Der gelüftete Vorhang oder Lauras Erziehung

Part 8

Chapter 83,443 wordsPublic domain

»Mein Lieber, ich habe Dir das Taschentuch zugeworfen. Du wirst mein Gatte sein, ich Deine Frau. Komm, gib mir die Hand!«

»Recht gern, Rose. Aber das wird die letzte Zeremonie sein!«

»Ah ja! Sieh nur, Vernol hat sein Taschentuch Laurette zugeworfen. Wir müssen sie vereinen. Du bist doch bestimmt damit einverstanden?«

»Natürlich, meine Liebe, ganz wie Du willst.«

Sie nahm unsere Hände und fügte sie zusammen. Vernol und ich umarmten uns, unsere Lippen trafen sich. Sie legte seine Hand auf meine Brüste und nannte uns Mann und Frau. Wir waren alle vier sehr erhitzt. Vor allem Rose brannte förmlich. »Wie hübsch wäre es«, rief sie plötzlich, »wenn wir ein Bad haben könnten, um uns zu erfrischen. Die Glut erstickt mich noch!«

Mein Vater erhob sich und zog an einer Schnur, mittels der er einen Vorhang von einer Nische wegzog. Zu meinem Erstaunen entdeckten wir dahinter ein Badebecken, in das sich abwechselnd kaltes und warmes Wasser, vermischt mit allerlei Wohlgerüchen, ergoß.

Rose war begeistert. »Ist das nicht herrlich? Fast wie in einem verzauberten Schloß! Ich werde mich in eine Nymphe verwandeln, aber ich werde nicht die einzige sein.«

In wenigen Augenblicken hatte sie sich mit dem einzigen Abzeichen der Nymphen geschmückt. Sie bemächtigte sich meiner und verlangte von Vernol und meinem Vater, daß sie helfen sollten, mich in denselben Zustand zu versetzen. Die beiden ließen sich das nicht zweimal sagen. In Sekundenschnelle verschwanden alle meine Dessous. Rose gab ihrem Bruder ein Zeichen, und auch er verwandelte sich schnell in einen Faun, während wir meinem Vater unseren Beistand liehen.

Meine Augen verschlangen Vernol. Ah, wie hübsch er war und wie sehr gefiel er mir im Glanz seiner Jugendfrische! Er war weiß und rosig wie ein junges Mädchen, und doch bewaffnet mit dem Speer, der das Kennzeichen des Mannes ist.

Wir tauchten alle vier in das duftende Naß, um darin die Glut zu löschen, die uns zu verzehren drohte. Fortwährend waren wir zwei Nymphen von den männlichen Lanzen bedroht, aber sie erschreckten uns nicht. Wir waren die Beute der vorwitzigen und leidenschaftlichen Hände, der verwegensten Küsse unserer Tritonen und konnten uns nicht genug daran tun, ihnen diese Liebkosungen durch die unsrigen zu vergelten. Wir scherzten mit ihren Pfeilen, und sie wollten sich unser bemächtigen. In diesem Augenblick hatte mein Vater die Klugheit, durch einen schnellen Handgriff das bewußte Schwämmchen bei mir unterzubringen.

Vernol faßte nach mir, doch einem ebenso natürlichen wie wirksamen Instinkt zufolge hinderte ich ihn und flüchtete aus dem Bassin. Flucht ist das sicherste Mittel, das Verlangen der Männer anzustacheln. Rose folgte mir, und sofort waren die beiden hinter uns her. Aber die momentane Abkühlung hatte sie ernüchtert, und so waren sie für den Augenblick keine ernsthafte Gefahr. Wir hüllten uns spielerisch in leichte Schleiergewänder, die nichts verbargen, und machten es uns auf dem Diwan bequem. Mein Vater zog an einer anderen Schnur, und wie durch Zauberei senkte sich ein mit Leckerbissen aller Art, köstlichen Weinen und Früchten beladener Tisch zwischen uns. Wir aßen und tranken, und die Hitze, die uns vorhin verzehrt hatte, begann augenblicklich wieder aufzuflammen. Vernol vor allem war ungeduldig. Ich befand mich in einem Taumel von Lust und genoß mit Augen und Händen, doch hatte ich es nicht eilig, ans Ziel zu kommen. Vielmehr wollte ich langsam genießen und befand mich darin in schönster Übereinstimmung mit meinem Vater, der sich gleichfalls Zeit ließ. Vernol und Rose waren daher gezwungen, ihre Ungeduld zu zähmen. Rose fiel dies leicht, weil unsere Zärtlichkeiten und Liebkosungen sie ihrem eigenen Eingeständnis zufolge schon dreimal dem Gipfel der Lust entgegengetragen hatten. Sie genoß also die Mahlzeit, die sie unser Hochzeitssouper nannte. Aber es war nicht Hymen, der dieses Mahl regierte, dessen Königin allein die Wollust war. Sie allein konnte uns erfreuen und Genüge tun. Deshalb erhob sich in der Mitte der festlich geschmückten Tafel auch triumphierend Priap, der Gartengott, der sein mächtiges Szepter in Händen hielt. Das Tischtuch war an den vier Ecken mit Stickereien geschmückt, welche die wollüstigsten Gruppen darstellten. Unter ihnen gab es alte Satyrn, die hinter blühenden jungen Nymphen herjagten. Alles inspirierte und erregte uns. Rose war wie eine trunkene Bacchantin. Weinglas und Flasche in Händen, bot sie uns den Anblick all ihrer Reize.

Auch ich fühlte nun eine gewisse Ungeduld in mir. Nichts konnte uns mehr erschrecken. Unsere Helden waren bereit. Die Embleme ihrer männlichen Kraft ragten steil in die Luft. Rose vermochte nicht mehr an sich zu halten und rief: »Vernol, nimm Deine Frau! Ich will meinen Mann nehmen.«

Sie warf sich meinem Vater in die Arme und wurde augenblicklich von seiner Lanze durchbohrt. Vernol nahm mich in die Arme und wollte sich schon meiner bemächtigen, da hielt ihn mein Vater auf.

»Nicht so, mein Lieber. Hört, meine Kinder, ich stelle eine Bedingung. Eure Vereinigung hat einen Preis. Es ist nur gerecht, daß ich mich dafür bezahlt mache, wenn Vernol und Laurette sich vereinen. Deshalb werde ich jenen Hofmann nachahmen, der seine Frau mit einem Pagen schlafen sah, den diese liebte. Er erwies dem Hintern des Pagen dieselben Wohltaten, die jener der Dame erwies. Wir wollen es genauso machen. Während Vernol Laura vögelt, soll sein Hintern mir zur Verfügung stehen.«

Ich vermutete, daß ihn die Reize Vernols ebenso mit Begierde erfüllt hatten wie mich, und ich war darüber entzückt, denn so würde ich mich umso freier der Lust hingeben können. Also spornte ich unser wollüstiges Spiel durch meine Freudenrufe an. Ich faßte Vernol, beraubte ihn des letzten Stückchens Stoff das ihn bedeckte, ich präsentierte seine Hinterseite und spreizte seine hübschen Lenden, während sein Speer gegen mein Pförtchen pochte.

»Nein, Vernol, nein, schmeichle Dir nicht, daß ich mich Dir geben werde, ehe Du diese Bedingung erfüllt hast!«

Rose, die nicht untätig zusehen wollte, protestierte und verlangte, meinen Vater noch einmal zu bekommen.

»Wie«, rief Vernol, in Hitze gebracht. »Welches Hindernis sollte mich zurückhalten? Seit langem bin ich auf die Folter gespannt. Was, schönste Laura, würde ich nicht tun, um Dich zu besitzen und in deinen Armen zu sterben?«

»In diesem Fall«, sagte mein Vater, »wird Rose mit von der Partie sein.«

In einem Augenblick verschwand der Tisch nach oben, und das Badebassin ward wieder von seinem Vorhang bedeckt. Ein anderer Vorhang öffnete sich und gab den Blick auf eine Nische frei, die von einem riesigen mit Seide bezogenen Himmelbett ausgefüllt wurde. Diese Nische erschien uns als das wahre Heiligtum der Lust. Wir bezogen diesen Altar der Wonne nur im Schmuck unserer natürlichen Vorzüge. Von allen Seiten gaben glitzernde Spiegel unsere Reize wieder. Ich bewunderte vor allem Vernol. Dieser schöne Jüngling nahm mich in die Arme und bedeckte mich mit Küssen und Zärtlichkeiten. Er war leidenschaftlich gespannt. Ich nahm seine Lanze, mein Vater preßte mit einer Hand seine Lenden, mit der anderen Rosens Brüste, die uns alle drei liebkoste. Vernol lag vor mir auf den Knien, er spreizte meine Schenkel, küßte mein Kraushaar, meine Liebesgrotte, er ließ seine Zunge darin spielen und saugte an meiner Klitoris. Schließlich bettete er sich auf mich, und sein Speer durchbohrte mich. Sogleich warf sich mein Vater über ihn. Rose lag auf den Knien, sie öffnete die Hinterbacken Vernols und befeuchtete den Eingang, durch den die Lanze meines Vaters eindringen sollte. Sie bereitete ihr eigenhändig den Weg. Währenddessen streichelte ich ihre Spalte und brachte sie durch meine Fingerspiele zum Glühen. Nach wenigen Augenblicken schon fühlte ich meine Finger sich befeuchten, und ihre heftigen Atemzüge kündigten uns an, daß sie sich auf dem Gipfel der Lust befand. Vernol war der nächste, der sich verströmte. Mein Vater beschleunigte seine Bewegungen, und so fielen wir bald alle drei in eine wohltuende Ekstase. Nachdem wir wieder zu uns selbst zurückgefunden hatten, ersetzten unsere Zärtlichkeiten die leidenschaftlichen Anstrengungen, die uns vorhin vereinigt hatten. Vernol gestand, daß er niemals etwas Ähnliches empfunden habe.

»Man muß es kennen, um es schätzen zu können«, sagte mein Vater. »Komm, liebe Laurette, laß es ihn nun von Deiner Seite aus kosten. Vernol ist weniger gut gerüstet als ich, er wird Dir also nur Süßigkeit bereiten. Schön wie Du bist, verliert er nichts, wenn Du ihm diesmal Deine Hinterseite bietest. Komm in meine Arme. Rose wird dasselbe für Dich tun, was sie vorhin für mich getan hat, und währenddessen Deine Klitoris kitzeln.«

Ich warf mich auf ihn und überschüttete ihn mit Zärtlichkeiten. Rose bereitete seinem Instrument den Weg und öffnete meine Lenden für Vernol. Sie benetzte die Spitze seiner Lanze und die Öffnung, durch die diese eindringen sollte. Dann nahm sie dieselbe Stellung wie vorhin ein und liebkoste die Schenkel und Hoden von Vernol, während sie gleichzeitig meine Klitoris kitzelte. Ihr wurde ein ganz ähnlicher Dienst von meinem Vater erwiesen. Die unaussprechlichsten Wonnen kündigten sich an, wir flogen ihnen entgegen.

Ah, dieses Gefühl! Es kam uns allen, wir waren überflutet, der süße Saft der Wollust verströmte. Den lebhaftesten Sensationen ausgeliefert, verfiel ich in konvulsivische Zuckungen.

Doch bald darauf herrschte ein nicht minder wollüstiger Zustand der Ruhe. Auf die Reizung, die ich an all meinen empfindsamen Teilen erfahren hatte, folgte ein Zustand unbeschreiblicher Wonne. Ich kann diesen Tag nur mit jenem vergleichen, an dem ich meine Jungfernschaft verloren hatte.

Endlich begaben wir uns zur Ruhe. Erschöpft sanken wir auf das Lager, um uns zu erholen. Ah, welch ein Tag, welch eine Nacht!

7. Kapitel

Nachdem wir wieder in die Stadt zurückgekehrt waren, bedrängte Rose mich mehrere Tage lang, diese Szene zu wiederholen. Doch ich wollte nichts davon hören. Einmal paßte mir ihre Selbstgefälligkeit nicht, zum andern erschien es mir geschmacklos, etwas Derartiges zu tun, wenn mein Vater nicht dabei war. Meine Vorliebe für Vernol, die nur von meinen Augen und meinen Sinnen ausgegangen war, ohne daß das Herz daran beteiligt gewesen wäre, minderte sich von Tag zu Tag. Schließlich konnte ich nur noch mit Bedauern an diese Vorliebe denken. Leidenschaftlicher denn je kehrte ich zum Gegenstand meiner ersten Liebe zurück. Meine Bindung an ihn nahm -- weit entfernt davon, sich zu verringern -- neue Formen an. Ich betrachtete meinen väterlichen Geliebten als einen außergewöhnlichen und einmaligen Mann, als einen wahren Philosophen, dessen Liebenswürdigkeit aber gleichzeitig imstande war, jedes Herz zu erobern. Ich liebte ihn, ich betete ihn an.

Ah, teure Eugenie, wie wundervoll sind diese Eigenschaften der Seele, die uns einen Menschen liebenswert erscheinen lassen, die uns unabhängig vom Schrei der Sinne an ihn fesseln! Wieder war ich der einzige Gegenstand seiner Neigung, so wie er der Mittelpunkt meines Herzens war. Die folgenden Ereignisse ließen alle anderen Bindungen, die ich damals schon lösen wollte, vollends vergehen.

Ein Abenteuer, bei dem Rose mit viel Unklugheit und Keckheit mehrere Lanzen brach, entfremdete mich ihr und Vernol zusehends. Ich entdeckte bei dieser Gelegenheit, daß in ihren Herzen kein Raum für delikate Gefühle war. Weder er noch sie hatten etwas anderes als die gewöhnlichsten Leidenschaften im Kopf und das auf eine höchst indiskrete Weise. Diese Eigenschaften, die sich mit den meinen so wenig vertrugen, entfremdeten mich ihnen weitgehend. Ich sah sie in der Folge nicht mehr so häufig. Sie suchten ihrerseits alle Vergnügungen, deren sie habhaft werden konnten. Sie pflegten täglich zusammen zu promenieren, und bei dieser Gelegenheit führte Vernol Rose eines Tages in einen öffentlichen Garten. Dort traf er vier seiner Freunde. Der älteste war kaum zwanzig. Man neckte sich, jubelte, und Umarmungen und neugierige Fragen wurden getauscht. »Wo kommst Du her?« »Was machst Du?« »Wohin gehst Du?« »Wer ist denn diese Schöne?«

Die Antwort auf diese letzte Frage gab den jungen Leuten Gelegenheit, eine Unzahl von Komplimenten auf Rose loszulassen, die davon sichtlich beeindruckt war.

Der älteste der Gesellschaft beschloß alsbald, Vernol zu einem Ausflug zu gewinnen. Vernol machte keine Einwendungen und noch weniger Rose. Sie brachen also auf.

Im ersten Freudentaumel schon vergaßen die jungen Leute völlig, eine Abmachung zu beachten, der sie sich unterwerfen wollten. Nur der älteste von ihnen, der zugleich der schlaueste war, hatte sie nicht völlig aus den Augen verloren. Er nahm Rose zusammen mit einem seiner Freunde in die Mitte. Sie protestierte ein wenig, doch dann ging sie auf die Neckereien der jungen Leute ein. Es war noch mitten in der schönen Jahreszeit. Man wanderte ziemlich rasch. Am Ziel angekommen, begab man sich in ein kühles Zimmer. Rose war erhitzt, sie warf sich auf einen Diwan, öffnete ihr Mieder, und ihre in Unordnung geratenen Röcke ließen ein außerordentlich hübsch geformtes Bein sehen, das wahre Lobeshymnen unserer jungen Leute herausforderte. Man ließ Wein und Likör bringen, die Köpfe begannen sich zu erhitzen und die Sinne nicht minder. Ein freches Liedchen klang auf, das Benehmen wurde freier, etliche Küsse wurden getauscht. Der älteste von den vier Burschen, der natürlich am meisten Erfahrung hatte, umarmte Vernol und verriet ihm schließlich, unter welcher Bedingung die vier diesen Ausflug unternommen hätten. Vernol lachte Tränen darüber, und Rose, die wie gewöhnlich neugierig war, wollte wissen, was es damit auf sich habe. Als die vier Freunde mit der Wahrheit nicht recht herausrücken wollten, bedrängte sie diese umso lebhafter. Schließlich gestand ihr der Älteste, man habe beschlossen, daß derjenige, der die kleinste Rute sein eigen nenne, die Zeche für die übrigen zahlen solle.

Diese Worte und das Gelächter, das darüber ausbrach, ergötzten Rose. Sie wurde lebhaft, hob ein Bein so hoch, daß man beinahe alles sehen konnte, und rief: »Ei, wer wird denn wohl der Schiedsrichter sein?«

»Sie selbst, meine Schöne«, sagte der Älteste unverblümt.

Rose, die vom Wein erhitzt war, fühlte sich von dieser Rolle geschmeichelt und erregt und antwortete, daß sie ohne jeden Zweifel für jeden das beste Zeugnis ablegen würde. Von diesem Augenblick an genierte sich niemand mehr. Die obszönsten Ausdrücke mischten sich mit den gewagtesten Zärtlichkeiten, die von Mund zu Mund gewechselt wurden. Rose erwies sich bald als ein erfahrener Champion und nahm unerschrocken an allem teil. Sie war noch auf ganz andere Angriffe gefaßt gewesen, die sie mehr interessierten und die sie daher förmlich herausforderte. Sie rief Vernol zu sich, und indem sie ihm einen Arm um den Hals legte, drückte sie ihn an ihren Busen und verlangte, daß er diesen küsse. Dann ließ sie ihre Hand tiefer gleiten und bemächtigte sich seiner Lanze, während er ihr ganz ungeniert unter die Röcke griff, die nach oben gestülpt wurden und nun so gut wie alles sehen ließen. Dieser Anblick erregte die Freunde so sehr, daß sie alle Selbstbeherrschung vergaßen. Der eine faßte ihr Hinterteil, der andere einen Schenkel, der dritte ihre Brüste. Kurz, jeder packte ein anderes Stück von ihr. Rose befahl Vernol wieder aufzustehen, und sie zeigte ihnen seine Rute.

»Könnt ihr mit etwas ähnlichem aufwarten?« fragte sie herausfordernd.

Darauf nahm jeder seine Waffe in die Hand, und sie hatte das Vergnügen, fünf nackte und bedrohlich aussehende Ruten auf einmal zu sehen. Sie alle sagten ihr den Kampf an, und einige von ihnen würden mit Sicherheit besiegt werden. Rose setzte sich mit ausgebreiteten Schenkeln auf das Bett. Der Ort, an dem das allgemeine Lanzenstechen stattfinden sollte, war völlig unbedeckt.

»Ich könnte nach dem Augenschein urteilen«, sagte sie. »Aber ich will die Sache genau nehmen, so daß keiner sich über mich zu beklagen hat. Deshalb will ich ein Maß anwenden, das dem meinen gerecht wird. Los, fangen wir an!«

Sie ließ alle fünf vor sich antreten und nahm mit großer Genauigkeit Maß, und zwar sowohl was die Länge als auch die Stärke betraf.

Der Anblick und die Berührung dieser kampfbereiten Lanzen erregte sie derart, daß sie auf den Rücken fiel und sich nach zwei oder drei Bewegungen den Zuckungen ihrer Wollust überließ. In diesem Augenblick wollten alle zugleich über sie herfallen, doch sie hielt sie zurück.

»Zuerst will ich mein Urteil verkünden«, sagte sie. Der Älteste mußte demzufolge den Wein und die übrigen Getränke zahlen, während Vernol den Rest zu übernehmen gehabt hätte, wenn er nicht schon dazu eingeladen worden wäre. So kam der zweitälteste zu dieser Ehre. Er war kaum weniger gut gerüstet als Vernol. Er hatte eine recht ansehnliche Figur, und Rose tröstete ihn über seinen Ärger, indem sie ihm versprach, daß er der erste sein werde, seine Kräfte an ihr zu erproben.

Sie erwartete diesen Augenblick mit Leidenschaft. Alle diese entblößten Lanzen hatten ihre Glut geweckt, und sie brannte nun danach, sie aufzunehmen. Sie ließ sich auf das Bett zurücksinken und zog jenen mit sich, dem sie diese Bewährungsprobe als erstem versprochen hatte. Vernol und die drei anderen folgten in der Reihenfolge, in der sie gemessen und für gut befunden worden waren. Rose ließ sich auf einer Woge von Lust treiben. Es kam ihr ohne Unterlaß. Kaum, daß ihr genügend Zeit blieb, sich zu erholen. Der eine hatte den Ort seines Entzückens kaum verlassen, als der andere schon eindrang. Endlich trat ein Augenblick der Ruhe ein. Man war erschöpft.

Wein, Gelächter und Zärtlichkeiten ersetzten die leidenschaftlichen Eroberungen. Rose fand sich den lasziven Lippen und Händen dieser fünf Faune völlig ausgeliefert. Sie duldeten nicht das mindeste Stückchen Stoff an ihr. So blieb sie in dem anbetungswürdigen Zustand, in dem die drei Göttinnen einst dem Paris erschienen. Da sie alle jung und stark waren, dauerte es nicht lange, bis ihre Begierden wieder neu entflammt waren und zu neuen Heldentaten im Dienste der Venus drängten.

Rose hätte gern den Gürtel der Venus gehabt, ja selbst eine ganze Girlande von wollüstigen Öffnungen hätte ihren Begierden kaum Genüge tun können.

Da sie deren nur zwei besaß, wechselte sie die Szenerie. Der größte und stärkste unter ihren Eroberern mußte sich auf das Bett legen. Sie legte sich über ihn, während der mit einer weniger wirksamen Waffe versehene Freund sich hinter ihr in Positur stellte. Jeder nahm den Weg, der sich ihm bot, während sich jede ihrer Hände einer der übrig gebliebenen Waffen bemächtigte. Vernols Lanze hingegen fand sich bevorzugt, da sie dieselbe zwischen ihre Lippen aufnahm und ihn mit ihrer Zunge liebkoste und kitzelte.

Es dauerte lange, bis die siegreiche Rose, die sich solcherart von fünf Liebhabern auf einmal in jeder erdenklichen Weise erobert fand, in ein Übermaß der Lust versank, das ihr fast die Besinnung raubte.

Ich sah sie am nächsten Morgen. Sie war erschöpft, ihre Augen blickten ermattet. Ich war erstaunt, sie in diesem Zustand zu finden, und fragte sie nach der Ursache. Es dauerte eine Weile, bis sie und Vernol mir dieses Abenteuer gestanden. Ich nahm mir nicht die Mühe, ihr einen guten Rat zu geben, denn ich sah wohl, daß dies nutzlos gewesen wäre. Doch von diesem Augenblick an vermied ich es, die beiden zu treffen. Rose, die sich ohne jede Achtsamkeit den wildesten Leidenschaften auslieferte, erlag ihrer ausschweifenden Lebensweise schließlich. Ihre Regel kam nicht mehr, sie befand sich in einem Zustand schrecklicher Erschöpfung, dem die wildesten Krämpfe folgten. Nach einiger Zeit war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ihre Heiterkeit war völlig verschwunden, und ein schleichendes Fieber raffte sie hinweg.

Auch Vernol wurde von einer fiebrigen Krankheit befallen, und er brauchte lange, um sich davon zu erholen. Eine Geschlechtskrankheit machte ihm viel zu schaffen und entstellte ihn völlig. Er blieb noch monatelang schwer krank und konnte sich lange nicht erholen. Mein Vater hatte alle diese Ereignisse vorausgesehen. Ich begriff wohl, was die Sorgfalt, mit der er über mir wachte, mir erspart hatte, und ich konnte meine Dankbarkeit für ihn nicht zurückhalten. Da ich das Übermaß der Begierde fürchten gelernt hatte, schonten wir einander mehr und mehr. Wir waren mehr zärtlich, mehr wollüstig als leidenschaftlich und empfingen unsere Lust aus den Zärtlichkeiten, die wir miteinander tauschten.

Manchmal, wenn ich mich an das erinnerte, was damals auf dem Lande geschehen war, bereitete mir diese Erinnerung einen heftigen Kummer. Und in einer unserer glücklichen Nächte brach ich in plötzliche Tränen aus.

»Was hast Du, meine liebste Laurette«, fragte mein Freund ernstlich besorgt. »Warum weinst Du?«

»Ah, mein Liebster! Unmöglich kannst Du mich länger lieben, Du kannst Dein kleines Mädchen nicht länger achten nach allem, was ich getan habe . . .«

»Bist Du verrückt, mein liebes Kind? Glaubst Du wirklich, daß meine Achtung und meine Freundschaft von irgendwelchen Vorurteilen abhängen könnten? Was macht es schon aus, eine geliebte Frau in den Armen eines anderen Liebhabers zu sehen, wenn die Qualitäten ihres Herzens, wenn ihr Geist und Charakter und all die Vorzüge ihrer Person sich nicht im Mindesten geändert haben, und wenn sie noch immer empfänglich ist für eine zärtliche Bindung? Höre meine Grundsätze, meine Liebste. Ich werde glücklich sein, wenn sie Dich beruhigen und überzeugen können, daß ich Dich nach wie vor zärtlich liebe und daß ich Dich nicht im Mindesten weniger schätze als zuvor. Nichts kann mich so wenig beunruhigen, als Dich untreu zu sehen. Denn das ist bei einem Menschen, der aufrichtig und zärtlich liebt, nicht möglich. Ich will Dir ein einfaches Beispiel geben. Ich liebe Dich, meine Laurette, und meine Liebe ist beinahe mit Dir aufgewachsen. Ich glaube, ich habe Dich schon geliebt, als Du kaum sieben Jahre alt warst. Du füllst mein ganzes Herz aus. Und doch -- war ich Dir etwa nicht untreu mit Lucette, mit Rose und selbst mit Vernol?