Der Hodscha Nasreddin I. Band Türkische, arabische, berberische, maltesische, sizilianische, kalabrische, kroatische, serbische und griechische Märlein und Schwänke

Part 17

Chapter 173,721 wordsPublic domain

Vgl. weiter Köhler, II, S. 633 ff., Bebel, I, S. 177 und Papini, _La leggenda di Dante_, S. 84 ff. Zu den an diesen Stellen gegebenen Parallelen kommen noch: Kuka, S. 179; _Facetie, motti, buffonerie, et burle del Piovano Arlotto, del Gonnella et del Barlacchia_, Firenze, 1565, S. 129 ff. (von Barlacchia); danach französisch G. Chappuis, _Les Facétieuses Iournées_, Paris, 1584, i. V, n. 9, Bl. 154^a ff.; Garzoni, _La piazza universale di tutte le professioni del mondo_ (1. Ausg. 1579), Venezia, 1616, S. 331; Sagredo, _L’Arcadia in Brenta_, S. 383 ff.; Garibay, _Cuentos_ in den _Sales españolas_, II, S. 52; Seb. Mey, _Fábulario_, Fáb. 56 (Menéndez y Pelayo, II, S. CIX ff.); Eyering, I, S. 85 ff.; Melander, _Joco-Seria_, deutsch, Lich, 1605, II, S. 423, Nr. 377 (nicht in den lateinischen Ausgaben); Lehmann, _Exilium melancholiae_, F, Nr. 31; Gerlach, _Eutrapeliae_, Leipzig, 1656, I, Nr. 952; Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_, S. 626, Nr. 2982; _Jacke of Dovers Quest of Inquirie_ bei Hazlitt, II, S. 322 ff.; _Joe Miller’s Jests_, S. 17, Nr. 97.

159. _Sottisier_, Nr. 74.

160. _Sottisier_, Nr. 76; _Nawadir_, S. 46; Griechisch, S. 110; Serbisch, S. 125; Pann, S. 336 ff. Vgl. unten Nr. 394.

_Fourberies_, S. 41; Horn, S. 70 (Zakani; die Erzählung aus dem _Mesnewi_ von Dschelaleddin Rumi [transl. by E. H. Whinfield, 2. ed., London, 1898, S. 130], auf die Horn verweist, hat nur ganz allgemeine Beziehungen).

Eine entfernte Ähnlichkeit hat eine Schnurre im _Nuzhat al udaba_, die bei Hammer, _Rosenöl_, II, Stuttgart, 1813, S. 302, Nr. 177 übersetzt ist; zu ihr stimmt einigermaßen die Geschichte von dem Pfarrer von Mößkirch, die nach der _Zimmerischen Chronik_, 2. Aufl., Freiburg i. B., 1881, II, S. 439 zu dem Sprichworte Anlaß gegeben hat: »Das walt Gott! sprach pfaff Petter, do stig er uf die magt.«

161. _Sottisier_, Nr. 78; Buadem, Nr. 88; Serbisch, S. 82; Kroatisch, S. 51.

Clouston, _Noodles_, S. 90.

Gesteigert ist die Komik in folgender persischer Schnurre bei Kuka, S. 157:

A Syrian went to a carpenter’s workshop, and asked him to make a door for him. The carpenter wanted to know the length and breadth of the door, whereupon the Syrian went home, measured the breadth of his doorway with his extended arms, and, keeping the arms so outstretched, began to return to the carpenter. But on his way back he encountered a wag, who, by way of a practical joke, tripped him up, and laid him flat on his back, on the ground. Even then, the Syrian would not make use of his arms, but kept them extended, and being unable to rise in this position, went on abusing the man and requesting the passers-by to pick him up. When some one offered to raise him, he shouted out, »Don’t take hold of my arms or you would destroy the measurement of my door. Take me up by the beard.« So he was picked up in the way suggested by himself; and he went away quite a happy man at the thought, that in spite of all difficulties he had preserved the measurement of his door.

Merkens, II, S. 13 ff., Nr. 14.

162. _Sottisier_, Nr. 83.

Merkwürdige Parallelen zu diesem Schwanke bieten im _Jacke of Dover_ die Erzählung von dem _Foole of Nottingham_ (Hazlitt, II, S. 326 ff.) und die folgende aus _Archie Armstrong’s Banquet of Jests_, S. 184 ff.:

A Gentleman walking somewhat late in the night, was taken by the Watch, and had before the Lanthorne; where they very strictly demanded who hee was, and whom hee served: he answered, that hee was, as they say, a man, and that hee served God. I, say you so, quoth the Constable, then carry him to the Counter, if hee serve no body else: yes sir: replied the Gentleman, I serve my Lord Chamberlaine. My Lord Chamberlaine? (saith the Constable) why did you not tell me so before? Marry, quoth the Gentleman, because I had thought, thou loved God better than my Lord Chamberlaine.

163. _Sottisier_, Nr. 84; _Fourberies_, Nr. 39; vgl. auch Serbisch, S. 110 ff.

_Fourberies_, S. 42 ff.; Basset in der _RTP_, XI, S. 497 ff.

Die Literatur über das Motiv von dem ~Kürbis~ etc. ~als Pferdeei~ (Eselsei etc.) findet man zusammengestellt in Boltes Noten zu Freys _Gartengesellschaft_, S. 214 ff., im _Archiv für slavische Philologie_, XXII, S. 301 und 309 und XXIX, S. 452 und bei M. Böhm, _Lettische Schwänke_, Reval, 1911, S. 111; dazu noch Keller, _Schwaben_, S. 136 ff. und Bronner, _Schelmen-Büchlein_, S. 113 ff. Über das Motiv von den ~Luftschlössern~, das in der Erzählung des _Sottisier_ (nicht in der der _Fourberies_) den Schluß bildet, vgl. die von mir im _Euphorion_, XV, S. 7 ff. verzeichnete Literatur, hauptsächlich Bolte zu Wickram, S. 391 und zu Montanus, S. 603 ff., ferner J. Hertel, _Tantrâkhyâyika_, Leipzig, 1909, II, S. 148 ff. und I, S. 140. Es kommt aber auch in einer Erzählung von Nasreddin selbständig vor, und zwar in der serbischen Ausgabe, S. 48, in einer eigentümlichen Variante:

Eines Tages fand der Hodscha Nasreddin auf der Straße ein Hufeisen. Außer sich vor Freude, lief er nach Hause und sagte zu seiner Frau: »Schau nur, was ich gefunden habe! Dieses Hufeisen mußt du gut aufheben; bis ich noch dreie gefunden habe, dann kaufe ich ein Pferd und dann reisen wir miteinander nach Mekka.«

»Ja,« antwortete die Frau, »und auf der Rückreise besuchen wir meine Eltern.«

»Du hast wirklich kein Herz,« fiel ihr Nasreddin ins Wort; »du willst wohl das Pferd nicht ein bißchen verschnaufen lassen!«

164. _Sottisier_, Nr. 85.

Vgl. Behrnauer, _Die vierzig Veziere_, Leipzig, 1851, S. 233 ff.

165. _Sottisier_, Nr. 86.

~Löcher mit Speise verschmieren~: s. unten Nr. 444.

~Spiegelbild verkannt~: s. unten Nr. 311.

166. _Sottisier_, Nr. 87.

Vgl. Domenichi, _Facetie_, 1548, Bl. C_{4}^b (1562, S. 138, 1581, S. 171):

Dicendosi da alcuni Sanesi, che in vn certo caso occorso i Fiorentini haueuano perduto il ceruello, disse Cosmo: E’ non lo possono già perdere eßi. Forse voleua tassargli di non hauerlo mai hauuto.

Ähnlich ist Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_, S. 35, Nr. 159.

167. _Sottisier_, Nr. 88.

Köhler, I, S. 506.

Vgl. meine Nachweise zu Morlinis Nov. 32, S. 287 ff. und zu _Mönchslatein_, Nr. 13, S. 204; dazu noch: Carbone, _Facezie_, S. 59 ff., Nr. 84; Casalicchio, C. I, d. 4, a. 5, S. 252 ff.; Pitrè, III, S. 324 ff., Nr. 180; Crane, S. 287 ff.; G. Amalfi, _XII facezie e motti raccolti in Piano di Sorrento_, Nr. 9 im _Archivio_, XXI, S. 366 ff.; _Il medico e l’amalato_; Eyering, _Proverbiorum copia_, I, S. 42 ff.; Lehmann, _Exilium melancholiae_, S, Nr. 84, S. 398; Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_, S. 99, Nr. 442; Merkens, III, S. 127 ff., Nr. 103; _Tales und Quicke Answeres_, Nr. 50 (Hazlitt, I, S. 65 ff.); _Archie Armstrong’s Banquet of Jests_, S. 95 (ebenso wie _Mönchslatein_, Nr. 13 kombiniert mit dem unten Nr. 439 erwähnten Motive von der Heilung durch Lachen); Clouston, _Noodles_, S. 168 ff.; G. Georgeakis et Léon Pineau, _Le Folk-lore de Lesbos_, S. 131 ff.: _Les deux amis_.

168. _Sottisier_, Nr. 89.

169. _Sottisier_, Nr. 91.

Der Schwank von dem ~Einfältigen, der den für einen gewissen Fall erhaltenen Befehl bei einem andern Anlaß, der ein andres Benehmen erfordern würde, buchstäblich befolgt~, existiert, auch auf Nasreddin übertragen, noch in einer deutlichern Form; wie Kúnos in der Einleitung zu _Naszreddin hodsa tréfái_ S. 26 bemerkt, hat nach tatarischen Quellen Iwanitzky ein »Reiseerlebnis« des Hodschas ins Russische übersetzt, und dieses folge hier nach dem ungarischen Texte:

Es geschah einmal, daß Nasreddin auf seinen Wegen Totengräbern begegnete, und die begrüßte er mit dem Gruße: »Friede sei mit euch!« Die Totengräber prügelten ihn weidlich durch, weil er nicht so hätte grüßen sollen, sondern beide Hände erheben und für den Frieden der Toten bitten. Der Hodscha merkte sich das und ging weiter.

Er traf eine Menge Leute, die singend und tanzend an ihm vorüberzogen. Kaum hatte er die bemerkt, so erhob er beide Hände und begann das Totengebet. Sie prügelten ihn ebenso, weil man eine Hochzeitsgesellschaft nicht mit diesem Gebete empfangen, sondern mit ihnen springen und tanzen solle. Auch das merkte sich der Hodscha.

Auf seinen weitern Wegen begegnete er einem Jäger, der gerade einem Hasen auf der Spur war. Er begann zu springen und zu tanzen, und verscheuchte mit diesem Lärme den Hasen. Der Jäger fiel über ihn her und prügelte ihn mit dem Gewehrkolben durch, weil er nicht auf den Fußspitzen gegangen sei, bald geduckt und bald aufrecht. Auch das merkte er sich.

Sein Weg führte ihn bei Hirten vorüber, die eine zahlreiche Schafherde vor sich hertrieben. Da duckte er sich bald, bald ging er aufrecht; darob erschraken die Schafe so, daß sie nach hundert Richtungen auseinanderliefen, und auch dafür mußte er büßen.

Vgl. dazu Bebel, I. Buch, Nr. 26 und 27 samt den I, S. 128 gegebenen Nachweisungen, hauptsächlich Boltes Noten zu Frey, Nr. 1, a, S. 212 ff., ferner _Archiv für slavische Philologie_, XXII, S. 309. Ähnliche Darstellungen, die wohl zu unterscheiden sind von denen, wo es sich einfach um dumme Streiche eines Sohnes oder Ehemannes handelt, sind noch: P. Sébillot, _Littérature orale de la Haute-Bretagne_, Paris, 1881, S. 92 ff. und 102 ff., derselbe, _Littérature orale d’Auvergne_, Paris, 1898, S. 84 ff., Clouston, _Noodles_, S. 123 ff. (auch zum folgenden), Jacobs, _English Fairy Tales_, S. 152 ff.: _Lazy Jack_, und S. 249 und Böhm, _Lettische Schwänke_, S. 52 ff., Nr. 32 und teilweise S. 54 ff., Nr. 33.

Oft bezieht sich der mißverstandene Befehl auf die Worte der ~Ansprache oder die Begrüßung~, wie z. B. in dem von Pitrè III, S. 362 ff. als Nr. 7 seiner Giufàgeschichten mitgeteilten Schwänke (Monnier, S. 13 ff.), zu dessen Anfange die unten als Nr. 435 gebrachte Hiohàerzählung eine Parallele bildet; dazu vergleiche Köhler, I, S. 87 ff. und 50, Boltes Noten zu Montanus, _Gartengesellschaft_, Nr. 50, S. 602, Rittershaus, S. 429 ff. und _Archiv für slavische Philologie_, XXII, S. 304 und 309. An weitern Versionen seien angegeben Merkens, I, S. 124 ff., Nr. 131, Wilhelm Busch, _Ut ôler Welt_, München, 1910, S. 35 ff., Nr. 16, L. Léger, _Recueil de contes populaires slaves_, Paris, 1882, S. 231 ff., H. Carnoy, _Littérature orale de la Picardie_, Paris, 1883, S. 186 ff., Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_, III, S. 137 ff., Louis Dart, _De mal en pis »Comme Tribuet«, Conte Champenois_ in der _RTP_, XI, S. 321 ff., eine nordfranzösische Erzählung, _Jean l’innocent_, mitgeteilt von Ed. Edmond ebendort, XX, S. 94 ff., Denis Bressan, _Contes populaires de La Bresse_, Nr. 3, ebendort, XXIII, S. 350 ff., Jacobs, _More English Fairy Tales_, London, 1894, S. 195 ff. und 242, ein japanischer Schwank, _Der dumme Tempo_, erzählt von Iguchi im _Globus_, 69, Nr. 3, abgedruckt bei Aug. Seidel, _Anthologie aus der asiatischen Volkslitteratur_, Weimar, 1898, S. 44 ff. und J. Hinton Knowles, _Folk-Tales of Kashmir_, London, 1888, S. 189 ff.

170. _Sottisier_, Nr. 93.

Ein ähnlicher Schwank aus Bosnien, ebenfalls von Nasreddin, wird in der _Anthropophyteia_, IV, S. 385 ff. erzählt; eine Parallele dazu, aber nicht von Nasreddin, steht bei Roda Roda, S. 40 ff. Eine andere Version, deren Anfang an den von Nr. 262 erinnert, steht in der serbischen Ausgabe, S. 182 ff.:

Einmal ging der Hodscha Nasreddin mit dem Sultan auf die Jagd; alle hatten Falken mit, nur Nasreddin eine Krähe. Im Felde angelangt, ließen alle ihre Falken steigen, und auch Nasreddin ließ seine Krähe aus. Die ging auf einen Stier nieder, und den band Nasreddin sofort an den Hörnern an und führte ihn mit sich, als ob der Stier jetzt ihm gehören würde, weil ihn seine Krähe erjagt habe. Aber der Besitzer wollte ihm den Stier nicht lassen; obwohl ihm der Sultan selber sagte, daß er ihn ihm lassen solle, ging er zum Kadi und klagte wider Nasreddin.

Als Nasreddin davon hörte, lief er schnell zum Kadi und versprach ihm ein Geschenk, wenn ihm der Stier nach seinem Spruche zufalle. Der Kadi sagte es zu, und als beide Streitteile vor Gericht kamen, der Besitzer sowohl, als auch der Hodscha Nasreddin, sagte er: »Die Krähe des Hodschas hat den Stier erjagt, und was einer erjagt, das ist sein«; und damit ließ er den Besitzer des Stiers hinauswerfen.

Am nächsten Tage nahm der Hodscha einen Topf und füllte ihn fast bis zum Rande mit Stiermist, darüber legte er ein Kohlblatt und auf dieses gab er ein wenig Butter; und diesen Topf schickte er dem Kadi als Geschenk. Der Kadi kam des Nachts nach Hause und sagte, weil er gerade Lust auf Butter hatte, seiner Frau, sie solle ihm den Topf bringen. Die Frau brachte ihn und er nahm einen Löffel, fuhr damit in die Mitte hinein und kostete. Aber er riß den Löffel sofort wieder aus dem Munde und rief: »Pfui Teufel!« Dann sah er nach, was es sei. Er ärgerte sich grimmig und ließ Nasreddin rufen; und er sagte voller Zorn zu ihm: »Womit hast du mich gefüttert, du niederträchtiger Kerl?« »Du hast dich selber gefüttert, erhabener Kadi,« antwortete der Hodscha; »aus dem Topfe hast du schon gegessen, als du das Urteil gesprochen hast. Wie könnte denn eine Krähe einen Stier erjagen?« Und damit ging er.

171. _Sottisier_, Nr. 94; Serbisch, S. 25 ff.; Pann, S. 332.

Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 47 ff.

172. _Sottisier_, Nr. 95; Serbisch, S. 149 ff.

Ebenso Gladwin, _Persian Moonshee_, II, S. 19 ff., Nr. 50 und Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 48 ff.; sehr nahe stehn auch die Novellen 3 und 4 in Arientis _Porrettane_, zit. Ausg., Bl. 8^b ff. und 10^a ff. und der auf der einen beruhende Schwank in der _Arcadia in Brenta_, S. 170 ff. Vgl. auch Montanus, _Gartengesellschaft_, Nr. 19 (die Nachweise Boltes S. 597).

173. _Sottisier_, Nr. 96; Serbisch, S. 40 (»Küß ihn zweimal; ich werde ihn halten, damit er nicht ausreißen kann«).

Vgl. eine Stelle im _Kitab al ikd al farid_ von Abdirabbihi, die Basset in der _RTP_, XVII, S. 94 übersetzt hat; dort ist die Anspielung auf den 49. Vers der 5. Sure des Korans deutlicher ausgedrückt.

174. _Sottisier_, Nr. 98.

175. _Sottisier_, Nr. 101; Serbisch, S. 180 ff. (Schluß geändert).

176. _Sottisier_, Nr. 103.

177. _Sottisier_, Nr. 105; vgl. oben Nr. 16.

178. _Sottisier_, Nr. 107.

179. _Sottisier_, Nr. 109.

Es gibt eine große Zahl Geschichten von Nasreddin, die alle denselben Eingang, aber eine verschiedene Pointe haben: Tewfik, Nr. 56 (= _Tréfái_, Nr. 165 [statt 166] und Serbisch, S. 21), Nouri, S. 163 ff. (= Kroatisch, S. 74 ff.) und Serbisch, S. 45; die beste ist jedoch die folgende (Serbisch, S. 127):

Eines Tages hatte der Hodscha Nasreddin so viel getrunken, daß er sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, und er schlief ein. Als er ganz matt erwachte, wollte er vors Haus gehn, konnte aber die Treppe nicht finden und fiel in ein Loch; dort blieb er liegen. Sein Weib kam gelaufen und fragte ihn, ob er noch lebe; er antwortete: »Laß mir die Popin rufen.«

Sie meinte, er sei nicht recht bei Sinnen, und lief um einen Arzt. Als der Arzt kam, ließ ihn sich der Hodscha gar nicht nahe kommen, sondern fragte ihn, kaum daß er ihn sah: »Bist du schon jemals über eine Treppe gefallen?«

»Noch nie,« antwortete der Arzt.

»Dann kannst du mir auch nicht helfen,« sagte Nasreddin; »geh zum Teufel! Und du, Weib, laß mir sofort die Popin rufen; die hat ihren Popen schon öfter von dieser Krankheit geheilt.«

180. _Sottisier_, Nr. 110; anders Tewfik, Nr. 29, _Tréfái_, Nr. 153 (statt 154) und Serbisch, S. 35.

181. _Sottisier_, Nr. 113.

182. _Sottisier_, Nr. 114.

_Fourberies_, S. 46.

183. _Sottisier_, Nr. 115.

184. _Sottisier_, Nr. 116.

185. _Sottisier_, Nr. 117.

186. _Sottisier_, Nr. 119.

187. _Sottisier_, Nr. 120. Galland, S. 15 ff.

188. _Sottisier_, Nr. 121.

_Fourberies_, S. 46 und 186.

Ähnliche Geschichten stehn bei Sachau, _Fellichi-Dialekt von Mosul_, S. 67 und bei Lidzbarski, _Neu-aramäische Handschriften_, S. 152 ff. Lidzbarski weist u. a. eine Parallele bei ibn Arabschah, _Fakihat al hulafa_ nach; vgl. dazu Chauvin, II, S. 204 ff. und 214. Eine Version aus al Abschihi, _Mustatraf_[121] hat Basset in der _RTP_, XIII, S. 483 übersetzt. Siehe ferner Chauvin, V, S. 160, Note und Kuka, S. 162, Nr. 31.

189. _Sottisier_, Nr. 122.

190. _Sottisier_, Nr. 123.

Köhler, I, S. 506 ff.; _Fourberies_, S. 47.

Eine ältere[122] Version dieser Erzählung steht in dem _Latifeh nameh_ des 1531 verstorbenen Türken Lamii; sie ist bei Cardonne, _Melanges de Littérature Orientale_, Paris, 1770, II, S. 82 übersetzt (_Versuche der Orientalischen Litteratur_, Breslau, 1771, S. 222 ff.). Eine noch ältere ist uns in der 65. Facetie Arlottos (I, S. 151 ff. und 221 ff.) bekannt. Hans Sachs hat den Stoff zweimal behandelt: am 5. Mai 1550 als Meistergesang _Der schneider mit dem paner_, dann am 21. Juli 1563, mit einer andern Erzählung verbunden, als Spruchgedicht Der _schneider mit dem panier_ (Schwänke, V, S. 74 ff. und II, S. 472 ff.); die jüngere Fassung ist breiter ausgeführt als die ältere.

A. L. Stiefel hat in den _Hans Sachs-Forschungen_, Nürnberg, 1894, S. 80 ff. als Quelle Hans Sachsens die Facetie Arlottos bezeichnet; dies wohl nur in Unkenntnis der Abhandlung Cloustons _The Tailor’s Dream_ in den _Popular Tales and Fictions_, II, S. 79 ff. Dort wird nämlich unter anderm die humoristische Schilderung eines Turniers zwischen einem Schneider und einem Schuster angeführt, die den 1520 verstorbenen schottischen Dichter William Dunbar zum Verfasser hat; und das Banner des Schneiders wird also beschrieben:

His banner borne was him before, Wherein were clouts a hunder score, Ilk ane of divers hue; And all stolen out of sundry webs; — For while the sea flood fills and ebbs, Tailyors will never be true.

Wenn nun auch Clouston von der falschen Annahme ausgeht, die Facetien Arlottos seien erst 1520 zum ersten Male in Druck erschienen, so scheint mir doch das Resultat seines Schlusses richtig, daß nämlich die Verse Dunbars auf ein altes Mönchsexempel zurückgehn, und dies um so mehr, als wir bei der Untersuchung von Arlottos Quellen gesehn haben, daß bei Arlotto eine ganze Reihe von Predigtmärlein bearbeitet ist. Dieses Märlein kann dann auch in letzter Instanz die Quelle Hans Sachsens gewesen sein, und diese Lösung ist sicherlich befriedigender als die Annahme Stiefels, wonach Hans Sachs an der Facetie Arlottos ziemlich viel geändert haben müßte.

Ein Gedicht von John Harrington († 1612), _Of a Precise Tailor_ ist aus _The most Elegant and Wittie Epigrams_, London, 1633 bei Ashton, S. 32 ff. und Clouston, a. a. O., S. 80 ff. abgedruckt. Weitere Nachweise geben Bolte bei Frey, S. 256, Note und Chauvin, III, S. 38; einige stehn auch bei Hans Sachs, V, S. 74. Eine moderne italiänische Version findet sich bei J. Nieri, _Racconti popolari lucchesi_, Castelnuovo di Garfagnana, 1891, S. 157 ff., Nr. 43; _Patron Bandiera_.

191. _Sottisier_, Nr. 124.

192. _Sottisier_, Nr. 125; Mardrus, S. 107.

193. _Sottisier_, Nr. 126.

Köhler, I, S. 506; _Fourberies_, S. 47.

Die Geschichte ist so ziemlich identisch mit der 132. Facetie Poggios: _De Judaeo mortuo assumpto ignoranter in cibum per Florentinum_, die Seb. Brant in _Esopi appologi_, Basileae, 1501, Bl. D_{6}^b ff. bearbeitet hat; vgl. dazu Hans Sachs, _Schwänke_, II, S. 540 ff. (auch S. XXIII und IV, S. 493 ff.) Fast ebenso wie im _Sottisier_ wird im _Nuzhat al udaba_ (Basset in der _RTP_, XV, S. 671) erzählt.

194. _Sottisier_, Nr. 127.

195. _Sottisier_, Nr. 128; Mardrus, S. 104 ff.

196. _Sottisier_, Nr. 130.

197. _Sottisier_, Nr. 131.

Im _Nuzhat al udaba_ findet sich folgende Schnurre (Basset in der _RTP_, XV, S. 286):

Man erzählt von einem Manne, der sich für einen Propheten ausgab; zu dem sagte einer seiner Freunde, der einäugig war: »Was ist das Zeichen deines Prophetentums? was sind deine Wunder?« »Mein Wunder ist dieses: du bist einäugig; ich will dir auf der Stelle das gesunde Auge herausnehmen und den Herrn bitten, auf daß du sehest.« Der andere antwortete: »Ich glaube, daß du ein Prophet bist.«

Al Abschihi erzählt im _Mustatraf_ (Basset in der _RTP_, XIII, S. 490 ff.):

Zur Zeit al Mamuns[123] gab sich ein Mann für einen Propheten aus, und zwar wollte er Abraham sein, der Freund Gottes. Der Chalif sagte zu ihm: »Abraham hat Wunder und Zeichen getan.« »Was für Zeichen?« »Man zündete ein Feuer an für ihn, und sie warfen ihn hinein; aber die Flamme ward ihm eine Kühlung und eine Segnung[124]: wir wollen für dich einen Scheiterhaufen anzünden und dich hineinstürzen; wenn es dir so geht wie ihm, werden wir an dich glauben.« »Ich möchte lieber etwas leichteres.« »Die Zeichen von Moses?« »Was sind das für Zeichen?« »Er warf seinen Stab hin, und der wurde zur Schlange[125], er schlug das Meer, und es teilte sich[126], und er steckte seine Hand in den Busen, und sie war weiß[127].« »Das ist noch schwerer für mich als das erste Zeichen.« »Die Zeichen von Jesus?« »Was sind die?« »Die Toten zu erwecken[128].« »Du sagst das richtige: ich will dem Kadi Jachja ibn Aktani den Kopf abschlagen und werde ihn dir im Augenblicke wieder zum Leben erwecken.« Da schrie der Kadi: »Ich bin der erste, der an dich glaubt.«

Als älteste Version zitiert aber Basset an der zuletzt genannten Stelle das _Kitab al ikd al farid_ von Abdirabbihi. Andere Parallelen stehn bei Clouston, _Flowers_, S. 35 ff. (Saadi), Gladwin, _The Persian Moonshee_, II, S. 16, Nr. 37 und Galland, S. 20; vgl. auch zu der Erzählung Abschihis Roda Roda, S. 40.

198. _Sottisier_, Nr. 132.

199. _Sottisier_, Nr. 133.

200. _Sottisier_, Nr. 134.

Vgl. die 51. Facetie Arlottos (I, S. 130 ff.).

201. _Sottisier_, Nr. 135.

Von dieser Geschichte gilt wohl dasselbe, was Bolte bei Hans Sachs, III, S. XI von dem Meistergesange _Die leren geltseck_ (ebendort, S. 369 ff.) sagt, daß sie nämlich in letzter Instanz auf die 412. Fabel Aesops: Φιλάργυρος zurückgeht; vgl. dazu noch _Aesopi Phrygis et aliorum fabulae_, Venetiis, 1539, Bl. 97^a: _Auarus_, Camerarius, _Fabulae aesopicae_, Lipsiae, 1570, S. 106: _Avarus_, schließlich auch die 194. Novelle Sacchettis und weiter Clouston, _Popular Tales und Fictions_, I, S. 61 ff.

202. _Sottisier_, Nr. 136.

203. _Sottisier_, Nr. 137. Anders: Buadem, Nr. 44; Serbisch, S. 65 ff.; Kroatisch, S. 40.

Galland, S. 24 ff.

204. _Sottisier_, Nr. 138; Buadem, Nr. 74; Serbisch, S. 77; Kroatisch, S. 48.

Die Geschichte findet sich schon in Dschamis _Bäharistan_ (_Der Frühlingsgarten_ von Mewlana Abdurrhaman Dschami. Aus dem Persischen übertragen von O. M. Frh. v. Schlechta-Wssehrd, Wien, 1846, S. 86 ff.); danach steht sie bei Cardonne, I, S. 119 (deutsch, S. 69). Auf derselben Quelle beruht wohl auch Gladwin, _The Persian Moonshee_, S. 18, Nr. 40.

205. _Sottisier_, Nr. 139.

206. _Sottisier_, Nr. 140.

Vgl. die 105. Facetie Arlottos (II, S. 75).

207. _Sottisier_, Nr. 141.

208. _Sottisier_, Nr. 142.

209. _Sottisier_, Nr. 143. Vgl. dazu Tewfik, Nr. 2; _Tréfái_, Nr. 147; Griechisch, Nr. 159; Serbisch, S. 46.

210. _Sottisier_, Nr. 144.

211. _Sottisier_, Nr. 146. Mit Nasreddin als traurigem Helden: Nouri, S. 181 ff.; Serbisch, S. 147 ff.; Kroatisch, S. 181 ff.

Zu der Version des _Sottisier_ stimmt die dritte der drei Geschichten, die Julien Dumoret aus einem türkischen Buche: »_Nasser eddin khodjah_«, für dessen Verfasser er Nasreddin hält, im _Journal asiatique_, XIII, S. 488 übersetzt hat[129]; während der Eingang verschieden ist, sind die drei Ratschläge des Geistlichen und der des Trägers so wie im _Sottisier_. Anders ist der dritte Rat des Geizhalses (»Wenn dir einer sagt, es gebe noch einen Lastträger, der dümmer wäre als du, so glaube es nicht«) in einer Erzählung des _Hadikat al afrah_ von asch Schirwani, die Basset in der _RTP_, XIV, S. 216 übersetzt hat; diese wieder ist fast identisch mit der 485. der _Laughable Stories_ von Bar-Hebraeus (Budge, S. 126 ff.), die die älteste Fassung darstellen dürfte. Ihr stehn die drei obengenannten Versionen, deren Held Nasreddin ist, und eine persische Geschichte bei Kuka, S. 167 ff. sehr nahe. Deutsch ist der Schwank bearbeitet von Roda Roda, S. 212 ff.