Der deutsche Durst: Methyologische Skizzen der deutschen Kulturgeschichte

Part 5

Chapter 53,336 wordsPublic domain

Kache in Münster i. W. Kamma in Herpord. Kater in Stade. Keut in Westfalen. Keuterling in Wettin bei Halle. Kelberzagel in Marienburg. Keuteljucken, ein Dünnbier. Kinast in Wormdit. Kirbel in Straßburg i. E. Klapitt oder Klepitt in Helmstädt. Klatsch in Jena. Klawenich in Neydenburg. Klotzmilch in Bautzen. Knisenack in Güstrow. Korvinck in Frankfurt a. O. Kolleber in Königsberg i. Pr. Komma in Herford. Kopfbrecher in Torgau. Koyte in Münster i. W. Krabbel an der Wand in Eisleben. Kranker Heinrich in Graudenz. Krausemünze in Rosenburg. Krebsjauche in Mühlhausen. Kressen in Frankfurt a. O. Krewsel in Rastenburg. Kuhschwanz in Tangermünde und Delitzsch. Kühle Blonde = Berliner Weißbier. Kühmaul in Bartenstein. Kuckuck in Wittenberg. Kupenbier in Berlin und Cölln a. Spree. Kynast in Wormdit. Kyrmes in Neuburg.

Lachemund in Wartenberg. Langfahn in Meißen. Langweile in Schlesien. Laucke in Mölln in Lauenburg. Leertz in Melsack. Lieber Herr Lorenz! in Guttstadt. Lorch in Frankfurt a. O. Loröl in Thorn. Lohenase in Frankfurt a. O. Lumpenbier in Wernigerode. Lurley, ein Zieter Bier. Lustiger Pater in Corvey.

Masnotz in Teschen. Maulesel in Jena. Märzen in Rostock. Meng es wol! in Kreuzburg. Menschenfett in Jena. Mill in Nimwegen. Moll in Nimwegen und Köpenick. Mortpotner in Frankfurt a. O. Mord und Totschlag in Kyritz, Merseburg und Eisleben. Muff in Halle und Halberstadt. Mückensenff in Frankfurt a. O. Münster in Wien.

Nasewisch in Schippenheil. Nicolaus in Brandenburg a. H. Nöster in Hamburg.

Oehl in Rostock. Ohne Dank in Moringen. O Jammer in Weve (?). O Stockfisch in Heldt (?). O wie! in Limbach. O Zutter! in Schöneck.

Pasenelle in Pasewalk. Petermann in Ratzeburg. Pharao, ein Dortweiler Dünnbier. Pipenstael in Mecklenburg. Plunder in Jürgenrück (?). Pohk in Pattensen. Preussing in Danzig. Puff in Halle. Puffel in Frankfurt a. M. Pumpernickel in Nerchau bei Grimma. Puse in Osnabrück.

Quackeldeiß in Eckernförde. Quitschart in Frankfurt a. O.

Rachenputzer in Wallin. Ramenach in Glückstadt in Holstein. Rammeiß, ein Lübecker und Ratzeburger Bier, das in Danzig stark getrunken wurde. Ramna, ein Herforder Bier. Rarkatter in Tolkemit. Rasemann in Frankfurt a. O. Rastrum in Leipzig. Rennerkatter in Pautzke. Reuterling in Webbingen bei Halle und in Weimar. Reyssekopff in Frankfurt a. O. Rockenzagel in Stumm. Roite in Münster. Rolah in Thorn. Rolingsbier in Frankfurt a. O. Roloch in Thorn. Rorkatter in Tolkemit. Rummeldeiß in Ratzeburg. Rutetop in Frankfurt a. O.

Salat in Frankfurt a. O. Salvator = Sankt Vaterbier in München. Salz es bas! in Fischhausen. Sausewind in Reden. Saure Magd in Königsberg. Schackrach in Thüringen. Schemper, ein Covent. Scheusel in Altenburg. Schlacknack in Eisleben. Schleppenkittel in Fischhausen. Scheps in Breslau. Schlichtim in Elbing. Schlickerei in Passenheim (?). Schlipschlapp in Frankfurt a. O. Schlucknach in Eisleben. Schlunz in Erfurt. Schweis im Nacken in Güstrow. Schmier nicht! in Stolp. Schreckegast in Heilsperg. Schüttekappe auf Rügen und in Rittershaus. Schüttelkopf in Rüddagshausen. Schweinspost in Straßburg. Schwente in Neuteich. Singewohl in Frauenburg. Sohl den Kerl in Hadeln. Sollewurst in Welau. Soltmann in Salzwedel. Sommertrank in Zerbst. Speie nicht in Riesenburg. Sperpipe in Frankfurt a. O. Spülekanne in Stargard. Spülwasser in Löbe. Staffeling in Frankfurt a. O. Stampf in die Aschen in Frankfurt a. O. Stier in Schweidnitz. Streckefisel, ein Merseburger. Streckepertzel in Frankfurt a. O. Strohheingen in Frankfurt a. O. Strutzing in Löbe (?). Stürzen Kerl in Braunsberg.

Taract, ein Culmeser Bier. Taubenschwanz in Stendal. Tibi soli, Braunschweiger Klosterbier. Toller Wrangel in Breslau. Trawöl in Lübeck. Trink! eine Covent-Art. Trumpe in Neumark. Tunke in Zittau.

Vasemann in Frankfurt a. O.

Wehr dich! in Danzig. Witte in Kiel. Wittelaus in Kiel. Wittenkiel in Schöningen. Wo ist der Magd Bett? in Dt. Eulau. Wolgemut in Friedland. Wohlsack in Brockhausen. Wuistdas in Liebstadt. Wullsack in Brockhuß (?). Wuttu in Hannover. Würze in Zerbst.

Zals in Eilenburg. Zitzenille in Nauen. Zyth in Rostock.

3. Bierhumor und Bierpoesie.

Das Jahr ist gut, braun Bier ist geraten, Dann wünsch ich mir nichts, als dreitausend Dukaten, Damit ich kann schütten braun Bier in mein Loch; Und jemehr ich davon trinke, desto besser schmeckts noch.

Fliegendes Blatt.

Der edle Wein ist dem Deutschen der Sorgenbrecher, das Bier sein guter Kamerad. Der Rebensaft macht das Blut leicht, lockert die Gedanken, gebiert den Witz; das behäbige Bier macht Körper und Gedanken träge, weckt aber den Humor, jenes urdeutsche Etwas, das wie die Gemütlichkeit, nur das deutsche Volk und der deutsche Sprachschatz kennt.

Darum liebt der Deutsche auch sein Bier, und was sich liebt, das neckt sich. Wer schimpft, der kauft! Der Deutsche schimpft auf den Gerstensaft, legt ihm allerlei Namen bei, oft recht grobe, aber nichts destoweniger sehr bezeichnende, und sauft -- pardon, kauft soll es heißen. Heute, wo wir feiner geworden sind, sprechen wir allerdings nicht mehr so despektierlich vom Bier, wie es unsere Vorfahren getan, denen eine Zote und ein Zötchen, wie Luther sagt, als Würze der Geselligkeit schienen. Wir sind nobler geworden -- wir tun jetzt im Geheimen, was vordem die breite Öffentlichkeit nicht scheute und nicht zu scheuen brauchte, denn der Nachbar, sogar die Damen machten es ebenso. Und was die Ahnen ohne Bedenken ausführten, das benannten sie auch mit dem richtigen Namen -- es klang freilich nicht immer zart und »passend«, aber die Prüderie war eben damals noch nicht Allgemeingut geworden. Man war rücksichtsloser und derber und heuchelte wenigstens noch nicht in Kleinigkeiten. Man trank sein Bier ganz öffentlich aus großen Töpfen, nippte nicht in Wirtshäusern aus gläsernen Tulpen, um im Geheimen Maßkrüge zu leeren. Man sagte nicht: »Gose bekommt mir nicht!« sondern

Es ist ein wunderschönes Bier, Die Goslarische Gose: Man glaubt, man hat sie in dem Leib Und hat sie in der Hose!

Wie viel gesitteter, aber langweiliger, klingt, was Friedrich Herm zweihundert Jahre später von derselben Gose singt:

Du Göttertrank, du Leipziger Sekt. Wie schäumst du im hohen Glas. O wie bedauern wir jeden doch, Der schwelgend vor dir nie saß, Du, süßer wie Mädchengekose, Gose!

Weniger affektiert aber bei weitem richtiger charakterisiert ihr Landsmann Edwin Bormann die Gose:

Wennste probst der Gose Saft Wappne dich mit Heldenkraft, Denn du weeßt nich, werd dei Magen Ja un' Amen derzu sagen? Drum bevor de rechde Hand Noch um's Stempelglas sich wand, Leg aus Vorsicht deine Linke Uf de Stuwendhierenklinke.

So wie die Gose hing der Deutsche fast allen seiner Lieblingsbiere einen Klaps an, sei es, daß er ihre Wirkung übertrieb oder ihren ursprünglichen Namen verballhornte. Aus dem Breslauer Stadtbier, dem Scheps, wurde der -- Schöps, von dem es hieß:

Schöps steigt ins Gehirn, Braucht keine Leiter nicht. Er sitzet in der Stirn, Wirkt Wunder im Gehirn.

oder wie das Original im klassischen Küchenlatein lautet:

Scheps caput ad scandit, Non scalis indigitet actis; Sessitat in Stirnis, Mirabilis intus in Hirnis.[69]

Auf »durchschlagendere« Wirkung lassen die Namen etlicher anderer Biere schließen, so das Eckernförder, von dem Krünitz in aller Gelassenheit berichtet: »Von diesem wird erzählt, daß, als im Jahre 1503 der Kardinal Reymundus dahin gekommen und dieses Bier gekostet, habe es ihm so wohl geschmeckt, daß er ziemlich sich darinn berauschet; als er aber hier auch des Nachts etliche Stuhlgänge gehabt, habe er es _Cacabella_ oder Cacabulle genannt, da es vormahls Quackeldeiß geheißen.« Und dieser anrüchige Name blieb auf ihm sitzen.

Ebenso bezeichnend hieß das Bier von Dasseln im Braunschweigischen der _Hund_, weil es im Leibe knurrte und murrte, ehe es sich gewaltsam einen Ausweg suchte.

Die Lust an Derbheiten bei unseren Altvorderen kommt in vielen Biernamen zum unverfälschten Ausdruck, so wenn sie das Gebräu von Dransfeld im Hildesheimschen _Hosenmilch_ nennen -- eine Zweideutigkeit, die gar nicht zweideutig ist, oder das Nauensche Bier Zitzenille benamsen, das ein Ungenannter also apostrophiert:

Wer Zitzenille trinken will, Der muß drei Tage liegen still!

Das Bier aus Eisleben wird »Krabbel an der Wand« und »Mordundtotschlag«, das Bier aus Stade -- Kater, das aus Boitzenburg Beißdenkerl und endlich das von Osnabrück -- Buße getauft.

Am reichsten an Bieren mit absonderlichen Namen war Frankfurt a. d. O. Eine Durchsicht meiner Tabelle der Bierspitznamen ergibt für diese Mittelstadt an zwanzig verschiedene Biere, von denen ein großer Teil ihre Bezeichnungen bereits seit dem fünfzehnten Jahrhundert tragen.[70]

Unseres heiligen römischen Reiches deutscher Nation gesegnete Streusandbüchse war in der Vorzeit das Dorado des Bieres -- ein Abklatsch des bierseeligen Bayerns unserer Zeit. Jedes Nestchen hatte sein eigenes Bier, dazu kam noch eine Hochflut fremder Gebräue -- und doch schwärmte der Brandenburger für kein Bier mehr als für sein heißgeliebtes _Bernauer_.

Mit behaglichem Schmunzeln, nach einem Kuhschluck des schäumenden Trankes, tischt der behäbige Märker dem Fremden die Geschichte auf, wie ein Schusterjunge in Berlin, dem der Meister das bißchen Grips aus dem Kopfe gebeutelt, von der nicht minder handfesten Meisterin nach einem Krug Bernauer geschickt wird und statt nach dem Ratskeller zu gehen, sich gen Bernau trollte, der Residenz Wippchens und der Geburtsstadt des »Froschmäuselers« Georg Rollenhagen. Als ihm dann plötzlich auf dem Rückweg nach Berlin seine Torheit klar wurde und er sich die zahllosen Kopfnüsse ausmalte, die ihm winkten, vergrub er den Deckelkrug voll Bier am Wegrand und ging in die Fremde. Viele Jahre vergingen ehe der zu einem Kriegsobersten gewordene Lehrling nach dem Spreestrand heimkehrte und nach dem Krug Bernauer grub, den er unversehrt fand, ebenso das Bier in ihm, das zu einem wahren Göttertrank geworden war. Dieses Bernauer begeisterte einen Poeten um 1720 herum zu einem endlos langen Gedicht, dessen letzte zwei Strophen lauten:

Schönster Preis von allen Säften Wertestes Bernauer Bier, Welcher Trank kann dir an Kräften Und an Tugend gehen für? Keiner, keiner kann dir gleichen, Aller Nektar muß dir weichen; Ja, es ist ja nichts auf Erden, Das dir kann verglichen werden.

* * * * *

Tee, Kaffee und Chokolade, -- Trinke Wasser, wer da will! Ros solis und Limonade, Diese acht' ich auch nicht viel. Wein ist teuer und zu hitzig, Branntewein macht aber witzig; -- Alle diese müssen passen Und Bernau die Ehre lassen.

Eine ähnliche Dichtung findet sich, sogar in drei Sprachen: lateinisch, hoch- und plattdeutsch, zu Ehren des Gardelegener Gartei. Ihr Verfasser ist der hochgelahrte Helmstädter Professor der Medizin und spätere Oberarzt in Lübeck, Heinrich Meibomius, der sich auch viel mit dem Geißeln beschäftigte und uns eine diesbezügliche, in gewissen Kreisen noch unvergessene Abhandlung »de flagrorum usu in re veneria« hinterlassen hat. Die Entstehungsgeschichte dieses Gedichtes ist folgende: Herzog Heinrich Julius von Braunschweig hatte verboten, in Helmstädt das Gartei an die Studenten zu verschänken. Das beklagte Meibomius im Namen seiner Studenten und des Gartei selbst mit den Worten:

Ik himmelseute Kind, dat man nach seiner Meumen, Der wiet berühmten Stadt »Gartie« plegt tau neumen, Maut leider van de Eim mit Sack und Packe thein Un mine ohle Borch an mit'n Rüggn anseihn. --

Das Gedicht verrät dann, daß auch die Damenwelt dem Gartei nicht abgeneigt gewesen sei, denn, sagt das Bier von sich selbst:

De Mann, de van mick hefft gaut dichte Töge dahn De kann mit Pries und Ehr tau siener Frau gahn; Dat merckt de Mämnncke's wohl, de looft mick utermahn. Un will mick ut de Stadt Kortzumme nit verlaten.

Ebenso wie das Gartei, fand der Tangermündner Kuhschwanz und das Karthäuser aus Frankfurt a. d. Oder seine Sänger.

Aber trotz dieser guten Biere ergoß sich ein Strom fremden Stoffes über die Mark. Was man z. B. in Berlin um das Jahr 1711 alles hinter die Binde goß, ist aus dem nachstehenden »Bier-Carmine« zu ersehen.

Krossener, Kottbuser, Ruppiner, Zerbster, Breihahn und Demminer Landbier und Bernauer Bier, Gartei aller Tränke Zier, Duckstein wie auch Fürstenwalder, Spandauer und Mittenwalder, Der Karthäuser edles Bräu, Der zu Frankfurt schäumt auf's Neu', Tuchebander, Brandenburger, Stolper und Oranienburger, Köpenicker, Moll, Magdeburger, Brietzer, sowie Quedlinburger, Machen Wirt und Gäste rund. -- Tuts der Trunk auch von Sarmund? Darvon ward uns nie was kund!

Grüß' dich Gott, berühmte Gose, Bier von Rudow und Mülrose! Neuendorfer, Kniesenacker, Spannagel macht's Herze wacker. Lange möge Potsdam blüh'n Und der Trank von Lübejün! Malchower und Krossendorfer, Forster, sowie Fredersdorfer, Dessauer und Nauener, Teupitzer und Cremmener, Falkenhagner, Liebenwalder, Alte Lebuser, Königswalder, Bartscher, Wusterhausener, Machen froh selbst Klausener, Machen Grillenfänger heiter: Trink' sie in Gesundheit weiter.

Frankfurt, Rathenow und Straußberg, Schwedt und Storkow, Wrietzen, Landsberg, Zehdenick, ja auch Morin Manchmal gute Biere ziehn. Freienwalder, Eberswalder, Stendaler und Luckenwalder, Englisches, sowie Trebbiner, Liebenberger und Küstriner, Mühlenbecker, Dahlewitzer, Kufenbier und dich, Kyritzer, Brandenburger Domherrnbier, _Böhmisches_ und Pommersch' Bier Schlürft man hier mit frohem Brummen, Doch noch höher gilt die _Mummen_, Mag's auch arg im Kopf d'rauf summen.

Was ich noch zu nennen habe, Ist ein Bier nur zweiten Rang's, Dennoch manches Mannes Labe, Denn manch' Fürste selber trank's. Dahin rechn' ich Biesentaler Und _Stockholmer_; -- eitle Prahler Trinken gern den fremden Trank, Würd' auch Börs' und Magen krank. Güstrower und sächsisch Bier Sind zwar nicht des Tisches Zier; Wehe aber jedem Gaste, Den Granseer je erfaßte. Oder Trank von Buchholz, Birkholz. Weh' im Auge und im Kopfe rollt's Und noch tagelang im Leibe grollt's.

Doch du fragst: »Und welches Tränklein, Kundiger empfiehlst du mir?« -- So vernimm's: »Ein arges Schwänklein Ist's oft mit dem fremden Bier. Ich gesteh's: Manch guter Tropfen Kommt von fremden Malz und Hopfen; _Aber was der fremde kann,_ _Kann auch wohl der heim'sche Mann._ Sieh', dies Bier so goldig leuchtend, So erquickend, witzanfeuchtend. Wurde eingebraut allhier Und bekommt vortrefflich dir! Ein Berliner Brauer schuf's Und's ist würdig besten Ruf's. S'ist der Sorg ein starker Knebel, S'ist des Mannesmutes Hebel: Dieses sagt Andreas Rebel.[71]

Die umfassenden bierologischen Kenntnisse Rebels lassen darauf schließen, daß er entweder Student oder Gastwirt oder Bierbrauer gewesen. Das Selbstlob des Berliner Bieres am Schlusse seines Poems lassen beinahe auf letzteres schließen.

Eine verifizierte Biergeographie findet sich in der Falckensteiner Chronik von Schwabach. Sie ist interessant genug, um ihren Abdruck zu rechtfertigen.

_Leipzig_ sonst die Lindenstadt Rastrum in den Keller hat, _Hall_ kann mit dem Puff stolzieren Und dahin die Säuffers führen; _Wittenberg_ den Kuckuk zeigt, _Breslau_ ist zum Scheps geneigt, _Halberstadt_ den Breihan braut, _Gardelegen_ Gartey schaut, Mord und Todtschlag droht _Eisleben_, _Goslar_ kann uns Gose geben, _Kyritz_ Fried und Einigkeiten. _Braunschweig_ brauet Mumm bei Zeiten, _Gustrau_ schenkt uns Kniesenack, _Colberg_ trinkt uns zu das Black, _Keuterling_ Wettin uns schenket, Rummeldeiß an _Ratzburg_ denket. _Delitzsch_ hält den Kuhschwanz her, _Herford_ hat an Komma Ehr, _Osnabrück_ kann Buße zeigen, Witte will in _Kiel_ nicht schweigen, _Jena_ hat Dorffteufels genug, Israel macht _Lübeck_ klug. _Helmstädt_ muß Clapit ausschenken, Junker muß an _Marburg_ denken, _Münster_ schenket Koite ein, _Königslutter_ Duckestein, _Eckenförder_ Cacabulle Ist nicht feil für eine Nulle. _Brandenburg_ gibt alten Klaus, _Wartenberg_ schenkt Bockshaut aus. _Zerbster_ Würze läßt sich trinken, _Gera_ will in Angst versinken, _Wernigerode_ hat Lumpenbier, _Boitzburg_ biet den Kerl zur Zier. _Dransfeld_ Hasenmilch verkaufet, _Brockhuß_ nach dem Wallsack laufet, _Königsberg_ hat Preussing feil, _Pattensen_ braut Pohk mit Weil, _Hadelen_ Sähl den Kerl schließet, Wenn man in die Kehlen gießet.

Der »arme Mann im Tockenberg«[72] trank in Berlin zu des alten Fritz' Zeiten seinen »Krug Rußiner- oder Gottwitzerbier«.

Wie man das Bier zu trinken hatte, sagt der unbekannt gebliebene Verfasser des Büchleins »de generibus ebriosorum et ebrietate vitanda«:[73]

Sauffs aus mir zu Als einer Khu. Ich warte sein Als ein schwein: Halb Als ein Kalb. Ist gut bier: Es gilt dir, Liebes thier, Ein stübgen oder vier.

Dasselbe Werkchen gibt die etwas grobkörnige Unterweisung für den Trinker, die auch Fischart in seinem »trunken Gespräch« in der »Geschichtsklitterung« aufführt:

Sauff dich voll und leg dich nider Stee fru auff und fuell dich wider, So vertreibt ein Fuell die ander: Das schreibt der gut frum priester Ars lex ander.

Ja, getrunken mußte werden, und wenn das letzte Kleidungsstück ins Leihhaus wandern sollte. Und so sangen denn die Altvorderen im kräftigsten Bierbaß:

Gott gebe, Gott grüße, Bier und Wein schmeckt süße, Vertrink ich die Schuhe, so behalt ich die Füße; Noch hat mir niemals kein Geld gebrochen, Denn nur sieben Tage in der Wochen! --

Amate, da ihr noch jung seid, Cantate, da ihr traget Leid, Doch ob ihr habet Lust oder Weh, Ob jung, ob alt seid -- bibite! --

Etwas Galgenhumor klingt aus dem Sprüchlein:

Wenn ich das Bier könnt meiden Ging ich in Sammt und Seiden, Da ich's aber nicht meiden kann, Hab ich zerrissene Kleider an. --

Unsere Vorfahren waren gar kluge Leute. Um niemals den Genuß des Bieres zu entbehren, den heutzutage hier und da ein übereifriger Doktor der Medizin seinem durstigen Patienten verbieten zu müssen glaubt, fanden sie darin ein unfehlbares Gegenmittel, daß sie dem edlen Gerstensaft allerlei Heilwirkungen zuschrieben und gegen jede Krankheit ein Bier als Heilmittel wußten.

»Obschon das Bier mit dem Wein sich in keine Kompetenz einlasset und demselben gern den Vorsitz vergönnet, dennoch wird es mehrmals von den verständigen Medicis manchen Patienten zugelassen und darf der sonst so redliche Wein nicht unter die Augen kommen, welches desto mehr die Ehre des Bieres und folglich des Bierbrauers vergrößert.«[74]

Schon der alte Plinius rechnet den Schaum des Bieres zu den Schönheitsmitteln, weshalb die Römerinnen auch gerne vom Schaum nippten -- tout comme chez nous.

Wie man heute dem Magenkranken Pilsener Bier erlaubt, verordnete man ihm in der Vorzeit Einbecker, das überdies in Gelbsucht und Fieber gute Dienste leistete, so behauptete wenigstens Plakotomus in einem Buche »de natura cerevisiarum«, wie das Danziger Preußing bei Bluthusten und Brüchen, das Kniesenack und das Ducksteiner gegen den Stein, das letztere auch noch gegen Podagra von exzellenter Wirkung war.

Mit diesem bierologisch-medizinischen Blödsinn, »Braunbier, braunisch kuriert«,[75] ließen sich Bände füllen, da ebenso wie dem Bier im allgemeinen nachgesagt wurde:

Das Bier giebt grober feuchte viel, Streckts geblüt und mehrets Fleysch ohn Ziel. Es lährt die blasen und weycht den Bauch, Es kühlt ein wenig und blaht auf auch,

(1568)

fast jeder Biersorte eine andere Wundergabe zugesprochen wurde, -- sollten doch gewisse Gerstensäfte Marienbad bei der Damenwelt und Aachen usw. bei den Herren ersetzen können.

Balthasar Schnurrens Regel:

Bad nicht, laß dich nicht kurir Meid' Würtz und Wein, trink gut alt Bier, Salat von Zoltig, Spargeln, Kressig Drauff Eier, Wurst, Oel, Rosenessig

erschöpft noch lange nicht die im Biere schlummernden Kräfte, denn

Edles Bier was soll ich sagen? Weil dein Lob zu überhäufft, Du erkühlest unsern Magen, Wann ihm Hitz' und Durst angreifft. Du bringest fast gäntzlich verdorrete Glieder, Zu vorigen Kräfften in kurtzer Zeit wieder.

lobpreist ein anderer Bierkenner.

Über die medizinischen Eigenschaften des Bieres ergeht sich ein unbekannt gebliebener Gelehrter in folgenden Worten:

_Von des Bieres Eigenschaft, Schaden und Nutzbarkeit._

Bier wird gekocht mit Weizen, Gersten, Haber und Hopfen. Es ist zweierlei: das dicke wird Doppelbier genannt, das andere ist lieblicher, subtiler und besser. Dickes Bier macht Feuchtigkeit, das andere, das lieblicher ist, nicht so viel. Bier mehret die Kräfte, Fleisch und Blut, ist von großer Nahrung, bewegt den Harn, bringt Linderung des Bauchs, zumal wenn es mit Hopfen gekocht ist. Mit zu viel Hopfen schadet es denen, die ein schwaches Hirn haben, dieselben macht es trunken, und diese Trunkenheit währet länger denn die des Weins. -- Bier, das nicht wohl gekocht wird, da kühlet ein wenig und blähet den Bauch. Aber das saure beschädigt den Magen, das trübe verstopft und schadet denen, die den Stein haben, verursacht Blähungen oder Kürze des Athems. Bier, das übel gekocht wird, machet Wind im Magen und Bauch und bewegt die Bärmutter. Und solches, das nicht wohl alt und von seiner Hefen gereinigt ist, das wird nicht wohl verdauet, bringet Harnwind und eben die Schäden wie das übel gekochte Bier. Bier aus Gersten und Hopfen wohl gekochet, welches das temperirteste ist und gesundeste, öffnet die Verstopfung.«[76]

War nun das Bier gegen alle möglichen und unmöglichen Gebrechen gut, gegen eines half es niemals, im Gegenteil es beförderte dieses ebenso wie der Wein -- den _Rausch_.

Um dieses Erbübel des Trinkers aus der Welt zu schaffen, ohne jedoch den gewohnten Trunk einzuschränken, griff man zu allerhand abenteuerlichen Mitteln.

Johannes Rasch zu Wien, der im Jahre 1582 das »Weinbuch von Baw, Pfleg und Bruch des Weins« herausgab, empfiehlt: -- »ehe du ein wein trinkst, iß Wethamerwurtz oder Petulanakraut oder thue ein guten trunck Milch, so wirstu nit so leichtlich vol gemacht werden. Epheu hat diese Tugend und Kraft, daß es den Kopf vor des vergangenen tagsrausch und wehthumb behütet« -- also Katzenjammer unmöglich macht. O du herrlicher Johannes Rasch, dein Andenken sei gesegnet. Von nun ab werden Epheupflanzungen wie Pilze aus der Erde schießen.

Christoph von Hellwig, der unter dem Pseudonym Valentin Kräutermann eine ganze Anzahl »kompendiöse« hirnverbrannte naturwissenschaftliche und medizinische Bücher in die Welt sandte, verbrach auch ein Werkchen »Der curieuse und vernünftige Zauber-Arzt«,[77] auf dessen Seite 61 er folgende »curieuse und vernünftige« Wundermittel gegen die Trunkenheit verzapft.

»Daß einer nicht truncken werde.

Ingemein pfleget man fünff oder sieben bittere Mandeln vor dem Trinken zu essen, weil man noch nüchtern ist.