Der G'wissenswurm: Bauernkomödie in drei Akten

Part 2

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Dusterer. No nix, gar nix, kannst dich verlassen. No schau, selb gfreut mich, deintwegn, Schwoger, deintwegn! Meiner Seel! Abgsehn, daß 's gute Werk a a Staffel in Himmel is. Aber deintwegn schon gar. Hizt wirst schon Herr werdn über den sakrischen Gwissenswurm, verlaß dich drauf, es is net der erste, den ich aus'm Nest nimm!--Ja--ja, kannst dich verlassen! Was ich sagen wollt: wann geht's nach der Kreisstadt--wann dir leichter is? Sixt, Grillhofer, sixt, schau, Schwoger, hizt lass' ich dir a 'n Bader holn, ja, ja, man derf nix außer acht lassen und die Kräuter habn ja ihnere Heilsamkeit a vom lieben Gott. ja, ja, weißt, hizt is was anderscht, früher wär der Bader zu nix net nutz gwesen, aber hizten habn wir zum Anfang 'n Wurm 's Zappeln glegt, dös is 's erste. Wann dös vorbei is, kann a der Bader wieder was richten. Mein Seel, heunt gfreut mich mein Lebn! (Ist aufgestanden und tätschelt den Grillhofer zärtlich in den Rücken.) Weil ich so ein Schwagern hab! Ja ja. Na, die Freud, so a bußfertige Seel z' finden bei derer schlechten Zeit! Beispielmäßig war der Saul im Alten Testament a schlechter Sucher gegen meiner, hat ein Esel gsucht und a Kron gfunden, mir aber war kein Kron so lieb, als daß ich 's Gsuchte a find--(umarmt Grillhofer) mein lieben Schwagern!

Grillhofer. No, no, laß's nur gut sein, und wann d' meinst, so schick halt nach'm Bader! Wann amal was sein soll, so hab ich's gern bald in Richtigkeit.

Dusterer (sitzt wieder auf seinem früheren Platz). Ich weiß, ich weiß, mer kennt dich dafür, du haltst auf die Ordnung: Ja, ja, und no war's ja recht! (Hat das Gesangbuch aus der Rocktasche gezogen und vor sich aufgeschlagen.) Und daß wir net draus kämman, so laß uns unser Bußlied singen! (Dusterer setzt ein, Grillhofer singt mit.)

Lied

Erlös uns von des Lebens Pein, O Herr, in deinen Gnaden Und führ uns in den Himmel ein, Das kann uns gar nicht schaden!

(Wie beide einsetzen, um die zwei letzten Zeilen zu wiederholen, fällt rasch der Vorhang.)

Anzengruber: Der Gwissenswurm, I. Akt, 9. Szene

Verwandlung

Freie Gegend. Im Hintergrund ein Teil des Grillhoferschen Hauses, ein Fenster nach der Bühne zu steht offen, dessen bunte, kurze Vorhänge verwehren den Einblick in die Stube. Ein Zaun mit Einlaß in der Mitte schließt den Hintergrund ab. Vorne rechts über einen niederen Graben fährt ein Steg. Links im Vordergrunde ein Heuschober.

Neunte Szene

Liesel kommt über den Steg, sie trägt einen Anzug, der von dem der andern Dirnen abweicht und zeigt, daß sie aus einer andern Gegend daheim.

Lied

Mit üble Vorsätz geh Fort aus'm Haus, Glei schaut die ganze Welt Anderschter aus! Bin zeitlich fruh noch fort Im Morgendunst, Kenn alle Hund im Ort, Freundlich warn s'sunst! Nenn jeden bei sein Nam, Kenn jeden gnau, Hizt bellen s'hinter oam: "Schau, schau, schau, schau! Da geht d' Horlacher-Lies, Mit der's net richtig is! Schau, schau, schau, schau!" (Jodler ad libitum.) D' Vögerln, die in der Fruh Singen so lieb, Die schrein jetzt ein'm zu: "Dieb, Dieb, Dieb, Dieb! Ui, dö Horlacher-Lies, Mit der's net richtig is! Dieb, Dieb, Dieb, Dieb!"

(Jodler. Mit einer Gebärde, mit der man Vögel verscheucht, in die Hände klatschend.) Gscht! Nixnutzigs Gfliederwerk, nit wahr is's, so is die Horlacher-Lies net! Freilich hot die Mahm gsagt: hingehst und einschmeichelst dich! Als ob ich a Katz wär! Aber kein Red, dös tu ich net. Aber furt von hoam bin i gern, u mein, wie gern! Jahraus, jahrein kein andern Kirchturm sehn als den von Ellersbrunn, d' schön Zeit über vor harter Arbeit 's Kreuz kaum gspürn und 'n Winter über beim Spinnradl sitzen... oh, du mein Gott, und auf einmal frei h'nausrennen dürfen in die schön grüne, lichte Gotteswelt h'nein--haha, bleibet a Narr hoam! --Jesses und Joseph! Frei kugeln möcht i mich im Heu!

Zehnte Szene

Vorige. Wastl.

Wastl (schon etwas freier sichtbar, ist bei den letzten Worten durch den Zaun aufgetreten, noch rückwärts), Tu's, Dirndel, ich schau dir gern zu!

Liesel (halb nach ihm gewendet). Wußt ich, du denkst was Unrechts, kriegest mir eine!

Wastl (kommt vor). No wußt i gern, was d' dir denkst, daß i mir denkt hätt, han, Dirndl? (Erkennt sie.) Oh, heilig Mutter Anna, dö is's?!

Liesel. Jegerl, der Wastl!

Wastl. Ja, der Wastl und du bist dö Horlacher-Lies, eh schon wissen. Hätt mir's net denkt, ich komm no z'samm ... Was suchst du denn da h'rum?

Liesel. 'n Grillhofer.

Wastl. 'n Grillhofer?

Liesel. Ja 'n Grillhofer!

Wastl. So, 'n Grillhofer?--No, dem sein Großknecht bin ich. Willst leicht in Dienst bei ihm? Da hätt ich a a Wartl dreinzureden. Mir zwei taugen net unter ein Dach, und wann dich gleich der Bauer nahm, so rennet ich heunt no auf und davon.

Liesel. Zwegn meiner brauchst kein Schuh z' zreißen. Ich bin nur auf Bsuch!

Wastl. Auf Bsuch?

Liesel. Jo, auf Bsuch.

Wastl. So, auf Bsuch? Was willst eahm denn?

Liesel. Dös geht di nix an.--Sag amal, was is denn der Grillhofer für a Mon?

Wastl. A trauriger.

Liesel. Ui je, dös taugt mer net, da geh ich lieber glei wieder.

Wastl. Is a gscheiter.

Liesel. Aber geh, Wastl, was hast denn gegn mi? Tut's dich denn net a wengerl gfreun, daß mir uns wieder zsammfinden?

Wastl. Müßt's lügn!--Solltst dich eigentlich schamen, daß d'mich derkennst.

Liesel. Wußt net, warum! Kimmt's mer doch völlig für, als schamest du dich.

Wastl. I mi? Zwegn we, ich frag no, zwegn we?

Liesel. No schau, Wastl, wann ich dir als alte Bekännte gut dafür bin, bleib ich dir derweil die Antwort schuldig, aber möchst mer net sagn, zwegn we ich mich schamen sollt?

Wastl. No, dös ist doch klar.

Liesel. So sag's!

Wastl. "Sag's!"--O du... "Sag's!" sagt s'! Hat's dir denn no nie leid tan, wie d' mir mitgspielt hast, wie ich no in Ellersbrunn Knecht war?

Liesel. Wie 's du Knecht warst in Ellersbrunn?

Wastl. Jo, wie i Knecht war in Ellersbrunn.

Liesel (nachdenkend), So, wie d' Knecht warst in Ellersbrunn?

Wastl. Tu no, als wußt von all'm nix.

Liesel. Kann's doch schon die Zeit über vergessen habn!

Wastl. Dös sieht dir schon gleich! Ja, dir schon.

Liesel. No, geh, so sag's, wie's war!

Wastl. Wenn i mag!

Liesel. Magst schon, wann i dich bitt.

Wastl. Meinst? Bist a weng sicher.

Liesel. Aber, Wastl, was tust denn so harb? Ich wußt rein nix!

Wastl. Da schlag doch 's Wetter'drein. Bin ich dir net in Ellersbrunn nachgrennt wie narrisch?

Liesel (sieht ihn von der Seite an). Freilich, wohl, wohl! Selb laugn ich net!

Wastl. Stund dir a schlecht an!

Liesel. Is ja alles zwischen uns zwei in Ehrn verbliebn.

Wastl (grimmig). Ebens drum!

Liesel. Aber, Wastl, wird dich doch nit harbn, daß sich keins von uns versündigt hat?

Wastl. Dös net! Dös freili nöt! In Ehrn is alls verbliebn, is a dumme Gschicht, aber es muß ein recht sein; mit einer Dirn, was net auf sich halt, laßt sich a kein rechter Bub gern ein. War schon recht dös Dich-in-Ehren-Halten, aber mich fürn Narren halten war von unnöten!

Liesel. Geh! Und wie is denn dös zugangen?

Wastl (eifrig). Dös fragst du no? Du fragst dös no? Na, ich dank! Han, wie ich gmeint hab, ich möcht dir taugn, hab ich dich net gfragt, wo mir zsammkomma kinnten?

Liesel. Ja, dös hast gfragt.

Wastl. Und weil dir's auf der Heid z' einschichtig war

Liesel. Freili Wastl. Und mir auf der Landstraßen z' leutselig, hon i gsagt, ich kimm in Wald.

Liesel. Bist jo a kumma!

Wastl. Jo, aber du bist wegbliebn! Sikra h'nein, von wie es Mondschein raufkämma is, bis's wieder abigangen is, bin ich dort am Fleck gwest und a Kälten hat's ghabt, daß's ein schier d' Seel aus 'm Leib hätt rausbeuteln mögn!

Liesel. No, hon ich dir's drauf net gut gmeint, hon ich net gsagt: wann dir die Kälten zwider war, sollst af d' steile Wand gehn, wann hoch um Mittag is?

Wastl. No, war ich net durt? War a a Hitz zum Verschmachten. Wer aber wieder net kämma is, warst du.

Liesel (ironisch). Du hast dich aber neamer beklagt.

Wastl. Ah freili, noch ja, daß d' mi leicht no zum Auffrischen in Mühlbach schickest! Dank schön. Teufi h'nein! (Stampft mit dem Fuße auf. ) Frotzel ein'm net! (Wendet sich ab, sieht aber zuletzt widerwillig nach der Liesel, die laut auflacht, lacht mit.)

Liesel (lustig). Aber schau, Wastl, was kann a Dirn auf a Lieb gehn, dö net amal bissel Kaltstelln und Aufwarmen vertragt! Da is ja mehr Verlaß afs sauere Kraut!

Wastl. Du bist a eine, dö 'm Teufel aus der Butten gsprunga is! Geh zu!

Liesel. No, laß dir a was sagn, Wastl!

Wastl. Red, wann's dir a Freud macht, auf sitz ich dir neamer!

Liesel. Sag mir amal, Wastl: wie dir im Wald und af der Wand langweilig wordn is, warum bist denn nit hoamgangen?

Wastl. Warum ich net hoamgangen bin?

Liesel. Jo, warum d'net hoamgangen bist?

Wastl. No, a so--weil--a so halt, weil i net hoamgangen bin!

Liesel. Werd ich dir's halt sagen, Wastl, warum d' net hoamgangen bist!

Wastl. No, wann d' es besser weißt als i selber, so sag's.

Liesel (stellt sich ganz nahe zu Wastl). Weil d' es hast vor die andern Bubn net merken lassen wollen, daß d'umsonst warst (stößt ihn mit dem Ellbogen in die Seite), weil's hätt ausschaun solln, als wär ich durt gwest, und wie lang a noch! Han (stößt ihn wieder), war dös rechtschaffen gegn a ehrliche Dirn? So red was! (Holt wieder zu einem Stoß aus.)

Wastl. Na, net--net--(fängt ihren Arm auf) meint mer doch nit, du warst da h'rum so spitzig!

Liesel. Auslaß, sag ich!--Aber ich hab mich schon auskennt und allmal zur Zeit, wo ich mit dir hätt gehn solln, hab ich mich mit meine Kameradinnen hübsch im Ort sehn lassen.

Wastl. Jo, jo, und drauf is dös Frotzeln und Feanzeln angangen--und furt mußt ich aus Ellersbrunn, weil ich doch net dös ganze Bauerngsindel ein um'n andern niederschlagn mag.

Liesel. Hast aber a ein Unterschied gmerkt zwischen ehrliche Dirndeln und der leichten War.

Wastl. A ja, dös schon, und wie! Hab's a allzsamm in die Höll abigwunschen.

Liesel. Selb macht nix, rennen mehr do no af der Welt h'rum!--Aber dir war schon recht gschehn für dein unehrlichs Gspiel!

Wastl. No, wer sagt, es hätt net do no ehrlich ausgehn mögn?

Liesel. Du hast es net gsagt.

Wastl. No ja, damal war ich dumm und hon gmeint, leicht kunntst du no dümmer sein. Aber sider der Zeit bin ich schon gscheit wordn.

Liesel. Dös sahet mer dir doch net an.

Wastl. Hm, liegt mer net auf, wann du's net bemerkst! Meinst, weil ich mich mit eng Weibsleut net einlass'? Bei eng gilt a jeder für dumm, der sich net anstellt wie a Kater im Marzi. Der Gscheiter halt sich grad af die Seiten.--Wie ich damal furt bin, von Ellersbrunn, hon ich mir denkt: no hast abgwirtschaft in der Lieb für dein Lebzeit. D' Horlacher-Lies wär die einzige, die dir taugt hätt, und dö spielt dir so mit!--Und schad is, wann d' weitersuchst, a zweite wie die Horlacher-Lies gibt's neamer af der Welt!--Gleichwohl taugt a dö nix. Aus is und gar is, schaust dich gar neamer weiter um unter dem Kittelwerk. So hon ich's a ghalten.

Liesel (schelmisch). Geh zu, du kannst ein ja völlig stolz machen, Wastl.

Wastl. Ahan, dös gang dir grad no ab zu dö übrigen Sachen, dö d' an dir hast!

Liesel. Na geh, mach ein'm net schlechter. Kannst es denn wissen, ob mir net hart gschehn is um dich?

Wastl. Wird dir a hart gschehn sein?! Außer es is mittlerweil einer kämma, der dir's abgwonnen hat.

Liesel. Na, dös is net! Ich bin mir grad so gscheit wie du.

Wastl. Was? Du warst noch, wie mir damal voneinand gangen sein.

Liesel. Akrat!

Wastl. Kannst mer in d'Augn schaun, Dirndl?

Liesel. Kerzengrad a noch!

Wastl. Schwör!

Liesel. Meiner Seel und Gott!--No, sag mir aber, Wastl, wann's nur dö eine Horlacher-Lies af der Welt gibt, warum stund dir denn die a neamer an?

Wastl. Ja weißt, Liesel, dös is a so! Du bist freilich a so a recht, wie d' bist, aber a so bist net, wie ich mir dich einbildt hab.

Liesel. No, so sei halt kein so einbilderischer Ding!

Wastl. Ja, mein Gott, dös verstehst net. Dös is halt wieder a so: Wann ma di a so anschaut, da kriegt ma erst vorm Herrgottn Respekt, der a so was af d' Füß stellt, so frisch und lebig und sauber und kreuzbrav, dös war schon dö Horlacher-Lies, wie's kein zweite net gibt. Aber wann ma denkt, wie du ein'm mitspieln magst, wo du deine Krampeln versteckt hast, da meint mer doch, selb taugt a wieder net; wann d' nur a bissel a Demütigkeit no hättst!

Liesel. Jegerl, geh zu, weil du so demütig bist, glangst glei keck nach der Dirn, wie's kein zweite mehr gibt, und verwunderst dich, daß dö net gleich a bemerkt, daß du der Wastl bist, wie's kein zweiten mehr gibt!

Wastl (lachend). Ah na, so hon i nie gredt.

Liesel. Aber tan hast darnach!

Wastl. Na, na, aber so tu ich neamermehr und no sein mir allzwei gscheiter und no könnt mer's rechtschaffen und ehrlich von vorn wieder anheben, wann dir nur taugen möcht.

Liesel. Wer weiß, ob's mir net taugt!

Wastl. Aber, Liesel, neamer fürn Narren halten.

Liesel. Aber, Wastl, wie wurd denn dös sein kinna, du bist ja hizt so viel gscheit.

Wastl. Na, dir is mer's leicht net gnug. Aber reden laß no mit dir drüber nach'm Feierabend!

Liesel. Wohl, wohl.

Wastl. Wo bstellst mich denn hin?

Liesel. Weißt's ja eh--in Mühlbach!

(Die in der kommenden Szene Auftretenden werden hier sichtbar.)

Wastl. O du Unend, dös zahlst mer! (Will sie an sich ziehen und küssen.)

Liesel (wehrt ihn ab). A Ruh gibst! Eine hob ich dir schon versprochen--d' zweite verdienst hizt! (Hat ihn gegen den Heuschober und in die Enge getrieben.) Zahltag ist!

Wastl (wehrt sich). Aber nöt vor dö Leut, Liesel!

Anzengruber: Der Gwissenswurm, I. Akt, 11. Szene

Elfte Szene

Vorige. Knechte und Mägde, darunter Michl und Annemirl, Rosl. Alle durch den Zaun auftretend.

Michl. Ho, Großknecht, wehr dich! Wehr dich, sunst geht's dir schlecht.

Wastl. Halt's Maul!

Annemirl. Je, schau, schau! Weiß mer's doch jetzt, warum 'n Wastl kein hiesige Dirn net ansteht! Dös is sein Schatz, und der kimmt von auswärts!

Wastl (sieht sie von der Seite an). Besser a Dirn kimmt von auswärts, als sie geht nach einwärts, dös steht net schön.

Rosl. No no, Wastl, richtig is net mit dir. Hast vergessen, daß Mittag is? Wir sein alle schon abgfuttert, hab dir dein Essen af d' Seit gstellt.

Wastl. Ich frag nach kein'm Essen. Han, Liesel, magst du's leicht habn? Hast ein weiten Weg hinter deiner; wirst hungrig sein.

Liesel. No, wann viel is, gib's her.

Wastl. Wird net wenig sein. Kumm nur. Und dann schau, daß d' mit unsern Bauer auf gleich kimmst!

Michl. Liesel heißt s'?

Annemirl. Soll s' in Dienst?

Rosl. Dös war recht. Wastl, dö bring nur auf 'n Hof. Bist so lustig, wie's d' ausschaust, Dirndl?

Liesel. Bin mein Lebtag net trauriger gwest wie hizt.

Rosl. Nachher is's schon recht. Brachst 'n Bauer wieder zrecht, dös war a verdienstlich Werk; möcht mer doch wieder lachen und lustig singen hörn auf'n Hof, wie ma alt wordn is dabei.

Liesel. No, soll dös net sein?

Rosl. U mein, na! Hörst nix als von Buß und von Reu und vom Versterbn!

Liesel. Na, da tu ich net mit!

Rosl. Und koans soll sich rührn!

Liesel. ös armen Hascher, ös! No, ich ghör net zu dö Engern und justament sing ich hizt oans!

Wastl. Nöt, Liesel, na; war no z' fruh! Eh schau, daß dich der Bauer leiden mag!

Liesel. Weißt ja net, was ich ihm will und ob mir drum is, daß ich ihm ansteh! Kränkt mich ja gar net, wann er mich gleich davonjagt, und dann geh ich wieder und bring der Mahm ein schön Gruß.

Wastl. Du gangst--glei -?

Liesel. Wonn a i geh, kannst ja du doch kimma!

Wastl. No is's eh recht!

Liesel. No, und hizt laßts mich aus! Wann ich mir 's Einwendige von so einer traurigen Wirtschaft betrachte wird mir eh die Luft zwenig in der Stubn und ich bin mir nimmer gleich, bis ich wieder draußt bin. Muß ich schon eini, solang ich noch außerhalb bin, bin ich d' Horlacher-Lies und zum Trutz noch einmal so lustig!

Lied

1. A Bub kimmt zun Himmel, Fragt beim Petern sich an: "Gibt's da Zithern und Dirndeln? So bist du mein Mon!" Und drauf sagt der Peter: "Dös gibt's bei uns net!" Und da kratzt sich der Bub Hinterm Waschl und geht. (Jodler.)

2. Der Bub kimmt zur Höll drauf, Fragt beim Teuxel sich an: "Gibt's da Zithern und Dirndeln? So bist du mein Mon!" Und drauf sagt der Teuxel: "Dös gibt's bei uns net!" Und da kratzt sich der Bub Hinterm Waschl und geht. (Jodler.)

3. Und Zithern und Derndeln, Na, dö kann i net lon, Und so steht mer der Himmel Und 's Höllreich net an. O schön grüne Welt, Laß sagn, wie d'mer gfallst, Solang Zithern klingen Und mei Dirndl mich halst!

Chor O schön grüne Welt Laß sagn, wie d'mer gfallst, Solang Zithern klingen Und mei Dirndl mich halst! (Jodler.)

(Zugleich hört man hinter der Szene Grillhofer und Dusterer das Bußlied singen.)

Erlös uns von des Lebens Pein, O Herr, in deinen Gnaden Und führ uns in den Himmel ein, Das kann uns gar nicht schaden!

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 1. Szene

Zweiter Akt

Garten des Grillhoferschen Gehöftes. Rechts, mehr vorne, präsentiert sich eine andere Ansicht des Hauses wie im ersten Akte. Verwandlung. Eine Türe, unmittelbar neben derselben, jedoch schon ganz in den Vordergrund gerückt, eine Laube, in welcher ein Tisch und Bänke stehen. Im Hintergrunde, in Mannshöhe über dem Boden, schließt ein lebender Zaun die Bühne ab, zu dessen aus Prügelholz genagelten Einlaßschranken ein Anstieg hinanführt. Ein Gebirgspanorama vervollständigt die Dekoration.

Erste Szene

Dusterer. Grillhofer. Rosl. Durch die Haustüre.

Dusterer (übereifrig, noch unsichtbar, hinter der Szene). So--so--nur a weng ins Freie--und die Stuben derweil lüften--und a bissel Waldrauch einemachen! (Stürzt heraus, einen Kopfpolster unterm Arm, den er sogleich in der Laube an einer Banklehne zurechtlegt. Grillhofer, von Rosl geführt, folgt langsam.) Nur langsam--geht schon, geht schon--halt dich nur an d' Rosl.--Schau, selb tun dir dann alles meine Kinder.--Na siehst, so sein wir da!--Ja, ja so ein Schwagern habn, dös is schon die neunte Seligkeit! No, sitz nur nieder!

Grillhofer (setzt sich). No, niedersetzen--is eh recht! (Rosl richtet den Polster und geht dann ab.)

Dusterer. So!--Und nachhert, daß ich sag, ja, daß ich sag, der Bader meint, wann dich 's Ausgehn gfreun möcht, kunntst es schon wagn!

Grillhofer. Der Bader... der Bader, dös is a Esel, kunnt ebensogut sagn, wann mich 's Tanzen und Springen gfreut, söllt ich mich net abhalten lassen.

Dusterer. No, no, wer weiß, wann's die Bußhaftigkeit verlanget, wie beispielsmäßig der König David zu Gottes Ehr tanzt hat--brachst es leicht a zwegn. Und wann dir recht war--schaden tat's net, meinet der Bader--na--ja--so kunnt mer morgn schon nach der Kreisstadt fahrn hin--hin--beispielmäßig, weil d' selber gmeint hast, es möcht dir recht sein--wegn der Ordnung--no--beispielmäßig nur.

Grillhofer. Hast du's aber eilig!

Dusterer. I? Ah na--nöt dran denken--aber weil du selbn schon--beispielmäßig-Grillhofer. Is schon gut.

Dusterer. No weißt, ich mein halt nur, dö arme Seel da nur könnt's völlig net derpassen und tat ihr schon 's erste Ruckerl wohl, was af unser eindringlich Fürbitten gschahet. Beispielmäßig halt 's der Teuxel an oaner langen Ketten, wie a Bub ein Maikäfer an ein Bindfaden; wie mir aber anhebn, muß er 's scho a Bröserl auffilassen, nöt höher leicht wie die Laubn da, aber doch, und wie mir nöt nachlassen, is's mitm zweiten Schub scho durt aufm Nußbaum und so höher und allerweil höher, und wann du dich dann noch einsetzt mit dein guten Werk und wirfst dein Gut ins Meer, dann reißt die Ketten mitten wurz voneinander und--heidi!--fliegt dö Seel auffi in Himmel, hast es net gsehn!--holt 's kein Teuxel mehr ein! Hehe--ja--ja-Grillhofer. Hehe--war eh recht.

Dusterer. Und dein Gwissenswurm, was deßtwegen in deiner Brust war, findt nix mehr z' nagn und z' beißen und verstirbt dir elendig--aber schon elendig--der Sakra! Und allzwei seids derlöst.

Grillhofer. War scho recht, war eh recht!

Dusterer. No, magst dich drauf verlassen--hm, ja!--(Blickt angelegentlich gegen den Himmel, spricht aber so wie nebenher fort zu Grillhofer.) Glaub mir, wann ich dir was sag: der Wurm fliegt in Himmel und die Magdalen verstirbt dir elendig...

Grillhofer. Ah na--no 's selb war ja verkehrt!

Dusterer. Was?--Ah ja--ahan--hon ich's gfahlt gebn?

Grillhofer. No, wie! Nach was hast denn ausguckt?

Dusterer (etwas kleinlaut). Ob moring--ob moring wohl a schön Wetter sein möcht, beispielmäßig, daß mir a weng furtfahrn kunnten.

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 2. Szene

Zweite Szene

Vorige ohne Rosl. Wastl mit Liesel. Durch die Haustüre.

Wastl. No, da hastn ja, 'n Grillhofer! Siehst, der mit 'm Polster auf'm Rucken.

Grillhofer. O du Lalli, "der mit 'm Polster auf'm Rucken", sagt er, wie wann der angwachsen war! Was gibt's denn?

Wastl. Dös Dirndl will z' dir af Bsuch.

Grillhofer. So, so, na, kimm nur naheter--wer bist denn--woher kimmst denn--was willst mer denn, han?

Liesel. U mein Jegerl, dös dermerk ich mir ja gar net der Reih nach, dein Fragn nach bist lang nöt so alt, als d' ausschaust; aber, Bauer, dös muß ja schön langsam gehn und Tipferl... für Tipferl!

Grillhofer. So, so, han, und nach jedem Tipferl schadet a gut Tröpferl a net? Na, Wastl, schau halt nach der Rosl, sö soll dir a Flaschen Süßen gehn und a weng Schleckwerk findt sich wohl a noch in der Speis. (Wastl ab).

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 3. Szene

Dritte Szene

Vorige, ohne Wastl.

Grillhofer. No, sitz nieder, Dirndl!

Liesel. Mit Verlaub! (Setzt sich Grillhofer gegenüber.)

Grillhofer. Werdn mer halt schön langsam Tipferl für Tipferl fürgehn. So sag amal, wer d'bist?

Liesel. D' Horlacher-Lies hoaßen s' mich.

Grillhofer. Horlacher? Schau! Und woher kimmst denn?

Liesel. Von Ellersbrunn.

Grillhofer. Von Ellersbrunn. No, is schon richtig, no bsinn ich mich schon. I hon a alte Horlacherin aus Ellersbrunn kennt.

Liesel. Dös is mei Mahm.

Grillhofer. Ja, ja, a kloans dicks Weiberl, i weiß schon. Is a paarmal in mein Haus kämma, wie noch mein Alte--Gott hab s' selig--bein Leben war. Sider der Zeit hon ich s'neamer gsehn.

Liesel. Mir sein a mit dir in Verwändtschaft.

Grillhofer. So? Dös is 's erste Mal, daß i davon hör! Wie denn wohl?

Liesel. Aus ihrer Mutter ihrer ersten Eh hat dein Weib ein Halbbrudern ghabt und dem sein Gschwistertkinderssohn hat meiner Mahm ihr Gschwistertkinderstochter gheirat.

Grillhofer. So? So?--Mein Weib ihr halbeter Bruder... na, wie war dös nachert gwesen?

Liesel. Dein Weib ihrn Halbbruder sein Gschwistertkinderssohn hat meiner Mahm ihr Gschwistertkinderstochter gheirat.

Grillhofer. Da tut ein'm der Kopf weh dabei!

Liesel. I hab mern net drüber zbrochen, ich hon dös Gsetzel einglernt wie a Starl, wie die Schulkinder 'n Katechisimus!

Grillhofer. Bist doch aufrichtig.

Liesel. Na, wohl, und schon wie!

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 4. Szene

Vierte Szene

Vorige. Wastl (kommt zurück).

Wastl (stellt eine Tasse mit einer Flasche Rotwein und Gläsern darauf und einen Teller mit Kuchen auf den Tisch).

Grillhofer. Bleib nur da, Wastl, mußt 'n Hausvatern machen, mußt einschenken und nachfülln! Ich glang net so weit und soll ich was haltn, zittern mer d' Händ, verschüttet leicht was, war schad drum!

Wastl (füllt ein Glas und setzt es der Liesel hin).

Liesel. Auf dein Wohlsein! (Kostet.)

Wastl (die Flasche in der Rechten, deutet mit der Linken, in der er das Glas hält, auf Dusterer). Kriegt der a was?

Grillhofer. No, wohl, wohl!--Fangst scho wieder an?

Dusterer (streckt die Hand abwehrend nach dem Glas aus). Na, na--wann ma net vergunnt is... wann ma net vergunnt is...

Grillhofer. Einschenk, sag ich! Du Sakra, du!

Wastl (schenkt ein und stellt das Glas ungestüm vor Dusterer auf den Tisch).

Grillhofer. Na, verkostn nur. Verkost. Freilich mehr für d'Weibsleut, aber a guter Tropfen!