleich war's wieder aus. Da muß man Geduld haben -- und muß an _alles_ denken.« Sie wollte ihrem Sohn den schlammstarrenden Filzklumpen vom Fuß herunterschälen.
Eine Hand schob die alte Frau beiseite. »Mutter, dös mußt _mir_ lassen!«
Als Modei den heißen, von Blut überkrusteten Fuß des Jägers zwischen ihren Händen hielt, begann sie heftig zu zittern, beugte jäh das Gesicht hinunter und küßte das schwarz gewordene Blut.
»Jesus, Madl«, stammelte Friedl erschrocken, »was tust denn!«
»Was ich müssen hab!« Sie hob die nassen, schimmernden Augen zu ihm auf.
Er tat einen wohligen Atemzug und sagte leis, mit einem aus der Tiefe seines Herzens klingenden Laut: »Dös heilt mich.«
Ein Rascheln in den Kissen drüben. Ein sachtes Gleiten der dürren sonnverbrannten Hirtenhand, die auf der wollenen Decke lag. Lenzls Augen blieben geschlossen. Nur der blutende Mund bewegte sich: »Mein Glöckl, gelt -- dös feine Glöckl -- dös hast mit auffibracht?« Das Zucken seiner Lippen wurde ein Lächeln. »Grad hab ich's -- läuten hören -- so ebbes Schöns!« Dieses frohe Lächeln erlosch nicht mehr. Es blieb und wurde wie Wachs, wie weißer Marmor.
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Änderungen, teilweise unter Zuhilfenahme anderer Auflagen, sind hier aufgeführt (vorher/nachher):
[S. 218]: ... Die war so breit, wir ihr Name lang war. Vor den ... ... Die war so breit, wie ihr Name lang war. Vor den ...
[S. 267]: ... Nur durch die schmalen Klumsen der geschlossenen ... ... Nur durch die schmalen Klunsen der geschlossenen ...
[S. 296]: ... Da heraußen muß ich noch viel mehrer bürsten, weil ... ... Da heraußen muß ich noch viel mehrer dürsten, weil ...