Der ewige Buddho: Ein Tempelschriftwerk in vier Unterweisungen

Part 29

Chapter 291,437 wordsPublic domain

Solche oder ähnliche Rede mochte der indische Buddho Gotamo mit dem orphischen Gott Dionysos bei ihrer denkwürdigen Begegnung gewechselt haben auf dem Brückenjoch der Festländer. Dionysos aber ließ das Haupt lange auf seine Brust herabsinken. Und er verharrte reglos in einer Schweigsamkeit, die sich wie der längste Schatten des kürzesten Tages dämmergrau und erkältend zwischen die Wächter der beiden Reiche legte. Dann aber hob er sein saphirnes Auge auf und lächelte dem Buddho sonnig zu: „Recht hast du mir mit allem, o Buddho! Wir Menschen des westlichen Reiches spielten bisher Welt und spielten Leben, ohne die Regel unseres Spiels zu kennen und den Einsatz zu bedenken. Und daran bin ich am meisten schuldig. Früh hab’ ich ja in meiner orphischen Vergangenheit die Unsterblichkeit verkündet, ganz wie du selber, Gotamo. Und oftmals, wenn ich nach sinnaufwühlenden Offenbarungnächten den ersten Strahl meines heiligen Gestirns den Giebel meines Tempels zu Tempe goldig kränzen sah und gleichzeitig mich durch den Mund des Orpheus als Seelenretter und Heiland preisen hörte, -- wie mußte ich da an dich, Spender der Unsterblichkeit denken, der du zu Maghadâ hast den Löwenruf erschallen lassen: ‚Leihet Gehör, ihr Mönche, die Unsterblichkeit ist gefunden‘... Das war damals, o Buddho, in jener ungeheuern Zeit des Götterfrühlings auf hesperischer Erde... Heut’ jedoch weiß ich auf das klärste, daß ich dich herzlich mißverstanden hatte. Mit ähnlichen Worten meintest du nicht das Ähnliche mit mir. Ich selber fühlte nur die zeugerische Lust des Werdens, das immer wird, und kaum geworden, wieder entwird. Ich selber war nur immer eingedenk des ewigen Schaffens, wie es in jeglicher Erschaffung sich selbst erscheint, in jeglicher Erscheinung aber die Erschaffenheit verneint, die nicht das Schaffen selber ist und sein kann. Als unzerstörliche Werdenskraft und Allkraft genoß und litt ich meine Ewigkeit, lebte und starb ich meine Ewigheit. Darüber vergaß ich, wundere dich nicht, das Gesetz des Werdens. Ich vergaß, daß alles Künftige in der Welt sich nur insoweit knoten würde, als es von einer eigenwilligen Gegenwart selbstherrlich geschürzt wird. Den Knoten der Welt und des Werdens, den an- und absteigenden in der Zeit, vergaß ich; vergaß, daß er an- und absteigt in der Zeit nur wie wir es selber ihm bestimmen. Wohl hatte ich während meiner Wallfahrt an euern heiligen Gangâ, dessen Silberquellen, wie ihr sagt, dem Gletschertor der Milchstraße klingend wie Sternschnuppentau entschmelzen, vom Strome her die Stimmen deiner Mönch’ und Nonnen häufig psalmodieren hören:

„Und was der Mensch auch wirken mag, Verdammte Taten, edles Werk: Der Erbe ist er überall, Der Erbe seiner eigenen Tat...“

Aber was ich von dorther hörte, obwohl mich’s manchmal wundersam berührte, verstand mein Sinn noch nicht. Einmal ist Keinmal, Einmal ist höchstens Einmal, hatten wir’s in unserem armsäligen Einmaleins je und je vernommen. Wie hätten wir da dein glühendes Richterwort fassen sollen: Einmal ist Immer! Einmal ist Unendlichmal! Einmal ist Ewig! Ach! allzulang waren wir westlichen Olympier nur ‚Götter Lustig im Dämmerlicht‘ gewesen... Aber du selber, Herr, sagtest es vorhin, wir seien endlich jetzt auf deiner Spur. Ja, wir sind dir, wir sind der Welt endlich auf der Spur, o Gotamo! Zwar ist vor Kurzem noch an dem furchtbaren Gesetz, das du zuerst der Welt gegeben und aufgegeben hast, der stärkste meiner Söhne mir zerbrochen, (er hieß mit Namen Gold-Stern, das ist Zarathustra, und du kennst ihn, liebst ihn als von deiner Art, Herr...) Noch hat also zwar nicht einmal er, von allen zukünftigen Geistern meines Reiches der Zukünftigste und der Geistigste, deinen Urgedanken der unendlichen Wiederkunft aller Wesen je nach ihren Werken unangefochten bis ans Ende auszudenken, auszuhalten vermocht: noch ist unser Stärkster zu schwach gewesen für dein Gesetz und deine Welt, o Buddho. Aber er hat ihn doch -- und welch ein großer Anfang, Aufgang ist dies! -- als erster seit Jahrtausenden wieder religiös erlitten und gelebt, statt einfach wissenschaftlich festzustellen. Hier oder nirgends ahnte er, der neue _homo religiosus_, die neue Pflicht, die neue Bindung, welche demnächst auch uns in erneuter _religio_ dem All verpflichten und verbinden würde. Hab’ also noch Geduld mit uns, Erhabener! Beim zagen Schimmer dieses Stern-Gedankens werden auch wir endlich lernen, uns wieder in die feierliche Nacht der Welt hineinzutasten. Du bist der Buddho, du bist der Erwachte, vollkommen Erwachte! Du bist erwacht, vollkommen erwacht zur Welt, von der wir heute morgendlich noch träumen. Aber du kennst die tausend Zeichen, die alle, alle darauf deuten, daß auch wir demnächst die Erwachenden und Erwachsamen sein werden: ein neuer Aufgang mitten in Europas Untergängen... Für jetzt und heut’ indes, o Buddho, ist unser beider Äon wieder einmal abgelaufen, -- erst an des nächsten Ende werden wir uns wiedersehen. Dann aber wird der längste Schatten dieses kürzesten Tags, der jetzt graudämmerig und erkältend zwischen uns sich spreitet, dem kürzesten Schatten des längsten Tags gewichen sein. Dann wollen wir auf diesem Brückenjoch der Länder das nächste Mittsommerfest, Mittsommerglück gemeinsam feiern... Horch!.. Läutete da nicht eine Glocke? Summte nicht ein Gong?.. Wie ein Kristall blaut wunderbar die Zeit! Schau um dich, Gotamo! Es weltet weit und breit!..“

DIE WIEDERGABE DER BUDDHO-STATUE ERFOLGT MIT GENEHMIGUNG DES FOLKWANG-VERLAGES IN HAGEN

AUS REICHLS VERLAGSBERICHT

DER VOLLSTÄNDIGE VERLAGSBERICHT WIRD AUF VERLANGEN KOSTENLOS UND PORTOFREI GELIEFERT

OTTO REICHL VERLAG DARMSTADT

+LEOPOLD ZIEGLER+

GESTALTWANDEL DER GÖTTER

VON _LEOPOLD ZIEGLER_

DRITTE AUFLAGE, ZWEI BÄNDE

IN LEINWAND GEBUNDEN 240 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 360 M.

+Inhalt:+ Erste Betrachtung: Weltheiligung, Sühnwirkung, Sinndeutung der Griechen. Zweite Betrachtung: Der Mythos vom Mittlergott und die Religion der Seele. Dritte Betrachtung: Der Heilsdreiweg der Christenheit. Vierte Betrachtung: Deutsche Reformation. Fünfte Betrachtung: Der Mythos Atheos der Wissenschaften. Sechste Betrachtung: Die Mysterien der Gottlosen.

DER EWIGE BUDDHO

EIN TEMPELSCHRIFTWERK IN VIER UNTERWEISUNGEN VON _LEOPOLD ZIEGLER_

IN LEINWAND GEBUNDEN 150 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 250 MARK

+Inhalt:+ Die erste Unterweisung: Buddho der Protestant. Die zweite Unterweisung: Buddho der Erlebende. Die dritte Unterweisung: Buddho der Wissende. Die vierte Unterweisung: Buddho der Öst-Westliche.

DER DEUTSCHE MENSCH

VON _LEOPOLD ZIEGLER_

ZUR ZEIT VERGRIFFEN

VOLK, STAAT UND PERSÖNLICHKEIT

VON _LEOPOLD ZIEGLER_

GEBUNDEN 9 M.

+Inhalt:+ Das Volk und seine Souveränität. Der Staat und die Gerechtigkeit. Der Notstand der Persönlichkeit und seine Überwindung.

DAS WELTBILD HARTMANNS

VON _LEOPOLD ZIEGLER_ GEBUNDEN 15 M.

+Inhalt:+ System und Zeit. Deduktion, Induktion und Wahrscheinlichkeit. Die Ableitung der Qualität. Die Entstehung des Bewußtseins. Monistische Philosophie. Induktion und genetische Metaphysik. Der Wahrheitsbegriff.

ZUR METAPHYSIK DES TRAGISCHEN EINE PHILOSOPHISCHE STUDIE

VON _LEOPOLD ZIEGLER_

BROSCHIERT 6 M.

+Inhalt:+ I. Die letzten Prinzipien des Tragischen. II. Die Postulate des Tragischen. III. Das Tragische als Antizipation des Weltprozesses.

FLORENTINISCHE INTRODUKTION

ZU EINER PHILOSOPHIE DER ARCHITEKTUR UND DER BILDENDEN KÜNSTE

VON _LEOPOLD ZIEGLER_

GEBUNDEN 24 M.

+GRAF HERMANN KEYSERLING+

DAS REISETAGEBUCH EINES PHILOSOPHEN

VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_

FÜNFTE AUFLAGE 1921. ZWEI BÄNDE IN LEINWAND GEBUNDEN MIT DEM BILDNIS DES VERFASSERS 240 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 360 M.

WAS UNS NOT TUT -- WAS ICH WILL

VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_ DRITTE AUFLAGE 1920 BROSCHIERT 6 M.

DAS GEFÜGE DER WELT

VERSUCH EINER KRITISCHEN PHILOSOPHIE VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_

ZWEITE AUFLAGE 1920 GEBUNDEN 90 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 180 M.

+Inhalt:+ I. Die Einheit des Universums. II. Kontinuität und Diskontinuität. III. Harmonices mundi. IV. Die Probleme des Geistes. V. Die Freiheit im Weltzusammenhange. Epilog: Was ist Wahrheit?

UNSTERBLICHKEIT

EINE KRITIK DER BEZIEHUNGEN ZWISCHEN NATURGESCHEHEN UND MENSCHLICHER VORSTELLUNGSWELT VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_

DRITTE AUFLAGE 1920 GEBUNDEN 75 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 150 M.

+Inhalt:+ I. Über den Unsterblichkeitsgedanken überhaupt. II. Todesgedanken. III. Das Problem des Glaubens. IV. Dauer und Ewigkeit. V. Das Bewußtsein. VI. Mensch und Menschheit. VII. Individuum und Leben.

PHILOSOPHIE ALS KUNST

Vom _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_

GEBUNDEN 75 M., IN HALBLEDER GEBUNDEN 150 M.

+Inhalt:+ I. Philosophie als Kunst. II. Sterndeutung. III. Zeitliche, zeitlose, ewige Geister. IV. Entwicklungshemmungen. V. Individuum und Zeitgeist. VI. Idealismus und nationale Erziehung. VII. Germanische und romanische Kultur. VIII. Ost und West auf der Suche nach der gemeinsamen Wahrheit. IX. Die begrenzte Zahl bedeutsamer Kulturformen. X. Das Schicksalsproblem. XI. Vom Interesse der Geschichte. XII. Deutschlands Beruf in der veränderten Welt. XIII. Erscheinungswelt und Geistesmacht. XIV. Für und wider die Theosophie. XV. Was uns not tut -- was ich will.

DEUTSCHLANDS WAHRE POLITISCHE MISSION

VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_ DRITTE AUFLAGE 1920 BROSCHIERT 6 M.

POLITIK -- WIRTSCHAFT -- WEISHEIT

VOM _GRAFEN HERMANN KEYSERLING_ ERSCHEINT IM JANUAR 1922

DER WEG ZUR VOLLENDUNG

MITTEILUNGEN DER SCHULE DER WEISHEIT IN DARMSTADT

HERAUSGEGEBEN VOM _GRAFEN HERM. KEYSERLING_

JEDES HEFT 7.50 M.

DER LEUCHTER

WELTANSCHAUUNG UND LEBENSGESTALTUNG JAHRBUCH DER SCHULE DER WEISHEIT IN DARMSTADT HERAUSGEGEBEN VOM _GRAFEN HERM. KEYSERLING_ JAHRBUCH 1920. GEBUNDEN 90 M.

+Inhalt:+ Graf Hermann Keyserling: Worauf es ankommt. G. F. Hartlaub: Kritik der Geheimwissenschaft. Heinrich Nienkamp: Werten und Wirken. Leopold Ziegler: Buddho der Protestant. Herman Hefele: Die Idee des Kommunismus. Gerhard von Mutius: Humanität und Bildung. Max Scheler: Sozialismus und Persönlichkeit. Fritz Wichert: Sich selber beistehen. Friedrich Gogarten: Die Kirche. Peter Behrens: Das Ethos und die Umlagerung der künstlerischen Probleme. Rudolf Binding: Ethische Grundlagen eines Volkes. Günther Weitbrecht: Wertung und Erkenntnis. Günther Weitbrecht: Der Brunnen des Lebens. Alexander von Gleichen-Rußwurm: Unter Platanen.