Der Diamant des Geisterkönigs

Chapter 5

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Chor. Doch piano, haltet ein! In dem Land der Sitten Muß man fein manierlich sein, Hier wird nicht gestritten; Drum verlasset diesen Ort, Höret auf zu tosen, Traget eure Körbchen fort, Füllet sie mit Rosen!

(Alle schleichen behutsam fort.)

(Die Genien zur Seite ab.)

Siebzehnte Szene. (Fürchterlicher Wald, Blitze leuchten. Man hört das Brausen des Vulkans.)

Eduard, Amine, Kolibri, Florian treten ein.

Kolibri. Wir sind am Ziele, dort ist der Vesuv.

Amine. Welch ein fürchterlicher Wald!

Eduard. Ja, immer finstrer wird der Wald und finstrer wird es auch in meinem Innern.

Kolibri. Siehst du dort den Rauch?

Florian. Aha, da ist eine Ziegelbrennerei!

Kolibri. Narr! Es ist der Feuerberg; dorthin geht die Reise. Eduard, lebe wohl! Ich reite jetzt als Kurier voraus und bereite alles zu deinem Empfang. (Ab.)

Achtzehnte Szene. Vorige ohne Kolibri.

Amine. Was soll das alles heißen? Warum stehst du so in dich gekehrt? Hat dir Amine etwas zuleide getan?

Eduard. Ja, Amine, du bereitest meinem Herzen bitteren Schmerz. (Für sich.) Mein Unglück ist entschieden; ich liebe sie!

Amine. Ich verstehe dich nicht; du sprichst so dunkel. Sieh, ich weiß nicht warum? aber ich habe dich in dieser kurzen Zeit so lieb gewonnen, daß ich niemanden auf dieser Erde weiß, dem ich so gut sein könnte, wie dir, und du hast doch auf der ganzen Reise verdrießliche Mienen gemacht. Komm, ziehen wir weiter; und ging' es durch den Feuerberg, ich ziehe überall mit dir.

Eduard. Es ist umsonst, ich muß es ihr entdecken. So wisse, armes Geschöpf, ich habe dich betrogen; du wirst nicht meine Gemahlin.

Amine. Nicht?

Eduard. Nein. Siehst du jenen Feuerberg, wo die Blitze durch den Rauch sich winden? Dort wird deine Wohnung sein; jenem Geisterfürsten hab' ich gelobt bei meinem Leben, dich zu überliefern.

Amine. Das hast du getan? Du? (Wehmütig.) Nein, das ist unmöglich! Du lügst--und das mußt du nicht, Amine hat noch nie gelogen.

Eduard. O hättest du es getan, so waren wir beide glücklicher!

Amine. Wirklich? Nun, so will ich das in Zukunft wieder gut machen und mir recht viele Mühe geben, es zu lernen, wenn ich nur weiß, daß dich das glücklich macht.

Eduard. Zu spät, ich kann nicht mehr zurück. Amine, du mußt mir folgen. Ich habe diesen Schwur geleistet, bevor ich dich noch kannte. Wenn ich dich dem Zauberkönig nicht überliefere, so stürzt der Augenblick, indem ich diesen Entschluß fasse, mich tot zu deinen Füßen nieder.

Amine. Schrecklich! Schrecklich! Ach, warum hast du mich nicht den Wellen überlassen? Jetzt vielleicht schon wäre ein ewiger Friede in meiner Brust. Doch ich sehe das Entsetzliche deiner Lage ein, und füge mich meinem unerbittlichen Geschicke, das von Kindheit an mich schon so hart verfolgt. Hier ist meine Hand, führe mich zu dem Zauberkönig.

Eduard. Treffliches Mädchen! Ich kann dich nicht überliefern; o armseliger Diamant, wie verlischt dein Glanz vor den Strahlen dieser Unschuld. Was soll ich beginnen?

Florian (der sich während der ganzen Szene zurückgezogen hatte und ganz ruhig war, kommt vor). O mein lieber, gnädiger Herr, ich halt's nimmer länger aus! Überliefern S' mich dem Zauberkönig, statt ihr, und geben S' ihm halt ein paar hundert Gulden aus; oder noch was; unser alter Herr war ja alleweil ein gescheiter Mann, und voller Zauberei war er auch, vielleicht kann der uns helfen? Machen S' eine Beschwörung, kitzeln wir ihn wo heraus bei einem Loch, wie einen Grillen, daß er uns einen guten Rat gibt.

Eduard. Ja, du hast recht, Florian! Diesen Gedanken hat dir ein wohlwollender Geist eingehaucht. Höre mich, Vater, wenn du die Stimme deines Sohns noch erkennst, steig herauf zu mir und rette mich von meiner Verzweiflung. Vater, Vater! höre mich! (Es donnert.) Freude, Amine, er hat mich gehört, er kommt!

Neunzehnte Szene. (Zephises kommt aus der Erde in seinem vorigen Geisterkleide. Vorige.)

Eduard. Geist meines Vaters, rate deinem unglücklichen Sohne! Was soll ich beginnen?

Zephises (mit ernster Stimme). Ich bin dein Vater Zephises und habe dir nichts zu sagen als dieses! (verschwindet wieder.)

Eduard (spricht langsam). Er ist mein Vater Zephises.--

Florian. Und hat uns nichts zu sagen als dieses! Nun, das können wir ja tun; riskieren tun wir nichts dabei.

Eduard (rasend). Treibt die Hölle ihren Spott mit mir? Wohlan, geendet sei dies Spiel! Longimanus, ich löse dir mein Wort! (Schrecklicher Donnerstreich. Die Bühne verwandelt sich in eine Felsengegend, in der Mitte erhebt sich der Vulkan; Lava strömt aus dem Krater, fließt über den Berg und bildet um dessen Fuß einen feurigen See. Alle Elemente sind in Aufruhr. Musik.) Wo bist du, Amine?

Amine. Himmel, welch ein fürchterlicher Anblick!

Eduard. Mir ist er es nicht. Geisterkönig, ich rufe dich!

Heftiger Donnerstreich, auf welchen eine totale Stille folgt; unter sanfter Musik verwandelt sich die Szene. Die Kulissenfelsen werden zu grauen Hügeln mit Blumen besäet, der Vesuv wird ein grünender Berg, der statt der Lava farbige Blumen auswirft, die man statt den Streifen der Lava sich herabwinden sieht. Das Lavameer wird ein Silbersee. Der Geisterkönig erscheint mit Gefolge.

Zwanzigste Szene. Longimanus. Gefolge. Feuergeister. Vorige.

Longimanus. Nun, bin ich ein galanter Kerl, oder nicht? Du hast g'laubt, ich werd' meine Braut mit Donner und Blitz empfangen? Nein! Narren hat's geregnet! Blumen sind da!

Eduard. Seine Braut!

Amine. Himmel!

Longimanus. Du hast also doch eine g'funden? Siehst du's, wann ich was sag'!--Was für eine Landsmännin?

Amine (furchtsam). Eine Engländerin.

Longimanus. Also ein Wasserkind. Brav! Nun also, die Sache ist in Ordnung, nicht wahr? (Zu den Feuergeistern.) Führt sie hinein.

Eduard (für sich). Nein, diese Qual ist zu groß! (Laut.) Longimanus, du darfst sie mir nicht entreißen! Laßt sie hier!

Longimanus (macht große Augen und erstarrt fast vor Zorn). Was ist das für ein Diskurs? Den Augenblick hinein mit ihr! (Die Feuergeister führen sie fort.)

Eduard. Kehrt zurück, oder--(er will nach).

Longimanus (winkt; Donnerschlag; Gewitterwolken fallen vor, aus welchen fliegende Ungeheuer Eduard entgegengrinsen). Sein schon da! Was ist denn das? Was unterstehst denn du dich, mir zu drohen? Du Bursch'! Du Hergelaufener oder Hergeflogener! Wie er gekommen ist, hat er schon ein Geschrei gehabt, daß ich ihn bis ins dritte Zimmer hinein gehört hab', und jetzt untersteht er sich gar und begehrt ordentlich auf mit mir. Ah, da muß ich bitten! (Scharf.) Red', was willst du?

Eduard. Longimanus, Gnade! (Fällt auf ein Knie.)

Longimanus. Und Longimanus sagt er nur in der Geschwindigkeit so zu mir, als wann wir schon hundert Jahre bekannt wären.

Eduard. Verzeihung, mächtiger Geisterfürst! Ich bin ein Wahnsinniger, ich kann ohne Aminen nicht leben! Habe Mitleid und schenke mir ihre Hand.

Longimanus. Untersteh dich nicht mehr, ein Wort zu sagen! Jetzt schaut's ihn an! Macht der auf einmal einen Ernsthaften! (Dreht die geöffnete Hand.) Ein Wahnsinniger ist er? Geh, geh, geh, geh, du Spaßiger! Was du begehrt hast, wirst du erhalten. Du hast dir Reichtum gewünscht, du wirst ihn finden. Du kriegst den Diamant und ich das Mädel, so hat ein jeder einen Schatz.

Eduard. O Zauberfürst, nimm alle deine Schätze zurück, ich will sie nicht, ich verlange sie nicht. Gib mir Aminens Hand, und ich will auf alles verzichten.

Longimanus. Jetzt fangt er gar zum Handeln mit mir an, als ob wir auf dem Tandelmarkt wären. Was wir ausgemacht haben, dabei bleibt's; du bekommst die diamantene Statue und sonst nichts, und damit du geschwind nach Haus kommst, so werd' ich kutschieren. Allons! (Winkt. Die Wolken erheben sich, und es präsentiert sich Zephises' Zaubersaal mit sechs Statuen. Auf dem roten Postament, worauf jetzt das transparente Wort: Diamant geschrieben ist, steht Amine im rosensarbnen Kleide mit einem reich mit Flitter gestickten Schleier, der ihr Gesicht nicht verhüllt, sondern mit hübschem Faltenwurf um den ganzen Körper fließt, ihre Figur muß sehr grell beleuchtet sein.) Da ist sie, ich übergeb' sie dir; wir sind quitt!

Eduard (ohne hinzusehen). Ist sie mein Eigentum?

Longimanus. Ja!

Eduard. So will ich sie vernichten, denn sie ist die Ursache meiner Verzweigung! Ich will sie nicht haben, ich zerschlage sie! (Eilt mit Wut gegen die Statue.)

Amine (steigt von dem Piedestale und sinkt in seine Arme). Eduard, ich bin dein!

Eduard. Amine! Meine Amine!

Florian. Er hat sie nicht zerschlagen.

Eduard (stürzt freudig zu Longimanus Füßen). Herr, wie soll ich dir danken?

Longimanus. Ja, jetzt! Gelt, ich hab' dich erwischt? Du Tausendsapperment! Ich hab' dich nur auf die Prob' g'stellt, wenn dir das Geld lieber g'wesen wär', als sie, hättest du sie in deinem Leben nicht bekommen. Da hast du s' jetzt. Ein Weib, wie die sein wird, ist der schönste Diamant, den ich dir geben hab' können.

Florian. Vivat! Jetzt hole ich meine Mariandel. (Will ab.)

Einundzwanzigste Szene. Kolibri. Mariandel. Nachbarsleute. Vorige.

Kolibri. Da bring' ich Gäste zur Hochzeit.

Eduard. Kommt, Freunde, nehmt teil an meiner Freude.

Mariandel. Florian!

Florian. Mariandel, du bist mein! Du bist zwar kein Diamant, aber-- wo bist her?

Mariandel. Aus Prag.

Florian. Bist ein böhmischer Stein.

Longimanus. Und damit wir einen Tanz bei der Hochzeit haben, so sollen (auf die Statuen deutend) die ein wenig herumspringen. (Die Statuen steigen von den Postamenten und tanzen unter dem Ritornell.)

Schlußgesang (beginnt mit Tanz, dann:)

Mariandel. Der kleine Liebesgott!

Florian (singt es nach). Der kleine Liebesgott!

Mariandel. Treibt mit uns allen Spott.

Florian. Treibt mit uns allen Spott.

Mariandel. Kaum trifft er uns ins Herz,

Florian. Kaum trifft er uns ins Herz,

Mariandel. So fliegt der kleine Schelm davon.

Florian. Er fliegt davon.

Chor. Er fliegt davon! Er fliegt davon.

Mariandel. Die allerschönste Sach'--

Florian. Die allerschönste Sach'--

Mariandel. Sprichst du denn alles nach?

Florian. Sprichst du denn alles nach?

Mariandel. So hör' doch einmal auf!

Florian. So hör' doch einmal auf!

Mariandel. Du dummer, dummer Tölpel du!

Florian. Du Tölpel du!

Chor. Du Tölpel du! Du Tölpel du!

(Zwischentanz, Gruppe.)

Mariandel. Bin ich nur Frau hernach--

Florian. Bin ich nur Frau hernach--

Mariandel. Dann sprichst du g'wiß nicht nach.

Florian. Dann sprichst du g'wiß nicht nach.

Mariandel. Ich red' den ganzen Tag.--

Florian. Ich red' den ganzen Tag--

Mariandel. Und du verhältst dich mäuschenstill.

Florian. Ja mäuschenstill!

Chor. Ja mäuschenstill! Ja mäuschenstill!

Florian. Drum bitt' ich nur geschwind--

Mariandel. Drum bitt' ich nur geschwind--

Florian. Wenn Sie's zufrieden sind--

Mariandel. Wenn Sie's zufrieden sind--

Florian. Wir machen jetzt ein End'--

Mariandel. Wir machen jetzt ein End'--

Florian. So bleibt ihr doch heut 's letzte Wort.

Mariandel. Das letzte Wort.

Chor. Das letzte Wort! Das letzte Wort!

(Am Schlusse gruppiert sich alles. Die Statuen besteigen die Postamente, Amine auf dem mittleren. Eduard kniet vor ihr; Longimanus steht auf der andern Seite, Florian kniet vor Mariandel. Die Nachbarn gruppieren sich mit freudigem Erstaunen.)

(Der Vorhang fällt.)

Ende.

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Diamant des Geisterkönigs, oder Zauberposse mit Gesang in zwei Aufzügen, von Ferdinand Raimund.

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