Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band
Part 45
Dem Pieper habe ich Deine Nachricht _nicht_ mitgeteilt aus folgendem Grunde: seit ungefähr acht bis zehn Tagen wurde Pieper immer mehr Ruine, so daß ich ihn endlich ernstlich zur Rede stellte über seinen Gesundheitszustand. Es kam dann heraus, daß seine Krankheit immer schlimmer wurde unter der Hand seines englischen Quacksalbers. Ich forderte ihn auf, direkt mit mir nach dem _Bartholomäushospital_ zu gehen – die Klinik von London, wo die ersten und berühmtesten Ärzte öffentlich und gratis fungieren. Ein alter Hippokrates, nach Besichtigung des _Corpus delicti_, sagte ihm: „_You have been a fool_“,[1] nachdem er ihn über die bisherige _treatment_[2] examiniert hatte, und erklärte ihm zugleich, daß er in drei Monaten „_down_“[3] sein werde, wenn er ihm nun nicht exakt, Wort für Wort, folge. Die neue Behandlung erwies gleich ihre Trefflichkeit, und in zwei Wochen ist der Mann _sain_ und _sauf_.[4] Der Kasus war zu ernsthaft, um Störung in die Geschichte hereinzubringen. Übrigens hat Freiligrath eine Stelle für Pieper in Aussicht. Wird das zu Wasser, so werde ich es Dir berichten.
_Rumpf_, unser fideler Schneider, sitzt jetzt im _Narrenhaus_. Vor ungefähr fünf Monaten heiratete _le malheureux_, um sich aus bürgerlicher Klemme herauszuziehen, eine _alte_ Frau, wurde übertrieben solid, entsagte allen Spirituosis und arbeitete wie ein Pferd. Vor einer Woche ungefähr gab er sich wieder ans Trinken, läßt mich vor ein paar Tagen rufen, eröffnete mir, daß er ein Mittel erfunden habe, die ganze Welt glücklich zu machen; ich solle sein Minister sein usw. Seit gestern befindet er sich im Asylum. Es ist schade um den Kerl.
_Ruge_ läßt im Leader, der übrigens ein reines Bürgerblatt geworden ist, ankündigen, daß er Vorlesungen über die deutsche Philosophie in London halten wird. Zugleich läßt er sich natürlich ausposaunen: „Was den Stil angehe, so setze das deutsche Volk nur einen Mann neben ihn – Lessing.“ In demselben Leader läßt der Russe _Herzen_ seine sämtlichen Werke anzeigen mit der Bemerkung, daß er in Verbindung mit dem polnischen Komitee eine russisch-polnische Propagandadruckerei hier in London errichten wird.
Aus einem der einliegenden Briefe von Cluß ersiehst Du, welcher Art der Hauptschlag ist, womit Herr Willich droht. Er bezieht sich auf die 20 Pfund, die ich vom Flüchtlingskomitee _lieh_ zur Zeit, wo ich gepfändet wurde, weil meine Wirtin in Chelsea ihrem Landlord nicht gezahlt, obgleich ich sie gezahlt hatte, und die ich in den nötigen _instalments_[5] bis auf den letzten _Farthing_[6] _zurückgezahlt_ habe. Du mußt mir nun sagen, welche Taktik zu befolgen. Wenn der brave Willich mich damit zu töten meint, ist er zu sehr „_bonhomme_“.
Carey, der amerikanische Nationalökonom, hat ein neues Buch herausgegeben: „_Slavery at home and abroad_“.[7] Unter „_Slavery_“ hier alle Formen der Knechtschaft, _wageslavery_[8] usw. verstanden. Er hat mir sein Buch zugeschickt und mich wiederholt (aus der Tribune) zitiert, bald als „_a recent english writer_“,[9] bald als „_correspondent of the New York Tribune_“. Ich habe Dir früher gesagt, daß in den bisher erschienenen Werken des Mannes die „Harmonie“ der ökonomischen Grundlagen des Bürgertums entwickelt und alles „_mischief_“[10] aus überflüssiger Einmischung des Staates hergeleitet war. Der Staat war seine _bête noire_.[11] Jetzt pfeift er aus einem anderen Loch. An allem Bösen ist schuld die zentralisierende Wirkung der großen Industrie. Aber an dieser zentralisierenden Wirkung ist wieder England schuld, das sich zum _workshop_[12] der Welt macht und alle anderen Länder auf brutale und von der Manufaktur losgerissene Agrikultur zurückwirft. Für die Sünden Englands ist dann wieder verantwortlich die Theorie von Ricardo-Malthus und speziell Ricardos Theorie von der Grundrente. Die notwendige Konsequenz sowohl der Ricardoschen Theorie wie der industriellen Zentralisation würde der Kommunismus sein. Und um allem diesen zu entgehen, der Zentralisation die Lokalisation und die auf das ganze Land zerstreute Union von Fabrik und Agrikultur gegenüberzustellen, wird schließlich empfohlen von unserem Ultrafreetrader – _Schutzzölle._ Um den Wirkungen der bürgerlichen Industrie, für die er England verantwortlich macht, zu entgehen, nimmt er als echter Yankee dazu seine Zuflucht, diese Entwicklung in Amerika selbst künstlich zu beschleunigen. Im übrigen wirft ihn sein Gegensatz gegen England in _sismondisches_ Lob der Kleinbürgerei in der Schweiz, Deutschland, China usw. hinein. Derselbe Kerl, der früher Frankreich wegen seiner Ähnlichkeit mit China zu verhöhnen gewohnt war. Das einzig positiv Interessante in dem Buche ist die Vergleichung der früheren englischen Negersklaverei in Jamaika usw. und der Negersklaverei in den Vereinigten Staaten. Er zeigt nach, wie die Hauptstöcke der Neger in Jamaika usw. immer aus frisch importierten _barbarians_ bestand, da unter der englischen Behandlung die Neger nicht nur ihre Population nicht aufrechterhielten, sondern auch der jährliche Import zu zwei Dritteln immer weggefressen wurde, während die jetzige Negergeneration in Amerika einheimisches Produkt, mehr oder minder yankisiert, Englisch sprechend und darum emanzipationsfähig wird.
Die Tribune posaunt natürlich Careys Buch mit vollen Backen aus. Beide haben allerdings das Gemeinsame, daß sie unter der Form von sismondisch-philanthropisch-sozialistischem Antiindustrialismus die schutzzöllnerische, das heißt die industrielle Bourgeoisie in Amerika vertreten. Das ist auch das Geheimnis, warum die Tribune, trotz aller ihrer „isms“ und sozialistischen Flausen, „_leading Journal_“[13] in den Vereinigten Staaten sein kann.
Dein Artikel über die Schweiz war natürlich ein direkter Sackschlag auf die „_Leader_“[14] der Tribune (gegen Zentralisation usw.) und _ihren_ Carey. Ich habe diesen versteckten Krieg fortgesetzt in einem ersten Artikel über Indien, worin die Vernichtung der heimischen Industrie durch England als _revolutionär_ dargestellt wird. Das wird ihnen sehr _shocking_[15] sein. Übrigens war die Gesamtwirtschaft der Briten in Indien säuisch und ist es bis auf diesen Tag.
Was den stationären Charakter dieses Teiles von Asien trotz aller zwecklosen Bewegung in der politischen Oberfläche vollständig erklärt, sind die zwei sich wechselseitig unterstützenden Umstände: 1. Die _public works_[16] Sache der Zentralregierung; 2. neben derselben das ganze Reich, die paar größeren Städte abgerechnet, aufgelöst in _villages_ (Dorfgemeinden), die eine vollständig diskrete Organisation besaßen und eine kleine Welt für sich bildeten.
Diese idyllischen Republiken, die bloß die _Grenzen ihrer Village_ eifersüchtig gegen das benachbarte Village bewachen, existieren noch ziemlich perfekt in den erst kürzlich den Engländern zugekommenen _northwestern parts of India_.[17] Ich glaube, daß man sich kaum solidere Grundlage für den asiatischen Despotismus in Stagnation denken kann. Und so sehr die Engländer das Land irlandisiert haben, das Aufbrechen dieser stereotypen Urformen war die _conditio sine qua non_[18] für Europäisierung. Der _taxgatherer_[19] allein war nicht der Mann, das fertigzubringen. Die Vernichtung der uralten Industrie gehörte dazu, die diesen Villages den _Selfsupporting_-Charakter[20] raubte.
In Bali, Insel an der Ostküste von Java, noch vollständig neben der Hindureligion auch diese Hinduorganisation, deren Spuren, wie die von Hindueinfluß, auf ganz Java übrigens zu entdecken. Was die _Eigentumsfrage_ betrifft, so bildet sie eine große _Streitfrage_ bei den englischen Schriftstellern über Indien. In den kupierten Gebirgsterrains südlich vom Krischna scheint allerdings Eigentum an Grund und Boden existiert zu haben. In Java dagegen, bemerkt Sir Stamford Raffles, der ehemalige _englische_ Governor von Java, in seiner „_History of Java_“, auf der ganzen Oberfläche des Landes, _„where rent to any considerable amount“ was obtainable_,[21] [ist] der _sovereign_[22] absoluter Landlord. Jedenfalls scheinen in ganz Asien die Mahommetans die „Eigentumslosigkeit in Land“ nicht prinzipiell festgestellt zu haben.
Über die oben zitierten Villages bemerke ich noch, daß sie schon bei Menu figurieren und die ganze Organisation bei ihm darauf ruht: 10 stehen unter einem höheren Kollektor, 100 dann, und dann 1000.
Schreibe mir bald.
Dein K. M.
[1] Sie sind ein Narr gewesen.
[2] Behandlung.
[3] Unten [zugrunde gerichtet].
[4] Gesund [und] heil.
[5] Abzahlungen.
[6] Heller.
[7] Sklaverei daheim und im Ausland.
[8] Lohnsklaverei.
[9] Ein neuerer englischer Schriftsteller.
[10] Unheil.
[11] Schwarzes [Grusel-]Tier.
[12] Werkstätte.
[13] Führendes Blatt.
[14] Leitartikel.
[15] Anstößig, peinlich.
[16] Öffentlichen Anlagen [Wasserwerke usw.].
[17] Nordwestprovinzen Indiens.
[18] Unerläßliche Bedingung.
[19] Steuereinnehmer.
[20] Charakter der völligen Selbstversorgung.
[21] Wo Bodenzins von irgendwelchem Belang herauszuschlagen war.
[22] Oberste Herrscher.
240
28 Deanstreet, 29. Juni 1853.
Lieber Engels!
Ich bin plötzlich überfallen worden von meiner Schwester und ihrem Vermählten, der als Großkrämer nach dem Kap der guten Hoffnung von hier absegelt. Dies, zusammen mit der Korrespondenz für die Tribune und einigem Unrat, der in Amerika zu adjustieren war, nahm meine Zeit sehr in Anspruch. Morgen, denke ich, segelt das Ehepaar ab. Wie ich von Imandt höre, wird Deine Mutter in London erwartet, woraus der Schluß zu ziehen, daß Du ebenfalls bald einspringen wirst.
Einliegend Lassalles Anweisung für die Versendung der Exemplare nach Deutschland. Meine Frau wird die Expedition nach Manchester vornehmen. Ich hoffe, daß Ihr dann die Sache in Manchester besorgen werdet. Hast Du nichts von Jones gesehen, der in Eurer Gegend spukt und in Halifax ein Monstermeeting zustande gebracht haben soll?
Zu meinem Erstaunen bekam ich vorigen Mittwoch einen sehr verdrießlichen Brief von Cluß, worin er mir mitteilt, daß ihm geschrieben wurde, Pieper habe ihn bei Schläger – ihn und Arnold – als „untergeordnete Agenten“ hingestellt, sich dagegen als den Mann, der die Nachrichten „aus erster Quelle“ bringe usw. Zum Glück ist an der ganzen Geschichte _kein wahres Wort_, sondern bloßer Versuch der Partei Willich, Anneke, Weitling und Komp., Zwietracht in unseren eigenen Reihen zu säen und speziell „den sehr unangenehmen Cluß“ neutral zu machen. Die nötigen Aufklärungen sind natürlich sofort übers Wasser besorgt worden. Ich finde den ersten Brief von Cluß nicht, lege aber den zweiten bei.
Als ich nach Manchester abreiste, pumpte ich 2 Pfund bei dem biedern Bamberger. Der Kerl schickt mir grobe Mahnzettel, sogar Drohungen. _Mais nous verrons._[1] Bis Freitag habe ich für 20 Pfund Sterling nach New York zu ziehen. Fragt sich aber wieder, wie.
Einliegend das _Nec plus ultra_[2] der Heinzenschen blutdürstig gewordenen Feigheit und Abneigung gegen die „gewöhnliche Kriegführung“.
Mit dem „Schweizer Artikel“ war ein Irrtum meinerseits, da Dana die Sendung in zwei Teile gespalten, aber beide unter meinem Namen drucken ließ.
Nun für das nächste Mal. Eben kamen Frau Schwester und Herr Schwager. Meine Schwester ist sehr korpulent, und die Passage durch den Äquator wird ihr verdammt Schweiß kommen [kosten].
Dein K. M.
[1] Aber wir werden sehen.
[2] Nicht zu übertreffende.
241
28 Deanstreet, 8. Juli 1853.
Lieber Engels!
Überbringer dieser Zeilen, Dr. Jacobi, einer von dem „Kölner Kommunistenprozeß“. Ich weiß nicht, ob Du krank bist oder bös, oder beschäftigt, oder sonst was, da Du keine Lebenszeichen von Dir gibst.
Ich habe gestern 24 Pfund auf A. Dana gezogen bei Spielmann in Lombardstreet, der mich in fünf Wochen, sobald Wechsel zurück, zahlen wird. In der Zwischenzeit habe ich wieder sehr schlimme Periode durchzumachen, um so mehr, als verschiedene wertvolle Sachen im Pfandhaus erneuert werden müssen, wenn sie nicht verfallen sollen, und dies natürlich nicht möglich ist _dans un moment_,[1] wo selbst die Mittel _pour les choses les plus nécessaires_[2] fehlen. Indes, ich bin jetzt an den Dreck gewöhnt und an die Verhältnisse, die er mit sich bringt. Jedenfalls wirst Du mir schreiben, warum Du nicht schreibst. Ich hoffe _at all events_,[3] daß Du nicht krank bist.
Dein K. M.
[1] In einem Zeitpunkt.
[2] Für die notwendigsten Dinge.
[3] Auf alle Fälle.
242
Manchester, Samstag, 9. Juli 1853.
Lieber Marx!
Letzte Nacht um vier Uhr weckt mich die alte Hausfrau aus dem Schlafe, es sei ein Gentleman da, der mich sprechen wolle. Ich rapple mich empor und finde an der Türe ein Männchen mit einem Cab, einem kolossalen Koffer und Reisesack, der mir sagt, sein Name sei Jacobi und Du und Pieper hättet ihn mir geschickt. Marx und Pieper! dachte ich, wer zum Henker ist dieser Jacobi, ist er ein unehelicher Sohn vom Königsberger oder was, und endlich zieht das Männchen Deinen Brief aus der Tasche, ziemlich verdutzt, nicht gleich mit offenen Armen unbekannterweise aufgenommen zu sein – worüber mir dann einfällt, was Dein Brief bestätigte, daß es der Kommunistenprozeß-Jacobi sei, an den mein Herz nicht dachte, da ich ihn in preußischen Kaschotten längst gut untergebracht glaubte. _Que faire?_[1] Ich nehme ihn nebst Zubehör also herein, plauderte schlaftrunken eine halbe Stunde mit ihm und ließ ihn sich dann auf mein Sofa legen, denn das Haus ist _crammed full_[2] von Leuten. Glücklicherweise ist mein Alter bis morgen aus der Stadt, und so nahm ich mir den Herrn Parteimärtyrer gleich heute morgen beim Kragen, mietete ihm eine Wohnung und verbot ihm, sich bei mir sehen zu lassen, bis die Abreise meines Alten das Interdikt aufhebe.
Dies kriegisch-westfälische Verfahren, die Tölpelei, nach achttägigem Aufenthalt in London einen Zug zu wählen, der mitten in der Nacht ankommt, nahm mich wenig für den Mann ein. Weitere Verhandlungen haben den Mann in meinen Augen etwas, aber nicht sehr, gehoben. Er will sich bei Borchardt mit Briefen von Dir _und_ Kinkel (beinahe so gut wie Marx _und_ Pieper) präsentieren, dem kleinen Heckscher ohne weiteres und ohne Introduktion auf die Bude stürzen, wo er dann erwartet, daß dieser ihm gleich alle Aufschlüsse über seinen Trade geben und aus Freude über den neuen „wissenschaftlichen“ Umgang seinem neuen Konkurrenten die halbe Praxis abtreten wird – und was dergleichen Biedermannsgedanken mehr sind. Die Dummheit, zu Kinkel zu gehen, schadet ihm mehr als sie ihm nützt. Kinkel gibt ihm Brief – nicht an Herrn, sondern an _Frau_ Schunck, eine Unverschämtheit und ein direkter grober Bruch der englischen Etikette .... Außerdem ist Monsieur Jacobi, _à ce qu’il me parait_,[3] nicht der Mann, sein Glück hier zu machen.
Sobald mein Herr Alter fort ist, schicke ich Dir einiges Geld. Früher kann ich nicht gut etwas nehmen, da ich jeden Tag riskiere, daß er einmal mein Konto nachliest, was allein schon heitere Erörterungen geben wird, die ich lieber schriftlich abmache.
Die Idee, ich schriebe nicht, weil ich „bös“ sei, hat mich lachen gemacht. _De quoi donc?_[4]
Grüße Deine Frau und Kinder und halte den Dreck wenigstens aus, bis ich wieder freie Hand habe – hoffentlich binnen acht Tagen.
Dein F. E.
[1] Was tun?
[2] Gepfropft voll.
[3] Wie es mir scheint.
[4] Worüber denn?
243
28 Deanstreet, 18. Juli 1853.
Lieber Engels!
Ich erhielt vorgestern Brief von Lassalle, der nun im ungewissen ist, an Unterschlagung von Briefen usw. glaubt. Es wäre gut gewesen, wenn Du mir angezeigt, ob das Paket an ihn abgegangen oder nicht. Lassalle ist noch der einzige, der mit London zu korrespondieren wagt, und so muß verhütet werden, ihm die Sache zu verleiden. Ich bitte Dich also, mir anzuzeigen, wie es mit dem Paket steht. Die Frage der Versendung desselben hat noch die zweite Wichtigkeit für mich, daß die Epoche der __returns__[1] davon abhängt.
Meine Frau hat mit letzter Post einen sehr freundlichen und kulanten Brief von A. Dana erhalten, worin er anzeigt, daß es ihm unmöglich, ein Haus in London anzugeben. _At all instances_[2] werden die von mir gezogenen Wechsel prompt honoriert werden. Er schreibt, daß meine Artikel „_highly valued by the proprietors of the Tribune and the public_“,[3] und schreibt _keine_ Grenze vor für das Quantum der Sendungen.
In der Debatte über die _advertisement duty_[4] – ich glaube vor ungefähr zwei Wochen – hielt Herr Bright eine große Eloge auf die New York Tribune und gab eine Analyse von einer Nummer derselben, worin gerade mein Artikel über das Budget stand. Darüber sagte er: „_From Great Britain there is an elaborate disquisition on the Right Honorable Gentleman’s budget doing him justice in some parts, but not in others and doing certainly, as far as the Manchesterschool was concerned, no justice whatever._“[5]
Mit Jacobi mußt Du Dich nicht abschrecken lassen durch die Unbeholfenheit und Weltunkenntnis eines 23jährigen Jünglings aus dem Regierungsbezirk Minden, der zwei Jahre im Käfig saß. Es ist tüchtiger Fonds hinter ihm. Ich habe seine Doktordissertation gelesen und war „_much pleased with it_“.[6]
Dein K. M.
Jones hat bedeutende Meetings gehalten, die selbst die Aufmerksamkeit der Bourgeoisblätter erregen.
[1] Eingänge, Zahlungen.
[2] In allen Fällen.
[3] Von den Eigentümern der Tribune und dem Publikum sehr geschätzt [werden].
[4] Inseratensteuer.
[5] Aus Großbritannien ist da eine sorgfältige Untersuchung des Budgets des sehr ehrenwerten Herrn [Schatzkanzler], die ihm in einigen Punkten gerecht wird, in anderen aber nicht, und die, soweit die Manchesterschule in Betracht kommt, ihr sicherlich in keiner Weise gerecht wird.
[6] Sehr befriedigt von ihr.
244
28 Deanstreet, 18. August 1853.
Lieber Engels!
Lupus wird _wahrscheinlich_ eine gute Stelle in Liverpool bekommen. In diesem Falle wird er über Manchester reisen. Die Schwierigkeit besteht darin, daß er sein Gehalt erst am Ende des Vierteljahrs ausgezahlt erhielte. Er erwartet dann allerdings einige Gesamthilfe von Dir und Strohn. Ist letzterer retourniert?
Der Stänker Dronke schreibt natürlich sehr wichtigtuende Briefe in alle Welt, zum Beispiel an Imandt, „daß er Anstalten getroffen zur Übersiedlung nach Amerika“. __Entre nous__,[1] es scheint mir, daß der kleine Ladenhüter, um sich in wohlfeiler Weise wichtig zu machen, dem Lupus zu verstehen gegeben hat, daß er statt Deiner die Sache in die Hand genommen hat. Wenigstens glaube ich, _on the part of Wolff_[2] eine gewisse Spannung gegen Manchester wahrzunehmen. Daß Dronke ein lebendiger _cancan_[3] ist, _no doubt about that, experto crede etc._[4] _Pieper_ mußt Du durchaus umgehend wenigstens so viel schicken, daß er sich Rock und Hose schaffen kann. Wie er jetzt abgerissen ist, ist es ihm unmöglich, selbst günstige Chancen, die sich ihm bieten, zu benutzen. Er ist unpräsentabel geworden. Zudem hast Du ihm die Sache bei Deiner Abreise versprochen. Er hält sich brav in seinem Pech. Indes hat alles eine Grenze.
[Ich habe] besonders Unglück in Geldnegoziationen. Ich habe jetzt für 42 Pfund Sterling (zwei Wechsel) auf Amerika laufen und kann dabei nicht über 42 Farthing kommandieren, obgleich ich nicht nur für mich, sondern auch für Pieper die Subsistenzmittel schaffen muß. Den ersten Wechsel von 24 Pfund Sterling gab ich Herrn Spielmann, er sagte, ich solle in fünf Wochen wiederkommen. Jetzt sind es schon sieben. Dabei verliere ich durch dieses elende Laufen nach der City immer gerade Montag und Donnerstag, das heißt beide Tage, wo ich die Korrespondenzen für Dienstag und Freitag vorbereiten müßte. Spielmann schickt mich immer zurück mit der jüdisch-genäselten Bemerkung: „Kaine Nootiz da.“ Wegen solcher kleinen Summen schrieben seine Korrespondenten nur gelegentlich. Wenn ich das Geld gleich gebraucht hätte, so hätte ich ihm im voraus sagen müssen, daß ich das _Porto_ für einen besonderen Brief zahlen wolle usw. Dadurch bin ich nun nicht nur in täglicher Klemme, sondern meine Frau, die auf das exakte Eintreffen gerechnet, hatte den verschiedenen Gläubigern Termine angesetzt, und nun stürmen die Hunde das Haus. Ich schreibe unterdes wie der Teufel drauf los. Es wäre sehr gut, wenn Du mir irgend einen Artikel dazwischen schicktest oder zwei, damit ich Zeit erhielte, wieder etwas Besseres auszuarbeiten. Dreiviertel der Zeit geht hier mit den Pennyläufereien fort.
Heise ist jetzt hier, persönlich gar kein übler Kerl. Herr Kossuth macht sich jetzt lächerlich als Korrespondent der Daily New York Times. Vier Briefe von D. Urquhart über die orientalische Frage im Advertiser enthielten trotz seiner Marotten manches Interessante. Gegen Jones _we strike_[5] seit zwei Wochen.
Dein K. M.
[1] Unter uns.
[2] Von seiten Wolffs.
[3] Klatschbase.
[4] Kein Zweifel darüber, glaube dem, der es praktisch erfahren hat.
[5] Streiken wir.
245
28 Deanstreet, 28. August 1853.
Lieber Engels!
Einliegend ein Brief von Weydemeyer, einige von Cluß, eine Erklärung von Herrn Willich, ein Brief von Mazzini an Mr. Mott (Abolitionist) in Amerika. Deinen Aufsatz habe ich in zwei Partien benutzt und umgeschrieben in zwei Aufsätze, die ich nach New York geschickt, indem meine Frau den Sekretär abgab. – –
W. Wolff hat an seinen Vertrauten Rings geschrieben. Er werde bis Ende Oktober in Manchester versuchen. Wenn sich bis dahin nichts finde, abreisen. Er lebe einstweilen auf fremde Tasche Great D[ucie] Street Nummer so und so.
Ich wünschte, über die Sache mit Herrn Dronke ins klare zu kommen. –
_Les choses marchent merveilleusement._[1] In Frankreich wird das einen entsetzlichen Krach geben, wenn die ganze finanzielle Schwindelei zusammenbricht.
Jacobi hat einen melancholisch stilisierten Artikel über den Untergang der Erde in der Reform.
Laß diese Zeilen nicht in falsche Hände fallen.
Dein K. M.
Apropos. Vorgestern erhielt ich ein paar Zeilen von Blind. Er wird von seiner demokratischen Vornehmheit sich wieder bequemen müssen, auf die Messer- und Gabelfrage herabzusteigen. Er hat seinen Prozeß verloren, und einstweilen ist das ganze Vermögen seiner Frau mit Beschlag belegt. So hören alle Subsidien auf. Es tut mir leid für ihn, trotz der abgeschmackten Manieren, die er zu adoptieren für gut hielt.
Hast Du die Geschichte im Morning Advertiser von wegen Bakunins verfolgt? Urquhart brachte, daran anbindend, einen Artikel, worin er Bakunin verdächtigt, erstens, weil er _a Russian_,[2] und zweitens, weil er „_a Revolutionist_“ sei, die Behauptung aufstellt, es gäbe keine ehrlichen Revolutionäre unter den Russen, ihre demokratisch sein sollende Schriftstellerei (Hieb auf Herzen und den _polisson_[3] Golowine) beweise gar nichts, und schließlich den kontinentalen Revolutionären erklärt, sie seien ebensolche Verräter wie die Regierungen, wenn sie Russen in ihr Vertrauen zuließen. Die Russen, scheint es, schicken dann den _Englishman_ (Richards) ins Feuer, der eine Pique gegen Urquhart hat, weil dieser, von wegen Anciennitätsansprüchen, ihm die Thema „Paris“ (?) und „Türkei“ im Morning Advertiser abgenommen hat. Richards erklärt, es sei ebenso _preposterous_,[4] den Bakunin für einen _spy_[5] zu erklären, als den Palmerston _to impeach for being bribed by Russia_,[6] bezieht sich auf die _testimonia_[7] von Ruge, mir, lobt Herzens _Idées révolutionnaires_[8] usw. Gestern tritt dann wieder ein Trabant von Urquhart, A. B., auf, erklärt, er kenne sämtliche Schriften der „_jeune Russie_“,[9] sie bewiesen die Richtigkeit von Herzens Ansicht, Panslawismus usw.
Jedenfalls werden _les intrigants russes_[10] merken, daß es nicht so leicht ist, hier – wie bei der pauvren französischen Demokratie – sich mausig zu machen, „_influence_“[11] zu gewinnen und als eine Art Aristokratie in der revolutionären Emigration sich zu gebaren. Hier setzt es harte Püffe. Was haben die Esel nun dem Bakunin genützt? Daß er ernsthaft öffentlich angeklagt wird und daß sie selbst eins aufs Maul erhalten.
[1] Die Dinge gehen wunderbar vorwärts.
[2] Ein Russe.
[3] Lümmel.
[4] Albern.
[5] Spion.