Der Held von Uganda: Leben und Wirken des Pioniermissionars Alexander Mackay
Part 7
Die Briefe Mackays, welche er in dieser Zeit an seine verheiratete Schwester schrieb, lassen uns einen Blick in seine Gemütsverfassung tun. »Am 21. Juli ist Dir nicht nur ein Sohn, sondern auch ein Bruder neu geschenkt worden. Denn ich durfte an diesem Tage Uganda verlassen, hoffe aber bald wieder dahin zurückzukehren. -- Ich hoffe von Herzen, wenn Gott dazu die Kraft gibt, Euch alle zu besuchen, ehe ich wieder über den See nach Uganda gehe. -- Seit ich Uganda verlassen habe, ist mir das Gefühl des Daheimseins abhanden gekommen. Doch muß ich wohl eine Weile hier aushalten. -- Manchmal übermannen mich Traurigkeit und Schwermut, daß ich weinen muß wie ein Kind, aber die wunderbar tröstenden Psalmen Asaphs machen mein Herz immer wieder froh. -- Die Eroberung Afrikas hat schon viele Opfer gekostet, doch jeder Tod bedeutet einen Schritt näher dem Himmel. Das Ziel, das wir im Auge haben, ist des Einsatzes wohl wert. -- Sorge, daß Du jedes Jahr einen Mann findest, der sich unserem Werke weiht. Dann können wir Fortschritte machen.«
Es folgen nun ununterbrochen hochwichtige Ereignisse im Leben Mackays und in der Geschichte der ostafrikanischen Mission. Von dem Emin-Entsatzkomitee war für Stanley eine große Menge Waren bei Mackay angekommen. Das stachelte die Habgier der Nachbarhäuptlinge an. Sie erklärten dem Häuptling, in dessen Gebiet Mackay wohnte, den Krieg und versuchten das Missionshaus zu plündern. Drei Tage lang verteidigte Mackay seine kostbaren Besitztümer mit dem Häuptling, der zuletzt seine Feinde in die Flucht schlug. Bald darauf kamen die Missionare Gordon und Walker von Uganda an. Sie sahen ganz zerlumpt und angegriffen aus und erzählten, daß Muanga vom Thron gestoßen sei. Durch seine unsinnige Herrschaft hatte er sich immer mehr Gegner geschafft, selbst die Mohammedaner haßten ihn. Dann faßte er den wahnwitzigen Plan, alle Christen und Araber mit einem Schlage auszurotten. Dazu wollte er sich vorher seiner Leibwache, der er nicht traute, entledigen und schickte sie zu einem Kriegszuge nach einer Insel im See, von der alle wußten, daß sie unbewohnt war. Ihm blind ergebene Fischer sollten der Leibwache nach der Landung die Kähne wegnehmen, damit sie dem Hungertode preisgegeben wären. Der Plan wurde verraten, die Leibwache marschierte zurück und stürzte den König, der nach dem Süden des Sees floh. Sein Bruder Kiwiwa wurde König, aber nur für kurze Zeit. Denn die Mohammedaner kamen ans Ruder, stürzten die alte Ordnung und vertrieben alle Christen. Die beiden evangelischen Missionare flohen auf einem Kahn, erlitten noch Schiffbruch und kamen nach vielen Entbehrungen und Gefahren endlich bei Mackay an, um sich bei ihm auszuweinen und Rat und neuen Mut zu holen.
Nach ihnen konnte Mackay den auch von ihm vielbewunderten Afrikaforscher Stanley in seinem Hause begrüßen und zwanzig Tage beherbergen. Den Eindruck, welchen Stanley von unserem Helden und seinem Werk empfing, hat er im zweiten Bande seines Buches: »Im dunkelsten Afrika«, S. 386 ff. niedergelegt. Es ist ein glänzendes Zeugnis für den Heldencharakter Mackays. Stanley beschreibt das gesunde Aussehen Mackays, schildert seine Kleidung, seine Werkstätten, Werkzeuge und Haustiere. Dann läßt er uns in Mackays Zimmer eintreten, das aus Lehm erbaut und mit Missionsbildern geschmückt ist, zeigt uns die vollen Bücherregale und schildert das Behagen, mit dem er zum ersten Male seit dreißig Monaten wieder wirklichen Kaffee trank und sich hausbackenes Brot und Butter als Gast wohlschmecken ließ. Dann fährt er fort: »Ein bedeutender Schriftsteller hat kürzlich ein Buch geschrieben über einen Mann, der sich lange in Afrika aufgehalten hat. Das Buch ist von Anfang bis zu Ende ein langgezogener Seufzer. Der Verfasser sowohl wie sein Held wären von ihrem Seufzen geheilt worden, nachdem sie einen Blick in Mackays Leben geworfen hätten. Er hatte keine Zeit, unglücklich zu sein, zu jammern und zu seufzen. Gott weiß, daß, wenn irgend ein Mensch Anlaß hat, beim Gedanken an ›Gräber, Würmer und Vergessenheit‹ traurig zu sein und sich vereinsamt zu fühlen, so hatte Mackay alle Ursache dazu, als sein Bischof ermordet, seine Schüler verbrannt, die Christen erwürgt waren und nachdem man seine schwarzen Freunde erschlagen hatte und Muanga auch ihn mit dem Tode bedrohte. Aber der kleine Mann sah mit seinem ruhigen Auge allem gefaßt entgegen und zuckte mit keiner Wimper. Solch einen Mann zu sehen, der zwölf Jahre lang Tag für Tag unermüdlich gearbeitet hat und keine Klage, keinen Seufzer über ›öde Wildnis‹ laut werden läßt, und zu hören, wie er seiner kleinen Herde Gottes Güte am Morgen und Seine Treue am Abend ans Herz legt, verdient es, daß man seinetwegen eine lange Reise unternimmt und neuen Mut und Zufriedenheit aus seiner Nähe schöpft.«
Am herrlichen Ufer des schimmernden Niansa sagten sich die beiden großen Männer Stanley und Mackay Lebewohl und drückten sich zum letztenmal die Hand. Ein ergreifendes Bild! Jener kehrt zurück und eilt europäischen Rednertribünen und königlichen Empfängen zu, dieser wendet sich wiederum dem dunkelsten Afrika und einem Leben voll Selbstverleugnung zu. Während jener als Held des Tages in England begrüßt, gefeiert und bewirtet werden wird, trägt dieser still des heißen Tages Bürde auf einsamem Pfad unter einem wilden Volk! Aber »über ein kleines« und auch Mackays Stunde schlägt, und auch er hat seinen Willkomm und königlichen Empfang, freilich nicht an Höfen und in Palästen und vor Fürsten dieser armen Erde, sondern im Thronsaal des Königs aller Könige, um dort den unverwelklichen Lorbeerkranz und die Palme des Sieges zu empfangen.
Nur noch ein wenig Arbeit, Kampf und Last, Nur noch ein wenig Tränen, dann die Rast, Dann Sieg und Herrlichkeit beim lieben Herrn, O ew'ge Freude, du bist nicht mehr fern!
Bald ist das Erdentagewerk getan. Welch sel'ge Scharen gingen schon voran! Am goldnen Tore harret Jesus dein, Wie köstlich wird der Tag der Heimkehr sein!
Sechzehntes Kapitel.
Des Helden Tod.
Der Exkönig Muanga wandte sich von seinem Verbannungsort im Viktoria Niansa aus brieflich an Mackay und bat um Hilfe zur Wiedergewinnung seines Thrones. Das bedeutsame Schreiben hat nach dem Eingange folgenden Wortlaut: »... ich, Muanga, bitte Dich, daß Du mir hilfst. Vergiß alles, was geschehen ist. Wir sind jetzt übel daran, aber wenn Ihr, meine Väter, zu mir kommen und mir behilflich sein wollt, mich wieder in mein Königreich einzusetzen, so sollt ihr Freiheit haben, alles zu tun, was ihr wollt. -- Früher habe ich Gott nicht gekannt. Jetzt aber kenne ich die Religion Jesu Christi. Denkt daran, daß Kalema (der jetzige König) alle meine Geschwister (nach Landessitte) ermordet hat. Auch meine Kinder hat er ermordet. Herr Mackay, hilf mir! Ich habe keine Kraft mehr, aber wenn Du bei mir bist, werde ich wieder stark sein. Mein Herr, denke nicht, daß, wenn Du Muanga wieder nach Uganda führst, er wieder schlecht sein wird. Wenn ich böse werde, darfst du mich vom Throne werfen. Ich bin aber ganz anders geworden und will jetzt nur Deinem Rate folgen. Ich bin Dein Freund Muanga.«
Ein Jahr später eroberte Muanga mit Hilfe der Christen seinen Thron zurück, schlug die Araber aufs Haupt, verteilte die hohen Staatsämter an die eingeborenen Christen beider Konfessionen und stellte sich unter britische Oberhoheit, um seiner immer noch sehr lose sitzenden Krone mehr Festigkeit zu verleihen. Welche Wendung durch Gottes Fügung!
Mackay, der in Usambiro unterdessen emsig weiterbaute, das Evangelium Johannis in Luganda übersetzte, druckte und versandte, sah dem Umschwung der Dinge mit den Gefühlen eines Landmannes zu, der nach harter Geduldsarbeit seine Saaten in die Halme schießen sieht. Von seiner aufblühenden Station aus sandte er einen Aufruf an die Söhne Englands. Nachdem er einen kurzen Rückblick auf die wundersamen Ereignisse der letzten sechs Jahre gegeben und hervorgehoben hat, daß die bedeutendste und bis vor kurzer Zeit noch tyrannischste Macht in ganz Ostafrika jetzt in Händen von Männern ruht, die sich glücklich preisen, Christen zu sein, wirft er die Frage auf: »Aber ruht die Macht in den Händen des _Christentums_? Wird eine Nation an einem Tage geboren? Sie ist geboren; aber erst jetzt geboren, befindet sie sich im hilflosesten, kritischsten Zustande.« Dann schildert er, wie die römische Mission mit ihrer Wolfsmilch diesen Säugling nähren und für sich zu erziehen beflissen ist und fragt voll Sorge, ob das christliche England sich nicht ermannen und das neugeborene Kindlein mit reinem Blute nähren und in Zucht und Vermahnung zum Herrn großziehen will. »Soll diese herrliche Gelegenheit versäumt oder für immer verloren sein?«
»Ihr Söhne Englands, hier ist ein Feld für eure Tatkraft. Bringt eure beste Bildung und die größten Talente, hier findet ihr Raum, mit dem Pfunde zu wuchern. Ihr Männer Gottes, die ihr euer Leben der Rettung von Menschenseelen weihen wollt, hier ist das rechte Feld für euch. Nicht um Zahlen für eine Kirche, sondern um verlorene Seelen zu retten und für Jesum zu gewinnen, bitte ich euch ... hierherzukommen, wo das Feld weiß zur Ernte ist. Rom bricht herein mit seinem Seelenfang durch Sakramente, seiner Religion voll Menschensatzung. Wir brauchen Männer, die Christum, den Gekreuzigten und Auferstandenen, predigen. ›Gott ist ein Geist‹, und jeder, der das glaubt, werfe alle Bedenken über Bord und eile zu uns, um dieses Volk zu lehren, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten.
Vergiß dein Volk und deines Vaters Haus, Dann sehnt der König sich nach deiner Schöne, Und an der Väter Statt umjubeln dich die Kinder, Und werden Fürsten auf der weiten Erde!«
Dieser Ausruf voll flammender Begeisterung und leidenschaftlicher Liebe für die unsterblichen Seelen in Uganda ist die letzte Botschaft unseres Helden. Sie trägt das Datum: »Usambiro, 2. Januar 1890« und langte am 24. April desselben Jahres in London an. Kurz vorher aber lief ein Telegramm aus Sansibar ein und meldete den Tod Alexander Mackays. Der elektrische Funke hatte mit der Trauerkunde den Postdampfer mit dem Aufruf um zehn Tage überflügelt.
Die Post brachte aber noch eine andere charakteristische Botschaft Mackays. Von der Missionsgesellschaft war ihm in berechtigter Sorge um seine Gesundheit dringend nahegelegt, zu einem längeren Erholungsurlaub heimzukehren. Mackay erwiderte dem Sekretär unter dem 2. Januar: »Aber wie können Sie mir schreiben: ›Komme heim!‹ Bei diesem schrecklichen Arbeitermangel darf keiner seinen Platz verlassen. Schicken Sie mir zuerst zwanzig Männer, dann komme ich vielleicht und helfe Ihnen die zweiten zwanzig suchen.«
Mackays letzte Tage waren angefüllt mit weitausschauenden Plänen zur »Lösung des afrikanischen Problems«. Unter diesem Titel veröffentlichte er kurz vor seinem Heimgang noch einen meisterhaften Artikel voll missionarischer Weisheit und staatsmännischem Scharfsinn und schrieb darunter: »Fortsetzung folgt.« Es ist aber keine Fortsetzung mehr eingetroffen. Der Tod hatte ihm inzwischen die berufene Feder entwandt.
Einige Tage vor seinem Tode hatte sich Mackay bei der Arbeit an einem Dampfkessel eine Erkältung zugezogen, auf die er aber nicht weiter achtete. Dann half er seinem Mitarbeiter Missionar Deekes, der erst kurze Zeit bei ihm war, gesundheitshalber aber wieder abreisen mußte, eifrig beim Packen. An dem zur Abreise bestimmten Tage lag Mackay aber in so hohem Fieber, daß Deekes die Träger wieder abbestellte und sich vorläufig der Pflege seines Kollegen widmete. Das Malariafieber steigerte sich bedenklich und ließ das Schlimmste befürchten, da keine ärztliche Hilfe zu haben war. Nach vier Tagen, am 8. Februar 1890, abends um 11 Uhr, drückte der erschrockene Missionar dem Helden von Uganda die Augen zu.
Aus Brettern, die der Heimgegangene selbst geschnitten und für ein Boot zugerichtet hatte, wurde ein Sarg gezimmert und die Leiche hineingebettet. Am folgenden Tage, es war ein Tag des Herrn, senkten sie den schmucklosen Sarg am Ufer des Niansa in die afrikanische Erde. Wehklagend um den geliebten Lehrer und Hirten umringten die Wagandachristen die frische Gruft. Missionar Deekes versuchte einen Bibelabschnitt zu lesen, brach aber vor Schwäche und Schmerz zusammen. Dann ermannten sich die Schüler Mackays und sangen: »Laut rühmet Jesu Herrlichkeit!«
Ein weißes Marmorkreuz mit einer arabischen, suahelischen und englischen Inschrift, gestiftet von einer edeln Gräfin, kündet heute den Eingeborenen, daß hier einer ruht, der für sie starb und lieber ein Bote des Kreuzes war als ein König auf dem Thron.
»Eine große Persönlichkeit bemerkt man nicht allein, wenn sie gegenwärtig ist; man wird ihren Wert dann noch mehr inne, wenn die Stelle leer ist, die sie einnahm.« In England wurde der Heimgang Alexander Mackays als ein nationaler Verlust allgemein empfunden und tief betrauert. Die Zeitungen des ganzen Landes brachten anerkennende Leitartikel über ihn, ein Beweis, daß die Welt ab und zu doch noch einen Missionar zu schätzen weiß, wenn er auch nicht auf außergewöhnliche Weise sein Leben verloren hat wie Hannington. Privatbriefe voll Trauer liefen bei dem gebeugten Vater aus allen Gegenden ein, und viele kirchliche Körperschaften sandten besondere Beileidsadressen. Der Anzeiger der =Church Missionary Society=, der Mackay angehörte, schrieb: »Obwohl wir A. Mackay sehr hoch schätzten, waren wir doch nicht auf das Maß von Teilnahme und Bewunderung gefaßt, welches sein Tod hervorrief. Wir gestehen offen, daß wir nicht wußten, welche hohe Achtung er in der öffentlichen Meinung gewonnen hatte.«
Colonel Grant, einer der beiden Reisenden, die Uganda zuerst kennen lernten, bricht in das Lob aus: »Der Verlust, welcher die Zivilisation in Zentralafrika getroffen, ist nicht leicht wieder wettzumachen. Denn aus zwanzig unter uns könnte man noch nicht einen Mackay machen.« Ein Begleiter Stanleys, der Offizier Jephson, welcher drei Wochen Mackays Gast in Usambiro war, sagt in einem ergreifenden Briefe an den Vater u. a.: »Als eine Handvoll zusammengebrochener, verbitterter Männer kamen wir auf seiner Station an, und dank seiner Güte traten wir die Reise nach der Küste mit frischem Eifer und neuer Liebe zu unserem Werke an. Die einsame Gestalt, die auf dem Kamm des Hügels stand und uns noch Grüße nachwinkte, wird mir immer in Erinnerung bleiben. -- Der Name ihres Sohnes ist auf der Liste der großen Männer, die ihr Leben in der furchtlosen Ausübung ihrer Pflicht verloren haben. Die Eingeborenen schienen nur ihn zu lieben und nur ihn zu kennen.«
All diese Lobpreisungen haben freilich vorzugsweise die kulturelle Seite der Arbeit Alexander Mackays im Auge. Es wäre aber ungerecht, seine Missionstat so einseitig aufzufassen. »Ein Mann, der heute mit den Mohammedanern theologische Streitfragen ausfechten muß und furchtlos Christum als Sohn Gottes und der Welt Heiland bekennt und morgen sich damit zufriedengibt, stundenlang Knaben lesen zu lehren und einfache Bibeltexte zu erklären und am dritten Tage geduldig die Worte des Lebens in eine Sprache übersetzt, die keine Sprachlehre noch Wörterbuch hat -- solch ein Mann war kein gewöhnlicher Missionar«, ist mehr als ein Industriemissionar, ist ein Apostel Jesu Christi! Sein treuster Freund und Waffengefährte, der Missionar Ashe, sagt von Mackay, daß er zu den Wenigen gehörte, welche furchtlos vorwärtsblicken und auf uns den Eindruck machen, als ob sie das Antlitz des lebendigen Gottes sähen. Nie sei er an einem Menschen oder einer Sache verzweifelt, ein Mann, auf den man bauen konnte. Vierzehn Jahre hat er in Afrika ausgehalten, vierzehn Jahre voll Widerspruch, Gefahr, Fieber, Herzeleid, Enttäuschung -- und bei alledem sei er fest und unbeweglich geblieben in dem Werk des Herrn. Er habe an seinem Leben und seiner geduldigen Liebe gesehen, daß ein frommer Mensch eine wunderbare Höhe der Christusähnlichkeit erreichen kann. »Mackay war ein demütiger, reiner, hochherziger Mann -- mit einem Wort: ein großer Missionar!«
Wir legen diesen Immortellenkranz im Geiste auf jenes einsame Grab mit dem kleinen Marmorkreuz unter den Palmen Ostafrikas und geloben, uns für das Große so zu begeistern und im Kleinen so treu zu sein, wie Alexander Mackay, der Held von Uganda, es war. Wir wissen, daß er zu denen zählt, die ihre Kränze und Kronen vor dem Throne Gottes und des Lammes niederlegen, und sprechen: »Herr, Du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft. Denn Du hast alle Dinge erschaffen, und durch Deinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen.«
Wir dürfen aber von dem einsamen Kreuze nicht scheiden, ohne noch einen flüchtigen Blick auf die Hügel und Hütten Ugandas zu werfen. Mackay hat nicht mehr erlebt den traurigen Bürgerkrieg zwischen katholischen und evangelischen Christen, zwischen seinen geistlichen Kindern und denen des Pater Lourdel, in dem die Römischen als Anstifter unterlagen; nicht mehr erlebt die gewaltige Bewegung zum Evangelium, die in der Missionsgeschichte beispiellos dasteht. Er sah nicht mehr das Gotteshaus in der Hauptstadt mit den viertausend Sitzplätzen und die heilshungrigen Scharen den Missionaren die Häuser stürmen, wenn eine Kiste mit Bibeln angekommen war. Er sah nicht mehr, was unsere Augen sehen: das einst so blutgetränkte Uganda überzogen mit einem Netz von Missionsstationen, mit Kapellen und Schulen und einer Schar eingeborener Evangelisten.
In den letzten fünf Jahren hat die Mission Mackays 35000 meist erwachsene Heiden in Uganda getauft. Die Gemeinde, welche Mackay 1882 mit fünf Wagandaknaben gründete, vier Jahre später fast hundert Blutzeugen zählte und 1887 einer zerstreuten und hirtenlosen Herde glich, in die der Wolf gefahren ist, diese Gemeinde umfaßt heute mehr als 60000 Glieder, hat neben den englischen Missionaren dreißig eingeborene, ordinierte Pastoren und 2500 sonstige Lehrer und Gehilfen, die, soweit sie besoldet sind, von der Wagandakirche unterhalten werden. In den zahlreichen Schulen werden jetzt über 32000 Kinder unterrichtet, und der jährliche Zuwachs beträgt 670 Schüler.
Das hat Mackay alles nicht mehr hören und sehen können, und doch ist es der Baum, den er einst im Glauben gepflanzt und mit aufopfernder Geduld und Hoffnung bis an sein Ende gepflegt hat. Weil er den Brunnen so tief grub, springt heute das Wunderwasser so hoch. »Er war gesetzt, Frucht zu bringen und eine Frucht, die da bleibe« und hat sich den hohen Titel, den ihm dankbar die Nachwelt gibt, zur Ehre seines Meisters wohl verdient.
Verdrängt, verjagt, besiegt und ausgefegt Und doch ein Held, der ewig Palmen trägt!
Das ist Alexander Mackay. Möge sein Andenken neue Gnade auf uns bringen!
Verlag von J. G. Oncken Nachfolger, G. m. b. H., Cassel
Im gleichen Verlage erschienen folgende Bände der
_=Jugendheimbibliothek=_
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Nr. 6. #Evangeline.# Frei nach dem Englischen aus »Onkel Toms Hütte«. Von _Anna Steen_. 9. Auflage. 5 Illustrationen. =#M.#= Mk. 6.--.
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Nr. 36. #Hans Friedleins Myrtenstöcklein.# Mit 2 Illustr. =#K.#= Mk. 6.--.
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Nr. 38. #Adlersfluq.# Eine Erzählung für die reifere Jugend. Von _M. v. Panitza_. Mit 2 Illustrationen. =#K.#= Mk. 6.--.
Nr. 40. #Heini von Ganten.# Aus dem Leben eines Waisenknaben. Mk. 6.--.
Nr. 41. #Erwin, der Missionarssohn.# Erzählung für jung und alt. Von _Klara Düsterhoff_. Mk. 6.--.
Nr. 42. #Lieschens Hauptmann.# Eine Erzählung für jung und alt. Von _Emmy v. Feilitzsch_. Mk. 6.--.
Nr. 43. #Gold und Weihrauch.# Zwei Erzählungen für Mädchen. =#M.#= Mk. 6.--.
Nr. 44. #Einspännerchen.# Aus dem Französischen. Eine Geschichte für Mädchen. =#M.#= Mk. 6.--.
Nr. 45. #In der Sturmflut des Lebens.# Von _M. v. Panitza_. Mk. 6.--.
Nr. 46. #Die Kronenhofjugend.# Von _E. v. Feilitzsch_. Mk. 6.--.
Nr. 47. #Fridtjof Nansen, der kühne Nordpolfahrer.# Von =Dr.= _J. A. Bain_. Mit vielen Bildern. =#K.#= Mk. 6.--.