Part 11
»Ach, Liebste,« antwortete der Hodscha, »bis du gekommen bist, habe ich ihn neunmal von diesem Sik Joghurt saugen lassen; wenn du das getan hättest, schliefest du auch.«
252.
»Hodscha,« sagte eines Tages seine Frau zu ihm, »du gehst von mir geradeso weg wie vom Abtritt.«
Als er nun einmal vom Abtritte wegging, ließ er wirklich einen Wind. Einer, der vorbeiging, sagte zu ihm: »Das ist eine Schande.«
Er antwortete: »Das ist diese Dirne, von der ich gelernt habe, aufzumachen, was man nicht soll.«
253.
Eines Tages sagte der Hodscha zu seiner Frau: »Koch mir Halwa.« Seine Frau bereitete die Kuchen und gab sie ihm; er legte sie in eine Schachtel. Als er nun damit auf dem Wege war, lockten ihn die Kuchen; er begann ein bißchen zu essen, dann noch ein bißchen, bis schließlich alles verzehrt war. So kam er zum Bei, und der schrie, kaum daß er ihn erblickt hatte: »Willkommen, Hodscha!«
»Gnädiger Herr,« sagte Nasreddin, »ich habe dir eine Schachtel Halwa mitgebracht; wenn du mir nicht glaubst, so schau dir die Schachtel an, die ich dahabe.« Und er zeigte ihm die Schachtel.
254.
Man brachte dem Sohne des Hodschas weißen Halwa und fragte ihn: »Was ist das?«
Er besah die Kuchen von allen Seiten und sagte: »Das ist ein Topf mit weißen Zwiebeln.«
Da schrie der Hodscha: »Gott soll mich strafen, wenn er das von mir gelernt hat!«
255.
Eines Tages sah der Hodscha einen hübschen Esel; augenblicklich trat er an ihn heran und nahm ihn her. Kaum war er fertig, als zwei Männer daherkamen, und die fragten ihn: »Was machst du da, Hodscha?«
»Seht ihrs denn nicht?« antwortete er; »ich mache, daß ich von diesem Vieh wegkomme.«
256.
Eines Tages besprang der Hodscha ganz nahe bei einer Moschee einen Esel; ein Mann, der vorbeiging, spuckte aus. Da schrie der Hodscha voll Unwillen: »Wenn ich nicht eben beschäftigt wäre, würde ich dich lehren, hier ausspucken!«
257.
Eines Tages besprang der Hodscha seinen Esel; da er einen Mann herankommen sah, bedeckte er sich mit seinem Mantel. Der Mann trat näher; er hob einen Zipfel des Mantels und schrie: »Wer ist das?«
Der Hodscha antwortete: »Sieh nach, bitte, was imstande gewesen ist, mich in diese Lage zu bringen; ich wenigstens weiß von gar nichts.«
258.
Der Hodscha hatte eines Tages seinen Esel mit Schilf beladen. Da er bemerkte, daß die Last auf der einen Seite schwerer war als auf der andern, sagte er: »Ich will den schwerern Bund anzünden; so wird sich das Gleichgewicht herstellen, und überdies werde ich mich, da mir sowieso kalt ist, wärmen können.« Kaum spürte aber der Esel die Wärme, als er davonzulaufen begann. Der Hodscha setzte ihm nach und schrie: »Hat man dich denn beim Füttern nicht getränkt, daß du es so eilig hast, zum Wasser zu kommen?«
259.
Als einmal der Hodscha seinen Esel verloren hatte, sagte einer zu ihm: »Ich habe ihn dort und dort als Muezzin gesehn.« Der Hodscha ging in die ihm genannte Ortschaft, und als er ankam, stieg eben ein Muezzin aufs Minaret, um zum Gebete zu rufen; und der Hodscha schrie, als er das sah: »Woher kommt denn der Unselige!« Dann nahm er seinen Sack vom Rücken, nahm eine Handvoll Gerste und zeigte sie, wie man es macht, wenn man einen Esel ruft, dem Muezzin und rief: »Tschosch, Tschosch!«
Der Muezzin sah vom Minaret aus, daß ihm der Hodscha etwas anbot; er dachte, der Hodscha wolle ihn herunterlocken, um ihm einen Streich zu spielen, und so sagte er: »Du willst mich foppen; aber die Kosten wirst du bezahlen.«
Über diese Antwort war der Hodscha ganz verdutzt.
260.
Eines Tages besprang der Hodscha seinen Esel und legte sich dann mitten auf dem Wege in der Sonne neben ihm nieder, den Sik entblößt. Ein Mann kam dazu, und der schrie: »Was machst du da? das ist schändlich!«
»Ah,« sagte der Hodscha, »warum sollte ich ihn nicht trocknen lassen? wenn ich ihn bei meiner Frau gebraucht habe, tue ichs ja auch.«
261.
Der Hodscha hatte acht Esel; auf einen stieg er. Als er dann seinen Ritt gemacht hatte, zählte er sie, brachte aber nur sieben heraus; er vergaß nämlich den, auf dem er saß. Nachdem er abgestiegen war, brachte er acht heraus; über diese Erscheinung war er ganz verdutzt, so daß ihn einer, der vorüberkam, fragte, worüber er sich wundere. Er schrie: »Früher waren es nur sieben; jetzt sind es auf einmal acht.«
»Der, auf den du gesessen hast, hat eben die Zahl vollgemacht.«
Und der Hodscha antwortete: »Ja, wie hätte ich denn sehn sollen, was ich am Hintern hatte?«
262.
Eines Tages ging der Hodscha mit seinem Amad auf die Jagd. Er hatte einen Falken auf der Hand; sie ließen ihn steigen und er setzte sich auf einen Ochsen. Alsbald schlang der Hodscha einen Strick um den Kopf des Ochsen, zog ihn zu sich nach Hause und band ihn an. Der Eigentümer ging seinen Ochsen suchen und fand ihn schließlich beim Hodscha; da sagte er zum Hodscha: »Der Ochs ist mein; wieso hast du ihn hier angebunden?«
»Potzteufel, Dummkopf,« antwortete der Hodscha, »mein Falke hat ihn gebeizt; er ist meine Jagdbeute.«
Sie gingen mitsammen zum Kadi und erklärten ihm den Fall. Der Kadi schrie: »Aber Hodscha, seit wann fängt denn ein Falke einen Ochsen?«
»Nun,« antwortete Nasreddin, »auf das Kamel zu beizen, ist gewiß nicht verboten; sollte denn zwischen einem Vieh und dem andern mehr Unterschied sein als zwischen ihnen und dir?«
263.
Der Amad sagte eines Tages zum Hodscha: »Hodscha, du bist nicht imstande, dich, wenn man Speisen vor dich hinstellt, so zurückzuhalten, wie die gebildeten Fremden tun, die nach ein paar Bissen zu essen aufhören.«
»Amad,« antwortete der Hodscha, »ich werde mir einen Faden an die Zehe binden; wenn du bemerkst, daß ich zu viel esse, so ziehe daran.«
Dergestalt miteinander einig, wurden einmal der Hodscha und sein Amad zu einem Mahle eingeladen. Eben war das Auftragen beendigt, als eine Katze ihre Pfote auf den Faden legte, der an dem Fuße des Hodschas befestigt war; sofort hörte der Hodscha zu essen auf.
Man fragte ihn: »Warum ißt du nichts, Hodscha?«
»Warum ich nicht esse?« schrie er; »mein Amad zieht ja am Faden!«
264.
Eines Tages wollte der Hodscha der Liebe pflegen; aber von ungefähr setzte sich eine Biene auf sein männliches Glied. Da schrie er: »Du weißt also ganz gut, was gut ist; es ist auch wahrhaftig eine Blume, die gewählt zu werden verdient, wenn es gilt, Honig zu bereiten!«
265.
Eines Tages legte man dem Hodscha die Frage vor: »Was soll die Versammlung tun, wenn der Imam einen Wind läßt?«
»Was sie tun soll,« antwortete der Hodscha; »aber es ist klar, sie muß scheißen.«
266.
Als der Hodscha eines Tages auf dem Markte war, besahen sich die Leute sein Geld besonders aufmerksam; da sagte er zu einem: »Was siehst du denn daran außergewöhnliches? ist es vielleicht das, das der Bankhalter deiner Mutter versprochen hat, um bei ihr zu schlafen?«
267.
Der Hodscha, der schon einen weißen Bart hatte, sah eines Tages eine Schar Frauen, die eine Braut dem jungen Gatten zuführten. Da verließ ihn seine Kaltblütigkeit und er tat ihnen einen Schimpf an. Sie sagten zu ihm: »Schämst du dich denn nicht? wie kannst du dich denn bei deinem weißen Barte so wenig zurückhalten?«
»Frißt vielleicht«, antwortete er, »ein weißer Hund weniger Dreck als ein anderer?«
268.
Eines Tages wollte der Hodscha in der Nachbarschaft einen Becher entleihen; da sagte seine Frau zu ihm, indem sie sich entblößte: »Nimm den da!«
»Meinetwegen,« antwortete er, indem er sich auch entblößte; »der Klotz da wird ihn schon in die richtige Form bringen.«
269.
Als der Hodscha eines Tages in den Busch ging, begegnete er einem reitenden Boten. Bald darauf sah er, nachdem er auf seinen Esel gestiegen war, nach allen Seiten herum, konnte aber den Reiter nicht erblicken; dann sah er ihn wieder und da schrie er: »He, Mann! he, Mann!«
Der antwortete: »Du sollst nicht Mann sagen; du mußt Bote sagen.«
Nach einer kleinen Weile sagte der Hodscha, sich über seinen Esel beklagend: »Da schau einer dieses Füllen an!«
Der andere sagte: »Das ist kein Füllen; das ist ein ausgewachsener Eselshengst.«
Und der Hodscha antwortete: »Ich habe meine Gründe, ihn nicht Esel zu nennen; mein Vater hat uns nämlich miteinander aufgezogen.«
270.
Der Hodscha nahm eines Tages den Esel seines Nachbars und ging mit ihm ins Gebirge. Auf dem Wege kam er an einen Fluß, der über die Ufer getreten war; er versuchte ihn auf dem Esel reitend zu übersetzen, aber die Strömung packte den Esel und er konnte ihn nicht retten.
Als er betrübt heimkam, fand sich der Eigentümer des Esels bei ihm ein und forderte ihn zurück. Und der Hodscha sagte: »Als ich über denundden Fluß setzte, hat ihn die Strömung mit sich fortgerissen.«
Der Herr des Esels ging weg, aber bald darauf wurde der Hodscha zum Kadi gerufen; und dem antwortete er: »Effendi, um diesen Esel wiederzubekommen, heißt es sich an unsere Freunde wenden; der eine hat den Kopf, der andere den Schwanz und so weiter.«
271.
Eines Tages sah der Hodscha auf dem Markte eine Frau; er trat auf sie zu und fragte sie: »Was hast du zu verkaufen?«
»Was ich auf dem Rücken trage.«
»Willst du nicht vielleicht einen tüchtigen Schwanz kaufen?«
Sie schrie: »Du bist wahrhaftig verrückt!«
Aber der Hodscha antwortete, ohne irgendwie ungehalten zu sein: »Glaub es mir: wenn du keinen Schwanz kaufen und kein Loch verkaufen willst, so hast du auf dem Markte nichts zu tun.«
272.
Eines Tages stieg der Hodscha auf die Kanzel und sagte: »Danken wir Gott, Muselmanen, daß er sich in seiner Allmacht einen Palast hat erbauen können ohne Säulen; denn sonst hätte er Steinbäume gebraucht, und deren Früchte hätten uns, je nachdem sie reif geworden wären, beim Herunterfallen erschlagen.«
273.
Als der Hodscha einmal seine Straße ging, fand er ein totes Huhn auf dem Wege liegen. Augenblicklich hob er es auf; er trug es heim, rupfte und kochte es und setzte es auf den Tisch. Da schrien die Leute, die dabei waren: »Aber Hodscha, das Huhn ist unrein; es hat ja sein Leben nicht durch die Hand eines Menschen verloren.«
»Ihr Narren,« schrie der Hodscha, »soll es denn unrein sein, weil es Gott getötet hat und nicht ihr?«
274.
Einer von den Nachbarn des Hodschas Nasreddin war gestorben, und die andern luden den Hodscha ein, die vorgeschriebenen Bräuche zu vollziehen. Er sagte bereitwillig zu; er begleitete sie, der Tote wurde gewaschen, ins Leichentuch gehüllt und auf den Friedhof getragen und nach dem Gebete legte man ihn ins Grab. Als sich dann die Leute anschickten, wegzugehn, sagte der Hodscha: »Bezahlt mir, was mir für das Begräbnis zukommt.«
»Das ist billig,« sagten sie.
Sie befriedigten ihn und zerstreuten sich. Als aber jeder zu seinem Geschäfte zurückgekehrt war, band er den Sarg zusammen und trug ihn zu einem Flusse und ließ ihn dort; bald erfaßte ihn die Strömung und riß ihn fort. Unterdessen ging der Hodscha im ganzen Viertel herum und sagte: »Der Mann war reich an geheimen Verdiensten; er hat, tot, wie er war, samt seinem Sarge das Grab verlassen und ist zum Himmel gefahren.«
Jedermann glaubte es und traute seinen Worten, bis eines Tages einer von den Dorfleuten von ungefähr einen Sarg sah, der an das Ufer getrieben war; andere Leute kamen dazu, und sie nahmen den Sarg aus dem Wasser, und bald wußten sie, woran sie waren. Da sagten sie: »Morgen verlangen wir vom Hodscha das Geld für das Begräbnis zurück; mindestens muß er etwas nachlassen.«
Sie gingen zu ihm und setzten ihm ihre Forderung umständlich auseinander; aber der Hodscha antwortete ihnen, ohne sich erst zu bedenken: »Gott hat ihn zuerst für einen guten Menschen gehalten, aber er hat sich getäuscht; als er dann seinen Irrtum inne geworden ist, hat er ihn wieder heruntergeworfen.«
275.
Eines Tages kamen etliche Frauen an das Ufer eines Flusses, und sie wußten nicht, wie sie auf die andere Seite hinübergelangen sollten. Da kam der Hodscha heran, und der fragte sie: »Worauf wartet ihr?«
Sie antworteten: »Wenn du uns hinüberbringst, geben wir dir jede einen Asper.«
Augenblicklich legte der Hodscha Kleider und Hosen ab und stieg ins Wasser; und er trug eine nach der andern hinüber. Schließlich blieb nur noch eine alte Frau; die aber fühlte, wie er sie von dem einen Ufer ans andere trug, daß sie ein Gelüst ankam, und so sagte sie zu ihm: »Mir sind verliebte Gedanken gekommen, ich muß es schon gestehn; weißt du, wer ich bin, Hodscha?«
»Nun wer denn?«
»Ich bin die Mutter der Lust.«
»Und wenn du die Mutter des Imams wärest,« antwortete der Hodscha, »so würde mich das nicht abhalten, dich herzunehmen wie einen Mann.«
Er entblößte sie, brachte sie in die richtige Stellung und besprang sie verwegen; und mitten darin ließ er einen Wind. Sie sagte: »Was machst du da, Hodscha?«
Er antwortete: »Vor eitel Lust an dem, was du mir geöffnet hast, habe ich es an mir auch geöffnet.«
276.
Als der Hodscha eines Tages mit seiner Frau einen Fluß entlang ging, fiel sie ins Wasser, und die Strömung riß sie fort. Augenblicklich begann der Hodscha flußaufwärts zu laufen; das fiel den Leuten auf und sie fragten ihn: »Was suchst du, Hodscha?«
»Meine Frau; sie ist ins Wasser gefallen.«
»Aber Effendi,« erwiderten sie, »flußaufwärts darfst du sie doch nicht suchen; der Fluß fließt ja hinunter und nimmt sie mit.«
»O nein,« schrie der Hodscha; »meine Frau hatte ein so widerspenstiges Wesen, daß sie entschieden aufwärts treibt.«
277.
Einmal hatte der Hodscha Nasreddin aus Ochsenfleisch Würste gemacht; aber es vergingen zwei oder drei Tage, ohne daß er auch nur etliche verkauft hätte, und so warf er sie alle den Hunden hin und sagte zu diesen: »In einem Monat werdet ihr mich bezahlen.« Als dann der Monat um war, fing er die Hunde und sperrte sie in einen Garten, um sie zur Zahlung zu zwingen.
Und man fragte den Hodscha: »Was willst du von ihnen? es ist doch unerhört, Hunde einzusperren, damit sie zahlen.«
»Sie haben meine Würste gegessen; warum soll ich nicht mit ihnen verfahren, wie es mein Recht ist?«
Nach einigen auf diese Weise verbrachten Tagen begannen die Hunde unter dem Stachel des Hungers unruhig zu werden; und der Hodscha schrie: »Nur Geduld! wir werden schon sehn, wie sie sich aus der Sache ziehen werden.«
Nun war in dem Garten ein großer Stein, unter dem irgendjemand einen Topf voll Goldstücke verborgen hatte. Diesen Stein schob ein Hund bei seinen Bemühungen, etwas für seine Zähne zu finden, weg und warf dabei den Topf um, so daß der zerbrach; das Gold ergoß sich auf den Boden.
Der Hodscha las die Münzen auf; dann entließ er die Hunde und schrie: »Ach, die armen Kerle: ich hab ihre Ehrlichkeit ungerecht in Verdacht gehabt; aber warum haben sie mich nicht zur Frist bezahlt?«
278.
Eines Tages sagte sich der Hodscha, als er auf den Markt ging: »Es heißt achtgeben, daß ich nicht bestohlen werde«; und er tat seine Kürbisse in einen Sack und warf ihn über seine Schultern. Auf dem Markte angelangt sah er nun vor ihm einen Mann gehn, der früher hinter ihm gegangen war, und der trug auf dem Rücken einen Sack mit Kürbissen, der ebenso aussah wie der seinige. Da fragte er sich: »Wenn der, der da vorne geht, nicht ich bin, wer kann es dann sein? Wahrhaftig, ich verstehe es nicht.«
279.
Als der Hodscha eines Tages öffentlich das Morgengebet sprach und zu der Lobpreisung Gottes kam, stellte er sich aufrecht hin und verkündete zwei- oder dreimal mit geläufiger Zunge die Anrufung: »Allah ist groß!« Da er aber auch dann nicht aufhörte, diese Worte immer wieder zu wiederholen, schrie endlich einer: »Aber Hodscha, beim Morgengebete sollen doch nach der Anrufung, die du sprichst, zwei Verse aus der Überlieferung und zwei Gebote hergesagt werden; warum wiederholst du immerfort die Anrufung?«
»Tue ich es öfter, als es nötig wäre,« antwortete der Hodscha, »so bleibt eben Gott für das übrige mein Schuldner.«
280.
Der Hodscha brachte eines Tages eine Schüssel Joghurt auf den Markt, um sie zu verkaufen. Nun kamen ganze Wolken von Fliegen und setzten sich auf den Joghurt; da es ihm nicht gelang, sie zu verjagen, ging er zum Kadi, um gegen sie Klage zu führen, und der Kadi sagte zu ihm: »Nimm einen Schlägel und schlag die Fliegen tot, wo immer sie sitzen.«
Der Hodscha holte sich einen Schlägel, ging damit wieder zum Kadi und sagte zu ihm: »Effendi, ist das ein richtiger Fliegenschlägel?«
»Freilich,« antwortete der Kadi; »der ist wahrhaftig geeignet, sie überall zu vertilgen, wohin sie sich setzen.«
Just in diesem Augenblicke liefen etliche Fliegen über den Kopf des Kadis; kaum sah sie der Hodscha, als er sie auch schon mit seinem Schlägel auf dem Kopfe des Kadis erschlug, wobei freilich auch der Kadi tot auf dem Platze blieb. Alsbald wurde der Hodscha verhaftet, und die Leute, die dort waren, fragten ihn: »Warum hast du unsern Kadi getötet?«
Und der Hodscha antwortete: »Wenn ich das Gesetz auch nur in einem Punkte verletzt habe, so lasse man mich die Strafe der Vergeltung erleiden.«
Sie führten ihn dem Mufti vor und dem sagte er: »Er hat mir gesagt, ich solle mit diesem Schlägel die Fliegen erschlagen, wo immer es sei; ich habe ihrer einige auf seinem eigenen Kopfe gesehn und habe sie erschlagen: er darf also, wenn er gestorben ist, niemand verantwortlich machen, als sich selber. Übrigens geschieht nichts, ohne daß es Gott zuließe. Das ist es, was ich vorzubringen habe.«
»Wo hast du denn schon«, fragte ihn der Mufti, »eine solche Rechtsprechung gesehn? Weißt du nicht, daß geschrieben steht: ›Wo keine böse Absicht ist, kann es keine Züchtigung geben?‹«
»Das ist es ja gerade, was mich rechtfertigt,« antwortete der Hodscha; »man hätte wahrhaftig keine Schriftstelle finden können, die mir günstiger gewesen wäre!«
281.
Der Hodscha ging eines Tages ins Gebirge und belud seinen Esel mit Holz; dann sagte er zu ihm: »Nimm du diesen Weg, ich nehme den da.« Damit überließ er den Esel sich selber samt der Last, die er trug.
Als er nach einem eilig zurückgelegten Marsche nach Hause kam, fragte er seine Frau, ob der Esel schon daheim sei; aber sie sagte: »Ich weiß nichts von ihm.«
»Was?« sagte der Hodscha; »ich bin also zuerst gekommen?«
Er ging auf dem nämlichen Wege zurück und fand seinen Esel dort weiden, wo er ihn verlassen hatte; weiter mußte er sehn, daß ein Mantel, den er ihm auf den Rücken gelegt hatte, fehlte: man hatte ihn gestohlen. Da schrie er den Esel an: »He, wo ist mein Mantel? du bists, mit dem ich rede!«
Aber der Esel antwortete nichts — noch nie hat ja ein Tier gesprochen. Nun nahm ihm der Hodscha den Sattel vom Rücken und sagte: »Wenn du mir meinen Mantel zurückgibst, gebe ich dir auch deinen Sattel wieder.«
282.
Der Hodscha kaufte einen Neger; dann kaufte er neun Stück Seife, um ihn damit weißzuwaschen. Er führte ihn ins Bad und verwusch die neun Stück Seife; aber alles war umsonst, weil man eben einen Neger nicht weißwaschen kann. Ermüdet schrie der Hodscha endlich: »Da ist mir ja ein Meisterstück einer Färberarbeit in die Hände gekommen; es ist wirklich überflüssig, an einem fertigen Ding etwas ändern zu wollen.«
283.
Eines Tages sah der Hodscha im Bade zwei verzinkte Schalen und die gefielen ihm sehr gut; er steckte sie unter sein Badetuch und ging damit weg. Zwei Badejungen hatten ihn aber beobachtet und sagten nun zu ihm: »Das Bad tut dir wohl, Hodscha-Effendi.«
»Das Bad und die Schalen,« antwortete er.
284.
Es kam einer zum Hodscha, um ihn um Gastfreundschaft zu bitten, und klopfte an die Tür; der Hodscha kam und fragte ihn: »Wer bist du?«
»Ach, Effendi, kennst du mich nicht? ich bin der Amad Muzir-Effendis.«
»Sehr gut,« antwortete der Hodscha; »warte einen Augenblick, ich will dich zu unserm gemeinsamen Vater führen.«
Nasreddin schritt nun seinem Besucher voraus; und als sie zur Moschee gekommen waren, öffnete er die Tür, lud ihn mit einer Handbewegung ein, einzutreten, und sagte zu ihm: »So; so da sind wir bei dem gemeinsamen Vater der Gläubigen.«
285.
Eines Tages bat ein Kurde den Hodscha um Gastfreundschaft; und er sagte zu ihm: »Ich habe Hunger; bringe mir etwas zu essen.« Der Hodscha ging, bereitete in einem irdenen Napfe ein Gericht Joghurt und holte Brot, und das wollte er dem Fremden vorsetzen, als er bemerkte, daß sich der niedergelegt hatte und eingeschlafen war; da begann er Betrachtungen anzustellen und sprach bei sich: »Wie soll ich es anfangen, um ihn im Schlafe essen zu lassen?« Und schon nahm er mit einem Stückchen Brot etwas Joghurt und fuhr ihm damit über den Schnurbart. Einen Augenblick darauf erwachte der Kurde; und er schrie sofort: »Bring mir also etwas zu essen, mein Gastfreund!«
Und der Hodscha antwortete: »Aber du hast doch schon gegessen, während du schliefst! wenn du mir nicht aufs Wort glaubst, so schau dir deinen Schnurbart an; er ist noch ganz feucht.«
Der Kurde griff nach seinem Schnurbart und überzeugte sich, daß er noch voll Joghurt war; und er schrie spöttisch: »Sehr gut, mein Gastfreund! habe ich gegessen und getrunken, so sei Gott gelobt.«
286.
Einmal hatte der Hodscha einen Streit mit seiner Frau; plötzlich stellte er die Wiege mit dem Kinde zwischen sein Bett und das ihrige und schrie: »Trennen wir uns! hiermit verstoße ich dich.«
287.
Die Frau des Hodschas war schwanger. Als ihre Zeit gekommen war, fand sich die Wehmutter ein; es war Nacht, und niemand war da, um ihr zu helfen. Da rief sie den Hodscha: »Bring eine Kerze; es handelt sich um dein Werk.« Er beeilte sich, ihr eine Kerze zu bringen und blieb dann im Zimmer; als aber die Geburt vorüber war, nahm er die Kerze wieder und wollte damit weggehn. Da sagte die Wehmutter: »Bleib doch, Hodscha; es kommt noch eins.«
»Was?« sagte der Hodscha, »sie will mir ein zweites schenken?«
Er kam mit der Kerze zurück; wieder wurde ein Kind zur Welt gebracht, und wieder wollte sich der Hodscha mit der Kerze entfernen. Aber die Wehmutter rief: »Bleib doch; du sollst noch einen dritten Erben haben.«
Bei diesen Worten verlöschte er die Kerze. Und die Wehmutter fragte ihn: »Warum läßt du mich im Finstern?«
»Wie sie das Licht sehn,« antwortete er, »kommen diese Kinder nacheinander wie die Mücken; jetzt ists wahrhaftig schon genug.«
288.
Einmal lud man den Hodscha im Ramasan zu einem Iftar[100], und es wurde eine außerordentlich heiße Suppe aufgetragen. Der Hodscha nahm einen Löffel voll und führte ihn zum Munde; da er sich ihn nicht zurückzugeben getraute, verschluckte er ihn. Dann aber nahm er seine Mütze vom Kopf, legte sie auf seinen Sitz und setzte sich darauf; und die andern fragten ihn: »Warum setzt du dich auf deine Mütze?«
Er antwortete: »Damit nicht die Kissen Feuer fangen: ich brenne ja inwendig; wenn meine Mütze verbrennt, so schadet das wenigstens niemand.«
289.
Sooft der Hodscha sein Leinenzeug waschen wollte, begann es mit Gottes Zulassung zu regnen. Als er nun wieder einmal auf den Markt ging, um Seife zu kaufen, fielen wieder Regentropfen; da sagte der Hodscha zu dem Seifenhändler: »Gib mir eine Oka von diesem Käse.«
»Das ist doch Seife,« antwortete der Kaufmann, »und kein Käse.«
»Ich weiß es wohl,« versetzte der Hodscha; »ich nenne es aber Käse aus Angst, daß der Regen anhalten könnte.«
290.
Eines Tages trieb der Hodscha seinen Esel vor sich her; als er dann müde wurde, saß er auf. Eine kleine Weile später bemerkte er, daß der Esel nicht mehr vor ihm herging. Nun suchte er ihn bergauf und bergab, bis ein Wanderer bei ihm vorüberkam; den fragte er, ob er nicht seinen Esel gesehn habe, und der Wanderer sagte: »Du sitzt ja darauf.«
Der Hodscha stellte die Tatsache fest und freute sich; aber schon nach einem Augenblicke war er von neuem zerstreut und begann wieder zu suchen. Da sagte der Wanderer: »So gehn wir doch nach Hause, da du doch den Esel gefunden hast.«
»Geh du nur,« antwortete der Hodscha; »ich« — dabei dachte er an seinen verlorenen Esel — »muß noch dableiben, weil ich noch etwas zu suchen habe.«
291.
Etliche Leute fanden im Gebirge einen Igel; sie konnten sich nicht enträtseln, was für ein Tier das sein sollte, und brachten ihn dem Hodscha. »Was ist das?« fragten sie ihn.
»Ohne Zweifel«, antwortete der Hodscha, »ist das eine alte Nachtigall, die von ihren Federn die Fahnen verloren hat.«