Part 13
»Padischah, ich bin nur Gott der Erde, und darum kann ich nur die Augen größer machen, die sie unter dem Gürtel haben; die, die sie oben haben, die gehn den Gott des Himmels an.«
Timur freute sich herzlich über diese Antwort und erkannte, mit was für einem Schalke er es zu tun hatte: »Da du so ein lustiger Gesell bist, so schwöre ich, daß ich mich nicht mehr von dir trennen werde.«
»So sei es,« antwortete der Hodscha; »du bist der Herr.«
327.
Tamerlan war sehr häßlich; er hatte nur ein Auge und einen eisernen Fuß. Als er nun einmal mit dem Hodscha saß und sich mit ihm unterhielt, fuhr er mit der Hand an den Kopf und ließ den Barbier rufen. Der kam augenblicklich; nachdem er ihm den Kopf geschoren hatte, reichte er ihm einen Spiegel. Timur betrachtete sich, und da er sah, wie häßlich er war, begann er zu weinen. Seinem Beispiele folgend, zerflossen auch der Hodscha und der ganze Hof in Tränen und Seufzern, und das dauerte eine oder zwei Stunden. Endlich gelang es den Hofleuten, indem sie einige hübsche Geschichten erzählten, Timur zu zerstreuen und ihn seinen Kummer vergessen zu machen, und er hörte zu weinen auf; aber der Hodscha weinte nur umso stärker. Und Timur sagte zu ihm: »Ich habe mich im Spiegel betrachtet, und da habe ich mich so abscheulich gefunden, daß ich einen schweren Kummer litt, weil ich, der Padischah, der Herr so vieler Sklaven, so häßlich sein muß; ich habe also mit vollem Rechte geweint. Aber warum weinst denn du noch zu dieser Stunde, und warum hörst du nicht auf, zu klagen?«
Der Hodscha antwortete sofort: »Du hast dich nur einmal im Spiegel gesehn, und dieser kurze Augenblick hat genügt, dich zwei Stunden lang weinen zu machen; was ist denn wunderbares dabei, wenn ich, der ich dich den ganzen Tag sehe, länger weine als du?«
Über diese Rede fiel Timur in ein unauslöschliches Gelächter.
3. Angeblich historisches
328.
Da Nasreddin durch diese Geschichte[102] mit Tamerlan besser bekannt geworden war, nahm er sich bald darauf die Freiheit, ihm ein andres Geschenk zu machen, nämlich zehn zarte, frischgepflückte Gurken; dafür erhielt er von ihm zehn Goldstücke. Als dann die Gurken nicht mehr so selten waren, lud er ihrer einen Wagen voll, um sie Tamerlan zu bringen. Der Türhüter aber, der sich der großen Belohnung für die ersten zehn erinnerte, weigerte sich ihn einzulassen, wenn er nicht verspreche, die neue Gegengabe mit ihm zu teilen. Der Handel wurde so abgeschlossen, und Nasreddin wurde vorgelassen. Auf die Frage Tamerlans, was ihn herführe, antwortete er, er bringe ihm viel mehr Gurken als das andere Mal; als aber Tamerlan diese außerordentlich große Menge sah, befahl er ihm ebenso viel Stockstreiche zu geben, wie es Gurken seien. Und es waren fünfhundert Stück. Nasreddin mußte sich fügen und erlitt geduldig zweihundertfünfzig Hiebe; dann aber begann er zu schreien, er habe nun seinen Teil, und er hoffe, der König werde auch dem Türhüter sein Recht widerfahren lassen. Der König fragte ihn, was das heißen solle, und Nasreddin antwortete ihm: »Ich habe mich mit dem Türhüter verglichen, daß er die Hälfte von dem haben solle, was ich als Geschenk bekäme, und dafür hat er mich vorgelassen.« Der Türhüter wurde gerufen; da er sich gezwungen sah, den Handel anzuerkennen, mußte er auch seinen Teil auf sich nehmen und empfing die andern zweihundertfünfzig Stockstreiche.
329.
Tamerlan begann nun so viel Gefallen an Nasreddin zu finden, daß er ihn mit dem Versprechen, ihm nichts zu verweigern, ermutigte, zu verlangen, was er wolle. Nasreddin verlangte nichts weiter als den mäßigen Betrag von zehn Goldstücken, um davon ein Denkmal für die Nachwelt zu erbauen. Als ihm das Geld ausgezahlt worden war, errichtete er mitten auf freiem Felde ein großes Tor mit Schloß und Riegel. Darüber gabs denn ein allgemeines Staunen und man fragte ihn um den Grund; da antwortete er: »Die allerspäteste Zukunft wird die Erinnerung an diese Tür ebenso getreu bewahren wie die an die Siege Tamerlans; während aber die Welt bei diesem Denkmal, das die Streiche Nasreddins ins Gedächtnis zurückruft, lachen wird, wird das Andenken der Taten Tamerlans Tränen hervorrufen von einem Ende der Erde zum andern.«
330.
Bajazet war einmal gegen seine vornehmsten Offiziere sehr aufgebracht und hatte schon den Rat versammelt, der ihnen das Urteil sprechen sollte; da nun die Herren vom Rate in ihrem Schrecken und ihrer Bestürzung nicht wußten, wie sie den Unglücklichen das Leben retten könnten, bot sich ihnen Nasreddin an, um ihnen zu helfen. Und er sagte zu Bajazet: »Sultan, laß die Leute nur henken; sie sind alle Verräter.« Bajazet war damit einverstanden und Nasreddin fuhr fort: »Wozu sind sie uns auch nütze? wenn jetzt Timur mit seiner Armee kommt, so nimm du die Standarte und ich werde die Trommel schlagen; wir wollen ihm ein Treffen liefern, und wahrhaftig, wir zwei werden den Tataren genug zu schaffen machen.« Bajazet antwortete nichts; wenige Augenblicke darauf gewährte er aber den Schuldigen seine Gnade.
331.
Nasreddin hatte den Zorn Bajazets erregt und Bajazet befahl, ihn hinzurichten; er mußte auf einen sehr hohen Baum auf freiem Felde steigen, und den sollten die Soldaten umhauen, damit Bajazet sehe, was für Luftsprünge Nasreddin machen werde. Trotz dem inständigen Flehen Nasreddins getraute sich niemand, Bajazet für ihn um Gnade zu bitten, so daß er sich selber zu helfen versuchte; er ließ oben auf dem Baume die Hosen herunter und verunreinigte die Soldaten. Darüber mußte Bajazet herzlich lachen, und er erlaubte ihm, herabzusteigen.
4. Moderne Volkserzählungen aus Nasreddins Heimat
332.
Eine Frau kam einmal zum Hodscha, gab ihm einen Brief und bat ihn, ihn ihr vorzulesen. Nun konnte der Hodscha gar nicht lesen; da er sich aber schämte, dies einzugestehn, nahm er den Brief und las: »Hochwohlgeborener, ehrenwerter Herr« usw., wie ein Freund einem andern zu schreiben pflegt.
Die Frau sagte darauf, daß das kein Brief eines Bekannten, sondern der Steuerzettel ihres Hauses sei. Und der Hodscha antwortete: »Warum hast du mir das nicht früher gesagt? dann hätte ich ihn anders gelesen.«
333.
Eines Nachts schlich der Hodscha zu der Sklavin seines Vaters. Die Sklavin wachte auf und fragte: »Wer ist da?«
»Pst,« antwortete der Hodscha, »ich bin mein Vater.«
334.
Der Sohn des Hodschas hatte ein Haus gebaut und lud seinen Vater ein, es zu besichtigen. Der Hodscha sah sich alles gut an, sowohl unten, als auch oben; und als ihn der Sohn fragte, ob das Haus schön sei, antwortete er: »Alle Räumlichkeiten sind schön; nur in dem kleinen Zimmer zu ebener Erde ist die Tür so eng, daß kein Eßtisch hineingeht.«
Er hatte den Abtritt für ein Zimmer angesehn.
335.
Der Hodscha kaufte einmal eine Oka Datteln und aß dann die Datteln mit den Kernen. Als man ihn fragte, warum er sie mit den Kernen verschlucke, antwortete er: »Ich habe sie mit den Kernen gekauft, und so hat man mir sie zugewogen.«
336.
Der Hodscha hatte ein Haus gemeinsam mit einem andern, und mit diesem hatte er immerfort Streit. Darum ging er einmal auf den Markt und wollte seine Hälfte verkaufen. Man fragte ihn um den Grund und er antwortete, daß er mit seinem Hausgesellschafter zu viel Streit habe, und daß er mit dem Gelde, das er für seine Hälfte bekommen werde, die andere dazukaufen wolle.
337.
Man fragte einmal den Hodscha, wer älter sei, er oder sein Bruder. Der Hodscha antwortete, daß zwar er um ein Jahr älter sei, daß aber im nächsten Jahre sein Bruder das Jahr abgelebt haben werde und daß sie dann gleich alt sein würden.
338.
Der Hodscha kam einmal zu Timur. Der Khan, der ihn sehr gern hatte, fragte ihn, wie groß seine Familie sei. Der Hodscha antwortete: »Zehn Köpfe.« Timur befahl, ihm für jeden einzelnen hundert Akscha auszuzahlen. Der Hodscha nahm die tausend Akscha in Empfang, ging zu Timur zurück und sagte ihm, daß er einen zu wenig angesagt habe. Timur fragte um den Namen des Ausgelassenen.
Der Hodscha antwortete: »Nasreddin-Effendi.«
Anmerkungen
literatur- und stoffgeschichtlichen Inhalts
Verzeichnis der im folgenden häufiger zitierten Bücher, Aufsätze und Zeitschriften
~Anthropophyteia~ = Ἀνθρωποφυτεία. Jahrbücher für Folkloristische Erhebungen und Forschungen zur Entwicklungsgeschichte der geschlechtlichen Moral, herausgegeben von Dr. Friedrich S. Krauss. I-VII. Leipzig, 1904 ff.
~Archivio~ = Archivio per lo studio delle tradizioni popolari, ed. Pitrè, Palermo, 1882 ff.
~Barker~ = A Reading Book of Turkish Language, by William Burckhardt Barker, London, 1854 (_enthält von S. 27 bis 106 der türkischen Paginierung_ Pleasing Tales of Khoja Nasr-il-Deen Effendi _in türkischer Sprache mit englischer Übersetzung_).
~Basset, _RTP_~ = _die von Basset in der_ Revue des traditions populaires, XVI ff., _aus dem_ Nawadir (_s. d._) _übersetzten Stücke_.
~Bonelli~ = Luigi Bonelli, Saggi del Folklore dell’isola di Malta, V: Voci infantili. Facezie di Gahan _im_ Archivio, XIV, _S. 457 ff_.
~Buadem~ = Buadem. Hundertunddreißig Anekdoten aus seinem Leben von Mehemed Tewfik _in Nr. 2735 der Reclamschen_ Universal-Bibliothek, _S. 39-93_. _Die Kenntnis der Nr. 131-226 der Buademschwänke Tewfiks, die bisher noch in keiner europäischen Sprache erschienen sind, verdanke ich der Liebenswürdigkeit des Herrn Dr. Theodor Menzel, der mir das Manuskript seiner deutschen Übertragung zur Durchsicht überlassen hat._
~Cantimir~ = Cantimir, Histoire de l’empire othoman, traduit par De Joncquieres, Paris, 1743 ff.
~Clouston, _Flowers_~ = Flowers from a Persian Garden, and other Papers by W. A. Clouston, London, 1890.
~Clouston, _Noodles_~ = The Book of Noodles by W. A. Clouston, London, 1888.
~Crane~ = Italian Popular Tales by Thomas Frederick Crane, London, 1885.
~De la Croix~ = De la Croix, Geschichte des osmanischen Reiches, deutsch von Schulz, Frankfurt, 1769 ff.
~Doran~ = The History of Court Fools by Dr. Doran, London, 1858.
~Ethé~ = Essays und Studien von Dr. Hermann Ethé, Berlin, 1872; _darin S. 233-254_: Ein türkischer Eulenspiegel.
~Flögel~ = Geschichte der Hofnarren von Karl Friedrich Flögel, Liegnitz und Leipzig, 1789.
~_Fourberies_~ = Les Fourberies de Si Djeh’a, contes kabyles, recueillis et traduits par Auguste Mouliéras. Traduction française et notes avec une étude sur Si Djeh’a et les anecdotes qui lui sont attribuées, par M. René Basset, Paris, 1892.
~Galland~ = Les paroles remarquables, les bons mots, et les maximes des Orientaux (_par Ant. Galland_), A la Haye, 1694.
~Gazeau~ = Les Bouffons par M. A. Gazeau, Paris, 1882.
~Gonzenbach~ = Sicilianische Märchen. Aus dem Volksmunde gesammelt von Laura Gonzenbach. Mit Anmerkungen Reinhold Köhler’s und einer Einleitung herausgegeben von Otto Hartwig. Leipzig, 1870. _2 Bände._
~Griechisch~ = Ὁ Νὰσρ-ἐδδὶν-Χότζας καὶ τὰ ἀστεῖα ἀνέκδοτα αὐτοῦ. Ἐν Ἀθήναις, Βιβλιοπωλεῖον Μιχαὴλ Σαλιβέρου.
~Hammer~ = Hammer, Geschichte des osmanischen Reiches, Pest, 1827 ff.
~Hartmann~ = M. Hartmann, Schwänke und Schnurren im islamischen Orient _in der_ Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, V, _S. 40 ff_.
~Ilg~ = Maltesische Märchen und Schwänke. Aus dem Volksmunde gesammelt von B. Ilg. Leipzig, 1906. _2 Bände._
~Köhler~ = Kleinere Schriften von Reinhold Köhler, herausgegeben von Johannes Bolte, Weimar (Berlin), 1898 ff. _3 Bände; darin I, S. 481-509_: Nasreddins Schwänke.
~Kroatisch~ = Posurice i sale Nasredina. Drugo izdanjf. Zagreb, L. Hartman.
~Kuka~ = The Wit and Humour of the Persians by Meherjibhai Nosherwanji Kuka, Bombay, 1894.
~Mango~ = F. Mango, La leggenda dello sciocco nelle novelline calabre _im_ Archivio X, _S. 45 ff_.
~Mardrus~ = Le livre des Mille nuits et une nuit, traduction littérale et complète du texte arabe par le Dr. J. C. Mardrus. Tome XV, Paris, 1904; _darin S. 93-118_: Quelques sottises et théories du maître des devises et des ris.
~Monnier~ = Les contes populaires en Italie par Marc Monnier, Paris, 1880.
~Murad~ = Nassreddin Chodja. Ein osmanischer Eulenspiegel von Murad Efendi (_d. i. Fr. v. Werner_), Vierte Auflage, Oldenburg (_Die erste Ausgabe ist 1878 erschienen_).
~_Nawadir_~ = Nawadir el chodscha nasr ed-din effendi dschoha, Kairo, o. J.
~Nick~ = Fr. Nick, Die Hof~ und Volks-Narren, Stuttgart, 1861. _2 Bände._
~Nouri~ = Nasreddin Khodjas Schwänke und Streiche. Türkische Geschichten aus Timurlenks Tagen erzählt von Ali Nouri, Breslau, 1904.
~Pann~ = Anton Pann, Opere complete. Editia II-a, Vol. I, Bucuresti, 1909; _darin S. 327-356_: Nazdravaniile lui Nastratin Hogea (_ist zuerst 1853 erschienen_).
~Pharaon~ = Spahis, Turcos et Goumiers par Florian Pharaon, Paris, 1864; _das 9. Kapitel_, Les réunions de Turcos, _enthält eine Anzahl Dschehageschichten_.
~Pitrè~ = Fiabe, novelle e racconti popolari siciliani, raccolti ed illustrati da Giuseppe Pitrè, Palermo, 1875. _4 Bände; darin III, S. 353-379_: Giufà.
~Roda Roda~ = Roda Roda, Der Pascha lacht. Morgenländische Schwänke, Berlin und Leipzig, 1909; _darin S. 121-125_: Von Nassr’eddin.
~_RTP_~ = Revue des traditions populaires, Paris, 1885 ff.
~Serbisch~ = Nasradin-hodza, njegove sale, dosetke i lakrdje u pripodjetkama od Mehemeda Tevfika. Prevod s nemackog. U Nuvom Sadu, 1903.
~Sottisier~[103] = Sottisier de Nasr-Eddin-Hodja, Bouffon de Tamerlan, suivi d’autres facéties turques, traduits sur des manuscrits inédits par J. A. Decourdemanche, Bruxelles, 1878.
~Stumme, _Malta_~ = Stumme, Maltesische Märchen, Gedichte und Rätsel, Leipzig, 1904.
~Stumme, _Studien_~ = Stumme, Maltesische Studien, Leipzig, 1904.
~Stumme, _Tamazratt_~ = Stumme, Märchen der Berbern von Tamazratt in Südtunisien, Leipzig, 1900.
~Stumme, _Tripolis_~ = Stumme, Märchen und Gedichte aus der Stadt Tripolis in Nordafrika, Leipzig, 1898.
~Stumme, _Tunis_~ = Stumme, Tunisische Märchen und Gedichte, Leipzig, 1893.
~Tewfik~ = Die Schwänke des Naßr-ed-din. Ausgewählt und ergänzt von Mehemed Tewfik _in Nr. 2735 der Reclamschen_ Universal-Bibliothek, _S. 5-38_.
~_Tréfái_~ = Naszreddin hodsa tréfái. Török (kisásziai) szöveget gyüjtötte, forditással es jegyzetekkel ellátta Dr. Kúnos Ignácz. Budapest, 1899 (_Die Schwänke 1-136 auch bei_ Radloff, Die Sprachen der türkischen Stämme, Petersburg 1866 ff., I. Abteilung, VIII, _S. 408-436_).
~_Volksbuch_~ = 1. Les Plaisanteries de Nasr-Eddin Hodja, traduites du Turc par J.-A. Decourdemanche. Seconde édition, augmentée de Naivetés de Karacouch. Paris, 1908 (_Die erste Ausgabe ohne die Karakuschanekdoten ist 1876 erschienen_). 2. Meister Nasr-eddin’s Schwänke und Räuber und Richter. Aus dem türkischen Urtext wortgetreu übersetzt von Wilh. von Camerloher, und resp. Dr. W. Prelog in Konstantinopel, Triest, 1857 (_Das Vorwort Camerlohers ist von 1855 datiert_).
~Walawani~ = Ἰωακεὶμ Βαλαβάνη, Μικρασιατικά, Ἀθήνησι, 1891; _darin S. 140-159_: Ὁ Νασρεδδὶν Χώτζας (_dieser Aufsatz ist schon 1888 im_ Βυζαντινὸν Ἡμερολόγιον, _S. 297-310 erschienen_).
~_ZVV_~ = Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Berlin, 1890 ff.
I. Türkische Überlieferungen
1. Die hundertfünfundzwanzig Schwänke des Volksbuchs
1. _Volksbuch_, Nr. 1[104]; Barker, S. 27 ff.; _Sottisier_, Nr. 1 (erster Teil); Tewfik, Nr. 30; Nouri, S. 19 ff.; _Tréfái_, Nr. 1; _Nawadir_, S. 2 (Basset _RTP_, XVII, S. 93); Meißner, _Neuarabische Geschichten aus dem Iraq_, Leipzig 1903, S. 56 und 57, Nr. 3: _Eine Schnurre vom Chawadja Nasreddin_; Kuka, S. 222; Griechisch, Nr. 11; Serbisch, S. 11 ff.; Kroatisch, S. 10 ff.; Murad, Nr. 3.
Nick, I, S. 151; Köhler, I, S. 484[105]; Clouston, _Flowers_, S. 66; Gazeau, S. 193; _Fourberies_, S. 19; Hartmann, S. 65 ff.
In der _RTP_, XVII, S. 94 zitiert Basset eine ukrainische Version aus der _Kryptadia_, VIII, Paris, 1902, S. 391: _Pourquoi les raskolniks ont la tonsure_; eine rumänische steht bei Ispirescu, _Snóve sau Povesti Populare_, ed. 2-a, Bukarest, 1875 (M. Gaster im _Magazin für die Literatur des Auslandes_, XCVI, S. 564). Vgl. auch eine Schnurre in dem aus dem 16. Jahrhunderte stammenden _Liber facetiarum_ oder _Libro de chistes_ von Luis de Pinedo (A. Paz y Mélia, _Sales españolas_, I, Madrid, 1890, S. 266 ff.), die nur eine Parallele zu Nasreddins dritter Predigt bietet, und den Schluß der 8. Facetie Arlottos in meiner Ausgabe (= Bd. I und II der _Narren, Gaukler und Volkslieblinge_), I, S. 28 und 188.
2. _Volksbuch_, Nr. 2; Barker, S. 30; _Sottisier_, Nr. 1 (zweiter Teil); Tewfik, Nr. 66; Nouri, S. 21; _Tréfái_, Nr. 3; Mardrus, S. 94; _Nawadir_, S. 2 (Basset _RTP_, XVI, S. 463); Griechisch, Nr. 12; Serbisch, S. 33; Kroatisch, S. 27.
_Fourberies_, S. 17; _Tréfái_, S. 21.
Vgl. auch unten die Nrn. 243 und 244.
3. _Volksbuch_, Nr. 3; Barker, S. 30 ff.; Tewfik, Nr. 67; _Tréfái_, Nr. 2; _Nawadir_, S. 2 (Basset _RTP_, XVI, S. 464); Griechisch, Nr. 13; Kroatisch, S. 27.
Gazeau, S. 193; _Tréfái_, S. 21.
Vgl. auch unten Nr. 242.
4. _Sottisier_, Nr. 81; _Volksbuch_, Nr. 4; Barker, S. 31 ff.; Tewfik, Nr. 53; _Tréfái_, Nr. 4; _Nawadir_, S. 3 (Basset _RTP_, XVII, S. 34); Griechisch, Nr. 14; Serbisch, S. 27; Kroatisch, S. 23.
_Fourberies_, S. 41.
5. _Sottisier_, Nr. 10; _Volksbuch_, Nr. 5; Barker, S. 32 ff.; Nouri, S. 216 ff.; _Tréfái_, Nr. 5; _Nawadir_, S. 4; Kuka, S. 214; Griechisch, Nr. 6; Serbisch, S. 108; Kroatisch, S. 85.
_Fourberies_, S. 30.
Der Schwank findet sich mutatis mutandis in der _Disciplina clericalis_ von Petrus Alphonsi (hg. v. Fr. W. V. Schmidt, Berlin, 1827, S. 82); der Verfasser scheint aus dem _Kitab al ikd al farid_ von Achmed ibn Abdirabbihi († 940)[106] oder aus dessen Quellen geschöpft zu haben. Die Erzählung Abdirabbihis hat Basset in der _RTP_, XVII, S. 95 übersetzt. Näher den obigen Versionen steht aber der folgende, wahrscheinlich noch um 500 Jahre ältere Abderitenschwank (_Philogelos. Hieroclis et Philagrii Facetiae_, ed. Eberhard, Berlin, 1869, S. 30, Nr. 124):
Ἀβδηρίτης κατ’ ὄναρ χοιρίδιον ἐπώλει καὶ εζήτει δηνάρια ἑκατόν. διδόντος δέ τινος πεντήκοντα, μὴ βουλόμενος λαβεῖν, διύπνισε. καμμύσας οὖν καὶ τὴν χεῖρα προτείνας, εἶπε· δὸς κἂν τὰ πεντήκοντα.
Vgl. auch die von St. Julien im _Journal asiatique_, IV, 1824, S. 100 aus dem chinesischen Buche _Siao li Siao_ übersetzte Erzählung.
6. _Volksbuch_, Nr. 6; Barker, S. 33 ff.; _Tréfái_, Nr. 6; _Nawadir_, S. 5 (Basset _RTP_, XVII, S. 94); Basset, _Étude sur la Zenatia du Mzab de Ouargla et de l’Oued-Rir’_, Paris, 1893, S. 102 ff., Nr. 2: _Les excuses de Djoh’a_; Griechisch, Nr. 15.
Gazeau, S. 194.
7. _Volksbuch_, Nr. 7; Barker, S. 34 ff.; _Sottisier_, Nr. 38; Tewfik, Nr. 21; Nouri, S. 193 ff.; _Tréfái_, Nr. 8; _Nawadir_, S. 5 (Basset _RTP_, XVII, S. 35); Basset, _Zenatia_, S. 109, Nr. 7: _Djoh’a et le maître d’un jardin_; Griechisch, Nr. 103; Serbisch, S. 24 ff.; Kroatisch, S. 80 ff. und 9.
Clouston, _Noodles_, S. 11 ff.; Gazeau, S. 194; _Fourberies_, S. 35; Hartmann, S. 63; Tréfái, S. 19.
Horn bringt (S. 69) eine jedenfalls ältere Version aus der _Herzerfreuenden Schrift_ des Persers Ubeid Zakani († 1370/71) bei, die wohl identisch ist mit Kuka, S. 189, Nr. 202; als Parallele sei noch Krauss, _Zigeunerhumor_, Leipzig, 1907, S. 87 ff.: _Der Knoblauch_ genannt. Vgl. auch die unten (II, S. 125 ff.) als Nr. 441 mitgeteilte Juvadigeschichte.
8. Barker, S. 35 ff.; _Volksbuch_, Nr. 8; _Sottisier_, Nr. 6; Tewfik, Nr. 22; Nouri, S. 140 ff.; _Tréfái_, Nr. 9; _Nawadir_, S. 5 (Basset _RTP_, XVII, S. 96 ff. und XIX, S. 20); Griechisch, Nr. 82; Serbisch, S. 29; Kroatisch, S. 82 ff. und 9.
_Fourberies_, S. 29.
9. _Volksbuch_, Nr. 9; Barker, S. 36 ff.; _Sottisier_, Nr. 41; Tewfik, Nr. 68; _Tréfái_, Nr. 10; _Nawadir_, S. 5 (Basset _RTP_, XVII, S. 97); Griechisch, Nr. 38; Kroatisch, S. 26 ff.; Murad, Nr. 16.
Köhler, I, S. 484; Gazeau, S. 195; _Fourberies_, S. 35.
Etwas ähnliches erzählen G. Finamore im _Archivio_, IX, S. 157 ff. von dem Pfarrer Zi’Tanghe in Gamberale (um 1700) und Ispirescu, S. 86 (_Magazin_, XCVI, S. 595); derlei ~sonderbare Zeitrechnungen~ kehren auch wieder in Wickrams _Rollwagenbüchlein_, Nr. 47 (Boltes Nachweise S. 375), im _Sackful of News_ (Hazlitt, _Shakespeare Jest-Books_, II, London, 1864, S. 186), bei Monnier, S. 216 ff. und in der _Anthropophyteia_, I, S. 81 ff. Bei Galland, S. 54 zählt ein Schneider in Samarkand die Toten, die auf den Friedhof geschafft werden, indem er bei jedem ein Steinchen in einen Topf wirft; als er dann selber stirbt, sagt ein Nachbar: »Nun ist auch er in den Topf gefallen wie die andern.« Vgl. auch die 117. Facetie Arlottos, II, S. 98 und E. J. Bronner, _Bayerisches Schelmen-Büchlein_, Diessen, 1911, S. 61 ff.
Dem Schlusse der Facetie Nasreddins steht sehr nahe die folgende Schnurre aus Campbell, _Popular Tales of the West-Highlands_, New Ed., London, 1890, II, S. 399.
The Assynt man once went to Tain to buy meal. Outside the town, a man asked him if he knew what o’clock it was. »Last time it was 12. If it is striking still, it must be at 50.«
10. _Volksbuch_, Nr. 10; Barker, S. 38; _Sottisier_, Nr. 20; Tewfik, Nr. 59; _Tréfái_, Nr. 11; Mardrus, S. 98; _Nawadir_, S. 9 (Basset _RTP_, XVII, S. 481); Griechisch, Nr. 39; Walawani, S. 67 und 155; Serbisch, S. 32; Kroatisch. S. 36; Murad, Nr. 4. Vgl. auch Nr. 109.
Ethé, S. 239; Köhler, I, S. 484 ff. und 505; Gazeau, S. 194; _Fourberies_, S. 31.
Zu der von Köhler angezogenen Stelle aus Heines _Reisebildern_ (_Die Bäder von Lucca_, Kap. 13) vgl. die Verwendung, die sie im _Gendre de M. Poirier_ von E. Augier und J. Sandeau, 2. Akt, 1. Szene, gefunden hat. Mit der Nasreddinschen Version stimmt vollständig eine von Strafforello in der _Sapienza del mondo_, Torino, 1878 ff., II, S. 462 mitgeteilte.
11. _Sottisier_, Nr. 240; _Volksbuch_, Nr. 11; Barker, S. 38 ff.; _Tréfái_, Nr. 12; Griechisch, Nr. 83; Serbisch, S. 161.
Gazeau, S. 195.
Wie sich hier Nasreddin an dem Kamel rächen will, so strafen im _Philogelos_, Nr. 111 die Abderiten einen Esel, lassen aber bei der Exekution alle Esel der Stadt anwesend sein, damit sie sich ein Beispiel nähmen; ähnlich machen es bei Zincgref-Weidner, _Teutsche Apophtegmata_, Amsterdam, 1653 ff., IV, S. 280 deutsche Städter und bei Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_, Paris, 1886, III, S. 359 ff.: _La truie pendue_ die Einwohner von Marsolan mit einem bösen Schweine und der Sieur Gaulard in Tabourots _Contes facecieux du Sieur Gaulard_ (Ausgabe Paris, 1662, S. 191) mit einem schlimmen Pferde. Wohl nach Tabourot erzählen Zincgref-Weidner, V, S. 114 ff. und Chr. Lehmann, _Florilegium politicum_, 1630, S. 731 ff.; s. auch Albrecht Keller, _Die Schwaben in der Geschichte des Volkshumors_, Freiburg, 1907, S. 267 ff., wo allerdings die Hinrichtung des Farren aus einem andern Grunde erfolgt, wo aber auch alle Rinder Exekutionszeugen sein müssen. Wir werden dem Motive der ~Strafe von Tieren~, das sich auch in der Rechtsgeschichte verfolgen läßt, noch öfter begegnen; vgl. besonders Nr. 356.
12. _Volksbuch_, Nr. 12; Barker, S. 39; _Sottisier_, Nr. 13; Tewfik, Nr. 17; Nouri, S. 221; _Tréfái_, Nr. 13; _Nawadir_, S. 9; Griechisch, Nr. 84; Serbisch, S. 28; Kroatisch, S. 8.
Gazeau, S. 195 ff.
13. _Sottisier_, Nr. 241; _Volksbuch_, Nr. 13; _Tréfái_, Nr. 14; _Nawadir_, S. 9; Serbisch, S. 165 ff. (nicht obszön).
Gazeau, S. 196; _Fourberies_, S. 60.
14. _Volksbuch_, Nr. 14; Barker, S. 39 ff.; _Sottisier_, Nr. 54; Tewfik, Nr. 54; Nouri, S. 186 ff.; _Tréfái_, Nr. 15; _Nawadir_, S. 10 (Basset _RTP_, XVII, S. 482); _Fourberies_, Nr. 11; Griechisch, Nr. 28; Serbisch, S. 22; Kroatisch, S. 23.
Gazeau, S. 196.
15. _Volksbuch_, Nr. 15; _Sottisier_, Nr. 27; Tewfik, Nr. 48; _Tréfái_, Nr. 17; _Nawadir_, S. 10 (Basset _RTP_, XVII, S. 483); Griechisch, Nr. 29; Serbisch, S. 44 (anders S. 109); Kroatisch, S. 17.
Gazeau, S. 196.
Eine hübsche persische Variante steht bei Kuka, S. 186, Nr. 96.
16. _Sottisier_, Nr. 247; _Volksbuch_, Nr. 16; Barker, S. 40 ff.; Nouri, S. 190; _Tréfái_, Nr. 16; Griechisch, Nr. 25; Serbisch, S. 39 und 168.