Der gelüftete Vorhang oder Lauras Erziehung
Part 5
Es stimmt allerdings, daß ich dank der ausgezeichneten Erziehung, die ich genossen hatte, einen recht gesetzten Eindruck machte. Es ist schon sehr merkwürdig, meine teure Eugenie, aber unsere Leidenschaften vermindern unsere Reputation, wenn die Unklugheit sie erraten läßt. Nichts schadet dem guten Ruf einer Frau mehr als ihre Koketterie und Freizügigkeit. Hingegen kann sich eine vorsichtige Frau, die nach außen hin die Fromme und Gesetzte spielt, so gut wie alles erlauben. Sie wird ihren guten Ruf ohne jeden Makel behalten, wenn sie ihre Liebesabenteuer mit dem Schleier des Geheimnisses bedeckt. Noch besser, wenn sie ihrer Zunge einen Zaum anlegt und sich über das Benehmen ihrer Mitschwestern ausschweigt. Kurz und gut, nicht die Taten, sondern die Manieren einer Frau entscheiden darüber, ob sie als ehrbar gilt oder nicht.
Ich bemerkte natürlich, daß mein Vater meine neuen Freunde mit Aufmerksamkeit beobachtete, und zwar sowohl den jungen Vernol als auch dessen Schwester.
Er sagte mir, daß Rose für ihr Alter viel zu wissen scheine. Wenn sie auch unzweifelhaft noch keine Gelegenheit gehabt hatte, die Genüsse voll auszukosten, die ich kennen gelernt hatte, so würde sie doch höchst begierig sein, sie kennen zu lernen. Davon konnte ich mich leicht überzeugen. Wir scherzten von da an häufig zusammen und trieben allerlei Neckereien. Ich kam zu derselben Erkenntnis wie mein Vater, soweit es Rose betraf. Über Vernol sagte er wenig.
Meine Talente hatten sich inzwischen immer mehr vervollkommnet. Ich war musikalisch und verstand ausgezeichnet auf der Harfe zu spielen, ich sang mit Geschmack, deklamierte mit Intelligenz und hatte einen geselligen Kreis um mich, in den ich Rose und Vernol aufnahm. Der Junge fand bezeichnenderweise zahlreiche Gelegenheiten, mir seine Vorliebe für mich zu beweisen. Er suchte mich und folgte mir unablässig. Wir spielten Theater, und er brachte seine Rolle mit Leidenschaft zu Gehör. Ich sprach mit meinem Vater darüber, und ich machte mich ein wenig über ihn lustig, aber in einem Ton und mit einem Lächeln, welches diesem großen Menschenkenner deutlich verraten mußte, daß ich an meinem neuen Verehrer Gefallen fand.
»Das habe ich vom ersten Augenblick an bemerkt«, sagte mein Vater, als ich wieder einmal davon sprach. »Seine Augen, seine geröteten Wangen verraten ihn, wenn er in Deiner Nähe ist. Nun, meine Liebe, aber wie steht es mit Dir? Da Du weißt, daß er in Dich verliebt ist, welches Gefühl hegst Du für ihn?«
Ich war mir darüber nicht ganz im Klaren und glaubte, daß ich für Vernol keine anderen Gefühle hegte als jene, die für gewöhnlich mit dem hübschen Namen Freundschaft bezeichnet werden. Doch die Frage meines Vaters machte mich nachdenklich, und ich beobachtete mich schärfer. Bald fand ich heraus, daß Vernols Gegenwart mich erregte und daß ich ihn vermißte, wenn er nicht mit seiner Schwester gekommen war. Ich fragte dann Rose ganz unschuldig, wo ihr Bruder geblieben sei. Ich wunderte mich selbst über diese Vorliebe, die meinem Herzen so gar nicht entsprach.
Allerdings gefiel mir sein Äußeres, und ich muß gestehen, auch seine Sanftheit und die Standhaftigkeit, mit der er mich bewunderte, schmeichelte mir nicht wenig.
Aus der Miene meines Vaters hätte ich leicht bemerken können, daß er etwas in mir entdeckt hatte, daß ich mir selbst nicht einzugestehen wagte. Er sprach nicht darüber, und ich liebte ihn mehr denn je. Meine Leidenschaft und meine Vorliebe für ihn verminderten sich nicht im Geringsten. Von Kindheit an zur Wahrhaftigkeit erzogen, kannte ich nicht die mindeste Verstellung.
Man sagt, daß die Frauen von ihrer Natur her falsch seien. Aber ich glaube, daß diese vermeintliche Falschheit nur eine Folge ihrer Erziehung ist. Zu guter Letzt entschloß ich mich, alles für diesen liebenswürdigen und zärtlichen Freund zu opfern und die Nachstellungen dieses hübschen Jungen in Zukunft zu vermeiden. Ich hatte die Übereinstimmung der Gefühle, die ich für meinen Vater und auch für Vernol hegte, noch nicht begriffen. Doch die zwiespältige Verfassung, in der ich mich befand, verriet mir wohl, daß etwas in mir im Gange war. Du kannst Dir diesen inneren Zwiespalt schwer vorstellen, meine Liebe. Man muß ihn fühlen, um ihn zu kennen. Mein Vater, der meine Verfassung wohl bemerkt hatte und sich darüber Gewißheit verschaffen wollte, stellte mich auf eine Probe, ohne daß ich es bemerkt hätte.
»Laura, einige Deiner Freunde verursachen mir Unbehagen«, eröffnete er mir eines Tages. »Ich möchte, daß Du Rose und ihren Bruder nicht wiedersiehst.« Ich zögerte keinen Augenblick, sondern warf mich in seine Arme: »Ich stimme dem gerne zu, mein Liebster. Komm, wir wollen dieses Haus aufgeben und auf das Land ziehen, dann werden wir den beiden nicht mehr begegnen. Laß uns morgen schon aufbrechen, Du wirst mich bereit finden!«
Ich beeilte mich tatsächlich, meine Koffer zu packen, und ich blieb damit beschäftigt, bis er mich rief. Er nahm mich auf seinen Schoß und sagte, während er mich umarmt hielt: »Meine liebe Laurette, ich bin von Deiner Zärtlichkeit und Zuneigung sehr angetan. Deine trockenen Augen verraten mir, daß Du sie ohne Schmerzen verlassen wirst. Doch gestehe mir, macht es Dir wirklich nichts aus? Öffne mir Dein Herz, denn ganz bestimmt ist es nicht die Furcht, die Deine Entschlüsse beeinflußt. Du hast keinen Grund, mich zu fürchten.«
Immer wahrhaft und ehrlich gegen meinen Vater, verbarg ich auch diesmal nichts vor ihm.
»Nein, ganz bestimmt ist es nicht die Furcht, die mich lenkt. Seit langem schon empfinde ich keine Furcht vor Dir. Nur das Gefühl allein leitet mich. Dieser Vernol hat es verstanden, mir eine gewisse Vorliebe für ihn einzuflößen, deren Ursache ich mir nicht erklären kann. Doch mein Herz, das dir allein gehört, zögert keinen Augenblick, sich zu entscheiden. Ich will ihn nicht wiedersehen!«
»Mein geliebtes Kind, ich kenne die Aufrichtigkeit Deiner Gefühle für mich, und ich bin darüber sehr glücklich. Vernol erweckt in Dir gewisse Vorstellungen, die Deine Phantasie bewegen. Du findest ihn deshalb angenehm. Aber Du kennst meine Zärtlichkeit für Dich und weißt, daß Du nicht aufhören kannst, mich zu lieben. Das ist alles, was ich von dir erhoffe. Geh nur, ich bin nicht eifersüchtig auf dieses Herz, dessen Besitz mir so sicher ist.«
Diese Worte beruhigten mich, und ich fühlte mich überströmen vor Zärtlichkeit für diesen wundervollen Mann, der all meine Besorgnisse zu zerstreuen verstand. Ich warf mich vor ihm auf die Knie und küßte seine Hände, die ich mit meinen Tränen benetzte. Mein Schluchzen machte es mir beinahe unmöglich, die rechten Worte zu finden.
»Mein Liebster, ich liebe Dich, ich bete Dich an, nichts und niemanden liebe ich so wie Dich! Meine Seele, mein Herz, alles ist von Dir erfüllt!«
Er war von meinem leidenschaftlichen Ausbruch gerührt, hob mich auf, preßte mich an sein Herz und bedeckte mich mit seinen Küssen.
»Beruhige Dich, mein allerliebstes Kind. Glaubst Du wirklich, daß ich die Natur und ihre unabänderlichen. Gesetze so wenig kenne? O nein, ich bin nicht so ungerecht. Erfahrung und Vergleichsmöglichkeiten haben in mir erst diese zärtliche Zuneigung ermöglicht, die ich für Dich empfinde. Es ist Zeit, daß auch Du es lernst, dir ein Urteil zu bilden. Ich verspreche Dir, Du wirst die Gesellschaft dieses Vernol genießen. In meinen Grundsätzen gefestigt und erfüllt von meinen Ideen, wirst Du auch nach meinen Erkenntnissen handeln. Übrigens ist er hübsch und liebenswürdig, wie ich zugeben muß. Und wenn Du diese gewissen Gefühle nicht für ihn empfändest, nun, so wäre es irgendein anderer. Ich werde mich also dreinfügen.«
Doch nach diesem Gespräch war meine Vorliebe für Vernol abgeschwächt. Wenn ich ehrlich sein will und Dir alles sagen soll, so war es mehr die Zustimmung meines Vaters, die Neugier und mein leicht erregbares Temperament, was meine begehrliche Phantasie lebendig hielt.
Diese wurde von meinem Vater übrigens noch begünstigt. Wenige Abende später, als ich in seinen Armen lag, sagte er zu mir: »Liebe Laurette, morgen wirst Du Roses Mutter besuchen und sie bitten, daß sie ihrer Tochter erlaubt, den Tag mit Dir zu verbringen. Sag ihr, sie soll nicht beunruhigt sein, wenn sie des Abends ausbleibt, ihr würdet einen Landausflug machen und erst morgen zurückkehren.
In Wirklichkeit werdet ihr den Tag und den Abend hier verbringen. Du wirst den ganzen Tag mit ihr allein sein und kannst Dir dann leicht ein Urteil über die Ehrlichkeit ihrer Gedanken und über ihren Charakter machen. Sie scheint zu Dir Vertrauen zu haben und Freundschaft für Dich zu empfinden. Du wirst bald mehr darüber wissen und mir alles sagen.«
Ich glaubte in diesem Moment, daß er mit diesem Plan einen gewissen Zweck verfolgte, doch ich hatte es gelernt, in allem seinen Ideen zu folgen und mich allem, was er je plante, zu unterwerfen. Ich glaubte, daß Rose ebensoviel wußte wie ich selbst.
Im Übrigen wurde alles so gemacht, wie wir es abgesprochen hatten. Sie kam, und wir schlossen uns ganz und gar von der Welt ab. Wir verbrachten den Tag mit all den reizenden kleinen Torheiten, welche zwei junge Mädchen, deren Herz voll ist von unklaren Gefühlen, sich nur ausdenken können. Ich neckte sie, und sie tat mit mir desgleichen. Ich enthüllte ihren Busen und ließ meinen Vater ihre hübschen Brüste küssen. Ihr niedliches Hinterteil, ja selbst ihre kleine Spalte wurde Gegenstand meiner Neckereien. Wir hielten einander umschlungen. Sie kicherte und lachte, und jedes Mal, wenn ich mir etwas Neues ausdachte, wehrt sie sich zunächst, aber ihre geröteten Wangen und ihre lebhaft funkelnden Augen verrieten, wie erregt sie war.
Wir soupierten, und selbst während des Essens schonte ich sie nicht. Ich schürte das Feuer, das schon in ihr brannte, kräftig. Nachher setzten wir unser Geplänkel fort. Ich bat sie, sich mit dem Gesicht nach unten auf einen Diwan zu legen, und dann schob ich ihre Röcke nach oben. Ihr entblößter Hintern bot uns einen höchst erfreulichen Anblick.
Mein Vater versetzte ihr einige leichte Schläge mit der Hand und ermutigte mich, mich für die Neckereien zu rächen, die sie vorhin mit mir getrieben hatte. Ich wollte mich von der Wirkung unseres Treibens überzeugen und fand sie ganz feucht. Sie mußte ein heftiges Vergnügen empfunden haben. Schließlich gingen wir in mein Zimmer, um uns für die Nacht vorzubereiten.
Kaum erblickte sie mich im Hemd, da zog sie es mir auch schon aus. Ich tat mit ihr desgleichen, und lachend stürzten wir uns ins Bett. Sie küßte mich, faßte nach meinen Brüsten und liebkoste meine Spalte. Ich begann ein höchst reizvolles Fingerspiel, als ich merkte, wie sehr sie sich danach sehnte, und ich täuschte mich nicht. Sie spreizte die Beine, und ihre Bewegungen verrieten mir die Heftigkeit ihrer Empfindungen. Schließlich ließ ich meinen Finger tiefer in sie gleiten, und die Leichtigkeit, mit der dies geschah, überzeugte mich davon, daß sie -- in diesem zarten Alter! -- keine Jungfrau mehr war.
Ich brannte natürlich vor Begierde zu erfahren, wie sie ihre Jungfernschaft verloren hatte. Ich wollte sie gerade fragen, als mein Vater ins Zimmer kam, um uns zu umarmen, ehe er seinerseits zur Ruhe ging. Rose warf mit einer raschen Bewegung die Decken beiseite, die uns verhüllten. Er hatte offenbar nicht erwartet, uns beide nackt zu sehen. Unsere Hände befanden sich noch immer am Sitz aller Wollust. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, hielt ihn fest und veranlaßte ihn, meinen Busen zu küssen. Ich blieb meinerseits nicht untätig und sorgte dafür, daß er bei ihr dasselbe tat. Ich faßte nach seiner Hand und ließ sie auf ihrem hübschen, entblößten Körper spazieren gehen. Ich hielt diese liebenswürdige Hand in ihrer Grotte fest, er geriet in Erregung, doch dann verließ er uns rasch und wünschte uns viel Vergnügen.
Es ging schon gegen zehn, als er am anderen Morgen in unser Zimmer kam. Er weckte uns mit Küssen und Zärtlichkeiten und fragte uns, ob wir eine angenehme Nacht verbracht hätten. »Wir sind noch lange, nachdem Du uns verlassen hast, wach geblieben. Du hast ja gesehen, in welcher Stimmung wir uns befanden«, gab ich zur Antwort.
Rose, deren Wangen noch rosig vom Schlummer waren, errötete und legte mir den Finger auf den Mund. Doch ich wehrte sie ab: »Nein, nein, meine Liebe, Du kannst mich nicht hindern, meinem Vater alles zu erzählen, was wir zusammen getan haben. Denn ich verberge niemals etwas vor ihm. Mein Vertrauen zu ihm ist vollkommen, und das Deine sollte nicht weniger groß sein.«
Sie schlang ihre Arme und Beine um mich und ließ mich gewähren.
»Nachdem du uns verlassen hattest«, berichtete ich meinem Vater, »fuhr die lebhaft erregte Rose damit fort, meinen Mund zu küssen und an meinen Brüsten zu saugen. Sie zog mich an sich, und unsere Schenkel und selbst unsere intimsten Teile rieben sich gegeneinander. Meine Brüste drückten die ihren, mein Leib lag auf dem ihren. Ihre Zunge liebkoste die meine, eine ihrer Hände streichelte meinen Hintern, die andere kitzelte meine Klitoris, und ich tat mit ihr desgleichen. Wir kosteten die Wonnen dieses Vergnügens in ihrem vollen Ausmaß. Sie duldete es nicht, daß meine Hand sie verließ, ehe sie viermal die unglaublichste Lust empfunden hatte.«
Während ich dies erzählte, schob Rose, durch meine Erzählung erhitzt, ihre Hand zwischen meine Schenkel und wiederholte, was ich erzählte. Ich begriff sogleich, was sie ersehnte. Wir waren beide nackt. Ich schob also unsere Decken zurück und nahm die Hand meines Vaters, die sich flugs all ihrer Reize bemächtigte. Er hatte nur seinen Morgenrock an, und dieser verschob sich durch die Bewegung. Ich bemerkte dank meines Instinkts und infolge der Ausbuchtung seines Hemdes, welchen Erfolg diese Liebkosungen bei ihm hatten, und machte Rose darauf aufmerksam.
Ja, ich riet ihr sogar, ihm seinen Morgenrock auszuziehen und ihn dazu zu bringen, daß er sich zu uns lege. Sie sprang sofort auf klammerte sich an seinen Hals und nahm ihm unter vielen Neckereien seinen Morgenmantel weg. Dann zog sie ihn auf das Lager nieder und fiel ihrerseits mit ausgebreiteten Beinen auf ihren Rücken. Ich legte eines ihrer Beine auf seine Schulter, und er tat mit dem anderen desgleichen. In dieser Stellung fand sich sein prächtig schwellendes Instrument naturgemäß genau gegenüber ihrer Grotte. Ich bereitete ihm den Weg, und als er eindrang, kam sie ihm mit einer schnellen Bewegung entgegen. Ich kitzelte sie, und sie gab seine Bewegungen lebhaft zurück. Gleichzeitig liebkoste sie mich, wie ich es mit ihr tat, und seine leidenschaftlichen Anstrengungen, vereint mit den unsrigen, ließen uns schließlich eine heftige Wonne erfahren.
Mein Vater vermochte sich kaum zurückzuhalten. Er beeilte sich, und ich vollendete mit meinen Händen das Trankopfer seiner Lust, das er nicht in sie zu ergießen gewagt hatte. Sie gestand mir später, daß es ihr währenddessen fünfmal gekommen sei. Ihr Leib war besprüht vom Tau der Wollust, mit dem er sie besprengt hatte, und selbst ihre Brüste waren noch feucht davon.
Und doch hatte sie noch nicht genug. Sie beschäftigte sich leidenschaftlich mit meiner Spalte, sie kitzelte und liebkoste mich, und diese reizenden Spielereien setzten mich gleichfalls in eine heftige Begierde. Gar zu gern hätte ich die Flammen, die mich durchzuckten, gelöscht. Sie schien meine Wünsche zu erraten, denn sie ergriff die Hand meines Vaters und ließ seine Finger in mich eindringen. Dann ließ sie mich durch ein ähnliches Spiel, wie ich es mit ihr gespielt hatte, an den süßen Entzückungen teilhaben, die ich ihr bereitet hatte.
Es dauerte eine Weile, bis wir uns beruhigten. Dann sagte ich zu meinem Vater: »Du wirst vielleicht erstaunt sein über Roses Betragen. Ich selbst war nicht weniger verwundert. Ich habe sie gebeten, mir zu erzählen, woher sie ihr Wissen hat, und ich werde Dir alles darüber sagen. Oder nein, noch besser sollst Du es aus ihrem Mund erfahren. Die Vertraulichkeit, die ihr einander erwiesen habt, wird es ihr unmöglich machen, Dir etwas von dem zu verbergen, was sie mir gestanden hat.«
Wir beruhigten ihre aufkeimenden Proteste durch Küsse und Liebkosungen.
»Nun gut«, sagte sie schließlich, »ich willige ein. Nachdem ich Laurette schon alles gesagt habe, riskiere ich nichts durch meine Offenheit. Schließlich habt ihr ein Recht darauf, alles zu erfahren. Mein Vertrauen ist nicht kleiner als jenes, das ihr mir bewiesen habt. Wirklich, es ist nur angemessen, daß ich euch alles erzähle.«
5. Kapitel
Rose begann ihre Geschichte folgendermaßen:
»Ich war etwa zehn Jahre alt, als mich meine Mutter zu ihrer Schwester schickte, die damals in der Provinz lebte. Ich blieb über sechs Monate dort. Meine Tante hatte nur eine einzige Tochter, die etwa sechs Jahre älter als ich selbst war. Bis dahin hatte ich immer bei meiner Mutter gelebt, deren Frömmigkeit es mir nicht erlaubt hatte, mich irgendjemandem anzuschließen. Meine Brüder waren damals auf der Schule, und so war ich immer allein, wenn ich meine Mutter nicht in irgendeine Kirche begleitete. Ich kannte mich selbst nicht mehr und langweilte mich entsetzlich. Die Kirche erschien mir damals noch als das kleinere Übel. Da gab es wenigstens das eine oder andere menschliche Wesen, das ich beobachten konnte.
Es dauerte lange, bis sich meine Mutter entschloß, den Wünschen meiner Tante, die mich gerne bei sich haben wollte, zu entsprechen und mich zu ihr zu schicken. Ich sehnte diese Reise mit einer Ungeduld herbei, die ich meiner Mutter nicht verbergen konnte. Und schließlich kam meine Zeit.
Mein Bruder hatte die Windpocken bekommen, und Mama beeilte sich demzufolge, mich aufs Land zu schicken, damit ich nicht ebenfalls angesteckt würde. Meine Tante und meine Cousine empfingen mich mit tausend Beweisen ihrer Freundschaft. Vom ersten Augenblick an verlangte Isabelle, daß ich bei ihr schlafen sollte.
Am Abend, wenn wir uns zur Ruhe begaben, umarmte sie mich jedes Mal innig, und ich erwiderte ihre Zärtlichkeiten ebenso. Nach vierzehn Tagen waren wir schon so vertraut, daß wir nicht die geringste Scheu mehr voreinander hatten.
Eines Abends verfiel sie auf den tollen Einfall, unsere Hemden zu schürzen, so daß wir vor dem Spiegel unsere Hinterteile vergleichen konnten, die in der Tat recht anmutig gerundet und lieblich anzusehen waren. Sie fiel mir vor lauter Wohlgefallen um den Hals und küßte mich, wie es vier Schwestern gleichzeitig nicht getan haben würden. Ich meinerseits konnte darauf lange nicht einschlafen. Doch da sie mich entschlummert glaubte -- ich verhielt mich nämlich ganz ruhig --, bemerkte ich, wie sie ihren rechten Arm ein wenig bewegte. Ihre linke Hand lag auf meinem Schenkel. Ich spürte, wie sie heftig atmete. Sie hob und senkte ihren Hintern ganz sacht. Endlich stieß sie einen leidenschaftlichen Seufzer aus und versank dann in einen tiefen, ruhigen Schlummer.
Ich war erstaunt über etwas, daß ich nicht zu verstehen vermochte, und fürchtete, daß ihr etwas Ungewöhnliches zugestoßen sei. Doch als ich sie am anderen Tag ganz frisch und munter sah, beruhigte ich mich rasch wieder. Meine Neugierde war geweckt, und ich beobachtete sie von nun an jeden Abend, indem ich mich schlafend stellte. Dabei bemerkte ich, daß sie jedes Mal wartete, bis sie glaubte, daß ich eingeschlafen sei. Dann wiederholte sie dieses merkwürdige Ritual, um bald danach selbst einzuschlafen. Ich konnte mich darüber nicht genug wundern und beschloß also, den Dingen auf die Spur zu kommen. Meine Tante hatte eine sehr hübsche Zofe, die etwa zwanzig Jahre alt war. Isabelle verbrachte jeden Tag mehrere Stunden bei ihr, angeblich um Sticken zu lernen. Justine -- so hieß das Mädchen -- stickte hervorragend, und meine Cousine nahm bei ihr Unterricht. Man wollte nicht, daß ich daran teilnahm. Ich wäre noch zu jung, und meine Neugierde würde ihre Fortschritte gehindert haben. So verbrachte ich täglich etliche Stunden ganz für mich und bewunderte im Übrigen die Fortschritte ihrer geschickten Nadel. Ich fühlte mich ausgeschlossen und ärgerte mich, daß ich an ihrer Gemeinsamkeit nicht teilnehmen durfte. Auch war meine Neugierde lebhaft erwacht. Diese Neugierde eines Mädchens ist ein Dämon, der sein Opfer auf das heftigste quält und sich durch nichts beruhigen läßt.
Eines Tages, als ich allein im Hause weilte -- meine Tante war mit Isabelle und Justine ausgegangen --, schlüpfte ich unbemerkt in deren Gemach, um zusehen, ob ich nicht entdecken konnte, was diese beiden den ganzen Nachmittag trieben. Ich entdeckte in dem Alkoven, in dem Justine schlief eine geheime Tür, die sich nur mit Mühe öffnen ließ und die in eine dunkle Kammer führte, die mit alten Möbeln aller Art vollgestopft war. Es führte nur ein schmales Gäßchen hindurch und zu einer gegenüberliegenden Tür, die sich auf eine schmale Treppe öffnete. Neugierig wie ich war, folgte ich dieser und befand mich alsbald auf einem kleinen Hof, von wo aus man in eine menschenleere Gasse gelangen konnte.
Meine Tante glaubte natürlich, daß ihre Wohnung fest verschlossen sei. Doch während sie die Schlüssel in Händen hatte, war es der klugen Justine gelungen, ein Mittel zu finden, nach Belieben zu kommen und zu gehen. Neugierig wie ich war, benützte ich die Gelegenheit, um eine Lücke in der Wand, eine Ritze oder etwas dergleichen ausfindig zu machen, durch die ich Justines Zimmer und vor allem den Alkoven im Auge behalten konnte. Doch so sehr ich mich anstrengte, ich fand keine geeignete Öffnung. Da holte ich ein kleines Messer und bohrte ein Loch in die Tür, das groß genug war, meine Neugierde zu befriedigen. Ich war mit meiner Tat sehr zufrieden und zog mich in mein Zimmer zurück. Ich hatte wohl bemerkt, daß Isabelle zumeist nach dem Essen in Justines Zimmer verschwand.
An einem der nächsten Tage, als meine Tante den Nachmittag bei einer Freundin verbrachte, wo sie sich in irgendeiner Angelegenheit länger aufhalten wollte, sagte mir Isabelle, daß sie etliche neue Stiche lernen wolle. Ich könne mich in der Zwischenzeit mit den Nachbarkindern unterhalten oder mich sonst nach meinem Gutdünken beschäftigen. Ich benützte die Gelegenheit und tat so, als wollte ich wirklich in der Nachbarschaft einen Besuch machen. Doch ich schlich mich leise in Justines Zimmer, als diese meiner Tante bei der Toilette half, und verbarg mich in der dunklen Möbelkammer. Meine Augen hielt ich auf die Öffnung gerichtet, die ich mit so viel Sorgfalt vorbereitet hatte. Es dauerte nicht lange, so kam meine Cousine herein und nahm eine Stickerei zur Hand. Ich dachte schon, daß ich einen höchst langweiligen Nachmittag verbringen würde, und bereute meine Neugierde, die mich in diese unerfreuliche Situation gebracht hatte. Nach einiger Zeit kam Justine, und ich hörte meine Tante noch fragen, wo ich wäre. Ich spürte mein Herz bis zum Hals klopfen, doch Isabelle antwortete ganz ruhig, daß ich hinuntergegangen sei, um mich mit den Nachbarkindern zu vergnügen. Die Tante fragte nicht weiter, und da sie ihre Tochter so nützlich beschäftigt sah, verließ sie beruhigt das Haus.